5 Wünsche für den Lokaljournalismus 2014

Noch immer wird Lokaljournalismus als das lästige Pflichtprogramm zum Einstieg in den Journalismus betrachtet. Dass das Lokale zu Beginn für viele Pflicht ist, ist gar nicht verkehrt. Aber Lokaljournalismus sollte keine brotlose Kunst sein, die halt gemacht werden muss. Lokaljournalismus kann mehr, kann gut und attraktiv sein, dafür gibt es genügend Beispiele – Lokalblogs nicht ausgenommen. Im Jahresrückblick 2014 möchte ich lesen: Journalisten wollen ins Lokale!

Experimentieren

Trotz aller finanzieller Schwierigkeiten gilt auch im Lokalen: Neues wagen. Niemand kann die richtige Lösung vorstellen, wie Lokaljournalismus erfolgreich auszusehen hat. Jeder Verlag, jede Redaktion muss vor Ort entscheiden, welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt werden sollten, welche Aufbereitungsart geeignet scheint. Um das herauszufinden, braucht es Experimentierfreude. Warum nicht mal weitestgehend auf Terminjournalismus verzichten und eigene Themen setzen? Warum nicht mehr mit Bildern und Videos arbeiten? Warum nicht einen überwältigen Hintergrundtext in der Woche präsentieren? Warum nicht mal alte Strukturen aufbrechen und experimentieren, bis man das gefunden hat, was die eigene Lokalzeitung ausmacht? Im Jahresrückblick 2014 möchte ich lesen: Kein Stillstand mehr – der Lokaljournalismus befindet sich in einer Selbstfindungsphase!

Vernetzen

Journalisten sind oft Einzelkämpfer. Journalismus ist bisher nur selten ein Mannschaftssport. Dabei können wir die Spielregeln ändern und uns zu Teamplayern machen. Damit ist nicht nur gemeint, zu zweit, zu dritt oder zu zehnt ein Lokalblog zu gründen, sondern sich mit Kollegen auszutauschen, voneinander zu profitieren und gemeinsam aktiv zu werden (hyperlokale Huffington Post?). Lokalblogger.de war nicht als Netzwerk gedacht, obwohl es von einigen inzwischen so verstanden wird. Lokalblogger.de soll in erster Linie ein Blog sein, das sich mit Lokalblogs und Lokaljournalismus auseinandersetzt und Austauschmöglichkeiten bietet (zum Beispiel durch das Forum oder eine Lokalblogger-Veranstaltung). Anders istlokal. Das Unternehmen von Hardy Prothmann und Peter Postosz professionalisiert sich zunehmend und bietet Lokalbloggern neben einer (ab Januar kostenpflichtigen) Austauschplattform auch einen konkreten Service (istlokal OS). Obwohl ich aus diesem Netzwerk ausgeschlossen wurde, wünsche ich istlokal alles Gute für 2014, weil solche und ähnliche Initiativen richtig und wichtig sind. Im Jahresrückblick 2014 möchte ich lesen: Lokalblogger krempeln den Lokaljournalismus gemeinsam um!

Verdienen

Journalisten machen ihren Job gerne, sind zufrieden damit. Aber was bringt Menschen ein toller Job, wenn man sich davon nicht ernähren kann? Die Zeilenhonorare im Lokalen sind gespentisch, nicht länger tragbar. 2014 muss das Jahr sein, in dem an der Wirtschaftlichkeit des Lokaljournalismus gearbeitet wird: Lokaljournalismus-Stiftungen, Recherchestipendien fürs Lokale, Bezahlmodelle fern von Paywalls, Hinterfragen des Business-Plans von Lokalzeitungen. Mit (Lokal)Journalismus muss man Geld verdienen können – und wenn das vereinzelt nicht möglich ist, dass muss man sich Gedanken über sein Produkt machen. Das gilt auch für Lokalblogs, die sich langfristig finanziell lohnen müssen. Wir müssen uns überlegen, wie Lokalblogs Geld verdienen können und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Im Jahresrückblick 2014 möchte ich lesen: Immer mehr lokaljournalistische Angebote wirtschaften erfolgreich!

Open Journalism

Open Journalismus – eines der journalistischen Schlagworte 2013. Dieser Begriff hat den Begriff “Bürgerjournalisten” verschluckt. In vielen Diskussionen taucht der Bürgerjournalismus kaum mehr auf, ist gar in Verruf geraten. Offener Journalismus hingegen wird immer mehr gefordert. Im Lokalen beziehungsweise im Hyperlokalen sind die Journalisten so nah an den Menschen dran wie sonst nirgends. Das eröffnet Chancen in Sachen open journalism, die bisher kaum genutzt werden. Bürgerjournalisten dürfen kein Ersatz für professionelle Journalisten sein, aber eine sinnvolle Ergänzung. Rechercheprozesse offen zu legen kann manchmal sinnvoll sein, manchmal überflüssig. Lokalredaktionen könnten ihre Türen öffnen, lokaler Veranstalter sein, Themen-Stammtische organisieren. Es gibt wahrscheinlich Möglichkeiten, an die wir gerade noch gar nicht denken. Im nächsten Jahr sollte der Zeitpunkt kommen, an dem offener Journalismus im Lokalen stärker denn je erprobt wird. Im Jahresrückblick 2014 möchte ich lesen: Lokalredaktionen und Bürger verschmelzen zu einer lokalen Gemeinschaft!

tl;dr

Im Jahresrückblick 2014 möchte ich lesen: Journalisten wollen ins Lokale! Kein Stillstand mehr: der Lokaljournalismus befindet sich in einer Selbstfindungsphase! Lokalblogger krempeln den Lokaljournalismus gemeinsam um! Immer mehr lokaljournalistische Angebote wirtschaften erfolgreich! Lokalredaktionen und Bürger verschmelzen zu einer lokalen Gemeinschaft!


Dieser Artikel erschien zuerst auf Lokalblogger.de.



Image (adapted) “Countryside“ by Moyan_Brenn (CC BY 2.0)


Julian Heck

ist freier Journalist, Dozent und Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt. Er schreibt über die Themen Medien, Technik und digitale Wirtschaft. Zu seinen Auftraggebern gehören unter anderem etailment.de, LEAD digital, Mobilbranche, das Medium Magazin, MobileGeeks.de und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Vom Medium Magazin wurde der Südhesse 2013 unter die "Top 30 bis 30" Nachwuchsjournalisten gewählt. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , ,

1 comment

  1. Zum Thema „Verdienen“ wird aus meiner Sicht zu stark auf die Erhöhung der Einnahmen Seite geschaut. Mehr Potenzial sehe ich noch in der konsequenten Reduzierung der Kostenseite durch Ausschalten von Zwischenverkäufern im Anzeigenmarkt sowie Reduzierung des personellen Overhead. Der lokale Blog muss möglichst aufwandsarm werden, um sich lohnen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.