Auf der Suche nach den DAX-Blogs

Ein Überblick über die Blogs der 30 DAX-Unternehmen sollte es werden. Das müsste doch zu schaffen sein. Also schnell die Firmen raussuchen und auf deren Websites auf die Suche gehen. Doch nach den ersten sieben Unternehmen war von einem Blog noch nichts zu sehen und die ersten Zweifel wurden laut: Gibt es überhaupt Corporate Blogs bei den deutschen Top-Unternehmen, oder ist dieser Trend vorbeigezogen?

Doch dann endlich ein Lichtblick beim Buchstaben „D“: Der Daimler Blog. Seit Oktober 2007 bloggen hier Mitarbeiter der Daimler AG zu Themen aus unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens. Da geht es um die neusten Modelle, Technologien oder das soziale Engagement des schwäbischen Autobauers. Dabei stellt man neidisch fest, dass bei Daimler die Welt wohl noch in Ordnung sein muss, denn negative Töne werden in diesem Blog nicht verbreitet. Die Resonanz ist bisher eher dürftig und so hat sich Daimler zum Jahresbeginn einen neuen Praktikanten geleistet, der sich um die Weiterentwicklung des Blogs kümmern soll. Mal schauen, ob das etwas bringt.

Und wie sieht es bei den anderen DAX Unternehmen aus? Sollte Daimler der einzige Corporate Blogger sein? Nein, auch die Deutsche Telekom AG lässt Mitarbeiter seines Tochterunternehmens T-Systems über die neuen technologischen Entwicklungen im Automotive Bereich bloggen. Das Ganze ist überaus speziell ausgerichtet und für Laien nur schwer verständlich. Für die entsprechende Zielgruppe bietet das Blog aber durchaus umfangreiche Einblicke.

Hoffnung weckte auch „E“ wie E.ON. Der Energielieferer startete im April 2007 ein begleitendes Blog zu einer Fahrradtour mehrerer Mitarbeiter quer durchs Land – „Mit Energie durch Deutschland“ war das Motto. Acht Tage sollte diese Tour dauern – beim Bloggen reichte die Energie nicht ganz. Im Mai 2007 gab es den letzten Eintrag.

Wenigstens ein Software Unternehmen versucht, sich zumindest in Maßen im Corporate Blogging. Bei SAP lassen sich in der Community ein paar Blogs finden. Ausschließlich auf Englisch gibt es hier zahlreiche Einträge, doch das Ganze hat nicht wirklich den Charakter eines Corporate Blogs, sondern trägt eher dem Community Gedanken Rechnung.

In der Rubrik „Gut versteckt, aber doch noch entdeckt“ findet sich zum Schluss noch ein weiteres Unternehmens-Blog. Auf der Website des Chemiekonzern BASF findet man dazu zwar nicht viel, doch für die Umgebung des Werkes in Ludwigsburg gibt es ein regionales Blog. In Zusammenarbeit mit Rheinpfalz.de findet man hier Informationen aus dem Rhein-Neckar Gebiet. Dabei geht es in erster Linie um ganz allgemeine Themen aus Wirtschaft, Politik und Sport. Der Anteil der Beiträge, die sich direkt um das Unternehmen BASF drehen und von Vertretern des Unternehmens auch verfasst wurden, ist deutlich geringer.

Die magere Bilanz der Blogs von DAX-Unternehmen wird zumindest noch durch eine kleine Blogosphäre im Intranet aufgewertet. Seit Beginn des letzten Jahres gibt es bei Siemens einige interne Blogs. Diese sollen vor allem der Verbesserung des Wissensmanagements im Konzern und einer dialogorientierten Kommunikation dienen, erläutet der Verantwortliche Karsten Ehms im Interview.

Auch wenn das ein oder andere Unternehmen noch unentdeckt bloggen sollte und sich an diesem Artikel vorbei geschlichen hat, ein Fazit steht fest: Während viele kleinere Unternehmen bereits das Potenzial von Blogs erkannt haben, setzen die bekannten, großen Marken in Deutschland weiterhin auf klassische Marketing- und Kommunikationsinstrumente. Corporate Blogs spielen bei DAX-Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle. Angst vor Kontrollverlust und rechtliche Bedenken sind die Schlagworte, die man häufig als Begründung für mangelnde Blog-Begeisterung liest.

Die Entwicklung bei den bloggenden Firmen ist in den letzten Jahren nicht vorangeschritten. 2005 hat die Zeitschrift Capital in einer Umfrage festgestellt, dass fünf von 30 DAX- Unternehmen bereits bloggen, weitere fünf würden den Einsatz prüfen. Diese Prüfung hält wohl bis heute an….

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Meike Ullrich

Meike Ullrich

Meike hat während des Studiums der Politikwissenschaft die digiatlen Potenziale für die Demokratie entdeckt und das Ganze u.a. mehrere Jahre in einer Public Affairs und PR-Agentur erprobt. Mittlerweile arbeitet sie im Kommunikationsbereich der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und setzt dort Maßnahmen für verschiedene Bildungsprogramme um – digital und auch ganz klassisch, aber immer auf der Suche nach neuen Ideen und Entwicklungen.

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