Image "Sugar" by Juha Van Ingen

ITAF 2015: Teletext als Kunstform

Morgen startet das vierwöchige International Teletext Art Festival 2015 (ITAF) und präsentiert Kunst auf Teletext-Seiten.

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Es scheint ein im digitalen Zeitalter fast vergessenes Medium zu sein, doch auch fast 40 Jahre nach der Entwicklung des „television information retrieval service“ durch den Philips-Designer John Adams, kann der Teletext immer noch ein Millionenpublikum vorweisen. Seit 2012 gibt es mit dem International Teletext Art Festival 2015 (ITAF) auch eine Veranstaltung, die Künstler präsentiert und die mit den 24 Zeilen und 40 Spalten mehr anstellen kann, als nur den Wetterbericht und Sportergebnisse darzustellen.

Das Motto des diesjährigen Kunstfestivals, „Stay Home!“ („Bleib zuhause!“), mag für die Kulturszene im Allgemeinen verwirrend sein, doch die Teletext-Kunst kann natürlich am besten mit einem Fernseher betrachtet werden. Nichts liegt deshalb näher, als zuhause zu bleiben und sich die Kunstwerke in den eigenen vier Wänden anzuschauen. In den letzten drei Jahren haben bereits mehr als zwei Millionen Zuschauer das ITAF „besucht“, das in diesem Jahr im Teletext der ARD, des ORF, des SFR und dem deutschsprachigen Teil von Arte zu sehen sein wird.

Teletext ist zeitlos

Teletext als Kunstform geht auf ein Brainstorming des Künstlerkollektivs FixC aus Helsinki zurück. Im Telefoninterview mit uns Netzpiloten erklärt Juha van Ingen, FixC-Mitglied und Kurator des ITAF, dass ihnen die Idee im Jahr 2011 kam, als sie „nach neuen Formen der Darstellung von Animationen“ suchten. Was als ein witzig gemeinter Vorschlag begann, faszinierte die finnischen Künstler schon nach kurzer Zeit. Das nötige Wissen über den Teletext holten sie sich bei einem finnischen Fernsehsender, dem die Idee ebenfalls gefiel und der FixC unterstützte.

Technisch ist der Teletext ein genau so interessantes wie offensichtlich auch künstlerisches Medium. „Ein aus Pixel bestehendes Bild kann in jeder Auflösung skaliert werden”, erklärt van Ingen. „An sich ist das Bild also in einer höheren Auflösung als es HD ist.“ Der eigentliche Reiz ist aber die gefühlte Zeitlosigkeit der Kunst. Diese baut auf einer Technik auf, die sich seit Jahrzehnten nicht verändert und keinen Innovationsdruck spürt, es demnächst zu tun. „Auch wenn wir das Internet haben, schauen sich Millionen Menschen immer noch den Teletext an. Dafür muss es einen Grund geben.”, argumentiert van Ingen im Gespräch mit uns Netzpiloten.

15 Künstler nehmen am Teletext Art Prize teil

Insgesamt 15 internationale Künstler und Künstlergruppen nehmen am diesjährigen Wettbewerb teil, der durch eine Jury mit dem Teletext Art Prize 2015 ausgezeichnet wird. Das Publikum erhält zudem die Möglichkeit, für sein favorisiertes Kunstwerk zu stimmen.

Was gezeigt wird, unterliegt strengen Bedingungen: als Teletext-Kunst gilt nur ein Werk, dessen sämtliche Grafiken auf Pixel basieren, die technischen Grenzen eine Seite von 24 Zeilen und 40 Spalten einhält und neben weiß und schwarz nur aus insgesamt sechs Farben besteht. Des Weiteren müssen für die Erstellung von Teletext-Seiten besondere Eingabeeditoren und Dateiformate verwendet werden.

Wer keinen Fernseher besitzt oder den Teletext der ARD nicht online aufrufen möchte, kann sich die Kunstwerke auch auf dem Ars Electronica Festival in Linz anschauen, wo sie vom 3.-7. September präsentiert werden.

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Teaser & Image by Juha van Ingen


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Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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