Murphys Murmel

Ja, jeder von uns ist schon mal in Murphys Chaoskugel hilflos durch die Gegend gekullert. Wie eine farbensprühende, wahnsinnige Murmel auf LSD.
Nun, von aussen betrachtet, sozusagen aus dem fallsicheren Kinderstuhl mit selbsthaftendem Besteck, da lässt es sich leicht gefällig mit dem Kopf wippen und sagen.“Jaja, Murphy‘s Law, das kennt man ja. Whatever can go wrong, will go wrong. Muss so.“. Und dann streichelt man sich das Bäuchlein und blickt mitleidig auf das arme Würstchen, das sich da mit stumpfer Machete durch seinen persönlichen Desasterdschungel schlägt…

Bis man selbst mal der Esel vor Murphy‘s Karren ist. Und das Einspannen, nein, das muss nicht notwendigerweise in Sekunden vonstatten gehen, das kann sich über Monate ziehen. Fängt mit Schimmel in der Bude an und hört mit akademisch bedingtem Berufsexil auf. Nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge. Und man läuft und schuftet und prustet und raucht zwischendurch eine, ein geistig verklapperter, keuchender Esel. Murphy wusste es und nun weiss man es auch:
Früher oder später wird die schlimmstmögliche Verkettung von Umständen auftreten. Es ist alles eine Frage der Zeit. Und der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Was hilft? Packen. Gesicht waschen. Den elenden Karren bis in die Garage ziehen. Es hilft nämlich eben nichts. Man muss das Chaos zu Ende denken und leben. Wenn
man schon die Gründe nicht erkennt, nicht erschließen kann, warum alles in einer so immensen Welle den Bach heruntergerauscht ist, dann sollte man wenigstens in würdevoller Perfektion seinen temporären Niedergang abschreiten und zwischendurch ruhig mal in den Spiegel blinzeln. Man sieht doch noch erstaunlich gut aus, auch wenn man sich kaum wiedererkennt. Vielleicht sieht man nach dieser Besichtigung extremer persönlicher Verzweiflung sogar manche Dinge anders. Das wieso, weshalb, warum, diese ganze verflixte, schlechtgenähte Selbstbezogenheit steht einem einfach nicht zu Gesicht. Und wenn’s mal wieder länger abwärts ging, finanziell, sexuell, existenziell und selbstreferenziell, dann ist geradeaus mal wieder eine echte Alternative. Nach einer Weile natürlich wieder mit der angemessenen Portion Exzess, Leichtsinn und Überheblichkeit. Oh du lieber Augustin. Nein. Murphy. Nein. Esel.

Julia Malz

 lebt als freie Journalistin in Hamburg. Nach ihrem Studium der Deutschen Sprache und Literatur und der Politischen Wissenschaft an der Uni Hamburg widmet sie sich dem freien Schreiben und ungewöhnlichen Gedanken. Privat auch in ihrem Blog FREISTIL.


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