WoW Shadowlands: Kann das neue Addon das Spiel retten?

Noch immer ist World of Warcraft für viele Spieler und Spielerinnen das MMORPG schlechthin. Bereits seit 16 Jahren können Gamerinnen und Gamer durch die virtuellen Lande von Azeroth streifen, und Looten und Leveln was das Zeug hält. Als langjähriger Fan von World of Warcraft war es allerdings nicht wirklich schön, sich die Entwicklungen der letzten Jahre anzugucken. Die vorherigen Erweiterungen, vor allem Warlords of Draenor (2013) und Battle for Azeroth (2018), mussten sich von der Community viel Kritik anhören. Berechtigterweise, wie auch ich finde.

Denn irgendwann wurde die Welt von Azeroth einfach zu überlaufen. Quests bekam man an jeder Ecke hinterhergeworfen und meistens verlor man bei all den möglichen Kampagnen schnell den Überblick. Ganz zu schweigen von der erdrückenden Anzahl an unnötigen und repetitiven Aufgaben, wie dem Hochziehen seiner eigenen Garnison. Mit WoW Shadowlands scheint es allerdings, als habe Blizzard endlich auf seine Community gehört. Viel hat sich in Azeroth verändert. Doch ob Shadowlands den schleichenden Tod des MMORPG-Riesens wirklich aufhalten kann, wird nur die Zeit zeigen können.

Was ist anders in Shadowlands?

Mein Hauptcharakter war lange Zeit ein Mensch / Jäger, den ich liebevoll bis auf Level 120 gepeitscht habe. Umso skeptischer war ich, als Blizzard ankündigte, dass es in Zukunft einen Level-Cap von 60 in WoW Shadowlands geben wird. Das Gefühl, mich sinnlos durch schier endlose Kampagnen gekämpft zu haben, machte sich breit. Aber ich sehe auch, wie viel angenehmer das neue Leveling System für Anfängerinnen und Anfänger in WoW ist. Jetzt könnt ihr nämlich auswählen, ob ihr von Anfang an in dem jeweiligen Questgebiet eurer Rasse anfangen wollt, oder direkt auf die Insel der Verbannten geht, um hier schnell bis Level 10 zu kommen. Danach liegt es an dem Spieler bzw. der Spielerin, welche Erweiterung von WoW ihr spielen möchtet. Oftmals schafft ihr es mit einer oder maximal zwei Erweiterungen auch auf Level 50. Ab da geht es dann in die Schattenlande, um auf Level 60 zu kommen.

Kleiner Tipp am Rande: Pandaria ist ein besonders lukratives Questgebiet, indem ihr Items und Erfahrung quasi hinterhergeworfen bekommt. Allgemein gilt, je später eine Region ins Spiel integriert wurde, desto mehr ist es an die modernen WoW Standards angepasst. Entsprechend kommt ihr hier schneller durch und levelt auch angenehmer, als in den alten Gebieten. Wer sich gerne ein wenig Zeit beim Questen lässt hat natürlich immer noch die Option, in den klassischen Regionen unterwegs zu sein.

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Willkommen im Reich der Toten, Schlundgänger!

Dem Hype um die neue Erweiterung von WoW konnte auch ich mich als alte WoW-Veteranin natürlich nicht entziehen. Zunächst fällt auf, dass sich Blizzard tatsächlich viel Mühe mit den neuen Gebieten gemacht hat. Über eine Quest in Orgrimmar bzw. Sturmwind kommt ihr in die Schattenlande, also in das Reich der Toten. Hier erwarten euch vier komplett neue Gebiete, plus Schlund und eine Storyline, die sich tatsächlich von ihrer Qualität her nicht verstecken muss. Klar, wer spielt WoW schon wegen der Story? Habe ich mir auch gedacht. Die sieht in den Cinematic-Trailern natürlich immer schick aus, aber im Endeffekt ist sie für das Spielerlebnis ja nicht wichtig. So viel sei an dieser Stelle aber gesagt: Die Geschichte aus WoW Shadowlands ist tatsächlich interessant und macht Spaß. Soweit man kein Problem damit hat, gefühlt 10.000 Gesprächen und Zwischensequenzen in der Hauptstory von Shadowlands zuzuhören.

Zum Glück müsst ihr die Schattenlande-Kampagne aber nur einmal durchspielen. Mit weiteren Charakteren könnt ihr die Hauptstory einfach überspringen und direkt zu den Pakten übergehen. Und wo wir schon bei diesen sind: Die Pakte haben sich tatsächlich als gutes Spielelement erwiesen. Anders als die für mich eher nervigen Garnisons-Quest habt ihr nämlich wirklich das Gefühl, langsam voranzukommen und sinnvolle Erweiterungen und Fähigkeiten eures Paktes freizuschalten. Durch Worldquests sammelt ihr Anima, welches wichtig ist, um euren Pakt und vor allem die Pakt-spezifischen Elemente freizuschalten und zu verbessern. So baut ihr euch eine eigene Base auf, bei der ihr auch wieder Schlachtzüge organisieren und besondere Belohnungen erhalten könnt. Zwar müsst ihr euch am Anfang für einen Pakt entscheiden, könnt allerdings die Weltenquests auch in anderen Gebieten absolvieren, sodass ihr die ganzen Schattenlande besuchen dürft, statt nur auf eurer Insel zu hängen. Das sorgt zumindest für etwas Abwechslung.

World of Warcraft kommt endlich in 2020 an

Erst am Anfang des Jahres musste Blizzard sich eingestehen, dass sie nur einige Monate nach der Veröffentlichung von WoW Classic rund 64 Prozent der Abonnentinnen und Abonnenten eingebüßt hatten. Es schien, als ginge es immer weiter bergab mit dem Game, das uns inzwischen seit 2005 auch in Deutschland begleitet. Doch die Verkaufszahlen von Shadowlands machen Langzeit-Fans wie mir wieder Hoffnung. Insgesamt 3,7 Millionen Mal wurde Shadowlands bei Release verkauft. Hier sind natürlich die Vorbestellungen mit eingerechnet. Dennoch dürften diese Zahlen ein voller Erfolg für Blizzard sein. Die neuen Questgebiete sind interessant und bieten für mindestens ein paar Monate wieder spannenden Content, den die Community bisher gut anzunehmen scheint. Besonders die neuen Dungeons und Raids bieten Abwechslung und tolle Belohnungen, was für viele Userinnen und User eine Langzeitmotivation bieten dürfte.

Zum ersten Mal seit langem fühlt sich WoW nicht mehr so überladen und unübersichtlich an, sondern wie ein zugängliches MMORPG mit einer tollen Community, die alles daransetzt, sich mit gewohntem Eifer gegenseitig bei den besten Items, Raid-Runs und Pakt-Verbesserungen zu überbieten. Für ein paar Tage hatte World of Warcraft tatsächlich einen Rekord aufgestellt, als das Spiel mit den meisten Exemplaren, die zum Release verkauft wurden. Wenig später machte Cyberpunk mit 4,7 Millionen verkauften Exemplaren am Release-Tag diesen Titel wieder hinfällig. Allerdings ist World of Warcraft bereits 16 Jahre alt und dass dieses Spiel noch so viel Hype auslösen kann, ist eine beeindruckende erste Bilanz.

Endlich wirkt WoW wie ein Spiel, das im Jahr 2020 angekommen ist. Die Farben sind bunter, die Charaktere ausgereifter und der Loot glitzert etwas mehr. Ich war lange unsicher, ob Blizzard noch einmal die Kurve bekommt und es schafft, ihrem alteingesessenen Game einen neuen Anstrich zu verpassen. Aber es scheint, als haben sie sich erfolgreich weiterentwickelt. Und zumindest für die nächste Zeit wird WoW der unangefochtene König der MMORPGs bleiben.

Hier findet ihr unseren Guide mit Einsteigertipps für World of Warcraft Classic.


Image by Blizzard

Leonie Werner

interessiert sich für alles, was mit Medien zu tun hat. Insbesondere für Themen im digitalen Bereich ist sie offen und in Sachen Gaming immer auf dem neuesten Stand.


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