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Check-up Ireland: FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essensarmut

Irland, Ireland, Natur, Sonne, Schnee, Frost, Winter, Sonnenstrahlen, Weihnachten

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden zwölf Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essens-Armut

Wohltätigkeit wird nicht nur in Irland gerade in der Vorweihnachtszeit großgeschrieben. Es wird rege gespendet für Bedürftige in Haiti oder Syrien, aber auch für Obdachlose in der eigenen Stadt. Der Crash mag vorbei sein und die Wirtschaft mag wachsen, doch nicht überall ist die Wende zu spüren. Das hat die Regierung bei der Wahl erfahren, als trotz sinkender Arbeitslosigkeit aus einer satten Mehrheit eine wankende Minderheitsregierung wurde. Zu viele Erwachsene, aber vor allem zu viele Kinder werden in Dublin nicht satt. Das Gerede vom neuen Boom ist die alte Leier derer, die eh schon genug Geld haben. Statt des wiedererwachten keltischen Tigers sehen die Armen in Vororten wie Tallaght nur streunende Katzen – die aber wenigstens die Ratten vertreiben.

Nicht von ungefähr wurde Tallaght gewählt, um eine neue Initiative vorzustellen, die der Essensarmut den Kampf angesagt hat. „FoodCloud“, eine Online-Plattform, die Geschäfte, die überschüssige Lebensmittel haben, mit Wohltätigkeitsorganisationen zusammenbringt, hat sich mit der „Bia Food Initiative“ vereint, einem Betreiber von Depots in ganz Irland, über die Essen umverteilt wird. Deren neuer Name lautet „FoodCloud Hubs“ und im Sinne von „gemeinsam sind wir stark“ hilft man jetzt den Schwachen in Irland, Essensarmut zu überwinden. FoodCloud bietet Lösungen für überschüssige Lebensmittel bei jedem Schritt der Lieferkette an.

Neben Bedürftigen aus Tallaght und den unvermeidlichen Politikern fanden sich beim FoodCloud-Launch auch viele Mitglieder der Startup-Community, die sich auch bei „normalen“ Startup-Events über Technologien informieren oder Lösungen diskutieren. Das Wie, Wer und Wo zu Finanzierung und Talent-Aquise wurde bei diesem Anlass aber vom Was-kann-ich-tun und Wo-kann-ich-mich-einbringen in Bezug auf Social Enterprise ersetzt. Über der FoodCloud schwebten hier die Gedanken des Dubliner Tech-Kosmos zu Bereichen wie Umwelt, Verschwendung und Ernährung. Nichts fühlte sich hier abgehoben an. Für die Bodenhaftung sorgten allein schon die Menschen aus Tallaght und deren Schicksale, sowie die Lieder des High Hopes Choir, der aus Obdachlosen besteht.

So manch einer der anwesenden Gründer hat sich aber in Tallaght nicht zum ersten Mal mit Unternehmensvorsätzen beschäftigt. Mehr und mehr geht „Social“ mit „Enterprise“ einher – Startups und ihre Netzwerke diskutieren innovative Lösungen zu alten Problemen und sorgen somit dafür, dass Tech vollkommen neue Schichten der Bevölkerung durchdringt. Populistisches Gerede à la Trump von der „Tech-Elite, die nichts für die Zurückgelassenen tut“, würde zumindest in Tallaght nicht gut ankommen. Der Mann hat eh mit seinem Luxus-Golf-Ressort an der Westküste Irlands, wo die Elite Greenfees um die 200 Euro zu zahlen hat, genug zu tun.

Auch im Bereich Social Enterprise beweisen irische Initiativen und Unternehmen wie FoodCloud, dass die Lösungen, die lokal funktionieren, oft auch global eingesetzt werden können. CoderDojo oder ChangeX sind weitere Beispiele, die eine Würdigung verdienen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.


Image Irland by flesheatingbug (CC0 Public Domain)


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Wie Afrika von Big Data profitieren kann

Boy with Ring (adapted) (Image by jm whalen [CC BY 2.0] via flickr)

Big Data wird immer mehr als Lösung des Armutsproblems von Afrika angesehen. Zu Recht?

Big Data ist eine Art Berühmtheit geworden. Jeder spricht davon, trotzdem ist nicht ganz klar, was es ist. Um die Relevanz für die Gesellschaft zu erkennen, ist es erforderlich in der Zeit zurückzugehen um zu verstehen, warum und wie es zu so einem allgegenwärtigen Problem wurde.

Bei Big Data geht es darum, riesige Datenmengen zu verarbeiten. Es ist mit einer Vielzahl von verschieden Datenformaten verknüpft, die irgendwo gespeichert sind, in einer Cloud oder in verteilten Datenverarbeitungssystemen.

Jedoch übertrifft die Fähigkeit Daten zu generieren bei Weitem die Fähigkeit diese auch zu speichern. Die Anzahl der Daten ist mittlerweile so groß und so schnell produziert, dass eine kosteneffiziente Speicherung mit der aktuellen Technik nicht möglich ist. Was passiert wen Big Data zu groß und zu schnell wird?

Wie Grundlagenwissenschaft zu der Gesellschaft beiträgt

Das Big-Data-Problem ist wieder ein Beispiel dafür, wie Methoden und Techniken, die von Wissenschaftlern entworfen wurden, um die Natur zu studieren, einen Einfluss auf die Gesellschaft gehabt haben. Die technisch-wirtschaftliche Fabrik, der die moderne Gesellschaft unterliegt, wäre ohne diese Beiträge undenkbar.

Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie Ergebnisse, die die Natur untersuchen sollten, letztendlich das Leben revolutioniert haben. Big Data ist aufs Engste mit der Grundlagenwissenschaft verknüpft, und entwickelt sich mit ihr weiter.

Betrachten wir nur ein paar Beispiele: Was wäre das Leben ohne Elektrizität oder elektromagnetische Wellen? Ohne die grundlegenden Studien von Maxwell, Hertz und anderen Physikern über die Natur von Elektromagnetismus, würden wir weder Radio, Fernsehen noch andere Formen von durch Wellen übertragener Kommunikation haben.

Moderne Elektronik basiert auf Materialien, den so genannten Halbleitern. Was wäre das Leben heute ohne Elektronik? Die Erfindung von Transistoren und schließlich von integrierten Schaltkreisen, basiert ausschließlich auf dem gründlichen Studieren von Halbleitern durch Wissenschaftler.

Moderne Medizin verlässt sich auf unzählige Techniken und Anwendungen. Diese reichen von Röntgenstrahlen, bildgebender Diagnostik und Kernspinresonanz bis zu anderen Techniken, wie Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Moderne Medizin und Forschung wären ohne diese, ursprünglich für wissenschaftliche Forschung konzipierten Techniken, undenkbar.

Wie es zum Informationszeitalter kam

Das Big-Data-Problem entspringt ursprünglich dem Bedarf von Wissenschaftlern, Daten mitteilen und austauschen zu wollen.

Internetpionier Tim Berners-Lee empfahl 1990 in der europäischen Forschungsstätte CERN einen WorldWideWeb genannten Browser, der zum ersten Webserver führte. Das Internet war geboren.

Das Internet hat die Möglichkeiten, Informationen und Wissen auszutauschen, vergrößert, was zu einer Ausbreitung von Daten geführt hat.

Das Problem betrifft nicht nur das Ausmaß. Die benötigte Zeit zwischen Generation und dem Verarbeiten von Informationen hat sich ebenfalls drastisch verringert. Der große Hadronen-Speicherring hat die Grenzen von Datensammlungen, so weit wie niemals zuvor, ausgedehnt.

Als das Projekt und die zugehörigen Experimente in den späten 1980ern konzipiert wurden, wurden sich die Wissenschaftler darüber bewusst, dass neue Konzepte und Techniken entwickelt werden müssten, um mit den riesigen Datenmengen klarzukommen. Diese Konzepte führten letztendlich zur Entwicklung von Cloud- und verteilter Datenverarbeitung.

Eine der Hauptaufgaben des großen Hadronen-Speicherrings ist, das Higgs-Boson zu beobachten – und zu erforschen – ein Partikel verbunden mit der Erzeugung von Massen an fundamentalen Partikeln, durch die hochenergetische Kollision von Protonen.

Die Wahrscheinlichkeit ein Higgs-Boson in einer hochenergetischen Proton-Proton-Kollision zu finden ist extrem gering. Aus diesem Grund ist es nötig, mehrere Protonen mehrfach pro Sekunde kollidieren zu lassen.

Der große Hadronen-Speicherring produziert jede Sekunde Datenmenge in der Größenordnung von Petabytes. Um sich besser vorstellen zu können wie groß ein Petabyte ist: alle geschriebenen Werke der Menschheit von Anbeginn der Geschichtsschreibung, in allen Sprachen, würden in etwa 50 Petabytes belegen. Ein Experiment des großen Hadronen-Speicherrings produziert so eine Menge an Daten in weniger als einer Minute.

Nur ein Bruchteil der produzierten Daten wird gespeichert. Sogar diese Daten haben inzwischen die Exabyte-Skala erreicht (das Tausendfache von einem Petabyte), was zu neuen Herausforderungen in Cloud- und verteilter Datenverarbeitung führt.

Das Square Kilometre Array (SKA) in Südafrika wird in den 2020ern Jahren anfangen Daten zu produzieren. SKA wird die die Rechenkraft von circa 100 Millionen PCs haben. Die Datenmenge, die an einem einzigen Tag anfällt, würde für eine Spielzeit von rund zwei Millionen Jahre auf einem iPod reichen.

Das wird neue Herausforderungen für die Korrelation von riesigen Mengen an Daten hervorrufen.

Big Data und Afrika

Der afrikanische Kontinent hängt dem Rest der Welt oft hinterher, was das Umsetzen von Innovationen anbelangt. Trotzdem wird Big Data immer mehr und mehr als Lösung dafür angesehen, um die Armut des Kontinents anzupacken.

Der Privatsektor war der Erste, der aus den Startlöchern kam. Die größten afrikanischen Unternehmen werden, natürlich, eher Big-Data-Projekte haben. In Nigeria und Kenia sind mindestens 40 Prozent der Unternehmen in der Planungsphase von Big-Data-Projekten, im Vergleich zum globalen Durchschnitt von 51 Prozent. Nur 24 Prozent der mittelgroßen Unternehmen dieser beiden Länder planen Big-Data-Projekte.

Wertvolle Erkenntnisse könnten aus der Nutzbarmachung von Big Data gewonnen werden. Zum Beispiel, können Organisationen aus dem Gesundheitswesen von der Digitalisierung, Kombination und effektiven Nutzung von Big Data profitieren. Das könnte einer Mehrzahl von Akteuren, vom einzelnen Physiker über Multi-Provider-Gruppen zu großen Krankenhäusernetzwerken, ermöglichen bessere und effektivere Services zu erbringen.

Das Anpacken der Herausforderung, Big Data managen zu können, könnte ebenfalls große wirtschaftliche Nebenprodukte haben. Da Wirtschaftsformen immer ausgeklügelter und komplexer werden, steigt die produzierte Menge an Daten erheblich. Infolgedessen ist es notwendig, um die komplexen Prozesse zu verbessern, steigende Datenmengen zu verarbeiten und zu verstehen. Durch diese Mühe steigt die Produktivität.

Damit jedoch auch nur einer dieser Vorteile Wirklichkeit wird, braucht Afrika Spezialisten, die in Big-Data-Techniken bewandert sind. Afrikanische Universitäten müssen anfangen zu lehren, wie Big Data benutzt werden kann, um Lösungen für wissenschaftliche Probleme zu finden. Eine ausgeklügelte Wirtschaft erfordert Spezialisten, die für Big-Data-Techniken qualifiziert sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Boy with Ring” by jim whalen (CC BY 2.0)


 

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Wählen zu gehen kann gegen ein Leben in Armut helfen

Voting 3 (adapted) (Image by liz west [CC BY 2.0] via Flickr)

Niemand kann sich aussuchen, in welche Familie er oder sie hineingeboren wird. Und doch bestimmen die Geburtsumstände zu großen Teilen unseren späteren Verdienst. Alarmierend dabei ist: je mehr der eigene Verdienst von dem der Eltern abhängt, desto mehr Ungleichheiten gibt es. Wenn diese Abhängigkeit, oder “Verdienstungleichheit”, zwischen den Generationen sehr hoch ist, strukturiert sich die Gesellschaft auf einer dynastischen Art, in der die Armen weiterhin arm und die Reichen fortwährend reich bleiben.

Früher verband man die USA mit dem “Amerikanischen Traum” – dem Ideal, dass jeder im Leben es zu etwas bringen kann, wenn er sich nur genug anstrenge. Dennoch finden sich die USA nicht nur in Aufzählungen wieder, in denen die Länder mit den am meisten ungleich verteilten Chancen herrschen, hier herrscht auch die ungleichste gesellschaftliche Festlegung, in der die Einnahmen eines Individuums sich am ehesten am elterlichen Verdienst misst.

Neue Untersuchungen weisen darauf hin, dass höhere Ausgaben der Gemeinde im Bildungswesen für kleine Kinder, und eine progressive Besteuerung, die soziale Mobilität zwischen den Schichten fördern können. Das würde bedeuten, dass die Einnahmehöhe der Eltern nicht mehr so entscheidend für die Zukunft des Individuums sein könnten.

Im nächsten Schritt habe ich in meinem letzten Arbeitspapier herausgefunden, dass die Unterschiede der Wählerzahlen zwischen verschiedenen Ländern, die Unterschiede im finanziellen Aufwand im Bildungsbereich näher erläutern kann. Daher kann es sein, dass die Art, wie die Menschen wählen, wenn sie für mehr öffentliche Ausgaben im Bildungsbereich abstimmen, sich auf die Ungleichheit und Mobilität zwischen den Generationen auswirken, also dem Unterschied zwischen dem, was Eltern und deren Kindern verdienen.

Bildungsausgaben und Ungleichheit

Wenn ein Staat keine öffentlichen Bildungsmöglichkeiten anbietet, sind die Möglichkeiten zur Bildung für ein Kind ausschließlich von den Ausgaben der Eltern abhängig. Im Gegensatz dazu kann der Zugang zu öffentlicher Bildung den Spielraum zwischen Reich und Arm angleichen. Das Ganze nennt man redistributive Aufwendungen.

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Die X-Achse zeigt im Gini-Index die Ungleichheit an. Der Wert Null bezeichnet den Zustand, in dem jeder gleich verdient und wenn eine Einzelperson alle Einnahmen bestreitet. Die Y-Achse bezeichnet die Prozentzahl des BIP (Bruttoinlandsprodukt), das für öffentliche Bildung ausgegeben wird. Die Länder links oben, wie beispielsweise Island, haben den größten Gleichheitswert und geben mit Abstand am meisten für Bildung aus. In meinem Modell sind die Ausgaben für öffentliche Bildung für Frühförderung und universitäre Ausbildungen durch Wahlen bestimmt. Ich habe mit einbezogen, dass manche Menschen eher wählen gehen als andere, indem ich Daten bezogen habe, die die Wähler durch Alter und Bildungsgrad in jedem Land eingeteilt haben.

Politiker sind nur denen gegenüber eine Rechenschaft schuldig, die selbst gewählt haben, und sorgen sich um diese Wähler, wenn sie neue Richtlinien erlassen. Es stellte sich heraus, dass ein relativ hoher Anteil der gebildeten Schicht zu den Wahlen geht. Dies geschieht beispielsweise so in den USA. Man kann also annehmen, dass die bevorzugten Richtlinien zu ihren Gunsten durchgesetzt werden. Wenn nun also wohlhabendere Haushalte ein privates Bildungssystem bevorzugen, kann sich das auf die öffentlichen Anteile der Bildungspolitik auswirken. Dies kann auch in Ländern geschehen, in denen eine große Ungleichheit herrscht.

Im Kontrast dazu gab es einen relativ hohen Wähleranteil bei den weniger gebildeten Schichten, wie beispielsweise in den skandinavischen Ländern. Dies kann dazu führen, dass die öffentlichen Ausgaben für Frühförderung entsprechend seines ausgleichenden Naturells ansteigt. Indem die politischen Schwerpunkte variiert werden, die man verschiedenen sozialen Gruppen entsprechend der Wahlergebnisse nach Alter und Bildungshintergrund in jedem Land entgegenbringt, habe ich die gleiche Verbindung zwischen Ungleichheit und niedrigen Ausgaben für Bildungsprogramme ermittelt.

So ist besser verständlich, wie es dazu kommt, dass das Einkommen der Eltern und deren Kinder sich zwischen den USA und anderen OECD-Staaten um etwa ein Viertel unterscheidet. Hier wird angedeutet, dass, wenn die Armen nicht wählen gehen, es wahrscheinlicher ist, dass ihre Kinder selbst arm bleiben werden (und die Reichen mit größerer Wahrscheinlichkeit reich bleiben).

Mehr Wähler, bessere Bildung

Anhand von Hochrechnungen mit angenommener 100-prozentiger Wählerbeteiligung habe ich ermittelt, dass es zu 10 Prozent weniger auf das elterliche Einkommen ankäme, was eine Person verdient. Dies liegt hauptsächlich daran, dass das prognostizierte Einkommen durch Frühförderung zunahm. Die Logik dahinter: Wenn jeder wählen gehen würde, wären auch die Politiker eher an der Meinung der ärmeren Haushalte über öffentliche Bildung interessiert. Dann würden auch die staatlichen Ausgaben für Frühförderung steigen.

Eine verbesserte Frühförderung bereitet mehr Schüler aus ärmeren Haushalten auf das College vor. Je klüger das Kind ist, wenn es aus der High School kommt, desto eher wird er oder sie aufs College gehen, und umso wahrscheinlicher wird dort auch ein Abschluss erzielt. Wenn mehr Kinder aus ärmeren Haushalten aufs College kämen, würde sich die öffentliche Unterstützung (und natürlich auch die entsprechende Förderung) verbreiten und die Barrieren für das Einschreiben reduzieren. Im Gegenzug dazu führt der Anstieg der Neueinschreiber zu öffentlichen Investitionen in Frühförderung. Dieser Feedbackeffekt ist es, der das Einkommen eines Kindes weniger vom Verdienst der Eltern abhängen lässt.

Die Untersuchungen zeigen auf, dass sich die Politiker, die sich um die gleichen Chancen für alle sorgen, gut daran tun würden, einige Hürden für die Wahlen zu beseitigen, die die Armen unproportional deutlich betreffen, wie beispielsweise die Forderung in den USA, eine Geburtsurkunde vorweisen zu müssen, und diese Leute zu ermutigen, dass ihre Stimme wirklich zählt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” und steht unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Graphs by Christopher Rauh

Image (adapted) „Voting 3“ by liz west (CC BY 2.0)


 

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Die neue soziale Arbeit: Trägst auch du zum Elitenreichtum bei?

Elektriker (adapted) (Image by jarmoluk [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die klassischen Medien fassten den OECD-Bericht wie folgt zusammen: Die Reichen werden immer reicher. Die Einkommensschere geht zumindest in Deutschland nicht weiter auf. Aber die vielen armen Haushalte verhindern weiteres Wachstum. Es müsse mehr getan werden, z.B. durch einen Kitaausbau, damit mehr Frauen Vollzeitjobs annehmen können. Jedoch: Es steht noch viel mehr drin in dem Bericht – und es betrifft auch die Wissensarbeiter/innen, also uns.

Jetzt geht’s los

Hände hoch: Wer von euch gehört mindestens einer dieser drei Arbeitsformen an: Temporär oder befristet beschäftigt, in Teilzeit befindlich oder selbstständig?

Alle, die jetzt HIER geschrien haben: Glückwunsch, damit zählst auch du zu den sogenannten Nicht-Standard-Arbeitenden!

Nicht-Standardarbeit wird state-of-the-art

Man muss sich nicht einsam fühlen. In den OECD-Staaten verteilt sich ein Drittel der gesamten Beschäftigung auf Nicht-Standardarbeit, die sich eben aus temporärer bzw. befristeter Arbeit, Teilzeitarbeit und Selbstständigen zusammen setzt.

Der Anteil ist je nach Land recht verschieden: von 20 Prozent in den östlichen, europäischen Ländern (Polen ausgenommen) bis zu 46 Prozent und mehr in den Niederlanden und der Schweiz. Dabei sind Frauen (v.a. in Teilzeit), junge Menschen (v.a. in temporären Jobs) und Arbeiter/innen mit niedrigen Bildungsgraden überrepräsentiert, wie auch generell Erwerbstätige in kleinen Firmen.

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Wie das kam, lässt sich an den Zahlen seit den 1990er Jahren ablesen. Nahezu 60 Prozent des gesamten Beschäftigungswachstums in der OECD erfolgte seitdem v.a. in Form von Nicht-Standardarbeit.

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In Österreich, Deutschland, den Niederlanden, der Tschechoslowakei und Slowakischen Republik kann gar das gesamte Beschäftigungswachstum auf diese Form der Arbeit zurückgeführt werden. Während des gesamten Zeitraums ist in diesen Ländern die absolute Zahl der Standardarbeit gesunken, v.a. in Deutschland. In anderen Ländern, wie z.B. Norwegen, Griechenland, Island und Ungarn, war hingegen die Standardarbeit noch eine wichtige Quelle des Beschäftigungswachstums bis 2008.

Die globale Krise schlägt zu

Das veränderte sich schlagartig mit der globalen Krise 2008. Seitdem gingen viele Standard-Arbeitsplätze verloren. (Das sind die blau markierten Balken in der Grafik.)

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Es erfolgte eine Umverteilung der Qualität der Arbeit. Klassische Standardarbeit mit mittlerem Qualifizierungsbedarf gingen verloren, während neue Jobs in höher oder niedriger qualifizierten Bereichen entstanden. In Deutschland zum Beispiel stieg zwischen 1995 und 2010 der Anteil der geringst bezahlten (um 2,7 Prozent) und höchst bezahlten (um 2,3 Prozent) Jobs deutlich an. Diese Bereiche setzen wiederum v.a. auf Nicht-Standardarbeit auf.

Vor allem setzten diese Bereiche auf temporärer Beschäftigung auf. Sie ist in mehr als drei Viertel aller OECD-Länder gestiegen und ist für das Gros des Anwachsens der Nicht-Standardarbeit verantwortlich. Hinzu kommt ein bedeutender Anstieg der permanenten Teilzeit-Beschäftigung.

Der Anteil der permanenten Teilzeitarbeit stieg bereits in mehr als der Hälfte der Länder bis zur globalen ökonomischen Krise an. Vor allem Frauen sind von dieser Entwicklung stark betroffen.

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Gerne wird kolportiert, Teilzeitkräfte wären Teilzeitkräfte, weil sie gerne als Teilzeitkräfte arbeiteten. Das trifft auch auf zwei Drittel aller Teilzeitkräfte zu. Aber eben auf ein Drittel so gar nicht. Sie sind unfreiwillige Teilzeitkräfte.

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Wenn man alles zusammen nimmt, Anstieg der Teilzeitarbeit und der Verlust von Standardarbeit, dann können über den gesamten Zeitraum von 1995 bis 2013 genau 56 Prozent des Beschäftigungswachstums auf Nicht-Standardarbeit zurückgeführt werden.

Sackgasse Nicht-Standardarbeit

Nun wird oft gesagt: Hauptsache mal einen Fuß rein bekommen in den Arbeitsmarkt – es wird sich im Laufe der Zeit schon ein Weg in die Standardarbeit finden. Dies geben die Zahlen leider nicht her.

Nicht-Standardarbeit führt nur im Verhältnis zu Nicht-Beschäftigten zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, eine Standardarbeit zu erlangen. Ganz im Gegenteil: Ungefähr 60 Prozent der arbeitenden, ARMEN Haushalte sind Haushalte, deren Haupterwerbsquelle eine Nicht-Standardarbeit ist.

Und sie kommen kaum vom Fleck, denn Job-Qualität, Verdienst, Job-Sicherheit und Weiterbildung ist für Nicht-Standardarbeiter/innen bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei den Erwerbstätigen in Standard-Arbeitsverhältnissen.

So entspricht z.B. das mittlere jährliche Einkommen aller Nicht-Standardarbeiter/innen über alle OECD-Staaten hinweg fast nur der Hälfte des Levels derjenigen in Standardverträgen. Bei Teilzeit-Arbeiten fallen sie sogar bis zu 70 Prozent geringer aus. Und bei den Stundenlöhnen lässt sich im Durchschnitt generell ein 70-80 Prozent geringerer Preis identifizieren.

 

Bleibt der Weg in die Selbstständigkeit?

Hier ist die Motivation innerhalb der OECD sehr unterschiedlich. Die Trends in der Selbstständigkeit sind sehr gemixt. So geht sie in Ungarn und Polen gerade stark zurück. Generell zeigt sich eine hohe Korrelation zum Rückgang der Landwirtschaft in den OECD-Ländern.

Und jetzt legt die OECD ihre mathematischen Formeln an: Grundsätzlich lässt sich eine gut etablierte, negative Beziehung zwischen dem Bruttosozialprodukt und der Selbstständigkeitsrate feststellen. Das bedeutet, je höher das BSP, desto weniger Selbstständige.

Hinzu kommt: Selbstständigkeit ist dort breit vertreten, wo der öffentliche Sektor klein ausfällt, die Steuersätze sehr hoch sind, die Regulierung des Produktmarktes sehr dicht und die Gesetzgebung eher schwach ist.

Zudem ist die Anzahl der „Scheinselbstständigen“ gewachsen, die nur für eine Firma arbeiten.

Alles ein Indiz für die Digitalisierung?

Da fast alle Arbeitsplatzverluste, unabhängig von der Art der Aufgabe, im Bereich der Standard-Arbeit zu verzeichnen sind, während sich das Beschäftigungswachstum hauptsächlich in Form von atypischer Beschäftigung vollzog, kann nach Ansicht der OECD der technologische Fortschritt allein nicht als einzige Erklärung für die Job-Polarisierung dienen. Arbeitsmarktinstitutionen und die Politik haben wahrscheinlich eine wesentliche Rolle gespielt, wie sich bestimmte Muster des Jobaustausches in bestimmten Ländern vollzogen.

Die Ergebnisse lassen demnach vermuten, dass die Geschichte der Automatisierung nicht als alleinige Erklärung für das Aushöhlen der Mittelschicht dienen kann. Die verschwindenden Standardjobs in der Mitte hätten, wenn sie nur durch Technologien getrieben wären, nicht einfach ersetzt werden können durch Arbeiter/innen mit denselben Fähigkeiten, nur halt in Nicht-Standard-Arbeitsformen. So das doch recht eindeutige Fazit der OECD.

Und jetzt ihr: Werft doch nochmals einen Blick auf die Ausgangsfrage! Helft auch ihr mit, die Schere zugunsten der Eliten zu öffnen?

Die OECD mahnt: Es sind bereits 40 Prozent der unteren Einkommensschichten vom Prekariat betroffen oder gar bedroht. Und dabei geht viel „Humankapital“ verloren, weil sie ihre Talente nicht zugunsten der Gesellschaft einbringen können. Da hilft auch kein Appell mehr an die Ärmeren, sich endlich einmal anzustrengen…

Die OECD bleibt also ihrer Linie treu: Klare Worte an die nationalstaatliche Politik, um ihrem Wachstumsideal zu entsprechen. Inwiefern das Loblied auf das klassische Normal-Arbeitsverhältnis im 21. Jahrhundert gesamtgesellschaftlich weiterhin wünschenswert und realistisch ist, gilt es noch zu diskutieren. Aber nicht an dieser Stelle…

Die OECD-Studie

Warum die Studie zwar offen einsehbar, aber weder durchsuchbar, geschweige denn kostenfrei downloadbar ist, erschliesst sich mir nicht. Aber wer sie in Gänze am Bildschirm lesen will, hier entlang, bittschön:

In It Together: Why Less Inequality Benefits All


Screenshots by Anja C. Wagner

Image (adapted) „Elektriker“ by jarmoluk (CC0 Public Domain)


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Mediathekenumschau vom 14. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Mediathekenumschau heute: Erinnerungen an einen alten Mann aus dem Kiez und was die Nachbarn damit zu tun haben. Außerdem: Der lange Weg zur Staatsbürgerschaft und Erotik bei den Öffentlich-Rechtlichen. // von Hannes Richter

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

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Der eiserne Abgrund

Vor zwei Jahrzehnten brach der eiserne Vorhang zwischen Ost und West endgültig zusammen. Damit galt und gilt das politische System des Kommunismus als falsifiziert (widerlegt). Abgesehen von einigen Staaten wie Kuba, Vietnam, Nordkorea und China halten nur noch wenige Regierungen der Ideologie des Sozialismus die Stange.

Dass gerade im arabischen Raum ein anderer eiserner Widerstand fällt und die Welt sich selbst wiedervereinigt, wird offenbar. Aber zwischen der Nordhalbkugel und dem Süden gab es und gibt es einen deutlich schärferen Abgrund als bloß politische Systeme: Es ist die Zivilisation selbst, die auf der südlichen Hemisphäre in einem völlig anderem Stadium ist als im Norden. Es geht dabei um Reichtum. Es geht dabei um Kultur. Es ist aber auch eine Dimension traditioneller geographischer Vor- und Nachteile am Werk. Denn der Süden ist reich an Sonne, Bodenschätzen aber arm an Wasser, Industrie und Infrastruktur.

Die Diktatoren haben lange Zeit die Arbeit übernommen, die in Amerika der große Zaun auch nicht zu leisten vermag: Die Armut von den reichen Ländern fern zu halten. Es ist kein Geheimnis, dass die EU unter anderem deswegen gute Miene zum bösen Spiel einiger Potentaten gemacht hatte. Abgesehen von der möglichen oder tatsächlichen nordafrikanischen Finanzierung einiger europäischer Firmen und Machthaber…

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