Garmin Fenix 5 im Test: Es geht auch ohne Touch-Display

In den letzten Monaten hatte ich die Garmin Fenix 5 fast rund um die Uhr am Handgelenk. Die Sportuhr mit Smartwatch-Features wurde auf der diesjährigen CES in Las Vegas vorgestellt und soll alle Bedürfnisse des Technik-Enthusiasten und Teilzeit-Sportlers befriedigen. Ich bin zwar nur in einer dieser beiden Zielgruppen, trotzdem lest ihr hier meine Erfahrungen im Test.

Kein Touchscreen – ist aber auch nicht schlimm

Eigentlich dachte ich, ich hätte mich vor dem Test der Garmin Fenix 5 umfassend mit der Smartwatch beschäftigt. Als sie dann bei dem ersten Anschalten jedoch nicht auf meine Touch-Eingaben auf dem Display reagierte, war ich überrascht. Tatsächlich besitzt die Fenix 5 überhaupt keinen berührungssensitiven Bildschirm. Die komplette Steuerung erfolgt über die fünf Knöpfe – zwei rechts und drei symmetrisch angeordnet auf der linken Seite. Das klingt unübersichtlich und kompliziert, ist jedoch in Kürze intuitiv zu erlernen.

Der obere Knopf auf der rechten Seite hebt sich dank einer roten Umrandung optisch etwas von den anderen ab und ist der „Ok“-Knopf. Bei längerem Drücken startet er zudem die Sportartauswahl beim Aufzeichnen einer Aktivität. Darunter befindet sich der „Zurück“-Button, der funktioniert, wie man es erwartet. Auf der anderen Seite befinden sich die Tasten für Licht sowie „hoch“ und „runter“. Diese Aufteilung ergibt durchaus Sinn. Denn während der Knopf fürs Licht die Beleuchtung des Displays für kurze Zeit an- und wieder ausschaltet, lässt sich mit den unteren beiden schnell durch die Navigation blättern. Hat man die einzelnen Funktionen der Buttons mal vergessen oder kann sie sich am Anfang nicht so schnell einprägen, gibt es in der Lünette dezent eingravierte Beschriftungen.

Style für das Geld

Die Klassifizierung der “Sportuhr” hat irgendwie einen faden Beigeschmack und klingt nach funktionaler, aber keinesfalls hübscher Technik. In meinen Augen stimmt das bei der Garmin Fenix 5 aber absolut nicht. Mehrmals wurde ich auf sie von Freunden und Bekannten angesprochen, denn sie macht echt was her. Die metallisch etwas glänzende Lünette ist mit fünf kleinen Schrauben am Body befestigt. Auf der Innenseite gibt es feine Zeiger für analoge Watchfaces. In der günstigsten und der hier ausprobierten Variante wird die Garmin Fenix 5 mit einem Silikonarmband ausgeliefert, das ausgesprochen bequem ist. Das Metallarmband schlägt mit einem Aufpreis von 150 Euro zu Buche. Dank des QuickFit-Verschlusses lassen sich jedoch auch Bänder von Drittherstellern anklemmen, die teilweise schon für wenig Geld zu bekommen sind.

Die Garmin Fenix 5 hat eine Dicke von rund 15 Millimetern, wirkt aber selbst an meinen schmächtigen Handgelenken keinesfalls überdimensioniert. Zudem ist sie auch 24 Stunden am Tag gut tragbar, trotz der Maße. Selbst in der Nacht habe ich sie nicht abgenommen und hatte beim Schlafen keine Probleme – wollte ich doch auch morgens auf den äußerst effektiven Vibrationswecker vertrauen – nur vorm Duschen habe ich sie entfernt. Das Standardmodell Fenix 5 ist lediglich mit 47 Millimetern Durchmesser erhältlich. Während das Schwestermodell Garmin Fenix 5S 42 Millimeter misst, weist das Topmodell 5X 51 Millimeter Durchmesser auf.

Garmin Fenix 5
Image by Jonathan Kemper

Garmin Fenix 5 – Wie smart denn jetzt?

Ist die Garmin Fenix 5 nun eine Sportuhr oder doch eine Smartwatch? So ganz will Garmin vom smarten Areal nicht ablassen. Denn es gibt einen “Appstore”, der über die zugehörige Connect-App erreicht wird. Dieser ist mehr schlecht als recht optimiert und leitet auf eine Webseite weiter. Bei “Connect IQ” finden sich unter den über 1.000 Anwendungen (zum Vergleich: Die Apple Watch besaß ein halbes Jahr nach Veröffentlichung schon über 10.000) hauptsächlich neue analoge Watchfaces, teilweise mit einem erweiterten Funktionsumfang wie Wettervorhersage oder Sonnen- und Mondaufgang. Und wirklich optisch ansprechend sind davon nur die wenigsten.

Das Display wirkt allgemein sehr bläulich. Es ist nach Anschalten der Hintergrundbeleuchtung in der Sonne problemlos ablesbar. Von Haus aus sind Features wie Musiksteuerung des Smartphones vorinstalliert, die bei Spotify und Google Play Musik meistens funktionierten. Schicke Anzeigen wie das aktuelle Coverart dürft ihr aber nicht erwarten. Im besten Falle kannst du den kompletten Songtitel ablesen. Benachrichtigungen werden ebenfalls weitergeleitet. Nachrichten von WhatsApp, Facebook oder Twitter können also direkt auf der Uhr gelesen werden. So könnt ihr mit einem Blick entscheiden, ob es sich jetzt wirklich lohnt, das Smartphone für eine Antwort aus der Tasche zu ziehen.

Garmin Fenix 5
Image by Jonathan Kemper

Zwo, eins, ab: Auch fit im Wasser

Extra für den Test der Garmin Fenix 5 ging es dann auch ins kühle Nass. Und dort konnte sich die massive Uhr beweisen. Das Tracking über ein rund eineinhalb-stündiges Training (also Bahnen ziehen, nicht planschen) funktionierte bis auf 25 Meter genau. Die Uhr kam allerdings nicht mit dem Schwimmstilwechsel von Rücken auf Kraul klar, weil die Armbewegungen sich hier ähneln. Möglicherweise bekam der Bewegungssensor diese Änderung nicht mit. Auf drei geschwommene Kilometer (120 Bahnen) ist die Genauigkeit aber durchaus ausreichend.

Durch das hohe Gewicht der Uhr von 85 Gramm ist sie ergonomisch gesehen für den Schwimmsport leider nicht optimal. Zu viel Spiel zwischen Gelenk und Uhr sorgt dafür, dass die Garmin Fenix 5 bei jedem Armzug gegen die Handrückseite schlägt. Das kann nerven, im schlimmsten Fall sogar weh tun. Leichtere Fitness-Tracker wären für diese Sportart also vielleicht besser geeignet. Die Fenix 5 besitzt neben dem fürs Schwimmbad als eine der wenigen Watches ein eigenes Sportprofil für Schwimmen im Freiwasser oder einen Triathlon.

Vollblutsportler sind mit der Garmin Fenix 5 gut beraten, da sie auch als Hub für weiteres Zubehör fungiert. Es gibt beispielsweise einen Golfschwungsensor, einen Fahrrad-Leistungsmesser oder einen Brustgurt für eine noch genauere Herzfrequenzmessung.

Garmin Fenix 5
Image by Jonathan Kemper

Fazit und Alternativen

Als “GPS-Multisport-Smartwatch”, wie der Schweizer Hersteller sie selber nennt, richtet sich die Garmin Fenix 5 vor allem an vielseitige Sportler, die jedoch auch im Alltag mit wenigen smarten Features beglückt werden wollen. Dreht ihr nur hin und wieder eine Runde um den Block, ist die Fenix mit einem Preis von aktuell 700 Euro viel zu überdimensioniert.

Eine Smartwartch ist die Garmin Fenix 5 in dem Sinne nicht, sondern vielmehr eine sehr potente, zukunftssichere und ausdauernde Sportuhr. Wenn ihr jedoch nach einer smarten Uhr mit ein paar Sportfeatures sucht, die sich jedoch ebenfalls mit dem iPhone wie mit Android-Smartphones versteht, seid ihr vielleicht mit der Samsung Gear S3 gut beraten. Die Gear S3 ist zudem stoßsicher und wasserdicht, kostet jedoch eine ganze Ecke weniger.

Wenn euch die smarten Aspekte wie Musiksteuerung oder ein Appstore schon zu viel sind, ihr aber einen schlanken Begleiter für Sporteinheiten euer Eigen nennen wollt, ist ein Tracker eine gute Alternative. Wir haben die besten dieser Kategorie in einer Übersicht zusammengefasst.


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Jonathan Kemper

Jonathan Kemper

studiert Technikjournalismus und schreibt News und Nonsens. Testet Telefone, greift Gitarrenhälse, praktiziert Pfadfindertum. Normalerweise nachtaktiv. Achtet auf Alliterationen.

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