Videospiele sind längst mehr als ein Nischenhobby. Sie gehören heute zu den wichtigsten Formen digitaler Unterhaltung und verbinden Menschen über sämtliche Altersgruppen, Länder und Kulturen hinweg. Ob auf dem PC, der Konsole oder dem Smartphone – für viele Menschen sind Spiele nicht nur Zeitvertreib, sondern auch soziale Treffpunkte, kreative Ausdrucksformen und Orte gemeinsamer Erlebnisse.
Doch nicht alle Menschen können diese digitalen Welten gleichermaßen nutzen. Für Personen mit Seh-, Hör-, motorischen oder kognitiven Einschränkungen können bereits grundlegende Spielmechaniken zu Hürden werden. Kleine Schriftgrößen, fehlende Untertitel, komplexe Steuerungsschemata oder zeitkritische Eingaben können dazu führen, dass ein Spiel nur eingeschränkt oder gar nicht spielbar ist. Damit bleiben vielen Menschen Erfahrungen verwehrt, die für andere selbstverständlich sind.
Die Sichtbarkeit für Barrierefreiheit im Gaming wächst jedoch stetig. Immer mehr Entwickler und Publisher berücksichtigen Barrierefreiheit bereits während der Entwicklung ihrer Spiele durch Accessibility-Features. Darüber hinaus ermöglichen neue Technologien wie adaptive Controller, Eye-Tracking-Systeme oder KI-gestützte Assistenzfunktionen Menschen den Zugang zu Spielerlebnissen, die früher oft unerreichbar waren.
Auch wir möchte mit diesem Artikel zeigen, wo im Gaming überhaupt Barrieren entstehen können und mit welchen Technologien und Design-Philosophien man einen einfacheren Zugang schafft.
Diese Barrieren gibt es in Videospielen
Barrieren können in nahezu jedem Bereich eines Videospiels auftreten – von der Benutzeroberfläche über die Steuerung bis hin zur Kommunikation mit anderen Spielenden. Oft entstehen sie nicht absichtlich, sondern weil Entwickler*innen bestimmte Nutzergruppen bei der Gestaltung eines Spiels nicht ausreichend berücksichtigen. Während viele Spieler*innen diese Hürden kaum wahrnehmen, können sie für Menschen mit Behinderungen oder Einschränkungen den Zugang zum Spiel erheblich erschweren oder sogar unmöglich machen.
Visuelle Barrieren
Viele moderne Spiele setzen auf detaillierte Grafiken und komplexe Benutzeroberflächen. Doch gerade diese Gestaltung kann für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen problematisch sein.
So ist ein häufiges Hindernis die kleine Schriftgrößen in Menüs, Dialogen oder Inventaren. Werden Texte auf hochauflösenden Bildschirmen oder mit größerem Sitzabstand dargestellt, sind sie oft nur schwer lesbar. Hinzu kommen unzureichende Kontraste zwischen Text und Hintergrund, wodurch wichtige Informationen leicht übersehen werden können.
Auch Farben spielen eine wichtige Rolle. Manche Spiele unterscheiden Objekte, Gegner oder Statusanzeigen ausschließlich anhand ihrer Farbe. Für Menschen mit Farbsehschwächen kann dies dazu führen, dass wichtige Informationen nicht erkannt werden. Fehlen alternative Kennzeichnungen wie Symbole oder Muster, entsteht schnell eine Barriere.
Darüber hinaus können überladene Benutzeroberflächen die Orientierung erschweren. Wenn zahlreiche Anzeigen, Marker und Menüs gleichzeitig sichtbar sind, fällt es manchen Spielenden schwer, relevante Informationen schnell zu erfassen.
Auditive Barrieren
Viele Spiele nutzen Ton als zentrales Element der Informationsvermittlung. Dialoge, Warnsignale oder Richtungsgeräusche geben Hinweise auf Gegner, Missionen oder Ereignisse in der Spielwelt.
Für gehörlose oder hörbeeinträchtigte Menschen entsteht eine Barriere, wenn diese Informationen ausschließlich über Audio vermittelt werden. Fehlen Untertitel, können wichtige Teile der Handlung verloren gehen. Noch problematischer wird es, wenn Geräusche eine spielmechanische Bedeutung haben, beispielsweise das Heranschleichen eines Gegners oder das Ertönen eines Alarms.
Selbst vorhandene Untertitel lösen nicht immer alle Probleme. Werden nur gesprochene Texte angezeigt, fehlen oft Informationen über Umgebungsgeräusche, Musiksignale oder Klangrichtungen. Dadurch können wichtige Hinweise weiterhin unzugänglich bleiben. Auch WIE etwas gesagt wird, kann in einem Rollenspiel deutlich Einfluss darauf haben, wie wir als Spieler eine Situation einschätzen.
Motorische Barrieren
Die Steuerung eines Spiels kann für Menschen mit motorischen Einschränkungen eine große Herausforderung darstellen. Viele Titel setzen schnelle Reaktionen, präzise Bewegungen oder komplexe Tastenkombinationen voraus.
Besonders problematisch sind Eingaben, bei denen mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt oder in einer bestimmten Reihenfolge innerhalb kurzer Zeit betätigt werden müssen. Gerade ein Red Dead Redemption 2 oder das neue Crimson Desert sind bekannt für eine sehr überfrachtete Steuerung. Auch sogenannte Quick-Time-Events, bei denen blitzschnelle Reaktionen gefordert sind, können für manche Spielerinnen und Spieler schwer oder gar nicht bewältigbar sein.
Zusätzliche Hürden entstehen, wenn Tastenbelegungen nicht angepasst werden können oder bestimmte Eingabegeräte vorausgesetzt werden. Wer einen Controller oder eine Tastatur nicht in der vorgesehenen Weise nutzen kann, wird dadurch schnell ausgeschlossen.
Kognitive Barrieren
Nicht alle Barrieren sind unmittelbar sichtbar. Auch die Art und Weise, wie Informationen präsentiert werden, kann den Zugang zu einem Spiel erschweren.
Komplexe Menüs, unübersichtliche Benutzeroberflächen oder unklare Anweisungen können dazu führen, dass Spielende den Überblick verlieren. Besonders Menschen mit Lernschwierigkeiten, Konzentrationsproblemen oder bestimmten neurodiversen Wahrnehmungsformen profitieren von klaren Strukturen und verständlichen Erklärungen.
Auch eine hohe Informationsdichte kann problematisch sein. Wenn mehrere Aufgaben, Hinweise und Ziele gleichzeitig dargestellt werden, fällt es manchen Menschen schwer, Prioritäten zu erkennen oder wichtige Informationen herauszufiltern. Fehlende Tutorials oder unzureichende Hilfesysteme verstärken diese Schwierigkeiten zusätzlich.
Soziale Barrieren
Barrierefreiheit in Videospielen ist nicht durch Technik und Spielmechanik allein gewährleistet. Auch soziale Faktoren gehören zu den Barrieren, die darüber entscheiden, ob Menschen uneingeschränkt am Gaming teilnehmen können.
Gerade in Online-Spielen kommt Kommunikation eine zentrale Rolle zu. Wird beispielsweise ausschließlich Sprachchat genutzt, können gehörlose oder sprachlich eingeschränkte Personen benachteiligt werden. Fehlende Textalternativen oder eingeschränkte Kommunikationsoptionen erschweren die Zusammenarbeit mit anderen Spielenden.
Hinzu kommen Vorurteile, mangelnde Sensibilität und diskriminierendes Verhalten innerhalb von Communities. Menschen mit Behinderungen berichten immer wieder von Ausgrenzung oder fehlendem Verständnis für ihre Bedürfnisse. Solche Erfahrungen können dazu führen, dass Betroffene bestimmte Spiele oder Online-Angebote meiden.
Manchmal zwingen Spiele einen aber auch zum Gruppenspiel, wo es nicht zwingend nötig wäre. So gibt es in der Storyprogression von Final Fantasy 14 noch immer Gruppeninhalte. Auch wenn man viele Dungeons mittlerweile bereits mit computergesteuerten Gruppenmitgliedern durchspielen kann, gibt es noch immer Inhalte der Hauptstory, die einen zur Gruppensuche zwingen.
Wie moderne Spiele Barrieren abbauen
In den vergangenen Jahren hat das Thema Barrierefreiheit in der Spielebranche deutlich an Bedeutung gewonnen. Immer mehr Entwicklerstudios erkennen, dass Zugänglichkeit nicht nur einzelnen Spielergruppen zugutekommt, sondern die Spielerfahrung insgesamt verbessert. Entsprechend werden Accessibility-Funktionen zunehmend bereits während der Entwicklung berücksichtigt und nicht erst nachträglich ergänzt. Bei aller Kritik an den Spielen selbst sind Ubisoft und Microsoft besonders stark auf Barrierefreiheit orientiert und fangen einige ihrer Spiele in den entsprechenden Einstellungen an.
Grafik, Oberfläche, Untertitel und Audiosignale
Eine der wichtigsten Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit ist die Anpassbarkeit der Benutzeroberfläche. Nicht jede Person nimmt Informationen auf dieselbe Weise wahr, weshalb flexible Einstellungen entscheidend sind. Viele moderne Spiele ermöglichen es inzwischen, Schriftgrößen individuell anzupassen. Dadurch werden Menüs, Untertitel und andere Texte auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen besser lesbar. Ebenso können Kontraste erhöht oder alternative Farbschemata aktiviert werden, um Inhalte deutlicher hervorzuheben. Oft lässt sich auch die Benutzeroberfläche umfangreich anpassen.
Darüber hinaus setzen immer mehr Spiele auf sogenannte erweiterte Untertitel. Diese beschreiben nicht nur Sprache, sondern auch relevante Geräusche wie Explosionen, Schritte oder Warnsignale. Einige Titel ergänzen Audiosignale zusätzlich durch visuelle Hinweise. Richtungsanzeigen oder Symbole können beispielsweise zeigen, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Dadurch bleiben wichtige Informationen auch dann zugänglich, wenn sie akustisch nicht wahrgenommen werden können. Umgekehrt gibt es auch Spiele mit eingebauter Sprachausgabe für Texte und Hinweise, die sonst nicht vertont sind. Forza Horizon 6 bietet auch auditive Signale, wenn man sich anderen Fahrzeugen oder anderen Hindernissen nähert.
Steuerung & Assistenzfunktionen
Die Möglichkeit, die Steuerung an individuelle Bedürfnisse anzupassen, zählt zu den wichtigsten Fortschritten im Bereich der Gaming-Barrierefreiheit. Viele moderne Spiele erlauben eine freie Belegung von Tasten und Eingaben. Spielerinnen und Spieler können dadurch Funktionen auf jene Tasten legen, die für sie am einfachsten erreichbar sind. Diese Flexibilität ist insbesondere für Menschen mit motorischen Einschränkungen von großer Bedeutung.
Zusätzlich bieten einige Spiele alternative Steuerungsmodi an. Aktionen, die normalerweise das gleichzeitige Drücken mehrerer Tasten erfordern, können vereinfacht oder automatisiert werden. Auch Funktionen wie das Halten einer Taste statt wiederholten Tastendrückens tragen dazu bei, die körperliche Belastung zu reduzieren.
Durch die Unterstützung unterschiedlicher Eingabegeräte – von klassischen Controllern bis hin zu speziellen Assistenzlösungen – können immer mehr Menschen Spiele auf ihre individuelle Weise steuern.
Auch spielmechanisch gibt es mittlerweile zunehmend Hilfsoptionen. Sie ermöglichen es, Herausforderungen an die eigenen Fähigkeiten anzupassen, ohne dabei das Spielerlebnis grundsätzlich zu verändern.
Viele Spiele bieten heute umfangreiche Schwierigkeitsoptionen, die weit über einfache Einstellungen wie „leicht“, „mittel“ oder „schwer“ hinausgehen. Einzelne Elemente wie Gegnerstärke, Reaktionszeiten oder Schadenswerte können oft separat angepasst werden. Auch fummelige Minispiele (z.B das beliebte Schlösserknacken) oder Quicktime-Events lassen sich immer häufiger automatisieren.
Navigationshilfen erleichtern die Orientierung innerhalb komplexer Spielwelten. Wegmarkierungen, Zielanzeigen oder akustische Hinweise helfen dabei, den nächsten Schritt im Spiel leichter zu finden. Auch optionale Hilfestellungen bei Rätseln oder schwierigen Aufgaben können dazu beitragen, Frustration zu vermeiden. Ein weiteres Beispiel sind automatische Unterstützungsfunktionen wie Zielhilfen in Actionspielen oder vereinfachte Eingaben für komplexe Bewegungsabläufe. Solche Optionen ermöglichen es mehr Menschen, ein Spiel erfolgreich zu erleben, ohne dessen grundlegende Mechaniken zu verändern.
Wie Hardware-Technologien Barrieren abbauen
Barrierefreiheit im Gaming wird nicht allein durch gute Spielgestaltung erreicht. Erst durch die Kombination aus durchdachtem Design und unterstützender Technologie können viele Menschen überhaupt an digitalen Spielerlebnissen teilhaben. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Lösungen entstanden, die speziell darauf abzielen, körperliche, sensorische oder kognitive Einschränkungen auszugleichen. Einige davon haben die Art und Weise, wie Menschen mit Behinderungen spielen können, grundlegend verändert.
Adaptive Controller
Für Menschen mit motorischen Einschränkungen sind herkömmliche Controller oft nur schwer oder gar nicht nutzbar. Adaptive Controller bieten deshalb die Möglichkeit, Eingaben individuell an die körperlichen Fähigkeiten der Nutzerinnen und Nutzer anzupassen.
Ein bekanntes Beispiel ist der Xbox Adaptive Controller von Microsoft. Das Gerät verfügt über große programmierbare Tasten sowie zahlreiche Anschlüsse für externe Schalter, Joysticks, Pedale oder Taster. Dadurch können individuelle Steuerungslösungen geschaffen werden, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Person zugeschnitten sind.
Auch der Access Controller von Sony Interactive Entertainment verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Die Tastenanordnung kann angepasst werden, verschiedene Profile lassen sich speichern und mehrere Eingabegeräte können miteinander kombiniert werden.
Für die Nintendo Switch gibt es seit kurzem vom Dritthersteller Hori einen lizensierten Flex Controller. Dieser bietet eine ähnliche Funktionalität, ist aber noch nicht ins Betriebssystem integriert. Die Einrichtung des Controllers muss daher über PC erfolgen, weil die Konsole selbst den Hori Flex Controller nur als normalen USB-Controller erkennt.
Einen ganz anderen Ansatz geht der QuadStick, ein Controller der für die Nutzung mit dem Mund ausgelegt ist. Das Eingabegerät ist für Spieler*innen mit Tetraplegie gedacht, die schwerste Form der Querschnittslähmung. An dem Joystick ist ein Mundstück mit mehreren Öffnungen angebracht, die durch Pusten unterschiedliche Befehle ausführen. Zum QuadStick gibt es auch ein sehr gutes Video des YouTubers kleincrossi, der dabei auch die Profilerstellung und Nutzung des Controllers zeigt.
Eye-Tracking
Eye-Tracking-Systeme ermöglichen die Steuerung von Computern und Spielen allein durch Blickbewegungen. Kameras erfassen dabei die Augenbewegungen und übersetzen sie in Eingaben.
Ein weit verbreitetes System ist Tobii Eye Tracker 5 des Unternehmens Tobii. In unterstützten Spielen kann die Blickrichtung genutzt werden, um die Kamera zu steuern, Gegner anzuvisieren oder Menüs zu bedienen.
Besonders für Menschen mit starken motorischen Einschränkungen kann Eye-Tracking eine wichtige Alternative zu Maus und Controller sein. In Kombination mit weiterer Assistenzsoftware lassen sich sogar komplette Computersysteme nahezu ausschließlich über die Augen steuern.
Darüber hinaus wird Eye-Tracking zunehmend auch als Komfortfunktion eingesetzt. In Flugsimulatoren oder Rennspielen kann die Kamera automatisch dorthin schwenken, wohin die Spielerin oder der Spieler blickt, was die Immersion zusätzlich erhöht.
Sprachsteuerung & Bildschirmreader
Sprachsteuerung bietet die Möglichkeit, Funktionen über gesprochene Befehle auszulösen. Sie kann klassische Eingabemethoden ergänzen oder teilweise ersetzen.
Bekannte Beispiele sind die Sprachassistenten Amazon Alexa und Google Assistant, die sich teilweise mit Gaming-Systemen verbinden lassen. Darüber hinaus nutzen viele Spieler spezielle Sprachsteuerungsprogramme wie VoiceAttack.
VoiceAttack wird beispielsweise häufig in komplexen Weltraum- und Flugsimulationen eingesetzt. Anstatt zahlreiche Tastenkombinationen auswendig zu lernen, können Spieler Sprachbefehle wie „Fahrwerk ausfahren“ oder „Schilde aktivieren“ verwenden. Dies erleichtert nicht nur die Bedienung, sondern kann auch Menschen mit motorischen Einschränkungen den Zugang zu solchen Spielen ermöglichen.
In die andere Richtung gibt es auch Bildschirmreader. Dabei handelt es sich um Programme, die Bildschirminhalte vorlesen oder an eine Braillezeile ausgeben. Die Braillezeile ist ein Ausgabegerät, dass Inhalte tastbar in Blindenschrift ausgibt
Zu den bekanntesten Lösungen gehören NVDA (NonVisual Desktop Access), JAWS Screen Reader sowie bereits in Betriebssystemen integrierte Lösungen wie Microsoft Narrator oder Apple VoiceOver. Auch moderne Konsolen bieten zunehmend Vorlesefunktionen für Menüs und Systemeinstellungen. Einige Spiele gehen noch weiter und lassen Menüs, Inventare oder Dialogoptionen vollständig vorlesen.
Haptisches Feedback
Haptische Technologien vermitteln Informationen über Berührungen, Vibrationen oder Widerstände. Was ursprünglich vor allem für ein intensiveres Spielerlebnis entwickelt wurde, kann auch wichtige Accessibility-Funktionen übernehmen.
Ein besonders modernes Beispiel ist der DualSense Wireless Controller für die PlayStation 5. Seine adaptiven Trigger und das differenzierte Vibrationssystem können unterschiedliche Ereignisse im Spiel spürbar machen.
Für hörbeeinträchtigte Menschen kann dies zusätzliche Informationen liefern. Explosionen, Schüsse oder Warnsignale werden nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt. Einige Spiele nutzen unterschiedliche Vibrationsmuster, um verschiedene Ereignisse voneinander zu unterscheiden. Da es sich um den Standard-Controller der Konsole handelt, unterstützt die Konsole von Haus aus entsprechende Features.
Auch spezielle Vibrationswesten wie etwa von bHaptics erweitern dieses Konzept. Sie übertragen Spielereignisse direkt auf den Körper und schaffen so eine zusätzliche Informations- und Wahrnehmungsebene.
Künstliche Intelligenz für mehr Barrierefreiheit in Videospielen
Auch Künstliche Intelligenz (KI) verändert zunehmend die Art und Weise, wie Menschen digitale Inhalte nutzen und erleben. Dabei baut sie auch Hürden ab, um Videospiele für mehr Menschen zugänglich zu machen. Während viele klassische Accessibility-Funktionen auf fest definierten Einstellungen basieren, kann KI flexibel auf individuelle Bedürfnisse reagieren und Inhalte in Echtzeit anpassen. Hier bewegen wir uns aber noch in Gewässern der theoretischen Einsatzmöglichkeiten, die teilweise bestehende Lösungen erweitern können.
Eine der bekanntesten Anwendungen künstlicher Intelligenz ist die automatische Spracherkennung. Moderne KI-Systeme können gesprochene Sprache in Echtzeit in Text umwandeln und als Untertitel darstellen. Für gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen eröffnet dies neue Möglichkeiten der Kommunikation. Sprachchats in Multiplayer-Spielen können automatisch transkribiert werden, sodass gesprochene Anweisungen oder Gespräche direkt als Text sichtbar werden. Dies erleichtert die Zusammenarbeit in Teams und ermöglicht eine aktivere Teilnahme am Spielgeschehen.
Darüber hinaus können KI-Systeme verschiedene Sprecher erkennen, Satzzeichen ergänzen oder Hintergrundgeräusche herausfiltern, was die Lesbarkeit der erzeugten Texte verbessert.
Während Spracherkennung gesprochene Inhalte in Text umwandelt, funktioniert die Sprachsynthese in die entgegengesetzte Richtung. Texte werden automatisch vorgelesen und damit auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen oder Leseschwierigkeiten zugänglich gemacht. Moderne KI-Stimmen wirken deutlich natürlicher als frühere Vorlesesysteme. Menüs, Questbeschreibungen, Dialoge oder Chatnachrichten können vorgelesen werden, ohne dass eine zusätzliche Vertonung durch die Entwickler erforderlich ist.
Eine weitere wichtige Entwicklung ist die automatische Analyse von Bildschirminhalten durch KI. Moderne Systeme können Objekte, Personen, Symbole oder Ereignisse auf dem Bildschirm erkennen und beschreiben. Es gibt bereits Brillen, die blinden Menschen Informationen über ihre Umwelt geben. Ähnliche Technologie ließe sich auch für virtuelle Welten nutzen, um vor allem interaktive Objekte „sichtbar“ zu machen.
KI-Systeme können aber auch das Spielverhalten analysieren und darauf basierend individuelle Hilfestellungen anbieten. Erkennt das System beispielsweise, dass eine Person wiederholt an derselben Stelle scheitert, könnte es zusätzliche Hinweise einblenden, alternative Lösungswege vorschlagen oder bestimmte Accessibility-Funktionen empfehlen.
Influencer & Organisationen, die barrierefreies Gaming vorantreiben
Barrierefreiheit im Gaming entwickelt sich nicht allein durch technische Innovationen oder die Arbeit von Spieleentwicklern. Einen wichtigen Beitrag leisten auch Content Creator, Aktivisten, gemeinnützige Organisationen und Interessenverbände. Sie machen auf bestehende Probleme aufmerksam, testen neue Accessibility-Funktionen, beraten Entwicklerstudios und geben Betroffenen eine Stimme innerhalb der Gaming-Community.
Zu den bekanntesten Influencern gehört Steve Saylor. Der kanadische Content Creator Steve Saylor ist unter dem Namen „The Blind Gamer“ aktiv und analysiert Spiele vor allem auf Funktionen für Sehbehinderte. Saylor arbeitet auch direkt mit Studios zusammen, um Spiele zugänglicher zu machen. Nach eigenen Angaben hat er schon sowohl mit Indie-Studios als auch den großen AAA-Entwicklern zusammengearbeitet.
Beratung liefert aber auch die Plattform „Can I play that?“, die sich auf Accessibility-Reviews spezialisiert hat. In den Tests werden die Spiele vor allem auf die Zugänglichkeit für unterschiedliche Einschränkungen getestet. Auch AbleGamers gehören zu den weltweit bekanntesten Organisationen im Bereich Gaming-Barrierefreiheit. Die gemeinnützige Organisation unterstützt Menschen mit Behinderungen dabei, passende Hardware, Software und individuelle Eingabelösungen zu finden. Darüber hinaus berät AbleGamers Entwicklerstudios bei der Umsetzung von Accessibility-Funktionen und veröffentlicht Leitfäden für barrierefreie Spielentwicklung. Viele große Publisher arbeiten inzwischen mit der Organisation zusammen.
Eine der größten deutschen Initiativen ist „Gaming ohne Grenzen“. Die Initiative informiert über technische Hilfsmittel, barrierefreie Spiele und Möglichkeiten zur Teilhabe für Menschen mit Behinderungen. In Deutschland forschen aber auch Hochschulen wie die Technische Universität Berlin oder die TH Köln an barrierefreien Bedienkonzepten, inklusivem Game Design und alternativen Eingabemethoden.
Dürfen Spiele noch Barrieren haben?
Mit empathischen Gamedesign und Technik-Gadgets lassen sich die Barrieren in vielen Spielen stark reduzieren, ohne dass es den Spielspaß für andere reduziert. Sich bewusst mit möglichen Hindernissen auseinandersetzen, kann sogar das Spielerlebnis als ganzes verbessern.
Trotzdem gibt es natürlich auch Spiele, die sich weniger für Inklusion eignen als andere. Ultrakomplexe Strategie-Titel brauchen etwa ihre sehr zahlenlastigen Übersichtsbildschirme und ein knüppelhartes Jump & Run bietet weniger Raum für Komfortfeatures, wenn man das Level-Design bewusst knackig hält. Schließlich sollen Anpassungen für eine kleinere Gruppe auch nicht das Spielerlebnis einer größeren beeinträchtigen. Manche Indie-Spiele haben zudem einfach nicht die Ressourcen, gerade wenn man sich sowieso erst im Early Access befindet.
Das ist auch völlig okay. Fast jedes Genre bietet Spiele in unterschiedlicher Komplexität. Trotzdem ist es wünschenswert, zumindest ein Mindestmaß an Zugänglichkeit über entsprechende Optionen zu gewährleisten. Durch die zunehme Sichtbarkeit des Themas setzen zunehmend mehr Entwickler glücklicherweise bereits auf Accessiblity-Features.
Manchmal ist man sogar überrascht, welche Spiele dann doch ihre Barrieren gut reduzieren. So ist der Rollenspiel-Koloss Baldur’s Gate 3 prinzipiell mit vielfältigen Optionen für die Zugänglichkeit ausgestattet. Größter Stolperstein sind laut caniplaythat.com die Minimap und versteckte Bereiche, die etwa nur durch die Sprungmechanik des Spiels erreicht werden können.
Sogar der Überraschungs-Hit Clair Obscure: Expedition 33 ist überraschend inklusiv gestaltet. Das ist in so fern bemerkenswert, da es sich nicht nur um eine Indie-Produktion handelt, sondern auch für knackige Kämpfe, die auf Timing und Quick Time Events setzen bekannt ist. Auch der gefeierte Roguelite Dungeon Crawler Hades II zeigt, dass man trotz Genre-Anspruch eingeschränktere Spieler*innen nicht ausschließen muss. Überraschend ist sicherlich auch, dass der kompetitive Kult-Prügler Street Fighter 6 mittlerweile optionale Audio-Signale gibt, um Entfernung und Angriffstypen zu kommunizieren.
Fazit: Teilhabe ist im Gaming angekommen
Virtuelle Welten sind auch Eskapismus. Gerade darum sollten sie auch gerade für jene offen sein, die im Alltag schon oft genug mit Barrieren konfrontiert werden. Auch wenn es ein Extrembeispiel ist, empfehle ich an dieser Stelle auch die Dokumentation „Das fantastische Leben des Ibelin“.
Doch seit Mats Steen als Ibelin seine Spuren in Azeroth hinterließ sind mittlerweile über 10 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich in der Gaming-Branche einiges getan. Mehr noch als in der externen Hardware ist das Thema zunehmend auch bei Medien und Studios angekommen. Viele Spiele kommen daher bereits zu Release schon mit zahlreichen Accessiblity Features. Einige Spiele wie Forza Horizon 6 oder Outer Worlds 2 lassen uns sogar die eigenen Avatare mit Prothesen ausstatten.
Manche Studios haben natürlich trotzdem viel Luft nach oben. Das betrifft vor allem Videospiele aus Asien. Doch auch dort bewegt sich jedoch schon einiges. So gab es zuletzt auf der Tokyo Games Show einen Bereich mit barrierefreien Setups, um mehr Besuchern das Anspielen kommender Titel zu ermöglichen. Der für die Nintendo Switch lizensierte Hori Flex Controller macht laut Test auf Gaming ohne Grenzen sogar einiges besser als der etablierte Xbox Adaptive Controller – wenn da nicht die unintuitiven Menüs und fehlenden Übersetzungen wären.
Gaming ist eine der schönsten Nebenbeschäftigungen, die es gibt. Darum sollte jeder die Möglichkeit haben, die endlosen Geschichten unseres Hobbies mit zu schreiben. Denn darum geht es doch eigentlich: Alleine oder zusammen einfach eine schöne Zeit zu haben.
Image via ChatGPT (KI-generiert)
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