Interview Stephanie Greenstreet

Stephanie Greenstreet ist professionelle Bespaßerin: Sie arbeitet als Feelgood Managerin beim Wissenschaftsportal ResearchGate. Wir haben mit ihr über gute Laune, Feelgood Akademien und das Kuchenbacken im Job gesprochen.

Marinela Potor: Als du 2012 zur Feelgood Managerin ernannt wurdest, gab es diese Stellenbeschreibung in Deutschland noch gar nicht. Wie ist es bei dir zu diesem Job gekommen?

Stephanie Greenstreet: Ich bin 2010 zu ResearchGate als Praktikantin gekommen. Damals war das Unternehmen noch sehr klein, wir waren nur eine Handvoll Mitarbeiter. Nach einigen Monaten wurde ich dann fest übernommen. Ich habe mich eigentlich direkt von Anfang an darum bemüht, ein positives Umfeld zu schaffen und neuen Mitarbeitern zu helfen.

Meine Eltern sind oft umgezogen und so weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man die Neue ist. Deshalb wollte ich, dass neue Mitarbeiter den besten ersten Tag ihres Lebens bei ResearchGate haben. Es ging mir auch darum, dass alle wussten, wie sehr sie willkommen waren und geschätzt wurden. Ich habe in den ersten Monaten zu jedem Geburtstag Kuchen gebacken, wir sind fast jeden Tag alle zusammen zum Mittagessen zu einem italienischen Restaurant um die Ecke gegangen und wir haben immer nach der Arbeit noch etwas gemeinsam unternommen. Nach ungefähr zwei Jahren hat mich unser Geschäftsführer Ijad Madisch dann gefragt, ob ich all meine Wohlfühl-Taktiken nicht zu einer vollen Stelle umwandeln wollte. Ich war begeistert und ganz aufgeregt über meine neue Aufgabe – und habe diesen Wechsel nie bereut.

Was genau sind deine Aufgaben als Feelgood Managerin?

Ich helfe neuen Kollegen dabei, sich einzugewöhnen und organisiere verschiedene kleinere und größere Teamevents, wie beispielsweise unsere Yogaklasse, unsere Weihnachtspartys, Stammtische oder Unternehmensmarathons, in denen wir alle laufen gehen. Kurz gesagt, ich arbeite mit unserem Geschäftsführer Ijad Madisch daran, eine positive Unternehmenskultur zu schaffen.

Beschreibe einen typischen Arbeitstag!

Morgens bin ich oft bei unserer Yogastunde dabei, weil es einfach ein großartiger Weg ist, um in den Tag zu starten. Danach gratuliere ich vielleicht einem Kollegen zur Geburt seines Babys und gebe ihm einen ResearchGate Strampelanzug mit einer Glückwunschkarte von allen Mitarbeitern. Danach arbeite ich einige Stunden an einem Projekt und stehe den ganzen Tag für Fragen von Mitarbeitern zur Verfügung. Die Mittagspause verbringe ich gemeinsam mit Kollegen in unserem Hof und danach mache ich oft einen kleinen Spaziergang und gönne mir ein Eis. Nachmittags spreche ich dann mit unserem Geschäftsführer über neue Ideen und später sitze ich dann vielleicht in einer Product-Insight-Sitzung, in der ein neues Produkt vorgestellt wird. Nach der Arbeit trinke ich mit Kollegen ein Bierchen oder wir gehen zusammen zu einem Kochkurs oder einem improvisierten Workshop eines Kollegen.

Was sind denn die Dinge, die die Mitarbeiter bei ResearchGate glücklich machen?

Jeder hier weiß, dass unsere Arbeit die Wissenschaft jeden Tag ein Stückchen besser macht. Das ist unglaublich motivierend. Dann haben wir auch noch viele kleine Annehmlichkeiten, die uns glücklich machen wie ein Gratis-Mittagessen, frisches Bioobst und -gemüse sowie viele Snacks. Dann haben wir auch noch zahlreiche Spiele bei uns im Büro wie Tischtennis, Billard, eine Wii Konsole, ein Dartspiel und viele Mitarbeiter haben einfach Spaß damit. Sie spielen in der Mittagspause oder einfach mal nachmittags als kurze Unterbrechung. Dann haben wir auch noch Entspannungsräume, in denen Mitarbeiter sich einfach mal hinlegen können, um sich zu erholen.

Bei euch geht es also vor allem darum, den Mitarbeitern das Arbeitsumfeld so angenehm wie möglich zu gestalten. Inwiefern glaubst du denn, dass es dem Unternehmen hilft, wenn jemand wie du als Feelgood Managerin tatsächlich hauptberuflich für das Wohlfühlen verantwortlich ist?

Ich glaube ganz fest, dass all die Dinge, die ich organisiere dazu beitragen, dass sich alle im Team besser kennen lernen – auch außerhalb der Arbeit. Viele sind Freunde geworden. Diese guten Beziehungen machen auch das Arbeiten bei uns angenehmer.

Was hast du schon alles unternommen, damit sich deine Kollegen glücklicher bei der Arbeit fühlen?

Da gab es schon so einiges. Ich habe zum Beispiel Kollegen vom Flughafen abgeholt oder ihnen dabei geholfen, eine Wohnung in Berlin zu finden, ich habe SEHR viele Geburtstagskuchen gebacken, einen Firmenurlaub für uns alle organisiert, Mitarbeitern in stressigen Situationen geholfen und auch bei bürokratischen Angelegenheiten ausgeholfen … um nur einiges zu nennen. Die Liste geht endlos weiter.

Was ist für dich der Teil deiner Arbeit, der dir am meisten Spaß macht?

Als ich klein war, wollte ich immer so viele Dinge ausprobieren, von Klettern über Schnorcheln bis hin zum Bratsche spielen. Meine Mutter hat immer gesagt, dass die Zeit für mich einfach nicht ausreichen würde, um all das zu tun. Das Tolle an meiner Arbeit ist: Ich kann jetzt all diese Sachen ausprobieren – noch dazu mit meinen tollen Kollegen.

Was ist das Schwierigste an deiner Arbeit?

Das Feelgood Management ist ein relativ neues Feld, vor allem in Deutschland. Ohne Vorbilder war es also eine große Herausforderung (aber auch ein großer Spaß), herauszufinden welche Projekte die besten Ergebnisse brachten und dann meine Zeit darauf zu fokussieren.

Feelgood Management wird aber auch in Deutschland immer beliebter. Es gibt mittlerweile auch Akademien, die Wohlfühl-Manager ausbilden. Ist das wirklich notwendig?

Ich bin mir nicht sicher, ob es notwendig ist, Feelgood Management zu erlernen. Bei mir war es so, dass ich alles durch die Praxis gelernt habe und dann einfach das gemacht habe, was für unser Unternehmen richtig war. Es könnte aber interessant sein, zu lernen was und wie andere das Ganze angehen.

Gibt es bei euch im Unternehmen eigentlich jemanden, der sich um dein Wohlbefinden kümmert?

Ich weiß, es klingt kitschig, aber das ganze Team macht mich jeden Tag wirklich glücklich. Wir haben einfach so eine tolle, freundliche Atmosphäre – das reicht für mein Wohlbefinden.


Image by Stephanie Greenstreet


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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