Bild-Jubiläum: „Wir bleiben doof – auf die nächsten 60 Jahre“

60 jahre bild - wir sind enteBild: Screenshot Titelblatt Bild-Jubiläumsausgabe

Eine „Frei-Bild für alle“ wollte die Axel Springer AG den Deutschen zum 60. Geburtstag des Blattes schenken. Und damit eine Wohltat ohnegleichen vollführen. Eine „publizistische Reise durch die Themenvielfalt von Europas größter Tageszeitung“ wurde versprochen. Dafür haben sich auch die Großen der öffentlichen Bühne ein Stell-dich-ein gegeben. Darunter der „Medienkanzler“ Schröder, der Traum aller Schwiegermütter Til Schweiger mit Ex-Ehefrau Dana sowie Prinz Charming Jürgen „Kloppo“ Klopp. Bild lässt sich feiern und feiert sich selbst. Mit großer Torte, Spring(er)burg und seinem prominenten Streichelzoo.

Bild-Jubiläum: „Wir bleiben doof – auf die nächsten 60 Jahre“Doch gibt es auch viele die nicht zur Party kommen wollten. Trotz Einladung. So haben sich bereits im Vorfeld etliche Initiativen gebildet, die dem Propagandafeldzug am heutigen Tage entkommen wollten. Die Bekannteste ist „Alle gegen Bild“, die dem nicht-geneigten Leser dabei half, dem Briefkastenkonter zu entkommen. Insgesamt 240.000 Verweigerer haben sich dem Ruf der Initiative angeschlossen und die Jubiläumsausgabe kurzerhand abbestellt. Ein schönes Zeichen gegen Gossenjournalismus, Volkshetze und Dummfang.

Doch zurück zur Themenvielfalt der „Frei-Bild“. Diese soll nun einmal auf dem Prüfstand stehen. Was lesen wir denn so in der Goldausgabe? Alt-Kanzler Schröder kritisiert im direkten Interview mit Chefredakteur Kai Diekmann, die Griechenlandberichterstattung und lobt die angeblich journalistische Finesse in der Wulff-Affäre, die die Springer-Perle bewiesen haben soll. Gefolgt wurde dieses Kaffeekränzchen von Prominenten die sich erinnern, wie es war eine Schlagzeile zu sein („Franzi Franzi Wunderbar“) und den Beziehungstipps der medientauglichen Schweigers. Na vielen Dank.

Wem diese Buzz-Themen noch nicht reichen, der freut sich außerdem über eine Berichterstattung eines Lotto-Glücksjägers und natürlich darf auch eine schöne Nazi-Anekdote nicht fehlen. Die darauffolgenden Seiten sind dann im Grunde nur noch Werbung, Werbung, Werbung. Oft in eigener Sache. Toll. Wir sind begeistert.

Doch warum beschweren? Bild hält was sie verspricht und zeigt uns womit sich die auflagenstärkste Zeitung so beschäftigt und wo die Schwerpunkte des Boulevardblattes liegen. Nämlich in Nichtigkeiten und Stammtisch-Themen. In diesem Sinne müsste man der Redaktion eigentlich danken, dass sie so ehrlich war und die heutige Ausgabe nicht ausnahmsweise spannend gemacht hat. Wenigstens stehen sie zu sich selbst: „Wir bleiben doof – auf die nächsten 60 Jahre“. Prost!

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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4 comments

  1. Bis zum letzten Absatz stimme ich dem Artikel auf voller Linie zu!

    Dass sich die BILD aber nur mit Promis, Sport und Horoskope beschäftigt, ist ein Trugschluss. Viel gefährlicher sind die subtilen und offensichtlichen politischen Beiträge und Kampagnen. Man nehme bloß die „Pleite-Griechen“, den Guttenberg-Hype oder das Sarrazin-Pushing. Wer BILD nur abschätzig als Klatschblatt mit Banalitäten bezeichnet unterschätzt die politische Ausstrahlung des Springer-Blattes.

  2. Altkanzler Schröder sagte in der Ausgabe etwas was mich zum Nachdenken brachte. Im übertragenen Sinn hieß es in etwa, dass Bild keine politische Ausstrahlung habe, sondern sich nur auf den aktuellen politischen Geist einlasse. Heute so Morgen so. Ob das stimmt kann ich derzeit nicht sagen. Auf mich hat das Gossenblatt jedenfalls keine Wirkung und ich glaube ehrlich gesagt wenn, dann auch nur auf einen bildungsschwachen Teil der Bevölkerung. Zum Glück gibt es eine meinungsstarke Kaste, die die Bild im Blick behält und Alarm schlägt, wenn der Diekmann-Kader mal wieder herum kakophoniert.

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