Final Fantasy VII Remake im Test

Passend zur Osterzeit veröffentlichte Square Enix am 10. April das Final Fantasy VII Remake. Bereits vor fünf Jahren wurde das Game angekündigt und nun durften wir es endlich in den Händen halten, Final Fantasy VII Remake im Test ausprobieren und in seiner Gänze genießen. Bevor wir mit der eigentlichen Bewertung beginnen muss ich zugeben, dass dieses Final Fantasy mein allererstes ist. Für viele Jahre konnte man mich nämlich nur für MMORPGs wie World of Warcraft begeistern. Oder mal für MOBA Games wie League of Legends.

Doch spätestens seitdem ich angefangen habe Persona 5 zu spielen, hat die Welt der JRPGs mich in ihren Fängen. Klar also, dass ich irgendwann auch mal mit Final Fantasy anfangen musste. Und was eignet sich da besser, als ein modernes Remake eines beliebten Klassikers? Wie spielt sich also ein Final Fantasy VII für Neulinge der Spielreihe? Wir werfen in unserem Test zum Final Fantasy VII Remake auch einen Blick auf die Reaktionen der Community und Langzeit-Fans. Im Kern geht es aber darum, wie sich das Game für Neulinge anfühlt.

Willkommen in Midgar

Als völliger Anfänger in der Spielreihe war meine größte Sorge, ob ich die Story überhaupt verstehen kann. Weil ich eben vorher noch nie ein Final Fantasy Spiel gespielt habe. Umso größer war meine Erleichterung als ich herausfand, dass jeder Final Fantasy Teil eine unabhängige Geschichte erzählt. Vorwissen ist als nicht nötig. So befinden wir uns in Final Fantasy VII in einer dystopischen Cyberpunk-Welt, in der die korrupte Shinra Electric Power Company den Planeten ausbeutet, um das wertvolle Mako aus dem Erdreich zu pumpen, welches sie zur Energiegewinnung nutzen.

Final Fantasy VII Remake Test
Die Hauptstadt Midgar sieht einfach toll aus. – Image by Square Enix

Der Einstieg in das Setting und die Geschichte ist großartig inszeniert. Sofort wird man mit voller Wucht in diese spannende Welt voller sozialer und ökologischer Ungerechtigkeit geworfen. Und findet sich in der Widerstandsgruppe Avalanche wieder, die dem Megakonzern Shinra die Stirn bieten will. Für die Ökoterroristen geht es um nichts Geringes als die Rettung ihres Planeten und unser Hauptprotagonist Cloud Strife steckt als Ex-Soldat und neu erkorener Söldner mittendrin.

Unsere erste Mission ist das Sprengen eines ihrer Reaktoren, und wir merken gleich: In dieser Gesellschaft gibt es viel Gewalt- und Konfliktpotenzial. Dabei ist die soziale Trennung nicht nur gesellschaftlich, sondern auch räumlich zu verstehen. Die meisten bessergestellten Menschen leben nämlich auf der Metallplatte in der Stadt Midgar, während sich unterhalb der Platte arme Slums gebildet haben. Wenig später finden wir uns dann einem dieser Slums wieder. Und auch als Neuling der Reihe komme ich aus dem Staunen in der stimmig gestalteten Umgebung nicht heraus. Mit viel Liebe zum Detail und einer absolut passenden Atmosphäre, erwacht die Welt in Final Fantasy VII regelrecht zum Leben. Zwar ist der Hauptteil des Spiels eine gradlinige Erzählung, die nicht oft Platz zum freien Erkunden gibt. Aber wenn wir dann mal Luft haben uns selbst umzusehen, macht das Erkunden einfach nur Spaß.

FF7 Remake
Die Slums sind realistisch gestaltet und sehr atmosphärisch. – Image by Square Enix

Kinderkrankheiten inklusive

Leider muss ich schon jetzt mit einem ABER anfangen. Denn ja, mit dem Final Fantasy VII Remake hat Square Enix noch einmal alles aus der PS4 herausgeholt was grafisch möglich ist. Aber trotzdem gibt es hier und dort glitschige Texturen. Und ganz besonders hat mich das gestört, wenn ich Nebenquests annehmen wollte. Denn wenn ihr euch mit nicht allzu storyrelevanten Nebencharakteren unterhaltet, kann es leider schnell passieren, dass die Hintergrundtexturen aussehen wie von der PS2 geklaut. Auch die Charaktermodelle selbst sind manchmal nicht ganz auf der Höhe, wobei auch das eigentlich nur bei Nebencharakteren der Fall ist. Das zerstört hier und dort einfach das immersive Gefühl, welches die Spielwelt euch sonst vermittelt.

Starke Hauptstory, mäßige Nebenquests

Einfach gesagt hat mich die Hauptstory fast auf ganzer Linie überzeugt. Im weiteren Verlauf des Spiels, welches ich an dieser Stelle nicht spoilern möchte, kommen wir noch mit einigen anderen interessanten Gruppierungen und Charakteren zusammen. Dazu kommt Clouds tragische Background-Geschichte, die ebenfalls stimmig und packend erzählt wird. Alles in allem ist die Story für mich die Hauptmotivation gewesen, das Spiel weiterzuspielen. Auch als Neuling der Spielreihe habe ich schnell Sympathien für die Hauptcharaktere aufgebaut und auch die Dialoge überzeugen fast durchgehend.

Denn manchmal gibt es eben doch Momente, in denen der ein oder andere Satz einfach ein wenig deplatziert oder unnatürlich daherkam. Auch die klare moralische Einteilung in „Shinra Company schlecht – Ökoterroristen gut“ fand ich manchmal etwas störend. Es mag daran liegen, dass sich Square Enix in großen Teilen an die Story aus dem Original aus 1997 gehalten hat, aber ab und zu wünscht man sich als „postmoderner“ Videospielkonsument doch ein wenig Selbstreflektion und mehr Differenzierung. Aber nun gut. Insgesamt macht die Geschichte im Game auf jeden Fall Laune und reißt gebührend mit.

Meiner Meinung nach beeinflussen die kleinen Problemchen der Hauptstory den allgemeinen Spielspaß auch nicht übermäßig. Was jedoch schwerer zu entschuldigen ist, sind die teilweise sehr plumpen Nebenaufgaben, die mir im Final Fantasy VII Remake Test am häufigsten negativ auffielen. In bester Grind-RPG-Manier dürfen wir hier verlorene Kinder wiederfinden, bestimmte Items sammeln und natürlich Ratten töten. Dabei würde zum Beispiel die spannende Gesellschaft der Sektor 7 Slums viel mehr Hintergrundgeschichte hergeben, wenn man sich die Mühe gemacht hätte, auch den Nebenquests etwas mehr Charakter zu geben. So sind sie meistens eher Mittel zum Zweck, damit wir bessere Waffen, bessere Ausrüstung oder allgemeine Verbesserungen für unser Equipment bekommen.

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Gestandene RPG-Fans dürften die Nebenquests nicht gerade vom Hocker hauen. – Image by Square Enix

Wuchtige Kämpfe mit vielen Möglichkeiten

Besagtes Equipment brauchen wir, um in den späteren Kämpfen zu bestehen. Im Final Fantasy VII Remake führt ihr immer eine Gruppe von mehreren Kämpfern mit verschiedenen Fähigkeiten an. Und könnt nach Belieben hin- und herwechseln. Das verleiht den Kämpfen eine erfrischende Abwechselung, die allerdings am Anfang leicht überfordern kann. Allgemein brauchte ich ein wenig Eingewöhnung in das Kampfsystem. Ähnlich wie bei Final Fantasy 15 basiert dieses nämlich nicht mehr auf Runden, wie in JRPGs üblich, sondern ihr kämpft in Echtzeit. Um Spezialfähigkeiten oder auch Magie einzusetzen, müsst ihr zunächst die ATB (Active Time Battle) Leiste auffüllen. Mit dem Drücken des X Buttons könnt ihr dann verschiedene Attacken auswählen, einen Zauber verwenden oder auch Gegenstände wie Heiltränke einsetzen.

Es mag daran liegen, dass ich allgemein ein Fan von Echtzeit-Kämpfen und wuchtigen Attacken bin, aber mich hat das Kampfsystem in jedem Fall überzeugt. Sich auszuprobieren, verschiedene Waffen und Fähigkeiten zu sammeln und dann auch noch verschiedene Charakter steuern zu können ist, wie bereits erwähnt, teilweise etwas viel auf einmal. Aber wenn man sich genügend Zeit nimmt, sich in das System einzuarbeiten, kann man damit sehr viel Freude haben. Bosskämpfe können schon mal länger sein und müssen auch strategisch durchdacht sein, damit man nicht als Futter für diverse Monster endet.

Final Fantasy VII Remake Test
Immerhin die Kampfszenen machen wirklich Laune. – Image by Square Enix

Looten und Leveln

Was wäre ein RPG ohne Looten und Leveln? Im Final Fantasy VII Remake ist das noch relativ simpel gehalten. Mit gewonnener Erfahrung steigt ihr Level auf und bekommt mit dem Aufstieg Punkte, die ihr für Waffen- und Fähigkeitsverbesserungen ausgeben könnt. Bei mehreren Charakteren kann das schon in wahres Micro-Management ausarten. Vor allem, weil einige Gegner anfällig für bestimmte Zauber, Waffen oder Attacken sind. Einziger kleiner Wehrmutstropfen an dieser Stelle: Nicht immer könnt ihr im Vorhinein wissen, worauf ein Gegner besonders empfindlich reagiert. Und das wird spätestens dann nervig, wenn ihr in einem Bosskampf immer wieder sterbt, weil ihr einfach nicht die richtigen Verbesserungen ausgerüstet habt.

Und was sagt die Community?

Bevor wir zu unserem Fazit kommen, werfen wir noch einmal einen Blick auf die Stimmen aus der Community. Denn wie wir bei Warcraft 3: Reforged gesehen haben, ist ein Remake immer eine heikle Angelegenheit. Gerade Final Fantasy VII wurde von einem geradlinigen Konsolenspiel mit vielleicht sechs Stunden Spielzeit, auf locker 40 Stunden erweitert. Dennoch scheint das Wagnis Final Fantasy VII Remake geglückt. Langzeitfans schwärmen vor allem von der toll inszenierten Spielwelt, die natürlich so einiges mehr bietet als die Version aus 1997. Wer die Spielreihe kennt und für wen Final Fantasy VII damals ein Highlight war, der bekommt eine ordentliche Portion Nostalgie mit viel neuem Inhalt. Charaktere, Soundtrack und Atmosphäre im Spiel sind für Fans der Reihe wohl die Hauptgründe, sich diesem Spiel zuzuwenden. Wenn ihr einen ausführlichen Test eines Final Fantasy Veteranen lesen wollt, schaut einmal hier vorbei.

Final Fantasy VII Remake im Test: Das Fazit

Was ist also mein Fazit zum allerersten Final Fantasy Spiel, das ich jemals gespielt habe? Hammer. Ich möchte direkt mit den anderen Teilen weiterspielen. Besonders das abwechslungsreiche Kampfsystem, das atemberaubenden Setting und die toll erzählte Geschichte machen einfach Lust auf mehr. Die Charaktere konnten mich im Großen und Ganzen überzeugen, die verschiedenen Waffen und Fähigkeiten sind gut durchdacht und wenn man sich mit den Spielmechaniken erst vertraut gemacht hat, kann man sich vielseitig austoben. Allerdings bleibt die etwas bittere Erinnerung an die teils sehr langgezogenen Spielabschnitte und vor allem die mäßigen Nebenquests.

Für ein Spiel welches knapp 70 Euro kostet erwarte ich eigentlich, dass man in alle Quests Herzblut steckt und somit eine runde Spielerfahrung bietet. Die Welt von Final Fantasy VII hat einfach so viel Potential, dass hier am Rande leider einiges an Tiefe und Hintergrundgeschichte liegengelassen wurde. Die kleineren Problemchen wie teils matschige Grafiken und einige Schwächen in der Dynamik der Hauptstory fallen vielleicht einmal negativ auf, tun aber dem Spaß beim Zocken keinen Abbruch. Trotz der Schwierigkeiten empfehle ich das Final Fantasy VII Remake sowohl für Fans, als auch für Neueinsteiger. Ich glaube einen eindrucksvolleren Einstieg in die Spielreihe gibt es nicht.

Übrigens hat erst vor kurzem ein Trailer auf Twitter die Spekulationen um einen baldigen PC-Release vom Final Fantasy VII Remake geschürt. Darüber hinaus erzählt das Final Fantasy VII Remake nur die Hälfte der Geschichte, die im Original erzählt wird. Es wird also gemunkelt, dass es bald einen Nachfolger zum derzeitigen Teil geben wird. So oder so werden uns die Final Fantasy Remakes wohl noch eine Weile begleiten. Und von nun an werde auch ich öfters ein Auge auf die Entwicklungen der Reihe werfen.

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Image by Square Enix

Leonie Werner

interessiert sich für alles, was mit Medien zu tun hat. Insbesondere für Themen im digitalen Bereich ist sie offen und in Sachen Gaming immer auf dem neuesten Stand.


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