Der Kampf um die Übertragungsrechte – DAZN vs Sky Sport

Die Streaming-Plattform DAZN mischt seit mittlerweile drei Jahren das Geschäft der Sportübertragungen auf und hat sich die Übertragungsrechte mehrerer Sportligen gesichert. Die britische Perform Group hat viel Geld in den Streaming-Dienst investiert, um Platzhirsch Sky Sport mächtig Konkurrenz zu machen und die Übertragunsrechte für die Bundesliga für sich zu gewinnen. Die Präsenz hat sich bereits auf die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz, Japan, Kanada, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich ausgeweitet. Die Sportübertragungen werden über das Internet gestreamt und finden vor allem bei der jüngeren Generation Anklang.

Der Pay-TV Sender Sky hatte bis 2016 freie Hand, was die Verteilung der Rechte der großen Sportligen anging. Vereinzelt konnte man früher noch Spiele im ARD oder ZDF schauen. Die Privatsender RTL oder Sat1 haben sich auch in der Sportübertragung versucht. Neben den Sportübertragungen der Spiele der Fußballnationalmannschaft haben sich die Investitionen nur selten gelohnt. Seitdem DAZN im August 2016 in das Geschäft eingestiegen ist, sieht man so gut wie keinen Live-Fußball mehr im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Auf Grund des gestiegenen Wettbewerbs haben Sender wie ARD oder ZDF, aber auch RTL und Sat1 kaum eine Chance.

Heute muss man ein Abonnement abschließen oder ins Stadion gehen, um die Spiele der deutschen Mannschaften in der Bundesliga oder den europäischen Wettbewerben zu schauen. Der deutsche Volkssport verkommt schon seit Jahren immer mehr zur Kommerz-Schleuder und sorgt vor allem beim einfachen Bürger für Sorgenfalten.

Konkurrenz belebt das Geschäft und der Wechsel der Übertragungsrechte verwirrt die Kunden

Im Jahr 2009 wurde Premiere zu Sky. Die Sendergruppe erhielt auf Grund der Umfirmierung einen neuen Anstrich. Der Profi-Fußball war mittlerweile seit Jahren fester Bestandteil des Spartenprogramms. Sieben lange Jahre war Sky Sport Branchenprimus, nannte viele Übertragungsrechte sein Eigen und fühlte sich wie die Made im Speck. 2016 zogen schließlich dunkle Wolken über Unterföhring auf. Das Sturmtief trug den Namen DAZN und wurde Anfangs noch weggelächelt.

Die Sendergruppe aus Unterföhring bekam zum Saisonstart 2016 häufiger Kritik von Bestandskunden zu hören. Manche Übertragungsrechte, wie die der englischen Premier League, wanderten ohne Kundgabe an den neuen Konkurrenten DAZN. Erzürnte Liverpool-Fans und Klopp Anhänger mussten ab sofort ein weiteres Abonnement abschließen, um die Spiele zu verfolgen. Sky stellte sich selbst ein Bein und musste einen leichten Image-Schaden hinnehmen.

Das Image der Streaming-Dienste war durch Netflix bereits hochpoliert worden und DAZN konnte dadurch mit mächtig Vorschusslorbeeren in die neue Saison gehen. Das Angebot war sehr umfangreich und der Preis von 9,99€ monatlich sorgte für viel Freude bei den vielen Neukunden. Als Zuschauer spürte man die Lust der Moderatoren und Kommentatoren etwas Neues zu probieren. Das Internet gilt schließlich als Spielwiese für Kreative. DAZN fand eine interessante Mischung aus bekannten Namen der Sportberichterstattung und neuen Gesichtern, die für frischen Wind sorgten. Dennoch lief nicht alles wie am Schnürchen.

Streaming gegen Fernsehen – Ein Generationskonflikt

Während DAZN vor allem bei der jüngeren Generation Anklang fand, gab es von den gestandenen Fußballfans, die seit Jahren Sky-Kunden sind, mächtig Gegenwind. Der Wechsel von einzelnen Übertragungsrechten zu DAZN führte zu Missfallen gegenüber dem Streaming-Anbieter. Die Konkurrenz sorgte schließlich für Veränderung und Veränderung ist mancher größter Feind. Durch die Verteilung der Übertragungsrechte ist es heute nicht mehr möglich, dass ein Anbieter alle Wünsche unter einem Dach hat. Ein Zustand an den sich der übliche Fußballfan gewohnt hatte. Für die Bundesliga benötigte man Sky und für die Spiele der internationalen Ligen brauchte man ein Abo bei DAZN. Eine Zwickmühle die nur durch viel Geld oder einen Kompromiss gestoppt werden konnte.

Obwohl DAZN einen sehr guten Start ins Geschäft verzeichnen konnte, gab es schnell die ersten Rückstöße. Das umfangreiche Programm, das nicht nur internationalen Fußball sondern auch die amerikanischen Sportligen NBA, NFL, NHL und MLB miteinschließt, sorgte für so viel Ansturm, dass schnell die Server überlastet wurden. Darauf folgten zu Topevents, wie dem El Classico oder dem Super Bowl, vereinzelte Stream-Ausfälle. Etwas, was vor allem allgediente Fernsehzuschauer kaum verzeihen konnten und die Kundenakquise besonders erschwerte.

Zusätzlich beruht die Stream-Qualität auf der eigenen Internetleitung. Die Übertragungsrate in Deutschland ist ein altbekanntes Problem und stellt fürs Streaming ein großes Hindernis dar. Sofern deine Internetleitung nicht den modernen Standards entspricht, wird es schwierig für dich sein auf 720p oder gar 1080p (HD) zu streamen. Der Sportfan von heute ist nunmal HD-verwöhnt und verzichtet nur ungern auf ein messerscharfes Bild. Dieses bekommen Sky-Kunden geliefert. Ein Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte. Sobald man gewisse Standards für gegeben hält, ist der Mensch kaum noch dazu in der Lage, sich an Produkte zu gewöhnen, die nicht diesem Standard entsprechen. Warum also zu DAZN wechseln, wenn man es auf Grund der Infrastruktur nicht konkurrenzfähig ist?

Das Jahr 2019 dient als Gradmesser für die Zukunft

Ganz einfach, DAZN macht vieles richtig. Die eigens produzierte Berichterstattung ist sehr nah am Geschehen und das fühlt sich auch als Sportfan. Zusätzlich wurden die Server stabilisiert, Bild- und Tonqualität haben mittlerweile einen guten Standard und man hat sich am Markt etablieren können. Seit dieser Saison kann man zum ersten Mal die Bundesliga auf DAZN verfolgen. Die Übertragungsrechte aller Freitags- Sonntagmittag- und Montagsspiele hat viel Geld gekostet, gilt aber auch als Fingerzeig in Richtung Sky. Außerdem gibt es immer mehr internationalen Fußball auf DAZN zu sehen. Die allermeisten Champions-League Spiele gibt es live als Einzelspiel bei DAZN.

Sky wird unter anderem vorgeworfen, dass sie sich zu lange auf ihrem Platz ausgeruht haben. Der neue Konkurrent hat Schwächen im eigenen Unternehmen und der eigenen Übertragung aufgezeigt. Das Sky-Abo ist im Vergleich um einiges teurer, man bekommt viel Werbung zu sehen und bei der Übertragung setzt man häufiger lieber auf Prominenz statt Kompetenz. Allein die Champions League Spiele des FC Bayern München und die wiedergewonnene Premier League sorgen bei Sky-Kunden für Freudentänze.

Der Unterschied in der Herangehensweise ist vielleicht einfach nur eine Frage des Geschmacks. Manch einer favorisiert die Sky-Übertragung, die mit mehr Unterhaltung daherkommt. Andere schätzen die Nähe zum Sport, die DAZN seinen Zuschauern zeigt.

Zu wem werden die Bundesliga-Übertragungsrechte in Zukunft wandern?

Wichtiger als die Plattform ist der Inhalt und der Inhalt den die beiden Sender zeigen, ist besonders teuer zu erstehen. Im Jahr 2020 werden erneut die Bundesliga Medienrechte vergeben und es sind vereinzelt Gerüchte zu vernehmen, dass die DFL für die Saison 2021/2022 nur noch an einen Anbieter verkaufen möchte. Bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen und die beiden Sender haben die Möglichkeit sich den Fans und der DFL zu zeigen.

Es bleibt spannend, schließlich hat Sky noch den einen oder anderen Vorteil in der Infrastruktur oder im Ansehen. Wenn DAZN in dieser Hinsicht nachziehen kann und eine beständig hohe Ton- und Videoqualität aufbieten kann, wird die Kundenzufriedenheit steigen. Streaming-Anbieter werden mit der Zeit auch in der Mitte der Gesellschaft Akzeptanz finden. Sobald dies geschehen ist, wird es schwierig werden für Sky. Die Zeit wird zeigen, wer den Kampf zwischen Fernsehen und Streaming gewinnen wird.


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Paul Asbahr

studiert Politik- und Kommunikationswissenschaft. Die amerikanische Podcastwelt hat ihn in seinen Bann gezogen, wodurch er immer wieder auf neue interessante Trends, Gesichter und Themen stößt. Zudem ist er leidenschaftlicher Zocker und gerne auf Twitch unterwegs.


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