Instagram-COO Marne Levine auf der DLD: „Bilder werden unsere neuen Worte.“

Netzpiloten-Autor Jakob Steinschaden hat auf dem von ihm geleitetet Netzmagazin Trending Topics über den Auftritt von Instagram-COO Marne Levine auf der DLD-Konferenz in München berichtet. Der Unternehmenserfolg von mehr als 400 Millionen monatlich aktiven Nutzern und mehr als 80 Millionen Fotos, verleitete Levine zu der epigonischen (im besten Sinne des Wortes) Aussage „Bilder werden unsere neuen Worte.“

Man könnte auch sagen, dass Levine untertreibt. Bild werden nicht unsere Worte, sie sind es schon immer gewesen. Die gesamte Menschheitsgeschichte der Kommunikation zeigt dies, angefangen bei den Höhlenmalereien von El Castillo (etwa 40.000 v.u.Z.), über die ägyptischen Hieroglyphen (etwa 3.200 v.u.Z.), Piktogramme in den Vorläufern verschiedener Schriften, bis hin zur Ikonografie sämtlicher Motive in Werken der visuell gestaltenden Künste (vom Altertum bis zur Gegenwart). Und natürlich Pornografie auf Tumblr in Form von Zeichnungen, Bildern und GIFs.

Der Grund für den Erfolg von Instagram liegt also zum einen auch in dem tief in Menschen verankerten Bedürfnis der visuellen Kommunikation. Hersteller von Pinseln und Stiften setzen an sich auch darauf, nur dass das von Facebook im Jahr 2012 zum Preis von einer Milliarde US-Dollar (rund 760 Mio. Euro) gekaufte Instagram zugleich eine durch das Internet global vernetzte Plattform für die bis heute rund 40 Milliarden veröffentlichten Fotos ist. Dieser Unterschied führt laut Levine dazu, dass „die nächsten fünf Jahre werden von einem Wechsel von Wörtern zu Bildern bestimmt werden.“ Der Pinsel an sich hat den Stift selbst kaum in seiner Existenz bedroht, aber Bilder sollen jetzt Worte verdrängen? I’m not convinced.

Kenner der atlantischen Beziehungen denken bei diesen Worten sicherlich gleich an den Ausspruch des ehemaligen Bundesaußenministers Joschka Fischer, der dem US-amerikanischen Verteidigungsminister im Saal des Bayerischen Hofs in München auf Englisch zurief: „Excuse me, I am not convinced.“. Nur das Zitat oder nur ein Bild von Joschka Fischer würden an den ursprung dieser Geschichte nicht erinnern. Bilder alleine könnten die Situation auch nicht beschreiben, als die Regierung Bush den Krieg gegen den Irak suchte und die rot-grüne Bundesregierung dies für einen großen strategischen Fehler hielt.

Eine Verdrängung des Wortes durch das Bild sehe ich nicht, den so genannten „Iconic Turn“, die zunehmende Bedeutung des Bildes zu Lasten der Schrift, deute ich anders. Fotos funktionieren hervorragend in der digitalen Kommunikation, daran habe ich keinerlei Zweifel, aber Kommunikation ist mehr als Marketing, Facebooks größte Einnahmequelle als Unternehmen. Es wird auch weiterhin Worte brauchen, um Bilder zu beschreiben, mit Informationen zu ergänzen, durch Hashtags zu vernetzen und mindestens natürlich, um ordentlich die UrheberInnen eines Bild zu benennen.


 

Teaser & Image „Höhlenmalereien in der Cueva de las Manos“ by Reinhard Jahn (CC BY-SA 2.0 de)


 

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