Blogger und das Recht

Nicht alles, was man kann, darf man auch. Der schnell geschriebene Text oder das ausgeliehene Bild können durch Abmahnungen teuer werden.

Blogs sind ein Weg, Informationen schnell und unmittelbar zu veröffentlichen. Das verleitet zu Aktionen, die man nach ein oder zwei Minuten der Überlegung mehr vielleicht unterlassen hätte. Der Weg des schnellen Publizierens allerdings verleitet dazu, seine Erlebnisse ungefiltert in die Welt zu schreiben. Und so kommt es ab und an zu verbalen Ausfällen, unüberlegten Äußerungen oder auch kleinen Unachtsamkeiten, die teuer werden könnten.

Das schnelle Bild

Einen Gedanken zu haben und zu formulieren ist nicht schwer. Täglich bilden wir uns über unzählige Dinge eine Meinung, reagieren wir auf Nachrichten oder äußern Ideen. Schwerer schon ist die Bebilderung dieser Worte.

Doch der Mensch ist visuell und so wird oft ein Bild zur Äußerung eines Gedanken hinzugezogen. Entweder, weil einzig das Bild unsere Gedanken zum laufen brachte oder weil es „eben hübsch dazu passt“. Doch nicht immer ist ein Bild der eigenen Kamera vorhanden. Also greift man schnell auf Vorhandenes zurück: Nachrichtenseiten, Foto-Communitys und andere Websites haben schließlich genügend Bild-Material.

Meist ist der Griff zu fremdem Bildmaterial unbedacht, denn er ist nicht legal: Handelt es sich nicht um ausdrücklich frei verwendbares Bild- oder auch Video-Material, ist der Einbau in das eigene Weblog strafbar.

Ein Sachverhalt, den viele Blogger schmerzlich lernen mussten. Zuletzt ging die Koch-Website „Marions Kochbuch“ u.a. gegen Blogger vor, die unerlaubt Bild-Material der Website nutzten.

Der schnelle Text

Es gibt verschiede Formen des schnellen Texts – alle allerdings entstehen meist aus Unachtsamkeit oder Unüberlegtheit heraus.

Die erste Variante des schnellen Text – a) Der Text, den man 27 Minuten später bereut und vielleicht – aber nur vielleicht – korrigiert oder kommentarlos löscht. Mit diesem Text ist es, wie mit Liebesbriefen, die man volltrunken an die Freundin schreibt, die einen vor 17 Jahren mit dem besten Freund hat sitzen lassen. In ihnen wünscht man beiden alles Schlechte dieser Welt an den Hals und betont, wie gut es einem selbst ergeht, seit sie weg ist. Auslöser für diesen Text sind meist noch frische Erlebnisse, die einen erzürnen und zur unsanften Sprache verleiten. Es ist das Erlebte, das uns zu unüberlegten Äußerungen in Richtung eines Kollegen, des Chef oder eines Unternehmen nötigt.

Jedoch: Genaus das kann Konsequenzen haben. Beleidigte Kollegen sind dabei das geringste Übel. Ein beleidigter Chef ist nicht förderlich, und ein abmahnendes oder gar klagendes Unternehmen das schlechteste, was einem – finanziell – passieren kann. Dabei spielt für eine Abmahnung im ersten Schritt nur das subjektive Empfinden eines Unternehmens gegenüber dem Weblog eine Rolle und nicht, ob der Vorwurf gegenüber dem Blogger in einer tatsächlichen Verhandlung noch haltbar ist.

Die zweite Art des schnellen Text – b) Der kopierte Text. Statt zu verlinken, kopiert man großzügig und glaubt sich im Recht. Schließlich macht man das Zitat kenntlich und verlinkt auf die Quelle. Das Problem: Auch Zitatieren unterliegt einer rechtlichen Beschränkung. So ist die Länge eines Zitat zwar nicht festgelegt. Zitate allerdings sind nur die Stellen, die in einem Text mit ausreichender eigener Schöpfungshöhe eine Aussage unterstreichen.

Es reicht also nicht aus, eine Nachricht zu kopieren und einen Drei-Wort-Satz darunter zu schreiben, um sich bei einer rechtlichen Auseinandersetzung wegen Urheberrechtsverletzung auf das Zitatrecht berufen zu können.

Die dritte Art des schnellen Text – c) Der unwahre Text. Schnell sitzt man Fehlinformationen auf und verbreitet Unwahrheiten. Das muss nicht zwangsläufig böswillig oder vorsätzlich sein, sondern kann bereits aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit heraus geschehen. Doch Blogger unterliegen der Sorgfaltspflicht und sind verpflichtet, Informationen wahrheitsgemäß wiederzugeben und ggf. auf Richtigkeit hin zu prüfen.

Dabei handelt man im eigenen Interesse und nicht nur aus einem rechtlichen Aspekt heraus: Blogs leben nicht nur von schneller Informationen, sondern auch vom Vertrauen der eigenen Leser.

Besonnen und überlegt bloggen

Man muss sich das Leben nicht schwer machen. Vor dem Veröffentlichen von Inhalten sollte man einfach überlegen. Natürlich kann man nicht alle Gesetze und Urteile kennen, doch das unerlaubte Verwenden fremder Bilder, Texte und Videos ist in 99 Prozent aller Fälle strafbar. Und in Wut oder Verzweiflung geschriebene Texte sollte man einfach nochmal lesen, bevor man den Veröffentlichen-Knopf des Weblogs klickt. Besonnenheit und Rechtsverstand gehören zum Bloggen ebenso wie eine Blogsoftware und die Fähigkeit, schreiben zu können.

Und sollte doch einmal eine Abmahnung im Briefkasten liegen gibt es zwei Regeln: Erstens: Tief Luft holen. Und zweitens: Zum Anwalt gehen.

Thomas Gigold

Thomas Gigold

ist Journalist und Berufsblogger. Blogger ist Gigold bereits seit den letzten Dezembertagen des Jahres 2000, seit 2005 verdient er sein Geld mit Blogs und arbeitete u.a. für BMW, Auto.de und die Leipziger Messe. Selbst bloggt Gigold unter medienrauschen.de über Medienthemen.

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