Interview: Social Storm beim WWF

Auf der Social Media Week erklärte Paula Hanneman vom WWF, wie man einen Social Storm im Sinne einer NGO als neuartige Form der Kampagne bzw. des Protests einsetzt oder befördert.

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Transkription/Paula Hannemann Interview:

Wie kann man man einen sozialen Sturm starten?

Es gibt ganz viele Möglichkeiten wie man einen „Social Storm“ inszenieren kann. Eigentlich sind es die gängigen Möglichkeiten, die man kennt um Protest zu schüren. Am besten ist man hat eine gute Story oder einen Skandal, einen klaren Gegner und man kann die Geschichte auf eine Ja-Nein-Position oder Gut-Böse herunter brechen. Im Rahmen von Social Storms ist es ganz gut, wenn der Gegner digital präsent ist, weil man ja sonst nichts bestürmen kann. Er muss also eine digitale Burg oder ein Castle haben, z.Bsp. eine Facebook-Seite, damit der Protest überhaupt wahrgenommen wird. Ich habe mich kürzlich gefragt, wie man eigentlich ALDI, die sämtliche Kommunikation komplett verweigert, ich glaube die haben noch nicht einmal eine Pressestelle, wie man die wohl mit einem Shitstorm oder Social Storm überziehen würde. Das ist eigentlich eine gute Frage.

Mit welchen Methoden arbeitest du?

Die gängigsten Tools sind wirklich ganz banal Facebook, Twitter und unsere eMail-Liste und damit können wir eine gute Grundgesamtheit von Menschen erreichen und wenn die sagen das Thema ist interessant und wir helfen euch das zu verbreiten, dann hat man eigentlich so einen kritische Masse erreicht um einen größeren Verbreitungsgrad zu erzeugen.

Ein Beispiel für einen gelungene Kampagne?

Am meisten diskutiert ist die Tiger-Kamagne, wo wir ganz konsequent darauf gesetzt haben die Leute überhaupt erst einmal zu informieren, dass es nur noch 3200 Tiger auf der Welt gibt. Das haben wir bei Facebook gemacht, nicht über ein klassisches Campaigning, wo man einen bösen Genger hat, der angegangen werden sollte, sonder wir haben eine kreative Facebook-App programmiert, wo die Leute interaktiv mitspielen konnten also ganz klares Awareness-Building. Das als erste Säule einer Kampagne. Dann haben wir versucht die erschaffene Awareness in eine politische Petition umzuleiten, eine Meinungsäußerung, die der WWF an die Politiker, der Tiger verbreitenden Länder übergeben hat. Diese Petition konnte online und auf Facebook unterschrieben werden.

Wen erreicht ihr über Social Media?

Ich glaube Facebook mit mittlerweile 20 Millionen Usern in Deutschland bildet wahrscheinlich relativ gut die Grundgesamtheit unserer Bevölkerung ab. Genauso ist es auch beim WWF, bei uns und anderen Leuten. Wir haben Hardcore WWF-Unterstützer und dann das gesamte Spektrum. Ich glaube sowieso, dass sich Protest, weil er eben durch das Internet so häufig und so viel dargeboten wird, viel sprunghafter wird. Es ist dadurch ganz schwierig Zielgruppen zu klassifizieren und zu sagen: der ist dreißig Jahre, wählt Grün, ist Veganer und lebt in Berlin Prenzlauer Berg, sondern die Leute suchen sich ihre Identitäten zusammen, vor allem im Netz und wahrscheinlich kommt es am Ende wirklich darauf an wie gut die Geschichte erzählt wird und wie sehr die Inhalte begeistern.

Welche Themen funktionieren am besten?

Besonders media-kompatibel ist etwas das ich in gefühlten drei Sekunden erfasse. Also irgendein Umstand, der sofort sagt: „Klar, das ist Unrecht“ oder „Das darf nicht so sein, da möchte ich etwas ändern“. Und dann muss die Aktion etwas zu ändern auch möglichst einfach sein. Also es funktioniert nicht, dass man sich zu Hause hinsetzt, etwas aufwendig macht und irgendwo hin bringt, sondern ??? operiert nur mit einem Klick-Petitionen. Ich denke, das hat schon auch seinen Grund, weil das Thema einfach zu erfassen und die Aktion einfach sein muss. Und da sind wir übrigens bei der Krux, denn jeder, der schon mal in der MGO gearbeitet hat und mit den Fachkollegen diskutiert hat weiß, dass die Probleme nicht einfach sind und nicht herunter zu brechen sind. Gerade der WWF, wir machen es uns nicht leicht und sagen A ist böse und B ist gut, weil das oft nicht der Realität entspricht. Dann machen wir das auch nicht.

Stefan Mey

hat Publizistik und Soziologie studiert und lebt als freier Journalist in Berlin.


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