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Homo Digitalis: Digitale Unternehmer sind schöpferisch und kreativ

Tastatur (adapted) (Image by JeongGuHyeok [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Digitalisierung fordert alle Unternehmen und auch die akademischen Disziplinen heraus. Eine Antwort will jetzt die BWL im Strategischen Management liefern. Das dokumentieren jedenfalls die Autoren Thomas Hutzschenreuter, Torsten Wulf und Dodo zu Knyphausen-Aufseß in einem Gastbeitrag für die FAZ. Keiner wisse genau, wie neue Branchenstrukturen aussehen, welche Plattformen und Technologien sich durchsetzen und wie digitale Technologien zukünftig ausgeprägt sein werden. Zudem hänge die Beschaffenheit der Welt jenseits der digitalen Transformation von den Akteuren selbst ab. „Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Endogenität, womit gemeint ist, dass die Veränderung eines Systems aus dem System selbst heraus und nicht ausschließlich von außen beeinflusst wird.

Betonung der Unterschiedlichkeit

Auch wenn die Forschung zum Strategischen Management eine Reihe von inhaltlichen Beiträgen zum Umgang mit Chancen und Risiken der Digitalisierung geleistet habe, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Digitalisierungsansätze in Unternehmen so unterschiedlich sind wie die Unternehmen selbst. Deshalb könne das Strategische Management nur in begrenztem Maße generell gültige, allgemeine Empfehlungen für den Umgang mit der digitalen Transformation liefern. Strategie sei immer individuell.

Wie Lehrstühle sowie Lehrbücher mit diesen Empfehlungen umgehen und wie man sich auf das Echtzeit-Management in der Datenökonomie ausrichtet, bleibt abzuwarten. Zumindest eine Erkenntnis hat sich bei den drei Autoren durchgesetzt: Die Zeit der „Wöhe-BWL“ sei vorbei. Was nun kommt, dass müsste erst erkundet werden. Löblich ist zumindest das Bekenntnis der drei Wissenschaftler, dem Ansatz des Nationalökonomen und Soziologen Joseph Schumpeter zu folgen. In seinem Erstlingswerk „Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“ aus dem Jahr 1908 (!) hat er auf die Bedeutung individueller Erscheinungen besonders für die Ökonomik hingewiesen.

Wie Einzelne die Ökonomie verändern

Das erläutert Jesko Dahlmann in seiner vorzüglichen Arbeit „Das innovative Unternehmertum im Sinne Schumpeters: Theorie und Wirtschaftsgeschichte“ (erschienen im Metropolis-Verlag). Schumpeter spricht vom methodologischen Individualismus, der vom Handeln Einzelner ausgeht, um kollektive und gesellschaftliche Phänomene nachvollziehen zu können. Nur die Detailuntersuchung könne beachtenswerte Ergebnisse ergeben. Ökonomen besäßen die unglückliche Neigung, viel zu häufig zu aggregieren und auf diese Weise wichtige Unterschiede zu verschleiern. „Hütet Euch vor Durchschnitten“, sagte Schumpeter gern.

Der Entrepreneur ist kein Homo Oeconomicus

Schumpeters Entrepreneur unterscheidet sich deutlich vom so genannten Homo Oeconomicus der traditionellen Wirtschaftswissenschaft. Der Schumpetersche Unternehmer unterläuft das rein ökonomische Kalkül. Es geht ihm nicht um Zweckrationalität, sondern um das Schaffen des Neuen selbst.

Dahlmann verweist auf die wirtschaftssoziologischen Arbeiten von Euteneuer und Niederbacher, die darlegen, dass es an empirischen Belegen für Schumpeters Unternehmerbild mangelt. Diese Figur werde selbst explizit definiert und nur wenige der in der Forschungspraxis auf den Unternehmer bezogenen Hypothesen stehen auf einer soliden theoretischen Grundlage oder sind durch Fallstudien empirisch abgesichert. Was macht also einen Unternehmer konkret aus, der es vermag, die Wirtschaft in neue Bahnen zu lenken? Heute müsste man fragen, wer ist wirklich ein Homo Digitalis, der im 21. Jahrhundert Akzente setzen kann? Es geht dabei um das schöpferische Gestalten und nicht um das passive Konsequenzen ziehen.

Vulgärkapitalisten ohne dauerhaften Erfolg

Dahlmann ist den Schumpeter-Kriterien für den schöpferischen Unternehmer gefolgt und hat neun Persönlichkeiten der zweiten industriellen Revolution ausführlich untersucht. Seine Ergebnisse führen zu Überraschungen, die den vulgärkapitalistischen Lemuren im Silicon Valley wohl überhaupt nicht gefallen werden: Alle ausführlich analysierten Geschäftsmänner haben sich durch ein außergewöhnliches soziales Engagement ausgezeichnet. „Siemens gründete bereits 1872 eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse für seine Angestellten, weitere Maßnahmen folgten. Rathenau war nicht nur jahrzehntelang Mitglied im karitativen Verein ‚Gesellschaft der Freunde’, auch die AEG-Arbeiter profitierten auf verschiedene Weise von seinem sozialen Verantwortungsgefühl. Oetker zahlte zusätzliche Jahresabschlussvergütungen und Weihnachtsgeld an seine Mitarbeiter, organisierte Betriebsausflüge, richtete eine Kaffeeküche ein, zudem waren die kostenlosen Koch- und Backkurse bei der weiblichen Belegschaft außerordentlich beliebt. Troplowitz reduzierte die wöchentliche Arbeitszeit der Beiersdorf-Angestellten bereits im Jahr 1912 auf lediglich 48 Stunden (üblich waren damals 60 Stunden) bei vollem Lohnausgleich.“ So gehen die Aufzählungen weiter.

Mehr Schöpfer als Zerstörer

Diese Unternehmer waren weitaus mehr Schöpfer als Zerstörer. Sie hatten höhere Ambitionen und starrten nicht einseitig auf Profite. „Ihre Innovationen haben ihren Unternehmen den wenig aussichtsreichen Kampf erspart, stets kostengünstiger als die Konkurrenz sein zu müssen“, so Dahlmann. Es waren eben rebellische Unternehmer, die sich nicht mit Effizienzinnovationen zufrieden gaben oder Gewinn-Exzesse über die Entlassung von Mitarbeitern betrieben. Sie starrten nicht auf utopische Renditen, sondern konzentrierten sich auf langfristige Wettbewerbsvorteile über neuartige und bessere Produkte und neue Produktionstechniken. Es waren Unternehmen, die sich durch Erfindungen einen Vorsprung verschafften und nicht durch Kartellabsprachen im Hinterzimmer.

Kann das mit dem Methodenkasten der Mainstream-Ökonomen überhaupt abgebildet werden? Die das Allgemeine betrachten und Einzelphänomene unterschätzen, die auf exogene Faktoren schielen und Maßnahmen nach dem Gießkannen-Prinzip empfehlen? Die Manager ausbilden, aber keine rebellischen Unternehmer, die das Vorhandene in Frage stellen und das Bessere anstreben? Das kann weder die BWL noch die VWL. Schaffen wir also wie Leibniz Akademien als anti-institutionelle Einrichtungen für neues Unternehmertum. Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit einer neuen Theorie jenseits des universitären Betriebes.


Image (adapted) „Tastatur“ by JeongGuHyeok (CC0 Public Domain)


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„Die Kraft der Patenschaft“ – Eine Zukunft für Kinder

World Vision1 (image by Unruly)

„Das schönste Geschenk für Kinder: eine Zukunft.“ Unter diesem Motto vermittelt World Vision bereits seit vielen Jahren Patenschaften zwischen Kindern in Not und Paten auf der ganzen Welt. Rund 147.000 Unterstützer beteiligen sich in Deutschland an dem Projekt und fördern so die Entwicklung vieler Kinder. Die Umsetzung der Patenschaften und der kommunikative Austausch zwischen den Beteiligten werden durch digitale Medien immer leichter.

„Die Kraft der Patenschaft“

In vielen armen Ländern der Welt haben Eltern nicht die Möglichkeit, ihre Kinder so in ihrer Entwicklung zu unterstützen, wie sie es sich wünschen. Oft fehlt es schon an den grundlegendsten Mitteln, wie ausreichender Nahrung und Trinkwasser. Eine angemessene Bildung erhalten die wenigsten. Um die Kinder und ihre Familien zu unterstützen, ist mit World Vision ein Netzwerk für Patenschaften entstanden.

Die Kinderhilfsorganisation engagiert sich in Afrika, Lateinamerika und Asien, um auch den ärmsten Kindern der Welt eine Zukunft zu ermöglichen. Die Unterstützung fängt bereits bei den Kleinkindern an und beinhaltet Projekte zur Versorgung, Gesundheit, Schul- und Persönlichkeitsbildung. Ein wichtiger Aspekt ist nicht nur die direkte Unterstützung, sondern auch das Vermitteln von Wissen zur Selbsthilfe, damit die Familien ein selbstständiges, besseres Leben führen können.

World Vision2 (image by Unruly)

Eine Patenschaft mit World Vision ist bereichernd für alle Beteiligten. Die Kinder profitieren von der Förderung, die sie ohne Hilfe nicht erhalten könnten und die Paten erleben selbst, wie sie Teil einer einzigartigen Community werden. Mit einer Patenschaft leisten Sie persönlich und langfristig Hilfe, indem Sie die Projekte der Organisation mit 30€ im Monat unterstützen.

Kommunikation und Austausch

Dank des Online-Portals erleben Sie die Entwicklung Ihres Patenkindes und seiner Lebensumstände hautnah mit und haben die Möglichkeit, sich direkt mit ihm und seiner Familie auszutauschen. Ob Ihr Kind ärztlich versorgt wurde, Materialien für die Schule erhalten hat oder andere Entwicklungen stattgefunden haben – über das Portal bekommen Sie alle Neuigkeiten mit.

World Vision3 (image by Unruly)

Schon die Vermittlung von Patenschaften findet dank digitaler Möglichkeiten über das Portal statt. Die Familien der Patenkinder stellen sich mit einem kurzen Video vor und berichten von ihrer Situation und ihren Entwicklungszielen. Während der Patenschaft bleibt dieser Austausch in Form von hochgeladenen Fotos, Videos und Berichten bestehen. Auch Paten, die sich die Arbeit der Organisation vor Ort angesehen haben, haben hier die Möglichkeit von ihren Erfahrungen zu berichten.

Mit ihrer neuen Kampagne setzt sich World Vision das Ziel, geschützte Kommunikation zu schaffen, die Anliegen der Kinder zugänglich zu machen und das Engagement der Paten zu würdigen. Denn dieser Austausch zeigt „die Kraft der Patenschaft“.

Weitere Informationen gibt es auf Facebook und Twitter.

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Erfolgreich und engagiert: Das neue Geschäftsmodell junger Startups

Vision (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)new

Die Generation Y erobert mit ihren Startups die Onlinewelt. Ihr Erfolgsmodell: Umsatz machen mit Umweltbewusstsein. Während Entrepreneure vor 30 Jahren vor allem wirtschaftlich erfolgreich sein wollten, geht es den Jungunternehmern der Generation Y um vieles mehr. Mit ihren kreativen Geschäftsmodellen erobern sie derzeit den Onlinemarkt – mit großem finanziellen Erfolg. Doch den jungen Unternehmern geht es dabei nicht nur ums Geldverdienen, sie wollen mit ihren Businessmodellen die Welt verbessern.

Sie sind jung, sie sind idealistisch und sie sind erfolgreiche Unternehmer. Wohin man in Deutschland auch auf den Start-up Markt schaut, findet man Geschäftsmodelle, die sich kein geringeres Ziel gesetzt haben als die Welt zu verbessern – und damit Geld verdienen.

Gerade Online-Unternehmen begnügen sich nicht mehr damit “nur” eine kreative Businessidee zu haben, sie verfolgen gleichzeitig einen ökologischen und sozialen Ansatz. Dabei sehen die online Startups den Umweltaspekt und das soziale Engagement nicht nur als netten Nebengedanken, den man aus PR-Gründen noch vermarkten kann, er bildet die Grundlage der Geschäftsidee.

Leben aus dem Pappkarton

So verkaufen Gerald Dissen, Lionel Palm und Christian Hilse seit April 2013 Pappmöbel. “Room in a Box” haben sie ihr Unternehmen getauft und der Name ist Programm. Sie versenden über ihre Webseite tatsächlich Möbel aus umweltfreundlicher Wellpappe. Die Pappe besteht aus 85 Prozent recycelten Fasern, die wiederum zu 100% wiederverwertet werden.

Zum Room in a Box Standard-Repertoire gehören Betten, Regale, Tische und Stühle – also im Prinzip alles, was man so für eine Wohnung braucht. Der Clou dabei: Die Möbel sind nicht nur aus Pappe, sie lassen sich auch handlich wie Kartons zusammenfalten, wiegen damit kaum etwas und sind so auch sehr einfach zu transportieren. Sie halten darüber hinaus ein Gewicht von 1,5 Tonnen aus und sind angeblich auch kinderleicht zusammenzubauen.

Praktischer geht’s kaum noch: Anstatt beim nächsten Umzug die Möbel aufwändig per LKW von einem Ort zum nächsten zu karren, schickt man sein Bett-Paket dann einfach per Post an die neue Wohnungsadresse.

Diese kreative Idee kam Gerald Dissen auf einer Messe, als er in einem sehr stabilen Sessel aus Wellpappe saß und sich, ganz der Wirtschaftswissenschaftler, der er ist, dachte: “Das müssen ja unglaublich günstige Produktionskosten sein – so etwas möchte ich auch entwickeln.” Aus dieser ersten Idee wurde schließlich ein Unternehmen, das nicht nur sehr erfolgreich ist, sondern seine umweltfreundlichen Produkte mit großer Leidenschaft entwickelt.

 

Das individuellste Bio-Müsli aller Zeiten

Auch mymuesli entstand aus einer spontanen Idee. Auf einer Autofahrt hörten ein paar Studienfreunde einen Müsli-Radiospot. Schnell waren sie sich einig: Sie könnten nicht nur einen interessanteren Spot, sondern auch viel besseres Müsli produzieren.

mymuesli2go, a tv commercial – filmed and edited on an iPhone 4 from Max Wittrock on Vimeo.

Auf der Webseite von mymuesli können User sich seit 2007 ihr ganz individuelles Müsli mischen lassen – ohne Zuckerzusätze und aus rein ökologischen Zutaten vom regionalen Biobauern. Damit hatten die Gründer das wohl individuellste Bio-Müsli aller Zeiten erfunden, wofür sie unter anderem 2007 zum Startup des Jahres gewählt wurden und den Gründerpreis der Financial Times Deutschland erhielten. Interessanterweise ist mymuesli nicht in Berlin, der Metropole aller deutschen Start-ups, ansässig, sondern in Passau. Die Gründer Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock haben sich diesen Ort ganz bewusst ausgesucht, nicht nur weil dies ihr gemeinsamer Studienort war, sondern auch, weil sie die Nähe zu den lokalen Bauern und Behörden schätzen. Mittlerweile gibt es mymuesli nicht nur online, sondern auch in Geschäften an verschiedenen Standorten in Deutschland. Neben Müsli haben die Gründer mittlerweile weitere Portale für Kaffee, Orangensaft und Tee gegründet. Mymuesli ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ökologische Ideen von jungen Unternehmen in der Onlinewelt nicht nur gut ankommen, sondern auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sein können.

Die Suchmaschine, die Bäume pflanzt

Während Room in a Box und mymuesli noch sehr praktische Ideen im Netz verbreiten, müssen bei Ecosia sehr gesellschaftsbewusste Nerds am Werk gewesen sein. Ecosia verbindet Technologie mit Umweltschutz und gesellschaftlichem Engagement in einer Suchmaschine. Auch bei dieser sehr ambitionierten Suchmaschine stehen Ökologie und soziales Engagement an oberster Stelle, denn mit jeder Suchanfrage über Ecosia werden Bäume gepflanzt.

Das Prinzip dahinter klingt einfach: Nutzer durchsuchen das Web mit Ecosia. Damit werden Werbeeinnahmen generiert. Diese werden dann wiederum zum größten Teil (laut Aussage des Unternehmens 80 Prozent des Gewinns) dafür genutzt, um über ihren Partner WeForest in Burkina Faso Bäume zu pflanzen. Ecosia betont dabei, dass Bäume pflanzen das erste Glied in einer Kette für positive gesellschaftliche Entwicklung ist. Ihr Projekt hilft nicht nur dabei, einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt zu erzeugen, durch die gepflanzten Bäume können auch andere Nutzpflanzen wachsen. Das hilft dabei, die Luft zu filtern, weniger Krankheiten werden verbreitet und es kann mehr und gesündere Nahrung produziert werden. All diese Faktoren tragen letztendlich dazu bei, dass die Menschen in Burkina Faso bessere Einnahmequellen bekommen und es sich auch leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken.

Ecosias Suchergebnisse werden mittlerweile vorwiegend über Bing generiert, Nutzer können sich aber auch Google-Ergebnisse anzeigen lassen. Neben der eigentlichen Suchmaschine kann man Ecosia auch als Add-on für Firefox oder Chrome hinzufügen. Jede Suchanfrage generiert dabei im Schnitt eine Spende von 0,4 Cent (Stand: September 2014). Als User bekommt man dabei auch gleich mit jeder Suchanfrage angezeigt, wie viele Bäume durch die eigene Nutzung von Ecosia gepflanzt wurden.

Ecosia wurde 2009 zur Klimakonferenz in Kopenhagen von Christian Kroll ins Leben gerufen. Nach einer Weltreise war Kroll bewusst geworden, wie stark unser Planet bedroht ist, und beschloss daher, seine Idee einer ökologisch bewussten Suchmaschine endlich in die Tat umzusetzen. Seitdem hat Ecosia dazu beigetragen, über 3 Millionen Bäume zu pflanzen. Erklärtes Ziel ist es, bis 2020 die 1 Milliarden-Grenze zu knacken.

Eine neue Generation von Weltverbesserern

Es ist sicher kein Zufall, dass die Gründer all dieser Unternehmen der Generation Y angehören. Diese junge Generation, die mit Internet und Smartphones aufgewachsen ist, protestiert nicht mehr wie die 68er gegen die Gesellschaft, sie versucht stattdessen die Gesellschaft aktiv zu verbessern. Die Webseite Generation Y charakterisiert sie als erfinderischer Macher, als Menschen, die es satt haben, in etablierten Unternehmen zu arbeiten. Sie wollen für progressive Firmen arbeiten, wo sich der Job nicht nur ums Geld dreht, sondern um eine mitreißende Idee. Wirtschaftlich erfolgreich sein UND sich für Umwelt und Gesellschaft einsetzen sind dabei kein Gegensatz mehr, sondern der neue Anspruch an die Arbeitssituation. Weil sich solche Stellen aber nur selten auf dem traditionellen Arbeitsmarkt finden, gründet die Generation Y eben ihre eigenen Startups und zwar genau in dem Bereich, den sie wie keine andere Generation dominiert: im Internet.


Teaser & Image “Vision”(adapted) by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Engagement durch Technologie – Content allein reicht nicht

CrowdEmotion-Image-Paul-Clarke-Digital-Catapulte-CC-BY-3.0

Wie sieht eine gute Empfehlung für Entertainment und News-Inhalte aus, welche Datenquellen liegen ihr zu Grunde, wie muss die Gewichtung sein, um Relevanz beim Konsumenten zu erzeugen? Bei den Musikstreaming-Diensten hat Spotify mit der Funktion ‚Discover Weekly‘ anscheinend vieles richtig gemacht und Apple Music alt aussehen lassen. Dass hierfür zuvor größere Investitionen in Technologie getätigt werden mussten, wie den Zukauf von The Echonest, ist ein wichtiges Detail dieser Erfolgsgeschichte. Denn zukünftig wird Technologie das Zünglein an der Waage sein, wenn es um die Alleinstellungsmerkmale digitaler Angebote geht.

Publisher liefern in Zukunft nur noch den Content

In Deutschland wurden 2013 noch Videotheken gebaut als bei South Park bereits die Verwüstung von Blockbuster thematisiert wurde. Heute sind wir einen Schritt weiter: Videos werden gestreamt, die Mehrheit der Innovation früh annehmenden Verbraucher ist dabei, sich ihr eigenes Video-Programm zusammen zu basteln.

In anderen Bereichen sind wir noch weiter: Im Musik-Bereich hat Spotify das Rennen unter den Diensten gegen Deezer und Rdio gewonnen, wird nun von etablierten Giganten wie Apple, Google und Amazon attackiert. Bei der Kategorie News sind wir uns noch nicht ganz sicher: Die alten, lokalen Destinations ziehen dank ihrer Markenmacht noch stark, aber die Aggregatoren kratzen an der Tür und ihr Siegeszug ist unaufhaltsam.

Ihre stärkste Waffe: Relevanz. Ihr Geschäftsmodell: Disruptiv. Die eigentliche Marktveränderung steht somit auch den Verlagen noch bevor. Denn intelligente Dienste klauen dem Publisher die Startseite. Wie viel Prozent vom Umsatz für digitale Publisher macht heute die Startseite aus? 70 Prozent? Oder sogar 80 Prozent?

Selbst mit diesen Umsätzen schreiben die Online-Medien der Publisher – wie Bild.de, Stern.de oder Zeit Online – knapp eine schwarze Null. Was passiert, wenn die Startseiten – zum Beispiel für News oder Entertainment – zusätzlich zum bereits gewonnenen Ad Targeting zukünftig in der Hand von Tech-Firmen liegen? Die Publisher verkommen zu Content-Lieferanten, ganz so wie die Sender im TV Bereich.

Können Publisher und Sender diesen Trend aufhalten? Nein. Können sie davon profitieren? Ja, wenn sie Technologie als integralen Bestandteil ihrer digitalen Produkte verstehen und resultierend die Relevanz ihrer Inhalte für den Einzelnen erhöhen. Wie geht das? Indem sie Intelligente Produkte bauen.

Individualisierung und Optimierung des Nutzungserlebnisses

Entscheidende Faktoren für die Intelligenz zwecks Individualisierung von Produkten lassen sich in ein Dreieck aus Kontext, Social und Personalisierung clustern.

Kontext beinhaltet Faktoren wie Uhrzeit, Wochentag, Wetter, Ort und Gerät. Die Daten lassen sich je nach Plattform berücksichtigen. Social beinhaltet Freunde sowie Interessensgruppen, die erstmals bekannt wurden durch die Last.fm-“Nachbarn”, also persönlich unbekannte Nutzer mit einem ähnlichen Geschmacksprofil.

Personalisierung kann auf Basis von expliziten (aktive Eingabe durch den Nutzer) oder impliziten (Tracking des Verhaltens via Cookie) Faktoren erfolgen, sowie vor allem durch den Import von vorhandenen Interessensdaten. Aggregiert haben Nutzer diese im Social Web, in Diensten wie Facebook oder Twitter. Die Daten dieser beiden Plattformen werden vermehrt zu Produktbestandteilen von anderen Diensten.

Die Herausforderung besteht darin, diese Daten inhaltlich mit dem Content eines Dienstes zu verknüpfen, um den Nutzer bestmöglich zu erfassen. Dies bietet die Chance, dem Nutzer schon bei Erstnutzung individuelle Erlebnisse zu liefern, um einer möglichen Kundenabwanderung vorzubeugen. Die Chance auf eine weitere Lernkurve erhält heute kein Serviceanbieter mehr.

Die Ausprägung und das Nutzerlebnis sind abhängig vom Anwendungsfall. Während ich in Bezug auf Nachrichten eher zeitlich getrieben bin und einen schnellen Überblick erwarte, habe ich beim Konsum von Videos mehr Zeit und freue mich über einen größeren Einfluss des im Englischen als “Serendipity” beschriebenen “relevanten Zufalls”.

Gefragt: Ein personalisierter News Feed

Apple lässt seine Nutzer einen intelligenten Fragebogen bei der Registrierung für Apple News beantworten. Nutzer beantworten also zunächst allgemeinere Fragen. Je mehr (explizitere) Signale ich hinterlasse, desto detaillierter werden die Fragen in den einzelnen Verästelungen, zwischendurch aufgelockert durch mit Marketingbudgets aufgeladene Marken wie das Wall Street Journal oder Vice.

Der Vorteil des Fragebogen-Ansatzes ist, dass er relativ gute Ergebnisse liefert. Der Nachteil ist zugleich, dass er ein hohes kognitives Engagement beim Konsumenten voraussetzt. Für einen News-Dienst kann das durchaus aufgehen. Für Entertainment jedoch wäre das mit Sicherheit nichts, da sich der Nutzer in einem sogenannten ‚Leanback-Szenario‘ befindet, er also nicht aktiv sein möchte, sondern erwartet, dass die besten (ergo: relevantesten) Inhalte im aktuellen Kontext direkt präsentiert werden und mit einem Klick abspielbar sind.

Die iOS-App Something präsentiert in einer schicken Leseoberfläche sämtliche Artikel seiner Twitter-Follower zur Verfügung stellt. Die initial wahrgenommene Qualität zeigt die Stärke der personalisierten Kuratierung. Über Jahre hinweg habe ich die Liste der Twitter-Nutzer, denen ich folge, bewusst zusammengestellt.

Zusätzliche Besonderheiten sind die Offline-Lesbarkeit, sowie ein Tinder-ähnlicher Feedback-Modus bezüglich Interessantheitsgrad des einzelnen Artikels, welches als implizites Feedback in die Discovery eingeht – wobei ich das Gefühl habe, dass sich das Feedback lediglich auf das Ranking der Quelle auswirkt und nicht auf den Inhalt, was langfristig aus meiner Sicht nicht reicht, um relevante Inhalte nach oben zu bringen.

Der Newsfeed Nuzzel personalisiert am umfangreichsten: Man kann Freunden folgen, oder sogar Freunden von Freunden. Man hat einen Überblick über Facebook, Twitter und alle anderen gewünschten Kanäle. Der Nutzer kann hier viel Feintuning betreiben, was allerdings noch sehr manuell erfolgt und somit ein hohes Anfangs-Tuning-Investment erfordert.

Wie sieht Discovery für Entertainment-Inhalte aus?

Vor Kurzem sorgte der Release von Spotifys ‚Discover Weekly‘ in der Empfehlungs-Industrie für positive Stimmung. Ähnlich wie Netflix erhob Spotify, angegriffen durch Apple Music, Google und Amazon, die Personalisierung at scale zum Alleinstellungsmerkmal, zum Feature, das den Unterschied macht.

Gerade gegenüber Apple eine geschickte Strategie, haben die End2End-Giganten aus Cupertino in diesem Segment bislang noch nie ernsthaft Punkten können – weder im Bereich Maps, Filme, Apps oder Musik. Entsprechend positiv wurde Discover Weekly gefeiert.

Vom Himmel gefallen ist dieses Feature nicht. Spotify hatte im März 2014 Echonest (das Tweek für Musik) akquiriert. Die Dauer von 18 Monaten zwischen Akquise und erstem Feature-Release des Echonest-Teams in der Spotify-Plattform zeigt, dass eine vernünftige Personalisierung Ressourcen verschlingt.

Gleichzeitig ist es wohl kein Wunder, dass mit Netflix, die jährlich 150 Millionen US-Dollar in ihre Empfehlungen investieren und Spotify exakt die Dienste, die frühzeitig und entschieden auf diese Funktion gesetzt haben, am erfolgreichsten agieren.

Dass diese Strategie hier nicht aufhört, sondern weiter ausgebaut wird, ist bereits bekannt. Auf den Münchener Medientagen sagte Spotifys Deutschland-Geschäftsführer Stefan Zilch, dass die im Musikstreaming eingesetzte Personalisierung auch auf die neuen Spotify Video-Features ausgeweitet werden.

Engagement wird der entscheidende Erfolgsfaktor

Leider ist diese Einsicht bei europäischen Diensten selten. Streaming-Dienste werden hierzulande primär Content-seitig konzipiert, wobei allen Beteiligten klar ist, dass der Content weder im Musik noch im SVoD-Markt (Subscription-Video-on-Demand) wirklich als Differentiator eingesetzt werden kann und selbst die Content-Akquise zumeist nicht datengetrieben durchgeführt wird, sondern die Entscheidung einzelner ist. Dass die richtige durchgeführte Datenanalyse neben dem Nutzungserlebnis, den Content-Einkauf und die die Nutzergewinnung richtig steuern kann, sei hier nur erwähnt.

Engagement wird der wichtigste Erfolgsfaktor für zukünftige Produkte. Zu hoch sind die Marketingkosten ohne entsprechende Verweildauer, Wiederkehrraten und virale Verbreitungswege. Entsprechend werden auch Publisher und Video-Dienste den Weg zur Integration der Technologie jenseits von Traffic-Händler-oder Customer-Acquisition-Kanälen integrieren müssen. Oder eben nicht. Somit würde man in der Relevanz abnehmen und im Wettbewerb verlieren.


Teaser & Image „CrowdEmotion” by Paul Clarke/Digital Catapulte (CC BY 3.0)


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WG-Portal vermittelt Wohnraum für Flüchtlinge

Flüchtlinge Willkommen (Bild: Jean-Paul Pastor Guzmán [CC BY-SA 3.0], via Flüchtlinge Willkommen)

Mit dem eigenen Online-Portal „Flüchtlinge Willkommen“ suchen Ehrenamtliche freie Zimmer für Flüchtlinge in WGs. // von Franziska Türk

Flüchtlinge Willkommen (Bild: Jean-Paul Pastor Guzmán [CC BY-SA 3.0], via Flüchtlinge Willkommen)

Es gibt eine Menge praktischer Internetseiten. Manche zeigen, wie man mit einfachen Tricks die heimische Wohnung verschönert, andere machen den geneigten Beobachter zum Sternekoch – und wieder andere verändern ein ganzes Leben. Letzteres trifft auf die Website „Flüchtlinge Willkommen“ zu, die Flüchtlinge und WGs mit freiem Zimmer zusammenbringt.

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Smart Hero Award 2015: Verlängerung der Bewerbungsphase

Smart Hero Award

Bis zum 15. März werden noch auf soziale Medien setzende Projekte für den diesjährigen Smart Hero Award gesucht!

SmartHeroAward (Bild: Smart Hero Award Facebook)

Mit dem im letzten Jahr zum ersten Mal verliehenen Smart Hero Award werden Menschen und Projekte ausgezeichnet, die ihr ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement erfolgreich in und mit sozialen Medien umsetzen. In diesem Jahr übernimmt Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Schirmherrschaft über den Wettbewerb. Die Netzpiloten sind offizieller Medienpartner.

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5 Lesetipps für den 26. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Lobbyismus im Bundestag, Hamburg bloggt, eine nicht engagierte Gesellschaft, TTIP und Zoë Keating kritisiert YouTube. Ergänzungen erwünscht.

  • BUNDESTAG Süddeutsche.de: So schützt der Bundestag Lobbyisten: Vor fast einem Jahr wurde mir der Zugang zu einer Ausschusssitzung des Bundestags verwehrt, da sich angeblich zu viele Blogger vor Ort befinden. Das eigentliche Problem hinter dieser Lüge der Bundestagsverwaltung war das ausufernde Ausmaß an Hausausweisen für Lobbyisten. Thorsten Denkler zeigt auf Süddeutsche.de auf, dass mehr als die Hälfte der 2.000 Hausausweise über die Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktionen verteilt werden, davon 90 Prozent durch CDU/CSU und SPD. Wer das aber ist, der da u.a. Öffentlichkeit schaffenden Bloggern die Chance auf Berichterstattung nimmt, wollte die Bundestagsverwaltung oder die Fraktionen nicht sagen.

  • HAMBURG OSK Blog: Hamburg, deine Blogger: Für das OSK Blog hat sich Carsten Christian – nach Köln und Stuttgart – mit der Hamburger Blogosphäre beschäftigt und einen thematischen Schwerpunkt auf Mode und Lifestyle ausgemacht. Vier der in der Elbmetropole beheimateten Blogs werden genauer vorgestellt und weitere Blogs aus/über/für Hamburg ordentlich aufgelistet – von A wie avatter.de, über N wie Netzpiloten.de bis Z wie zeitgeist247.de.

  • GESELLSCHAFT Süddeutsche.de: Lehren aus Pegida – Rückzug ins Private stoppen: Unser Online-Magazin Netzpiloten.de gibt es auch aufgrund einer gefühlten Verantwortung als Medium für die Gesellschaft. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den gesellschaftlichen Wandel durch die Digitalisierung, aber wir allein oder auch eine Institution wie ein Bundestagsausschuss, reichen dafür nicht aus. Es braucht Menschen, die sich einbringen und engagieren. Anhand der islamophoben Rechtenbewegung PEGIDA zeigt Hannah Beitzer lesenswert auf, dass der Rückzug ins Private, die Schaffung einer Parallgesellschaft ohne ziviles Engagement, zu einem politischen Integrationsdefizit führt. Politische Diskurse, auch bei der Digitalisierung aber vor allem beim gesellschaftlichen Miteinander, dürfen nicht von Politik und Medien allein geführt werden.

  • FREIHANDEL Telepolis: „Vorläufige Anwendung“ mit völkerrechtlichen Verpflichtungen: Die Europäische Kommission, aber genauso die Bundesregierung, wollen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA – kurz TTIP genannt – mit beinahe allen Mitteln durchbekommen. Auf Heise.de berichtet Peter Mühlbauer über die Idee der EU-Kommissarin Cecilia Malmström, die Parlamente der Mitgliedsländer bei TTIP und CETA (Freihandelsabkommen der EU mit Kanada) zu umgehen, in dem Teile der umstrittenen Freihandelsabkommen zu völkerrechtlichen Tatsachen gemacht werden. Ein Scheitern wie beim ACTA-Abkommen soll so verhindert werden.

  • YOUTUBE Zoë Keatings Blog: What should I do about Youtube?: Auf ihrem Tumblr schreibt die ihre Musik ohne Label selbst vertreibende Musikerin Zoë Keating über ihr Dilemma als unabhängige Musikerin. Die im letzten Jahr viel diskutierten Verträge zwischen YouTube und den damals erst aggressiv unfair agierenden Labels, die sich dann doch einigten, gelten eben nicht für einzelne Musiker. Die müssen jetzt in die neuen Nutzungsbedingungen einwilligen, damit die Musik beim Streaming-Service Youtube Music Key zu finden ist oder Google schließt die Channels der Musiker. Keating ist ratlos, was sie jetzt machen soll: Den All-or-nothing-Deal (wie es Gizmodo ausdrückt) annehmen oder weitermachen, aber auf das Geld verzichten (laut dem Guardian werden die Channels nicht gelöscht, sondern nur von den Einnahmen ausgeschlossen).

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Partei zu ergreifen ist etwas Verkommenes – Warum nur?

Der Ohnmacht über das Ausmaß staatlicher Überwachung und das Nichtstun der Bundesregierung folgt… Wut? Ignoranz? Oder wirklich Engagement? Eine Definition für Politik lautet, dass der Begriff „die aktive Teilnahme an der Gestaltung und Regelung menschlicher Gemeinwesen“ bezeichnet. Doch was bedeutet das? Einige von uns waren im Herbst und am vergangenen Sonntag wählen, geändert hat sich aber nichts und wenn, dann nicht gerade zum Guten. Machen wir als Bürger noch genug Politik oder lassen wir das inzwischen andere machen? Machen wir überhaupt etwas?

Fragen über Fragen…

Edward Snowden sitzt immer noch im bald endenden Asyl in Moskau, an der Überwachung soll inzwischen nicht der Staat sondern Unternehmen wie Google Schuld sein, gegen die der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel gerne rabiat vorgehen möchte, obwohl es staatliche Geheimdienste sind, die die Wirtschaft ausspionieren und gewählten Volksvertretern werden via Bundesregierung rechtliche Konsequenten angedroht, sollten sie die millionenfache Verletzung der Bürgerrechte ohne Einschränkung untersuchen und aufklären wollen. Schaut man sich die Entwicklungen der letzten 12 Monate an, bekommt man es nach der anfänglichen Ohnmacht über das von Edward Snowden aufgedeckte Ausmaß der Überwachung unserer Leben langsam mit dem Gefühl der… was eigentlich? Was fühlen wir gerade? Ist es Wut auf das System? Ist es ein stärkerer Verdruss über die Politik oder Langeweile über die täglichen Berichte?

Was hat sich seit Snowden eigentlich geändert? Bei einigen die Signaturen unter ihren E-Mails. Ich möge doch jetzt bitte meine Kommunikation verschlüsseln. Mit zwei beruflichen Kontakten chatte ich jetzt mit Threema. Es sei denn sie schreiben mir eine Mail von ihrem Gmail-Konto an meine Gmail-Mailadresse. Und sonst? Bei den letzten beiden Wahlen haben sich Parteien durchgesetzt, die zum einen nichts gegen die Überwachung der Bevölkerung durch Geheimdienste haben bzw. wirklich unternehmen seitdem sie die politische Macht im Lande errungen haben und die die Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden noch ausbauen wollen, in die Privatsphäre von Bürgern hinein zu schauen. Ist es soviel besser, dass die Überwachung freundliche Gesichter bekommen hat, die keine ernsten Mienen haben, keine US-Uniformen tragen und uns im September noch einen Luftballon oder eine Bratwurst am Wahlkampfstand geschenkt haben?

… und die Suche nach Antworten

Wenn in Dokumentationen die Studentenproteste der 60er Jahre damit begründet wurden, dass es eine Unzufriedenheit über die herrschenden Gesellschaftszustände gab, frage ich mich, warum wir kaum demonstrieren oder überhaupt eine Form von Widerstand leisten. Auf der diesjährigen re:publica forderte Sascha Lobo die scheinbar am Internet interessierte Masse auf, sich politisch zu engagieren (oder zumindest Geld zu geben). Persönlich sehe ich keinen netzpolitischen Verein, der zur Zeit auch nur einen Euro wert ist. Entweder sind sie so parteinah, dass eine Spende jeder für sich ausmachen muss oder sie sind dermaßen elitär und hierarchisch organisiert, das ich sie nicht unterstützen kann, da sie trotz guter Ziele und Kampagnenarbeit meinen persönlichen Idealen nicht entsprechen.

Sollte jemand an dieser Stelle die Lust verspüren, die eierlegende Wollmilchsau der Netzpolitik-Vereine zu gründen, kann er oder sie aufhören weiterzulesen und mir schreiben, wo ich spenden kann. Alle anderen müssen jetzt noch ein paar Gedanken zu politischem Engagement in Parteien lesen.

Obwohl wir in einer parlamentarischen Demokratie leben, in der Parteien eine vom Grundgesetz hervorgehobene Rolle spielen, scheint es so, als ob sich politisch in einer Partei zu engagieren, die gesellschaftliche Ausgrenzung zur Folge hat. Partei zu ergreifen ist etwas Verkommenes. Dabei ist es wichtig zu engagieren, egal in welcher demokratischen Partei. Es gibt natürlich Gründe, warum ich mich für eine bestimmte Partei entschieden habe und nicht für eine andere, aber dass trifft ja auf jedes Mitglied einer Partei zu. Aber allen ist gemeinsam, dass sich Mitmenschen hier für Themen einsetzen, die ihnen wichtig sind. Es ist nicht leicht in einer Partei Mitglied zu sein. So basisdemokratischer eine Partei ist, um so schwerer wird es sogar. In den Parteien werden aber auf unterschiedlichste Art und Weise gesellschaftliche Forderungen in Programme und Agenden formuliert, die bei einem Wahlerfolg in Regierungsprogramme übernommen werden. Das ist jetzt stark vereinfacht ausgedrückt, aber im Grunde trifft es, warum parteipolitisches Engagement viel mit Verantwortung zu tun hat und deshalb wichtig ist. Und zum Glück gibt es nicht wenige Menschen, die dazu noch bereit sind.

Engagiert euch!

Politik in einer Partei geht nicht über Tweets oder Online-Petitionen. Sie erfordert Engagement in Form von Zeit und auch Nerven. Dabei gewinnt und verliert man Abstimmungen, man schließt Kompromisse, macht sich Freunde und Feinde, aber in welcher organisierten Anhäufung von Menschen ist das nicht der Fall? Sich zu engagieren ist wichtig. Auch als jemand aus einer sehr politischen Familien, der Politikwissenschaften studiert hat, wurde mir erst nach Stéphane Hessels Buch „Empört euch!“ richtig klar, wie wichtig es ist, sich selber einzubringen und aktiv an der Gestaltung und Regelung unseres menschlichen Gemeinwesens teilzunehmen. Das muss nicht immer mit Netzpolitik zu tun haben oder in Parteien stattfinden. Für verkehrsberuhigte, autobefreite und radfreundliche Straßen kann man sich genauso engagieren wie gegen Nazis, verfehlte Wohnmarktpolitik oder irgendwie alles, für das Gunnar Schupelius eintritt. Jeder nach seiner Façon. Wichtig ist nur, dass jeder einzelne dazu bereit ist, unsere Gesellschaft mitzugestalten, denn mit jedem Menschen, der das nicht mehr ist, wächst die Macht einiger wenige, die aus anderen Gründen dazu bereit sind.


 


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5 Lesetipps für den 7. April

In unseren Lesetipps geht es heute um Kritik an Datenschutz-Beauftragte Andrea Voßhoff, das neue Vox.com von Ezra Klein, Engagement im Internet, Startups im Journalismus und der Medienwandel des Fernsehen. Ergänzungen erwünscht.

  • DATENSCHUTZ Donaukurier.de: Kritik am Fehlstart der neuen Bundesdatenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff: Auf Donaukurier.de schreibt Rasmus Buchsteiner über die wachsende Kritik an der Bundesdatenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff. Als „völlige Fehlbesetzung“ wird sie bereits in politischen Berlin abgetan, auch von Abgeordneten der Großen Koalition. Nach einem halben Jahr soll sich sich demnächst sogar den für Datenschutz zuständigen Mitgliedern des Innenausschusses vorstellen.
  • VOX.COM Daily Intelligencer: Understanding the Newly-Launched Vox.com: Nur drei Monate nach dem Ezra Klein die Washington Post verlassen hat ist der von ihm geleitete Relaunch von Vox.com fertig. Margaret Hartmann erklärt das Neue an Vox.com, dass an sich gar nicht so neu ist: erklärender Journalismus. Dazu nutzt Klein Karten, ähnlich den mobilen Karten der Nachrichten-App Circa, aber wesentlich informativer. So wird ein Thema stückchenweise erklärt.
  • ENGAGEMENT Hyperland: 6 Wege im Web, die Welt besser zu machen: Verschwörungstheorien, Digitalpiraterie, Abmahnwahn, Cybermobbing, Kinderpornografie, Vorratsdatenspeicherung – das Internet erscheint gelegentlich als Sündenpfuhl aus dem siebten Kreis der Hölle. Doch es gibt auch zahlreiche virtuelle Orte, an denen sich alles nur um eine bessere reale Welt dreht. Andreas Winterer stellt sechs solcher Orte im Hyperland-Blog des ZDF vor.
  • STARTUPS Carta: Hinschauen und lernen – was US-Startups im Journalismus besser machen: Christian Fahrenbach ist 2014 Fellow im Tow-Knight Entrepreneurial Journalism-Programm an der CUNY Graduate School for Journalism. Auf Carta stellt er drei Dinge vor, die bei neuen Medien-Projekten in den USA auffallend anders laufen als bei uns: Mehr Service, größere Personenbezogenheit, bessere Kennzahlen.
  • MEDIENWANDEL G! gutjahrs blog: Brauchen wir noch TV-Sender?: Nach dem Ende von „Wetten, dass…?“ und dem Fakt, dass einstige DVD-Versandhäuser erstklassige Serien drehen, steht für Richard Gutjahr die Frage im Raum, wozu wir noch Zwischenhändler wie das Fernsehen brauchen, wenn wir doch in Zukunft auch direkt vom Produzenten kaufen können? Das einstige Leitmedium steht vor einer radikalen Neuausrichtung.

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#SMWHH: Engaging Digital Natives

Melanie Goemmel (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Wie können Digital Natives zum Engagement bewegen? Auf der Social Media Week Hamburg gab Melanie Gömmel Einblick in die Strategie des WWF Deutschland. // von Tobias Schwarz

Melanie Goemmel (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

In Zeiten digitaler Ablenkungen und Kurzlebigkeiten ist es schwer, Menschen dazu zu bringen, sich zu engagieren. Dazu wächst eine Jugend heran – unpolitisch, konsumgeil und egozentrisch – die sich durch Anwendungen wie Twitter und Snapchat kaum noch länger als wenige Sekunden engagieren. Oder doch nicht? Alles falsche Klischées? Die deutsche Vertretung des World Wide Fund For Nature (WWF) hat eine digitalisierte Jugend entdeckt, die politisch und engagiert ist. Sie müssen nur anders angesprochen werden.

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ShortRead: LinkedIn startet Freiwilligen-Marktplatz

LinkedIn integriert in seinen vor allem von Berufstätigen genutzten sozialen Netzwerk einen Marktplatz für freiwilliges Engagement. // von Tobias Schwarz

Volunteering-Is-Good-for-Your-Career

LinkedIn kündigte heute in einem Blogpost den sogenannten ?The Volunteer Marketplace?an (TechCrunch berichtete), auf dem LinkedIn-Mitglieder sich über Tätigkeiten bei gemeinnützigen Organisationen und Vereinen erkundigen können, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Da so gut wie alle Mitglieder von LinkedIn ihr Profil als eine Art Online-Lebenslauf pflegen, möchte LinkedIn scheinbar nutzen, dass ehrenamtliches Engagement hoch angesehen ist und Mitglieder sich somit leichter dazu entschließen, umsonst eine gemeinnützige Aufgabe zu übernehmen, wenn sie damit attraktiver für potenzielle Arbeitgeber werden. Kommt es zu einem erfolgreichen Abschluss auf dem Marktplatz und ein Mitglied beginnt eine ehrenamtliche Tätigkeit, kann die Organisation diese bewerten. Die Bewertung erscheint dann im LinkedIn-Profil des Helfers. LinkedIn-Mitglieder können ab sofort auch in ihrem Profil angeben, wenn sie dazu bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren.

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