Facebook: Nutzer verdienen Geld mit Werbung

Werbung schauen und dafür Geld bekommen. Das lässt das Herz jedes Couch-Potatos höher schlagen! Facebook möchte das Konzept mit einem neuen Programm realisieren, das Nutzern bestimmte Werbespots vorspielt und dann den Zuschauer mit sogenannten Credits fürs Gucken bezahlt. Der Fachblog „Mashable“ berichtete letzte Woche darüber. Credits? – tatsächlich verdient man nichts Bares sondern Facebook-Credits. Mit dieser Währung konnten sich User bisher nur virtuelle Güter in einige Social Games kaufen. Doch für das bereits gestartete ebenfalls neue Konzept „Facebook-Deals“, welches in direkter Konkurrenz zum Schnäppchen-Giganten „Groupon“ treten soll, ändert sich nun einiges. Hier ist es dann sogar möglich seine verdienten Credits in tatsächliche Waren umzuwandeln. UND: Ab dem 1. Juli werden alle Social Games Anbieter angehalten, den Kauf von virtuelle Gütern mit den Credits als Standard in allen Games einzurichten…


Mit Credit-Werbung zum Millionäre?


Wer nun denkt, dass er so den großen Reibach macht und sich auf diese Weise ein neues Laptop finanzieren kann, der wird vorerst enttäuscht. Das Programm lässt den Nutzer weder mehrere Spots direkt hintereinander anschauen, noch wird man mit großem Honorar entlohnt. Pro Werbeeinblendung bekommt der User einen Facebook-Credit, der einen Gegenwert von in etwa 10 US-Cent und 7 Euro-Cent beträgt. Eingeblendet wird ein Spot auch nur dann wenn man in entsprechenden Online-Spielen bestimmte Anker anklickt.

Laut „Mashable“ startet Facebook mit den drei größten Online-Spiele Anbietern CrowdStar, Digital Chocolate und Zynga. Letzterer Anbieter ist der Entwickler des populären und erfolgreichsten Facebook Online-Spieles „Farmville“. Bereit gestellt werden die Spots von Firmen wie SocialVibe, Epic Media und Sharethrough, zu deren Kunden etwa Microsoft und Nestlé zählen. Entsprechende Professionalität wird also sichtbar.


Werbeziele könnten verfehlt werden!

Doch kann man nun von ausgehen, dass dieses Konzept für die Werbetreibenden aufgeht? Ich sehe eine gewisse Problematik darin, dass die Motivation sich die Werbung anzuschauen, weil man Credits bekommt, das eigentliche Ziel der Werbetreibenden verfehlen könnte. Pfiffige User könnten so die Werbepause nutzen um mal die Örtlichkeiten aufzusuchen oder sich einmal schnell einen Kaffee aufzubrühen – bums hat man für andere Tätigkeiten, als das schauen der Werbung, Credits verdient. Als Gegenargument kann man natürlich behaupten, dass die stark personalisierte Werbung auf Facebook ziemlich genau die Vorlieben und Interessen des User treffen werden.


Eine ähnliche Aktion gab es bereits zur Erdbebenkatastrophe in Japan. Mittels des Facebook Causes App und der Funktion „Give a minute“ konnte man Geld für die Aktion „Help Japanese Earthquake and Tsunami Victims“ sammeln, in dem man sich ebenfalls Werbevideos von Firmen anschaute, die die Aktion sponsorten. Durch dieses Vorgehen wurden reichlich Spenden gesammelt, allerdings ist es auch hier nicht zu wirklich nennenswerten Umsatzsteigerungen der Werbetreibenden gekommen. Wenn überhaupt konnte man von guter PR sprechen, da man Spenden generiert hat. Doch der PR-Faktor wird in der aktuellen Werbestrategie kaum greifen.


Wir schauen also gespannt in die Zukunft und werden die Entwicklung beobachten müssen. Klar ist auch, und das weiß ich aus Erfahrung, dass manche Strategien einfach ausprobiert werden müssen und das auch so mancher Analyst oder Prophet sich schon getäuscht hat, was Website- und Online-Marketing Strategien betrifft.


Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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