Microsoft hält ein Open Source-Windows für möglich

Microsoft ist nicht mehr das Unternehmen, das es einmal war. Besonders deutlich wird die Veränderung durch die Überlegung, Windows möglicherweise Open Source zu machen. Microsoft feiert gerade das 40. Firmenjubiläum und unmittelbar vor Beginn der Feierlichkeiten hat Mark Russinovich, einer der Top-Ingenieure des Unternehmens, auf einer Konferenz eine kleine Bombe platzen lassen, die umso größere Auswirkungen haben könnte. Russinovich erklärte nämlich, dass es definitiv möglich ist, dass das Betriebssystem Windows Open Source wird. Damit ist natürlich, wenn überhaupt, nicht heute oder morgen zu rechnen, aber allein die Möglichkeit zeigt, wie sehr sich Microsoft innerhalb kurzer Zeit gewandelt hat.

Ist Open Source die Zukunft?

Für Microsoft war Open Source bisher so etwas wie die Antithese zum eigenen Geschäftsmodell. Das Unternehmen aus Redmond hält den Quellcode für die eigene Software eifrig unter Verschluss und hat bisher auch nicht im Traum daran gedacht, die eigene Software kostenlos abzugeben. Doch in den letzten Monaten hat sich hier bereits eine Veränderung abgezeichnet. Dieser Prozess beinhaltet unter anderem den Schritt, das .NET-Framework quelloffen zu machen und außenstehenden Entwicklern zu ermöglichen, Versionen für OSX und Linux zu programmieren. Bei der Präsentation von Windows 10 kam dann der nächste große Schritt weg vom bisherigen Geschäftsmodell – alle Nutzer von Windows 7 und 8 erhalten das Update auf die neueste Windows-Version kostenlos. Doch die bisherige Spitze dieses Prozessess kam bei der bei der ChefConf, einer Entwicklerkonferenz für das Open-Source-Entwickler-Tool Chef.

Bei einer Panel-Diskussion trat Microsofts CTO of Azure, Mark Russinovich, auf und erläuterte den Wandlungsprozess bei Microsoft sehr detailliert. Auf die Frage, wie weit diese Entwicklung gehen könnte und ob es möglich ist, dass auch Windows Open Source wird, sagte er, dass dies definitiv möglich ist. Er betonte nochmals, dass es ein neues Microsoft sei und für jede Software und jeden Service bereits sämtliche Szenarien durchgespielt wurden, was damit passieren soll – also auch für Windows. Allerdings ist dies natürlich ein Prozess, wenn er denn überhaupt passiert, der bei derart komplexer Software auch entsprechend kompliziert und zeitintensiv ist. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass die nächste Version von Windows bereits quelloffen sein wird, wenn das OS denn überhaupt jemals diesen Schritt geht.

Ist kostenpflichtige Software nicht mehr zeitgemäß?

Schaut man sich bei Betriebssystemen um, wird schnell klar, dass das bisherige Geschäftsmodell für Windows nicht mehr zeitgemäß ist. Linux findet immer mehr Nutzer, Apples OSX gibt es nur mit den entsprechenden Geräten gebündelt und auf dem Mobile-Markt sieht es mit dem Open Source-OS Android, das den Markt klar dominiert, genauso aus. Dass Microsoft sich hier anpassen muss, wurde längst erkannt und bei der Vorstellung von Windows 10 dann auch verkündet, dass man Windows in Zukunft mehr als Service sieht. Mit dem Betriebssystem verdient man kein Geld mehr, sondern mit den zusätzlichen Angeboten. Dies bedeutet eine große Veränderung für das Unternehmen, denn Windows gehörte bisher neben Office zu den größten Umsatzquellen für Microsoft und bevor man diese frei verfügbar macht, müssen natürlich andere Einnahmequellen sichergestellt sein. Hier könnte Microsoft trotzdem weiter an Windows verdienen, denn viele große Unternehmen brauchen immer noch einen Anbieter, der den Code verpackt, bündelt, mit Updates versorgt und Support bietet – letztendlich auch nicht anders als bei Linux.

Ein freiverfügbares Windows heißt aber nicht nur, dass es für den Endanwender kostenlos ist, sondern auch, dass der Quellcode der gesamten Open-Source-Gemeinde offen steht. Dies kann dafür sorgen, dass die Entwicklung schneller voran geht und vor allem auch, dass Sicherheitslücken schneller und gründlicher gefunden werden, wenn mehr Augen einen prüfenden Blick drauf werfen. Microsoft könnte also ebenso von der Community profitieren. Open Source ist deutlich komplexer als die Frage, ob Software kostenlos ist oder nicht. Microsoft öffnet sich aber immer stärker gegenüber dem Thema, womit vor zwei Jahren sicher noch niemand gerechnet hätte.


Image (adapted) „Microsoft sign outside building 99“ by Robert Scoble (CC BY 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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