Boerse.bz: Piraten schießen sich selbst ab

Seit letzter Woche herrscht allseits Rätselraten, warum die Betreiber des größten illegalen Forums Boerse.bz derzeit eigenhändig für ihr vorzeitiges Ende sorgen. // von Lars Sobiraj

Download (Bild: Gerd Altmann [CC0], via pixabay)

Zwischen 8 und 10 Millionen Seitenzugriffe werden bei diesem illegalen Anbieter monatlich generiert, womit man mit der Internetpräsenz der Zeitschrift Stern auf gleicher Höhe liegt. Das sind Zahlen, über die sich die Betreiber seriöser Webseiten freuen würden. Doch die Börse beschäftigt auch Google. Zwischen 500 bis 1300 Suchergebnisse müssen wöchentlich im Auftrag der Rechteinhaber gelöscht werden, damit die Warez nicht mehr im Web auffindbar sind.


Warum ist das wichtig? Spätestens seit dem Aus von Kino.to ist Boerse.bz zum größten illegalen Anlaufpunkt für deutschsprachige Schwarzkopieren geworden. Nirgendwo sonst gibt es so viele Download-Links. 50 Personen halten dort die strikte Ordnung aufrecht.

  • Anwälte warnen vor einer Nutzung des Forums Boerse.bz, weil diese Abmahnungen nach sich ziehen könnte.
  • Mitunter dauert es nur wenige Stunden, bis neue Programme, Bestseller und Blockbuster zum Download bereitstehen
  • Angeblich musste auf Druck der „Lobby“ allen Deutschen der Zugang erschwert werden, nachvollziehbar ist das nicht.

Das Leben schreibt die spannendsten Geschichten

Das Ganze klingt wie das Drehbuch eines Hollywood-Thrillers. Nicht weniger als 15.000 Euro verlangt ein anonymer Hinweisgeber aus dem Umfeld der Betreiber von der deutschen Tochter der Motion Picture Association (MPA). Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat schon einmal in der Vergangenheit Insider mit einer Finanzspritze zum Reden gebracht. Damals packte ein Ehepaar gegen Dirk B. aus, das sich vom Betreiber des Streaming-Portals Kino.to schlecht behandelt fühlte. Der neue Tippgeber verschleiert seine Identität und benutzt für seine E-Mails einen typischen Szeneanbieter. Einem privaten Ermittler der GVU schreibt er, rund 10.000 Euro sollen monatlich alleine von dieser Person generiert werden. Um seine Kontaktperson von der Wirtschaftlichkeit des illegalen Forums zu überzeugen, schickt er ihm alte Bilder eines BMW mit 245 PS, mit dem der Betreiber einst angegeben haben soll. Ob die Umsatzzahlen stimmen oder sich das Luxusauto tatsächlich im Besitz des Börse-Chefs befunden hat, ist unklar. Deutlich ist hingegen, dass der Hinweisgeber extrem ungeduldig wurde. Er kann nicht verstehen, wieso es bei der Trägergesellschaft der GVU so lange dauert, bis die MPA der Zahlung zustimmt. Auch hat er dummerweise bereits den Verdächtigen mit seinen Indizien konfrontiert, was augenblicklich zu seiner Sperre führte.

Wie funktionieren die Börsen?

Ermittelt wird gegen die mutmaßlichen Hintermänner, seitdem es die Nachfolger der früheren Börse bei gulli.com gibt. Schon mehrere Monate vor dem Verkauf des IT Portals und Forums musste im Jahr 2008 auf Druck des für diverse Major Labels tätigen Rechtsanwalts Clemens Rasch die Musikbörse geschlossen werden. Wenige Tage vor der Löschung der restlichen Links sickerte die Meldung zu diversen Moderatoren und später zu allen Nutzern durch. Wer sich einen Klon bauen wollte, programmierte einen Crawler, um alle Einträge der gulli:Börse abzugreifen und diese im eigenen Forum anzubieten. Der Wiener Käufer von gulli hatte keine Wahl. Entweder das komplette Projekt musste ins Ausland abseits der EU verschoben werden, oder aber man musste sich von allen illegalen Inhalten trennen. Kurz nach der Bekanntgabe der Schließung entstanden vier Nachahmer der Börse von gulli.com, von denen nur zwei dauerhaft online blieben: Boerse.bz und MyGully.com.

Das System funktioniert stets nach dem gleichen Prinzip. Wer sich im Forum als registrierter Nutzer eingeloggt hat, kann die Verweise zum Download der Dateien sehen. Diese führen oftmals zu sogenannten Link-Verschlüsselungs-Systemen inklusive Captcha, um eine automatische Meldung illegaler Download-Links zu verhindern. Wollen die Rechteinhaber die Links oder Archive löschen lassen, müssen sie den Weg manuell nachvollziehen. Das Kalkül dahinter: Umso länger die Vorbereitung der Beschwerde (Takedown Notice) in Anspruch nimmt, umso länger sind die Werke beim Sharehoster online. Entsprechend länger kann man damit Geld verdienen.

Von Seiten wie LinkCrypt, LinkSafe oder Relink werden die Downloader zu einem Sharehoster geführt. Sie bieten im Internet einen riesigen virtuellen Speicherplatz an, den man im geringen Umfang kostenfrei nutzen kann. Wer mehr herunterladen will, muss sich anmelden und einen monatlichen Beitrag entrichten. Von daher ist eine enge Geschäftsbeziehung zwischen illegalen Foren und Sharehostern zum Vorteil beider Parteien. Nicht selten werden die verschiedenen Web-Dienste in Personalunion oder im Auftrag angeboten, was die Anzahl der möglichen Hintermänner für den deutschprachigen Raum auf etwa 20 Personen reduziert. Die Szene ist überschaubar und über viele Punkte miteinander verknüpft, praktisch kennt hier jeder jeden.

Gewinnmaximierung einmal anders

Anfang des Jahres berichtete der Stern von Ermittlungen gegen einen Kölner, der früher den „Tummelplatz der Raubkopierer“ geleitet haben soll. Der 25-Jährige ist flüchtig und offenbar nicht mehr der Macher der Börse. Doch das ist nicht alles. Offenbar haben die Super Moderatoren mitbekommen, dass sich die Schlinge der Ermittlungen immer enger um sie zieht. Deswegen kündigte man an, alle User mit einer deutschen IP-Adresse vom Zugang der Download-Links auszuschließen. Ein paar Zeilen darunter wird der Werbepartner „hide.io“ angepriesen. Mit dem hauseigenen VPN-Anbieter könne man wie bisher problemlos auf alle Warez zugreifen. Zahlreiche Nutzer fühlten sich durch diesen Schritt hinters Licht geführt. Statt auf kostenlose Browser Plug-ins wie ZenMate oder das Anonymisierungsnetzwerk TOR hinzuweisen, sollen alle Teilnehmer zur hochpreisigen Nutzung des Werbepartners verleitet werden. Die Betreiber nehmen dabei billigend in Kauf, dass sie sich damit selbst ihr Geschäft zerstören. Die ersten Nachahmer enttäuschter Moderatoren und Uploader sind bereits online gegangen.

Drohen Abmahnungen?

Diverse Branchenbeobachter glauben, das Forum würde jetzt noch betrieben, solange es eben geht. Wenn die Einnahmen merklich zurückgehen weil zu viele User abgewandert sind, wird aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen der Stecker gezogen. Gewarnt werden derzeit auch die Downloader. So etwa von Rechtsanwalt Karsten Gulden von der Mainzer Kanzlei GGR Rechtsanwälte. Gulden mahnt, die Inanspruchnahme des Forums stelle einen Verstoß gegen das Urhebergesetz dar. Dafür könnten Plattenlabels, Softwarehersteller, Verlage oder Filmstudios Abmahnungen verschicken lassen. Zwei Dinge sprechen allerdings gegen den Versand von Abmahnungen. Einerseits müsste man der IP-Adresse habhaft werden, was nur gelingt, sofern man die Server unter seine Kontrolle bringen kann. Andererseits sind die Ermittler an den Betreibern und nur in den seltensten Fällen an den Nutzern derartiger Angebote interessiert. Gleiches galt, als im Juni 2011 der illegale Streamingdienst Kino.to abgeschaltet wurde. Bemerkenswert ist, dass auch dabei schiere Geldgier zum vorzeitigen Aus geführt hat.


Teaser & Image by Gerd Altmann (CC0)



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18 comments

  1. Unfassbar schlechte Recherche!
    Illegales Forum? Gibt es nicht ! Abmahnungen? Hat es
    Innerhalb der Börse und selbst für die dort angegebenen
    Und angebotenen Links auch noch nie gegeben !

  2. „Unfassbar schlechte Recherche!
    Illegales Forum? Gibt es nicht ! Abmahnungen? Hat es
    Innerhalb der Börse und selbst für die dort angegebenen
    Und angebotenen Links auch noch nie gegeben !“

    1. Wir sind illegal und Stolz darauf !!!
    2. Wir sind überschwemmt mit illegalen Download’s !!!
    3. Gibt es noch genug Trottel die für unseren VPN Hide.me bezahlen!
    4. Abmahnungen etwaiger Boerse.bz User interessieren uns nicht, wir woolen nur das Geld!!!

  3. Jedem sollte klar sein, dass die ganzen Boerse.BZ-Kommentare nicht wirklich von der Boerse kommen.
    Es ist einfach nur ein weiterer Troll.

  4. Man beachte, wer den Artikel geschrieben hat…

    Mehr muss man dazu wohl nicht sagen. Genau die gleichen Mutmaßungen und nicht belegten Infos, wie auf seiner Tarnkappe.info Seite. Warum lasst ihr nicht jemand den Artikel schreiben, der sich mit der Materie auskennt und nicht Herrn Sobiraj, der aus persönlichen Gründen oder weil er sonst keine sinnvollen Hobbys hat, schon seit ewigen Zeiten gegen die Boerse hetzt. Er sollte mal den Ball flach halten, denn er bzw. seine Kompanions der Tarnkappe.info betreiben selbst Seiten mit illegalem, weil urheberrechtlich geschütztem Inhalt. Stichwort eBooks ;-) Und dann einen auf heiligen Samariter machen. Einfach nur lächerlich.

    Und nein, ich bin kein blinder boerse.bz Jünger. Aber was Herr Sobiraj in der Vergangenheit für einen Bockmist als Journalismus verkauft, ist einfach nicht mehr feierlich…

    1. Ich zweifel nicht daran, dass Lars Sobiraj einen unseren und seinen Qualitätsansprüchen gerecht werdenden Artikel geschrieben hat. Sollten Sie Kritik an diesem Artikel haben, würde ich es begrüßen, wenn Sie Ihre Gegendarstellung in den Kommentaren auch belegen können und nicht nur eine nicht zu haltende Kritik äußern.

  5. Warum sollte irgendjemand was belegen wenn es der Autor des Artikels auch nicht macht? ;-)

    Der obige Artikel beruht zu 90% auf Gerüchte. Aber selbst das muss man als angeblicher „Journalist“ ja auch nicht belegen, oder bin ich im falschen Film?

    Und wenn dieser Nonsens ohne ausreichende Quellenangaben euren Qualitätsansprüchen genügt, dann Gute Nacht!

    Und von wegen nicht zu haltender Kritik, sollten Sie mal die Stichworte „spiegelbest“ und „ebook“ bei google eingeben. spiegelbest taucht irgendwie zu häufig in Verbindung mit Hernn Sobiraj auf… Ob´s Zufall ist, oder sie am Ende doch ein und dieselbe Person sind…?

  6. die ermittler scheinen nicht interessiert? stimmt. dazu kommt, das die gvu ihre informanten übervorteilt und ausbootet. kein wunder das sie keine infos mehr bekommen. in euerem anderen artikel (oder war es tarnkappe?) kommt das ganz gut raus. expolizisten dransetzen, hinhalten und dann nicht für die information bezahlen.

  7. wer die gvu ernst nimmt oder den ermittlern informationen liefert ist doch selber schuld. ist doch klar das die für nichts bezahlen was sie umsonst bekommen können. die gleiche mentalität wie bei uns boerse nutzern – aber halt legal.

  8. 3. Gibt es noch genug Trottel die für unseren VPN Hide.me bezahlen!

    ————————————————————–

    Sicher du armer kleiner Tor ^^.
    Gibt genug andere Seiten.

  9. „Anwälte warnen vor einer Nutzung des Forums Boerse.bz, weil diese Abmahnungen nach sich ziehen könnte.“

    Weswegen?
    Für die Nutzung des Forums?
    Da könnte man mit seinem eigenen seltenen Klarnamen und Wohnortangabe sowie Portraitfoto als Avatar auftreten, und kein Anwalt könnte einem etwas deswegen…

    Das Gleichze würde für die Mitgliedschaft in einem Naziforum gelten.
    Egal wie sich andere Nutzer dort äußern, man kann nicht „mitgehangen“ werden. Evtl. registriert sich ja auch mal ein Linker um „Paroli zu bieten“.
    Ich hatte mich auch mal auf Copzone.de registriert, obwohl der Betreiber und evtl. die meisten Nutzer Charakterschweine sind…
    Die zeigen sogar Nutzer wegen Kommentaren an, und behaupten ein Eintrag wäre als Aufruf eines Amoklauf zu werten.
    „Lieber Tod als Menschenmüll“, das war alles. Und die korrupten Betreiber konstruierten daraus eine Amokdrohung gegenüber irgendwelchen Jobcenter-Fallmanagern, die thematisch damit nichts zu tun hatten.
    „LIeber tod als Menschenmüll“ stand dort ganmz klar und unmissverständlich dafür, dass man lieber tod ist, als als Lohnprostituierter (meine Wortwahl) sein Leben in einer miesen nicht erfüllenden Arbeit zu fristen.
    Z.B. im Supermarkt (egal ob Kassierdrohne oder Filialleiter), Büro (auch Büroleiter), Amt (auchg Amtsleiter) etc..
    Eine Einstellung die ich absolut teilen kann.

    Die Downloads auf solchen Seiten ala Boerse.bz führen immer zu Filehostern.
    Das anklicken keines Links ist von einem Anwalt feststellbar. Und auch wenn die sich da reinhacken würden (was vor Gericht kaum ohne drohende Strafe zugegeben werden könnte), das bedeutet ja nicht, dass man es tatsächlich herunter geladen hat.

    Der eigentliche Download vom Filehoster selbst ist dann auch von keinem Anwalt einsehbar, weil es nur eine Verbindung zwischen dem Nutzer und dem Filehoster gibt.
    Bei den Tauschbörsen bietet der Nutzer bzw. die Software automatisch auch anderen Kopien an.
    So als würde ich auf dem Marktplatz rumschreien „Avatar 3D Blu Ray kostenlos zu kopieren“.

    Beim Filehoster geht man in einen geschlossenen Raum, und lädt es herunter.
    So wie der Politiker der auf der Reichstagtoilette unbemerkt kokst (was ja der Fall ist).

    Wie ein betätigen des „Danke“-Knopfes gewertet werden könnte ist eine andere Sache.
    Auch das beweist ja noch nicht, dass man das auch heruntergeladen hat.
    Auch dann nicht, wenn das betätigen des Danke-KNopf erst die Links freischaltet.

    @ UED
    Ist das wirklich „Trollen“?
    Würde ich nicht sagen, dafür ist es zu offensichtlich.
    Eher schon Satire.

    Man findet Angaben dass es leicht zu umgehen ist.
    Einfach im Browser als Standort Schweiz eintragen.
    Dafür gibt es Plugins für Firefox, Chrome etc..
    Das ist nicht mal eine IP-Sperre…

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