SambZockt – Die Technik von Spielen erklärt

Vor etwa einer Woche habe ich mir zwei Jahre nach Release endlich eine Nintendo Switch gekauft. Der Grund? Ich habe schon eine ganze Weile große Lust, Zelda: Breath of the Wild – das Flaggschiff der Konsole – zu spielen. Zum einen mag und mochte ich die Spielereihe schon immer sehr, zum anderen bin ich über Twitter auf den YouTuber SambZockt gestoßen. Der beschäftigt sich viel mit Nintendos aktueller Konsole und hat in seiner Reihe „Die Technik von…“ unter anderem den aktuellen Zelda-Titel durchleuchtet und dabei noch mehr Lust auf das Spiel gemacht. Für mich Anlass genug, mich mit dessen YouTube Kanal ausführlicher zu befassen.

Gaming Content ist doch nichts Neues, oder?

Ein Screen-Capture Programm wie OBS, ein Mikrofon und ganz vielleicht noch eine Kamera – um ein einfaches Let’s Play aufzuzeichnen, braucht es eigentlich nicht mehr. Auf YouTube wimmelt es vor etlichen Gaming-Videos in mehr oder weniger mittelmäßiger Qualität.

Während viele kleinere YouTuber versuchen das Let’s Play Format, das Creator wir Gronkh groß gemacht hat, ebenfalls für sich zu nutzen, greift SambZockt auf sein technisches Wissen als Indie Spieleentwickler zurück. So schafft er es, Spiele auf eine andere, speziellere Weise zu betrachten und Content zu produzieren, der sich in meinen Augen angenehm vom Einheitsbrei abhebt.

Spiele an ihre Grenzen bringen

Angefangen hat Christian Wasser, wie sein eigentlicher Name lautet, auf YouTube mit einer eigenen Animationsserie. Wie er auf seiner Patreon Seite erklärt, begann er, sich nebenbei für Spieleentwicklung zu interessieren. Sein Spiel BlobCat ist mittlerweile auf Steam und für die Switch erhältlich. In dem Indie-Titel löst ihr kleine Rätsel, um die DiceMice – eine würfelförmige Maus – vor den BlobCats zu retten. Außerdem ist der nächste Indie-Titel FoggyForest bereits in der Mache. Auf YouTube veröffentlicht Samb zu seinen Projekten regelmäßige Entwicklertagebücher in Form von Livestreams, geht auf Fragen von der Community ein und informiert über den aktuellen Stand eines Projektes.

In vielen seiner Livestreams und Videos versucht er auf SambZockt außerdem, die Grenzen von Spielen auszuloten. So ändert er in einem Stream beispielsweise die Hex-Werte eines SNES-Spiels, um Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Hier merkt man die Liebe zu Videospielen und deren Entstehung. Kleine Details, nerdige Randthemen – all das wird hier beleuchtet und wertgeschätzt.

Parallel zu seinem eigenen Kanal ist er außerdem Teil des etwas professioneller produzierten Formats GamingClerks sowie CEO von der Firma POWmedia, die Influencer Marketing, Video-Produktion und Netzwerkmanagement betreiben.

Die Technik von SambZockt

Ich persönlich bin ein großer Fan der „Die Technik von“ Videos. In diesen nutzt der Spieleenthusiast sein Wissen über die Entwicklung von Spielen und dekonstruiert größere Titel. Dabei versucht er zu erklären, wie ein Spiel gewisse Dinge umsetzt oder mit Limitationen der entsprechenden Hardware umgeht. Hier konzentriert sich der YouTuber hauptsächlich auf Spiele für die Nintendo Switch und deren Exklusivtitel. Dabei schafft er es allerdings die technisch sehr anspruchsvollen Konzepte hinter den Spielen so darzustellen, dass selbst völlig Fachfremde verstehen, was hier passiert.

Das Gras in Zelda: Breath of the Wild

Bei seinen technischen Erklärungen zeigt Christian Wasser auf SambZockt seine große Liebe zum Detail. So sind in dem Video zu Zelda knapp vier Minuten dem beeindruckend gemachten Gras in Breath of the Wild gewidmet. Zum Verständnis: Das Gras in dem Spiel ist wirklich sehr dynamisch umgesetzt. Es bewegt sich realistisch im Wind oder wenn wir hindurch laufen. Mit unseren Waffen können wir es außerdem einzeln abschneiden. Trotz dieser komplexen Physik läuft das Spiel aber durchaus flüssig auf 30 FPS. Das beeindruckende daran: die Nintendo Switch ist immer noch eine portable Konsole, deren Hardware in Sachen Leistung hinter der von PS4 oder Xbox One zurück liegt.

Sambs Erklärung nach wird das Gras in Zelda durch zweidimensionale Flächen mit einem Knick in der Mitte dargestellt. So hat ein Grashalm seiner Vermutung nach nicht mehr als zwölf Polygone. Auf diesen Planes liegen nun Transparente Grashalm-Texturen, die dem Halm die entsprechende Optik geben. Seine Erklärung unterstützt er mit gut nachvollziehbaren Visualisierungen, in denen er versucht, den Prozess in dem 3D-Modelling Programm Blender nachzuempfinden.

Um bei den vielen einzelnen Grashalmen nicht in Performance-Probleme zu geraten, kennt der Indie-Spieleentwickler ebenfalls einen Trick, den er bei seinen eigenen Spielen anwendet. Er platziert einfach außerhalb des sichtbaren Bereichs etwa 200 extra Objekte, die zusätzlich gerendert werden müssen. Schafft er es mit dieser zusätzlichen Last auf eine insgesamt stabile Performance seines Spiels zu kommen, braucht er diese schließlich nur wieder zu entfernen und kann sich auf die Stabilität seines Spiels verlassen. Das bedeutet nicht, dass Nintendo dieses Verfahren auch genau so anwendet. Es gibt aber zumindest eine kleine Vorstellung davon, wie Entwickler mit vergleichbaren Herausforderungen umgehen.

Neben Zelda hat sich der YouTuber auch andere Titel für die Switch zur Brust genommen. So zum Beispiel Super Smash Bros. Ultimate, Super Mario Odyssey, Mario Kart 8 und Donkey Kong Tropical Freeze.

Spiele machen, Spiele spielen

Samb dabei zuzusehen, wie er kleine Details und Spitzfindigkeiten in Spielen analysiert und auseinandernimmt macht ungeheuer Spaß. Dabei sind die entsprechenden Video durchaus gut produziert und aufgebaut. Auch in seinen Livestreams feiert der YouTuber das Medium Videospiel und nimmt es als Spielwiese für allerhand Experimente. Das ist eine Seite von dem Medium, die meiner Meinung nach viel zu kurz kommt. Dabei kann es aber wirklich viel Spaß machen, Spiele auch mal so zu spielen, wie sie nicht gedacht sind.

Hinzu kommt, dass Samb absolut in der Lage ist, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären und zu visualisieren. Das macht seine Videos auch für Laien in der Spieleentwicklung zu einem Genuss. Über die Tatsache, dass der ganze Kanal ein wenig chaotisch und farblich manchmal etwas schräg wirkt, kann man dabei wirklich hinweg sehen.

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Image by info@nextmars.com/stock.adobe.com

Moritz Stoll

studiert Medieninformatik an der HAW und schreibt für die Netzpiloten. Nebenbei betreibt er einen Comedy-Podcast, und arbeitet als freiberuflicher Programmierer. Die Digitale Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, um damit Neues zu erschaffen und ganz viel auszuprobieren.


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