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Bike Revolution: Die Vernetzung der Fahrräder

Die digitale Vernetzung ist seit Jahren schon ein großes Thema in der Fahrzeugindustrie. Autos, Busse und viele andere Fortbewegungsmittel verfügen mittlerweile über eine intelligente Kommunikationstechnologie, die zur Unterstützung des Benutzers dienen und das Fahren erleichtern bzw. sicherer machen sollen. Aber auch die Fahrradhersteller statten vermehrt ihre Vehikel mit digitaler Technik aus. Bisher wurden hauptsächlich teure E-Bikes mit IT ausgestattet. Das soll sich nun ändern. Die ungebremste Nachfrage nach Rädern bestätigt diese Entwicklung. Fahrräder werden daher immer mehr zu Super-Vehikeln umgebaut. Nachdem die Fahrrad-Industrie in den letzten Jahrzehnten kaum eine innovative Erneuerung erlebt hat, steht sie mithilfe der Digitalisierung plötzlich vor einer Revolution, mit völlig neuen Ansprüchen und Herausforderungen.

Neben den E-Bikes werden auch Räder ohne elektrischen Motor nun digital aufgerüstet und mit allen technischen Mitteln versehen. Der gute alte Drahtesel soll in naher Zukunft per App steuerbar sein. Eine fundamentale Rolle spielen dabei die Sicherheit im Strassenverkehr und der Schutz vor Diebstahl. Ein weiteres wichtiges Thema ist der Umweltschutz, was erst einmal wie eine vermessene Provokation klingt und in der Auswahl überrascht, da sich kaum ein Radfahrer als Umweltsünder sehen würde. Dennoch macht die Überlegung bei genauerer Betrachtung Sinn. Eine kluge Routenplanung kann nämlich zu einer effizienteren Fahrweise, beziehungsweise zu einer Entlastung des Verkehrs führen und somit auch helfen, Staubildungen zu verringern. 

Sicherheit

Der eine oder andere war sicherlich schon einmal Opfer eines Fahrraddiebstahls. Man geht nichtsahnend zu seinem Gefährt, der Schlüssel klirrt und poltert zwischen den Fingern, nur um Sekunden später die Gewissheit zu erlangen, dass die liebliche Vorfreude des Pedaltretens umsonst war. Dieser Verlust kann mitunter zu unkontrollierten Weinkrämpfen und im schlimmsten Fall zur völligen Verzweiflung führen. Um solche Situationen zu vermeiden, hat man sich vermehrt dem Thema Sicherheit zugewandt. Fahrraddiebstahl ist daher ein wichtiges Unterthema in Sachen Bike-Mobilität. Die alte, händische Codierung hat hingegen ausgedient. Ich erinnere mich noch daran, wie ich zum ersten Mal zur Polizei geradelt bin, um mein Mountainbike mit einer Zahlen-und Buchstabenkombination markieren zu lassen. Ich fühlte mich gleich sicherer. Es wurde trotzdem gestohlen.

Verschiedene Hersteller wie Sherlock, Spybike oder Trojabike haben sich dieser Problematik gewidmet. Da GPS-Systeme für Fahrräder bereits seit geraumer Zeit schon existieren, gibt es auch dementsprechende Gegenmittel. Fahrraddiebe kennen die genauen Schwachstellen und entfernen die Geräte mit wenigen Handgriffen.

Eine unauffälligere Variante und äußerlich nicht sichtbar, bietet nun der Hersteller Sherlock Bike an. Der GPS-Tracker besteht aus einem dehnbaren Material und kann entweder in das Gestell oder in das Lenkradsystem eingebaut werden. Mit einer zugehörigen App lässt sich dadurch der Standort des geklauten Fahrrades ermitteln. Das verhindert zwar keinen Diebstahl, sorgt aber für eine zusätzliche Sicherheit. Eine ähnliche Technik bietet der Fahrradsecure-Dienst Trojabike. Laut den Herstellern ist es praktisch unmöglich für Diebe, das ebenfalls in den Rahmen integrierte Ortungssystem abzuschalten oder zu entfernen. Ein weiterer Vorteil von Trojabike-Trackern sind die Vernetzungen mit der regionalen Polizei-Leitdienststelle. Einen anderen Diebstahlschutz verspricht der GPS-Tracker von Spybike, der bei Diebstahl, den Besitzer über die App alarmiert. Den Tracker gibt es in drei Ausführungen: als TopCap-Tracker, Seatpost-Tracker und als Spylamp. Neben dem Rahmenversteck, kann der Tracker darüber hinaus noch als Sattelstütze oder als Spylamp getarnt werden.

Schlößer mit Bluetooth

Aber auch traditionelle Sicherheitstechniken wie das klassische Fahrradschloss, werden mit digitaler Technologie aufgerüstet. Der bekannte Schloßentwickler Abus hat ein Schloss entwickelt, dass sich ganz ohne Schlüssel, dafür aber per Bluetooth öffnen lässt. Das BORDO Alarm Schloss von Abus verfügt darüber hinaus über ein auditives Warnsystem, dass bei massiver, physischer Manipulation losschreit und Warnsignale mit bis zu 100 Dezibel abgibt. Wer keine genaue Vorstellung von 100 dz hat, der sollte sich einen Presslufthammer vorstellen und bekommt dann ansatzweise eine Ahnung von der Lautstärke.

Funktechnologie statt Kabel

Kabelloses Fahren klingt ungewöhnlich, ist jedoch längst Realität. Die Verkabelung der Schaltteile mit verschiedenen Bedienelementen wird durch den Einsatz von Funktechnologie obsolet. Wir brauchen uns dann nicht mehr länger mit unnötigen Kabeln herumzuwinden. Sehr bald schon, sollen Fahrräder mit lose hängenden Kabelelementen der Vergangenheit angehören. E-Bikes hingegen fahren bereits seit längerem kabellos. Nun sollen auch Mountainbikes komplett umgerüstet und mit Funktechnologie ausgestattet werden. Das ganze lässt sich natürlich, wie soll es auch anders sein, über eine App bedienen und programmieren.

Eine dieser raffinierten Gimmicks sind elektrisch steuerbare Sattel, deren Höhe sich ganz bequem per Knopfdruck einstellen lässt. So kann der Fahrer ohne abzusteigen in sekundenschnelle seinen Sattel anpassen und seine Fahrsituation dadurch verbessern.

E-Bikes mit Hightech

Im Fokus der Fahrrad-Industrie steht aber klar das E-Bike. Elektrisch verstellbare Sitze und Sicherheitseinrichtungen spielen dabei aber eher eine untergeordnete Rolle. Sie gehören nämlich zur Standardausrüstung und stellen keine außergewöhnliche Besonderheit dar, zumindest nicht bei E-Bikes. Die Ansprüche sind definitiv höher und gehen mehr in die Hightech Schiene. So liefern beispielsweise unterschiedliche Autozulieferer wie Bosch, Contitech oder Brose hochentwickelte Bausatzteile wie Sensoren oder Motoren für E-Bikes. Andere Hersteller, wie der britische Entwickler Brompton wiederum, fokussieren sich auf den komplizierten Verbau von Motoren bei Falträdern, den sie in das Vorderrad montieren. Daneben erlaubt die digitale Vernetzung von Informationen, einen ökonomischen und nachhaltigen Umgang, indem sie beispielsweise den Widerstand in den Pedalen misst und durch eine automatisierte Schaltung, eine passende oder angemessene Schaltung vorschlägt.

Die Vernetzung geht jedenfalls ungebremst voran und wird in Zukunft zeigen, wie sehr die unterschiedlichen Zweige durch den digitalen Wandel profitieren. Die Industrie ist defintiv in Aufbruchstimmung. Seid gespannt!


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iPhone & Co.: Mehr Akku für alle dauert nicht mehr lange

Battery (adapted) (Image by 3dman_eu [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Es geht in jedem Jahr weiter mit den Veröffentlichungen von Apple – und natürlich auch mit dem Medienrummel. Es ist viel über das iPhone X, das Ende des Home-Buttons, die „Face ID“-Funktion, das drahtlose Aufladen und noch über vieles mehr geschrieben worden. Irgendwo auf der Liste der Neuerungen war eine verbesserte Akkulaufzeit, zumindest für das iPhone X. Dies wird Dank seines neuen, aufgemotzten A11-Bionik-Prozessors ermöglicht.

Apple sagt, dass das neue Gerät bis zu zwei Stunden länger halten wird als das iPhone 7. Dies könnte eine Netzsession von gut 14 Stunden bedeuten. Die Akkulaufzeit auf dem iPhone 8 scheint dagegen mit der seines Vorgängers vergleichbar zu sein. Das kabellose Aufladen – eine Entwicklung, zu der Apple erst spät dazustößt – macht bei der Akkuleistung keinen Unterschied.

Verbesserungen an den Batterien sind bei neuen Smartphone-Modellen für Verbraucher enorm wichtig. Bei Samsung gab es hier viele wichtige Neuerungen, als sie im vergangenen Monat das Galaxy Note 8 auf den Markt brachten. Zwar wurde hier die Akkulaufzeit nicht wirklich verlängert, aber immerhin wurde dafür gesorgt, dass die Probleme des Vorgängermodells Note 7S, das gerne mal in Flammen aufging, umgangen werden konnten.

Doch auch die besten Produkte sind nach Jahrzehnten in der Mobile-Computing-Revolution noch relativ begrenzt in Sachen Ladung und Akkuleistung. Auch die Geräte von Apple sind innerhalb der letzten zehn Jahre nur mäßig fortgeschritten.

Bislang konzentrierten sich die Hersteller eher auf die Verbesserung der Batterietechnologie und packten immer mehr Energie auf immer weniger Raum. Das Galaxy Note 7S schreckte durch seine Entflammbarkeit eher ab. So lernten die Hersteller ihre Lektion, wenn es um die Frage ging, was schief gehen kann, wenn die Akku-Energie als Wärme freigesetzt wird. Die Hersteller bemühen sich auch um die Verbesserung anderer mobiler Hardware, die Energie verbraucht – einschließlich Display, WiFi, GPS und Zentraleinheit (CPU). Die verbesserten CPUs und OLED-Bildschirme der neuen iPhones machen sie beispielsweise batteriefreundlicher.

Ein Bereich, der erstaunlich wenig Beachtung gefunden hat, ist jedoch der Energieverbrauch von Software. Um genau zu sen, geht es um die Energie, die von der CPU verbraucht wird, wenn sie eine bestimmte Software ausführt. Weder Samsung noch Apple schienen mit ihren neuesten Entwicklungen sonderlich große Schritte in diese Richtung zu machen. Dieses Thema könnte jedoch einen großen Unterschied in der Frage ausmachen, wie lange wir unsere Geräte in Zukunft aufladen müssen.

Softwareentwicklung auf einem neuen Level

Vor Jahrzehnten, als Computer noch tausendmal langsamer waren, haben die Entwickler den Code mit der Hand nahezu perfekt abgestimmt, um jedes bisschen Leistung aus der Maschine herauszuholen. Aber weil auch die Software immer komplizierter geworden ist – dank neuer Funktionen, verbesserter Benutzererfahrung und so weiter – ist dies nicht mehr möglich.

Die Softwareentwicklung ist nun sehr weit von dem einfachen binären Code entfernt, den die CPU ausführt. Entwickler verlassen sich auch auf Sammlungen mit bereits vorhandenem Code, weil es zu lange dauern würde, jede Anweisung von Grund auf neu zu erstellen. Beide Änderungen verringern den Aufwand und beschleunigen die Entwicklungszeit erheblich. Aber der finale Code enthält oft Teile, die in einer bestimmten Anwendung redundant sind. Oder aber er könnte mit effizienteren, maßgeschneiderten Segmenten verbessert werden.

Diese Nachteile versuchen die Entwickler oft dadurch abzumildern, dass sie ihren Code so schnell wie möglich durchlaufen lassen. Was allerdings in der Theorie den Energieverbrauch reduziert. In der Praxis funktioniert das aber nicht immer, da manche Anleitungen mehr Prozessorleistung verbrauchen als andere und den Nutzen letztlich neutralisieren können. Daraus folgt, dass der Energieverbrauch der Software im Laufe der Jahre deutlich gestiegen ist. Niemand kümmerte sich darum, da die meisten Programme auf Maschinen liefen, die mit Netzstrom betrieben wurden. Dies hat sich geändert, seit wir immer mehr mobile Geräte nutzen. Gleichzeitig nimmt die Besorgnis über den Zusammenhang zwischen Stromverbrauch und Klimawandel zu.

Die KIs werden es schaffen

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Entwickler dieses Problem nur langsam angegangen sind. Der Energieverbrauch von jeder Software war sehr schwer zu messen. Das liegt daran, dass die Konfiguration jedes Geräts unterschiedlich ist. Der Energieverbrauch kann sich ändern, je nachdem, ob ein Programm schon einmal gelaufen ist oder ob andere Programme laufen.

In letzter Zeit gibt es jedoch Fortschritte. Sie verwenden maschinelles Lernen, um den Energieverbrauch einzuschätzen, indem sie bestimmte Codezeilen oder Softwarekomponenten analysieren und Energiedaten aus anderen Programmen, die auf vielen anderen Geräten ausgeführt werden, referenzieren. Wird dies erfolgreich ausgeführt, könnte der Computer, den schweren Teil der Arbeit erledigen. Er soll nach alternativen Programmen suchen, die die Software leistungsfähiger machen.

Willkommen beim suchebasiertem Software-Engineering. Es funktioniert so einfach wie das Auffinden von redundanten Codes oder die Feinabstimmung der Konfiguration. Es kann sich auch auf den bestehenden Quellcode erstrecken. Unsere eigene Arbeit hat sich sowohl mit der Auswahl alternativer Softwarekomponenten aus bestehenden Sammlungen als auch mit der Generierung neuer Code-Stückchen beschäftigt. Wir haben es sogar geschafft, mehrere hundert Fehler in Hadoop, einem sehr weit verbreiteten Software-Framework, zu finden und zu reparieren.

Wir haben die Vision, dass diese suchebasierten Methoden zur Verbesserung der Energieeffizienz in die sogenannte „Compiler“-Phase integriert wird, wenn Computercodes, die von Menschen stammen, in Nullen und Einsen umgewandelt werden und die die Maschine versteht. Diese Suchvorgänge würden automatisch ablaufen und Entwickler müssten nicht an sie denken – ihr Code wäre sofort effizient.

Eines ist klar: Es liegt noch ein langer Weg vor uns.

Die Hauptschwierigkeit besteht darin, den Energieverbrauch der Software richtig einzuschätzen, insbesondere für viele verschiedene Geräte gleichzeitig. Aber das Potenzial der nächsten fünf Jahre macht uns neugierig. Wir konnten eine Reduzierung des CPU-Energieverbrauchs um 40 Prozent bis sogar 70 Prozent für eine Reihe spezifischer Aufgaben aufzeigen. Und es ist nicht unvorstellbar, dass dies eines Tages über die gesamte laufende Software repliziert werden kann.

In Kombination mit besseren Batterien und mehr Verbesserungen der Hardware-Leistung, wie beispielsweise Bildschirmen, die keine zusätzliche Energiequelle benötigen, könnten wir von gravierenden Verbesserungen der Akkulaufzeit sprechen. Die führenden Hersteller sprechen in Zukunft vielleicht nicht mehr von einer schrittweisen Verbesserung der Akkulaufzeit. Sie könnte sich auch schon bald um viele Stunden und vielleicht sogar Tage erhöhen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Battery“ by 3dman_eu (CC0 Public Domain)


The Conversation

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So entschlüsselt die Strafverfolgung eure Fotos

St. Jones, Canada (adapted) (Image by Zach Meaney) (CC0 Public Domain) via Unsplash

Solange wir Menschen Fotos machen, wurden sie von uns auch manipuliert. Um Bilder zu verändern, musste man früher in der Dunkelkammer komplizierte Operationen ausführen, wohingegen heute jeder mit einem Smartphone in der Lage ist, hunderte von frei verfügbaren Tools dafür zu nutzen. Während dieser Umstand für den eigenen Instagram-Feed praktisch sein kann, stellt es eine besondere Herausforderung für die Strafverfolgung dar. Bildern kann man nicht immer vertrauen, denn sie stellen nicht immer exakt dar, was tatsächlich geschehen ist.

So habe ich beispielsweise vor Kurzem mehrere Fotos für die RSPCA (Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals, dt.: königliche Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten an Tieren, eine Tierschutzorganisation in England und Wales) analysiert, auf denen eine Ente zu sehen war, der ein Messer im Kopf steckte. Wir sollten feststellen, ob das Bild mit Photoshop manipuliert wurde. Auch die Behörden verlangen immer öfter, Bilder von Kriminaltechnikern verifizieren zu lassen – wie aber wird das gemacht und wo führt es hin?

Die Bildverarbeitungskette

Analysten verlassen sich derzeit auf Kenntnisse der „Bildverarbeitungskette“, um Bilder zu untersuchen und zu validieren. Diese Kette ist oft in sechs Hauptbereiche unterteilt:

  1. Physik: Schatten, Beleuchtung und Reflexionen
  2. Geometrie: Fluchtpunkte, Entfernungen im Bild und 3D-Modelle
  3. Optisch: Linsenverzerrung oder Abweichungen
  4. Bildsensor: Grundrauschen und Farbfilterfehler
  5. Dateiformat: Metadaten, Dateikomprimierung, Miniaturansicht und Marker
  6. Pixel: Skalieren, Zuschneiden, Klonen oder Zurücksetzen
Bildkette (Image by Richard Matthews)
Das Flussdiagramm wie Eigenschaften von Bildern, numerisch aufgelistet von Strafverfolgern untersucht werden. Image by Richard Matthews.

Anstelle des Sichtbaren ist es oft das Unsichtbare, mit dem unsere Untersuchungen beginnen. Hier konzentrieren wir uns auf die in den Bildern aufgenommenen Metadaten (Ebene 5 im Schema oben).

Dateiformat-Spurensuche: Metadaten

Wenn ein Bild gespeichert wird, enthält die Datei typischerweise Daten über das Bild, die als Metadaten bekannt sind. Es gibt mehr als 460 Metadaten-Tags innerhalb des austauschbaren Bilddateiformats für digitale Standbildkameras (EXIF 2.3). Diese Angaben unterstützten Kameras dabei, Formate zu verwenden, die zwischen Geräten ausgetauscht werden können – zum Beispiel, dass ein iPhone-Foto korrekt auf einem Samsung-Gerät angezeigt wird. Tags können Bildgröße, Standortdaten, eine kleinere Vorschau des Bildes und sogar die Marke und das Kameramodell enthalten.

Herausfinden, welche Kamera welche Fotos aufgenommen hat

In einer kürzlich durchgeführten Untersuchung konnten wir eine Bildersammlung überprüfen, die als die „Byethorne-Ente“ bekannt ist. Die Bilder, die von der RSPCA an „The Advertiser” geliefert wurden, zeigen eine Ente, in deren Kopf ein Messer steckte. Es kam rasch die Vermutung auf, dass die Bilderreihe mittels Photoshop verfälscht worden sei.

Die Byethorne-Ente (Images provided by RSPCA)
Bilder der Ente aus dem Byethorne Park. Images by RSPCA.

Wir untersuchten die Bilder mit dem ExifTool von Phil Harvey und konnten feststellen, dass vier der Bilder (links oben) von einer Kamera aufgenommen wurden, wobei der Rest von einer anderen aufgenommen wurde.

Dieses wurde anhand von Sensormustergeräuschen und statistischen Methoden bestätigt. Wir haben mit Signalverarbeitungsfiltern einen einzigartigen Fingerabdruck aus jedem Bild extrahiert und verglichen, wie sehr sie sich ähneln. Ein hoher Wert zeigt an, dass sie sich sehr ähnlich sind und wahrscheinlich miteinander korrelieren, während ein niedriger Wert darauf hindeutet, dass sie verschieden sind und es unwahrscheinlich ist, dass sie in Verbindung miteinander stehen.

Als wir vier der fünf Dateninformationspakete der Bilder verglichen, erhielten wir weit über 2.000 Merkmale. Vorausgesetzt, sie korrelieren miteinander, können wir sagen, dass die Bilder vermutlich von der gleichen Kamera stammen. Als wir das fünfte Bild testeten, war der Ähnlichkeitswert, den wir erhielten, nahezu bei Null angekommen.

Metadaten Entenbilder (Image by Richard Matthews
Die Metadaten verschiedener Bilder der Byethorne Ente im Vergleich. Sie zeigen zwei verschiedene einzigartige Bildidentifikatoren, die mit einer Smarphone Firmware verknüpft werden konnten. Image by Richard Matthews.

Das spezifische Bild-ID-Feld enthielt auch die Kamera-Firmware-Nummer. Durch Querverweise zur Bild- und Sensorgröße, die ebenfalls in den Metadaten enthalten sind, nahmen wir an, dass entweder ein Samsung Galaxy S7 oder S7 Edge verwendet wurde, um die ersten vier Bilder aufzunehmen und ein Samsung Galaxy S5 für das fünfte Bild genutzt wurde.

In den Metadaten wird außerdem der Zeitpunkt angezeigt, an dem die Bilder aufgenommen wurden. So kann eine Zeitleiste erstellt werden, die besagt, wann die Bilder aufgenommen wurden und von wem sie stammen.

Frequency of PhotosTaken (Image by Richard Matthews)
Die Zeiten, an denen die Bilder gemacht wurden, der jeweiligen Smartphone-Kamera zugeordnet. Image by Richard Matthews

Da die Fotos von zwei verschiedenen Kameras über einen Zeitraum von etwa einer Stunde aufgenommen wurden, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Bilder hätten gefälscht sein können. Ein RSPCA-Sprecher bestätigte, dass er Bilder von der Ente von zwei unterschiedlichen Leuten erhalten hat. Das passt ins Bild. Bisher gab es jedoch nicht genügend Beweise, um die Identität eines Täters zu bestimmen.

Aus einem Bild den Standort einer Person feststellen

Das Kameramodell ist nicht das einzige, was aus den Metadaten bestimmt werden kann. Wir können sehen, wo sich mein Büro befindet, indem ich dieses Bild analysiere, das jemand von einem Stapel Bücher gemacht hat, die sich an meinem Arbeitsplatz befinden.

Bücherregal (Image by Richard Matthews)
Bücherregal (Image by Richard Matthews)
Metadaten Buecherregal (Image by Richard Matthews)
Die Metadaten des Fotos im ExifTool. Image by Richard Matthews.

Die GPS-Koordinaten sind direkt in die Bildmetadaten eingebettet. Durch das Platzieren dieser Koordinaten in Google Maps wird der genaue Standort meines Büros angezeigt. Diese offensichtliche Datenschutz-Angelegenheit erklärt, warum beispielsweise Facebook üblicherweise Metadaten aus hochgeladenen Bildern entfernt.

GPS Daten (Screenshot by Richard Matthews)
Die genaue Standort des Büros von Richard Matthews an der Universität von Adelaide kann durch die Analyse der Metadaten, die das Bild des Bücherregals enthält, herausgefunden werden. Screenshot by Richard Matthews.

Laut einem Facebook-Sprecher werden Informationen, einschließlich der GPS-Daten, automatisch aus den hochgeladenen Fotos entfernt, um Menschen davor zu schützen, „versehentlich private Informationen wie ihren Standort zu teilen“.

Die Zukunft der Bildforensik

Metadaten werden niemals isoliert verwendet. Um sicherzustellen, dass das Bild nicht modifiziert wurde und um die Beweismittelkette aufrechtzuerhalten, ist die Dokumentation oder die Herkunftsangabe, die mit einem Beweisstück zusammenhängt, für die Beglaubigung des Bildes essentiell. Dies wird immer wichtiger für die Polizei.

Zukünftig könnten Werkzeuge, die der Unterstützung der Polizei dienen, beispielsweise Audioaufnahmen (die direkt in die Kamera eingebaut sind), oder ein Wasserzeichen enthalten. Ich baue derzeit die Forschungserkenntnisse aus, die darauf hindeuten, dass jeder Bildsensor (die elektronische Einheit, die das eigentliche Bild aufnimmt) aufgrund der Art, wie er auf Licht reagiert, einen einzigartigen Fingerabdruck hat. Wer das nächste Mal ein Foto macht, sollte dies im Hinterkopf haben.

Und was war nun mit der Ente passiert? Ein Sprecher der RSPCA sagte: „Wir nehmen an, dass das Messer kurz nach Aufnahme der Fotos entfernt wurde. Ein anderes Tier, von dem man dachte, dass sie der Vogel von dem Foto sein könnte, wurde wenige Tage später quicklebendig aufgefunden. Dieser Umstand ließ uns in dem Glauben, dass das Messer nicht tief genug eingedrungen war, um erhebliche Verletzungen zu verursachen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „St. Johns, Canada“ by Zach Meaney (CC0 Public Domain)

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  • MP3 t3n: MP3 ist jetzt offiziell tot: Das Ende einer deutschen Erfolgsgeschichte: Es hat den iPod groß gemacht, und was vielen nicht bekannt ist – das Format MP3 ist eine deutsche Erfolgsgeschichte. Jetzt hat das Frauenhofer Institut die Einstellung des Formats angekündigt. Die Patente laufen aus. Das bedeutet nicht, dass es vom Markt verschwindet, sondern dass es nicht weiterentwickelt wird. Der Fokus liege nun auf anderen Medien. Zum Beispiel das AAC-Format sei dem Komprimierten MP3 Format deutlich überlegen. Apple nutzte beispielsweise bei seiner Einführung des iTunes-Stores das AAC-Format.

  • STREAMING golem: Root lässt Netflix-App aus dem Play Store verschwinden: Manche Nutzer von gerooteten Android-Geräten können die Streaming-App Netflix nicht mehr herunterladen. Das Unternehmen habe sich bewusst für diesen Schritt entschieden. Grund dafür ist, dass sich Netflix an Googles Widevine-DRM-System hält und nur noch auf von verifizierten Geräten kompatibel ist. Manche Root-Systeme können die App dennoch finden. Bis jetzt kann der Service noch problemfrei genutzt werden.

  • RANSOMWARE handelsblatt: So wappnen sich Nutzer gegen Cyber-Erpresser: Die Erpresser-Software „Wanna Cry“ beschäftigt die Digitale Welt. Die Erpressungs-Software richtete sich weltweit auf Rechnern ein und verschlüsselte Daten. Betroffen waren neben Privatnutzern auch Krankenhäuser und Großkonzernen wie der Deutschen Bahn. Experten analysieren die Spuren der Hacker und sprechen erste Theorien aus, dass der Angriff aus Nordkorea kommen könnte. Außerdem warnen sie vor erneuten Angriffen, die bis zum jetzigen Zeitpunkt ausblieben. Experten sprechen Tipps aus, wie man sich gegen einen Cyberangriff wappnen kann.

  • ZALANDO gruenderszene: Zalando liefert bald direkt zum Kunden – egal, wo der sich gerade befindet: Das Start-Up Parcify soll nun dafür sorgen, dass Pakete auf den Meter genau zum Kunden geliefert werden. Gemeinsam mit dem Online-Versandhaus Zalando wird der Service nun in Belgien getestet. Um an dem Lieferungssystem teilzunehmen muss man sich die Parcify-App herunterladen und per GPS orten lassen. Wenn sich der Kunde zu einem festgelegten Zeitpunkt im Liefergebiet des Unternehmens aufhält, kann die Sendung auch in einem öffentlichen Ort angenommen werden. Wann und ob der Service auch in Deutschland angeboten wird, ist noch nicht bekannt.

  • AUTONOMES FAHREN new york times: Lyft and Waymo Reach Deal to Collaborate on Self-Driving Cars: Der Google-Schwesterkonzern Waymo, ehemals das Google Self-Driving Project, und der Fahrdienstvermittler Lyft sind eine Allianz eingegangen um die Entwicklung für autonomes Fahren voranzutreiben. Gemeinsam wollen sie die Vormachtstellung auf dem US-Markt festigen. Waymo möchte nun gemeinsam mit Lyft die entwickelte Technik in der Praxis testen. Die Vereinbarung zwischen Waymo und Lyft ist ebenfalls strategisch gegen den Konkurrenten Uber gerichtet, welcher angeblich vertrauliche Technologiedaten von Google-Entwicklern gestohlen habe.

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  • DROHNEN heise: Kennzeichen und Kenntnisnachweis: Neue Pflichten für Drohnenpiloten kommen: Fast 400.000 von ihnen sind laut Schätzungen derzeit in Deutschland im Umlauf, kommerzielle Modelle schließt das nicht mit ein. Die Tendenz ist stark steigend, Drohnen werden immer beliebter und verbreiteter. Das Bundeskabinett hat jetzt am Mittwoch unter Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) neue Regeln für Drohnen für mehr Sicherheit und Privatsphäre beschlossen. Zuerst muss der Bundesrat diesen aber noch zustimmen.

  • BILD horizont: “Focus Online hat systematisch von uns geklaut”: Der „Bild.de“-Chefredakteur Julian Reichelt hat das jetzt in einem Interview am Rande des Deutschen Medienkongresses in Frankfurt verlauten lassen. „Bild“ hat beim Landgericht Köln eine wettbewerbs- und urheberrechtliche Klage gegen „Focus Online“ eingereicht, wie Axel Springer am Dienstag mitteilte. Den Betrug könne man auch nachweisen, so sollen Inhalte systematisch kopiert und wiederverwertet werden. Einen Überblick zu allen Beiträgen zum #DMK17 der Kollegen von HORIZONT gibt es hier.

  • SATELLITEN golem: Galileo gehen die Uhren aus: Eigentlich soll das europäische Navigationssystem Galileo dem amerikanischen GPS Konkurrenz machen, derzeit macht es aber eher Probleme. Die Galileo-Satelliten sind jeweils mit vier Atomuhren ausgestattet, von denen jetzt zehn ausgefallen sind. Nach einem gestrigen Live-Stream sollen derzeit nur noch neun Uhren betroffen sein. Insgesamt sind 18 Galileo-Satelliten im All, das heißt, das System hat 72 der Atomuhren im All. Die Ursache für die Ausfälle sei bisher nicht bekannt.

  • APPLE giga: iPhone 8 angeblich mit integrierter Gesten- und Gesichtserkennung: Neues Jahr, neues iPhone! Kaum ist das iPhone 7 heraus, schon gehen die Spekulationen für den Nachfolger los. Der Analyst Timothy Arcuri gab jetzt bekannt, was er für das iPhone 8 prognostiziert. So soll es über eine Gesten- und Gesichtserkennung dank eines Lasers verfügen. Auch das kabellose Laden ist auf der Feature-Liste des Analysten zu finden. Mehr zu Prognosen des Analysten findet sich auf AppleInsider.

  • ROAMING netzpolitik: Im Sommer fallen die Roaming-Gebühren. Doch zu welchem Preis?: Das Handy muss mittlerweile überall hin mit, selbstverständlich auch in den Urlaub. Roaming-Gebühren waren dabei immer ein Dorn im Auge der Smartphone-User, die auch im Ausland immer vernetzt und erreichbar sein wollen. Im September und Oktober letzten Jahres wurde ein EU-Kommisionsentwurf zur Abschaffung der Roaming-Gebühren vorgestellt und konkretisiert. Jetzt wurde bekannt gegeben, das Mitte Juni dieses Jahres die Europäische Union den Entwurf durschsetzen will und die leidigen Gebühren so endgültig abgeschafft haben will.

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  • NSA golem: Die NSA bin ich: Donald Trump ängstigt Menschen. Seine versöhnlich klingende Siegesrede macht nicht vergessen, dass der gewählte Präsident im Wahlkampf hemmungslos gegen Minderheiten hetzte, Überwachungsmaßnahmen gegen alle Muslime im Land ankündigte und seinen politischen Gegnern Vergeltung androhte. Schon kurz nachdem das Wahlergebnis feststand, tauchten Beiträge in sozialen Netzwerken auf, die sinngemäß lauteten: „Vielleicht sollte ich einiges von dem, was ich hier veröffentlicht habe, schnell löschen – ansonsten könnte ich ins Visier der neuen Regierung geraten“.

  • DATENSCHUTZ sueddeutsche: Aus Liebe zum Grundgesetz: Um nur mal ein aktuelles Beispiel zu wählen: Was passiert eigentlich, wenn ein neues Gesetz vom Telekommunikationsgeheimnis nicht mehr viel übrige lässt? Was geschieht dann? Ein paar kritische Artikel, eine Debatte, ja, aber wenn sich kein Parlamentarier überzeugen lässt, dann kommt das Gesetz und die Grundrechte der Bürger schrumpfen ein wenig zusammen. Es sei denn, jemand klagt. Dann landet das Gesetz in Karlsruhe und wird zumindest überprüft. Nur: Welche Privatperson klagt schon, wenn es um zwar wichtige, aber doch irgendwie diffuse Rechte geht? Wenn alle betroffen sind, fühlt sich oft keiner zuständig.

  • FACEBOOK zeit: Zuckerberg sieht keine Wahlhilfe für Trump: Der Papst soll ein Unterstützer von Donald Trump sein? Diese und andere Falschmeldungen waren jüngst bei Facebook zu lesen. Einfluss auf den Ausgang der Präsidentenwahl in den USA hätte das nicht gehabt, ist sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sicher: „Ich persönlich halte es für eine ziemlich verrückte Idee, dass falsche News auf Facebook, die nur einen sehr geringen Anteil der Inhalte ausmachen, die Wahl auf irgendeine Weise beeinflusst haben könnten“, sagte Zuckerberg bei einem Auftritt auf der Konferenz Techonomy in Kalifornien. Die Wähler entschieden auf Grundlage ihrer Lebenserfahrung.

  • MARKT e-book-news: Games schlagen E-Books: Ausgaben für’s Spielen im Schnitt 3,4 mal höher: E-Books, Games & PayPal — eine interessante Kombination, die nicht ganz zufällig … genau, der Zahlungsdienstleister PayPal mit internationaler Perspektive erforscht hat. Die Ergebnisse zeigen sowohl nationale Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten der globalen Gamer- und E-Leser-Population (Alter: über 18 Jahre). Die Bereitschaft, Geld für diesen oder jenen Content auszugeben, unterscheidet sich offenbar sehr stark. In den USA stehen Games nämlich an erster Stelle, in anderen Märkten wie Großbritannien oder Japan dagegen elektronische Bücher. Im angeblichen Leseland Deutschland ist das Verhältnis eher ausgeglichen.

  • GPS heise: GPS-Tracking: Möwen spüren illegale Mülldeponien auf: Wie Möwen illegaler Müllentsorgung auf die Spur kommen könnten, hat eine spanisch-französische Forschergruppe um Joan Navarro von der Estación Biológica de Doñana in Sevilla untersucht. Im Online-Magazin Plos One berichteten sie, dass sie 19 Mittelmeermöwen im südspanischen Nationalpark Doñana mit GPS-Sendern versahen. In den darauffolgenden Wochen konnte das Team genau verfolgen, wohin die Vögel zur Nahrungssuche flogen. Eine Luftaufnahme zeigte, was sich an den Zielorten befindet: Küste, eine Lagune, eine legale Müllkippe oder eben nichts, was Möwen besonders anziehen dürfte. Da die Stelle in zehn Kilometer Entfernung von der Kolonie aber wiederholt von fünf Vögeln aufgesucht wurde, kontrollierten die Forscher den Ort und fanden eine kleine illegale Deponie für Hausmüll.

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Lines: Eine Landkarte voller Lebenslinien

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Es ist der Traum von vielen, unabhängig und frei, anhand der persönlichen Fähig- und Fertigkeiten, eine selbstentwickelte Idee umzusetzen. Eigens zu entscheiden wo es lang geht, ohne bereits vorgegebenes Corporate Design, dessen strikte Vorgaben einen so oft beim Ausleben der Kreativität einschränken.

Dies war auch der Grundgedanke, der Sina Spingler und Alexander Scholz, Projektmanagerin und Entwickler der Tagebuch-App Lines, antrieb. Die App aus dem Hause Made in Hamburg besticht bereits beim Öffnen mit ihrem schicken und zugleich eleganten Design und zählt vielleicht schon bald zu den sozialen Netzwerken von morgen. Lines – dessen Name für Lebenslinie oder roter Faden steht – gibt Menschen dabei die Möglichkeit, kleine Lebensgeschichten, angefangen von Reisen über ein privates Do it yourself-Projekt und herausragende Leistungen wie den Abschluss des Studiums zu erzählen und digital festzuhalten.

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen – Lines schafft dies auf eine authentische Art und Weise.

Die kostenlose App, die sich unter anderem durch ihre einfache Nutzung auszeichnet, ermöglicht es seinen Anwendern, in den drei Kategorien „Travel“, „Life“ und „Project“ ihre Lines-Story zu erzählen. Hat man diese gewählt, erhält der Tagebucheintrag anschließend einen Titel, einen Text, sowie beliebig viele Bilder, die das Erlebte wiedergeben. Eine GPS-Position kann ebenfalls integriert werden. Ist das Werk vollbracht und die Lines-Erzählung erstellt, kann sie entweder privat gehalten, mit Freunden oder aber auch mit der Öffentlichkeit geteilt werden.

Man könnte denken, dass eine App, die erst im März diesen Jahres im Apple-Store erschien, noch in den Kinderschuhen steckt. Dieser Eindruck ergab sich mir beim Testen der App aber keineswegs. Als jemand, die der Welt von Instagram und Co. verfallen ist, brannte ich darauf, mehr über die App und ihre Wurzeln zu erfahren. In einem Interview verrieten mir Sina und Alexander, vor welchen Herausforderungen sie während der Entwicklung standen und welche Wege in Zukunft eingeschlagen werden sollen.

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Alexander Scholz

Melanie Kröpfl (MK): Wie entstand die Idee zu Lines und was waren die ersten Schritte?

Sina Spingler (SSP) und Alexander Scholz (AS): Der allererste Schritt war, dass Alexander als Programmierer sich überlegt hatte, dass er total frei und unabhängig von einem Auftraggeber eine eigene Idee umsetzen möchte. Daraufhin haben wir uns überlegt, welchen Bedarf es am App-Markt gibt. Wir grübelten tagelang und sammelten verschiedenste Ideen. Die Idee zu Lines, der Tagebuch-App, war dabei eine unter vielen, welche sich schlussendlich aber durchsetzte. Kurz darauf begannen wir sehr rasch, erste Skizzen anzufertigen und entwarfen zusammen erste Designs.

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Sina Spingler

MK: Gab es spezielle Herausforderungen bei der Realisierung der Idee oder der App?

SSP & AS: Für mich als Projektmanagerin war es anspruchsvoll, in Erfahrung zu bringen, wie wir unser Produkt am Markt platzieren und erste User akquirieren können. Als Programmierer der App war eine große Herausforderung während der Entwicklung, dass ich zuvor noch nie mit der Sprache SWIFT programmiert habe. iOS und SWIFT-Programmierung musste ich mir also vor und während des Projektes selbst beibringen. Dadurch bin ich auf einige Stolpersteine gestoßen.

MK: Ein Tagebuch, auf der die Idee von Lines beruht, stellt etwas sehr Privates dar. Was war der Grundgedanke der App? Seine Projekte, Reisen und Lebensereignisse mit der Öffentlichkeit oder nur mit seinen Liebsten zu teilen?

SSP & AS: Der Grundgedanke war, dem Anwender die Wahl zu lassen. Er sollte frei entscheiden, ob er die App nur für sich selbst nutzt oder ob er in unserem Zeitalter, in dem wir über das Internet sehr stark miteinander vernetzt sind, Erlebnisse einer bestimmten Gruppe an Personen eröffnet – oder aber sein ganzes Leben mit der Öffentlichkeit teilt. Es bleibt jedem selbst überlassen, wen er oder sie beispielsweise am Heranwachsen des eigenen Kindes oder dem Hausbau teilnehmen lässt oder eben nicht.

MK: Nun ist es so, dass man die meisten Lebensereignisse mit seinen Freunden und Familie zusammen erlebt. Gibt es dafür auch eine Funktion, bei der mehrere Nutzer die gleiche Lines-Story erzählen können?

SSP & AS: Genau mit diesem Thema beschäftigten wir uns auch vor kurzer Zeit und fragten uns, ob diese Funktion eine zukünftige Erweiterung werden kann. Gerade wenn man an Familienurlaube, Gruppenreisen oder einen Skiurlaub mit Freunden denkt, wäre das gemeinsame Bearbeiten von Lines-Stories eine nützliche Anwendung. Derzeit haben wir noch einiges an anderen Optimierungen geplant, die vor einer solchen Funktion eingeführt werden sollen, aber wir können uns gut vorstellen, diese zukünftig zu integrieren.

MK: Welche Funktionen sollen in Zukunft außerdem verfügbar sein? Und wann dürfen sich auch Android-Nutzer über die App freuen?

SSP & AS: Unmittelbar bevor steht eine Verbesserung der Usability, welche die Navigation in der App noch simpler gestalten soll. Ein weiterer wichtiger Punkt für uns, der mittelfristig realisiert werden soll, ist die Funktion, sich das Tagebuch als druckfähige Datei herunterladen zu können. Aus persönlichen Erlebnissen und auch aus Erfahrungen von Freunden erkannten wir das Bedürfnis, sich seine Erinnerungen beispielsweise als Buch oder Kalender drucken lassen zu wollen. Dafür sollen dem Nutzer verschiedene Designvorlagen zur Verfügung stehen, aus denen frei gewählt werden kann. Abhängig vom Wachstum der App soll das digitale Tagebuch aber auch bald im Google-Playstore zum Download bereit stehen.

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Eine Lines-Story

MK: So wie Lines aufgebaut ist, erinnert es an eine Mischung aus Blog und sozialen Netzwerken wie beispielsweise Instagram. Wodurch hebt sich Lines ab?

SSP & AS: Was Lines einzigartig macht, ist, dass der Nutzer frei bestimmen kann, wem er seine Informationen zur Verfügung stellen will. Im Moment kann man einen Link, der zu einer Story führt, versenden. Möchte man Lines ähnlich wie einen Blog nutzen, wird es außerdem künftig die Möglichkeit geben, eine persönliche URL zu definieren. Des Weiteren werden die Daten ausschließlich auf deutschen Servern gespeichert. Worauf wir besonders stolz sind, ist das raffinierte Design unserer App.
Ein weiterer Faktor, der uns abhebt, ist die Funktion, Inhalte offline zu erstellen oder zu speichern und diese zu einem späteren Zeitpunkt, wenn eine Internetverbindung gegeben ist, hochzuladen.

MK: Es gibt zahlreiche Social Media-Plattformen, auf denen User schöne, spannende und außergewöhnliche Momente ihres Lebens teilen. Die weniger schönen Momente finden aber keinen Platz. Was würdet ihr Euch wünschen, in welche Richtung eure App sich entwickelt?

SSP & AS: Wir würden uns freuen, wenn gerade Reisende oder Menschen, die das Leben genießen und einen modernen, weltoffenen Lifestyle präsentieren, unsere App nutzen. Aber genauso Menschen, die einem Stück ihres wahren Lebens Ausdruck verleihen wollen. Was wir glauben und was wichtig für unsere App wäre, ist, dass tatsächlich Blogger oder zukünftige Blogger Lines anstatt ihres üblichen Blogs nutzen, um besonders schöne Fotografien dort zu integrieren und anderen Usern Anreize geben.


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AIRBUS Gründerszene: Selbstfahrende Autos? Airbus denkt noch ein paar Nummern größer: Selbstfahrende Autos sind, wenn es nach Airbus geht, bereits Schnee von gestern. Der Flugzeughersteller kündigt nun an selbstfliegende Taxis produzieren zu wollen. Dies soll dazu führen, dass die in Großstädten ohnehin schon verstopften Straßen entlastet werden. Bereits im nächsten Jahr will Airbus die ersten selbstfliegenden Taxis abheben lassen. Getüftelt wird im Silicon Valley an einer Plattform mit dem Codenamen Vahana, die fähig ist, Flugmaschinen für Personen- und Güterverkehr herzustellen.

  • APPLE WATCH Giga: Apple Watch 2: Ohne eigenen Mobilfunkchip, dafür mit GPS: Die Unabhängigkeit der Apple Watch vom iPhone lässt weiter auf sich warten. Die zweite Generation der Smartwatch soll zwar über GPS verfügen, jedoch ohne eigenen Mobilfunkchip bleiben. Ausschlaggebender Faktor soll eine zu geringe Akkulaufzeit sein. Dafür soll es Verbessrungen bei Gesundheits- und Fitness-Anwendungen geben. An der Entwicklung eines Mobilchips für spätere Generation wird aber auf Hochtouren gearbeitet.

  • TWITTER t3n: Qualitätsfilter: So will Twitter Trollen weniger Platz geben: Der Spruch „Don’t feed the troll!“ – sollte allen Social Media affinen Personen geläufig sein. Twitter hielt es aber bis vor kurzen nicht sonderlich wichtig gegen die zahlreichen Störenfriede vorzugehen. Nach den Vorwürfen des Nachrichtenportals Buzzfeed reagiert Twitter nun endlich auf das Problem. Wurden Trolle bisher ignoriert, führt Twitter nun zwei Qualitätsfilter ein. Einerseits ist es User nun möglich, sich nur mehr Nachrichten von Profilen denen sie folgen anzeigen zu lassen. Andererseits sollen Tweets anhand von bestimmten Kriterien automatisch gefiltert und ausgeblendet werden.

  • INFLUENCER MARKETING Horizont: Diese drei Instagram-Kampagnen verdienen Gold: Bei einem Mega-Event wie den Olympischen Spielen in Rio heißt es für Marken und Werbetreibende besonders kreativ zu sein, um in der Masse hervorzustechen. Vor allem um die jüngere Zielgruppe zu erreichen, stellt Influener-Marketing über beispielsweise Instagram eine gute Möglichkeit dar. Adidas, Diesel und Edeka haben sich laut Philipp John, COO und Mitgründer der Influencer-Marketing-Plattform ReachHero, besonders ins Zeug gelegt. Hier ein Kurzportrait der Kampagnen.

  • DATENSICHERHEIT Handelsblatt: Twitter sperrt Hunderttausende Konten: Es ist stets ein Balanceakt zwischen Meinungsfreiheit und Regulierungen zum Schutz vor Terror und Datenmissbrauch. Auch Social Media Plattformen wie Facebook und Twitter haben mit diesem Problem zu kämpfen. So sperrte der Microblogging-Dienst Twitter im vergangenen Halbjahr 235.000 Nutzerkonten wegen Terror-Verherrlichung. In einem Blog-Beitrag äußert sich Twitter dazu folgend: „Wir verurteilen diese Taten scharf und bleiben verpflichtet, die Förderung von Gewalt oder Terrorismus auf unserer Plattform zu eliminieren.“

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Wie unsere Gadgets jeden unserer Schritte überwachen

Spy (adapted) (Image by Ben Fruen [CC by 2.0] via flickr)

Wir haben mittlerweile dutzende von Smart Devices in unseren Häusern und sogar an unseren Körpern. Sie verbessern unser Leben auf vielerlei Art und Weise. Von der Senkung unseres Energieverbrauchs bis hin zu der Tatsache, dass sie uns ermuntern, uns körperlich zu betätigen. Doch diese Smart Devices reagieren auf jeden Befehl, der ihnen gegeben wird. Wir ließen Sicherheitsexperten vorführen, wie man bei Autos von außen die Kontrolle übernehmen kann. Oder auch wie medizinische Geräte in unserem Körper gehackt und in tödliche Waffen verwandelt werden können. Diesen Risiken wird mittlerweile von Technologieentwicklern große Aufmerksamkeit geschenkt. Es findet eine Menge exzellenter Arbeit statt, um ihnen vorzubeugen. Aber es gibt andere Gefahren, über die wir uns größere Sorgen machen sollten und die weniger Aufmerksamkeit bekommen. Viele Geräte könnten eine Luke öffnen, durch das jeder Hacker ganz einfach schauen könnte, um uns auszuspionieren.

Unser Besitz überwacht uns

Jeder moderne Laptop hat eine eingebaute Videokamera. Wenn sie aufnimmt, leuchtet ein kleines grünes Licht, damit man sich bewusst ist, dass man gefilmt wird. Aber sie kann auch dazu gebracht werden, unsere Aktivitäten auf Video festzuhalten, ohne dass das grüne Kameralicht leuchtet. Und das ist nicht nur eine unter Laborbedingungen erzeugte Warnung vor einer hypothetischen Gefahr. Es wurde tatsächlich schon getan, beispielsweise von übereifrigen Schulbehörden und von Spannern. Zumindest kann man den Laptop ausschalten. Wenn er geschlossen ist, kann die Kamera nur „die andere Seite“ des Laptops sehen.

Aber diese kurzfristige Lösung lässt sich nicht auf Tonaufnahmegeräte wie Mikrofone anwenden. Zum Beispiel könnte das eigene Smartphone andere Gespräche im Raum mithören. Selbst wenn es ausgeschaltet zu sein scheint, genau wie der neue Fernseher oder andere Smart Devices im Haus. Manche Geräte – wie Amazons Echo – sind ausdrücklich dazu gedacht, durch Stimmerkenung aktiviert zu werden. Daher sind sie ständig bereit, auf gesprochene Befehle zu reagieren. Es sind nicht nur Audio- und Videoaufnahmen, wegen derer wir uns Sorgen machen sollten. Jedes Smart Home-Überwachungssystem weiß, wie viele Leute sich zu welcher Zeit in welchen Räumen im Haus befinden.

Der smarte Wasserzähler weiß jedes Mal Bescheid, wenn eine Toilettenspülung betätigt wird. Der Wecker weiß, um wie viel Uhr man an welchen Tagen im letzten Monat aufgewacht ist. Der Kühlschrank weiß, wie oft wir uns ein Glas kaltes Wasser einschenken. Das Smartphone hat ein eingebautes GPS, das unseren Aufenthaltsort feststellen und folglich unsere Bewegungen aufzeichnen kann. Ja, man kann die Standortüberwachung ausschalten. Doch bedeutet das, dass das Handy den Aufenthaltsort nicht feststellt? Und wissen wir wirklich sicher, dass das GPS ausgeschaltet ist, einfach nur, weil der Handybildschirm es sagt?

Zumindest die Anbieter wissen Dank der Sendemasten, mit denen unsere Smartphones kommunizieren, immer, wo wir uns befinden. Wir alle lieben unsere Smart Gadgets. Aber abgesehen vom Bequemlichkeitsfaktor bedeutet die Tatsache, dass unsere Geräte über ein Netzwerk verbunden sind, dass sie auf eine Art und Weise kommunizieren können, die uns nicht gefällt.

Die nächste Generation der Abhörtechnik

Kriminelle könnten eine Möglichkeit finden, jede dieser Technologien unter ihre Kontrolle zu bringen, um private Informationen herauszufinden. Aber was vielleicht noch beunruhigender ist, ist, dass unser Netzanbieter freiwillig oder unter Beeinflussung Teil eines Systems werden könnte, über das wir unwissentlich Geheimnisse preisgeben. Der Kampf zwischen Apple und dem FBI drehte sich um die Forderung der Behörden, dass Apple bewusst eine unsichere Version von iOS, dem iPhone-Betriebssystem, entwickeln solle, um das Hacken der Handys von Terroristen durch das FBI zu erleichtern. Ist das Knacken eines gesperrten Smartphones nur der nächste Schritt, der auf traditionelle Abhörtechniken folgt, und im Zuge dessen die Regierung Apple oder Samsung bittet, ihre Technologien zu nutzen, um die Gespräche eines Terrorverdächtigen zu verwanzen?

Aber moderne Handys können für viel mehr genutzt werden als nur zum Abhören von Gesprächen. Könnten Unternehmen aufgefordert werden, die Standortüberwachung eingeschaltet zu lassen? Auch wenn dem Verdächtigen angezeigt wird, dass sie scheinbar ausgeschaltet ist? Es erscheint mir schwierig, eine Grenze zwischen diesen Fällen zu ziehen. Kein Wunder, dass einige Ingenieure von Apple sich in der Apple-FBI-Angelegenheit als „Dienstverweigerer aus Gewissensgründen“ bezeichnen. Der Fall wurde fallengelassen, bevor Apple gezwungen werden konnte, irgendetwas zu tun, es gibt also keinen Präzedenzfall, der uns aufzeigen könnte, wie diese Beispiele der nächsten Stufe sich vor Gericht abspielen würden.

Es ist natürlich wichtig für Gesetzeshüter, Verdächtige zu überwachen. Deren kriminelles Verhalten zu untersuchen und Hinweise für die Strafverfolgung zu sammeln. Das ist der Gedanke, auf dem Abhörgesetze basieren, die es den Polizeibehörden erlauben, Ihre Telefongespräche mitzuhören, ohne Sie darüber zu informieren. Abhörsysteme wurden eigentlich im 19. Jahrhundert als Werkzeuge zur Industriespionage entwickelt. 1928 entschied der Oberste Gerichtshof im Fall Olmstead gegen die USA, dass Gesetzeshüter verfassungsrechtlich Abhörgeräte nutzen dürften. Und auch, dass ein Durchsuchungsbefehl hierfür nicht nötig sei. Diese Entscheidung wurde erst 1967 durch den Fall Katz gegen die USA aufgehoben, welcher das Recht eines Bürgers auf Privatsphäre etablierte und Polizeibeamte dazu verpflichtete, sich eine richterliche Genehmigung zu besorgen, bevor sie ein Telefongespräch abhören.

Das war lange nachdem der Kongress 1934 eine Verordnung verabschiedete, die den Gebrauch von Abhörgeräten empfindlich einschränkte. In den frühen Tagen der Abhörtechnik gab es einen physischen „Zapfhahn“ – einen seitlichen Anschluss – der auf einen echten Draht angewendet werden konnte, der das Gespräch übermittelte. Neuere Technologien erlaubten es den Telefonunternehmen schließlich, mehrere Telefongespräche über denselben physischen Draht zu verschlüsseln und gebündelt zu übermitteln. In den Vereinigten Staaten wurde 1994 aufgrund der Bedenken bezüglich der Fähigkeit der Gesetzeshüter, mit den neuen Kommunikationstechnologien schrittzuhalten, der Communications Assistance for Law Enforcement Act (CALEA) vom Kongress verabschiedet. Er verpflichtet Kommunikationsunternehmen dazu, einen Weg zum Abhören selbst neuerer Kommunikationstechnologien für die Behörden bereitzustellen. Informationsdienste wie E-Mails waren von dem Gesetz explizit ausgenommen.

Diese gesetzliche Unterscheidung zwischen Kommunikationstechnologien und Informationsdiensten bedeutet, dass Kommunikationsunternehmen verpflichtet sind, der Regierung zu helfen, Ihre Telefonanrufe mitzuhören (mithilfe einer richterlichen Anordnung), aber sie sind nicht verpflichtet, ihnen zu helfen, Ihre E-Mails zu lesen (zumindest nicht laut diesem konkreten Gesetz). 2004 entschied die Federal Communication Commission, dass Dienste wie Voice Over IP (wie zum Beispiel Dienste wie Skype) Kommunikationsdienste sind, die von CALEA abgedeckt werden und somit nicht zu den ausgenommenen Informationsdiensten gehören. Einige Leute wollten seither dieses Gesetz ausweiten. Und zweifellos rückte die Apple-FBI-Diskussion dieses Thema wieder in den Vordergrund. Die Polizeibehörden werden vermutlich auf bessere Möglichkeiten zur Überwachung drängen und Bürgerrechtsvertreter werden Widerstand leisten.

Nichts zu verbergen?

Vielleicht ist Ihnen die Privatsphäre von Kriminellen egal. Aber es sollte zur Kenntnis genommen werden, dass Überwachung nicht nur bekannte Kriminelle, sondern auch Verdächtige betrifft. Die Geschichte lehrt uns, dass Listen von Verdächtigen manchmal viel zu weit gefächert sein können. Vielleicht erinnern Sie sich an die McCarthy-Ära und J. Edgar Hoovers Regentschaft beim FBI, während derer unter anderem das Schlafzimmer von Martin Luther King Jr. verwanzt wurde.

Selbst heutzutage versucht das British Government Communications Headquarters jeden zu überwachen, der die Website von Wikileaks besucht hat, selbst wenn er nur herumgestöbert hat. Manche Gesetze ergeben keinen Sinn oder sind nicht fair, also verdienen auch manche „Kriminelle“ ein gewisses Maß an Privatsphäre. Und wir müssen uns nicht nur sorgen, dass die Behörden zu weit gehen könnten. Technologien wie Finspy sind käuflich erwerbbare Maleware-Programmen, die auf Ihrem Computer oder Smartphone installiert werden können, um Sie auszuspionieren. Solche Technologien könnten von jedem benutzt werden, einschließlich den „Kriminellen“, auch ohne die Kooperation eines Geräteherstellers oder Ihres Anbieters. Abhörgesetze wie CALEA beziehen sich auf explizite Kommunikationshandlungen, die von jemandem durchgeführt werden, wie das tatsächliche Tätigen eines Telefonanrufs. Abhörgeräte verfolgen nicht Ihre Bewegungen innerhalb des Hauses, sie hören nicht Ihre Gespräche mit, solange sie nicht am Telefon sind, sie filmen Sie nicht im Badezimmer. Aber dies alles könnenn unsere verschiedenen Geräte mittlerweile durchführen.

Mit der zunehmenden Nutzung von Geräten in unserem Leben ist es definitiv möglich, diese für Überwachungszwecke zu nutzen. Es steht außer Frage, dass die Behörden viele Kriminelle fangen werden, indem sie diese Möglichkeiten nutzen. Aber der Preis dafür wird eine Einschränkung der Privatsphäre sein. Und möglicherweise kommt es sogar zu fälschlichen Verhaftungen. Letztendlich mag sich das alles futuristisch anhören, aber ich versichere Ihnen: Das ist es nicht. Das FBI benutzte bereits vor zehn Jahren ein Handymikrofon, um das organisierte Verbrechen zu belauschen. Auch die Nutzung für kommerzielle Zwecke steht dem nicht in viel nach, mit der Intention, gezieltere Verkaufsstrategien zu ermöglichen. Unsere allgegenwärtigen vernetzten Geräte lassen große Fragen aufkommen, die wir öffentlich diskutieren sollten. Die Frage, wie wir diese Kosten und Vorzüge ins Gleichgewicht bringen, wird die Gesellschaft bestimmen, in der wir leben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Spy“ by Ben Fruen (CC BY 2.0)


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TomTom Runner Cardio (by TomTom)

War TomTom vor allem für seine Navigationstechnik bekannt, erobern die Niederländer nun den boomenden Markt der Smartwatches. Das Konzept der Runner Cardio könnte aufgehen.

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Sport, gesunde Ernährung und eine ausgeprägte Work-Life-Balance definieren heute den Lebensstil des verantwortungsvollen Großstadtmenschen. Eine gesunde Lebensweise gehört heute regelrecht zum Lifestyle wie hippe Smartwatches oder das neueste Mobiltelefon des „Apfel-Konzerns“. Der Navigationsspezialist TomTom hat den Puls der Zeit getroffen und kombiniert mit seiner Runner Cardio GPS-Uhr gesunde Lebensweise mit Hi-Tec . Weiterlesen »

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