Der Wallet-Service stillt Googles neuen Datenhunger

google walletGoogle hat am Montag offiziell sein Bezahlsystem Google Wallet ausgerollt. Nach einer viermonatigen Testphase können nun US-Bürger, die im Besitz eines Smartphones Nexus S 4G sind den Dienst nutzen. Das Smartphone ist bisher das einzige Gerät, das mit einem NFC-Chip ausgestattet ist und die veröffentlichte Google Wallet-App nutzen kann.

Wie funktioniert Google Wallet?

Im Moment arbeitet Google nur mit Mastercard zusammen. Das Unternehmen hat eigens für Google Wallet sogenannte PayPass-Systeme entwickelt, die die App auslesen. Man kauft ein Produkt und zahlt mit dem Smartphone, indem man es an das Terminal hält. Der integrierte NFC-Chip überträgt die intern gesicherten Kreditkarten-Daten des Inhabers via App und der PayPass-Systeme an den Zahlungsempfänger. Google ist im Gespräch mit weiteren Kreditkarten-Unternehmen und Smartphone-Herstellern um die Infrastruktur für das Bezahlsystem auszubauen.

Ebenfalls in Planung ist sogar ein Feature, dass sich „SingleTap“ nennt. Google verbindet in dem Feature die Google Offers-App, mit der man z.B. Coupons und Treuekarten abspeichern kann und verbindet diese direkt mit Google Wallet. Durch einen Klick (SingleTap) kann man dann automatisch auch Rabatte vom Warenkorb abziehen lassen – schlau mitgedacht!

Chancen für Google = Risiken für den Nutzer…?

Viele fragen sich jetzt sicher, ob Google dann nun auch direkt mitlesen kann, welche Produkte man so in der realen Welt kauft. Laut dem Unternehmen wird das nicht passieren. Google speichert nur die Höhe der Transaktionen und von welchem Ort diese getätigt wurden, um somit dem Nutzer auch nachträglich eine Liste der Abbuchungen bereitstellen zu können. Fragwürdig für den Nutzer sollte nun aber sein, ob es überhaupt nötig ist, dass Google diese Daten speichert. Im Grunde findet man alle Abbuchungen sowieso auf der Kreditkartenabrechnung. Wozu nutzt Google also diese Daten? Oder geht es dem Unternehmen gar nicht darum mehr Service zu bieten?

Die Transaktionsdaten und Kreditkarten-Informationen an sich, dürften für das Unternehmen eine gerade zu magische Wirkung haben. Google weiß zwar alles über das Surfverhalten seiner Nutzer und kann über AdWords hohe Umsätze durch Werbetreibende generieren, jedoch hat das Unternehmen keinerlei Daten in finanzieller Hinsicht. Mit Google Wallet wird sich das ändern. Target-Marketing könnte in Zukunft so aussehen, dass nicht nur die Interessen vom Nutzer, sondern auch die Bonität und die durchschnittliche Höhe der Rechnungsbeträge weitergeleitet werden. Google als Schufa-Auskunft für Werber? Der Gedanke ist gar nicht so fern.

Es bleibt immer ein bitterer Nachgeschmack zurück, wenn Googles Hunger nach Daten wieder ein Stück weiter übergreift. Da wir den Fortschritt nicht aufhalten können und das auch nicht tun sollten, müssen wir auf einen starken Wettbewerb hoffen um auch Alternativen zu Google Wallet nutzen zu können. Interessant sind diese Dienste in der Branche auf jeden Fall. Auch in Deutschland gibt es schon länger erste Ansätze eines solchen Services. Die Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und o2 wollen nämlich mit dem gemeinsamen Projekt Mpass im nächsten Jahr auch ins Mobile-Payment Geschäft eintreten. Hoffen wir mit einem guten Konzept und einem langen Atem, denn der Markt wird umkämpft sein, gerade und überhaupt durch die Präsenz Googles.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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3 comments

  1. „Target-Marketing könnte in Zukunft so aussehen, dass nicht nur die Interessen vom Nutzer, sondern auch die Bonität und die durchschnittliche Höhe der Rechnungsbeträge weitergeleitet werden.“

    Die doch recht schwerwiegende Anschuldigung, dass Google die persönlichen Daten seiner Nutzer verkauft, können Sie hoffentlich auch in irgendeiner Form belegen.

  2. Nein, tatsächlich nicht. Aus diesem Grund habe ich auch das Wörtchen „könnte“ benutzt. Der Part den Sie zitiert haben, ist ein Gedankengang, den ich ausgeführt habe. Eine Anschuldigung sieht m.E. anders aus. Bei einer Anschuldigung wäre das Wörtchen „könnte“ durch das schwerwiegende Wort „wird“ zu ersetzen. Ich blicke hier allgemein in die Zukunft des Target Marketings.

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