Corona Tracking App CoChain: Mit iBeacons anonym tracken

Länder wie Südkorea und Taiwan machen es vor: Sie verlangsamten den Ausbruch des Coronavirus mithilfe einer Tracking-App, die genau anzeigt, ob man sich im näheren Umfeld einer infizierten Person befunden hat. Wenn dies der Fall ist, rät die App, freiwillig für zwei Wochen in Quarantäne zu gehen, um seine Mitmenschen zu schützen. Verstößt man gegen die selbstauferlegten Regeln der Quarantäne und verlässt sein Haus dennoch, teilt die App einem mit, dies zu unterlassen. Auch hierzulande ist die Diskussion über eine mögliche Tracking App für Corona-Infizierte in aller Munde. Aufgrund von modernen GPS und Bluetooth Techniken, die eigentlich in jedem Smartphone verbaut sind, haben wir die Möglichkeit, selbst große Infektionsketten nachzuvollziehen. Und da 2018 bereits 81 Prozent der Bevölkerung ein Smartphone besaßen, liegt die App-Lösung natürlich nahe.

In der Praxis stellen sich jedoch datenschutzrechtliche Fragen. Wie anonymisiert man die Daten? Wer speichert die Daten? Wer soll Zugriff auf sie haben? Inzwischen gibt es aus Richtung des Gesundheitsministeriums erste Anzeichen für eine Einigung bei diesen Fragen. Wie man das ganze im internationalen Raum regelt, bleibt jedoch offen. Apps wie CoChain gehen genau auf diesen internationalen Markt und zeigen ihre ganz eigenen Ansätze.

Deutschland möglicherweise kurz vor Entscheidung

Inzwischen hat sich das Gesundheitsministerium für eine mögliche Lösung entschieden. Mittels des sogenannten Pepp-PT Systems

(Pan-European-Privacy-Preserving Proximity Tracing) sollen die Bewegungsdaten aller teilnehmenden Smartphones zentral an einem Ort gespeichert werden. Datenexperten kristisieren eben diesen Umstand. Sie empfehlen die Verwendung des DP3T Systems (Decentralized Privacy Proximity Tracing), welches zum Beispiel bereits in Österreich eingesetzt wird. Wie der Name andeutet, handelt es sich dabei um ein System, welches die Bewegungsdaten dezentral immer nur auf dem jeweiligen Smartphone speichert und bei Infektionsgefahr diese Daten mit anderen Handys in der Nähe teilt.

In jedem Fall würde eine Corona Tracking App in Deutschland auf freiwilliger Basis funktionieren. Darüber hinaus werde im Moment der Datschenschutz und die Transparenz einer möglichen App genaustens analysiert. Aber selbst wenn eine solche App in Deutschland eingeführt würde, ist das Tracking der Infektionsketten in nur einem Land schwierig. Denn besonders auf längere Sicht, wenn Auslands- und Geschäftsreisen wieder erlaubt sind, wäre ein internationales Tracking der Infektionsketten essentiell. Und genau hier setzt die App CoChain an.

CoChain: Corona Tracking App setzt auf iBeacons

Standort-Tracking ist keine neue Technik. Viele Apps nutzen sie, um festzustellen, wo ihr euch gerade aufhaltet. In Apples Betriebssystem iOS wird für die Feststellung des Standortes ein sogenannter iBeacon erstellt. Dieser Datensatz generiert einen anonymen Code, der nicht auf die privaten Daten des Endnutzers zurückführbar ist. Genau diese Technik möchte ein Team aus Entwicklerinnen und Entwicklern jetzt nutzen, um eine völlig anonymisierte Tracking App für das Coronavirus zu entwickeln. Gefunden hat sich das fünfköpfige Team bei der Initiative #WirVsVirus.

Die iBeacons funktionieren dabei immer nur mit den Smartphones, die sich in unmittelbarer Nähe zu einem befinden. Mittels der Bluetooth Low Energy Technologie verbinden sich die Smartphones temporär untereinander. Der User erhält dann ein anonymisiertes Profil seiner letzten Kontakte und kann letztlich nur sehen, ob eine Person infiziert ist oder nicht und wie nah man der jeweiligen Person war.

App steckt noch in der Testphase

Im Moment ist die CoChain App nur als Prototyp verfügbar. Trotzdem zeigt schon dieser, wie erfolgreiches Virus-Tracking per App in der Zukunft funktionieren kann. Die einzige Information, die ihr als User angeben müsst, ist, ob ihr infiziert seid oder nicht. Je nachdem wo ihr euch aufgehalten habt, erhaltet ihr lediglich die Information, ob eine Person in eurer unmittelbaren Nähe das Virus hat. Zudem wird von dem Entwicklerteam überlegt, ob die iBeacons möglicherweise auch untereinander getauscht werden könnten. Das würde dafür sorgen, dass unter keinen Umständen ein Profil des Nutzers über die Codes der Beacons einsehbar ist.

Während die App anfänglich auf Basis der iBeacons von Apple gebaut wurde, ist auch eine Konvertierung auf Android möglich. Die Entwickler hinter CoChain arbeiten mit Hochdruck an einer engen Kooperation mit Apple und Google, um die App zu integrieren. Letztlich könnte CoChain dafür sorgen, dass wir wieder international reisen dürfen, ohne große Ausbrüche des Virus zu riskieren.


Image by Kzenon via adobestock

Leonie Werner

interessiert sich für alles, was mit Medien zu tun hat. Insbesondere für Themen im digitalen Bereich ist sie offen und in Sachen Gaming immer auf dem neuesten Stand.


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