Der semantische Gral

alphawolfram

Und täglich buzzed das Murmeltier. Via Rivva bin ich auf die Buzzwelle um Stephen Wolfram gestoßen, die über den großen Teich jetzt auch in die deutsche Fach- und Bloggerpresse schwappt. Drüben bei Thomas Knüwer ist ein Teil der Geschichte in dem Post Wolfram Alpha: Wird Geschichte gemacht, geht es voran? aufgeschrieben.

Worum geht es? Stephen Wolfram ist Wissenschaftler (Promotion in Theoretischer Physik im Alter von 20 Jahren) und auch sonst ein heller Kopf. Man lese dazu nur mal ein wenig in seinem CV. Im Mai soll sein neuestes Projekt namens Wolfram Alpha an den Start gehen, eine Such- … ne … eigentlich Antwortmaschine, die Google angeblich den Rang ablaufen kann. Alpha, so die Behauptung, soll Antworten auf konkret gestellte Fragen liefern, also nicht Ergebnisseiten auf Basis einer Sucheanfrage, sondern Antworten auf Fragen. Ein Versprechen, das oft gegeben, aber bisher gar nicht oder nur sehr rudimentär und in bestimmten klar definierten Wissensbereichen gehalten werden konnte.

Semantik und neuronale Netze

Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit mit Roy Uhlmann und Dr. Klaus Holthausen von Qimaya zu sprechen, die mit Qimaya ebenfalls einen Weg gefunden haben (wollen), wie man mit Hilfe mathematischer Formeln eine an die neuronalen Prozesse im menschlichen Gehirn angelehnte Erschließung der Informationsbestände im Web abbilden kann.

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Zum Wolfram Alpha gibt es eine Reihe lesenwerter Beiträge, u.a. bei Twine, Venturebeat, Arstechnica und beim Guardian.

Die Verheißungen und der Buzz sind verführerisch. Aber ob nun der eine, der andere oder irgendwer sonst den semantischen Gral aus den Tiefen des Möglichen heben kann, muss sich erst zeigen. Da heisst es im Falle von Wolfram Alpha abwarten. Denn alles neu macht der Mai.

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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9 comments

  1. Es ist schon seltsam. Open Calais ist sehr erfolgreich im Bereich semantisches Suche, und auch einige andere Mitbewerber tummeln sich schon seit geraumer Zeit in den Nischen, die das Thema ernährt. Ich würde ja eine pragamtische Suche toll finden, dann hätten endlich auch die Menschen etwas davon. Letztlich fehlt dem semantischen Ansatz dasselbe wie Tagging: Die Bedeutung ist für jeden etwas anderes und auch wenn man dies mit Ontologien festzurren will, wird es nicht besser. Mag in eng umrissenen Gebieten wie der Forschung klappen, aber in Firmen oder bei General Interest entsteht nur rosa Rauschen. Es ist wie be den seeligen neuronalen Netzwerken. Wer vorher sehr aufwendig seine Beispieldokumente und -inhalte tunt, erhält nachher schöne Ergebnisse. Dr. Holthausen hat ja schon mit amenotec erfahren, wie gering die Marktchancen sind, obwohl der damals – in 2003 – hochgelobt wurde…

  2. Ich hochzuloben ist auch richtig, weil in meiner laienhaften Sicht der Dinge da eine Wahnsinns Denkarbeit steckt. Aber ja: Unter Strich muss etwas rauskommen, was der Menscheit in der Breite und nicht in der Nische hilft. Naja, aber was heisst „muss“ heir schon wieder… Es ist irgendwie der Science Fiction Traum der Realität werden soll, dass alles ganz einafach wird und die Wissensarbeit effizienter wird. Es ist halt wie mit dem Gral, man glaubt es erst, wenn man es / ihn sieht. :-)

  3. Semantische Suche, insbesondere im Unternehmenseinsatz interessiert uns von Qimaya nicht im geringsten. Insofern dürfen Sie Herr Wittkewitz durchaus beruhigt sein, wir werden Verity keine Konkurrenz machen. Jedoch bin ich erstaunt wie tief sie die amenotec oder der AIIM Award bei Verity beeindruckt hat, wenn ich mir die Streuung Ihrer Beiträge im Internet hierzu ansehe.

    In Bezug auf das Tunen der Beispieldokumente gebe ich Ihnen vollkommen recht. Getunte Inhalte und Dokumente sind der Ausschlussgrund jeder wirtschaftlichen Betätigung. Wer sich in diesen Bereich begibt, sollte seine Hausaufgaben gemacht haben. Sofern sich jemand wirklich der Herausforderung, insbesondere im Bereich der neuronalen Netze, stellt so muss man diesen nicht an seinen Einzellösungen im Projektgeschäft messen, sondern am Umgang mit Milliarden von Informationen, die sich bereits im Netz befinden.

    Nur wer in der Lage ist den Datenmüll semantisch zu organisieren wird überhaupt eine gewisse Relevanz im Bereich des Semantic Web spielen. Soweit ich Ihre gestreuten Inhalte überblicken kann sind wir dabei einer Meinung. Daher freut es mich sehr, dass Sie so offen von Ontologien abraten. Wir haben festgestellt, dass dies sehr schnell einen Glaubenskrieg entfesselt.

    Im Detail verdeutlichen Sie etwas, dass den Wenigsten auch nur ansatzweise in den Sinn kommt. 6 Milliarden Menschen benötigen eigentlich 6 Milliarden Ontologien. Daher ist der Ansatz, den Verity im Enterprise Modell bearbeitet schon im Sinne der Aufklärungsarbeit bei den Nutzern mehr als zu begrüßen.

  4. Hallo Steffen,
    interessanter Beitrag und eine gute Berichterstattung zu dem Thema. Ich habe mich mal auf die Warteliste setzen lassen und bin sehr gespannt wie gut das Teil letztendlich funktionieren wird. Ich sehe in diesem Rennen übrigens noch einen Dritten namens Facebook, vielleicht nicht ganz so semantisch und mathematisch, dafür aber ne ganze Spur sozialer. Hatte dazu am Montag auch einen Artkel auf seo.de geschrieben, deine Meinung würde mich mal interessieren.

  5. Die Web-Suche mit dem höchsten Relevanzfaktor (Mensch) ist und bleibt search.twitter.com, dann kommt lange nichts und dann Google. Hallo Herr Uhlmann, schön zu erfahren, dass Verity mal einen AIIM Award ergattert hat. Aber die Firma gibt es seit 4 Jahren nicht mehr…

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