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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • HACKER golem: Das FBI darf jetzt weltweit hacken: Das FBI wird jetzt endgültig zu einer Hacker-Vereinigung. In den USA soll jetzt die sogenannte „Rule 41“ der Federal Rules of Criminal Procedure in Kraft treten. Diese besagt, dass Amtsrichter in den USA Bundesbehörden wie etwa dem FBI die Erlaubnis zum Hacken beliebig vieler Computer erteilen kann und stellt quasi einen Durchsuchungsbefehl dar, der jeden betreffen könnte, der eine entsprechende Website besucht. Die Genehmigungen zum Hacken können von jedem US-amerikanischen Amtsrichter in beliebigen Jurisdiktionen erteilt werden.

  • AMAZON itreseller: Amazon bringt Daten per LKW in die Cloud: Der Online-Großhändler hat jetzt in Las Vegas einen Cloud-LKW, das sogenannte „Snowmobile“, vorgestellt. Dieses Konzept basiert auf dem Erflog der mobilen Snowball-Datenfestplatten, auf welchen Kunden bereits Daten im Terabyte-Bereich per Kurier in die Cloud senden können. Jetzt werden schwerere Geschütze aufgefahren und klassisch analog sollen auch große Datenmengen per Lastwagen in das Cloud-Rechenzentrum transportiert werden. Dies soll vor allem für Unternehmen mit großen Datenbeständen hilfreich sein, da selbst mit Highspeed-Leitungen Datenvolumen im Petabyte-Bereich Monate wenn nicht Jahre für die Übertragung brauchen können. Der Truck hingegen kann in rund zehn Tagen mit 100 Petabyte an Daten beladen werden.

  • RUSSLAND zeit: Hacker erbeuten Millionenbetrag von russischer Zentralbank: Die russische Zentralbank wurde filmreich um einen Millionenbetrag erleichtert. In der Moskauer Bank wurden durch einen Hacker-Angriff rund 29 Millionen Euro erbeutet. „Der FSB (der russische Inlandsgeheimsdienst) hat die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um Bedrohungen für die russische Wirtschafts- und Informationssicherheit zu neutralisieren“, hieß es in einer Mitteilung. Neben dem Hacker-Angriff kam es zudem zu gezielten Falschmeldungen, die von einer Krise bei den Bankensystemen, Insolvenzen und dem Entzug von Lizenzen handeln.

  • APPLE t3n: Project Titan doch nicht tot? Apple arbeitet wohl weiter an autonom fahrenden Auto: Apple scheint auch überall seine Finger im Spiel zu haben. So auch in der Welt der autonom fahrenden Autos. Unter dem Decknahmen “Project Titan” arbeitete der Konzern an einem solchen Konzept, soll es aber wieder auf Eis gelegt haben. Apple-Direktor Steve Kenner hat jetzt in einem Schreiben an die National Highway Traffic Safety Administration neue Sicherheits-, sowie Datenschutzregeln gefordert. Konkret angesprochen wird Project Titan darin nicht, so lässt sich aber zwischen den Zeilen ein defintives Interesse an einer Weiterverfolgung des Projekts herauslesen, welches ursprünglich für den Verkauf in 2019 angedacht war.

  • US-WAHL spiegel: So angreifbar sind die Wahlcomputer der USA: Sein Kreuzchen in der Wahlkabine auf einem Computer statt einem Stimmzettel zu hinterlassen sollte eigentlich durchaus praktischer und sicherer sein. So können etwa ungültige Stimmabgaben verhindert werden und die Auszahlung in Sekundenschnelle erfolgen. US-amerikanische IT-Experten haben besagte Wahlcomputer jetzt aber für unzureichend gesichert erklärt und somit das Vertrauen in das Ergebnis der Wahl erschüttert. Computer-Wissenschaftler J. Alex Halderman hat empfohlen die Stimmen in drei Bundesstaaten neu auszuzählen, der Antrag dazu wurde jetzt aber wieder zurückgezogen.

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Wie sich Trump in das Weiße Haus getwittert hat

donald-trump-image-by-lisettebrodey-via-pixabay-[CC0 Public Domain]

Der Sieg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl wurde als atemberaubend und schockierend beschrieben und hat einen „Aufschrei“ in den Medien hervorgerufen. Der gewählte Präsident fand bei mehr als 59 Millionen Amerikanern genug Gehör, dass sie in der Wahlkabine für ihn den Ausschlag gaben und ihm zum Sieg verhalfen. Trump erreichte seine Unterstützer sowohl persönlich als auch über die Social-Media-Plattformen, vor allem über Twitter. Wenige Stunden, nachdem er seine Siegesrede gehalten hatte, war er schon wieder am twittern.

Trumps Twitter-Affinität ist gut dokumentiert. Ein Politiker charakterisierte die Präsenz des Kandidaten auf der Social-Networking-Seite als „eine kontinuierliche Trump-Kampagne, die rund um die Uhr auf Twitter statfindet.“. Angesichts seines Geschicks erklärten ihn einige Leute zum Gewinner in den sozialen Medien und in der Wahlkampfschlacht.

Aber wie viel Einfluss hatte Twitter während der Präsidentschaftswahl 2016? Als Rechtsprofessor, der die Auswirkungen des Internets auf die äußere Welt untersucht, glaube ich, dass die Antwort auf diese Frage durchaus die Art und Weise verändern könnte, wie politische Kandidaten ihre Kampagnen für die kommenden Jahre gestalten.

Politik im Taschenformat

Mit mehr als 300 Millionen aktiven Nutzern in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 ermöglicht Twitter den Menschen, mit Scharen von Freunden und Followern in 140 Zeichen oder weniger zu kommunizieren. Während Amerikaner dazu neigen, Diskussionen über Politik offline zu vermeiden, machen soziale Medienumgebungen wie Twitter es fast unmöglich, sich von politischen Interaktionen im Internet fernzuhalten. Obwohl die Forschung zeigt, dass nur wenige Clinton- oder Trump-Fans enge Freunde im gegnerischen Lager haben, weiten die sozialen Medien diese Kontakte erheblich aus. Vor allem auf Twitter neigen die Nutzer statistisch gesehen eher dazu, Menschen zu folgen, die sie nicht persönlich kennen, als das auf Facebook der Fall ist, wo sich die Nutzer oft mit denen anfreunden, die sie persönlich kennen.

Dies ist besonders entscheidend, wenn man bedenkt, welche Auswirkungen soziale Medien auf politische Meinungen haben. Langanhaltende Konfrontationen mit politischen Diskursen können die Anteilnahme an der Politik verstärken, und die Kommunikation mit anderen elektrisiert politische Aktivitäten bezüglich gemeinsamer Anliegen. Einer von fünf Menschen berichtet, dass sich seine Ansichten über eine politische oder soziale Frage ändern, weil er etwas in den sozialen Medien gelesen hat, und fast die gleiche Anzahl an Menschen sagt, dass sie ihre Ansichten zu einem bestimmten Kandidaten auf Basis dessen, was sie dort gelesen haben, änderten.

Trumps unzensierte Tweets haben überzeugt

Trump war bemerkenswert effektiv darin, die meinungsbildende Macht der sozialen Medien zu nutzen. Seine Kampagne nutzte erfolgreich die Kenntnisse, Kontakte und Fähigkeiten seiner Anhänger im Verbreiten seiner Tweets, um mit dem Werkzeug des Crowdsourcings Wut und Angst zu verbreiten. Zum Beispiel erreichte Trump jeden Tag fast doppelt so viele Twitter-Erwähnungen wie Hillary Clinton, obwohl (oder vielleicht gerade weil) seine Meldungen viel negativer waren. Er brüstete sich auch mit etwa 40 Prozent mehr Twitter-Anhängern als seine demokratische Rivalin.

Trump baute eine Beziehung zu seinen Anhängern auf, indem er seinen eigenen Twitter-Account während eines Großteils seiner Kampagne selbst verwaltete. Clinton nutzte vor allem ein Medienteam – und das merkte man auch. Experten haben darauf hingewiesen, dass Trumps Tweets für seine Anhänger sehr überzeugend waren, weil man ihnen weitgehend anmerken konnte, dass sie direkt von ihm kamen – sie wirkten spontan und nicht so, als wären sie von Medien-Profis bearbeitet worden.

Auf diese Art eine Beziehung aufzubauen, erwies sich als entscheidend, da sich Fans und Follower der Trump-Bewegung anschlossen und sich zu großen Wahlblöcken entwickelten. Scott Adams, der den „Dilbert“-Comic erschuf, verbrachte den Großteil der Wahlkampfphase damit, über Trump als einen Meister der Überzeugung zu schreiben, der besonders das Mittel der Angst nutzt.

Trumps scheinbar ungefilterte Beiträge, die ihre Kernaussagen regelmäßig wiederholten, führten zu viel mehr quantitativem Twitter-Engagement für ihn, im Vergleich zu Clinton. Trumps Anhänger wiederholten und teilten seine Botschaften in Scharen. Manche beschrieben eine „emotionale Verbindung“ zu ihm und sagten, sie würden Stunden damit verbringen, seine Botschaft mit ihren eigenen Netzwerken zu teilen, obwohl sie keine offiziellen Mitarbeiter der Trump-Kampagne waren.

Darüber hinaus erzeugten Trumps Beiträge einen Rückkopplungseffekt, das heißt Social Media Beiträge schafften es in die Fernseh-Nachrichten – und das immer kostenlos in einem Umfang, dessen Äquivalent von medialer Berichterstattung und Werbung Kosten von 3 Milliarden US-Dollar aufgeworfen hätte. Er bezahlte letztlich weniger Geld pro Stimme und pro Delegiertem als jeder andere, der in diesem Jahr für die Präsidentschaft kandidieren wollte, erreichte dabei aber den höchsten Grat an Sichtbarkeit. Ich möchte damit nicht behaupten, dass Clinton keine eigenen Erfolge hatte. Als Reaktion auf eine Beleidigung von Trump, gelang ihr der Tweet, der im Laufe der Wahlkampfphase am meisten geteilt wurde, als sie vorschlug, dass Trump seinen Twitter-Account löschen solle.

Aber Trump monopolisierte Twitter und den Nachrichtenzyklus und erhielt schließlich die meisten Wählerstimmen.

Aktuelle Techniken nutzen

Historiker haben festgestellt, dass in den Alltag eindringende Technologien die Macht haben, politische Wahlen zu beeinflussen. Franklin D. Roosevelt verwendete das neue Medium des Radios, um seine Kamingespräche zu verbreiten, weil seine Konkurrenten viele der Zeitungen in den dreißiger Jahren kontrollierten und eine gewisse Voreingenommenheit durch Zeitungsberichte vermeiden wollte.

John F. Kennedy sagte vier Tage nach der knappen Niederlage von Richard Nixon: „Mehr als alles andere war es das Fernsehen, das das Blatt wendete.“ Das Fernsehen, das neue aktuelle Medium, hatte im Jahrzehnt vor der Wahl von 1960 massiv an Popularität gewonnen. Es scheint so, dass Trump einige Erfahrungen aus der Geschichte genutzt hat, um eine der größten Überraschungen in der modernen Wahlgeschichte zu bewirken.

Ich denke, die Forscher werden Trumps Wahlkampfstrategien noch jahrelang analysieren. In der Tat haben Analysen der Auswirkungen von Twitter auf die Präsidentschaftswahl von 2016 bereits begonnen. Die New York Times hat sogar kürzlich alle „Menschen, Orte und Dinge“ aufgelistet, die Trump auf Twitter beleidigt hat. Trumps unkonventionelle Methoden, die ursprünglich von traditionellen Experten als ineffektiv und wie ein „überstürztes Schulsprecherwahlprogramm“ klingend verspottet wurden, zeigten in dem schnellen und ungefilterten Universum von Twitter einen enormen Effekt. Mit seiner Kampagne konnte er die Wirkung schroffer Wortmeldungen beinahe in Echtzeit anhand seiner Follower testen, um festzustellen, ob sie ihm im weiteren Wahlkampf von Nutzen sein werden.

Traditionellen Politikern, die im Amt bleiben wollen, könnte bald einleuchten, dass Trumps unkonventioneller Aufstieg einen neuen Standart für Wahlkampfstrategien geschaffen hat. Es ist nicht überraschend, dass Twitter-Nutzer, deren Beiträge eine Menge von Aufmerksamkeit durch Likes, Retweets und Antworten bekommen, häufiger twittern als Benutzer, bei denen das nicht der Fall ist. Und die Forschung zeigt auch, dass Emotionen auf Twitter ansteckend sind – sowohl negative als auch positive Tweets erzeugen mehr von dem Gleichen auf der Plattform (positive Tweets sind ansteckender).

Da Emotionen im diesjährigen politischen Wahlkampf eine Rolle spielten, wird das Erlernen der Strategien zu einer weiten und dauerhaften Verbreitung für politische Kandidaten sehr wertvoll sein, um die Macht von Twitter und anderer sozialer Plattformen zu nutzen… zumindest, bis die nächste Innovation kommt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Donald Trump” (adapted) by LisetteBrodey (CC0 Public Domain)


 

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Donald Trump und das Irren der Medien

Donald Trump speaking at CPAC in Washington D.C. (image by Gage Skidmore (CC BY-SA 3.0) via Wikimedia Commons)new

Beinahe jeder geht inzwischen davon aus: Der Name Donald Trump wird auf den Wahlzetteln am 8. November in den USA zu lesen sein. Als der Immobilienunternehmer aus Manhattan letztes Jahr davon sprach, er werde sich um das Präsidentenamt bewerben, gab es vor allem Hohn und zahlreiche Kommentare, die erklärten, warum Trumps Ambitionen mal wieder im Sand verlaufen werden.

Donald Trump hat in den Vorwahlen der Republikaner bislang 953 von 1237 Delegierten gesammelt, die er braucht, um sicher als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden. Das einzige Szenario, das einen anderen Kandidaten als Trump vorsieht, beinhaltet einen die Republikaner vermutlich zerfleischenden Schachzug auf dem Nominierungsparteitag. Und selbst dann würde Trump ziemlich sicher als unabhängiger dritter Kandidat ins Rennen um das Weiße Haus gehen.

Immer wieder wurde das Ende seiner Kampagne heraufbeschworen, seit Trump im Juni letzten Jahres verkündete, beim Wahlkampf mitmischen zu wollen. Nachdem der New Yorker seinen Hut bereits bei anderen Präsidentschaftswahlen in den Ring geworfen hatte, schrieb die Vanity Fair nur: „Reality-TV-Moderator gibt wieder vor, sich um das Präsidentenamt zu bewerben.“ 
In einem Kommentar der New York Post
hieß es: „Sollte Trump wirklich in das Rennen einsteigen und sich wie gewohnt als riesiger Publicity-Wirbelsturm aufführen, würde er seriösen Kandidaten damit nur die Möglichkeit nehmen, ihre Meinungen zu verbreiten, bevor er unweigerlich aus dem Rennen ausscheidet.“ 

Als Trump sagte, die Mexikaner, die illegal in die USA einreisten, seien Vergewaltiger, schrieb das Time Magazine: „Die Republikaner können nur noch ihre Köpfe schütteln.“ Als Trump eine Fox-Moderatorin erst beleidigte und den ganzen Vorgang dann auch noch sexistisch kommentierte, fragte die FAZ: „Ist er jetzt endgültig zu weit gegangen?“ Im Oktober titelte die NZZ: „Trumps Stern sinkt.

So viele Menschen lagen falsch. Haben sie Trump falsch eingeschätzt oder nur die Auswirkung seiner Taten? Wohl eher letzteres. Er verhält sich genau wie der Grobian, der er schon immer war. Der Tölpel, der den 11. September mit dem Namen einer Supermarktkette verwechselt, benimmt sich so rüpelhaft, rücksichtslos und unwissend, wie es fast alle erwartet haben.
Der große Unterschied ist, dass es ihm in keinerlei Weise zu schaden scheint. Im Gegenteil: Je mehr er austeilt, desto lauter jubeln seine Anhänger. Dass dabei aus Trumps Mund nicht viel mehr kommt als das Versprechen, dass er ein „großartiger Präsident“ sein will und er alles so gut, wenn nicht gar besser machen will als jeder seiner Vorgänger, stört seine Fans nicht. Eine politische Strategie wird nicht einmal erwartet.

Wer in den letzten Wochen und Monaten die Berichterstattung zum Vorwahlkampf der Amerikaner verfolgt hat, bekam mittlerweile vor allem ernsthafte Analysen der Politik Trumps zu lesen und sehen. Darin kommt immer wieder der Tenor durch: Trump wird zwar Kandidat der Republikaner, eine realistische Chance auf das Präsidentenamt hat er trotzdem nicht. Jeder, der sich vor einer Welt fürchtet, in der ein ganz offensichtlich ahnungsloser Politiker die globale Politik der USA in Händen hält, kann also beruhigt sein: Das Theater ist im November vorbei, keine Sorge.

Aber: Wie falsch Vorhersagen möglicherweise sind und wie weit man mit Analysen und Aussagen daneben liegen kann, beweist der Blick in das vergangene Jahr. Diejenigen, die zuvor behauptet haben, der Immobilienmilliardär habe keine Chance auf eine Präsidentschaftskandidatur, haben seit Trumps Einstieg in den Wahlzirkus wohl auch schon etliche Male verkündet, dass der Spuk nun wirklich recht bald ein Ende hat. Man sollte also vorsichtig sein – Trump und seine Erfolge sind nicht vorhersehbar.


Image „Donald Trump speaking at CPAC in Washington D.C.“ by Gage Skidmore (CC BY-SA 3.0)


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5 Lesetipps für den 6. Januar

In den Lesetipps geht es um Sprachsteuerung per Smartwatch, Twitter und seine Kurzbeiträge, Facebook, einen fragwürdigen Wahlkampfspot und um Elektroautos. Ergänzungen erwünscht.

  • SPRACHSTEUERUNG Golem.de: Sprachsteuerung per Smartwatch: Volvo lässt Fahrer mit ihrem Auto sprechen: Mit seinem eigenen Auto sprechen? In Zukunft möchte Volvo genau das! Über das “Fitness-Wearable Microsoft Band 2” sollen Autobesitzer künftig per Spracheingabe mit ihrem Auto kommunizieren können. Mit diesen Sprachbefehlen sind Navigationsziele ganz einfach einzugeben. Selbst die Türen lassen sich mit der Volvo-On-Call-App öffnen. Mit diesen und vielen anderen Möglichkeiten, ist diese App zwar nicht die erste, mit der man Autos über eine Smartwatch bedienen kann, aber die erste, mit der man Sprachbefehle an sein Auto sendet. Schon im Frühjahr soll die Sprachfunktion bei den Volvo-Modellen, ab dem Baujahr 2012, möglich sein.

  • TWITTER SPIEGEL ONLINE: Twitter: 140 Zeichen Grenze soll offenbar 10.000 Zeichen weichen: 140 Zeichen reichen nicht. Twitter ist dabei, die 140-Zeichen-Grenze von Tweets aufzuheben und diese auf 10.000 Zeichen zu erhöhen. Jack Dorsey begründete, dass die derzeitigen Tweets bereits umgangen werden, indem viele Nutzer Screenshots von längeren Texten posten. Das Verhalten der Nutzer beobachte er schon seit längerem. Wie es heißt, würde sich an der Darstellung der Nachrichten nichts ändern, da sie dennoch in Kurzform angezeigt und sich erst bei einem Klick auf die Meldung komplett öffnen würden.

  • FACEBOOK t3n: Ohne Google: Facebook arbeitet an Notfallplan für Android-App: Facebook hat anscheinend für alles eine Lösung. So auch für den eventuellen Rauswurf der Facebook App aus dem Google Play Store. Zwar ist davon bislang noch nicht die Rede, jedoch ist nicht zu vergessen, dass Google und Facebook Kontrahenten sind und sich jeder um sich selbst kümmert. Für diesen Fall versucht Facebook jetzt verschiedene Wege zu finden, um die App weiterhin bereitstellen zu können, sollte der Fall eines Rauswurfs eintreten. Neben vielen Ideen besteht unter anderem die Option, dass das soziale Netzwerk mit Smartphone-Herstellern kooperiert, damit diese die Anwendung auf den Geräten schon vorinstallieren können.

  • WAHLKAMPFSPOT FOCUS Online: Donald Trump: Wahlkampfspot verwechselt Mexiko mit Marokko: Bei der US-Präsidentschaftskandidatur steht Donald Trump derzeit an der Spitze. Mit seinen provozierenden Äußerungen erlangt er stets die Aufmerksamkeit der Wähler. So auch in einem Fernsehspot, wofür er eine Menge Kritik einstecken musste. Denn in diesem Spot wetterte Trump gegen Einwanderer aus Mexiko und zeigte stattdessen Bilder von Menschen aus Marokko. Das Wahlkampfteam von Trump jedoch wehrte sich gegen die Kritik der Wähler und erklärte, dass man die Bilder “bewusst” ausgewählt habe.

  • ELEKTROAUTOS heise online: Umfrage: Großes Interesse an Elektroautos in Deutschland: Wie eine Bitkom-Studie ergab, interessieren sich rund 69 Prozent der Deutschen für Elektroautos – allerdings gibt es ein paar Bedingungen, die erfüllt werden müssen. Die Akkuleistung sollte, laut den Befragten, genauso lange anhalten wie eine normale Tankfüllung. Auch der Preis spielt eine große Rolle und ebenso der Komfort, auf den viele Autofahrer nicht verzichten möchten. Der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder schließt aus diesen Ergebnissen jedoch, dass die Verbraucher durchaus offen für E-Autos sind.

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Wie sollten Medien auf einen Demagogen wie Donald Trump reagieren?

Donald Trump (adapted) (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] via flickr)

So schön es auch wäre, jemanden wie Donald Trump sollte man nicht ignorieren! Das Netz beratschlagt, wie man mit Demagogen umgehen soll. Dabei ist Nüchternheit zielbringender als Häme oder Ignoranz.

Am 1. Februar 2016 wird alles vorbei sein. Dann bitten die Republikaner von Iowa ihre AnhängerInnen zum landesweit ersten Primary. Mit solchen Vorwahlen ermitteln die beiden größten Parteien der USA ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen 2016. Und spätestens am 2. Februar sollte dann eine derzeit bestimmende Frage beantwortet sein: Ist die Kandidatur von Donald Trump nur ein großes Spektakel oder doch ein ernstzunehmendes politisches Phänomen?

Bis dahin bleibt aber noch Zeit für ein grundsätzlicheres Problem. Nämlich, wie man mit derart populistischen, mit Fehlinformationen und Diffamierungen arbeitenden Politikern umgehen sollte. Mit jemandem wie Trump also, den der britische Guardian nicht ohne Grund – und nicht als einziger – einen “Demagogen” nennt.

Vielfach war zuletzt zu lesen, man sollte solche Provokateure einfach ignorieren, totschweigen. Ja, man würde ihnen sogar helfen, wenn man sich mit ihnen öffentlich auseinandersetzt. Doch das ist falsch. Vielmehr ist das Wie der Auseinandersetzung entscheidend.

Wer kritisiert, der unterstützt – unfreiwillig. Tatsächlich?

Die Problematik ist auch von deutscher Relevanz – angesichts von Figuren wie Erika Steinbach, Akif Pirinçci oder Björn Höcke. Über die (und Donald Trump) war kürzlich im Weblog “Der Lampiongarten” von Sebastian Baumer zu lesen:

Diejenigen, die sich öffentlich über sie aufregen, um in der rollenden Empörungswelle auch ein bisschen auf sich und ihre moralische Überlegenheit hinzuweisen, sind ihre wichtigsten Helfer. Es gibt fast niemanden im ernstzunehmenden Diskurs, der diese Leute unterstützt. Trotzdem tauchen sie dort permanent auf und können sich damit in die Köpfe einer breiten Masse von Personen schleichen, unter denen sie neue Unterstützer finden.

Durch jeden Tweet, jeden Artikel – so die Argumentation – verschafft man seinem Gegner eine Bekanntheit bzw. Reichweite in den sozialen Medien, die dieser alleine gar nicht erzielen könnte. Menschen, die für die fragwürdigen Botschaften empfänglich sind, werden so überhaupt erst erreicht. Oder anders: Von einem Shitstorm bleibt eben noch genug Mist hängen.

Allerdings verkennt diese Sichtweise eben gleich mehrfach die Realitäten.

Medienereignis trifft auf Medienereignis

Die Medien schenken Donald Trump immer mehr Aufmerksamkeit (Tabelle: Thomas Vorreyer)
Die Medien schenken Donald Trump immer mehr Aufmerksamkeit (Tabelle: Thomas Vorreyer)

Zunächst einmal: Es ist unbestritten, dass Donald Trump seit der Verkündung seiner Kandidatur am 11. Juni eine Welle der Aufmerksamkeit surft. Stichproben zeigen, dass Trump anno 2015 auf wichtigen Webseiten wie BuzzFeed, Politico oder des konservativen TV-Senders Fox News nahezu doppelt so oft erwähnt wurde wie ihm Vorjahr. Und selbst Medien wie die New York Times, die aufgrund ihrer lokalen Bezüge ohnehin nicht um den New Yorker Blondschopf herumkommen, haben ihre Berichterstattung nochmals aufgestockt. Einen richtigen Trump-Hype findet man allerdings online bei CNN: Die Zahl der Erwähnungen pro Jahr hat sich hier mehr als vervierfacht. Selbst für eine derart polarisierende Medienfigur wie es der Fernseh-Promi, Selbstvermarkter und Immobilienunternehmer Trump schon immer war, markiert das einen beachtlichen Hype.

Jedoch überlagert sich hier schlichtweg das über Jahre aufgebaute Medienereignis “Trump” mit dem genuinen Medienereignis einer Präsidentschaftskanditatur. Zumal Trump sich seit Jahren auch auf politischem Terrain bewegt. Bereits im Vorwahlkampf für die Wahlen 2012 hatte er mit einer Kandidatur kokettiert, sich bei der “Tea Party”-Bewegung angebiedert und sich an die Spitze der sogenannten “Birther”-Bewegung gesetzt, die Barack Obamas Herkunft in Frage stellt.

Trump kennt das Rampenlicht so gut wie die fortwährenden Anfeindungen. Seit jeher bietet er dafür genug Angriffsfläche – ästhetisch wie inhaltlich. Kaum verwunderlich ist es da, dass der Kandidat, der einst noch als schadenfroh als “meme to end all memes” betitelt wurde, auch bei den Memes Klassen-Clown und -Krösus zugleich. Eine Studie von Techcrunch belegt, dass zur Person Trump nicht nur die meisten Memes aller derzeit populärsten Kandidaten beider Lager erstellt und geteilt werden: Bei Trump ist auch der Prozentsatz negativer Memes am höchsten.

Aggressionen einerseits, Häme andererseits

Dabei sind manche seiner Forderungen so absurd, dass sie kaum noch parodiert werden können. Für große Lacher sorgte Trumps Idee, zur Terrorismusbekämpfung das Internet in “certain areas” abzuschließen – mit Hilfe von “Bill Gates and a lot of different people who really understand what’s happening.” Eine dankbare Vorlage, gerade für Medien hierzulande. Interessanterweise fand dieser Vorschlag in konservativen US-Medien keinerlei Echo. Er wurde schlichtweg als Randbemerkung ignoriert, während sich liberale und europäische Stimmen hämisch, genüsslich über Trumps #Neuland-Moment hermachten.

Ganz anders verhält es sich mit Trumps Aussagen gegenüber mexikanischen Migrantinnen und Muslimen. Diese waren sehr wohl Aufmacherthemen auf beiden Seiten des Meinungsspektrums. Der große Mauerbau und ein konfessionelles Einreiseverbot mögen nicht weniger irrwitzige Ansätze sein als Bill Gates als Geheimchef des Netzes, jedoch treffen sie in Ton und Inhalt den Nerv eines stetig wachsenden Teils der Bevölkerung. Dieser fühlt sich entweder in seinem Besitzstand bedroht oder ist von jeher aggressiv-rechts eingestellt.

Doland Trump, der digigene Kandidat

“In a world where politics feel so fake and prepared, this verbal violence feels real”, schreibt Douglas Rushkoff auf DigitalTrends folgerichtig über den „Politik-Charlie-Sheen” Donald Trump. Nicht nur dass der Kandidat die nostalgischen Gefühle der Überforderten anspricht (Sein Kampagnen-Slogan lautet: “Make America great again!”), er füttert auch beständig eine Heimsofa-Fußballtrainer-Mentalität, nach der alle anderen, ja, ganz besonders die Politiker in Washington, eh Idioten sind.

Rushkoff geht sogar noch weiter: Donald Trump sei nicht weniger als “the ultimate Internet candidate”. Nicht weil er besonders ausgefeilte Partizipationsmöglichkeiten biete, sondern weil er eben genau die Kommunikation derer reproduziert, die das Internet mit kurzatmiger Paranoia, Copy-Paste-Meinungen, Verschwörungstheorien, Beleidigungen und Fehlinformationen fluten. Oder, wie zahlreiche Twitter-Nutzerinnen anmerken: Trump ist eine menschgewordene Kommentarspalte.

Digigen nennt ihn Rushkoff deswegen. Und genau hier liegt der Punkt, warum eine Verschwiegenheit oder Ignoranz der Medien und von Privatpersonen Trumps Erfolg keinesfalls schmälern würden. Seine polarisierenden, rassistischen, sexistischen, chauvinistischen, verkürzten Wortmeldungen sind zu mitreißend (für seine Anhänger), das digitale rechte Lager mit Blogs wie Infowars.com, Tea-Party-Seiten und Kommentatoren von Glenn Beck bis Rush Limbaugh einfach zu groß, um nicht eigenständig Trends zu kreieren. 

Die Auseinandersetzung ist nötig, muss aber nüchterner geführt werden

Wer dem als Journalistin entgegenwirken möchte, dem bleibt nur, auf Aufklärung, statt auf Häme zu setzen und die zentralen Botschaften und Behauptungen Donald Trumps anzugehen (wie beispielsweise Jennifer Mercieca auf Netzpiloten.de). Dass es schlichtweg falsch sei, dass in den USA 81 Prozent aller weißen Mordopfer von Schwarzen getötet würden, und dass tausende Muslime in den USA die 9/11-Anschläge bejubelt hätten – wie von Trump deklariert –, musste sich dieser neulich sogar bei Fox News von Bill O’Reilly vorhalten lassen.

Auch der sorgfältige Umgang mit Statistiken gehört dazu. Ein Gros von Trumps derzeitigem Nimbus beruht auf seiner Führerschaft in aktuellen Meinungsumfragen. Dabei ist noch gar nicht einmal sicher, ob er wirklich die republikanischen Vorwahlen derart dominieren wird, wie es jetzt überall heißt.

Da wäre zum einen einen spezifischere Umfragen, wie etwa jene der Washington Post. Sie ließ in Iowa, wo eben die Vorwahlen beginnen werden, jene Menschen befragen, die bereits in den letzten Jahren an einem Primary teilgenommen hatten – und dies deshalb sehr wahrscheinlich auch wiederholen werden. Hier landete der blonde Lautsprecher nur auf dem dritten Rang. Da wäre zum anderen ein möglicher Polarisationseffekt, der alle anderen, jetzt noch gespaltetenen republikanischen Lager hinter einem zweiten Kandidaten wie Ted Cruz versammelt, sollte Trump die ersten Wahlen gewinnen.

Über so etwas lohnt es sich, zu reden und zu schreiben. Zumal ein Kandidat, der für das Amt des US-Präsidenten kandidiert und allein schon deshalb an allen großen TV-Debatten teilnimmt, eine nicht zu ignorierende Relevanz genießt. Man muss sich mit ihm auseinandersetzen. Aber eben auf nüchterne Art und Weise.


Image (adapted) “Donald Trump” by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


 

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Die rhetorische Brillanz des Demagogen Trump

Donald Trump (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Mit welchen Mitteln stellt sich Donald Trump immer wieder als rhetorisches Genie mit jeder Menge Zündstoff dar? Eine Analyse.

Die Forderung Donald Trumps vom 7. Dezember, die Einwanderung von Muslimen zu verhindern, wurde weltweit verurteilt. Fast 500.000 Briten unterschrieben eine Petition, die ihre Regierung anwies, Trump keinen Zutritt zu ihrem Land zu gewähren. In den USA wurden Trumps Kommentare sowohl von den Demokraten, den Republikanern, den Medien als auch von religiösen Gruppen angeprangert.

Jedoch stimmten laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage 37 Prozent der designierten Wähler aus dem gesamten politischen Spektrum einem zeitlich begrenzten” Einreiseverbot für Muslime in die Vereinigten Staaten zu. Trump besitzt eine Arroganz und eine Sprunghaftigkeit, die die meisten Wähler aufschrecken lässt. Wie konnte er nun seinen Zugriff auf einen Teil der Basis der Republikanischen Partei erhalten, welcher – zumindest im Moment – unerschüttert scheint.

Wie konnte auch seine Unterstützung bestehen bleiben, obwohl er von einigen als Demagoge und Faschist bezeichnet wurde oder obwohl politische Beobachter Parallelen zwischen ihm und polarisierenden Figuren wie George Wallace, Joseph McCarthy, Father Coughlin – und selbst Hitler – zogen?

Als Wissenschaftler im Bereich der US-amerikanischen politischen Rhetorik halte ich Kurse ab und schreibe über Nutzen und Missbrauch rhetorischer Strategien in der öffentlichen Debatte. Die eingehende Prüfung von Trumps rhetorischen Fähigkeiten kann teilweise seinen profunden und beständigen Reiz erklären.

Die Rhetorik der Demagogie

Das griechische Worte Demagoge” (demos = Volk + ag?gos = Führer) meint wortwörtlich einen Führer des Volkes. Jedoch wird es heutzutage dafür benutzt, einen Anführer zu beschreiben, der populäre Vorurteile bedient, falsche Behauptungen und Versprechen macht und seine Argumentation nach dem Gefühl und nicht nach der Vernunft wählt.

Donald Trump bezieht sich hierbei auf die Ängste der Wähler, indem er eine Nation in der Krise zeichnet und sich gleichzeitig als Held der Nation feiert – der einzige Held, der sich unseren Gegner entgegenstellt, unsere Grenzen sichert und Amerika wieder zu etwas Großartigem macht”.

Sein Mangel an Details, wie er diese Ziele erreichen möchte, ist dabei weniger erheblich als seine selbstbewusste, überzeugende Rhetorik. Er mahnt sein Publikum an, ihm zu vertrauen, verspricht sehr schlau zu sein und lässt, bildlich gesprochen, seine prophetischen Muskeln spielen (wie in dem Fall als er behauptete, die 9/11 Anschläge vorausgesagt zu haben).

Trumps selbst beweihräuchernde Rhetorik lässt ihn als Inbegriff von Überheblichkeit scheinen, die laut Forschungsergebnissen oft die am wenigsten zugkräftigste Qualität eines möglichen Anführers ist. Jedoch ist Trump so beständig in seiner Überheblichkeit, so dass dies authentisch scheint: Seine Großartigkeit ist Amerikas Großartigkeit.

Deshalb können wir Trump mit Sicherheit einen Demagogen nennen. Aber die Furcht, wenn Demagogen wirkliche Macht bekommen, bleibt bestehen. Nämlich, dass sie das Gesetz oder die Verfassung außer Kraft setzen. Hitler ist dabei natürlich das Beispiel für einen Worst Case.

Erstaunlicherweise ist eines von Trumps eigenen Argumenten jenes, dass er sich nicht kontrollieren lassen wird. Im Wahlkampf machte er sich seine Rolle als Machogeschäftsmann zu Nutzen – welche er sich durch seinen Auftritt in den sozialen Medien und in den Jahren als Fernsehpersönlichkeit (bei der er meist die mächtigste Person im Studio war) schuf – um sich für die Präsidentschaft zu bewerben. Dies ist eine Rolle, die Einschränkungen zurückweist: Er lässt sich nicht durch die Partei, die Medien, andere Kandidaten, Politische Korrektheit, Fakten – eigentlich alles – einschränken. Auf eine Weise zeigt er sich als unkontrollierbarer Anführer.

Mit rhetorischen Mitteln Kritiker zerstören

Jedoch möchten die meisten Wähler keinen unkontrollierbaren Präsidenten. Warum bleiben trotzdem so viele felsenfest bei ihrer Unterstützung?

Zuerst bezieht Trump sich auf den Mythos des Amerikanischen Exzeptionalismus. Er beschreibt die Vereinigten Staaten als die beste Hoffnung für die Welt: Es gibt nur eine auserwählte Nation und als Präsident arbeiten alle seine Entscheidungen auf das Ziel hinaus, Amerika großartig zu machen. Dadurch, dass er sich selbst mit dem Amerikanischen Exzeptionalismus verknüpft, während er Gegner als schwach” oder Dummköpfe” beschreibt, kann Trump seine Kritiker als Leute, die nicht an die Großartigkeit” der Nation glauben oder nicht an dieser mitarbeiten, darstellen.

Trump benutzt zudem trügerische und spaltende rhetorische Techniken, die ihn vor Ausfragungen schützen und ihn nicht in die Enge treiben. Er benutzt Ad populum”-Argumente. Dies sind Argumente, die an die Klugheit des Publikums appellieren (Umfragen zeigen, Wir gewinnen überall).

Wenn Gegner seine Ideen oder Haltung hinterfragen, benutzt er Ad hominem” -Attacken oder Kritiken, die stets die Person und nicht ihre Argumentation treffen (er weist seine Kritiker als Dummköpfe”, schwach” oder langweilig” zurück).

Die wahrscheinlich berühmteste Instanz davon war, dass er sich über Carly Fiorinas Aussehen lustig machte, als die Zustimmung für sie in den Umfragen nach der ersten republikanischen Debatte stieg (Schaut auf dieses Gesicht!”, rief er, Wer würde dieses Gesicht wählen? Kannst du dir dieses Gesicht als Gesicht des nächsten Präsidenten vorstellen?”).

Schließlich sind seine Reden auch oft mit Ad baculum”-Argumenten gespickt, die Androhungen von Machtdemonstrationen sind (Wenn Leute mir hinterher spionieren, gehen sie den Bach runter.”). Da Demagogen oft ihre Argumentation auf falschen Behauptungen und der Berufung auf das Gefühl anstelle der Vernunft basieren, greifen sie oft auf diese (rhetorischen) Hilfsmittel zurück.

Beispielsweise erklärte George Wallace während des Präsidentschaftswahlkampfes im Jahre 1968, dass wenn sich irgendein Demonstrant jemals vor sein Auto liegen würde, wäre dies das letzte Auto vor dem er oder sie sich jemals hingelegt hätte (Ad baculum). Joseph McCarthy griff zudem auf eine Ad hominem Attacke zurück, als er den ehemaligen Außenminister Dean Acheson als pompösen Diplomat in gestreiften Hosen mit einen gefälschten britischen Akzent” bezeichnete.

Trump benutzt auch ein rhetorisches Mittel, das sich Paralipse nennt. Damit stellt er Behauptungen auf, für die er nicht verantwortlich gemacht werden kann. Bei der Paralipse stellt der Redner ein Thema oder Argument vor, indem er sagt, dass er nicht darüber sprechen möchte. In Wahrheit möchte er oder sie jedoch genau diese Sache betonen.

Zum Beispiel sagte er in New Hampshiream 1. Dezember:

Aber alle (anderen Kandidaten) sind schwach und nur schwach – Ich glaube, dass sie allgemein schwach sind, wenn sie die Wahrheit hören möchten. Aber ich möchte dies nicht sagen, weil ich es nicht möchte… Ich möchte nicht irgendwelche Kontroversen, gar keine Kontroversen haben, ist dies in Ordnung? Deshalb weigere ich mich zu sagen, dass sie generell schwach sind, okay?

Trumps letztendlicher Trugschluss

Gehen wir zu Trumps Rede über Muslime vom 7. Dezember 2015 zurück, um die dort benutzten rhetorischen Mittel zu analysieren:

Ohne auf die unterschiedlichen Umfrageergebnisse zu schauen, ist es für jeden klar, dass der Hass unbegreiflich ist. Woher dieser Hass kommt und warum gehasst wird, müssen wir herausfinden. Bis wir das Problem und die Bedrohung, die es besitzt, ermitteln und verstehen können, kann unser Land kein Opfer der abscheulichen Angriffe von Menschen werden, die nur an den Dschihad glauben und keinen Sinn für die Vernunft oder den Respekt vor menschlichen Leben haben. Wenn ich die Präsidentenwahl gewinne, werden wir Amerika wieder großartig machen.

In dieser Erklärung macht Trump bereits zwei Dinge unumstößlich (oder unbestreitbar): Amerikanischer Exzeptionalismus und der Hass der Muslime auf Amerika. Laut Trump werden diese Grundsätze von der Klugheit des Publikums (Ad populum) unterstützt; sie sind für jeden klar”.

Er beschreibt Muslime in wesentlichen Worten als ein Volk, dass nur an den Dschihad glaubt, voller Hass ist und keinen Respekt vor menschlichem Leben hat. Trump benutzt die Verdinglichung, – die Betrachtung von Objekten als Menschen und Menschen als Objekt – um seine Grundsätze miteinander zu verbinden und seine Aussage zu unterfüttern: Unser Land kann nicht das Opfer von abscheulichen Angriffen von Leuten, die nur an den Dschihad glauben, werden”.

Hierbei personifiziert er “unser Land”, indem er die Nation als Person darstellt. Währenddessen benutzt er im englischsprachigen Originalzitat that anstatt who, um zu zeigen, dass Muslime keine Menschen, sondern Objekte sind. Seine tiefere Logik hierbei ist, dass unsere Nation ein Opfer dieser Objekte” ist. Objekte müssen nicht mit der gleichen Sorgfalt wie Menschen behandelt werden. Deshalb sind wir berechtigt, Muslime den Eintritt in das Land zu verwehren.

Schließlich muss noch gesagt werden, dass Trumps Beweisführung unvollständig ist und sich an seinem eigenen Blickwinkel orientiert. Seine Erklärung zitierte eine Umfrage unter US-amerikanischen Muslimen, die zeigt, dass 25 Prozent der Befragten dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen Amerikaner hier in den Vereinigten Staaten gerechtfertigt ist” .

Die Daten der Umfrage kamen vom Zentrum für Sicherheitspolitik (CSP – Center for Security Policy), welches das Southern Poverty Law Center als anti-muslimische” Denkfabrik bezeichnet. Darüber hinaus sagt Trump nicht, dass in der gleichen Umfrage 61 Prozent der US-amerikanischen Muslime dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen jene, die den Prophet Mohammed, den Koran oder den islamischen Glauben beleidigen” , nicht annehmbar ist. Noch erwähnt er, dass 64 Prozent nicht glauben, dass Gewalt gegen US-Amerikaner hier in den USA als Teil des globalen Dschihad gerechtfertigt ist” .

Unglücklicherweise lässt sich Trump, wie ein wahrer Demagoge nicht zu sehr von den Fakten aufhalten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Donald Trump” by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


 

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Über datengetriebenes Campaigning: Die Daten der Demokraten

Top Three 2016 Democratic Candidates - Caricatures (adapted) (Image by DonkeyHotey [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Seit der Wiederwahl von Obama gilt datengetriebenes Campaigning in den USA als Faktor für den Erfolg bei Wahlen. Gab es im Vorwahlkampf nun einen Datendiebstahl?

Während sich Hillary Clinton, Bernie Sanders und Martin O‘Malley auf die dritte TV-Debatte der demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten vorbereiteten, entwickelte sich in der innerparteilichen Auseinandersetzung ein Nebenkriegsschauplatz: Verantwortliche aus dem Team von Sanders hatten unberechtigter Weise Zugriff auf Datenmaterial der Clinton-Kampagne. Diese Episode wirft ein Schlaglicht auf die Bedeutung, die die Vermessung der Wählerschaft für die Kampagnenführung haben kann. Und freilich markiert der Vorfall einige Probleme des “computational campaign management”.

Die Berichterstattung über die Relevanz digitaler Wahlkampfinstrumente für Obamas erfolgreiche Kampagnen war von Beginn an überschwenglich; 2012 geriet sie dann zur Mythologisierung: In einer “Höhle” in Obamas Hauptquartier hausten demnach Hipster-Nerds, deren technologische Raffinesse dem Amtsinhaber die Wiederwahl sicherten. Vor allem durch diverse Datenerhebungsverfahren gespeiste Modelle der Wählerschaft ermöglichten ein exaktes Micro-Targeting potenzieller Spender, Influencer und schließlich Wähler sowie die punktgenaue Verausgabung der finanziellen und organisatorischen Ressourcen. Denn das Profil der Wähler steuerte nicht nur zielgruppenspezifische Mailings, sondern auch den Einsatz von Freiwilligen, die von Tür zu Tür zogen und Sympathisanten zur Stimmabgabe mobilisierten.

Sanders Blick über die Firewall

Nachdem der linke Außenseiter Bernie Sanders bei der Mobilisierung von Unterstützung im Vorwahlkampf gegen die Favoritin Hillary Clinton Achtungserfolge erzielen konnte, spielen nun diese Aspekte bereits im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur eine erhebliche Rolle. Dabei stützen sich beide Kampagnen auf eine beständig aktualisierte Datenbank der Demokratischen Partei (Democratic National Committee – DNC).

Dies hat damit zu tun, dass sich Bürger zur Teilnahme an den Vorwahlen als Unterstützer der Demokraten registrieren. Insofern setzen die Anwendungen der innerparteilichen Konkurrenten also auf der gleichen Plattform des Dienstleisters NGP VAN auf und sind dort durch technische Vorkehrungen voneinander getrennt: “Das Unternehmen pflegt eine Stammwählerliste für das DNC und verleiht diese an nationale und staatliche Kampagnen, die dann ihre eigenen, geschützten Informationen, gesammelt von Außendienstmitarbeitern und Freiwilligen, hinzufügen.”

Ein Fehler ermöglichte nun Zugangsberechtigten von Seiten Sanders einen kurzen Einblick in das Datenmaterial der Clinton-Kampagne. Seitens NGP VAN wurde protokolliert, dass diese Gelegenheit auch dazu genutzt wurde, betreffende Daten zu sichern. Die Demokratische Partei reagierte darauf mit einer drakonischen Maßnahme und entzog Sanders den Zugriff auf die Datenbank. Dagegen wehrte sich Sanders mit juristischen Mitteln und erreichte eine Einigung, die seiner Kampagne wieder Zugang zur Partei-Plattform gewährt.

Kritische Kollaboration

In der Auseinandersetzung um den Vorfall argumentierten beide Lager mit der immensen Bedeutung der Daten wie die Formulierungen von Clintons Kampagnen-Manager Robby Mook und Sanders Kampagnen-Manager Jeff Weaver verdeutlichen: “Mook sagte, dass die in den Datenbanken gespeicherten Informationen ‘fundamentale Teile von unserer Strategie’ beinhalten. Weaver (…) sagte, dass die Partei Sanders Team vom ‘Lebensnerv jeglicher Kampagne’ abgegrenzt hat.”

Die Sanders-Kampagne bezifferte den Verlust, der in diesem Zusammenhang unter anderem im Bereich des Fundraising entstehe auf 600.000 US-Dollar pro Tag. Vor dem Hintergrund dieser Angaben liegt es nahe, auch die Rolle des Dienstleisters als Gatekeeper zu problematisieren. Dass nahezu jede Kampagne eines demokratischen Bewerbers in den USA auf NGP VAN vertraut, ist eine strategische Entscheidung, betont Nancy Scola: “Es ist eine Glaubensfrage unter den demokratischen Parteimitgliedern, dass sie mit Hilfe von Shareware und anderen Dateninformationen Vorteile gegenüber den Republikanern erlangen, die sich an einem weitaus kleineren Set an Softwareanbietern bedienen.”

American Exceptionalism?

Wer nach der Relevanz dieser Episode für Parteidemokratien fragt, braucht selbst in Europa nicht weit zu blicken. Der Überraschungserfolg des Linken Jeremy Corbyn bei der Wahl zum Vorsitzenden der Labour-Partei, war unter anderem auch datengetrieben:

Die Geheimwaffe des digitalen Teams war der leise sprechende junge Technik-Experte Ben Soffa. (…) Soffa entwickelte eine App – unter Nutzung von NationalBuilder, einer Software, welche die amerikanische Politik organisiert – die es Freiwilligen erlaubt, vom eigenen Heim aus Anrufe zu potenziellen Unterstützern zu tätigen. Die App beinhaltet Informationen über eine individuelle Labour-Mitgliedschaft, in welchem Wählerkreis sie lebten und die Daten ihrer Wahlkampfgeschichte. Freiwillige sollen hiermit einige Fragen verfolgen, deren Antworten durch das Team von Soffa mit der App gekoppelt sind.

Dabei stützte sich die Corbyn-Kampagne auf Daten der Parteiorganisation und konnte Sympathisanten zu Wählern machen, denn nicht nur Parteimitglieder waren wahlberechtigt.

Dies mag in Deutschland auf den ersten Blick undenkbar sein, aber vor einigen Jahren brachte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel für die Kür des Kanzlerkandidaten seiner Partei schon einmal Vorwahlen nach US-Vorbild ins Gespräch. Auch hier wäre also der Zugriff auf die Datensammlungen der Partei für alle Bewerber gleichermaßen zu gewährleisten. Dass beispielsweise E-Mail-Adressen von Sympathisanten von besonderen Bedeutung sind, scheint sich jedenfalls schon bis zu den Volksparteien herumgesprochen zu haben. Im Kontext der Bemühungen zur Modernisierung der Parteiarbeit haben CDU und die von Obamas Wahlkampfstrategie Jim Messina für die nächste Bundestagswahl beratene SPD erst kürzlich die Erhebung von E-Mail-Adressen zum zentralen Bestandteil ihrer Websites gemacht.


Image (adapted) “Top Three 2016 Democratic Candidates – Caricatures” by DonkeyHotey (CC BY-SA 2.0)


 

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Sorry Hillary! Du wirst höchstens Zweite werden.

altered Edith Wilson portrait - Woodrow Wilson House - Washington DC - 2013-09-15 (adapted) (Image by Tim Evanson [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Seit ein paar Monaten schon rollt die mediale Werbewelle zur US-Präsidentschaftswahl 2016. Anfang November 2016 ist es endlich soweit: Die USA könnte mit Hillary Clinton ihre zweite weibliche Präsidentin bekommen. Moment mal, wie war das gleich? Ja, richtig gelesen. Die Vereinigten Staaten hatten bereits eine Präsidentin. Ihr Name: Edith Bolling Galt Wilson. Nun gut, die Spitzfindigeren unter den Lesern werden jetzt wahrscheinlich die Brauen hochziehen und mit missbilligender Miene verkünden: “[Name der Suchmaschine eurer Wahl] sagt aber, das war nur die Ehefrau von Woodrow Wilson!” So weit, so gut. Aber was heißt hier “nur”?

Präsident Woodrow Wilson, seit 1913 im Amt, war seit Längerem schon durch Stress und diverse Krankheiten geschwächt, hinzu kam ein Infarkt im Jahr 1919, der ihn ans Bett fesselte. Damals war er gerade dabei, die Grundsätze für den Völkerbund, den ‘League of Nations’, nach dem ersten Weltkrieg festzulegen, der für eine internationale Abrüstung und Zusammenarbeit sorgen sollte.

Monatelang befand sich das Ehepaar Wilson auf einer Reise durch die US-Bundesstaaten, um die Bevölkerung dazu zu bringen, den entsprechenden Senator zu wählen, der sich für den Vertrag einsetzte. Doch dann kam der Schlaganfall und Wilson war weitestgehend manövrierunfähig. Die Bevölkerung sollte davon möglichst nichts erfahren, denn einen schwachen Präsidenten konnte und wollte man sich in diesen unruhigen Zeiten nicht leisten.

Was macht man mit einem kranken Präsidenten?

Bisher hatte man es augenscheinlich versäumt, eindeutige Festlegungen zu formulieren, wie man vorgehen konnte, wenn der Präsident zwar am Leben war, seinen Aufgaben aber dennoch nicht nachgehen konnte. Natürlich gab es auch zu Wilsons Zeiten einen Vizepräsidenten, einen Mann namens Thomas R. Marshall. Als es ernst wurde und seine Dienste in Anspruch genommen werden mussten, lehnte dieser die ihm angetragene Vertreterrolle allerdings rundweg ab.

Manche Quellen vermuten, er schreckte vor der plötzlichen Verantwortung zurück, mit der er so nie gerechnet hatte. Andere besagen, er fürchtete sich vor dem Ruf, Wilson aus eigener Kraft von seiner Machtposition vertrieben haben zu können. Wieder andere, vermutlich auch er selbst, hielten ihn schlichtweg intellektuell für nicht sonderlich geeignet. Dies war der Moment, als Wilsons Frau auf den Plan trat.

Edith war mit Anfang Vierzig noch recht jung, für beide war es die zweite Ehe. Sie hatten sich erst wenige Monate vorher Hals über Kopf ineinander verliebt, so dass sie ihrem Mann eher aus Leidenschaft und Hilfsbereitschaft denn aus eigenem politischen Interesse zur Seite stand. Sie übernahm sämtliche Korrespondenz für ihn, unterschrieb offizielle Papiere, setzte Briefe auf – alle täglichen Aufgaben wurden von nun an von ihr erledigt.

Zwar wurde sie weder für ihre Arbeit bezahlt, noch war sie offiziell als Verantwortliche eingetragen, aber sie führte ihre Aufgaben gewissenhaft aus. Bei den Kongressmitgliedern blieb der Einfluss Ediths natürlich nicht unbekannt. Vielmehr rief er lautstarken, wenn auch inoffiziellen Protest hervor, man sprach sogar von einer “Petticoat-Präsidentschaft”, als Wilson seine zweite Amtszeit antrat.

Noch gab es kein aktives Wahlrecht

Man darf hierbei nicht vergessen: All dies geschah noch vor der Einführung des aktiven Wahlrechts für Frauen in den USA. Dieses trat erst im Folgejahr 1920 in Kraft. Es ist anzunehmen, dass es einen enormen Aufruhr unter den Konservativen und auch unter den Frauenrechtlerinnen gegeben hätte, wäre Edith Wilsons inoffizielle ‘Regierungsübernahme’ in der Öffentlichkeit weithin bekannt geworden.

Eventuell hätte dies auch zum Sturz Woodrow Wilsons selbst geführt. Stattdessen führte seine Frau nun also eine Art Schattenpräsidentschaft. Hier war sie an den Verhandlungen des Versailler Vertrages beteiligt, sie managte sogar den Streik der Stahlarbeiter, der die USA kurzzeitig lahmzulegen drohte.

Einige Zeitungen rochen den Braten, und viele berichteten sogar recht positiv über sie und ihre politischen Ambitionen. Die Gerüchte, denn nach ihnen klang die Nachricht in den Ohren der Öffentlichkeit, wurden jedoch nie offiziell gegenüber den Medien bestätigt. Dennoch vermerkte Andrew Phillips, Kurator der Woodrow Wilson Presidential Library, an, dass sich die Dinge auch in eine völlig andere Richtung hätten entwickeln können. “Edith vermittelte uns Sicherheit und stärkte uns in einer besonders schwierigen Zeit.” Bereits im Jahr 1921 schied Wilson aus dem Amt, und mit ihm seine Frau.

Die Zeiten haben sich mittlerweile deutlich gewandelt, und eine weibliche Präsidentschaft ist weder undenkbar noch unwahrscheinlich. Vielleicht hat sich auch Hillary Clinton etwas von Edith Wilsons Regierungsstil abgeschaut? Auch Clinton genießt die Unterstützung des regierenden Präsidenten, und auch die Presse ist sich mehrheitlich einig, dass sie eine geeignete Kandidatin für diesen Posten sei. Nicht heute oder im Jahr 2016 ist die Zeit reif für eine weibliche Präsidentin, sie war es schon vor fast hundert Jahren.


Image (adapted) “altered Edith Wilson portrait – Woodrow Wilson House – Washington DC – 2013-09-15” by Tim Evanson (CC BY-SA 2.0)


 

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