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Daten statt Clickbait: Upworthy macht es vor

Upworthy moves from curation to story creation

Mit der Ankunft von Amy O’Leary von der New York Times begann Upworthy die Produktion von Content durch Nutzerdaten voranzubringen. // von Joseph Lichterman

Upworthy moves from curation to story creation

Die Witze, die Eric March in seinem Artikel “Fünf unglaublich gute chinesische Restaurantketten, in denen Sie niemals essen sollten und eine, in der sie es sollten, aber nicht können“ macht, sind unerbittlich.

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Neues Feature für Google+: Curation durch Collections

Google Plus (adapted) (Image by India7 Network [CC BY 2.0] via Flickr)

Das von vielen bereits totgesagte Google+ bekommt nach längerer Zeit ein umfassendes Update. Mit Google+ Collections kommt nun ein Feature, das die Erstellung von Themenblöcken ermöglicht. Bislang wurden Posts auf dem sozialen Netzwerk Google+ automatisch mit einem Hashtag versehen. Auf diese Weise wurden verwandte Beiträge miteinander verknüpft, wodurch Nutzer tiefer in Themengebiete eintauchen konnten. Diese Funktion wird künftig von Google+ Collections ersetzt. Ähnlich wie beim Konkurrenten Pinterest, können Nutzer nun ihre Postings in einzelne Themenseiten sortieren.

Funktionen und Features

Bei der Veröffentlichung von Beiträgen hat man nun die Option, den Beitrag zu einer Collection hinzuzufügen. Somit lässt sich ein Themenblock erstellen. Dabei handelt es sich um eine Art virtuelle Galerie, in der sich neben Fotos auch Links und Videos sammeln lassen. Die Nutzer können dabei entscheiden, welche Beiträge angezeigt werden. Auch ältere Beiträge sind dadurch länger sichtbar. Vom Aufbau her orientiert sich Google+ Collections eng an Google+ Profilen und Seiten.

Mit Google+ Collections hat man außerdem die Möglichkeit, Inhalte gezielt zu einem bestimmten Thema zu kuratieren. Das hat zur Folge, dass Nutzer ausschließlich der Collection folgen und nicht allen Beiträgen. Diese Funktion lässt sich gut mit den Boards von Konkurrent Pinterest vergleichen.

Wenn man als Nutzer eine neue Collection erstellt, hat man die Option, die Sichtbarkeit auf öffentlich zu stellen. Tut man das, folgen automatisch alle Follower der Collection. Nutzer, die noch keine Follower sind, haben nun entweder die Möglichkeit dem Profil zu folgen oder aber nur der Collection. Der Ersteller kann selbstverständlich festlegen, wer Zugriff auf die Collections erhält.

Google+ Collections, wird ab sofort als Web-Version erhältlich sein und schubweise für Android freigeschaltet. Eine iOS-Version folgt. Voraussetzung für das Update ist die Verwendung der Google+-App in der Version 5.4.


Image (adapted) „Google Plus“ by India7 Network (CC BY 2.0)


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Niuws, die Nachrichten-App für Geschäftsleute

Niuws – App für Curated Business News

Die App Niuws fokussiert sich auf die Kuration von Business-Inhalten, die von Experten gesammelt und dann mit den Nutzern geteilt werden. // von Felicitas Hackmann

Niuws – App für Curated Business News

Kuratieren scheint aktuell das Ding zu sein. Informationen möchte man von seinen Freunden, ähnlich tickenden Leuten und von Experten, die Inhalte sachlich einordnen können, bekommen. Niuws fokussiert sich auf Nachrichten, die interessant für Geschäftsleute sind. Nutzer können Themengebiete festlegen und damit alle relevanten Informationen für diese Felder erhalten.

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Was uns 2014 über den Medienwandel lehrte

Change. (adapted) (Image by chintermeyer [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Vier Lektionen, die Online-Journalisten aus dem Jahr 2014 mitnehmen sollten – und was man von der BILD-„Zeitung“ in Sachen Medienwandel lernen kann. Dass man am Beginn eines neuen Jahres einen Blick zurück wirft und sich die letzten 12 Monate durch den Kopf gehen lässt, ist bekanntlich eine Art Tradition. In Zeiten des Medienwandels und der sozialen Netzwerken, macht Tobias Schwarz seinen eigenen Jahresrückblick und sucht nach Lehren, die Online-Journalisten aus dem Jahr 2014 ziehen können.

Die meisten Jahresrückblicke von Medien sind langweilig. Besonders wenn es um die Anzahl von Klicks geht, denn nichts spiegelt den Wert unserer Arbeit so schlecht wider, wie eine Leistungskennzahl. Als Ausnahme würde ich meine Netzpiloten-Lesetipps vom 31. Dezember 2014 betrachten, denn sie vermittelten mir eine interessante Erkenntnis über die Interessen unserer Leserschaft (Filesharing geht über Journalismus). Und die Klick-Hitliste der taz, die deren Berliner Lokalredakteur Sebastian Heiser im Hausblog vorstellt und die drei wichtige Aussagen festhält:

  1. Soziale Netzwerke haben einen immer größeren Einfluss auf dass, was gelesen wird.

  2. In erster Linie zählt im Journalismus immer noch die Qualität der Arbeit.

  3. Einordnende und bewertende Meinungen sind gefragter als sachlich gemeldete Nachrichten.

Der Einfluss von sozialen Netzwerken

Genau wie das Netzpiloten Magazin hinkt auch die taz dem vermeintlichen Trend des Trafficzuwachses via Social Media noch hinterher, doch während im Jahr 2013 nur 6 Prozent der taz-LeserInnen über soziale Netzwerke auf die Seite kamen, waren es im vergangenen Jahr bereits über 28 Prozent. Dazu kommt, dass – im Gegensatz zu Netzpiloten.de – die Startseite der taz leicht an Bedeutung verliert und nur noch von 41 Prozent der LeserInnen geöffnet wird (2013: 50 Prozent). Die Auswahl der gemäß ihrer Bedeutung prominenter platzierten Artikel wird damit unwichtiger, denn die LeserInnen suchen selber aus, was sie lesen wollen und was nicht.

Doch auch dies nur zum Teil, denn „wie viel Aufmerksamkeit der Text wirklich bekommt, entscheidet sich auf Facebook“, schreibt Heiser. Und das ist ein Problem, wie ich Ende September in einem Debattenbeitrag auf Carta erklärte, denn wenn der Algorithmus eines sozialen Netzwerks wie Facebook bestimmt, welche Artikel wie vielen der einem Medium folgenden Nutzer angezeigt wird, spielt Qualität eine immer geringere Rolle. Vor über einem Jahr änderte Facebook zum ersten Mal seinen Algorithmus und wollte statt viraler Hypes auf Journalismus setzen. Mark Zuckerberg wollte sein Unternehmen als News-Aggregator neu erfinden und ging mit der App „Paper“ und dem Trending-Feature erste Schritte in diese Richtung. Der Algorithmus wurde letztes Jahr mehrfach angepasst und versucht im Newsfeed auf Aktualität statt Viralität zu setzen.

Doch das System Facebook hat einen riesigen Haken: Facebook lässt sich die Anzeige der Artikel bezahlen. Bei den Netzpiloten erreichen finanziell nicht beworbene Artikel im Schnitt nur noch 5 bis 10 Prozent der uns folgenden Personen. Bis zum ersten Algorithmus-Update waren es noch 40 bis 50 Prozent. Dadurch wird aber Facebook, vor allem für kleinere Medien und Blogs, unattraktiv, denn wenn man Facebook nicht für die Distribution seiner Inhalte bezahlt, nützt die Aktivität in dem sozialen Netzwerk kaum etwas, wie jetzt auch die Marketing-Abteilungen von Unternehmen feststellen. Eine Alternative ist eine gewisse Bekanntheit als Marke, am besten durch Qualität.

Qualität macht den Unterschied

Das wir trotzdem in den letzten 13 Monaten mit dem uns benachteiligenden Facebook-Algorithmus die Seitenaufrufe mehr als verdreifachen konnten, liegt zum einen an unserer Markenstrategie, aber auch an der Qualität der Artikel unserer Autoren. Auf Netzpiloten.de finden sich selten schnelle Meldungen, viel mehr längere Artikel, die ein Thema genauer betrachten und einordnen. Trotzdem überraschten mich die fünf meistgelesenen Artikel des Jahres, denn während unsere Artikel über Journalismus immer am meisten geteilt werden, hatten die ersten vier Artikel dieser Rangliste nichts mit dem Thema zu tun. Den ersten Platz belegte ein Artikel von Lars Sobiraj über die Probleme des Filesharing-Forums Boerse.bz.

Als ich die Leitung von Netzpiloten.de übernommen habe, hatte die Deutsche Telekom gerade eine strategische Partnerschaft mit der Notiz-App Evernote bekannt gegeben. Die meisten Medien brachten einfach nur die Meldung, dass es diese Partnerschaft gibt und dass Kunden von T-Mobile nun die Möglichkeit haben, ein Premium-Account von Evernote ein Jahr lang kostenlos zu nutzen. Um einen qualitativen Unterschied zu setzen, hörten wir an diesem Punkt nicht auf. Netzpiloten-Autor Daniel Kuhn erklärte zusätzlich, was diese Kooperation mit dem Thema Netzneutralität zu tun hat und zeigte dadurch den meisten Telekom-Kunden auf, welche gesellschaftliche Verantwortung ihre Entscheidung hat, so ein Angebot anzunehmen. Das ist unser Anspruch, den wir immer öfter erreichen und was scheinbar auch durch eine wachsende Leserschaft honoriert wird.

Auch Heiser ist mit dem Geschmack der taz-Leserschaft und dem Wachstum zufrieden, denn unter den 20 meistgelesenen Artikel der taz im Jahr 2014, waren „eine ganze Reihe von Artikeln“, die auch Heiser zu den „journalistischen Höhepunkten des Jahres“ zählen würde. Die Gegenthese könnte die BILD-„Zeitung“ darstellen, die trotz ihrer diskussionswürdigen Qualität mehr als „12 Millionen Zeitungsleser, 17 Millionen Unique User bei Bild.de, 1,6 Millionen Fans bei Facebook und 663 000 Follower auf Twitter“ hat, wie Kai Diekmann im Interview auf Tagesspiegel.de aufzählt. Doch dieser Erfolg basiert meiner Meinung nicht auf der Qualität der Inhalte, sondern der redaktionellen Arbeit der BILD-„Zeitung“.

Kuration und Meinung sind gefragt

Was Springers Boulevard-Blatt qualitativ wirklich gut macht und lehrreich für die ganze Branche sein kann, ist die Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells und die verlegerische Leistung der Einordnung und Bewertung von Meinungen. „Wir können uns kurz fassen und Geschichten in wenigen emotionalen Worten und mit starken Bildern erzählen„, wie Diekmann es geschönt formuliert. Auch wenn diese emotionalen Worten und starken Bilder oft Anlass zu berechtigter Kritik sind, wie die Existenz des unterstützenswerten BILDblog beweist, ist die Auswahl einer Meldung und die einordnende Bewertung ein Service für die Leserschaft, der offensichtlich geschätzt wird.

Wir erleben das jeden Tag an dem Zuspruch für unsere morgendlichen Lesetipps, in denen wir fünf lesenswerte Artikel kuratieren und mit einordnender Begründung empfehlen. Oder die in einem Artikel vorangestellte Zusammenfassung des Inhalts in drei Stichpunkten, mit einem die Thematik einordnenden Satz. Ähnlichen Zuspruch bekommen Newsletter-Formate, die einen ähnlichen Dienst bieten und jeden Tag eine kuratierte Auswahl an lesenswerten Artikel verschicken. Wie zum Beispiel der Newsletter NextDraft von Dave Pell, den Austin Ray im MailChimp-Blog genauer vorstellt.

Wichtiger als die Auswahl ist meiner Meinung nach aber die Kommentierung. Auch Heiser stellt bei der taz fest, „ganz oben sind Kommentare, Polemiken und Satire-Artikel statt harter Themen und aufwändiger Recherchen„. Meine sehr emotionale und dadurch stellenweise zu ruppige Bewertung der deutschen Huffington Post erregte viel Aufmerksamkeit und trotz der teils unsachlichen Formulierung auch Zuspruch. Genauso wie auf meinem Blog die Kritik an einer islamophoben Äußerung eines MDR-Journalisten oder meiner sehr aggressiven Reaktion auf die Krautreporter (die ich trotzdem unterstützte und es bisher nicht bereue).

Die vierte Lektion: Community Management

Warum ich es nicht bereue, die Krautreporter zu unterstützen – anders als Marc Wickel –, ist wahrscheinlich die unbewusste vierte Lektion des Jahres 2014. Denn neben den Vor- und Nachteile bringenden sozialen Netzwerken, der Bedeutung von Qualität, Kuration und Meinung im Journalismus, ist ein ordentliches Community Management einer der wichtigsten Aufgaben von Medien. Die Krautreporter sind meiner Meinung nach ein sehr gutes Magazin geworden, doch in ihrer sie ausmachenden Qualität auch nur eines von vielen Medien, welches ich lese. Was sie für mich bis jetzt so wertvoll und besonders macht, waren zwei Community-Abende (und die Aussicht auf mehr), zu denen ich als Mitglied eingeladen wurde. Dabei nahm ich mehr mit als durch die Artikel und es schaffte eine stärkere Bindung an das Medium.

Die Krautreporter werden dadurch sichtbarer. Etwas, dass ich bei den Netzpiloten bisher vor allem durch Präsenz auf Veranstaltungen zu erreichen versuchte. In diesem Jahr werden wir Netzpiloten aber einen Raum in Berlin öffnen, der der publizierenden Netzgemeinde als Ort der Vernetzung dienen soll und selber sichtbarer werden. Unsere Blogger Business Lounge richtet sich dabei nicht ausschließlich an die Netzpiloten-Community, sondern an alle BloggerInnen und freien Autoren, VloggerInnen, sowie PodcasterInnen, aber auch InstagrammerInnen, und eigentlich noch viele mehr. Vielleicht wird uns und alle anderen dieses Jahr lehren, dass es die in diesen Räumen einstehende Serendipität ist, die Abkehr von der Organisation von Medien in Redaktionen, die dem Journalismus noch gefehlt hat. Auf der Hamburger Social Media Week werde ich unser Konzept zum ersten Mal vorstellen und ab März in Berlin umsetzen. Vielleicht werden die Jahresrückblicke von Medien ja im nächsten Jahr spannender.

Der Beitrag ist zuerst erschienen auf isarmatrose.com und steht unter der CC BY 4.0 Lizenz


Image (adapted) „Change.“ by chintermeyer (CC BY-SA 2.0)


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Storytelling mit Storify

Lange Zeit galt „Content is King“. Storify zeigt nun, dass man auch durchs Kuratieren wunderbar Geschichten erzählen kann. // von Lukas Menzel

Internationale Speaker auf dem Scoopcamp 2014: Burt Herman (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)
Internationale Speaker auf dem Scoopcamp 2014: Burt Herman (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

2010 vom ehemaligen AP-Journalisten Burt Herman und dem Belgier Xavier Damman gegründet, ist Storify heute der Marktführer unter den Kurationsdiensten. Kein Wunder, überzeugt Storify durch einfache Bedienbarkeit und umfangreiche Einbindungsmöglichkeiten, wodurch der Online-Dienst es geschafft hat, sich erfolgreich aus der Masse hervorzuheben. So wird Storify nicht nur von Bloggern und Privatpersonen genutzt, sondern auch die großen Medien wie die BBC, The Guardian oder in Deutschland die Bild und Spiegel Online haben sich als Fans von Storify geoutet.

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Die Playlist zwischen Kuration und Code

Playlist (adapted) (Image by Delwin Steven Campbell [CC BY 2.0] via Flickr)

Google erwirbt Songza und setzt beim Thema Kuration von Musik wieder auf den Faktor Mensch. Erst kaufte Apple spektakulär die Firma Beats Music, die neben Kopfhörern auch einen kuratierten Streamingdienst im Angebot hat. Jetzt erwarb Google Songza, einen Dienst, der Playlisten offeriert, zusammengestellt von Menschen, nicht Algorithmen. Damit steht Google nicht alleine da. Verändern sich unsere Hörgewohnheiten schon wieder?

Ein neuer Shoppingtrend

Schon am Montag hatte der Streamingdienst Rdio den Kauf von TastemakerX  verkündet, einem Service, der es seinen Nutzern erlaubt, Playlisten und ganze Musikkollektionen zu kuratieren und zu teilen. Rdio erwarb sich so eine Art anonyme Redaktion, die den Dienst nach ihrer Integration näher an ebenfalls redaktionell betreute Mitbewerber wie WiMP und Beats heranrücken würde, weg von Pandorra und Spotify, die ihre Musikvorschläge noch immer mithilfe von das Nutzerverhalten analysierenden Algorithmen generieren.

Am Dienstag zog Google nach. Kolportierte 15 Millionen US Dollar soll sich der Konzern sein neues Familienmitglied Songza kosten lassen haben. Ein Schnäppchen im Vergleich zu den jüngsten Shoppingergebnissen von Apple und dem aktuell vorangetriebenen Aufbau eines eigenen an YouTube angedockten Streamingdienstes.

Songzas Geschäftsmodell sind kuratierte Playlisten, im Prinzip ist es allerdings selbst ein Streamingdienst. 2007 gegründet, hat der vor allem in den USA bekannte Service derzeit mehr als fünf Millionen Nutzer, die entweder für 9,99 US-Dollar im Monat oder eben mit Werbeunterbrechung hier Musik hören. Aktuell gibt es neu im Angebot sechs Playlisten zum Independence Day, sechs Playlisten für den Sommer, eine Liste zu jedem Haus der Fernsehserie Game of Thrones oder unzählige 90ies-Playlisten wie “90210 Slumber Party”. Diese wurden zusammengestellt von menschlichen Experten wie Musikern und Musikjournalisten, allerdings verbleiben diese bei Songza im Hintergrund. In seinen (in Deutschland leider noch nicht verfügbaren) Apps erweckt Songza im Gegenteil sogar den Eindruck, eigentlich doch durch und durch von “schlauem” Code durchdrungen zu sein.

Menschliche Steigbügelhalter

Eine Funktion namens “Concierge”, die als Einstiegstor in Songza dient, wertet die bereits etablierten Nutzervorlieben, sowie die Tageszeit und den Faktor, ob man gerade von einem Mobilgerät oder einem Rechner auf Songza zugreift, aus, um dem Nutzer unterschiedliche Aktivitäten vorzuschlagen, die dieser gerade machen könnte. An einem Freitagabend etwa Schlafengehen, Vorglühen, Tanzen etc. Anschließend fragt es nach der Stimmung des Nutzers und startet eine entsprechend optimierte Playlist.

Mit Last.fm wäre das nicht möglich. Allerdings bedeutet dies keinesfalls, dass die menschliche Kuration nun wieder wichtiger als ein bloßer Algorithmus ist. Vielmehr wird Ersteres eher zum Steigbügelhalter für Letzteres, sie schafft erste Anreize und Reaktionen, die dann umso besser auszu- und verwerten sind. Google hat das erkannt – genauso wie Spotify, das schon 2011 kuratierte Apps in seinen Streamingdienst aufnahm. Es ist wie bei unserem ersten Myspace-Freund Tom: Ist man von Anfang an nicht ganz alleine in einem neuen Angebot unterwegs, dann fühlt man sich gleich viel wohler.

Songza-Playlisten wie “We’re Crazy About These 7 Indie R&B Singers” oder “This Party-Starter is MAGIC!” zeigen zudem, dass das Buzzfeed-Prinzip natürlich auch auf Musik angewendet werden kann und dort bestens funktioniert. Der Nutzer kann es sich darüber hinaus erlauben, noch “fauler” zu werden: Statt Pandorra oder Last.FM Klick-für-Klick auf sich konditionieren zu müssen, kommt er bei Songza schon mit drei Klicks zu einer mehr oder mehr individuellen Playlist. Wie viel neue Musik dabei dann noch entdeckt werden kann, bleibt allerdings vage. Zumal Playlisten derart leicht zu kopieren sind, dass am Ende doch wieder alle Dienste – in einem Anfall der gegenseitigen Kontrolle – das Gleiche spielen könnten.


Image (adapted) „Playlist“ by Delwin Steven Campbell (CC BY 2.0)


 

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Curation is King: Menschliche Expertise statt maschineller Algorithmus

Apple & Beats (adapted) (Image by K?rlis Dambr?ns [CC BY 2.0] via Flickr)

Keine schlauen Formeln, sondern echte Menschen sollen künftig die digitalen Inhalte und Waren zusammenstellen, die wir konsumieren. Eine Kehrtwende hin zu Curation? Rund um die viel diskutierte 3-Milliarden-Dollar-Übernahme von Kopfhörer-Hersteller Beats ist ein spannender Satz gefallen. “We get a subscription music service that we believe is the first subscription service that really got it right. They had the insight early on to know how important human curation is”, sagte Apple-Chef Tim Cook im Interview mit recode.net. “That technology by itself wasn’t enough — that it was the marriage of the two that would really be great and produce a feeling in people that we want to produce.” Der Schlüsselbegriff: “human curation”.

Statt smarter Algorithmen, die uns in Suchmaschinen, Social Networks, Online-Shops oder auf Newsseiten die wichtigen Inhalte aus dem schier unendlichen Meer an Content im Netz zusammenfischen, setzt die wertvollste Firma der Welt also auf Experten, die Playlists für die Abonnenten des Musik-Streaming-Dienstes Beats Music zusammenstellen.

I´m in bed and feel romancing with my lover to trip hop”: Nutzer von Beats Music (derzeit nur in den USA verfügbar) können verschiedenste passende Playlists suchen, die eine eigene Musikredaktion sowie kooperierende Musiker, Musikmagazine (z.B. “Rolling Stones”, “Pitchfork”) und Radiosender zusammenstellen. Beim konkurrierenden Streaming-Dienst Spotify gibt es natürlich auch kuratierte Playlists von Musikmagazinen, doch haben sie keinen so zentralen Stellenwert wie bei Beats Music – vielmehr setzte Spotify sehr stark auf Facebook-Empfehlungen und einen eigenen Algorithmus, um den Nutzern neue Musik entdecken zu lassen. Auch das New Yorker Musik-Startup Songza (derzeit nur USA) setzt stark auf “Curated Content”: Nutzer bekommen etwa am Sontag Morgen die Wahl zwischen fünf Playlists (von “Waking Up Happy”, über “Recovering From Last Night” bis zu “Brand New Music”), damit sie sich nicht selber auf die Suche nach dem richtigen Soundtrack machen müssen.

Altes Modell ins Digitale übersetzt

Sind kuratierte Inhalte durch Menschenhand nun der Schlüssel zum Erfolg? Das Prinzip ist natürlich nicht neu und definiert bis heute, was es in Museen und Galerien, auf Filmfestivals oder in gut sortierten Plattenläden zu hören und zu sehen gibt. Im Digitalen poppt die Idee aber in letzter Zeit immer häufiger auf und nimmt an Fahrt auf: Bei Upworthy suchen die Mitarbeiter die ihrer Meinung nach sehenswertesten Videos im Netz, bei BuzzFeed werden Listicles (meistens zu soundso vielen sehenswerten Bildern) zusammengestellt, mit Storify präsentieren Online-Journalisten die wichtigsten Social-Media-Inhalte zu einem bestimmten Thema. Auch im eCommerce greift das Phänomen um sich: Anstatt die unendliche Warenvielfalt von Amazon nachzuahmen, gingen “Curated-Shopping”-Dienste wie Outfittery oder Modomoto dazu über, dem Kunden eine Auswahl der ihrer Meinung nach besten Klamotten zusammen zu stellen. Schließlich setzen auch Pinterest oder teilweise Tumblr darauf, dass die Nutzer aus dem Überfluss an digitalen Inhalten die besten per Hand auf Pinboards oder in Blogs zusammentragen – Komplexitätsreduktion im Big-Data-Zeitalter.

Dass aber nun auch Menschen und nicht nur Zauberformeln wie “PageRank” (Google) oder “EdgeRank” (Facebooks News Feed) darüber bestimmen sollen, welche Videos, Songs, News, Apps oder Kleidung wir im Internet bekommen sollen, stellt doch eine interessante Abkehr von zwei Paradigmen dar, die noch vor kurzem alles dominierten: Erstens das Social Web und zweitens die immer stärkere Automatisierung. Soziale Empfehlungen (“word of mouth”) bei Facebook oder Twitter versprachen die Verbreitung von Inhalten über Mundpropaganda, und Algorithmen, hieß es, könnten berechnen, was ein Mensch sich wünscht, bevor er es selber weiß. So perfekt funktioniert beides aber dann doch nicht, weswegen jetzt Experten zu Einsatz kommen, die für andere zusammentragen, was sie konsumieren sollen. Bei Spotify zeigt sich das sehr gut: War der Musikstreaming-Dienst zuerst sehr stark von Facebook-Empfehlungen und dann vom “Entdecken”-Algorithmus geprägt, rücken die Macher in der neuen App nun kuratierte Playlists (von “Songs to Sing in the Shower” bis “Skate Park Punks”) in den Vordergrund.

Experten statt Freunde

Der Trend zum “Curated Content” ist dabei nicht mit “User Generated Content” zu verwechseln: Es geht darum, dass so genannte Experten Playlists, Nachrichten und Einkaufskörbe zusammenstellen und nicht die lieben Facebook-Freunde. Für Internet-Arbeiter sind das eigentlich gute Nachrichten. Denn wenn der Trend nachhaltig ist, dann müsste es bald das neue Berufsbild des Content-Kurators geben, der sich für die Kundschaft durch Musik-Plattformen, Video-Portale und Lagerhallen wühlt, ein “Best of” zusammensucht – und dafür hoffentlich gerecht entlohnt wird.

Wie funktionieren Apples und Googles “Redaktionen”?

Dass Internet-Firmen ihre Mitarbeiter als Kuratoren einsetzen und ihnen damit Jobs zugestehen, die jenen von Journalisten sehr ähneln, birgt aber auch Probleme. Die App Stores von Apple und Google sind das beste Beispiel dafür: Für beide Software-Shops sind so genannte “Redaktionen” dafür verantwortlich, welche Apps den Nutzern auf der Startseite empfohlen werden. Im Mobile-Zeitalter kann eine Platzierung in den “Empfehlenswert”-Bereichen über Erfolg oder Misserfolg einer Firma entscheiden. Dabei ist aber völlig intransparent, wer diese Redakteure sind, wo sie sitzen und nach welchen Regeln sie Apps auswählen – ansonsten würde es nicht die immer wiederkehrenden Geschichten in App-Entwickler-Kreisen geben, dass eine “gute Zusammenarbeit” mit den ominösen App-Store-Mitarbeitern bei der Platzierung helfe. Wohlgemerkt: Werbeschaltungen (= gekennzeichnete Platzierung von Content gegen Bezahlung) bieten Apples und Googles App Stores nicht. Und so bleibt im Dunkeln, wie die “Empfehlungen” zustande kommen.


Image (adapted) „Apple & Beats“ by K?rlis Dambr?ns (CC BY 2.0)


 

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Storify baut aus: Was kann der neue VIP-Zugang?

„Content Curation is King“, titelt t3n-Redakteur Andreas Weck seinen Artikel über die Möglichkeiten für Unternehmen, ihr Markenprofil durch kuratierte Inhalte zu schärfen.

Auch auf externe Portale und Produkte zu verlinken, würde die Beliebtheit steigern und auch zeigen, „dass es bei der eigenen Marke immer etwas Spannendes zu entdecken gibt“. Weck beschränkt sich bei seinem lesenswerten Text auf Unternehmen, doch auch die Medien können durchaus vom Kuratieren interessanter Inhalte und Links profitieren, wie das Beispiel Storify zeigt.

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Gesucht: Kurator für Texte

In den letzten Monaten ist eines klar geworden: Journalisten schreiben Artikel und vergessen dann schlagartig das, was sie da veröffentlicht haben. Dialoge zwischen Leser und Journalist auf den Websites großer Verlage kommen daher praktisch nie vor. Dass dem Qualitätsjournalismus sowie dem traditionellen Journalismus damit mindestens 123 Chancen durch die Lappen gehen, dürfte auf der Hand liegen. Journalisten sind Sender. Punkt. Wenn andere eine Meinung zu etwas haben wollen, dann ist das kein Anlaß für Journalisten in medias res zu gehen. Und das, obwohl der Begriff Medien schon einen leichten Hinweis darauf bietet, dass sich die Medien exakt in der Mitte zwischen Quelle der Nachricht und der Senke, also dem Leser oder Zuschauer befinden. Man hält sich zurück. Noblesse Oblige.

Allerdings entsteht an genau dieser Schnittstelle ein Vakuum durch die elegante Zurückhaltung. Da bisher nur die Journalisten darunter leiden, gibt es wenig Hoffnung, dass sich dies ändert. Es sei denn, man erschafft an dieser Stelle etwas Neues… Weiterlesen »

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