Von Schein-Einigungen und Smartphones ohne austauschbarem Akku

Es ist noch gar nicht allzu lange her, da beschlossen 14 Smartphone-Hersteller – darunter Apple, RIM, Nokia und Samsung – es sei an der Zeit, eine Netzteil-Norm einzuführen.

Diese Schein-Einigung, die die Hersteller in erster Linie vor einem Gesetz bewahren sollte, besagt, dass alle Smartphones per Micro-USB geladen werden können. Das Ziel: Weniger Elektroschrott und Kabelsalat, mehr Effizienz der einzelnen Zubehörteile. Wirklich glaubhaft macht sich die Elektronikbranche nicht, schaut man sich nur einmal den erst kürzlich von Apple vorgestellten „Lightning“-Connector an, der weder auf die Produkte der Konkurrenz passt, noch auf die eigenen Produkte früherer Generationen.

Neue Diskussionen um Akku-Verbot

Nun gibt es erneut Schlagzeilen. Diesmal geh es um ein Verbot von Tablets und Smartphones, deren Akkus nicht austauschbar sind (bspw.: iPhone, iPad, Samsungs Galaxy Tab). Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, brachte diese Diskussion mit seinen Äußerungen auf dem europäischen und das nationalen Ressourceneffizienz-Forum in Berlin ins Rollen, wie die „Frankfurter Rundschau“ festgestellt hat.

Und auch wenn „Golem“ bezweifelt, dass den Worten Flasbarths auch tatsächlich Taten folgen werden, wäre ein solches Verbot mehr als sinnvoll. Wer kennt schließlich nicht diesen Moment, an dem man sich ernsthaft Gedanken darüber macht, ob das Handyakku für den alltäglichen Kommunikationswahnsinn noch ausreicht? Spätestens nach ein paar hundert Ladevorgängen geht die Leistung bereits zurück und die Handys müssen erneuert oder – gerade bei Apple-Produkten sehr aufwendig – aufgeschraubt und repariert werden.

Platzeffizienz ist kein Argument

Das ist nicht nur ärgerlich für uns Nutzer, sondern auch für die Umwelt. Anstatt einfach nur den Akku auszutauschen, werden die Handys meist direkt komplett ersetzt, da die Kosten des Austausches die des Restwertes in der Regel übersteigen. Das größte Argument der Smartphone-Hersteller ist hier das des Platzsparens. Mit austauschenbaren Akkus würde die Platzeffizienz sinken, heißt es dann. Dieses Argument weiß die „Frankfurter Rundschau“ allerdings zu entkräftigen und hat zwei Beispiele für Tablets mit austauschbarem Akku gefunden: „Bei Toshiba-Tablets […] kann der Akku, nach Abschrauben der Rückwand, problemlos entfernt werden. Diese Möglichkeit ist zwar ganz offenbar nicht im Sinne des Erfinders, da Toshiba weder auf den Ausbau hinweist, noch Ersatz-Akkus bewirbt. Es zeigt aber, wie wenig triftig die Argumente der Hersteller sind. Deutlicher noch wird dies bei einem Business-Tablet von Dell: Es verfügt – ganz offiziell – über einen austauschbaren Akku“.

Also bitte, liebe Hersteller von Kleinelektronik: Netzteil-Norm + austauschbare Akkus = zufriedene Kunden und glückliche Umwelt.


 


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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