Das mobile Internet ist eine hoffnungslose Katastrophe

Smartphones befinden sich auf dem Vormarsch, doch das mobile Internet kann mit dem Tempo einfach nicht mithalten. Eine Entwicklung die durchaus beunruhigend ist. Smartphones und Tablets generieren immer mehr Traffic auf Websites, doch das Erlebnis mit Mobile-Browsern ist gelinde gesagt eine Zumutung. Das User Experience ist furchtbar, die Performance unterirdisch und die Darstellung vieler Websites bestenfalls als unbrauchbar zu bezeichnen. Aus dem Grund wurden Apps für die Mobile-Plattformen immer beliebter und dass Apple und Facebook nun auf eigene Nachrichtenformate setzen belegt, dass das mobile Internet eine Zumutung ist. Das schlimmste an der Situation: Es ist keine Besserung in Sicht.


Warum ist das wichtig? Trotz steigender Rechenleistung der heutigen Smartphones, steigt auch der Frust bei der Benutzung des Internets auf diesen Geräten und führt zu mehreren Versuchen, diese Situation zu umgehen, statt sie zu lösen.

  • Webbrowser auf Smartphones sind durch die Bank langsam, buggy und was die Benutzerführung angeht ein Totalausfall.

  • Dieser Umstand hat erst den Bedarf an Smartphone-Apps geweckt, da die Mobile-Browser mit komplexeren Web-Apps überfordert sind.

  • Facebook und Apple versuchen zudem das mobile Web zu umgehen, indem sie Publishing-Plattformen in den eigenen geschlossenen Ökosystemen schaffen.


Mobile Revolution?

Auf Desktop-Rechnern kann man jeden Browser nehmen, den man möchte – Chrome, Safari, Firefox Opera und sogar der aktuelle Internet Explorer, stellen auf älteren Rechnern alle Websites nicht nur schnell und problemfrei dar, sondern bieten ein rundum angenehmes Nutzererlebnis. Schaut man sich nun die mobile Varianten dieser Browser an, wird einem ganz anders. Websites bauen sich mit der Geschwindigkeit einer Wanderdüne auf und die Benutzerführung wäre ein guter Witz, wenn sie nicht so traurig, weil eben ernst gemeint, wäre. Wie kann es sein, dass mehrere Jahre nachdem die Smartphones ihren Siegeszug begonnen haben, das mobile Internet immer noch in einem derart desaströsen Zustand steckt?

Ihr glaubt, ich übertreibe und der Zustand ist gar nicht so schlimm? Wie kommt es dann, dass Tech-Firmen Medienunternehmen ihre Inhalte auf alternativen Plattformen veröffentlichen lassen? Facebook versucht mit den eigens gehosteten Instant Articles, einfach nur die Einschränkung zu umgehen, dass Apple niemandem gestattet, eine eigene Browser-Engine für iOS zu bauen. Das Unternehmen gab als eine der Hauptmotivationen für die Instant Articles an, die durchschnittlichen acht Sekunden, die es dauert eine Website auf einem Mobile-Device aufzubauen, zu verringern. Richtiggehend verrückt wird die Angelegenheit aber erst, wenn Apple mit Apple News versucht, den eigenen Safari-Browser zu umgehen. Doch das Problem liegt nicht nur bei Apple, blickt man auf Android, sieht es nicht besser aus. Zwar gibt es für Googles Mobile-OS mehrere Browser neben Chrome zur Auswahl, doch letztendlich geben sich diese alle nicht viel.

Nun können wir natürlich mit dem Finger auf die Hersteller zeigen und ihnen die Schuld zuschieben, dass sie schnellere, benutzerfreundlichere und überhaupt bessere Browser für die Mobile-Plattformen bauen müssen, doch ganz so einseitig funktioniert das dann wie so oft auch wieder nicht. Auf der anderen Seite stehen nämlich die Webdesigner, die oftmals unheimlich aufgeblähte und vollgestopfte kommerzielle Websites erschaffen, die sich nur sehr behäbig auf den kleinen Mobile-Geräten bewegen können. Doch wenn wir die Sache mal nüchtern betrachten, besitzen aktuelle High-End-Smartphones die Rechenleistung von Laptops von vor 5-6 Jahren, die allerdings im Gegensatz zu den Taschencomputern, kein Problem damit haben, auf aktuellen Browsern Websites schnell und flüssig darzustellen.

Apps als Rettung?

Facebook Instant Articles und Apple News sind problematisch, da sie die Open Web Revolution aushebeln. Es handelt sich bei beiden Lösungen um proprietäre und inkompatible Publishing-Systeme, die beide vollständig von großen Firmen kontrolliert werden, die weder Publishing noch die Medien besonders gut verstehen. Damit bauen die beiden Unternehmen jeweils einen Ersatz für das Web und damit für HTML und CSS und alle anderen Innovationen der letzten 20 Jahre. Wie lassen sich Websites wie Snowfall oder das Daft Punk-Cover Story auf Pitchfork mit den Tools von Apple oder Facebook umsetzen? Wie kann man Breaking News schnell veröffentlichen und aktualisieren, wenn diese in mehreren abgeschlossenen Ökosystemen liegen? Die Idee des Internets war es doch, dass Veröffentlichen von Texten zu demokratisieren und zu vereinfachen. Sind wir denn wirklich bereit diese durchaus erfolgreiche Entwicklung der letzten Jahrzehnte nun wieder zunichte zu machen?

Viele Website-Betreiber haben mit anderen Methoden versucht, das miserable Mobile-Web zu umgehen: mit Apps. Wären mobile Browser nicht auf allen Ebenen so fürchterlich, gäbe es fast keinen Bedarf an Apps für Android oder iOS – es gibt mehr als genügend Beispiele für hervorragende Web-Apps, die die Verbreitung von dedizierten Anwendungen auf Desktop-Betriebssystemen immer weiter schrumpfen lassen. Betriebssysteme wie das Browser-basierte Chrome-OS sind wohl der deutlichste Beweis, wie potent Web-Apps inzwischen sein können – nur eben nicht auf dem Smartphone. Websitebetreiber können alles Mögliche unternehmen um die Ladezeiten für die Websites zu reduzieren, aber die Performance von Safari Mobile können sie nicht verbessern, da Apple dies nicht zulässt. Safari läuft ohnehin immer mehr Gefahr, zum neuen Internet Explorer zu verkommen. Und genau diese Stagnation führt dazu, dass Apple und Facebook sich bemühen in ihren abgeriegelten Ökosystemen ein Ersatz-Web zu schaffen, statt die Entwicklung der Mobile-Browser voranzutreiben.


Teaser & Image „Opera Mini 5 Beta“ (adapted) by Johan Larsson (CC BY 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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