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Check-up Ireland: FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essensarmut

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Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden zwölf Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essens-Armut

Wohltätigkeit wird nicht nur in Irland gerade in der Vorweihnachtszeit großgeschrieben. Es wird rege gespendet für Bedürftige in Haiti oder Syrien, aber auch für Obdachlose in der eigenen Stadt. Der Crash mag vorbei sein und die Wirtschaft mag wachsen, doch nicht überall ist die Wende zu spüren. Das hat die Regierung bei der Wahl erfahren, als trotz sinkender Arbeitslosigkeit aus einer satten Mehrheit eine wankende Minderheitsregierung wurde. Zu viele Erwachsene, aber vor allem zu viele Kinder werden in Dublin nicht satt. Das Gerede vom neuen Boom ist die alte Leier derer, die eh schon genug Geld haben. Statt des wiedererwachten keltischen Tigers sehen die Armen in Vororten wie Tallaght nur streunende Katzen – die aber wenigstens die Ratten vertreiben.

Nicht von ungefähr wurde Tallaght gewählt, um eine neue Initiative vorzustellen, die der Essensarmut den Kampf angesagt hat. „FoodCloud“, eine Online-Plattform, die Geschäfte, die überschüssige Lebensmittel haben, mit Wohltätigkeitsorganisationen zusammenbringt, hat sich mit der „Bia Food Initiative“ vereint, einem Betreiber von Depots in ganz Irland, über die Essen umverteilt wird. Deren neuer Name lautet „FoodCloud Hubs“ und im Sinne von „gemeinsam sind wir stark“ hilft man jetzt den Schwachen in Irland, Essensarmut zu überwinden. FoodCloud bietet Lösungen für überschüssige Lebensmittel bei jedem Schritt der Lieferkette an.

Neben Bedürftigen aus Tallaght und den unvermeidlichen Politikern fanden sich beim FoodCloud-Launch auch viele Mitglieder der Startup-Community, die sich auch bei „normalen“ Startup-Events über Technologien informieren oder Lösungen diskutieren. Das Wie, Wer und Wo zu Finanzierung und Talent-Aquise wurde bei diesem Anlass aber vom Was-kann-ich-tun und Wo-kann-ich-mich-einbringen in Bezug auf Social Enterprise ersetzt. Über der FoodCloud schwebten hier die Gedanken des Dubliner Tech-Kosmos zu Bereichen wie Umwelt, Verschwendung und Ernährung. Nichts fühlte sich hier abgehoben an. Für die Bodenhaftung sorgten allein schon die Menschen aus Tallaght und deren Schicksale, sowie die Lieder des High Hopes Choir, der aus Obdachlosen besteht.

So manch einer der anwesenden Gründer hat sich aber in Tallaght nicht zum ersten Mal mit Unternehmensvorsätzen beschäftigt. Mehr und mehr geht „Social“ mit „Enterprise“ einher – Startups und ihre Netzwerke diskutieren innovative Lösungen zu alten Problemen und sorgen somit dafür, dass Tech vollkommen neue Schichten der Bevölkerung durchdringt. Populistisches Gerede à la Trump von der „Tech-Elite, die nichts für die Zurückgelassenen tut“, würde zumindest in Tallaght nicht gut ankommen. Der Mann hat eh mit seinem Luxus-Golf-Ressort an der Westküste Irlands, wo die Elite Greenfees um die 200 Euro zu zahlen hat, genug zu tun.

Auch im Bereich Social Enterprise beweisen irische Initiativen und Unternehmen wie FoodCloud, dass die Lösungen, die lokal funktionieren, oft auch global eingesetzt werden können. CoderDojo oder ChangeX sind weitere Beispiele, die eine Würdigung verdienen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.


Image Irland by flesheatingbug (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • INTERNET Zeit Online: Der nächste große Angriff aus dem Internet der Dinge: Zwei Stunden lang waren am Freitag zahlreiche populäre Internetdienste wie Twitter, Spotify, Airbnb, Reddit, eBay oder die Seite der New York Times auf normalem Wege nicht zu erreichen. Die betroffenen Seiten sind Kunden beim DNS-Provider (Domain Name System) Dyn im US-Bundesstaat New Hampshire, der nach eigenen Angaben zum Opfer eines massiven Angriffs wurde. Nach zwei Stunden waren die Störungen demnach behoben, es mussten aber zwei weitere Angriffswellen abgewehrt werden. In den USA gibt es nun Befürchtungen, eine Attacke am 8. November könnte die Präsidentschaftswahl beeinflussen.

  • AT&T Neue Zürcher Zeitung: Telekomriese greift nach Time Warner: Der amerikanische Telekomkonzern AT&T will das Medienunternehmen Time Warner für 85 Milliarden Dollar übernehmen. AT&T ist der zweitgrösste Mobilfunkanbieter und bezüglich Kabel-TV mit 20 Millionen Abonnenten der Marktführer in den USA. Time Warner gehört zu den führenden Film- und Fernsehproduzenten im Land: Mit CNN, dem TV-Netzwerk HBO steht das Unternehmen für einige der erfolgreichsten Filme der letzten Jahre.

  • YOUTUBE Chip: YouTube bald wie Fernsehen? PayTV-Abo soll kommen – und teuer wird’s: YouTube soll künftig klassisches Fernsehprogramm bieten. Dazu verhandelt Google aktuell mit großen TV-Sendern – und hat bereits den ersten Deal eingetütet. YouTube hat das Fernsehen beinahe überflüssig gemacht – und doch soll YouTube bald TV-Programme zeigen. Die Pläne für diese Projekt – genannt: „YouTube Unplugged“ – sind schon seit Mai bekannt. Nun melden US-Medien, dass Google den ersten TV-Sender für Unplugged gewinnen konnte. Das große Kabel-Netzwerk CBS hat demnach einen Vertrag mit Google unterzeichnet, und wird sein Programm künftig auch dem YouTube-Publikum zeigen – zumindest dem zahlenden. Denn YouTube Unplugged wird als Abo-Dienst Geld kosten.

  • NESTLE Die Welt: Nestlé will gesundes Essen künftig ausdrucken: Erstmals in der Geschichte gebe es zu viel Nahrung. Vor allem in den westlichen Überflussgesellschaften bringe weiteres Mengenwachstum an kalorienreicher Nahrung aber mehr Schaden als Nutzen. Für die Hersteller von Nahrungsmitteln bedeute dies eine grundlegende Umorientierung. Statt auf Masse müssten sie sich darauf konzentrieren, Produkte mit gesundheitsfördernden Eigenschaften auf den Markt zu bringen, „die weit über Reduktion oder Ersatz von Zucker, Fett und Salz in der Nahrung hinausreichen“.

  • ZEBRASTREIFEN Handelsblatt: Dem Straßen-Zebra geht es an den Kragen: Pferdestärken, Starenkästen, Zebrastreifen – auf deutschen Straßen geht es mitunter recht artenreich zu. Doch ein Bewohner des Straßenzoos könnte bald auf die Rote Liste kommen – denn er wird zu teuer. Ein Eimer weißer Farbe und ein Pinsel waren früher alles, was man für einen Zebrastreifen brauchte. Heute ist das anders. Eine im Beamtendeutsch R-FGÜ genannte Verordnung macht Zebrastreifen zu ausgeklügelten Systemen – mit Markierungen auf der Straße, einer Mindest-Streifenbreite, Schildern über der Fahrbahn, abgesenktem Bürgersteig für Rollstuhlfahrer, Auffindstreifen für Blinde und ausreichend Beleuchtung. Die Nachrüstung ist einfach zu teuer für viele Städte.

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Nanotechnologie könnte unser Essen leckerer und gesünder machen

Healthy Food flying (Image by spiltshire.com [CC0 Public Domain], via Pexels)__

In jedem Bissen der Nahrung, die wir zu uns nehmen, wimmelt es von chemischen Reaktionen. Das Hinzufügen von Zutaten und der Zubereitungsvorgang helfen uns, diese Reaktionen zu kontrollieren und das Essen leckerer und haltbarer zu machen. Wie wäre es, wenn man die Nahrung auf dem molekularen Level kontrollieren könnte, indem man beispielsweise speziell entwickelte Partikel hineinmischt, mit deren Hilfe die chemischen Reaktionen noch genauer gesteuert werden können?
Diese Idee verfolgen Lebensmitteltechniker bereits. Sie können bereits einige beeindruckende Ergebnisse vorweisen – beispielsweise von Nahrungsmitteln, die salzig schmecken, aber das Gesundheitsrisiko umgehen, das durch das Beimischen von Salz entstehen kann, bis hin zu Brot, das gesunde Fischöle enthält, aber keinen fischigen Nachgeschmack mit sich bringt.

Während die Nanotechnologie unser Essen deutlich aufwerten könnte, wirft sie aber auch einige sicherheitstechnische Fragen auf. Wir müssen nur die harschen Reaktionen auf genetisch veränderte Lebensmittel betrachten, um uns der Bedeutung des Themas bewusst zu werden. Wie können wir sicherstellen, dass es bei Nanotechnologie in Lebensmitteln anders sein wird? Ist unsere Nahrung sicher? Und werden die Menschen diese neue Form der Lebensmittel akzeptieren?

Nanotechnologie ist eine aufstrebende Technologie, die Materialien und Partikel in der Größe eines Nanometers – also ein Milliardstel eines Meters – kreiert und einsetzt. Um zu verstehen, wie klein das tatsächlich ist, stelle man sich vor, ein Nanopartikel hätte die Größe eines Fußballs – dann wäre beispielsweise ein Schaf im Vergleich so groß wie die Erde.

Mit solchen kleinen Partikeln zu arbeiten, ermöglicht es uns, Materialien und Produkte mit verbesserten Eigenschaften zu erschaffen, von leichteren Fahrrädern und robusteren Bierflaschen bis hin zu kosmetische Cremes mit besserer Absorption und Zahnpasta, die das Bakterienwachstum eindämmt. Wenn wir in der Lage sind, Materialeigenschaften zu verändern, können wir ebenso die Nanotechnologie dazu nutzen, viele innovative Lebensmittel und Anwendungen zu entwickeln, die die Art und Weise, wie wir Lebensmittel verarbeiten, haltbar machen und verpacken, verändern können.

Nanotechnologie kann beispielsweise für „intelligente“ Verpackungen eingesetzt werden, die den Zustand der Nahrung überwachen, während sie gelagert und transportiert wird. Wenn Lebensmittel verunreinigt oder schlecht geworden sind, nehmen die in die Verpackung integrierten Sensoren die Dämpfe auf, die von den Bakterien verursacht werden, und ändern ihre Farbe, so dass jeder, der dieses Nahrungsmittel verzehren möchte, vorgewarnt ist.

Zum Stand der Technik

Silber wird aufgrund seiner antibakteriellen Eigenschaften bereits in Gesundheitsprodukten wie Zahnpflegeutensilien verwendet. Silberpartikel in Nano-Größe verbessern die Fähigkeit, Bakterien abzutöten, denn es vergrößert die Oberfläche des Silbers, dem die Bakterien ausgesetzt sind. Israelische Wissenschaftler haben außerdem herausgefunden, dass das Beschichten von Verpackungen mit Silberpartikeln in Nano-Größe Bakterien wie E. coli bekämpft und die Haltbarkeit von Produkten verlängert.

Ein anderes Beispiel für den Einsatz von Nanotechnologie in der Lebensmittelverarbeitung ist die Nano-Verkapselung. Diese Technologie wurde eingesetzt, um den Geschmack und den Geruch von Thunfisch-Ölen zu überdecken, sodass diese eingesetzt werden können, um Brot mit Omega-3-Fettsäuren anzureichern, die förderlich für die Herzgesundheit sind. Fischöl-Partikel werden in eine Filmbeschichtung eingeschlossen, um zu verhindern, dass das Fischöl mit Sauerstoff reagiert und dann seinen Geruch freisetzt. Die Nanokapseln brechen erst dann auf, wenn sie im Magen angekommen sind, sodass man von den gesundheitlichen Vorteilen, die ein Verzehr mit sich bringt, profitieren kann ohne dabei den Fischgeruch zu erleben.

Zur gleichen Zeit untersuchen Wissenschaftler an der Universität von Nottingham, wie man mit Salzpartikeln in Nano-Größe den salzigen Geschmack von Lebensmitteln steigern kann, ohne dabei den tatsächlichen Salzgehalt zu steigern.

Genau wie bei Silber vergrößert das Aufbrechen von Salz in Nanopartikel die Oberfläche. Auf diese Weise kann der Geschmack effizienter verbreitet werden. Die Wissenschaftler berichten, dass so der Salzgehalt von gewöhnlichen Chips um 90 Prozent reduziert werden könne, während der Geschmack komplett erhalten bliebe.

Trotz all der Vorteile, die die Nanotechnologie der Lebensmittelindustrie bietet, verbleiben die meisten Fortschritte bislang im Forschungs- und Entwicklungsbereich. Diese schleppende Inanspruchnahme ist zurückzuführen auf einen Mangel an Informationen über die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen dieser Technologie. Beispeilsweise gibt es Bedenken, ob aufgenommene Nanomaterialien in verschiedene Teile des Körpers, wie in der Leber oder die Nieren, wandern und sich dort ansammeln könnten. Dies könnte die Funktionalität dieser Organe langfristig beeinträchtigen.

Unbekannte Risiken

Unser Wissen um die Risiken, die mit dem Einsatz von Nanomaterialien verbunden sind, ist unvollständig. Diese Sachverhalte müssen besser erforscht und der Öffentlichkeit verständlich gemacht werden, damit Nanotechnologie in Lebensmitteln akzeptiert werden kann. Dies hängt von dem Verständnis der Öffentlichkeit von der Technologie und davon ab, wie sehr sie der Lebensmittelindustrie und den Kontrollmechanismen, die den Prozess überwachen, vertrauen.

Die Forschung hat zum Beispiel gezeigt, dass die Konsumenten den Einsatz von Nanotechnologie eher in Lebensmittelverpackungen als in der Lebensmittelverarbeitung akzeptieren. Nanotechnologie in der Lebensmittelverarbeitung wurde jedoch dann als akzeptabler bewertet, wenn sich diese auf die gesundheitlichen Vorteile der Nahrung positiv auswirke, wobei die Verbraucher jedoch nicht unbedingt gewillt wären, dafür mehr zu bezahlen.

Bei unseren aktuellen Umfragen haben wir bislang keine starke Haltung oder Ablehnung gegen Nanotechnologie in der Lebensmittelverpackung erlebt. Jedoch gab es immer noch eine kleine Gruppe Konsumenten, die Zweifel an der Sicherheit der Lebensmittel haben. Dies zeigt, wie wichtig es für Lebensmittelproduzenten und Kontrollinstanzen sein wird, die Konsumenten bestmöglich mit Informationen über Nanotechnologie zu versorgen – inklusive jeglicher Unsicherheiten, die gegenüber dieser Technologie bestehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Healthy Food flying by splitshire.com (CC0 Public Domain)


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Zu Tisch bei Fremden

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Das Start-Up EatWith aus Israel bringt hungrige Reisende und gastfreundliche einheimische Köche zusammen. Ein Jerusalemer Sabbatessen bei Fremden. Bei der israelischen Essens-Community EatWith bekochen Einheimische Reisende oder andere Gourmets, die keine Lust aufs Restaurant haben. Wer ein Essen über die Seite bucht, trifft Menschen, mit denen man wahrscheinlich sonst nicht ins Gespräch gekommen wäre – und kann einen neugierigen Blick in fremde Kochtöpfe und Küchen werfen und so viel über den Alltag der Menschen am Zielort erfahren. Aber kann das Versprechen eines persönlichen Essens-Erlebnisses eingelöst werden, wenn Fremde am Essenstisch zusammen kommen? Ein Selbstversuch in Jerusalemer Küchen.

Ich stehe vor einer kleinen Holztüre in einem Hinterhof des Jerusalemer Markts Machne Yehuda und klopfe hungrig. Hinter der Tür erwartet mich mein Abendessen. Genauer gesagt mein Sabbat-Dinner, ein traditionelles, festliches Mahl in jüdischen Haushalten. Wer mir die Tür öffnen wird, weiß ich noch nicht. Meine Gastgeber, Chen und Alon, kenne ich nur übers Internet.

Gefunden haben wir uns über die Dinner-Community EatWith. Eatwith ist ein Start-Up zweier Freunde, Guy Michlin und Shemer Schwarz. Ihre Idee: Beim Essen knüpft man als Reisender am schnellsten Freundschaften. Sie wollen Menschen, die neu in einer Stadt sind, vielleicht als Tourist, vielleicht als Geschäftsreisender, zusammenbringen mit Einheimischen, die den Gästen einen Einblick geben in ihren Alltag, ihre Esskultur.

Das israelische Start-Up wächst. Vermittelt werden längst nicht mehr nur Essensverabredungen in Städten wie Jerusalem oder Tel Aviv, sondern auf der ganzen Welt. In Deutschland sind Berlin und Köln schon dabei.

Menschen verabreden sich übers Netz zum Essen und entdecken neue Rezepte und finden neue Freunde oder bekommen zumindest für ein Essen lang Einblick in das Leben von völlig Fremden: Diese Idee, die auch Eatwith verfolgt, hat sich in zahllosen kommerziellen und nicht-kommerziellen Essensbörsen im Netz niedergeschlagen. In München treffen sich Studenten zum Beispiel über die Tablesurfer-Community. Keiner muss zahlen, dafür ist jeder in der zusammengewürfelten Runde einmal Gastgeber und bekocht die anderen. Bei Eatwith bucht man jedes Essen zu einem vom Gastgeber festgesetzten Preis, die Plattform bekommt davon einen Anteil ab.

Die Jerusalemer Türe, an die ich geklopft habe, öffnet sich in Sekunden. Ich bin etwas nervös. Ich bin keine Jüdin und kenne die Gebräuche und Traditionen des Sabbatessens nicht. Noch dazu bin ich Vegetarier. Werden die Gastgeber es als Affront auffassen, wenn ich bestimmte Speisen nicht essen kann?

Dann strahlt Alon mich an und bittet mich in seiner Wohnung. Seine Frau Chen, beide in den Zwanzigern, streckt kurz den Kopf aus der Küche und winkt. “Shalom”, herzlich willkommen. Bisher war ich nur durch die engen Gassen des Machne-Yehuda-Marktes flaniert und habe bei den Händlern Granatäpfel, Gewürze oder eingelegte Oliven gekauft. Dass mitten im Markt auch Wohnungen sind, wusste ich nicht. Ich setze mich an den bereits gedeckten Tisch und schaue mich unauffällig um.

Chen und Alons Wohnung ist eigentlich nur ein einziger, hoher Raum. Eine kleine Wendeltreppe führt auf eine zweite Ebene, die etwa auf der Hälfte der Grundfläche eingezogen ist und nicht viel mehr Platz bietet als ein Hochbett. Dort schlafen die beiden. Alles ist vollgestellt mit Nippes, Büchern, gerahmten Familienfotos. An der Wand hängen zwei schwarze Hüte. Einer ist ein breitkrempiger Hut, wie ihn die Ultraorthodoxen tragen. “So religiös bin ich aber nicht“, erklärt mein Gastgeber, als ich ihn danach frage. “Ich finde den Hut einfach cool irgendwie. Und der zweite Hut ist mein Hochzeitshut, er erinnert mich immer an diesen Tag.”

Bevor es mit dem Essen losgeht, muss den jüdischen Traditionen Genüge getan werden. Es ist Freitagabend, der Tag des Sabbatessens. In vielen anderen jüdischen Haushalten im ganzen Land kommen gerade die Familien zusammen, um gemeinsam und mit jede Menge Essen nach dem Sonnenuntergang den Sabbat einzuläuten.

Chen und Alon und zwei weitere Freunde, die zum Essen gekommen sind, singen jüdische Lieder, dann verteilt Alon über eine hübsche Karaffe den Sabbatwein. Jeder bekommt ein kleines Gläschen. Mit erhobenem Glas spricht Alon den Kiddush, den Sabbatsegen, und bricht dann das traditionelle Challa-Brot in Form eines breiten Zopfes. Der Laib Brot wandert um den Tisch. Jeder bricht sich ein Stück ab und isst.

Dann trägt Chen jede Menge Köstlichkeiten aus der winzigen Küche, drapiert auf kleinen Schälchen und tiefen Tellern. Essen fotografieren ist verlockend, aber tabu. Mein Smartphone muss in der Tasche bleiben, aus Respekt vor meinen Gastgebern: Am Sabbat verwenden gläubige Juden keine Technik. Schon nach der Vorspeise bin ich so satt, dass ich das Hühnchen ohne großes Aufhebens an mir vorbeiziehen lassen kann, mit Verweis auf den Nachtisch.

Ich höre Chen zu, wie sie über ihre Arbeit als Köchin erzählt und versuche, dem Hebräisch der beiden eingeladenen Freundinnen zu folgen. Manchmal finde ich es als Ausländerin in Jerusalem ganz schön schwer, der Expat-Blase zu entkommen. An diesem Abend gelingt es mir.

Vor dem Essen hatte ich Bedenken, für ein privates Essen zu zahlen. Was, wenn die Gastgeber die Essen als Einnahmequelle sehen und gar nichts mit mir zu tun haben wollen? Aber Chen und Alon sind so herzlich, dass sich meine Sorgen schnell zerstreuen. “Wir finden es einfach interessant, neue Menschen zu treffen. An unserem Tisch saßen schon Gäste aus der ganzen Welt, und jeder hatte eine spannende Geschichte zu erzählen”, sagt Alon. “Ich finde es nicht schlimm, ein wenig Geld zu verlangen. Lebensmittel sind so unglaublich teuer in Israel.”

Er fragt mich über Deutschland aus. Chen will mehr über die deutsche Küche wissen, sie hat wenig Gutes gehört, sagt sie. Eigentlich will ich nur einen Bissen Nachtisch essen, aber dann kommt Chen mit einer Nuss-Tarte aus der Küche. Ein Rezept ihrer tunesischen Vorfahren, sagt sie, dass sie heute Abend zum ersten Mal ausprobiert habe. Ich esse, bis ich fast platze. Spät am Abend verabschieden wir uns. Ich verspreche, bei Chen und Alon zu klopfen, wenn ich mal wieder auf dem Markt unterwegs bin.


Teaser & Image by Angela Gruber


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mealUp-Gründer Tom Jakubowicz im Gespräch

Im Interview erklärt Tom Jakubowicz, wie Deutschlands erste Social Dining-Plattform „mealUp“ funktioniert, an wen sie sich richtet und welchen Nutzen sie für unsere Gesellschaft hat. // von Merle Miller

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Seit Juni 2014 gibt es in Deutschland die erste Social Dining-Plattform im Internet für Berlin und nun seit Ende August 2014 auch für Hamburg und München. Mit mealUp kann man sich ganz unverbindlich zu einem Essen verabreden. Ob man nun ein Tourist, ein Neubewohner oder einfach auf Durchreise in einer der genannten Städte ist: Man muss nicht mehr alleine in Restaurants gehen. Gründer Tom Jakubowicz erklärt das Konzept der digitalen Anwendung und gibt unter anderem auch preis, selbst mealUp regelmäßig zu verwenden. Weiterlesen »

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Square lässt Essen online bestellen und bezahlen

Square (Bild: Square)

Ein weiteres Unternehmen drängt in den E-Food-Markt. Der junge Bezahldienst Square hat seinen Dienst Square Order gelauncht und lässt seine Kunden Essen online bestellen. // von Giuseppe Paletta

Square (Bild: Square)

US-Bezahldienst Square steigt nun offiziell in den E-Food-Markt ein. Nachdem das StartUp in den vergangenen Monaten seinen Dienst „Square Order“ getestet hat, verlässt dieser jetzt die Testphase und wird offiziell eingeführt. Mit dem neuen Dienst können Kunden Lebensmittel in teilnehmenden Läden bestellen und werden informiert, sobald sie ihre Bestellung selbst abholen können. Zunächst ist Square Order nur in den US-Städten San Francisco und New York verfügbar, soll aber in Zukunft auf die gesamte USA ausgeweitet werden.

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Topliste: Online Bringdienste für Pizza und Co.

Online essen kann man noch nicht, Essen online bestellen dafür immer öfter. Während neue Portale wie JustHunger neben der Bringdienstsuche und Essensbestellung auch umfangreiche Community-Funktionen integrieren, setzen andere Portale auf eine schnelle und einfache Suche, die auf dem kürzesten Weg zum Essen führt. Die Blogpiloten haben einige Angebote für euch zusammengestellt. Guten Appetit! Weiterlesen »

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Wenn der Appetit kommt – JustHunger hilft

logo_justhungerHuuuunger! Wenn das leere Gefühl in der Magengegend mal wieder auftaucht, gähnende Leere im Kühlschrank herrscht und der Weg zum nächsten Supermarkt einfach viel zu weit ist, hilft jetzt JustHunger. Dort lässt sich das Essen ganz einfach von der Couch aus bestellen. Jede Menge Community Funktionen gibt es als Nachtisch dazu. Wer jetzt Appetit bekommen hat, sollte dringend weiterlesen… Weiterlesen »

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Vom Blog zum Kochbuch

Delicious Days startete – aus München, aber in Englisch – Anfang 2005 als kleines, aber sehr feines Weblog über das Thema Essen und Kochen.
Mittlerweile gehört das Weblog nicht nur zu den Top 50 Websites 2006, sondern auch zu den bekanntesten Weblogs im englischsprachigen Raum überhaupt. Hierzulande hingegen sind die beiden Macher kaum bekannt.
Das wird sich ändern, denn ab Herbst 2008 stehen ihre Rezepte zum Nachkochen nicht mehr nur im Netz, sondern können in Buchform direkt neben dem Herd Platz finden: The Book Deal.
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