Brille auf: Kunst statt Werbung




Was für eine Vorstellung: Ein persönlicher Ad-Blocker für die Innenstadt! Eine Vision, die die Macher von „The Advertiser“ wahr werden lassen: Sie scannen Plakate und Logos von Calvin Klein bis Budweiser ein, blenden die Werbung dort aus und ersetzen sie mit Kunstinstallationen. Natürlich nicht wirklich, sondern nur für den Nutzer ihrer Ferngläser, Kunst auf Werbeflächen einblenden.


Julian Oliver ist einer der Initiatoren des Projekts. „Die Stadt ist ein Raum der verdichteten Reize“, sagt er. Er wolle sich nicht damit zufrieden geben, dass die Bewohner Städte nur Lesen und nicht schreibend neu gestalten können – anders als Unternehmen, die sich optische Beeinflussung ihrer Städte mit Geld erkaufen können. Bürgern hingegen bleibt der Zugang verweigert. Darum setzte er und seine Mitstreiter sich daran, Computern das Widererkennen von Werbeflächen beizubringen.


So werden teils Werbemotive gehackt, indem aus „Dunkin‘ Donuts“ „Fucking Donuts“ wird – oder aber es werden kontextfreie Animationen oder Frisurenhelme auf die ursprüngliche Werbung projeziert. Und es gibt ein magenta-farbenes Plakat der „The Artvertiser“-Gruppe, in der sie in schönster MoMa-Optik für „your art here“ werben.


Für Olivers Mitstreiter Damian Stewart bedeutet das Projekt auch noch etwas anderes – nämlich Hirnfrieden. Forschung hat ergeben, dass die Hirnaktivität beim Konsum einer Google-Seite wesentlich aktiver ist als beim Lesen eines Buches – weil ständig neue Entscheidungen getroffen, neue Reize auftauchen. Das sei nicht gut für das Hirn, ziehe zu viel Energie, sagt XY – eine andere Begründung dafür, Werbung zu blocken, eine Art Hirnurlaub also.


Die Arbeit der „Artvertisers“ war Teil der Camera Obscura-Ausstellung zur Transmediale zu sehen – und darüber hinaus auf theartvertiser.com.


Foto: screenshot theartvertiser.com

Meike Laaff

(www.laaff.net) lebt und arbeitet als Journalistin in Berlin. Sie ist stellvertretende Ressortleiterin bei taz.de, schreibt für überregionale Zeitungen, Onlinemagazine und produziert Radiobeiträge. Sie betreut zudem das taz-Datenschutzblog CTRL.


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2 comments

  1. Mal ein anderer Ansatz, denn die werbung nervt echt manchmal und wen man dadurch auch noch sein Gehirn schont finde ich das es eine gute Idee ist.

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