1.746 Euro für ein Miniaturbild: Der Abmahnwahnsinn geht weiter

1.746 Euro für ein Miniaturbild: Der Abmahnwahnsinn geht weiter

Ein neuer Facebook-Abmahnfall, bedingt durch die „Teilen“-Funktion, sorgt aktuell für Furore in der Blogosphäre.

1.746 Euro für ein Miniaturbild: Der Abmahnwahnsinn geht weiter

Abmahnungen gehören leider heute zum sozialen Internet wie Twitter und Facebook. Es ist schließlich ein Leichtes, Blogger wegen Urheberrechtsverstößen, nicht erfüllter Impressumspflicht oder anderen Tatbeständen abzumahnen und ihnen so das Geld schnell und einfach aus der Tasche zu ziehen.

Immer wieder las man von irrwitzigen Anwaltskosten und Abmahngebühren, die nicht selten für die Blogger in den vierstelligen Bereich und mehr gingen. So zum Beispiel beim Fall Lindsey Lohan, bei dem Blogger eine Zahlungsaufforderung von 5.000 Euro für die Verwendung eines Bildes der Schauspielerin erhielten. Regelrechte Abmahnwellen waren 2012 unterwegs und ließen die Blogosphäre jeden zu veröffentlichenden Beitrag ganz genau auf alle Verstöße überprüfen um nicht selbst Opfer der Kanzleien zu werden.

1.746,69 Euro für ein wenige Pixel großes Miniaturbild

Nun gibt es einen neuen Schauplatz im Abmahnwahnsinn: Facebook. Zwar ist schon häufiger deutlich geworden, dass auch Facebook kein anwaltsfreier Raum ist („Die durchschnittliche Facebook-Pinnwand eines 16-Jährigen ist 10.000 Euro Abmahnkosten wert, wenn denn jede Urheberrechtsverletzung abgemahnt werden würde.“), aber was den Betreiber einer gewerblichen Fanseite nun erreichte, lässt erneut an den Verträglichkeit unseres Urheberrechtes mit dem sozialen Internet zweifeln.

Wie die Anwaltskanzlei „Weiß und Partner“ berichtet, lässt die Berliner Kanzlei Pixel.Law einen Nutzer nun abmahnen, weil dieser einen Link mit Vorschaubild geteilt habe.

Pixel.Law fordere im Auftrag der Fotografin des Bildes, Gabi Schmidt, den doppelten Lizenzbetrag von 600 Euro zuzüglich Abmahnkosten in Höhe von 546,69 Euro, also insgesamt 1.746,69 Euro für ein wenige Pixel großes Miniaturbild. Und Rechtsanwalt Frank Weiß sieht tatsächlich schlechte Chancen für den Betroffenen:

    „Auch wenn diesseits ganz erhebliche Zweifel an der geltend gemachten Höhe des Schadensersatzes sowie der entstandenen Rechtsanwaltskosten bestehen, wird man im Ergebnis einer rechtlichen Überprüfung kaum umher kommen, einen Urheberrechtsverstoß in Bezug auf das bei Facebook angezeigt Miniaturbild zu bejahen – vorausgesetzt Frau Gabi Schmidt stehen tatsächlich die ausschließlichen Rechte zu und das streitgegenständliche Bild ist nicht „allgemeinfrei“.“

Keine praktikablen Lösungen

Christoph Kappes hält auf seinem Google+-Profil dagegen und die Justizibilität für „zweifelhaft“, da die abgemahnte Handlung laut einem Bundesgerichtshof-Urteil in den USA erfolge. Zudem hält auch er die Höhe der Abmahnung für „abwegig“, da ein „Geringwertigkeits-Tatbestand“ erfüllt sei.

Rechtsanwalt Thomas Schwenke rät auf allfacebook.de jedem, der Social Media-Marketing betreibt dazu, ein Urheberrechtsrisiko von etwa 700 Euro im Jahr mit einzuplanen und dies als „Rücklage im Geiste“ zu betrachten. Eine Lösung hat aber auch er nicht:

    „Natürlich, auf die Vorschaubilder zu verzichten oder die Urheber zu fragen, ist die einzig sichere Lösung. Doch keine praktikable. Das Dilemma ist zudem, dass Beiträge ohne Vorschaubilder viel weniger Aufmerksamkeit erregen. Daher bleibt nichts anderes übrig, als das Risiko einzukalkulieren.“

Wer heute sicher vor Abmahnungen sein möchte, dem bleibt wohl nur noch die Löschung aller Profile. Denn sind wir ehrlich: Bei unserem veralteten Urheberrecht ist es so gut wie unmöglich, den Kanzleien zu entgehen. „Creative Commons“-Lizenzen sind ein toller Ansatz, aber leider immer noch viel zu unpopulär bzw. zu selten genutzt. Es bedarf einer 360-Grad-Erneuerung unserer Gesetzeslage um Blogger und Privatpersonen vor hohen Kosten zu schützen. Außerdem darf es nicht zum Geschäftmodell werden, mit Abmahnungen Geld zu verdienen.

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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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