Google startet Knol, den Wikipedia-NICHT-Killer

Eins vorweg: Ich finde, dass nur weil ein Dienst von Google kommt, dieser nicht zwingend der Killer für den Platzhirsch sein wird/ muss. So auch bei Knol, das soeben für die Öffentlichkeit frei gegebene Wissenssammelprojekt von Goolge. Der Ansatz dabei „moderated collaboration“.

Knol: Unterschied zu Wikipedia

Anders als bei Wikipedia (als dessen Killer Knol gehyped wurde und wird), können andere User den Ursprungstext nicht einfach editieren. Denn der Urheber muss Edits zulassen oder kann diese ablehnen. Dennoch können andere User den Artikel verändern, indem sie ihn kommentieren und ranken, so dass dadurch die Sichtbarkeit und die Reputation des Artikels und damit auch des Autors beeinflusst werden kann. Auch sieht Knol vor, dass mehr als nur ein Beitrag zum selben Thema verfasst werden darf.

Kraut und Rüben statt Units of Knowledge?

Das wiederum hört sich für mich gefährlich nach Kraut und Rüben an. Denn wenn die Artikelgenese zu einem Thema nicht konsensorientiert ist und Autoren mit anderer Meinung einfach einen eigenen Text eröffnen, besteht die Gefahr eines Wildwuches, einer Kakofonie von ähnlichen oder eben ganz unterschedlichen Beiträgen zu ein und demselben Gegenstand. Hier wird es wohl entscheidend darauf ankommen wie intelligent Google die Darstellung und Vernetzung unterschiedlicher Knols (1 Knol = eine Unit of Knowledge) unterstützt.

Geschäftsmodell: Knol vs. Squid

 

Dass Knol damit mehr an Squidoo als an Wikipedia erinnert, sieht man auch drüben bei Mashable so. Wobei ein Blick in Squidoo zeigt, worum es hier eigentlich zu gehen scheint. Man nehme etwa den Review zum iPhone, der triefend vor werblichen Informationen nicht wirklich „alles beantwortet, was ich je über das iPhone wissen wollte“. Dass auch Google ein Interesse daran haben wird, mit Knol ebenfalls ein neues Werbeumfeld für seine Ads zu generieren, dürfte klar sein.

Fazit

Befor der Platzhirsch erlegt ist: Erstmal Ruhe bewahren, abwarten und Tee trinken. Auch Knol muss erst einmal die Nutzerschar aufbauen und Content anhäufen. Erst dann wird man sehen, ob der grundlegenede Ansatz einer moderierten Kollaboration trägt. Zwar muss man die Erfolgsaussichten gut einschätzen, eben weil der Dienst von Google kommt, aber die gute alte Wikipedia sehe ich durch Knol nicht wirklich bedroht. Oder sehen das die Leserinnen und Leser dieser Zeilen anders? Falls ja: Ab in die Kommentare mit eurer Meinung.

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , ,

9 comments

  1. Oje, wenn die Kommentare und Ranking die kreative Kooperation ersetzen sollten, dann wird Knol bald zu einem Kriegsfeld… Ich meine, wenn schon in Artikeldiskussionen der Wikipedia wegen kleinster Meinungsunterschiede richtige Kämpfe entflammen (was jedoch nur auf der Diskussionsebene exisitiert – also nicht sofort sichtbar), dann könnte Knol zu einem ungemütlicheren Plätzchen werden…

    Naja, ich stimme schon zu: abwarten und Tee trinken ist jetzt die bessere Alternative – denn die Inhalte von Knol sind verständlicherweise noch sehr spärlich. (Gut, ich trinke zwar lieber Kaffee :-))

  2. Man darf sicher gespannt sein, wie Sich KNOL entwickelt. Grundsätzlich ist nicht alles was Google bisher entwickelt hat ein Erfolg gewesen. Ganz im Gegenteil. Viele Entwicklungen hätten als Stand Alone kaum ein Überlebenschance und profitiere sehr stark von der Integration in die Suche. So ist ja (zumindest bis heute), neben der Marke, die Stärke von Wikipedia, daß fast zu allen Themen wikipedia bei Yahoo und Google auf den Top Positionen zu finden ist.
    Zusammnefassend:
    Die pure Suche ist und bleibt Nutzermagnet und zentrales Vermarktungsmodell. Die interessante Entwicklung sehe ich darin, das Google mit der zunehmenden Integration seiner eigenen Produkte in die Suche bald den Rest des Internets nicht mehr braucht.
    Hoffentlich vermissen die Nutzer aber den Rest des Internets

  3. Wieso so ablehnend gegenüber Kommentieren und Ranken? Hat sich das nicht beides sehr gut bewährt – an sich im Web 2.0?

    Gibt es mehrere Artikel zu einem Thema, kann das für den User auch das Signal sein, besonders kritisch hinzuschauen. Nur weil es bei Wikipedia zu jedem Stichwort nur einen Artikel gibt, heißt das noch nicht, dass sich die „beste“ Ansicht durchgesetzt bzw. ein Konsens gefunden wurde.

    Ob Knol dann jedoch wie eine Enzyklopädie ist oder nicht eher – wie Google sonst auch – brauchbaren Suchergebnisse mit unterschiedlichen Artikeln zu einem Thema liefert, wäre noch eine interessante Frage.

  4. Ich glaube es geht bei dem Projekt garnicht darum irgendwen zu verdrängen sondern Knol ziehlt einfach auf einen ganz anderen User ab. Der Wikipedia User hat Spaß an der Arbeit im kollektiv und an der Idee etwas gemeinsam zu schaffen. Der Knol User möchte sein Wissen gerne einer breiten Masse zur verfügung stellen und dafür mit Anerkennung belohnt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.