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MediaCon 2015: Storytelling fürs TV à la James Joyce

Auf der MediaCon 2015 in Dublin wurde diskutiert, wie sich TV durch das Internet verändert und wohin die Reise gehen kann. // von Rainer Kiebat

Podium auf der MediaCon 2015 (Image: Rainer Kiebat/Netzpiloten)

250 Delegierte fanden sich in dieser Woche zu Irlands erstem TV und Tech Summit MediaCon in Dublin ein. Das Event ist das “Baby” von Lesley O’Connor, die lange beim erfolgreichen Dubliner Web Summit involviert war: “Wir zeigen, wie neue digitale Plattformen die TV-Industrie verändern und helfen Produzenten, neue Wege des Fundings für ihre Formate zu finden.

Stephen McCormack ist einer der Gründer von MediaCon. Er macht deutlich, wie Online und Mobile das TV-Geschäft revolutionieren. “Die Zielgruppe unter 40 hat ein ganz anderes TV-Verhalten. Statt eine Episode pro Woche zu sehen, wollen sie 4 bis 5 am Stück oder gleich die ganze Serie verschlingen – und zwar wann und wo es gerade passt.

Als eine Antwort auf das “Warum so einen Event in Dublin stattfinden lassen?” hatte McCormacks Mitstreiterin Lesley O’Connor ja bereits die positiven Erfahrungen mit dem Web Summit angeführt. Eine weitere Antwort fand die Dubliner Oberbürgermeisterin Criona Ni Dhálaigh. In ihrer Eröffnungsrede sprach sie eine auf Dublins Straßen häufig angewandte Begrüßung an. “What’s the story?” kriegt man hier oft zu hören. Dubliner waren schon immer Geschichtenerzähler und nicht von ungefähr hat die Stadt schon mehrere Nobelpreisträger für Literatur hervorgebracht. Digitale Technologien gepaart mit globaler Reichweite von TV und Film haben die Macht einer guten Geschichte deutlich erhöht. Warum sollte der nächste YouTube-Star, auf den eine Fernsehserie zugeschnitten wird, also nicht aus der Stadt von James Joyce kommen?

Anne-Marie Tomchack von BBC Trending sprach davon, dass es niemals eine aufregendere Zeit für Journalisten gegeben habe und stellte den digitalen Werkzeugkasten der BBC vor, der von Periscope bis Facebook reicht.

Im Facebook-Chat beantwortete Anne-Marie Tomchak sowohl Fragen aus dem Saal als auch von Followern ihrer Seite. Eine Frage war, ob man sich nicht via Social Media die Konkurrenz ins Haus hole. Ein guter Punkt laut Tomchak, denn so mancher YouTuber hat mittlerweile sein Team um sich und agiert wie seine eigene Fernsehstation. “Wir können aber alle voneinander lernen.

Livestreaming mit Periscope ist ein weiteres nützliches Werkzeug, das von der BBC zum Beispiel genutzt wurde, als in den USA Michael Brown erschossen worden war. Es kann aber für eine Journalistin auch bedeuten, dass Trolle angelockt werden.

In einer Podiumsdiskussion mit dem Titel “Digital Video killed the TV-Star” wurde die Frage diskutiert, ob soziale Medien das Fernsehen für immer überflüssig machen werden. Man war sich hier einig, dass man sich zwar in einer Art Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer befinde, dass andererseits aber auch soziale Medien einen Weg und somit eine Chance bedeuten, die Nutzer zu sich herein zu holen. Alle Teilnehmer beobachten, wie Zuschauerzahlen bei klassischem TV runtergehen, während gleichzeitig Interaktionen auf sozialen Medien rasant ansteigen. Herausforderung wie Lösung sei hier das Schaffen von interessanten Inhalten, über die in sozialen Medien gesprochen wird. Nur so können auf Dauer diese Nutzer eingebunden werden. Zurück an den Anfang also – zurück zu interessanten Geschichten.

Paul Quigley von NewsWhip sprach davon, wie er und seine Kollegen Kunden wie USA Today Daten über Trends bei sozialen Medien liefern. Zwei Dinge seien wichtig – “Werdet gut verbreitet” und “Lasst über Euch reden”. Quigley erzählte in Sachen Verbreitung davon, dass er sich bei der SXSW auf einer Bühne mit gleich vier berühmten “Mommy-Bloggern” wiedergefunden habe. Es sei deutlich geworden, dass solche Blogs weitaus besser für die Verbreitung von Inhalten zur Familie seien, als so manches traditionelles Medium. Am Bespiel von Game of Thrones wiederum machte Paul Quigley, der den Netzpiloten demnächst ein Blick hinter die Kulissen von NewsWhip ermöglichen wird deutlich, wie Nutzerdaten zeigen, wie eine Serie auch zwischen Staffeln von sich Reden machen kann – mit einem Quiz zum Beispiel:


Im Podcast “Content Convergence” spricht Moderator Steve Rubel mit NewsWhip-CEO Paul Quigley:


Daniel Ravner von Practical Innovation sprach davon, dass Digital zwar cool und innovativ sei, stellte aber auch die Frage “But where is the money?”. Es seien bessere Kosten-Strukturen notwendig. Warum etwas teuer bauen, wenn mir als TV-Sender doch Instagram zur Verfügung steht? “Poste doch einfach für Deine Kochsendung Bilder von leckeren Gerichten!” Das Gerede von Strategie allein sei nicht ausreichend und digital um jeden Preis könne eher zu finanziellen Verlusten führen. Aber was sei mit einer detaillierten digitalen Strategie? Die Antwort von Daniel Ravner: “There is the money!

In weiteren Podiumsdiskussionen waren sich Repräsentanten von TV-Sendern wie BBC, ITV, RTE und Channel 5 Produzenten sowie die Vertreter neuer Medien einig, dass das “alte” TV unter Druck steht. Sowohl von Seiten des “neuen” TV wie Netflix oder Amazon Prime, aber auch durch soziale Medien. Solange sich aber das traditionelle Fernsehen als lernfähig erweist und es schafft, Nutzer sozialer Medien einzubinden, wird die Zukunft ein Zusammenwachsen von “Alt” und “Neu” zeigen. Und solange wie eine interessante Geschichte erzählt wird, kommt es auf das Medium eh nicht so sehr an. Dem hat in der Stadt der Geschichtenerzähler niemand widersprochen.


Image by Rainer Kiebat/Netzpiloten


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Rainer Kiebat

Rainer Kiebat

arbeitet als freier Journalist in der irischen Hauptstadt Dublin. Nach einem Rundflug über multinationale Unternehmen wie AOL und Google landete er 2013 wieder bei der “alten Liebe” Journalismus und berichtet seitdem für deutsche Medien wie die “Rheinische Post” und “Spiegel Online” aus Irland und Nordirland. Irische Medien wie die “Sunday Business Post”, der “Irish Independent”, sowie die “Sunday Times” & “The Times” (Irish Editions) gehören ebenfalls zu seinem Portfolio. Für die Netzpiloten wird Rainer von den Dubliner “Silicon Docks” - wo Google, Facebook, Twitter und zahlreiche Tech-StartUps sitzen – und aus anderen Tech-Clustern wie Cork, Galway oder Limerick berichten. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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