Ein Online-Business gründen: Der Guide für Gründer

Das Gründen eines eigenen Online-Business wirkt auf viele erstmal abschreckend. So gibt es hier einige Themen, mit denen die meisten von uns in ihrem bisherigen „nicht selbständigen“ Leben keine Berührungspunkte hatten. Dabei gilt es nicht nur zu wissen, wie man einen Gewerbeschein beantragt oder welche Steuern man zahlt, sondern auch, sich selbst die richtigen Fragen über das eigene Business zu stellen. In unserem Podcast Tech und Trara hat sich Moritz Stoll mit dem Gründer und Online-Unternehmer Christian Häfner unterhalten. Es ging dabei nicht nur um das Gründen eines Online-Business. Auch die Frage nach dem richtigen Mindset, der richtigen Strategie und den größten Stolperfallen haben die beiden besprochen. Christian Häfner hat bereits zwei Unternehmen erfolgreich (mit-) gegründet und groß gemacht. Zunächst die Buchhaltungssoftware FastBill und anschließend das Unternehmen Happy Coffee, das er zusammen mit seiner Frau Heidi führt. Falls ihr euch selbst damit beschäftigt ein Online-Business zu gründen, solltet ihr euch den Podcast auf jeden Fall einmal anhören! Hier könnt ihr ihn direkt hören, oder ihr hört ihn euch an auf Spotify oder iTunes. (Und falls er euch gefällt, dürft ihr auch gerne abonnieren!) 

Neben dem Podcast verraten wir euch in unserem Gründer-Guide aber noch einmal alle Tipps und Tricks, die Christian uns im Podcast gegeben hat. Falls ihr also noch Fragen bezüglich der Gründung eures eigenen Online-Business habt, dann solltet ihr hier hoffentlich eine Antwort darauf finden. Falls ihr sonstige Fragen zu dem Thema habt, könnt ihr aber auch an techundtrara@netzpiloten.com schreiben!

Wie fange ich an, mein Online-Business zu gründen?

Bereits der Vorlauf eurer Gründung ist für euer Online-Business entscheidend. Denn auch, wenn die Macher-Mentalität in diesem Bereich laut Christian Häfner durchaus gefragt ist, schaden einige Überlegungen im Vorfeld nicht. 

Was verkaufe ich eigentlich an wen?

Die ersten Fragen, die man sich laut Christian Häfner stellen sollte, wenn man mit dem Gedanken spielt, ein Online-Business zu gründen, sind die folgenden: „Was verkaufe ich und an wen verkaufe ich?“ Das Produkt, das ihr verkaufen wollt, sollte zu euch und zu eurer Zielgruppe passen. Es ist also wichtig, dass ihr etwas erschafft, worauf ihr wirklich Lust habt und womit ihr euch identifizieren könnt. Plant ihr ein physisches Produkt zu verkaufen, dann steht ihr vor anderen Herausforderungen, als bei einem digitalen Produkt oder einer Dienstleistung.

Kennt ihr nun euer Produkt, ist es laut Christian ungemein wichtig, eure Zielgruppe zu kennen. An wen genau wollt ihr verkaufen? Wie ist eure Zielgruppe finanziell aufgestellt? Welche Ideale hat sie? Was möchte sie und braucht sie mein Produkt wirklich? Eure Zielgruppe gut zu kennen, ist vor allem für das Marketing eures Business wichtig. Denn indem ihr die Personen kennt, an die sich euer Produkt richtet, könnt ihr das Nötige tun, um diese auch wirklich zu erreichen.

Wie sieht euer Markt aus?

Ebenso hat Christian klar gemacht, wie wichtig es ist, über den entsprechenden Markt Bescheid zu wissen. Wenn ihr feststellt, dass es einen Markt für euer Produkt gibt, solltet ihr euch anschließend über diesen informieren. Wie groß ist der Markt? Wie kaufkräftig ist der Markt? Ist der Markt bereits übersättigt? Erst wenn ihr den Markt kennt und euch diese Fragen beantworten könnt, seid ihr bereit in ihn einzusteigen. 

Natürlich kann es auch sein, dass der Markt, den ihr anstrebt bereits völlig übersättigt ist oder keine Nische zu finden ist, in der ihr euch positionieren könnt oder wollt. Falls das so ist, habt ihr es aber immerhin vor der Gründung eures Online-Business gemerkt und nicht erst, wenn es zu spät ist. So meinte Christian im Podcast zum Beispiel, dass er heutzutage keine Buchhaltungssoftware wie FastBill mehr gründen würde. Denn im Gegensatz zu früher sei dieser Markt mittlerweile schon sehr voll.

Wie baue ich nun meinen eigenen Shop auf?

Sind die Anfangsfragen erstmal geklärt, kommen neue Fragen zum Gründen eures Online-Business auf. Diesmal lauten sie „Wie?“ und „Wo?“. Wir werden nun etwas konkreter.

Wo verkaufe ich mein Produkt?

Zunächst müsst ihr also klären, ob ihr euer Business online oder offline starten wollt. Für die Online-Variante, der wir uns ja auch in diesem Artikel widmen, gibt es bereits verschiedene Marktplätze und Anbieter, über die ihr euer Produkt ganz einfach verkaufen könnt. Beispiele hierfür sind Amazon oder eBay. Diese Marktplätze bieten euch eine fertige Infrastruktur, ihr seid aber an die Limitationen des Anbieters sehr stark gebunden. Außerdem ist es hier schwieriger, euch eine eigene Marke aufzubauen, der eure Kunden vertrauen sollen. Hierfür eignet sich laut Christian ein eigener Shop einfach mehr.

Shopify oder WordPress für den eigenen Online-Shop?

Ihr könnt also auch euren eigenen Shop auf die Beine stellen. Shopify ist hierfür ein nützliches Tool. Mit Shopify könnt ihr ganz einfach euren eigenen Shop gestalten, ohne ein Technikexperte sein zu müssen. Ihr bekommt eine Art Homepagebaukasten für Onlineshops, mit dem ihr für 29 Dollar im Monat verschiedene Themes und Templates erhaltet.

Eine andere Alternative stellt WordPress in Kombination mit dem Plugin WooCommerce dar. WordPress ist als Content Management System sehr anpassbar und bietet euch etwas mehr Möglichkeiten, allerdings ist es technisch auch deutlich anspruchsvoller und somit nicht für jeden geeignet. Laut Christian seid ihr mit Shopify auf jeden Fall auf der richtigen Seite und könnt euch einen guten Shop aufbauen!

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Wie bekomme ich Traffic?

Einen Shop zu starten, ist also recht simpel. Die Schwierigkeit liegt nun darin eure Kunden auch dorthin zu bekommen. Dafür habt ihr verschiedene Möglichkeiten. Eine besteht darin Geld für Werbung auf beispielsweise Facebook oder Instagram auszugeben. Außerdem ist es ratsam Social Media für euch zu nutzen und dort eine Community aufzubauen und an eure Marke zu binden. Dadurch könnt ihr viele Leute erreichen und zusätzlich mit eurer Community in Austausch treten und somit Vertrauen aufbauen. Zusätzlich solltet ihr euch mit SEO, also der Suchmaschinenoptimierung auseinandersetzen, damit euer Shop in der Google-Suche gut gefunden werden kann. SEO und Social Media sind zwar zeitaufwendig, dafür müsst ihr hierfür aber kein Geld ausgeben, um Traffic auf eure Seite zu bekommen. 

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Wie bekomme ich meinen Shop rechtskonform?

Worauf ihr natürlich auch achten müsst, ist die Rechtskonformität eures Shops. Ihr müsst wissen, wie man Rechnungen schreibt, ein Impressum in eure Seite einbauen, euch um die Cookies kümmern und den Datenschutz beachten. Das kann sich zu Beginn alles sehr überfordernd anhören, doch zu all diesen Themen gibt es haufenweise Informationen online. Lest euch ein bisschen ein und beschäftigt euch damit, dann ist auch dieses Thema kein Problem mehr. Dank des Internets ist die Gründung eines Shops heute so einfach wie noch nie! Seiten, die hierbei helfen können, sind zum Beispiel Für Gründer oder auch die Website der IHK.

Was muss ich generell bei der Gründung eines Online-Business beachten?

Generell kann jeder ein Online-Business gründen. Voraussetzung ist lediglich ein Gewerbeschein, den ihr euch für wenig Geld beim Gewerbeamt abholen könnt. In Deutschland kostet ein Gewerbeschein zwischen 15 und 65 Euro. Wenn ihr einen solchen Schein habt, ist es natürlich wichtig, am Jahresende eine Steuererklärung zu machen. Steuern sind immer ein leidiges Thema und wie genau eure Steuererklärung auszusehen hat, hängt von der Rechtsform eures Unternehmens ab. Im Normalfall werdet ihr euch allerdings immer mit der  Umsatzsteuervoranmeldung, der Einkommenssteuererklärung und der Gewerbesteuer auseinandersetzen müssen. 

Wie nützlich ist die Kleinunternehmerregelung?

Vielleicht habt ihr schon einmal von der Kleinunternehmerregelung gehört. Diese besagt, dass Unternehmen, die im Vorjahr weniger als 22.000 Euro Umsatz gemacht haben und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz machen, keine Umsatzsteuer zahlen müssen. Das hört sich zunächst sehr verlockend an, muss aber nicht zwingend von Vorteil sein. Der Grund dafür ist relativ simpel.

Für jedes Produkt, das ihr verkauft, müsst ihr im Normalfall Umsatzsteuer bezahlen. In einem Unternehmen verkauft ihr jedoch nicht nur, ihr kauft auch ein. Für die Produkte, die ihr einkauft, zahlt ihr also ebenfalls eine Art Umsatzsteuer, die Vorsteuer. Diese könnt ihr allerdings geltend machen und sie dadurch wieder zurückbekommen. Durch die Kleinunternehmerregelung müsst ihr also keine Umsatzsteuer zahlen, könnt sie aber auch nicht geltend machen. Deshalb solltet ihr euch gut überlegen, ob es sich für euch lohnt diese Regelung in Anspruch zu nehmen. Christian Häfner rät eher davon ab und empfiehlt lieber eine normale Umsatzsteuervoranmeldung einzureichen.

Was sind die größten Fehler beim Gründen eines Online-Business?

Fehlende Kenntnis über die Zielgruppe

Einer der größten Fehler, die man vor allem am Anfang machen kann, wenn man ein Online-Business gründen möchte, ist es seine Zielgruppe nicht zu kennen. Das sagt zumindest Christian im Podcast. Kennt ihr eure Zielgruppe nicht richtig, könnt ihr euer Produkt dementsprechend auch nicht richtig vermarkten. Wenn ihr jedoch genau wisst, was eure Zielgruppe möchte und worauf sie Wert legt, könnt ihr viel besser auf sie eingehen.

Falsche Vermarktung 

Im Bereich Marketing gibt es ebenfalls einige Fehler, die ihr beim Gründen des eigenen Online-Business vermeiden könnt. Ihr solltet nicht davon ausgehen, dass das reine Schalten von Werbung euch Unmengen neuer Kunden einbringt. Der Gedankengang, dass die Leute eure Werbung sehen, dadurch auf eure Seite kommen und euer Produkt kaufen ist laut Christian grundsätzlich falsch oder zumindest unvollständig.

Der Online-Bereich macht zwar Vieles einfacher, doch er bringt auch Hürden mit sich. Es ist schwerer, eine Beziehung zu den Kunden einzugehen. Während KundInnen in einem Einzelhandelsgeschäft direkten Kontakt zu MitarbeiterInnen hat und dadurch Vertrauen aufbaut, ist das online um einiges schwieriger. Im Online-Bereich muss erst ein gewisses Vertrauen aufgebaut werden, damit die Kunden aus Überzeugung und bewusst einkaufen. Dieses Vertrauen zu den Kunden aufzubauen, vergessen viele Online-UnternehmerInnen. Nur dadurch kann jedoch eine gute Conversion, also die Umwandlung von SeitenbesucherInnen in tatsächliche KundInnen entstehen. Nur viel Traffic bringt also nichts, wenn diese Leute nichts kaufen. Um eine gute Conversion-Rate zu erreichen, solltet ihr dafür sorgen, dass eure Werbung nicht einfach ausgestrahlt, sondern vor allem den richtigen Leuten, also genau eurer Zielgruppe, angezeigt wird.

Wie baut man Vertrauen auf?

Wir wissen jetzt also alle, dass es wichtig ist, das Vertrauen der Kunden zu euch aufzubauen, um ein erfolgreiches Online-Business zu gründen. Doch wie genau macht man das? Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ihr solltet euch zunächst darüber bewusst sein, dass die Leute euer Produkt natürlich kaufen, weil sie es gut finden, aber eben auch, weil sie eure Marke gut finden. Ihr müsst das Rad also nicht neu erfinden.

Um das Vertrauen der Kunden zu eurer Marke aufzubauen, solltet ihr eine positive Botschaft übermitteln. Hierzu könnt ihr klassische Werbung benutzen, es gibt jedoch auch noch andere Möglichkeiten. Ihr könnt beispielsweise einen Newsletter herausbringen, Bewertungen über euch sammeln und veröffentlichen, Beiträge schreiben, Interviews geben oder zu Podcasts gehen. Sorgt dafür, dass eure Kunden positive Assoziationen mit euch verbinden und baut dadurch eine gute Marke auf. Das kann natürlich nicht von heute auf morgen geschehen, sondern ist ein kontinuierlicher Weg, doch die Mühe wird sich bezahlt machen.

Was ist mit dem Risiko beim Gründen eines Online-Business?

Natürlich gibt es beim Gründen eines Online-Business immer ein gewisses Risiko und auch von Existenzängsten kann sicherlich jeder Gründer und jede Gründerin ein Lied singen. Christian Häfner hat einen Tipp, mit dem ihr das Risiko zu Beginn recht gering halten könnt: Geht nicht sofort all in und kündigt euren Job, um ein Online-Business zu gründen. Fangt mit kleinen Schritten nebenbei an. Somit setzt ihr euch selbst nicht unter zu starken Druck und könnt potentielle Rückschläge abfangen, da ihr nicht allein von eurem neu gegründeten Unternehmen abhängig seid. Happy Coffee fing beispielsweise als reiner Blog an, auf dem hin und wieder Texte veröffentlicht wurden. Mit der Zeit wuchs die Leserschaft des Blogs und der Gedanke kam auf, nun auch etwas zu verkaufen.

Achtet allerdings darauf, dass ihr es euch nicht zu bequem macht. Wenn ihr merkt, dass aus eurem Business etwas wird und ihr mehr Zeit und Geld investieren könntet, dann tut das und wartet nicht zu lange ab. Immerhin wollt ihr irgendwann von eurem Business leben können.

Muss ich eine brandneue Idee haben, um ein erfolgreiches Online-Business zu gründen?

Es ist nicht hilfreich in Ideen oder Dingen, die es noch nicht gibt zu denken. Denn diese Dinge müssen den Kunden zuerst erklärt werden, wodurch ihr euch nur eine weitere Hürde in den Weg legt. Es ist viel zielführender in Problemen oder Bedarf zu denken. Überlegt euch, wo ihr einen Mehrwert schaffen, wo ihr etwas verbessern könnt, indem ihr euer eigenes Online-Business gründet.

Ein Beispiel hierfür sind Sextoys. Waren sie früher noch verrucht und kaum in der Öffentlichkeit zu sehen, gibt es heute TV-Werbung von verschiedensten Anbietern. Diese Anbieter haben das Image von Sextoys verändert und sie dadurch in ein ganz neues Licht gerückt. Sie haben nicht unbedingt etwas Neues geschaffen, sondern bereits Vorhandenes neu in Szene gesetzt.

Kann ich das überhaupt?

Es stellt sich leicht die Frage, ob man selbst überhaupt dazu in der Lage ist, ein eigenes Online-Business zu gründen. Bin ich überhaupt der Typ dafür bzw. was für ein Typ Mensch muss man sein, um ein erfolgreicher Gründer oder eine erfolgreiche Gründerin zu werden? Das variiert natürlich, doch Christian Häfner verrät uns drei Eigenschaften, die er persönlich besitzt und die er als hilfreich ansieht.

Risikoaffinität

Eine gewisse Risikoaffinität sollte vorhanden sein. Als GründerIn gibt es immer Risiken und man sollte bereit sein, diese auch einzugehen. Man kann nicht immer erwarten, dass alles nach Plan läuft, denn das ist nicht die Realität. Wenn also doch mal etwas schief geht, darf man nicht am Boden zerstört sein und sofort aufgeben. So etwas ist ein Rückschlag, doch man kann daraus lernen und versucht es beim nächsten Mal einfach auf eine andere Art und Weise.

Lernbereitschaft

Das bringt uns auch schon zur nächsten Eigenschaft. Denn wie schon Henry Ford sagte: „Scheitern ist einfach nur eine Möglichkeit, es nochmals zu versuchen. Dieses Mal intelligenter.“ Als GründerIn ist es wichtig, die Fähigkeit zu besitzen, zu adaptieren und schnell aus Fehlern zu lernen. Man sollte zuhören können und bereit sein, neue Dinge auszuprobieren.

Grundnaivität

Für Christian Häfner gehört auch eine gewisse Grundnaivität zum Pool der nützlichen Eigenschaften eines Gründers oder einer Gründerin. Er möchte immer selbst erfahren und ausprobieren, ob etwas funktioniert oder nicht. Nur weil man gesagt bekommt, dass etwas nicht funktionieren wird, heißt das also nicht, dass man es nicht probieren sollte. Denn was für den einen zum Scheitern verurteilt war, kann dem anderen großen Erfolg beim Gründen des eigenen Online-Business bringen.

Wenn ihr noch weitere Tipps und Tricks von echten Gründern haben wollt, dann schaut doch mal auf Christians Blog letsseewhatworks.com vorbei.


Titelbild von Freedomz via Adobe Stock

Anna Klaffschenkel

Anna Klaffschenkel ist Teil der Netzpiloten-Redaktion und interessiert sich für alles rund um die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Politik.


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