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VR Prototyping Lab bringt einzigartige Projekte hervor

Drei Monate lang tauchten Lucie Kruse, Dennis Kahya und Martin Tege in virtuelle Welten ab. Sie erkundeten den Markt und entwickelten schließlich den Prototypen einer Anwendung zur interaktiven Gestaltung eines Eigenheims. Die drei jungen VR-Visionäre sind Hochschüler an der HAW Hamburg und der Universität Hamburg. Ihre Anwendung entstand im Rahmen des ersten VR Prototyping Labs von nextMedia-Hamburg und nextReality Hamburg.

Neue Ideen durch das VR Prototyping Lab

Das VR Prototyping Lab ist ein von der Standortinitiative für Medieninnovation gestartetes Kooperationsprojekt, bei dem Studenten zusammen mit erfahrenen Unternehmen eigene VR-Prototypen entwickeln. Lucie, Dennis und Martin arbeiteten mit Bauer Xcel Media zusammen, der digitalen Dachmarke der Bauer Media Group. Der Spiegel und Foodboom nahmen ebenfalls als Partnerunternehmen am VR Prototyping Lab teil. Deren Projekte werden in Kürze von nextMedia vorgestellt.

Unterstützt wurden die Studenten übrigens von den VR-Experten Matthias Kuhr, Eike Langbehn und Simon Graff von nextReality.Hamburg. Diese standen den Nachwuchs-Entwicklern während der gesamten Dauer des Projektes beratend zu Seite. Gemeinsame Realitäts-Checks prüften die Ideen beispielsweise auf Durchführbarkeit mit Blick auf Zeit, Personal und Budget.

Jede Arbeitsgruppe setzte sich zudem aus je einem IT-Studenten, einem Virtual Reality Studenten, sowie einem Studenten der Digitalen Kommunikation zusammen. Das interdisziplinäre Arbeiten war eine der großen Herausforderung, die das Projekt aber auch so einzigartig machen. Schon bevor die Gruppen festgelegt wurden, gab es bei einem Kickoff-Barcamp zum Start des Projektes, neben einem Impulsvortrag über die Herausforderung von VR-Anwendungen, auch einen ersten Austausch zwischen Studenten und Unternehmensvertretern.

Beim Kickoff-Barcamp tauschten Studenten und Unternehmen bereits fleißig Ideen aus. Image by nextMedia.Hamburg

Das eigene Heim im virtuellen Baukasten

Die Gruppe um Bauer Xcel Media entschied sich für eine VR-Anwendung, in der man sein Eigenheim in einer virtuellen Welt aufbauen und gestalten kann. Ein virtueller Buddy hilft dem Anwender, Wände hochzuziehen, Böden zu verlegen und sein virtuelles Eigenheim schließlich zu möbelieren. Dank einer Physik-Engine lassen sich einzelne DIY-Projekte sogar simulieren, bevor man sie im echten Leben nachbaut.

Im regelmäßigen Austausch mit Bauer Xcel Media wurde der Prototyp immer wieder um neue Features, wie integrierte Medien oder Spracherkennung ergänzt. „Es handelt sich um einen Prototyp mit entsprechenden Einschränkungen, aber potenziell könnten in der Anwendung sogar ganze Themenwelten implementiert, Werbepartner platziert oder Produkte erwerbbar gemacht werden. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos und für uns als Medienhaus ist es natürlich sehr spannend, entsprechend zu experimentieren“, äußerte sich Julian Wagner, Head of Emerging Technologies & Special Projects bei der Bauer Xcel Media.

Eine Studentin bei der Einrichtung des VR-Prototypen für eine Demo-Vorstellung. Image by nextMedia.Hamburg

Bereicherung für alle Seiten

Für die jungen Entwickler eröffneten sich ganz neue Erfahrungen durch die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Unternehmen. „Ich habe sehr viel gelernt, vor allem durch die gemeinsame Konzeptionierung, regelmäßigen Brainstormings und die professionelle Zusammenarbeit mit der Bauer Media Group“, resümiert Dennis Kahya, Student des Masterstudiengangs Digital Reality der HAW Hamburg.

Doch nicht nur die Studenten, auch ihre Partnerunternehmen zeigten sich begeistert. „Wir haben tatsächlich festgestellt, dass ein Prototyping Lab uns ermöglicht, komplett frei von allen bisherigen Geschäftsmodellen zu denken und zu schauen, in welche Richtungen man sich weiterentwickeln kann.“, äußerte sich Julian Wagner im Recap-Video zum Prototyping Lab.

Prototyping Lab 2019

Der Erfolg des ersten Prototyping Labs beflügelt auch die Standortinitiative. Zum Thema „künstliche Intelligenz“ plant nextMedia.Hamburg dieses Jahr ein weiteres Prototyping Lab. Bereits jetzt wird nach Unternehmen gesucht, die jungen Talenten bei der Umsetzung neuer KI-Lösungen unter die Arme greifen.


Image by Jacob Lund via stock.adobe.com

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Facebook sponsert TU München mit 6,5 Millionen Euro für KI-Forschung

Universitäten sind für ihre Forschungen auf Geldgeber angewiesen. Zum Großteil finanzieren sich die deutschen Hochschulen aus öffentlicher Hand, doch gelegentlich gibt es auch Geldgeber aus der Wirtschaft. Die Technische Universität München (TUM) bekam jüngst prominente Unterstützung durch Facebook. Das bekannte US-Unternehmen fördert eine neue Initiative der TUM. Diese befasst sich mit der Ethik künstlicher Intelligenz.

An der TU München zählen auch ethische Werte

In der neuen Leitstrategie der TU München werden Forschung und Lehre fortan im Kontext eines „Human-Centered Engineering“ ausgestaltet. Das bedeutet, dass auch Disziplinen wie Philosophie, Ethik, Soziologie und Politikwissenschaften gefordert sind. Mit diesem Ausbauprogramm für Geistes- und Sozialwissenschaften, möchte man eine kulturelle und gesellschaftliche Rückverankerung der teils sprunghaft fortschreitenden Entwicklung sicherstellen.

Aus diesem Ziel entstand übrigens 2012 im Rahmen der Exzellenzinitiative das Munich Center for Technology in Society (MCTS). Das MCTS macht sich zum Ziel, die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft zu verstehen und selbst zu gestalten.

Prof. Christoph Lütge vom Peter Löscher-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik formuliert die übergeordneten Ziele: „Wir wollen Leitlinien liefern für die Identifikation und Beantwortung ethischer Fragen der Künstlichen Intelligenz für Gesellschaft, Industrie und Gesetzgeber.“

Facebook-Unterstützung ohne weitere Vorgaben

Facebook unterstützt das neue TUM Institute for Ethics in Artificial Intelligence mit 6,5 Millionen Euro. Dabei stellt das bekannte Unternehmen keine weiteren Vorgaben.

„Bei Facebook ist der verantwortungsvolle und umsichtige Umgang mit der KI für alles, was wir tun, von grundlegender Bedeutung. Die KI wirft jedoch komplexe Probleme auf, die Menschen und Gesellschaft betreffen und die die Industrie allein nicht beantworten kann“, sagt Joaquin Quiñonero Candela, Director of AI bei Facebook. „Wir freuen uns, die Gründung des unabhängigen TUM Institute for Ethics in AI unterstützen zu können, und sind überzeugt, dass das Institut das wachsende Forschungsfeld der Ethik im Bereich der neuen Technologien vorantreiben und grundlegende Fragen im Zusammenhang mit der Nutzung und den Auswirkungen von AI untersuchen wird.“

Die Zuwendung wurde außerdem auf der Konferenz „Digital-Life Design“ in München von Facebook-COO Sheryl Sandberg offiziell bestätigt.


Image by phonlamaiphoto via stock.adobe.com

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Warum Emojis der nächste Passwort-Trend werden könnten

Emoji (adapted) (Image by TeroVesalainen [CC0 Public Domain] via pixabay

Würdest du dein Smartphone lieber mit einer simplen und klassischen 4-stelligen PIN oder mit einem Emoji entsperren? Wäre es einfacher und komfortabler, „🐱💦🎆🎌“ im Kopf zu behalten als beispielsweise „2476“?

Smartphone-Nutzer benutzen Emojis normalerweise, um Stimmungen, Gefühle und Gesprächsnuancen in E-Mails und Textnachrichten auszudrücken. Teilweise werden sogar ganze Nachrichten nur mit Emojis verschickt. 2015 hat eine britische Firma versucht, Emoji-Passwörter anstelle von PINs an Bankautomaten einzusetzen. Allerdings gibt es bis jetzt noch keine offizielle Studie darüber, wie einfach diese zu benutzen waren oder wie sicher die Emoji-Passwörter im Vergleich zu anderen Methoden wie PINS sind.

Um mehr darüber durch ein Experiment und in der echten Welt herauszufinden, hat ein Team von Wissenschaftern der Technischen Universität Berlin, der Universität Ulm und der University of Michigan unter der Leitung der Doktorandin Lydia Kraus von der TU Berlin den Dienst EmojiAuth entwickelt. EmojiAuth ist ein Emoji-basiertes Login-System für Android-Smartphones.

Wie gut würden Nutzer sich an ihre emojigesteuerten Passwörter erinnern können? Wären diese möglicherweise auch sicherer? Und könnten sie ebenfalls unterhaltsamer sein und das Entsperren des Smartphones für den Nutzer spaßiger gestalten?

Emoji-Passwörter kreieren

Die meisten Smartphone-Nutzer haben ihren Bildschirm gesperrt und müssen diesen dementsprechend mehrmals täglich entsperren. Viele Menschen nutzen numerische PINs, aber die Forschung hat gezeigt, das Bilder einfacher zu merken sind als Zahlen oder Buchstaben. PINs können aus einer geringeren Anzahl von Symbolen zusammengesetzt werden oder aus einer Kombination aus den Zahlen 0 bis 9. Passwörter hingegen können aus einer deutlich größeren Anzahl Ziffern bestehen, sind allerdings schwierig auf Smartphones zu tippen. Emojis dagegen erlauben es uns, von über 2.500 möglichen Emojis zu wählen, wodurch die Emoji-Passwörter viel resistenter gegen Hacking oder Spionage sind.

Im ersten Experiment gaben wir 53 Teilnehmern ein Android-Smartphone und teilten sie in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe von 27 Personen suchte sich ein Passwort aus, welches aus zwölf beliebigen Emojis bestand. Die zwölf beliebigen Emojis konnten aus einer Emoji-Tastatur ausgewählt werden, die aus allen möglichen Emojis individuell für jeden Nutzer generiert wurde. (Sobald die Tastatur eingestellt wurde, blieb es gleich). Die verbleibenden 26 Personen suchten sich eine numerische PIN aus.

In den meisten Fällen haben die Teilnehmer ihr Emoji-Passwort nach einer der drei folgenden Methoden ausgewählt:

  1. nach einem Muster des Emoji-Keyboards (beispielsweise von oben nach unten oder die Emojis, die sich in den Ecken befinden),
  2. nach persönlichen Vorlieben für bestimmte Emojis oder
  3. es wurden mit den Emoji-Mustern Geschichten kreiert.

Ein Teilnehmer hatte beispielsweise ein Lied im Kopf und suchte Emojis aus, die dem Text des Liedes entsprachen. Nachdem die Teilnehmer einige Male das neue Passwort eingegeben hatten, wurden sie eine Woche später gebeten, die Passworte für den Test in das Smartphone einzugeben.

Die Resultate ergaben, dass sowohl PINs als auch Emoji-Passworte leicht zu merken sind. Alles in Allem haben die PIN-Nutzer ihr Passwort im Schnitt ein paar Mal häufiger behalten. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass Menschen in der Regel daran gewöhnt sind, PINs zu nutzen und sich diese zu merken. Die Teilnehmer mit den Emoji-Passworten berichteten allerdings von größerem Spaß bei der Eingabe ihrer Codes.

Emoji-Passworte im Alltag

Als nächstes wollten wir herausfinden, wie gut Emoji-Passworte dem Test im Alltag standhalten. Auf den Android-Smartphones von 41 Teilnehmern wurde ein spezieller Login-Screen für deren Email-App für etwa zwei Wochen installiert. Die eine Hälfte nutzte Emoji-Passworte, die andere Hälfte nutzte PINs.

Wie wir in dieser Studie herausfanden, haben die Nutzer, die Emoji-Passworte verwendeten, Emojis gewählt, die einem Muster auf der Tastatur entsprachen, nach persönlichen Vorlieben ausgesucht wurden oder eine Geschichten erzählten. Beide Teilnehmergruppen, sowohl die Gruppe mit den PINs als auch die mit den Emojis, berichteten, dass ihr Passwort leicht zu merken und zu nutzen war. Die Emoji-Testgruppe gab jedoch an, dass die Eingabe ihrer Passworte mehr Spaß machte als nur Zahlen einzugeben.

Zusätzliche Sicherheit

Am Ende der Studie haben wir die Sicherheit der Emoji-Passwörter getestet. Hierfür haben wir die Teilnehmer gebeten, den Leitern der Studie über die Schulter zu schauen, während diese ihr Passwort eingaben. Dabei fanden wir heraus, dass die Emoji-Passworte , die auf sechs zufällig gewählten Emojis basieren, bei dem „über-die-Schulter-schauen“ am schwierigsten zu „klauen“ beziehungsweise zu merken waren.

Andere Arten von Passwörtern, wie zum Beispiel vier oder sechs Emojis oder Zahlen, die nach einem Muster gewählt wurden, waren leichter zu beobachten und korrekt zu merken. Unsere Studien, die ein Mitglied unseres Forschungsteams am 30. Mai in Rom präsentieren wird, zeigen, dass eine Emoji-basierte mobile Identifikation nicht nur praktisch ist, sondern auch eine unterhaltsame Art, sich Passwörter leichter zu merken und diese zu schützen. Dies gilt nur, solange die Nutzer keine Emojis verwenden, die einem Muster der Tastatur entsprechen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Emoji“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Check-up Ireland: Odyssee in der Weltraumforschung

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden 12 Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Ireland – a Space Odyssey?

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016 und NASA, ESA mit ihren großen Nationen, Russland und China haben das gesamte Weltall unter sich aufgeteilt. Das gesamte Weltall? Nicht das gesamte Weltall – eine kleine Nation auf einer Insel am Rande Europas macht Schritte, die nicht nur wichtig für Irland selbst sind, sondern gleichzeitig auch bedeutend für die Menschheit.

Als Johann-Dietrich Wörner, seines Zeichens Direktor der Europäischen Raumfahrt-Agentur ESA, im Sommer Irland besuchte, traf er nicht nur mit etablierten Wissenschaftlern zusammen. Die Tatsache, dass er auch von Ministerpräsident Enda Kenny empfangen wurde, unterstrich die Bedeutung, die die irische Regierung und ihre halbstaatlichen Förderungsorgane dem Bereich Raumfahrt-Technologie zumessen. ESA verkündete im Beisein von Enda Kenny die Gründung eines multidisziplinären Inkubators, in dem sich bis zum Jahr 2020 25 irische Startups entwickeln sollen. Federführend auf irischer Seite ist hierbei das Tyndall National Institute in Cork, aber auch die Universität in Maynooth und das Technologie-Institut in Athlone (Technologie-Institute in Irland = ähnlich wie Fachhochschulen in Deutschland) spielen eine wichtige Rolle.

Des Weiteren gab Johann-Dietrich Wörner auch eine Partnerschaft mit dem irischen Forschungverband bekannt, die es irischen Absolventen in den Bereichen Ingenieurswissenschaften, Physik oder Chemie ermöglichen wird, an Trainee-Programmen von ESA teilzunehmen.

Schon jetzt können sich irische Firmen, bedingt durch die Mitgliedschaft Irlands bei ESA, bei Ausschreibungen um Verträge bewerben, die pro Jahr einen Gesamtwert von 5 Milliarden Euro haben. Das Ministerium für Arbeit, Wirtschaft und Innovation erwartet zudem in den ersten vier Jahren nach der Unterzeichnung des Abkommens mit ESA eine Verdoppelung der Arbeitsplätze im Bereich Raumfahrt-Technologie auf ganze 1000 – eine Zahl, die nicht zu ambitioniert ist. Der Umsatz, den irische Firmen mehr oder weniger unbeachtet schon heute im Raumfahrt-Sektor erzielen, liegt bei geschätzten 300 Millionen Euro.

Bei einer Veranstaltung im Rahmen der Ireland Science Week, die gerade zu Ende ging, wurde allerdings selbstbewusst das Ende des unbeachteten Daseins des Sektors verkündet. David Gibbons, Manager des bereits oben erwähnten ESA Space Solution Centre am Tyndall National Institute in Cork, beschrieb in seiner Rede den Weg, den Irland gerade im Raumfahrt-Sektor beschreite.

Weg vom versteckten Juwel, der noch nicht erzählten Geschichte hin zu etwas Unübersehbaren, zu einer Erfolgsgeschichte, ähnlich wie der der Pharmaindustrie.

Mittels Clusterbildung bekannter multinationaler Firmen wie Pfizer an Universitäts-Standorten wie Dublin, Galway und Cork wurde die Pharmaindustrie zu einem der Vorreiter in der so erfolgreichen Ansiedlungspolitik der irischen Wirtschaftsförderung. Cork, Maynooth und Athlone wollen dem Beispiel folgen.

Wenn es um das Warum oder gar die Daseinsberechtigung von Raumfahrt-Technologie geht, ist oft von Synergien die Rede. Wie kann eine innovative Idee, die einen wichtigen Zweck in der Raumfahrt erfüllt, in ein Gerät transformiert werden, das auf Erden die Lösung eines Problems darstellt? Die Weiterentwicklung ist laut David Gibbons ein hervorragendes Beispiel. Was als Raumfahrt-Projekt des US-Verteidigungs-Ministeriums begonnen habe, sei heute aus unseren Smartphones nicht mehr wegzudenken.

Gibbons erklärt am Beispiel GPS auch jungen Unternehmen, wie wichtig es ist, sich um ESA-Aufträge zu bewerben. Die Höhe der Verträge an sich sei aber nur ein Teil des Puzzles. Ebenso wichtig seien die Expertise und die Glaubwürdigkeit, die die ESA-Mitarbeiter mit sich bringen, sowie das schier unendliche Potential sowohl bei der Entwicklung von innovativen Produkten als auch der Erschließung neuer Märkte. Der Weltraum. Unendliche Weiten.


Image „hut“ by Christian_Birkholz (CC0 Public Domain)


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Worin liegt der Sinn in Bildung, wenn uns Google alles sagen kann?

Google Education Summit 2013 (adapted) (Image by txnetstars [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Erinnern sie sich auch nicht mehr an die Namen der zwei Elemente, die Marie Curie entdeckt hat? Oder daran, wer 1945 die Nationalratswahl in Großbritannien gewann? Oder wie viele Lichtjahre die Sonne von der Erde entfernt ist? Fragen Sie einfach Google.

Der konstante Zugang, der nur ein Klick oder eine Smartphone-Berührung entfernt ist, um am Überfluss an Online-Informationen teilzuhaben, hat die Art und Weise, wie wir uns sozialisieren und die Art und Weise, wie wir uns über die Welt um uns herum informieren und unser Leben organisieren, radikal verändert. Wenn alle Fakten sofort online abrufbar sind, welchen Sinn ergibt es noch, die selben Fakten an der Schule und der Universität zu erlernen? Die Zukunft könnte so aussehen, dass junge Menschen, nachdem sie sich die Grundlagen des Lesens und Schreibens angeeignet haben, ihre gesamte Bildung über Suchmaschinen wie Google aus dem Internet erhalten –  wann und wo auch immer sie etwas wissen wollen.

Einige Pädagogen streiten sich darüber, ob Lehrkräfte, Klassenräume, Bücher und Unterricht zu ersetzen seien, indem Schüler auf sich selbst gestellt sind und sich einfach online zu bestimmten Themen Informationen suchen. Derartige Ideen stellen den Wert eines traditionellen Bildungssystems, in dem Lehrer ihr Wissen an Schüler weitergeben, infrage. Natürlich warnen andere auch vor dieser Denkweise und betonen die Relevanz des persönlichen Kontakts zwischen dem Schüler und dem Lehrpersonal.

Diese Debatten über den Sinn und Zweck von Online-Suchen im Rahmen von Bildung und Bewertungen sind keineswegs neu. Statt nach neuen Wegen zu suchen, die Schüler abzuhalten, in ihren Hausarbeiten zu schummeln oder zu plagiieren, sollten wir unserer Besessenheit nach “Authentizität” ihrer Hausarbeiten Einhalt gebieten. Möglicherweise werden dann erst andere wichtige Aspekte der Bildung sichtbar, die zuvor nicht beachtet wurden.

Digitaler Inhaltsverwalter

In meinen jüngsten Recherchen, in denen ich die Methoden analysiert habe, mit denen Schüler ihre Aufgaben bewältigen, habe ich herausgefunden, dass sie zunehmend Arbeiten abgeben, die nicht wirklich “authentisch” sind. Allerdings ist diese Erkenntnis gar nicht so bedeutend, wie man annehmen könnte. Viel wichtiger ist es, dass sich die Schüler durch die erfolgreiche Internetnutzung darin üben, nach bereits existierenden Inhalten zu suchen. Gleichzeitig werden diese Inhalte im Lernprozess überprüft, kritisch beurteilt und neu präsentiert. Dank einer genauen Untersuchung der Vorgehensweise, wie Schüler ihre Aufgaben bearbeiten, konnte ich erkennen, dass alle geschriebenen Texte von ihnen Elemente fremder Texte beinhalten. Diese Vorgänge müssen besser verstanden und untersucht werden. Abschließend können eben diese neue Formen der Wissensbeschaffung in die Ausbildung und Beurteilung integriert werden.

Bei dieser Vorgehensweise handelt es sich um das Ausnutzen eines Überflusses an Informationen von einer Vielzahl an Quellen, inklusive Suchmaschinen wie Google, was ich als eine Form der “digitalen Inhaltsverwaltung” bezeichnen würde. Inhaltsverwaltung in diesem Sinne beschreibt, wie Lernende bestehende Inhalte verwenden, um im Rahmen von Problemlösungen und intellektueller Arbeit neue Inhalte erstellen. Somit entsteht eine neue Erfahrung für den Leser.

Ein Teil dessen ist die Entwicklung eines kritischen Urteilsvermögens, der wie ein “Schwachsinns-Detektor” fungiert, während man sich einen Weg durch die Flut an verfügbaren Informationen bahnt. Dieser Punkt ist im Bildungsprozess für jede Form der Inhaltsverwaltung entscheidend, weil Lernende das Internet beim Suchen nach Informationen mehr und mehr als Erweiterung ihres eigenen Gedächtnisses verwenden.

Schüler müssen zunächst einmal verstehen, dass die meisten Inhalte im Netz von Suchmaschinen wie Google mithilfe des PageRank-Algorithmus und weiteren Algorithmen verwaltet werden. Diese Form der Inhaltsverwaltung dient somit als eine Art von Verwaltung über die Arbeiten anderer Menschen, und setzt eine Aufarbeitung mit den Autoren dieser Texte voraus. Es ist ein wesentlicher Bestandteil “digitaler Bildung”.

Aufgrund der weit verbreiteten Konnektivität hat die Verwaltung von digitalen Inhalten ihren Weg in das Bildungssystem gefunden. Dadurch entsteht das Verlangen , die Nutzungsart der Onlinesuche und die Art und Weise des Schreibens, die aus der Verwaltung von Inhalten entsteht, in die Art und Weise wie wir Studenten beurteilen, einzupflegen.

Wie können diese neuen Fähigkeiten  in der Bildung beurteilt werden?

Während sich das prüfungsbezogene Schreiben tendenziell auf die eigene, “authentische” Arbeit des Schülers bezieht, könnte es genauso gut auf der Inhaltsverwaltung aufbauen. Nehmen wir als Beispiel ein Projekt, das ein Teil eines digitalen Portfolios ist. Das könnte von Schülern erfordern, Informationen zu einer bestimmten Fragestellung herauszusuchen, bestehende Auszüge aus dem Netz anzuordnen, sodass sie lesbar sind und die Quellen anzugeben. Abschließend kann aus den Ergebnissen eine Abschlussarbeit präsentiert werden.

Die Kernkompetenzen der informationsgestützten Wirtschaft des 21. Jahrhunderts bestehen daraus, Probleme durch das Zusammenfassen größerer Mengen an Informationen zu lösen, die vordergründig darauf basieren, Zusammenhänge zu erforschen und deren Probleme zu analysieren (anstatt lediglich Fakten und Daten auswendig zu lernen). Wie die Londoner Handelskammer betont, müssen wir sicherstellen, dass junge Menschen mit diesen Kernkompetenzen ins Berufsleben starten.

Meine eigene Forschung hat ergeben, dass junge Menschen zum Teil bereits Experten in Sachen Inhaltsverwaltung sind, als Folge ihrer tagtäglichen Interneterfahrung und ihrer heimlichen Schreibstrategien. Lehrer und Dozenten müssen diese Praktiken besser verstehen und erforschen, sowie Gelegenheiten zum Lernen und Beurteilen dieser “schwer zu bewertenden” Fähigkeiten.

Im Zeitalter des Informationsüberflusses müssen Endprodukte der Bildung – also die Klausuren oder die Hausarbeiten – weniger daran geknüpft sein, dass ein Schüler einen “authentischen” Text schreiben kann, sondern an eine digitale Bildung, die sich das Wissen des Netzwerks an Informationen zu Nutze macht, das auf Knopfdruck verfügbar ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation”unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Google Education Summit 2013“ by txnetstars (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Social Media Forensics Siegen

Social Media, Social Network (adapted) (Image by Joe The Goat Farmer [CC BY 2.0] via flickr)

Werden Social Media Trends durch Bots manipuliert? Das Social Media Forensics Team der Uni Siegen entlarvt Bot-Netze in den sozialen Medien. Journalisten, Politiker und Bürger beobachten die Trends in den sozialen Netzwerken, um herauszufinden, was die Menschen aktuell bewegt. Tatsächlich werden aber viele dieser Social-Media-Trends durch aggressive Bot-Netze und Trolle bewusst manipuliert. So entstehen zunehmend gesellschaftliche Debatten über Themen, die künstlich gepusht werden – ein Trend, den Forscher der Universität Siegen aufhalten wollen. In einem Forschungsprojekt über Social Media Forensics entwickeln sie Algorithmen, um die Bot-Netze zu entlarven.

Gesellschaftliche Debatten werden im Netz gemacht. Wenn plötzliche Themen wie #unsereLisa oder Köln in den Vordergrund rücken, dann liegt das daran, dass Politiker und Journalisten Social-Media-Trends folgen. Kein Journalist würde beispielsweise über Donald Trump berichten, wenn nicht fast jeder seiner Tweets trenden würde. Schließlich wollen Journalisten am Puls der Zeit bleiben und Politiker auf das eingehen, was ihre Wähler motiviert. Doch was, wenn all diese Social Media Trends gar nicht echt sind? Wenn das Gezwitscher auf Facebook und Twitter nur künstlich ist und lediglich über speziell programmierte Algorithmen künstlich geschaffen wird? Genau mit diesen Fragen beschäftigen sich Simon Hegelich und sein Team im Projekt “Social Media Forensics” an der Universität Siegen.

Social Media Forensics ist ein neuer Bereich der digitalen Forensik. Einfach erklärt ist ein digitaler Forensiker die Person in den CSI-Folgen, die relevante Computerdaten in einem Verbrechen analysiert. Digitale Forensiker überprüfen Alibis mit Hilfe von Log-In-Daten, sie spüren Urheberrechtsverletzungen auf oder gehen illegalen Aktivitäten von Personen oder Organisationen im Netz nach. Social Media Forensics oder auch Network Forensics wiederum sind auf das Sammeln von Traffic-Daten in Echtzeit spezialisiert. Wenn also ein verdächtiger Post im Internet auftaucht, sind Social-Media-Forensiker gefragt, die diese Posts sofort registrieren und zur Analyse speichern können. Simon Hegelich und sein Social-Media-Forensics-CSI-Team konzentrieren sich in ihrem Projekt an der Universität Siegen dabei vor allem auf verdächtige Bots und Trolle.

Gefährliche Bots überschwemmen das Internet

Trolle sind reale Nutzer im Internet, die bewusst andere User in Foren durch aggressive Posts provozieren wollen oder einfach jede Menge Spam-Links posten. Ein Bot ist eine Applikation, die repetitive Aufgaben im Internet übernimmt – also im Prinzip wie ein automatisierter Troll arbeiten kann. Sie werden dabei vor allem zur Kommunikation eingesetzt. Die meisten von uns sind wahrscheinlich schon mal einem Bot in einem Chatraum begegnet. Sie wirken zunächst wie ein ganz normaler Gesprächspartner, um sich dann etwa durch nervige Links als Bots zu entpuppen.

Der Ur-Chatbot geht dabei auf den MIT-Professor Joseph Weizenbaum zurück. Dieser erfand in den 1960er Jahren das Computerprogramm ELIZA, das sich mit echten Menschen unterhalten konnte. Mittlerweile sind diese Bots so fortgeschritten, dass sie bei jeder Unterhaltung dazulernen und so wie ein echter Gesprächspartner wirken. Bots arbeiten so raffiniert, dass sie nur sehr schwer und meist nur von Spezialisten als Roboter zu enttarnen sind. So werden sie zum Beispiel oft im Marketing verwendet, um bestimmte Links zu setzen und so künstlich hohe Klickzahlen zu generieren. Aber auch Privatpersonen nutzen Bots, erklärt Simon Hegelich gegenüber den Netzpiloten. Auf Twitter gab es zum Beispiel einen bekannten Wissenschaftler, der Bots nutzte, um User auf den Klimawandel aufmerksam zu machen: “Jedes Mal, wenn jemand in einem Post den Klimawandel leugnete, erhielt dieser Nutzer von diesem Wissenschaftler automatisch einen Link mit einer Studie zum Klimawandel.”

Twitter hat den Wissenschaftler mittlerweile gesperrt. Das sind die eher harmlosen Varianten von Bots. Gefährlich wird es, wenn diese Technologie von politischen Organisationen bewusst missbraucht wird, um Trends im Netz zu manipulieren. Wie viele Bots und Trolle es in den sozialen Netzwerken gibt, ist unklar. Doch Twitter hat beispielsweise gerade 125.000 Accounts gesperrt. “Da werden einige Bots darunter gewesen sein”, vermutet Hegelich. Diese Bots können mit ihrer Präsenz das Internet mit ihren falschen Posts geradezu überschwemmen.

Bots erzählen Witze und kommentieren Sportereignisse

Genau hier schreitet das Forschungsprojekt der Uni Siegen ein. Finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde das Projekt #SoMeFo am 1. August 2015 ins Leben gerufen. Programmierer arbeiten hier mit Sozial- und Politikwissenschaftlern zusammen, nicht nur um Bot-Netze zu entlarven, sondern auch um herauszufinden, welche Folgen diese manipulierten Social-Media-Trends eigentlich haben. “Es ist klar, dass niemand ein Faschist wird, nur weil bei ihnen im Facebook-Feed plötzlich rassistische Posts von Bots erscheinen”, stellt Hegelich klar. Seiner Meinung nach wollen die Bot-Netze weniger Menschen politisch bekehren, dafür aber politische Debatten steuern.

So haben er und sein Team beispielsweise ein ganzes Netz an Bots und Trollen entlarvt, das während der Ukraine-Krise täglich massiv Bot-Meldungen verbreitete. So könnten an einem Tag etwa 15.000 falsche Twitterprofile bis zu 60.000 gefakte Posts verbreiten. “Diese Bots posten aber nicht ständig politische Propaganda, sondern wirken wie ganz normale Profile. Sie posten zum Beispiel auch Witze oder Kommentare zum Sport in der Ukraine und eben nur ab und zu politische Kommentare – und sind so nur ganz schwer von anderen Nutzern als Roboter-Posts zu erkennen”, sagt Hegelich. Mit ihren Programmen konnten die Forscher aber gewisse Charakteristiken ausfindig machen, die ihnen ganz klar zeigten: Hier sind Bots am Werke. Dazu gehören beispielsweise Avatarbilder. Wer Tausende von falschen Profilen kreiert, braucht auch Profilbilder. Roboter wählen dabei die Bilder, auf die sie im Internet schnell und einfach Zugang haben, Comiczeichnungen zum Beispiel. Die Algorithmen der Wissenschaftler können dabei entschlüsseln, welche Avatarbilder zu einem normalen, also menschlichen, Profil gehören und welche höchstwahrscheinlich von Bots ausgewählt wurden.

Ein anderes Beispiel, das Hegelich und seinem Team aufgefallen ist, ist die Invasion von CSU-Seiten mit fremdenfeindlichen Kommentaren zur Flüchtlingskrise. Gerade dieses Thema scheint für politische Organisationen im rechten Milieu ein gefundenes Fressen zu sein. Bots eignen sich hervorragend, um eine Masse von künstlichen Meinungen ins Netz zu stellen. “Auch der selbsterklärte IS nutzt Bots und auch im mexikanischen Wahlkampf 2013 wurden massenweise Bots eingesetzt.” Genau hier liegt der Schlüssel zum Erfolg von politischen Botschaften, die durch Bots manipuliert werden: Die Masse. Da die wenigsten von uns erkennen, ob es sich bei den Kommentaren und Posts um echte Meinungen oder um Bots handelt, wirkt es so als ob eine große Anzahl von Menschen eine bestimmte Meinung vertrete.

Wer die Hashtag-Trends bestimmt, bestimmt den gesellschaftlichen Diskurs

Dies ist auch die größte Gefahr, die Simon Hegelich in Bot-Netzen sieht: “Bots können gesellschaftliche Debatten durch ihre schiere Masse bestimmen und in eine gewünschte Richtung lenken.” Wenn also der russische Außenminister den Twitter-Trend #unsereLisa aufgreift, um sich politisch zu äußern oder Politiker ihre Agenda ändern, weil sie glauben, die Mehrheit der Bevölkerung stehe dahinter, kann das brandgefährlich werden. So kann dann ganz schnell aus Politik für’s Volk Politik für Bots werden – gesteuert von Organisationen, die bewusst eine politische Agenda voranbringen wollen.

Das ist feingeschliffene Meinungsmache im digitalen Zeitalter. Denn wer die Hashtag-Trends bestimmt, bestimmt auch die gesellschaftliche Debatte. Die Manipulateure wissen, dass sowohl Politiker als auch Journalisten sich auf die Trendanalysen der sozialen Medien stützen, um herauszufinden, welche Themen die Menschen im Moment bewegen oder wie die Stimmung im Land aussieht. Wenn ein Journalist etwa beschreiben möchte, wie die Deutschen zu Flüchtlingen stehen, kann er eine Twitter Trendanalyse aufrufen und sehen, wie die Stimmungslage mehrheitlich aussieht. Nur, wenn diese Stimmungslage von vorneherein manipuliert ist, schreibt der Journalist über eine ausländerfeindliche Stimmung, die es möglicherweise so gar nicht gibt – und erzeugt diese damit vielleicht erst. “Deswegen finde ich es auch sehr riskant, wenn in Nachrichtensendungen Journalisten teilweise ganz ungeprüft Tweets verlesen oder einblenden, ohne zu wissen, ob dahinter eine wirkliche Meinung steckt”, sagt Hegelich. Journalisten müssten viel genauer prüfen, wer eigentlich hinter diesen Posts stecke.

Doch bisher fehlen vielen die Tools, um dies überhaupt nachprüfen zu können. Genau daran arbeitet das Social-Media-Forensics-Team in Siegen derzeit. “Ziel ist es, eine Art Spamfilter für Bots zu erstellen, den dann jeder Nutzer bei sich einstellen kann, genau wie bei Emails”, sagt Hegelich. Er hält nicht viel davon, wenn Facebook oder Twitter selbst die Bot-Tweets sperren. Denn erstens könne man nicht zu 100 Prozent sagen, ob ein Account wirklich zu einem Bot gehört. So können zum Beispiel auch ganz unschuldige Nutzer gesperrt werden. Zweitens sei es viel effektiver, wenn Nutzer selbst entscheiden, welche Meldungen sie sehen wollen und welche nicht. So sieht Hegelich für sich und sein Team noch sehr viel Arbeit vor sich: “Es reicht nicht, die Bot-Netze nur zu entlarven. Wir müssen auch untersuchen, welche Effekte diese massiven Bot-Attacken eigentlich haben. Bisher tappen wir da noch im Dunkeln.”


Image (adapted) “Social Media, Social Network” by Joe The Goat Farmer (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 11. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um Russlands Silicon Valley, Netflix-Gründer Reed Hastings, Kreativität am Arbeitsplatz, digitale Bildung und künstliche Intelligenz. Ergänzungen erwünscht.

  • RUSSLAND Foreign Policy: The Short Life and Speedy Death of Russia’s Silicon Valley: Vor sechs Jahren wollte die russische Regierung ein eigenes Silicon Valley aufbauen. Jetzt wurden die Pläne offiziell beendet. Die in Russland vorherrschende Korruption in der Verwaltung, die Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften und Präsident Wladimir Putin (nicht in dieser Reihenfolge) haben ihren Teil dazu beigetragen.

  • NETFLIX FAZ: Netflix-Gründer Reed Hastings im Gespräch: Netflix-Gründer Reed Hastings war die Tage mal wieder in Berlin und hat mehreren Medien Interviews gegeben, u.a. auch der Wirtschafstredaktion der Frankfurter Allgemeine. Es ging neben der Zukunft des Fernsehens auch um seine Arbeitsphilosophie. Außerdem erfährt die Leserschaft, dass Hastings mal eine mit dem Fuß bedienbare Computermaus entwickeln wollte und warum daraus nichts wurde.

  • KREATIVITÄT Welt.de: Matilda, seit Jahren mit dem immer gleichen Outfit: Die 27-jährige Schwedin Matilda Kahl arbeitet in New York und hat etwas gemacht, dass Männer auf der ganzen Welt jede Tag machen, dass aufgrund ihres Geschlechts schon aber fast revolutionär wirkt: sie hat sich eine „Arbeitsuniform“ bestehend aus Bluse, Hose und Schleife zugelegt. Mit dem Ergebnis, dass sie sich fokussiert und kreativer erlebt, genauso wie die „Uniformträger“ Steve Jobs und Mark Zuckerberg.

  • BILDUNG Motherboard: Berliner Student gründet Online-Uni für Flüchtlinge ohne Papiere: Der Berliner Student Markus Kressler hat die Online-Uni Wings University gegründet, an der sollen Flüchtlinge und Papierlose ihr Studium fortsetzen können, um somit einen international anerkannten Abschluss zu machen. Der Zugang zur Bildung ist dabei erst einmal nicht von Zeugnissen abhängig, sondern der Qualifikation für das Studium. Mit dem Projekt hilft Kressler nicht nur Menschen auf der Flucht, sonder, versucht eine alternative Bildungsinstitution aufzubauen.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ The Economist: Rise of the machines: Zum Schluss gibt es einen beeindruckenden Longread des The Economist, den Abonnenten vielleicht schon aus dem Printmagazin kennen, der jetzt aber auch online zugänglich ist. Darin wird quasi alles geschrieben, was man heute bei der Debatte um künstliche Intelligenz wissen sollte, wenn man mitreden möchte. Vorrangig, dass auch eine künstliche Intelligenz kein Menschen sein wird. Ob es seinen Job demnächst noch geben wird, sollte man sich aber trotzdem einmal fragen.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Massive Open Online Courses – Uni für alle?

Morning Coffee and Laptop (adapted) (Image by nosha [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Sie könnten der Auslöser für eine globale Revolution des Bildungssystems sein: Massive Open Online Courses (MOOCs) versprechen einen kostenlosen Zugang zu höherer Bildung – für jeden, weltweit. Die alleinerziehende Afroamerikanerin aus der sozial benachteiligten Nachbarschaft beschäftigt sich mit Quantenphysik, der vielbeschäftige Manager frönt seiner geheimen Leidenschaft für Kunstgeschichte und der jugendliche Schulabbrecher oder der rüstige Rentner tauchen in die Welt der englischen Literatur ein. Massive Open Online Courses sollen das Bildungswesen umkrempeln und auch die Personengruppen erreichen, die statistisch gesehen bislang häufig von höherer Bildung ausgeschlossen sind. Bei MOOCs handelt es sich um kostenlose, frei zugängliche Online-Kurse, die maximale Flexibilität erlauben und doch ähnlich aufgebaut sind wie Seminare an einer Universität: Sie haben einen fixen Anfangs- und Endtermin und einen festen Vorlesungsplan mit wöchentlichem Input in Form von Videovorlesungen und Übungsaufgaben – und am Ende steht teilweise eine Prüfungsleistung. Foren und soziale Netzwerke ermöglichen den Austausch der Studierenden untereinander.

Der Unterschied zur klassischen Vorlesung ist, dass die Teilnehmer selbst entscheiden können, wann, wo und wie sie das Material im Selbststudium bearbeiten, und dass es für die Teilnahme keinerlei Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen gibt – abgesehen von einem Zugang zum Internet, versteht sich. Das ist möglich, weil Websites wie Coursera, edX oder Udacity Kooperationen mit weltweit führenden Universitäten eingehen. Selbst amerikanische Elite-Unis wie Harvard oder das Massachusetts Institute for Technology (MIT) bieten Massive Open Online Courses an. Allein für die von Harvard angebotenen Kurse hatten sich bis Februar 2014 über eine Million Lernwillige aus 193 Ländern angemeldet, Yale hat sogar ein komplettes Masterprogramm angekündigt, das ausschließlich online stattfinden soll. Man könnte MOOCs also als die Fernunis des digitalen Zeitalters bezeichnen – mit dem Unterschied, dass sie kostenlos und frei zugänglich sind und einen besseren Ruf genießen.

Lernen kann man mit MOOCs mittlerweile so gut wie alles: Interesse an Religion und Hip-Hop-Kultur, an Algorithmen, Chansons der Troubadoure oder Finanzanalysen? Gibt es alles! Es ist jedoch anzunehmen, dass sich nicht alle Themen gleichermaßen für die digitale Massenvermittlung eignen. Während sich Computer- und Naturwissenschaften relativ standardisiert vermitteln und per Multiple-Choice-Test auch wieder abfragen lassen, könnte es beim kreativen Schreiben englischer Poesie schon schwieriger werden, neben dem Teenager, der sich den ersten Liebeskummer von der Seele schreibt, auch den alternden Schriftsteller anzusprechen, der seine Technik verfeinern möchte. Bei der Masse an Teilnehmern können die Dozenten nicht auf individuelle Bedürfnisse eingehen, Essays werden deshalb von den Teilnehmern untereinander bewertet – sofern überhaupt eine Leistungsüberprüfung stattfindet.

Von Rockgeschichte bis Regressionsanalyse

Auch von Deutschland aus wird Wissen in die Welt gestreut, MOOCs werden unter anderem von der TU München angeboten. 250.000 Euro hat sich das Hochschulpräsidium die Produktion und Durchführung von fünf MOOCs kosten lassen, aktuell werden “Quality Engineering und Management” sowie “Einführung in Computer Vision” angeboten. Gegen Gebühr gibt es hinterher auch ein Zertifikat für die Teilnehmer. Die Anonymität im Netz kann aber zum Betrug in der Prüfungssituation verleiten: Warum nicht den Onkel mit dem Physikdiplom um Hilfe bitten oder sich die Allwissenheit Googles zunutze machen? Um das von vornherein zu verhindern, bemüht man sich, zumindest für die kostenpflichtigen zertifizierten Prüfungen wasserdichte Lösungen zu finden. Beispielsweise wird eine Prüfung in einem Testcenter in der Nähe abgenommen oder kann mit Coursera sogar betrugssicher von zu Hause aus abgeleistet werden – der Prüfling identifiziert sich vor der Computerkamera mit Ausweis und Foto. Und mittlerweile kann eine Software sogar sichtbar machen, ob auf dem Bildschirm nebenbei Wikipedia oder Google zur Unterstützung geöffnet sind.

Die Wissensabfrage funktioniert also. Nur: Wie viel nutzt so ein Schein im Ernstfall, also zum Beispiel in der Bewerbungssituation? Generell ist ein beglaubigtes Zertifikat mit Identitätsnachweis natürlich mehr wert als eine bloße Bestätigung über die Online-Registrierung. In manch einer US-amerikanischen Universität werden Online-Kurse bereits als Anfänger-Credits gewürdigt und ersparen dem angehenden Studenten so die teuren Studiengebühren für das erste Semester. Und in dynamischen, schnelllebigen Branchen wie der IT kann ein Zertifikat über die Teilnahme an einem MOOC bei einer Bewerbung durchaus ausschlaggebend sein – zum Beispiel, wenn eine neue Programmiersprache noch gar nicht in die analogen Vorlesungspläne von Universitäten aufgenommen wurde.

Wissenszuwachs ja – aber nicht bei jedem

Zertifikate sind die eine Sache – aber wieviel bleibt tatsächlich hängen, wenn ich ein Themengebiet ganz gemütlich vom heimischen Rechner aus bearbeite? Auch dazu gibt es bereits Studien: Wissenschaftler des MIT, der Harvard University und der Tsinghua University kommen in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass das MOOC-Format genauso effektiv sein kann wie Präsenzunterricht in der Uni, und dass bei den MOOC-Kursteilnehmern unabhängig von ihrem anfänglichen Kenntnisstand ein Wissenszuwachs zu beobachten ist. Ausschlaggebend ist demnach der didaktische Ansatz und nicht die Tatsache, ob ein Kurs online oder offline stattfindet. Mit der richtigen Aufbereitung von Inhalten bieten MOOCs also große Potentiale – gäbe es da nicht einen Haken. In der Studie wurden nur die Teilnehmer eines Physik-Kurses analysiert, die mindestens 50 Prozent der Kursaufgaben gelöst haben – von 17.000 Teilnehmern war dies bei gerade einmal knapp über tausend der Fall. Der Wissenzuwachs der verbleibenden 16.000 dürfte also äußerst gering sein. Denkbar also, dass die Teilnehmer der Studie, die ja durchaus etwas gelernt haben, positiv hinsichtlich Motivation und Ehrgeiz selektiert waren.

Ein Querschnitt durch die Bevölkerung sind auch diejenigen nicht, die auf die Idee kommen, sich für einen MOOC anzumelden. An der britischen Bath University zum Beispiel ist ein Großteil der Teilnehmer zwischen 18 und 40 Jahre alt, 70 Prozent haben bereits Erfahrung mit höherer Bildung. Studien von Bildungswissenschaftlern zufolge brechen teilweise mehr als 96 Prozent der angemeldeten Teilnehmer ihren Online-Kurs wieder ab. Der kläglich verbleibende Rest ist größtenteils männlich, weiß und bereits im Besitz eines Hochschulabschlusses. Die junge alleinerziehende Mutter aus dem Problemviertel, die die Bildung so dringend nötig hätte, wird vermutlich kaum unter den erfolgreichen vier Prozent sein – und so helfen die MOOCs vor allem denjenigen, die die Hilfe gar nicht unbedingt benötigen. Die Schere zwischen hoch und gering Gebildeten könnte sich durch die MOOCs möglicherweise also sogar vergrößern. Versteht man die Online-Kurse als ein demokratisches Instrument, das vor allem benachteiligten Gesellschaftsmitgliedern einen Zugang zu höherer Bildung verschaffen soll, so stellt sich angesichts der Studienergebnisse die Frage, ob das Geld an anderer Stelle nicht besser investiert wäre – zum Beispiel in Initiativen wie arbeiterkind.de, die junge Menschen aus bildungsfernen Familien gezielt auf dem Weg durch ein reguläres Studium den Rücken stärken. Global betrachtet besteht zudem das Problem, dass nur an den Kursen teilnehmen kann, wer Zugang zu einer stabilen Internetverbindung hat – auch hier wird die Tür zur Bildung für diejenigen, die sie am dringendsten benötigen, verschlossen bleiben. Sieht so eine Revolution aus?

Letztendlich müssen die MOOCs ja auch nicht gleich als Allheilmittel gegen Bildungsarmut die Welt retten – werden sie als Weg verstanden, bestimmten Gesellschaftsgruppen Weiterbildung und lebenslanges Lernen zu ermöglichen, dann erfüllen die Kurse durchaus ihren Zweck. Die Publitzistin Nora Stampfl ist der Ansicht, dass die Online-Kurse ihren größten Nutzen entfalten, wenn sie die Präsenzlehre von Universitäten ergänzen. Studierende könnten sich Studieninhalte dann über MOOCs in Eigenregie aneignen, Professoren könnten die dadurch entstandenen Freiräume in den Präsenzveranstaltungen nutzen, um Fragen zu klären, Inhalte zu vertiefen und weiterführende Themen zu diskutieren. Schon in naher Zukunft könnten die MOOCs als vollwertige Kurse samt dazugehöriger Credits anerkannt werden, so die Prognose der Publizistin. Vor allem in den USA, wo horrende Gebühren den Traum vom Studium vieler junger Menschen platzen lassen, könnte sich die Lage dadurch entspannen.

Ganz so optimistisch ist Prof. Christoph Bieber vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen nicht:

Es könnte sein, dass das durchaus vorhandene Potenzial der MOOCs in anderen “Modernisierungsprozessen” des Hochschulalltags regelrecht zerrieben wird. Wenn wie z.B. in Nordrhein-Westfalen auch für normale Seminarveranstaltungen keine Präsenzpflicht mehr besteht, dann treiben MOOCs die schleichende Aushöhlung der ‘Campus-Universität’ voran. Als Alternative zu den klassischen Vorlesungen tragen sie dazu bei, die Studierenden vom gemeinsamen Lernort fernzuhalten und verhindern das Gespräch in der Peer-Group ebenso wie das zufällige Stolpern über interessante Bücher, spannende Diskussionen oder einfach nur neue Bekanntschaften.

Dennoch: Wenn es gelänge, eine zuverlässige Kombination aus Lehrangebot, Online-Diskussion und -Feedback und passendem Prüfungsformat zu konstruieren, könnten MOOCs eine gute Ergänzung im Studienalltag sein, hofft Prof. Bieber.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politik-Digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0


Image (adapted) „Morning Coffee and Laptop“ by nosha (CC BY-SA 2.0)


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Offener MOOC – Dein Weg zu einem kostenlosen MBA?

MOOC – digital Studenten (Bild: Jisc [CC BY-NC-ND 2.0 UK], via Flickr)

Einen Master of Business Administration (MBA) zu absolvieren ist sehr attraktiv, aber kostenlose Angebote sind schwer zu finden. Kann ein offener MOOC Abhilfe schaffen? // von John Rice

MOOC – digital Studenten (Bild: Jisc [CC BY-NC-ND 2.0 UK], via Flickr)

Immer wieder wird vorgeschlagen, dass man sich mit entsprechenden Sorgfalt und Hingabe einen kostelosen Master of Business Administration zusammenstellen kann. Wahrscheinlich wird es die wenigsten Eingeweihten überraschen, dass von dieser Idee bisher eher wenig übrig geblieben ist.

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Studium Digitale per MOOC

Salford Business School launches unique open access online course (adapted) (Image by University of Salford Press Office [CC BY 2.0] via Flickr)

Mit einigen MOOCs lassen sich jetzt ECTS-Leistungspunkte sammeln. Das fordert das traditionelle Universitätsmodell aus Anwesenheitspflicht und festem Lehrplan heraus. Verschulte, vorgefertigte Bachelor- und Masterstudiengänge lassen heute wenig Raum für individuelle Persönlichkeitsbildung. Ergänzende Online-Kurse – oder MOOCs – zur Verfolgung eigener akademischen Interessen werden immer beliebter, waren bisher aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt. Das ändert sich jetzt in Europa. Werden wir uns bald ein Studium digital selbst zusammenstellen können?

Arbeiten, fernsehen, einkaufen – vieles geht heute an jedem Ort und zu jeder Zeit. Immer mehr Menschen arbeiten von zuhause oder unterwegs aus. Man hält sich nicht mehr an feste Sende- oder Ladenöffnungszeiten, sondern lebt nach dem persönlichen Zeitplan. Das Internet macht es möglich: viele Bereiche unseres Lebens können durch Digitalisierung zunehmend individualisiert werden. Doch in anderen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die akademische Welt gehört zu dieser Kategorie. Das Universitätsmodell mit physischer Anwesenheitspflicht und einem festen Programm aus Vorlesungen und Seminaren bis zum Examen hat sich seit Jahrhunderten praktisch nicht verändert. Seit der Bologna-Reform ist es sogar noch unflexibler geworden.

Vor 2010 konnten sich Diplomstudenten nach einem zwei- bis viersemestrigen Grundstudium auf ein Fach ihrer Wahl spezialisieren. Nach weiteren vier bis sechs Semestern erwarben sie ihr Diplom. Zwischendurch blieb Zeit für Praktika und Nebenjobs. Nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System kann von individualisierter Persönlichkeitsbildung nicht mehr die Rede sein. Das Studium ist verschult, es gibt kaum Möglichkeiten, es nach den eigenen Interessen auszurichten. Der rasend schnelle Konsum von vorgefertigtem Lernstoff für einen möglichst zügigen Abschluss prägte vor einigen Jahren den Begriff des „Bulimie-Lernens“. Um sich von der Masse der konformen Fließband-Lerner abzuheben, muss man sich auf eigene Faust weiterbilden. Und wieder findet sich die Lösung im Internet.

Massive Open Online Courses – kurz MOOCs – sind kostenlose Online-Kurse von Universitäten. Mit einem Smartphone, Tablet oder Computer kann jeder unabhängig von Ort und Zeit auf Video-Vorlesungen und Lernmaterial zugreifen. Online-Studenten picken sich die besten Kurse von Eliteuniversitäten wie Harvard oder dem MIT heraus. Jeder hat plötzlich Zugang zu Hochschulbildung der Extraklasse, ohne den perfekten NC vorweisen zu müssen – und das alles zum Nulltarif. Die drei weltweit größten (und amerikanischen) Anbieter von MOOCs – edX, Coursera und Udacity – haben zusammen seit der Geburt des MOOCs im Jahr 2008 über 12 Millionen Studenten in Online-Kursen unterrichtet. Ein drittel der Teilnehmer stammt aus den USA und edX gibt an, dass die Hälfte der Studenten aus Entwicklungsländern kommen. Die New York Times waren von diesem Weltverbesserungsappeal so begeistert, dass sie 2012 zum „Jahr des MOOCs“ kürte. Wieso sollte man noch eine Uni besuchen und Studiengebühren zahlen, wenn sich von zuhause aus ein persönlicheres, hochwertiges und kostengünstigeres Bildungsprogramm zusammenstellen lässt?

Bisher unterschied man zwischen formellen und informellen Bildungsangeboten. Onlinekurse waren eine komfortable Fortbildungs-Alternative zum abendlichen Besuch der Volkshochschule. Ein MOOC wurde aber nicht vom Hochschulsystem anerkannt – schon allein aufgrund der fehlenden persönlichen Kontrolle bei der Abschlussprüfung. An einem MOOC teilzunehmen erforderte hohe Eigenmotivation, da man am Ende in manchen Fällen zwar ein Zertifikat bekam, dieses aber nicht vergleichbar mit einer Bescheinigung einer traditionellen Universität war. Viele MOOC-Teilnehmer brachen Kurse vorzeitig ab.

Das kann sich nun ändern. Die MOOC-Plattform iversity.org mit Sitz in Berlin hat als erster Anbieter erfolgreich kostenpflichtige Zertifikate für einige Kurse eingeführt, mit denen Studierende Leistungspunkte nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sammeln können. Diese sind gleichwertig mit den Punkten, die an einer Universität gesammelt werden. Studenten in Europa können sich die ECTS-Punkte der Onlinekurse anrechnen lassen und in manchen Fällen sogar Kurse ihres Studiums durch MOOCs ersetzen. Die Zahl der Abbrecher sinkt dadurch, dass Teilnehmer zu Beginn des Kurses entscheiden, ob sie Gasthörer sind oder ein Zertifikat anstreben. Prüfungen können kontrolliert werden- durch Präsenzexamen oder Webcam und Abkopplung des Computers vom Internet. Ein MOOC unterscheidet sich dann nicht mehr groß von einem analogen Kurs, außer das man ihn gemütlich auf seinem Sofa belegen kann, anstatt sich mit 200 Kommilitonen die Luft in einem stickigen Hörsaal zu teilen. Bisher bietet iversity.org drei Kurse an, mit denen ECTS-Punkte erworben werden können. „Für Studierende ist ausschlaggebend, ob ein Kurs vom Hochschulsystem anerkannt wird oder nicht. Für Berufstätige ist die ECTS-Anerkennung ein Qualitätsindikator„, sagt Hannes Klöpper, Gründer und Geschäftsführer von iversity.org.


„How to MOOC – Was ist ein MOOC?“ erklärt von iversity Mitgründer Hannes Klöpper:


Wohin führt das digitale Studieren? Es gibt bereits einige (Fern)Studiengänge, die vollständig online absolviert werden können. Neu ist die Möglichkeit oder das Bedürfnis, sich seine Bildung selbst hochschulübergreifend aus dem besten verfügbaren Angebot zusammenzustellen. Was bedeutet dies für Universitätsgebäude? Wird sie das gleiche Schicksal wie leerstehende Kirchen ereilen? Wenn 100 Professoren einen ähnlichen Kurs in Statistik für Anfänger anbieten der auch im Internet frei verfügbar ist, werden dann 99 Kursangebote und eventuell auch Arbeitsplätze wegfallen? Wieso sollten Universitäten das überhaupt mitmachen? Was bringt es ihnen Kurse für die sonst gezahlt werden umsonst anzubieten?

Tatsächlich nutzen viele Universitäten MOOCs als Eigenwerbung. „Ein Kurs auf iversity.org hat im Schnitt 20.000 Teilnehmer. Das ist ein globaler Reputationsgewinn für Universitäten und kleinere Fachhochschulen„, sagt Klöpper. Am 14. Oktober startete die private Berliner Hochschule Hertie School of Governance einen MOOC auf iversity.org. Knapp 7000 Anmeldungen gab es für den 10-wöchigen Kurs namens „Governance and Policy Advice: How Political Decisions Come to Life„. Politiker und Berufserfahrene sollen den Studenten einen Einblick in die Geheimnisse des politischen Entscheidungsprozesses geben. Am Ende können Studenten ein Zertifikat für 49 Euro von iversity.org erwerben. ECTS-Punkte gibt es leider noch nicht. Die Hertie School verdient nichts; einen gewissen Marketing-Effekt hat der Online-Kurs jedoch. „Der MOOC schafft eine größere Sichtbarkeit unseres Angebots„, so die Leiterin des Kurses, Prof. Andrea Römmele.

Viele Universitäten wie zum Beispiel Oxford und Cambridge wehren sich gegen die Digitalisierung ihres Angebots. Doch es gibt immer Menschen, die das nicht einsehen. Sie möchten das studieren was sie interessiert und sich nicht fühlen als seien sie immer noch in der Schule. Und auch Unternehmen interessieren sich beim Bewerbungsgespräch eher für die Dinge die man neben dem Studium noch erreicht hat. Individuelle Leistungen zählen mehr als die der Masse.

Die Lösung ist eine Kombination aus Online- und Offlineangebot„, sagt Hannes Klöpper. Er hat mit iversity.org nicht die Absicht, traditionelle Universitäten online abzubilden. Studenten sollen ihr Studium durch ein umfassendes digitales Angebot ergänzen und nicht ersetzen. „Menschen kommen immer noch gerne an einem Ort zusammen- Das sieht man zum Beispiel daran wie viele Konferenzen es trotz des Internets noch gibt„, findet Klöpper.

Und es gibt weitere Gründe gegen eine komplette Digitalisierung unserer Bildung: Trotz aller Vorteile der Online-Lehre sollte man sich fragen, ob sie ein traditionelles Studium komplett ersetzen kann. Eine virtuelle Plattform transportiert noch nicht das Gefühl, das erste Mal vor seinen Kommilitonen zu präsentieren, mit ihnen zu debattieren und seine Meinung zu verteidigen. Auch der Geruch von alten Büchern in der Unibibliothek, das schlechte Mensaessen und die leuchtenden Augen des charismatischen Professors finden sich bis jetzt nur in der analogen Welt. Persönlichkeitsbildung und Lebenserfahrung erlangt man nicht nur durch bestandene Prüfungen und Scheine.


Image (adapted) „Salford Business School launches unique open access online course“ by University of Salford Press Office (CC BY 2.0)


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Money, Cash, Blog$ – Geld verdienen in der Blogosphäre

BLOG IDEAS (adapted) (Image by Owen W Brown [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Spezies der Journalisten hat eine neue Gattung hervorgebracht. Den Blogger. Wird sich die Blogosphäre im Informationsdschungel behaupten können? Sie sitzen in abgedunkelten Kellerräumen, durchforsten die entlegensten Ecken des Internets und chatten mit mysteriösen Gesinnungsgenossen. Immer auf der Suche nach der ganz großen Nachricht. Doch was ist dran am Klischee vom gemeinen Blogger? Der Deuschte-Fachjournalisten-Verband (DFJV) wollte es jetzt genau wissen und hat daher eine Studie bei der Universität Hohenheim in Auftrag gegeben um herauszufinden, was den Blogger auszeichnet, welchen persönlichen Hintergrund er hat und wovon er lebt und was seine Motivation ist. Geleitet von Professor Michael Schenk (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften) erhalten wir ein genaueres Bild des Bloggers,welches die ein oder andere Überraschung parat hält.

Der Blogger – Das unbekannte Wesen

Vor der Auswertung kommt bekanntlich das Interview. Befragt wurden nahezu 2.500 Blogger. Mehr als 500 Antworten konnten am Ende für die Studie ausgewertet werden, was eine respektable Antwortquote von über 21 Prozent ergibt.

Der durchschnittliche Blogger ist 38 Jahre alt, überwiegend männlich und formell sehr gut ausgebildet. Die Hälfte der Befragten können zudem einen Hochschulabschluss vorweisen und sie sind zu 85 Prozent berufstätig. Was im allgemeinen Wirtschaftsleben einer Vollbeschäftigung nahekommen würde.

Doch was sind das für Blogs, die hier betrieben werden? Den größten Stellenwert nehmen eindeutig die Themenblogs ein (80,4 Prozent). Das persönliche Tagebuch (10,2 Prozent) und der Corporate Blog (9,4Prozent) – also Firmenblogs – spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Eine genauere Betrachtung verdient daher vor allem die Zusammensetzung der Themenblogs. Das Ressort „Kultur und Medien“ hat dabei eindeutig die Nase vorn (40,2 Prozent). Technik, Computer und Internet müssen sich bei 33 Prozent mit den zweiten Platz zufrieden geben. Immerhin noch 21,3 Prozent der Blogs beschäftigen sich mit dem Themenkomplex Ernährung und Gesundheit. Aber auch der Dauerbrenner Reise und Tourismus ist mit 18,9 Prozent weit vorn dabei. Die Ergebnisse innerhalb der persönlichen Tagebücher und den Corporate Blogs fallen ähnlich aus, wenn auch etwas homogener in Ihrer Gewichtung.

Die Blogger stehen also mitten in der in Gesellschaft und ihre Themen sind inzwischen sehr Mainstream. Das Bild vom nerdigen Blogger dessen Leserschaft aus einer handvoll Gesinnungsgenossen besteht, ist nicht mehr zeitgemäß. Blogs sind massenkompatibel geworden und werden auch ausgiebig von den Massen konsumiert. Auf mehr als 24.000 Leser bringt es ein Blog im Durchschnitt. Eine Zahl, die sehr eindrucksvoll klingt. Allerdings unterliegt auch hier die Höhe der Leserschaft enormen Schwankungen. Enorm bedeutet in dieser Umfrage, dass die geringste Anzahl bei bescheidenen fünf Lesern liegt, während das höchste Ergebnis gigantische zwei Millionen Leser ausweist. Somit liegt der Merian, also der Wert, der die Anzahl der Befragten in zwei gleich große Hälften teilt, bei tausend Lesern im Monat.

Doch das schöne am Bloggen ist die Möglichkeit, aktiv an der Diskussion teilzunehmen und die Meinungsvielfalt damit voranzutreiben.Immerhin auf drei Kommentare bringt es in der Regel ein Post. Das Kommentieren von Beiträgen stellt damit auch die wichtigste technische Funktion innerhalb eines Blogs dar. Fast 96 Prozent aller Blogs nutzen dies. Aber auch RSS Feeds und eine Share-Funktion sind in beinahe jedem Blog zu finden.

Profit? Nebensache

Etwas bescheidener sieht es finanziell bei den Bloggern aus. Gerade mal 20 Prozent der Befragten gaben an, mehr als 500 Euro pro Monat mit ihrem Blog erwirtschaften zu können. Ein Drittel fährt sogar weniger als 100 Euro ein, während eine traurige Schar von 12 Prozent der Blogger sogar Verluste macht. Als Einnahmequellen für thematische Blogs dienen vor allem die konventionelle Werbeschaltung und Affilinate Marketing.

Wahre Reichtümer lassen sich aber nicht in Blogosphäre anhäufen. Dies mag auch den auffällig hohen Anteil von Freiberuflern unter den Bloggern erklären, welcher mit 54,6Prozent unter den anderen Beschäftigungsverhältnissen hervorsticht.

Trotz dieser mageren Finanzaussichten investieren die Blogger eine Menge Zeit in ihr Werk. Der mittlere Zeitaufwand liegt laut Studie bei neun Stunden in der Woche.Das mag zwar noch recht übersichtlich klingen, jedoch liegen den gemachten Angaben eine enormen Zeitspanne zu Grunde, welche zwischen mageren 6 Minuten und extremen 60 Stunden pro Woche liegt. Letztendlich lässt sich sagen, dass die Hälfte der Blogbetreiber zwischen zwei und zehn Stunden in ihren Blog investieren. Wobei der tatsächliche Zeitaufwand auch von der Anzahl der eigenen Blogs abhängt.

Aber wenn man schon einen Blog betreibt, muss man ihn auch mit Inhalt füllen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, wenn beinahe die Hälfte der Zeit in die Erstellung von Inhalten investiert wird. Doch auch die Inhalte müssen beschafft werden. Das nennt man Recherche. Es gilt als wichtigstes Merkmal journalistischer Arbeit. Als unerlässliche Quellen ihrer Recherche nennen die Blogger in der Umfrage andere Blogs, Video Blogs und Podcasts. Einen sehr hohen Stellenwert nimmt noch immer das persönliche Gespräch ein. Aber auch die Internetseiten großer Medienhäuser und Nachrichtenagenturen werden häufig zur Informationsgewinnung herangezogen. Klassische Printmedien und und elektronische Medien spielen bei der Recherche inzwischen keine große Rolle mehr.

Der Mensch lebt nicht vom Blog allein

Warum bringt ein Blogger soviel Zeit für eine überwiegend brotlose Tätigkeit auf? Was motiviert ihn, seinen Blog zu pflegen und immer wieder mit aktuellen Inhalt zu füttern? Philosophisch betrachtet könnte die Antwort Liebe und Hingabe lauten.

Ohne eine gehörige Portion Liebe und Leidenschaft könnte man schwer einen regelmäßigen Blog betreiben. Wie die Studie zeigt, fühlt sich der überwiegende Teil der Blogger verpflichtet, seinen Mitmenschen komplexe Sachverhalte näher zu bringen und schwierige Inhalte verständlich zu vermitteln. Er folgt so zusagen seinem persönlichen Bildungsauftrag. Wobei aber auch der Anspruch, sein Publikum unterhalten zu wollen, eine große Rolle im Leben des Bloggers spielt.

Gerne bezeichnen sich die Blogger auch als Trendscouts und Ratgeber ihrer eigenen Sache. Womit man ihnen auch einen gewissen Grad an Narzissmus unterstellen könnte. Meinungsführerschaft und Charakterstärke ist bei ihnen sehr stark ausgeprägt. Sie suchen soziale Anerkennung und hoffen, dass sich durch ihr Schaffen neuen berufliche Chancen ergeben. Überraschender Weise spielen politische Motive trotz des allgemeinen instabilen politischen Weltklimas kaum eine Rolle in den Themenblogs. Interessant ist ebenfalls, dass sie sich nicht als mediale, gesellschaftliche und politische Kontrollinstanz sehen wie es üblicher Weise die klassisch ausgebildeten Journalisten machen.

Dies ist auch nicht besonders ungewöhnlich, da gerade mal 8 Prozent der Blogger überhaupt eine journalistische Ausbildung genossen haben. Wohl möglich liegt hier auch das Spannungsverhältnis zwischen Journalisten und Bloggern begründet.Viele Blogger fühlen sich von ihren Journalisten-Kollegen oftmals nicht akzeptiert und sehen sich ungerechter Kritik ausgesetzt. Während der Blogger offen und tolerant dem klassischen Journalismus gegenübersteht. Er kritisiert weniger, legt seinem Schaffen trotzdem die gleichen hohen journalistischen Standards zu Grunde. Blogger halten die journalistische Qualität für wichtiger als Beziehung zum Publikum. Blogger vertreten die Ansicht, dass ihr Schaffen  eine neue und andere Art des Journalismus, welche den klassischen Journalismus nicht verdrängen soll, sondern in lediglich um eine weitere interessante Facette erweitert und mit ihr friedlich koexistiert. Blogger wollen die Welt nicht unbedingt abbilden so wie sie ist, aber Präzession und Neutralität ist ihnen ebenso wichtig wie ihren Kollegen mit journalistischer Ausbildung.

Die Expansion der Blogosphäre

Das Internetwunderland bleibt also auch weiterhin spannend. Ob Blogger die klassischen Journalisten in absehbarer Zeit verdrängen ist unwahrscheinlich. Hierzu liefert die Studie keine Anhaltspunkte. Aber die Entwicklung zu immer mehr und umfangreicheren Blogs ist kaum zu übersehen. Ein Blog ist für viele Menschen Ausdruck ihrer Persönlichkeit, sie können Statements setzen und sich mit ganzen Welt austauschen. Kaum ein Medium bietet eine derartige Möglichkeit der Selbstreflexion – und das alles ohne große technische Hürden, die bloggen elitär machen würden. Es ist eine Kultur der weltumfassenden Meinungsvielfalt und des Gedankenaustausches entstanden. Eine Welt, in der sich Bloggertum und Journalismus sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig befruchten können.


Image (adapted) „BLOG IDEAS“ by Owen W Brown (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 22. Januar

In unseren LEsetipps geht es heute um die Ehrendoktorwürde der Uni Rostock für Edward Snowden, Amazon plant Pay-TV im Web, BuzzFeed kommt nach Deutschland, ein Fazit der Digital Life Design und einen Freifunk-Router. Ergänzungen erwünscht.

  • EDWARD SNOWDEN taz.de: Uni Rostock will Snowden die Ehrendoktorwürde verleihen: Die Uni Rostock will Edward Snowden die Ehrendoktorwürde verleihen, den er habe Methoden entwickelt, die ihn von anderen Whistleblowern unterscheiden. Im taz-Interview mit Fumiko Lipp spricht die Rostocker Philosophie-Professorin Gesa Mackenthun, die das Verfahren der Ehrendoktorwürde für Edward Snowden mit initiiert hat, über die Pläne der norddeutschen Universität.
  • AMAZON Ars Technica: Amazon may start live Web TV service to compete with cable: Auf Ars Technica stellt Casey Johnston die neueste Idee von Jeff Bezos vor: Amazon plant angeblich (nach Drohnen und der Vorhersage von Bestellungen) nun auch eine Art von Pay-TV im Internet. Damit könnte Kabel- und Satellitenfernsehen übers Internet empfangen werden. Umgesetzt werden soll das mit einer eigenen Set-Top-Box von Amazon, dass damit bestimmt, was wir empfangen bzw. wofür wir bezahlen können.
  • BUZZFEED Spiegel Online: Wie „BuzzFeed“ & Co. den Journalismus verändern: In den letzten Monaten haben wir mit großem Interesse das US-amerikanische Medien-Unternehmen BuzzFeed beobachtet, aber bald muss der Blick gar nicht mehr über den Atlantik schweifen, denn BuzzFeed kommt nach Deutschland. Christian Stöcker verkürzt zwar BuzzFeeds Erfolg auf Sex, Witz und Respektlosigkeit, aber BuzzFeed ist nicht wie die BILD. Doch wie BuzzFeed den Journalismus verändert, werden wir hier bald live erleben können.
  • DIGITAL LIFE DESIGN Süddeutsche.de: Digital Life Design-Konferenz – Teilen und herrschen: Die Zukunft wird freundlich und sehr profitabel, so hat es zumindest Johannes Boie auf der diesjährigen Digital Life Design-Konferenz wahrgenommen. In München traf sich wie jedes Jahr die digitale Elite zur DLD-Konferenz, wo die wenigen Netz-Skeptiker zwischen den milliardenschweren Unternehmern untergehen. Zwar war auch das Thema Überwachung auf der Agenda, aber am Ende geht es auch hier nur um den Cashflow.
  • FREIFUNK Rolling Maria: #freifunk Router (teilweise) demystified: An manchen Orten in Berlin kann man frei im Internet surfen, aber eben nicht nur kostenlos, sondern wirklich frei. Dies ermöglicht die Freifunk-Initiative mit eigenen Routern, die eine freie Infrastruktur und offene Funkfrequenzen anbieten. Die Bloggerin Maria Krieg hat sich einen Freifunk-Router genauer angesehen und beschreibt auf ihrem Blog seine Funktionsweise.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Warum das iPad in deutsche Schulen gehört

warum das ipad in deutsche schulen gehört

Computerunterstütztes Lernen oder auch e-Learning ist eines der großen Themen, das Medienwissenschaftler und Bildungsexperten nicht erst seit gestern umtreibt. Klar ist, dass der Computer und alle seine Ableger in Verbindung mit dem Internet große Chancen eröffnen auf Wissen zuzugreifen und es zugänglich zu machen. Auf der anderen Seite streiten sich aber auch die Geister, wie viel Konsum dieser digitalen Medien gut für uns ist und vor allem wie der Aufbau der Infrastruktur von Print auf Digital finanziert werden soll. Möchte man aber über vorteilhafte Entwicklungen sprechen, dann kann man aktuell kaum ein geeigneteres Beispiel heranziehen als den Einfluss des iPads in der Bildung.

Der Tablet-Computer iPad hat in seiner kurzen Lebenszeit von in etwa zwei Jahren einen beeindruckenden sowie rasanten Einfluss ausgeübt, dessen Einzug vor allem auch in den Universitäten und Schulen weltweit zu spüren ist. Wofür andere Medienträger wie Computer, Laptop, DVD-Player oder gar der Videoplayer lange Zeit brauchten, um von den Bildungseinrichtungen anerkannt und genutzt zu werden, hat das iPad nur wenig Monate gebraucht um Akzeptanz zu finden. Oft genug haben sich Schulträger in der Vergangenheit erst dann einem Fortschritt geöffnet, wenn dieser schon längst wieder durch andere Innovationen ersetzt wurde. Das hing zum einen damit zusammen, dass alteingesessene Strukturen nicht in Frage gestellt worden und zum anderen aber auch dass den meisten Schulen, gerade in Deutschland, ganz einfach das Geld für eine flächendeckende Anschaffung neuer Geräte fehlte.

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P2P University: All you can learn

Wer weiß noch, dass es lange vor social media und web 2.0 Wissensmanagement gab, das exakt das Vollbild der ganzen Definitionen der beiden vorgenannten Begriffe erfüllte. Denn im Intranet von Chevron hatten sich die Mitarbeiter in den Neunzigern eine Kommunkationsplattform erstellt, die sie zur Kommunikation über Zeitzonen und Ländergrenzen hinweg benutzen, u.a auch als Schwarzes Brett für Verkäufe, Suche nach Babysittern oder Anschluß nach einer Versetzung in ein neues Land oder eine neue Stadt. Das Ganze war – Achtung Social Media Berater hergehört – von den Mitarbeitern selbst gestrickt und funktionierte praktisch ohne Wissen und Auftrag der Geschäftsleitung länderübergreifend mit den Mitteln des neuen Mediums Datennetz – in diesem Fall Intranet.

Etwas Ähnliches, Revolutionäres findet aktuell in einem tollen Pilotprojekt wieder statt die Peer 2 Peer University. An der Irvine University, die zur University of California gehört und mit Mitteln der Hewlett und Shuttleworth Foundation beginnt dort das, was seit Jahren keiner mehr zu glauben gewagt hat. Selbstgesteuertes Vermitteln von Wissen parallel bzw. anstatt von akademischen Lehrveranstaltungen – offen für alle.

Ich bin seit 10 Jahren in dem Bereich Wissensmanagement und eLearning unterwegs und kann nun behaupten, das erste Mal zu sehen, dass sich jemand aufmacht, ein wirklich tragendes und nachhaltiges Konzept auf die Beine zu stellen. Denn alle Seiten bestimmen gemeinsam durch ihre Kooperation, welche Inhalte wie gelehrt und gelernt werden sollen. Das ist insgesamt das erste Mal, dass ich sehe, dass im universitären Umfeld ein tragendes Vorgehensmodell des konstruktivistischen Lernmodells umgesetzt wird.

Hier sind die bisherigen Kurse zu sehen.

Und dies hier wird wohl der am meisten überlaufene Kurs sein:

Open Journalism on the Open Web
Course Details

Hacks/Hackers, Mozilla, the Medill School of Journalism, The Media Consortium, and others are teaming up to develop a solid six-week online curriculum that will benefit both „hacks“ and hackers. Each week the course will focus on a different topic, and each week the participants will be joined by a different subject-matter expert from the field of news innovation. The weekly course readings, online participation, and a seminar are expected to require roughly 4-6 hours.

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Uni Leipzig beschäftigt sich mit Weblogs

Die Universität Leipzig entdeckt das Thema Weblogs:
Unter Leitung von Dr. Ansgar Zerfaß widmet sie eine wissenschaftliche Studie dem Thema Weblogs. Mit Unterstützung von Ask.com Deutschland hat man nun eine Umfrage online gestellt und bittet bis zum 20. Dezember um Teilnahme.
Thema: “Informationssuche im Internet – Blogs als neues Recherchetool“.

Dr. Zerfaß ist Professor für Kommunikationsmanagement in Politik und Wirtschaft an der Universität Leipzig und Autor des Buches „Die neuen Meinungsmacher – Weblogs in Marketing, PR und Medien“. Vor seiner Tätigkeit an der Uni Leipzig war er zehn Jahre Mitglied der Geschäftsleitung der MFG Medienentwicklung Baden-Württemberg in Stuttgart.
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