Im vergangenen Dezember ist die weltweit erste nationale Social-Media-Altersgrenze in Australien in Kraft getreten. Seit Ende 2025 verbietet ein Gesetz Jugendlichen unter sechzehn Jahren das Erstellen und Führen eines Kontos auf Plattformen wie Instagram, YouTube und TikTok. Auch unser Nachbar Frankreich will diesen September sein geplantes Social-Media-Verbot ab fünfzehn Jahren in die Tat umsetzen.
Junge Personen sollen so vor den negativen Folgen einer intensiven Social-Media-Nutzung geschützt werden. Dabei liegt die rechtliche Verantwortung bei den Plattformbetreibern, Eltern und Kinder müssen beim Verstoß nicht mit Strafen rechnen.
Im Juli diesen Jahres zog der eSafety Commissioner, eine australische Behörde die sich mit der Sicherheit im Netz befasst, erste Erkenntnisse. Und diese zeigen, dass das Gesetz doch nicht so wirksam ist wie gehofft. Wir nennen euch die wichtigsten Erkenntnisse dieses Reports und verraten euch wie ihr außerdem eure Kinder in der digitalen Welt schützen könnt.
Der aktuelle Stand
Für möglichst akkurate Datensätze begann die Behörde noch vor dem offiziellen Erlass der Altersbeschränkung damit diese zu sammeln. Die kommenden drei Monate sammelte sie weiter fleißig Daten, etwa in Form von Umfragen, Fokusgruppen und Interviews mit Kindern und Eltern. Der Bericht ist als Langzeitstudie angesetzt und soll auch die folgenden sechs, zwölf und vierundzwanzig Monate nach der Gesetzgebung erforschen/begleiten. Im vergangen Monat erschien dann offiziell der erste Bericht darüber wie Kinder und Jugendliche das Gesetz wahrnehmen – wenn sie dies überhaupt tun.
Der eSafety-Befund zeigt nämlich eins ganz deutlich: das ist nicht bei allen der Fall. Zwar gab es einen kleinen Rückgang bei der Erstellung neuer, altersbeschränkter Konten – ganze 80% der Jugendlichen nutzen ihre Social-Media-Dienste allerdings ganz normal weiter. Das liegt vor allem auch daran, dass Viele ihre bereits betriebenen Accounts behalten konnten.
Dieses Problem hängt mit dem Hauptproblem bei der Umsetzung des Gesetzes zusammen: der Altersverifikation. Soziale Plattformen schaffen es nicht diese wirksam umzusetzen. Als effizienteste Methode gilt das Scannen des Gesichts. Dabei werden jedoch neben den Gesichtern von älteren Geschwistern und Freund*innen, sogar auch Promis akzeptiert. Ein Schüler erzählt dem US-Sender ABC, sein Freund habe ein Bild von Popstar Michael Jackson in die Kamera gehalten – mit Erfolg. Sein Freund wäre einer von fast zwanzig Prozent deren Alter nach einer Verifikation falsch eingeschätzt wurde. Die Hälfte der jugendlichen australischen Nutzer*innen musste dieses bis jetzt allerdings nie bestätigen. Trotzdem verzeichnet der Bericht ein Ausbreiten von Kindern und Jugendlichen auf Messenger, Online-Spiele und andere, erlaubte Plattformen.
Die effektive Umsetzung der Altersüberprüfung macht auch der französischen Regierung zu schaffen. Zumal dafür auch ein Großteil der Verantwortung bei den Plattformbetreibern liegt, deren Interesse es nicht zwingend ist Nutzer*innen zu vergraulen.
Begleiterscheinungen
Da sich ein Großteil der Kinder und Jugendliche über die sozialen Netzwerke informiert, darf diese Konsequenz des Verbotes nicht außer Acht gelassen werden. Die deutsche Initiative UseTheNews sorgt sich um die Nachrichtennutzung Heranwachsender. Laut ihnen begegnen junge Personen so deutlich weniger Nachrichten im Alltag. Von den stark von der Altersbeschränkung betroffenen Personen, gibt die Hälfte an weniger Aktuelles mitzubekommen.
Hier wäre ein wichtiger Schritt, Jugendlichen diesen Zugang nicht zwingend zu Verwehren, sondern vielmehr an ihrer Medienkompetenz zu arbeiten. Wenn sie verstehen wie Algorithmen funktionieren und lernen Fake News zu identifizieren und zu überprüfen, haben Social-Media-Plattformen die Möglichkeit sich als große gesellschaftliche Chance zu beweisen. Gerade da zwei von fünf Jugendlichen sich ausschließlich indirekt über Social Media informieren – und dabei selten faktenbasierte von frei erfunden Informationen zu unterschieden. Es ist ein wenig wie mit Alkohol: Versteht man einmal die Gefahr die in ihm lauert und erfährt seinen ersten schlimmen Kater, mäßigt sich in der Regel der Konsum. Wichtig ist dabei aufzuklären und zu verstehen welche Konsequenzen er birgt, und ihn nicht einfach zu verbieten – das macht ihn dann umso attraktiver.
Was auffällt, ist die Veränderung der Wahrnehmung sozialer Normen im Bezug auf Social-Media-Nutzung. Während vor dem Gesetz noch 85 Prozent der Kinder angaben, dass die meisten Kinder in ihrem Alter auf Social Media unterwegs seien, waren es die Monate danach nur noch 74 Prozent. Auch der soziale Druck ist oft ein Faktor für einen übermäßigen Konsum von Social Media.
Über 65 Prozent nehmen nach drei Monaten keine persönlichen Auswirkungen der Social-Media-Altersbeschränkung wahr. Auch in ihrem analogen Alltag melden nur wenige Veränderungen, die auf eine reduzierte Nutzung der sozialen Plattform zurückzuführen ist. Wichtig ist hierbei allerdings zu erwähnen, dass der Bericht lediglich ein Zwischenbericht ist. Dementsprechend kann er auch nur über den Stand unmittelbar nach Erlass des Gesetzes informieren kann. Daten für weitere Befunde werden bereits gesammelt, es bleibt also spannend!
Image by kaboompics via pexels
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