Singularity University: Wie deutsche Firmen Veränderung akzeptieren und die Welt retten

Sich auf die Digitalisierung einzustellen, fällt insbesondere Firmen mit langjährig gewachsenen Strukturen nicht in den Schoß. Gelingt der digitale Wandel nicht allein von Innen heraus, lohnt es sich, wenn „Grownups“ sich mit Startups zusammentun. Das Beispiel des Motorsägen-Spezialisten Stihl bestätigt dies eindrucksvoll. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich traditionsreiche Unternehmen überhaupt erstmal für Veränderung öffnen. Statt sich in kleinen kosmetischen Alibi-Neuerungen zu verheddern, sollten sie in großen Dimensionen denken. Dafür plädiert Stephan Balzer, der „deutsche Botschafter“ des amerikanischen Think Tanks Singularity University. Am Rande der High-Tech Partnering Conference (HTPC) in Bonn erläuterte er, warum die Busines-School-ähnliche Bildungseinrichtung nun auch deutsche Führungskräfte zu Tech-Pionieren fortbilden will.

Singularity University: Wie Führungskräfte von Startups lernen können
Startups und Grownups trafen sich auf der 9. High-Tech Partnering Conference in Bonn. Image by High-Tech Gründerfonds

Warum nur ein bisschen wachsen, wenn es auch exponentiell geht?

Weltverändernde Ideen und raketenhaftes Wachstum ist nicht nur etwas, was Gründern und Startups vorbehalten ist, findet Stephan Balzer. Auch Führungskräfte in gestandenen Unternehmen können bahnbrechenden Innovationen den Weg bereiten, erklärte Balzer auf der HPTC. Sie wurde zum neunten Mal vom High-Tech Gründerfonds, dem größten deutschen Seedinvestor, ausgerichtet und beleuchtete dieses Mal, was Traditionsfirmen von Startups lernen können.

Wer sein Unternehmen verändern und gleichzeitig die großen globalen Herausforderungen unserer Zeit angehen wolle, komme um den Einsatz exponentieller Technologien nicht herum, so Balzer. Das ist eine Schlüssellehre der Singualarity University. Unter exponentiellen Technologien versteht sie zum Beispiel künstliche Intelligenz, Mixed Reality, Datenwissenschaften, Roboter, Nanotechnologie und digitale Fertigung. Technologien also, die großes Wachstumspotenzial versprechen und dadurch sehr stark zur Lösung der Menschheitsprobleme beitragen können. Stattdessen an der linearen und kleinteiligen Weiterentwicklung des Bekannten und Gelernten festzuhalten, bringe niemanden weiter, ist Change- und Innovations-Experte Balzer überzeugt.

Veränderung wird oft wie ein Virus eliminiert

Zumindest in manchen Bereichen gilt der Deutsche als veränderungsträge und sitzt gerne schon mal die ein oder andere Veränderung aus. Dass die Deutschen Gewohnheitstiere sind, macht Balzer während seines Vortrages mit einem Vergleich zum Immunsystem deutlich. Schließlich hätten viele Entscheider bereits erlebt, dass bestimmte Veränderungen in mittelständischen Unternehmen einfach ausgegessen würden. Da greife interne Abwehrkräfte und plötzlich könnten alle Unternehmensbereiche Hand in Hand zusammenarbeiten, bis das Virus, zum Beispiel die neue interdisziplinäre Gruppe für Digitalisierung im Unternehmen, endgültig abgetötet sei.

„Dabei müssen Unternehmen sich gar nicht von Grund auf verändern, sondern lediglich bereit sein, sich weiterzuentwickeln“, so Balzer. Gerade Mittelständler seien in den vergangenen Jahren sehr innovativ geworden und wagten mehr Risiken. Der „Startup-Geist“ ist also auch bei Grownups, wie etablierte Unternehmen auch bezeichnet werden, angekommen.

Singularity University: Wie Führungskräfte von Startups lernen können
Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds (links), und Stephan Balzer im Gespräch. Image by High-Tech Gründerfonds

Vom amerikanischen High-Tech-Enthusiasmus anstecken lassen

Um das weiter auszubauen, möchte Balzer auch Führungskräften in Deutschland mithilfe von Workshops ermöglichen, ein „Digital Mindset“ zu entwickeln. Einen Vorgeschmack bietet der Singularity University Germany Summit im Juni 2018 in Berlin. Doch auch ohne „Studium“ an der Singularity University können deutsche Führungskräfte ihre Einstellung dem High-Tech-Enthusiasmus des Sillicon Valley annähern. Lernbereitschaft und Offenheit seien hier das A und O. „Stellen Sie sich einmal die Frage, was Sie bis zum Ende dieser Woche lernen könnten. Und dann lernen Sie es“, ermutigte Stephan Balzer das Publikum zum Abschluss seines Vortrags auf der High-Tech Partnering Conference.

Dieser Bericht entstand in Zusammenarbeit mit dem High-Tech Gründerfonds.


Teaser Image (adapted) „Start“ by Geralt (CC0 Creative Commons Lizenz) / Images by High-Tech Gründerfonds



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Julia Froolyks

Julia Froolyks

ist Technikjournalistin und leidenschaftlicher Fan von Marktneuheiten. Neben Mobilfunk und Smartphones hegt sie eine innige Beziehungen zu Datenschutz und Cyber Security. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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