Google-Index: Bettina Wulff und der Streisand-Effekt

Bettina Wulff hat es geschafft: Immerhin acht Suchergebnisse wurden von Google gelöscht. Die Causa hat dadurch aber eher weniger an Aufmerksamkeit verloren.

Google-Index: Bettina Wulff und der Streisand-Effekt

Als Barbra Streisand 2003 die Fotoagentur Pictopia.com auf 50 Million Dollar verklagte, weil ihr Haus an der kalifornischen Küste auf einem von 12.000 Bildern zu sehen war, wurde das besagte Bild erst richtig bekannt. Hatte es vorher niemanden interessiert, bestand nun die Verbindung zwischen Streisand und dem Foto und es ging wie ein Schneeball um die Welt.

Ähnliches Prinzip stellt sich bei der Gattin von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Bettina Wulff, aktuell ein. Hatte es vorher niemanden interessiert, was sie in ihrem geheimnisvollen „Vorleben“ so getrieben hat, ist es nun schon zum Volkssport geworden, nach „Bettina Wulff Prostituierte“ zu googlen.
Die Neu-Autorin, falls man das so nennen kann, versucht aktuell um jeden Preis, den Suchmachinenkonzern dazu zu bewegen, 3.000 Inhalte aus dem Index und über 80 Autovervollständigungen zu löschen. Nun ist ihr ein erster kleiner Erfolg gelungen (oder auch nicht).

Laut Google-Sprecher Kay Oberbeck hat der Konzern acht Suchergebnisse aus dem Index entfernt, drei davon zeigten auf das Hetzportal kreuz.net. Dies teilte Oberbeck gegenüber „SPIEGEL ONLINE“ mit. Dabei handelt es sich aber wohl nur um illegale Inhalte, die Google nicht explizit wegen Wulffs Klage entfernt hat. Selbiges sei, wie „SPIEGEL ONLINE“ weiß, auch schon beim Begriff „Torrent“ passiert, der häufig mit „Adobe CS4“ gegooglet wurde und zu rechtwidrigen Raubkopien führte.

Fraglich ist aber immernoch, ob die Causa Bettina Wulff überhaupt eine solch große Welle hätte schlagen müssen oder ob Wulff die Aufmerksamkeit aktuell ganz gut für ihr Buch, falls man das so nennen kann, gebrauchen kann. Es ist doch schon ein seltsamer Zufall, dass ihr erst zur Veröffentlichung ihres Werkes, falls man das so nennen kann, die Autovervollständigung aufgefallen ist.

Im Übrigen hat die nervige Diskussion um die Löschung der Suchergebnisse auch ein Gutes für sich: Durch eine vom WDR-Radiosender 1live initiierte Aktion ist nun das lustige Spiel „Simon Beeck Auspuff“ entstanden. Der Sender hatte seine Hörer vor Wochen dazu aufgefordert, „Simon Beeck“ zu googlen und daran das Wort „Auspuff“ zu hängen. Das Ziel: Durch die Masse der Eingaben, sollte die Autovervollständigung „Auspuff“ beim Namen des Moderators erscheinen. Inzwischen hat Beeck also auch sein eigenes Auspuff-Spiel im Netz. Vielleicht sollte Frau Wulff eine selbige Aktion starten? Dann etwa mit „Bettina Wulff“ und „Kamerastativ“ oder „Wandschrank“. Spieleideen? Anyone?

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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