Open-Source und Apple ist längst kein Widerspruch mehr

Open-Source-Entwickler haben inzwischen kein Problem mehr damit, Apple-Geräte zu nutzen – auch wenn dies auf den ersten Blick wie ein großer Widerspruch wirkt. Open Source und Apple vertragen sich nicht gerade gut, so die landläufige Meinung. Eigentlich erwartet man, dass ein Entwickler von Open-Source-Software auch ein Open Source-OS wie Linux nutzt. Viele Open-Source-Entwickler nutzen aber inzwischen sehr gerne Apple-Geräte, was eine Umfrage des Unternehmens unterstreicht. Demnach legen viele Open-Source-Entwickler ihre Prioritäten auf Verlässlichkeit und guten Geschmack, statt allumfassender Quelloffenheit.

Sesam öffne dich

Open Source war lange Zeit mit einem Dogma verbunden. Wer Open-Source-Software entwickelt war so stark davon überzeugt, dass keine andere Software in Frage kam, und schon gar keine Geräte, auf denen sich derartige Software gar nicht erst installieren lässt. Dementsprechend kamen eigentlich nur Windows-Laptops in Frage, denn da konnte man immerhin das ungeliebte Closed-Source-OS runterwerfen und durch die Linux-Distribution der Wahl ersetzen. MacBooks von Apple waren völlig ausgeschlossen, da man sie nur mit Mac OS oder Windows nutzen konnte. Inzwischen hat sich diese Sicht aber deutlich verändert und viele Open-Sourceler haben kein Problem mehr damit, Apple-Produkte zu nutzen, auch wenn das OS nach wie vor nicht gerade für seine Offenheit bekannt ist.

Das Unternehmen Eldarion hat dies kürzlich erst in einer Umfrage bestätigt. Demnach gaben fast drei Viertel (73 Prozent) der Befragten Open Sourceler an, zumindest einige Apple Produkte zu nutzen. Unter den Befragten, die zu Open-Source-Software beitragen, gab die Mehrheit (65 Prozent) an, dass OS X ihr Haupt-OS ist – Linux nutzen dagegen 22 Prozent und Windows nur 8 Prozent. Die Gruppe der zu OSS Beitragenden nutzt zwar zu 38 Prozent Android-Smartphones, allerdings nutzt über die Hälfte (57 Prozent) ein iPhone.

Auch über die Gründe für diese Zahlen gibt die Umfrage interessante Einsichten. So war der Hauptgrund, Apple-Produkte zu wählen, bei den Befragten, die zu OSS beitragen „Ich mag das Ökosystem“ (33 Prozent), gefolgt von „Verlässlichkeit“ (30 Prozent) und „Besser als Microsoft“ (21 Prozent). Umgekehrt waren bei den Befragten, die Apple komplett meiden die häufigsten Antworten: „Weil Apple die Antithese zu Open Source ist“ (50 Prozent), vor „Es ist überteuert und das Geld nicht wert“ (31 Prozent) und „Es ist so cool, dass es uncool ist“ (13 Prozent).

Äpfel und Birnen

Nun muss ich zugeben, dass ein Teil von mir der Umfrage nicht allzu viel Wert beimessen will, da nur 132 Menschen daran teilgenommen haben und die Umfrage danach einfach nicht repräsentativ ist, der andere Teil von mir muss aber durchaus zugeben, dass die Umfrage trotzdem die Entwicklung in der Open-Source-Szene widerspiegelt. Dies liegt auch an meinen eigenen Erfahrungen, auch wenn es nicht allzu viele sind. Immer wieder sieht man an OSS arbeitende Entwickler vor einem silbernen Laptop mit leuchtenden Apfel-Logo sitzen. Und das ist bei genauerer Betrachtung ja auch gar nicht so abwegig, denn immerhin, OS X ist UNIX, also ein System in dem sich viele Open Sourcler wohl fühlen. Zwar versteckt OS X Unix hinter einem hochglanzpolierten UI, aber gleichzeitig macht es Apple unheimlich einfach an die Kommandozeile zu gelangen. Dadurch können Entwickler also nutzen was „einfach funktioniert“ wenn sie es wollen und können dabei noch tief in die Katakomben des OS vordringen, wenn es nötig ist.

Damit hätten wir schon den zweiten und wichtigeren Grund erreicht: „It just works“. Entwickler, die Zeit damit verbringen wollen z.B. einen neuen Compiler zu bauen, wollen selten nochmal so viel Zeit damit verbringen, die verbundene Infrastruktur auch noch aufzubauen. Manchmal will man eben nicht mit dem OS herumfummeln, sondern will stattdessen, dass es einfach funktioniert. Und ein tiefes Engagement ist zudem nur für manche Software sinnvoll. Bei vielen kritischen Projekten ist die Mitarbeit der Community unheimlich wichtig, bei allen anderen lohnt es sich aber nicht, wenn man zu dogmatisch wird, wie etwa beim OS. Open Sourcler sind letztendlich auch nur Menschen und sind daher mit begrenzter Zeit und Aufmerksamkeit gesegnet, so dass Apple-Produkte gewählt werden, auch wenn sie nicht unbedingt dem übergeordneten Interesse an OSS entsprechen. Es lohnt sich aber auch einfach nicht darüber einen Glaubenskrieg anzufangen, denn am Ende gibt es nicht das beste OS, sondern nur das, was am besten zu einem passt um mehr Zeit zu haben, an den Projekten zu arbeiten, die einem am wichtigsten sind. Und letztendlich können weder Apple noch Microsoft sich der immer größeren Open-Source-Bewegung komplett entziehen – das ist doch der eigentliche Erfolg.


Image (adapted) „Apple Logo and Checkmark Symbol“ by C_osett (CC0 Public Domain)


 

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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