Interview: CemB befragt sich selbst zu Twitter

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Cemb, Cem Basman, twittert seit Januar 2008, Bio: Blogger & Founder, Location: Hamburg, Germany, Web: Sprechblase, Stats: Following 298, Followers 461, Updates 1,710. Cem Basman hat kürzlich eine kleine aber feine Interview-Serie mit acht Twitterern gemacht. Die Links zu den Interviews gibt es am Ende dieses Postings!. Doch wie twittert Cem Basman selbst? Ganz in der Tradition des reflexiven Moments der Blogger- und Twittersphäre haben die Blogpiloten Cem gebeten, sich selbst zu interviewen. Hier seine Antworten auf seine eigenen Fragen:

CemB: Was ist eigentlich der Spass an Twitter für dich?

CemB: Twitter ist für mich ein Phänomen. Ich selber war zunächst ziemlich skeptisch bis ablehnend dem gegenüber. Mittlerweile bin ich seit einigen Wochen ein recht begeisterter Twitterer und habe meinen täglichen Spass dabei. Twitter ist für mich ein spontanes und einfaches Medium, um mit meiner Online-Gang ständig auf Tuchfühlung zu bleiben. Die Tweets sind die kurzen internen Signale und Feedbacks des Schwarms, um sich über Aktivitäten, Aufenthaltsorte, Befindlichkeiten, Nahrungsquellen und Gefahren auszutauschen… Dafür sind 140 Zeichen mehr als ausreichend.

CemB: Worüber twitterst du? Was twitterst du? Zu welchen Zeiten twitterst du?

CemB: Das was mir spontan einfällt, wenn ich am Rechner sitze. Da mittlerweile ich den grössten Teil meiner Arbeit digital erledige, gibt es keine besonderen Zeiten. Es fällt aber schon auf, dass frühmorgens und spätabends Spitzenzeiten sind. Die morgendlichen Begrüssungsrituale sind ein nicht unwesentlicher Teil der Tradition geworden. Ich nutze gerne gelegentlich Tweets auch dazu, mir die Meinung der Schwarmintelligenz zu holen. Dazu verweise ich auf einen Link, wo die eigentliche Frage steht. Das klappt sehr schnell und zuverlässig. Die Ergebnisse sind recht brauchbar dabei.

CemB: Hat Twitter deine Kommunikationsgewohnheiten verändert? Dein Leben bereichert?

CemB: Ja. Der Zusammenhalt im twitternden Teil meines digitalen „sozialen Netzwerks“ ist intensiver geworden, sehr viel schneller auch. Ich lerne über die Zeit die Menschen in der Community, die mich interessieren, wesentlich besser kennen. Für mich ist Twitter eine sehr feingranulare tägliche Ergänzung zu manchen Textwüsten in den Blogs. Vieles scheinbar inhaltlich Nebensächliche oder Unwichtige der Blogs hat sich nach Twitter verlagert. Twitter hat die Blogs etwas bereinigt und entlastet. Das Geräusch findet nun in Twitter statt. Diese Lebenszeichen sind aber äusserst wichtig für den Zusammenhalt einer Community. Das ist die Bedeutung von Twitter letztendlich. Twitter findet in den Köpfen statt. Nicht in der Software.

CemB: Nutzt du es für dein Networking? Wie drückt sich das für dich aus?

CemB: Ja, wie in der Frage davor beschrieben. Twitter ist für mich eine sehr liebenswerte Ergänzung für die Kommunikation im Netzwerk. Es ist der Smalltalk bei der Konversation im Networking. Blogposts dagegen sind manchmal Festreden und Manifeste.

CemB: Hast du durch Twitter neue Themen und Leute kennengelernt? Neue Impulse und Anregungen bekommen?

CemB: Eher umgekehrt zunächst. Viele Leute, die ich kenne sind in Twitter. Aber auch der Kontakt zu vielen, die ich bisher nicht so gut kannte, hat in Twitter neue Qualitäten bekommen. Ich habe sie viel besser kennen- und zu schätzen gelernt. So bin ich auch (wieder) auf ihre Blogs gekommen. Natürlich hat es via Twitter auch einige gute neue Kontakte gegeben, die mein Netzwerk ergänzen.

Twitter ist ein exzellentes Frühwarnsystem für Themen, die brandheiss sind. Es ist ein ziemlich sicheres und sehr schnelles Sensorium für Trends. Twitter ist ein sehr guter Impulsgeber für die eigenen Gedanken und Interessen, wenn man in einer inspirierenden Community ist. Umgekehrt gilt auch: Man kann hervorragend eigene Impulse in die Gemeinschaft abgeben und kann Diskussionen vorantreiben, die sich dann in den Blogs oder Aktionen wiederspiegeln. Es ist ein interessantes Medium, um schnellen Feedback zu bekommen.

CemB: Nutzt du Twitter auch beruflich?

CemB: Wenn Projektmitglieder in Twitter sind, ja. Dann allerdings eher via Direct Messaging.

CemB: Wie gehst du mit Followern um?

CemB: Jeder Follower ist mir willkommen – mit Ausnahme von offensichtlichen Spamaccounts, die man an der exorbitanten Anzahl der Accounts erkennt, denen sie folgen im Vergleich zu der Anzahl ihrer Followers. Meist das zigfache der Follower. Und an den unsinnigen Tweets. Fast immer auf englisch. Die blocke ich sofort.

Ich schaue mir bei jeden Follower seine URL-Adresse an, meist ist das ein Blog, und auch von welchen Leuten er wiederum gefolgt wird, was aber für mich nicht so entscheidend ist. Kenne ich den Menschen persönlich oder finde ich sein Blog interessant, dann folge ich ihm meistens auch. Andererseits muss ich aufpassen, dass ich auch nicht zu vielen folge, da sonst mein Kanal verstopft und womöglich der Geräuschpegel deutlich über dem Signal liegt. Es ist also eine Frage der Abwägung und des Fingerspitzengefühls.

Übrigens, ganz ganz selten habe ich auch bisher exzessive Eigenlinkspammer wie @JasonCalacanis oder @GuyKawasaki ent-followt und ge-blockt. Solche Leute nutzen Twitter nur um ihre eigenen Produkte und Startups massivst in übelster Weise zu hypen. Ich hätte beispielsweise gerade von diesen beiden eine intelligentere Art der Eigenwerbung erwartet :-)

CemB: Welche Twitter-Clients nutzt du? Twitterst du auch mobil?

Ich bin Old School und twittere über meinen PC und den originalen Webclient. Mobil twittere ich nicht. Wenn ich mit leuten zusammensitze auch nicht. Ich empfinde es als unhöflich. Die direkte face-2-face Konversation ist immer noch ohne Ersatz und erste Wahl. Bei allen anderen Arten geht es nur noch darum, was die zweitbeste Wahl ist.

CemB: Siehst du Wechselwirkungen zwischen Blogs und Twitter? Oder mit anderen Plattformen?

Da gibt es einen grossen Zusammenhang wie schon mehrfach angedeutet. Für mich ist Twitter eine perfekte tägliche Ergänzung zum Bloggen. Es ist der Kleber zwischen den Bloggern. Die informelle Variante des Bloggens. Es ist leichtgewichtig und etwas unverbindlicher. Es fördert den Zusammenhalt und das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Es regt zu Ideen an, über die man bloggen kann. Es verweist auf interessesante Blogposts.

CemB: Was kommt nach Twitter?

The sky is the limit.

Hier noch die Links zu den Twitterinterviews beim Cem:

Twitter-Interview (1): Percanta

Twitter-Interview (2): Kosmar

Twitter-Interview (3): Isabo_

Twitter-Interview (4): Saschalobo

Twitter-Interview (5): Mspro

Twitter-Interview (6): PickiHH

Twitter-Interview (Special): Ankegroener

Twitter-Interview (7): Rednix


Screenshot by Twitter


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Steffen Büffel

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists.

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