Roborock S6 MaxV im Test: Ein Saugroboter sieht den Schmutz

Saugroboter werden auch in deutschen Haushalten immer populärer. Der Absatz hat sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht, fast jedes fünfte verkaufte Sauggerät arbeitet mittlerweile selbständig. Eines der fortschrittlichsten Unternehmen ist die Xiaomi-Tochter Roborock, die mit dem S6 MaxV ein neues Premium-Modell mit gesteigerter Saugleistung auf den Markt bringt. Eine Stereokamera soll in Verbindung mit der neuartigen Künstlichen Intelligenz “ReactiveAI” für weniger Zusammenstöße mit Objekten sorgen. Was das Gadget außerdem vom Vorgänger S6 unterscheidet, habe ich im Alltagstest herausgefunden.

Optisch ganz der alte S6

Auf dem ersten Blick gibt’s wenig Neues: Bei Design und Abmaßen bleibt der chinesische Hersteller seiner Linie treu. Mit einem Durchmesser von 35 Zentimeter und einer maximalen Höhe von etwa 9 Zentimetern im Bereich des Laserradars gehört er zu den größeren Geräten. Unters Sofa geht’s also nur in Ausnahmefällen. Neu sind die beiden Kameras, die sich im vorderen Teil des Saugers befinden. Dazu aber später mehr.

Neben dem Staubfangbehälter wurde auch der Wassertank für die Wischfunktion vergrößert. Letzterer erhielt zudem ein cleveres Funktionsupgrade: Während der kleine Tank im Vorgänger S6 stetig Wasser an das montierte Wischtuch abgab, regelt nun ein Pumpensystem die Feuchtigkeit dessen. Das unbeabsichtigte Leerlaufen ist also Geschichte. Zwar verweist Roborock darauf bei Nichtbenutzung das Wasser zu entfernen, im Test ergab sich allerdings keine Leckage. Ich würde sogar soweit gehen, dass die Wischfunktion auf glatten PVC- oder Laminat-Böden permanent aktiviert bleiben kann.

Roborock S6 MaxV Wassertank
Der Wassertank des Roborock S6 MaxV wurde deutlich vergrößert. Image by Jonas Haller

Künstliche Intelligenz erkennt dank Stereo-Kamera lokale Hindernisse

Besonders stolz ist der Hersteller auf die neue Künstliche Intelligenz “ReactiveAI”, die gemeinsam mit einer Stereo-Kamera daher kommt. Sie erfasst Objekte, die lokal auf dem Gerät per Qualcomm-Prozessor ausgewertet und anschließend umfahren werden. Das Aufsaugen von vergessenen Gegenständen – etwa des Handy-Ladekabels – gehört somit der Vergangenheit an. Im Job-Bericht innerhalb der Roborock-Anwendung auf Smartphone oder Tablet werden die Gegenstände mit Namen nachvollziehbar dokumentiert. Wer mag, kann sich ein Foto des Hindernisses anzeigen lassen. Dabei greift die App auf das lokal gespeicherte Material zurück. Das Feature funktionierte im Test überraschend zuverlässig und leistete sich keine Ausfälle.

Roborock betont ausdrücklich, dass die Bilddaten ausschließlich lokal auf dem Saugroboter verarbeitet werden. Eine Speicherung findet in keinem Fall statt – auch nicht auf den firmeneigenen Web-Servern. Konsumenten müssen dieser Aussage Vertrauen schenken, denn überprüfen lässt sich dies nicht.

Roborock S6 MaxV Stereo-Kamera
Um Kollisionen zu vermeiden, integriert der chinesische Hersteller eine Stereo-Kamera. Image by Jonas Haller

Detaillierte Jobplanung mittels neuer Roborock-App

Während man den Vorgänger S6 mit der konzerneigenen Xiaomi-Home-App steuerte, kommt das 2020er Modell mit einer eigenen Roborock-App daher. Die Nutzeroberfläche ähnelt stark der “alten” Version: Nach dem ersten Durchlauf erstellt die Anwendung mittels Lasersystem einen Grundriss der Wohnung und teilt die einzelnen Bereiche in Räume auf. Zudem gibt die Grafik Wegstrecke und erkannte Hindernisse wieder. Mit ein bis zwei Fingertipps startet der Saugroboter seine Arbeit – wahlweise in der kompletten Wohnung, in einzelnen Zimmern oder definierten Bereichen. Optional lassen sich Sperrbereiche einrichten, um sensible Raumbereiche zu umfahren.

Neu beim Roborock S6 MaxV ist die Moduseinstellung. Hier lässt sich neben der Saugleistung auch der Füllstand des Wassertanks definieren. Das System regelt dementsprechend die Wasserabgabe an den Wischmop. Zudem erkennen die Sensoren besonders verschmutzte Bereiche und lassen das Gerät die Fläche öfters abfahren. Apropos Verschmutzung: Für etwa Küchen-Missgeschicke spendiert Roborock das Pin-and-Go-Feature, über welches der Roboter an die “Unglücksstelle” fährt und die Saugarbeit aufnimmt.

Wie beim Vorgänger integriert der Hersteller eine Timerfunktion. Reinigungsjobs kann der Nutzer so tag- und minutengenau planen. Im Test klappte das tadellos, per Smartphone-Benachrichtigung gibt’s Informationen zu Start und Ende.

Roborock S6 MaxV Screenshots
Roborock hat dem neuen S6 MaxV auch eine eigenständig App spendiert. Screenshots by Jonas Haller

Reinigungsniveau sehr hoch, aber mit Schwächen

Der wohl wichtigste Punkt bei der Bewertung eines Saugroboters ist die Qualität der Reinigung. Gegenüber dem S6 überzeugt der S6 MaxV durch seine nochmals verstärkte Saugleistung. Sie liegt nun bei 2.500 Pa und sorgt für eine gründlichere Säuberung. Zwar ist das Gerät dadurch etwas lauter, allerdings auf einem überraschend niedrigem Niveau (71 dB).

Leider zeigen sich auch beim neuen Roborock-Modell die Design-Nachteile des Vorgängers: Ecken erwischt der Saugroboter nicht vollends und sind wahre Schmutzfänger. Das wird deutlich, wenn man einige Wochen nicht manuell saugt. Das gilt leider auch für den Wischmodus. Er stellt weiterhin lediglich eine Ergänzung zum Saugen dar. Leider ersetzt er die Handarbeit bei großen Flecken nicht komplett.

Im Vergleich zu seinen Mitbewerbern arbeitet der Roborock S6 MaxV jedoch deutlich zuverlässiger und sorgfältiger. Abgebrochene Saug- und Wischvorgänge aufgrund von umher liegenden Kabeln gab es mit dem neuen Flaggschiff nicht. Die Kameras registrieren Objekte mit Minimalmaßen von drei Zentimetern in der Höhe und fünf Zentimetern in der Breite. Der Saugroboter erkannte etwa auch zu Testzwecken drapierten Plastik-Hundekot korrekt. Erreichbare Flächen reinigte er stets lückenlos.

Roborock S6 MaxV Staubbehälter
Der Staubbehälter wurde im Vergleich zum Vorgänger deutlich vergrößert. Image by Jonas Haller

Fazit Roborock S6 MaxV im Test: Neues Referenzmodell in Sachen Intelligenz, Genauigkeit und Sauberkeit

Roboter stehen für eigenständiges, intelligentes Handeln. Bisher arbeiteten die Saugautomaten auf Basis von Lasersensoren und fuhren nach einem programmierten Schema die eigenen vier Wände ab. Roborock schenkt seinem neuen Modell S6 MaxV zwei Augen mit intelligenter Software-Verarbeitung und hievt das kleine Haushaltshelferlein so auf ein neues Level.

Im Test überzeugte das Gerät durch eine zuverlässige Erkennung von Gegenständen, eine gestiegene Saugleistung bei geringer Lautstärke sowie ein verbessertes Wischkonzept. Ausbaupotential gibt’s bei der Reinigung von spitzen Ecken und bereits getrockneten Flecken auf glatten Böden. Zwar ist der Roborock S6 MaxV mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 649 Euro alles andere als billig. Allerdings spielt er mit seinen neuen, intelligenten Features ganz oben in der Saugroboter-Liga mit.

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Roborock S6 MaxV erkennt Kothaufen
Kacke is(s)t der neue Roborock S6 MaxV keinesfalls. Image by Jonas Haller

Images & Screenshots by Jonas Haller

Jonas Haller

arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz und erforscht 3D-Druckverfahren. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Durch die Techsite HTC Inside ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das Android Magazin aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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