Bausteln – Demokratisierung des Produktionswissens

Am Sonntag den 8. Februar hatten Technikinteressierte die Möglichkeit mit Arduino, nicht dem selbst ernannten König von Italien, sondern der Hardwareplattform, in Kontakt zu kommen. Für den mehrstündigen Workshop wurden von Upstream, die sich ebenfalls am Hallenprojekt beteiligen, Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Organisiert wurde die Veranstaltung, bei der das Experimentieren, Spielen und der Wissensaustausch im Vordergrund stand, von Philip Steffan und Christian Heller.

Philip Steffan führte die Teilnehmer erst theoretisch an die offene Plattform und die damit verbundenen Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung heran. Wer schon etwas Erfahrung mit Elektrotechnik und Programmierung hatte, tat sich wohl leichter den Ausführungen zu folgen, obwohl sich der Workshop gerade an Neulinge richtete. Im weiteren Verlauf hatten die Teilnehmer viel Spaß mit Arduino. Dabei halfen sie sich gegenseitig die ersten Schritte zu machen und kleine Erfolgserlebnisse zu erleben. Man baustelte mit LEDs, Sensoren, kleinen Lautsprechern und nach kurzer Zeit blinkte und tutete es aus unterschiedlichen Ecken.

Das kleine Board bietet einen für die heutigen Verhältnisse sehr langsamen Prozessor, ein paar Steckplätze für Pins und in der einfachen Ausführung eine USB-Schnittstelle. Völlig ausreichend um eine Vielzahl von Anwendungen zu realisieren. Angefangen von Überwachungseinheiten für Pflanzen, die twittern sobald sie Wasser brauchen, bis hin zu in die Kleidung eingenähten Blinkern, die einem beim Radeln die Handzeichen ersparen sollen. Die Vielfältigkeit der Kreationen geht mit der Vorstellungskraft der Baustler und ihrem Ideenreichtum einher

Die Idee Hardware unter eine Open Source Lizenz zu stellen ist verhältnismäßig neu. Holm Friebe und Bre Pettis sind Vorreiter einer Bewegung, deren Kredo – Selbermachen statt kaufen, in der Breiten Masse bald eine Renaissance erleben könnte. In der Gesellschaft ist ein zunehmender Wunsch nach Individualisierung, dem die Hersteller konventioneller Produkte nur teilweise nachkommen können, spürbar. Dabei können die Produzenten für Massenartikel aus wirtschaftlichen Gründen dem Wunsch nur bis zu einem gewissen Maße Rechnung tragen. Häufig übernehmen an diese Stelle schon andere Unternehmen den Individualisierungswunsch als Geschäftsmodel, um für Massenprodukte individuellere Skins oder Erweiterungen anzubieten. Ihr Erfolg hängt dabei von der Verbreitung der Produkte weniger Hersteller ab und dient gleichzeitig meist als Erweiterung ihres eigenen Portfolios.

Wenn nun die Baupläne für Gadgets oder andere Gebrauchsgegenstände frei verfügbar sind und es Menschen gibt, die das Produktionswissen unter die Leute bringen wollen, hat jeder Interessierte die Chance all die coolen Dinge selber zu machen. Besser noch, weiter zu entwickeln und die Erfahrungen wieder mit anderen zu teilen. Das muss nicht zwingend mit Mikrokontrollern zu tun haben, sondern es können andere Dinge sein, wie z.B. das Stricken. Gerade da gibt es einige Enthusiasten, die sich einer Standardisierung der Sprache für den Austausch der Bauanleitungen verschrieben haben.  Die Sprache heißt KnitML und leitet sich aus den Ideen von XML ab. Sie soll letztendlich eine von Menschen und Maschinen interpretierbare und weltweit anerkannte Sprache werden.

Diese Bestrebungen zeigen, dass zum einen eine gemeinsame offene Plattform/Sprache zum Austausch der Baupläne entwickelt werden muss, unabhängig von der Art der Werke. Andererseits müssen sich Menschen für diese Plattformen einsetzen und mit anderen Interessierten darüber austauschen – sei dies nun on- oder offline. Für die Hersteller von Massenprodukten ergibt sich zwangsläufig die Frage, ob ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig ist und ab wann sie versuchen sollten Enthusiasten in Ihre Entwicklungsprozesse einzubinden. Unterumständen kann es schon jetzt opportun sein, die eigenen Baupläne zu veröffentlichen und andere an der Weiterentwicklung mitwirken zu lassen.

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Doreen Butze

Doreen Butze

studierte Soziologie, Psychologie und Betriebswirtschaft an der TU-Chemnitz. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Social Media. Privat bloggt Doreen unter http://www.finsblog.de über alles Mögliche und Unmögliche.

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