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Mit 11Pets die Gesundheit des Haustieres im Blick behalten

Mit zahlreichen Fitnesstrackern überwachen wir unsere Ernährung, Bewegungen, den Schlaf und unsere sportlichen Aktivitäten. Zusätzlich holen wir uns Apps auf unser Smartphone, mit denen wir uns unseren Alltag einfacher und strukturierter gestalten. Eine gute Möglichkeit, um sich und seine Gesundheit immer bestens im Blick zu haben. Also, warum sollten wir das nicht auch bei unseren Haustieren tun?

In den App Stores gibt es viele Apps, mit denen wir die Gesundheit unserer Haustiere überwachen können. Ich habe mir einmal die App 11Pets Haustier Pflege angeschaut, um zu sehen, wie sinnvoll das Haustier-Tracking tatsächlich sein kann.

Willkommen bei 11 Pets Haustier Pflege

Die App begrüßt mich mit einem freundlichen Leitfaden. Hier möchte 11Pets vorerst wissen, ob es sich bei mir um eine Familie mit Haustieren handelt. Ich kann aber auch auswählen professioneller Tierfriseur oder Tierschutzorganisation. Mit meiner Hauskatze gehöre ich also in die Rubrik Familie mit Haustieren. Anschließend wählt man die Art des Haustieres und schon geht es los.

11 Pets bietet den Nutzern sehr viele Eintragungsmöglichkeiten. Daher habe ich auch zu Beginn einen kurzen Moment gebraucht, um einen umfassenden Überblick zu bekommen.

Auf der Startseite wird mein Haustier angezeigt und hier erscheinen auch gleich die wichtigsten Daten wie Name, Tierart, Geschlecht, Rasse und die Grundinformationen. Zusätzlich erhält man alle wichtigen Termine, die man sich direkt anzeigen lassen kann. Muss mein Haustier zum Tierfriseur oder zum Krallenschneiden? Wann steht der nächste Arztbesuch an, für beispielsweise  eine interne Entwurmung? Gibt es einen Impftermin oder Medikamente, an die ich denken muss?

Aber auch Zwischenfälle lassen sich in die App eintragen. Hierbei kann der Nutzer allerdings auswählen, welche Termine er sich anzeigen lassen möchte. Mit meiner Katze kann ich mir nämlich den Friseurbesuch sparen. Möchte ich einen Termin eintragen, geht das ganz einfach, indem ich alles in den Reiter „Zeitplan“ eintrage. Auf der Startseite wird mir der Termin dann angezeigt. Einen Tag vorher bekomme ich zusätzlich eine Erinnerung.

In der Rubrik „Gesundheit“ findet der Nutzer alles Wichtige zu den Punkten wie unter anderem Laborergebnisse oder –tests oder über mögliche Allergien. Selbst eine Fotogalerie kann von den Fellnasen erstellt werden.

Für wen eignet sich 11Pets?

Die App finde ich persönlich sehr schön gestaltet. Der Aufbau ist außerdem ziemlich leicht nachzuvollziehen, auch wenn es am Anfang ein bisschen gedauert hat. Die Möglichkeiten sein Haustier hier genauer zu dokumentieren, sind sehr ausgeprägt. Es können zusätzlich Dokumente und Bilder hochgeladen und alle wichtigen Termine, wie beispielsweise Arztbesuche, festgehalten werden. Gerade wenn man häufiger zwischen Tierärzten wechselt, ist es vorteilhaft immer alle Aufzeichnungen fehlerfrei und lückenlos weiterzugeben.

Allerdings eignet sich die App meiner Ansicht nach eher für diejenigen, die mehr als ein Haustier zu Hause haben oder ein Haustier besitzen, was häufig zum Arzt muss oder medikamentös behandelt wird. Auch Tierschutzorganisationen werden mit diesem digitalen Helfer sicherlich glücklich. Gut durchstrukturiert gibt es hier alles Wichtige über das Tier zu sehen und gerade die Termingestaltung, machen die Tierarzt- oder Hundefriseurbesuche um einiges angenehmer, weil so keine wichtigen Daten in Vergessenheit geraten können.

Die App gibt es im Google Play Store und Apple App Store.


Image by nenetus via stock.adobe.com

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Warum viele Tiere nicht in der Stadt leben können

mammoths-image-by-paul-bica-via-flickr

Eine Sendung im BBC zeigte vor wenigen Tagen die genialen Strategien auf, die sich einige Tiere zu Eigen machen, um in urbaner Umgebung leben zu können. Wenngleich beeindruckend, sind diese Spezies in der Minderheit. Während die Anzahl der Menschen in den Städten auf der ganzen Welt beständig steigt, sollten wir unsere Aufmerksamkeit eigentlich auf die Tiere richten, die zu einem Leben in der Stadt nicht in der Lage sind.

Die Urbanisierung stellt die extremste Form des Habitatverlustes für die meisten Pflanzen und Tiere dar. Wenn Gemeinden und Städte wachsen, leben Menschen in höherer Dichte zusammen und das natürliche Habitat wird durch harte, undurchlässige Strukturen wie Straßen und Bauwerke ersetzt. Die schädliche Verschmutzung steigt an, genauso wie der Lärm der Industrie und des Verkehrs, gleichfalls der Umfang der künstlichen Beleuchtung und die Zahl der eingebrachten Räuber, wie beispielsweise Katzen.

Wenn die verbleibenden Nischen natürlichen oder halb-natürlichen Habitate (wie Überbleibsel natürlicher Habitate oder von Menschenhand geschaffene Parks) immer isolierter werden, werden in der Stadt lebende Tiere von den Möglichkeiten der Nahrungssuche, ihren Ruheplätzen oder Artgenossen abgeschnitten oder riskieren den Tod, wenn sie es dennoch versuchen. Zusammengefasst machen diese Veränderungen Städte zu Orten, in denen das Leben für viele Lebewesen unmöglich ist.

Leben im urbanen Dschungel

Typischerweise finden wir eine verminderte Varianz von Pflanzen und Tieren in stärker bebauten Gebieten – und das gilt für alle Gruppen der Tierwelt. In einer weltweiten Studie schätzten Forscher, dass sich in Städten nur acht Prozent der Vogelarten und 25 Prozent der Pflanzenarten aufhalten, die in diesem Gebiet vor der Urbanisierung gelebt hätten. Sobald der Lebensraum eines Wirbeltieres urbaner wird, ist es gleichzeitig stärker vom Aussterben bedroht. Tatsächlich wird geschätzt, dass die urbane Entwicklung dafür verantwortlich ist, dass 420 Wirbeltierarten heute auf der Liste der bedrohten Arten stehen.

Es sind die opportunistischen Allround-Spezies wie Füchse und Ratten – und, wie wir in der Sendung sehen konnten, auch einige Affen – die sich an eine breite Varianz von Umwelteinflüssen anpassen können. Im Kontrast dazu haben Arten, die große Areale für eine ausreichende Nahrungsversorgung benötigen, spezialisierte Lebensräume oder besondere Anforderungen an ihre Ernährung. Die Tierarten mit einem sehr engen geografischen Spektrum schlagen sich inmitten der urbanen Entwicklung eher schlecht.

Im Jahr 2011 veröffentlichte das Zentrum für Biologische Diversität eine Liste mit zehn Spezies aus den USA, denen die Ausrottung als Folge des menschlichen Bevölkerungswachstums droht. Viele von ihnen wurden direkt durch die urbane Entwicklung beeinflusst, unter anderem der Floridapanther, der Mississippi-Gopherfrosch oder der Langes Metalmark-Schmetterling. Es existieren nur noch 150 Exemplare dieses Schmetterlings auf der Welt, der in einer kleinen, küstennahen Zuflucht in Kalifornien lebt. Zufälligerweise ist das auch noch die letzte Heimat einiger Wildblumen, wie der Antiochiendünen-Nachtkerze und des Contra Costa-Mauerblümchen.

Fledermäuse leiden ebenfalls an der Urbanisierung. Teilweise ist der Grund hierfür, dass viele Arten auf Wälder als Futter- und Schlafplätze angewiesen sind. Dennoch können selbst Fledermäuse, die wir oft in Städten sehen, oft schwer mit dem Leben in bebauten Gebieten umgehen.

Beispielsweise kann man die in Europa weit verbreitete Gemeine Zwergfledermaus oft in Gebäuden schlafend oder in Stadtparks umherfliegen sehen. Studien der University of Stirling, die ehrenamtliches Vogelmonitoring als Teil des Bat Conservation Trust’s National Bat Monitoring Programme nutzt, zeigen aber, dass diese Fledermausart weit weniger in dicht besiedelten Gebieten registriert wurde als in schwächer besiedelten.

Grünere Städte schaffen

Ungefähr die Hälfte der weltweiten Bevölkerung lebt aktuell in urbanen Gegenden, die rund drei Prozent der Erdoberfläche bedeckt. Beide Werte wachsen rasant. Gleichzeitig breiten sich Städte am schnellsten in einige der biologisch vielfältigsten Areale der Welt aus, unter anderem in Teilen Afrikas oder Asiens, was noch weitere Spezies in Gefahr bringt. Zum Beispiel ist das östliche Afromontane in Afrika eine Gegend, der einer der höchsten Urbanisierungsgrade vorhergesagt wird. Diese Gebiet ist Heimat einer beeindruckenden Palette von Pflanzen und Tieren, die nirgendwo sonst mehr existieren. Einige Spezies wie die Giraffe, die erst kürzlich auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt wurde, wurden hier auch gefunden.

Eine Spezies durch Ausrottung zu verlieren, ist nicht nur eine Tragödie für das Tierreich. Menschen sind von biologischer Diversität abhängig, da sie eine breite Palette an „Dienstleistungen“ bietet. Zum einen direkt, zum Beispiel Nahrung oder Feuerholz, oder indirekt, wie den Nährstoffkreislauf, Bestäubung und die Bereitstellung von klarem Wasser reiner Luft.

Dennoch ist die Situation nicht vollkommen hoffnungslos, es gibt viele Möglichkeiten, die wir individuell oder auf lokalem Level und als Gesellschaft durch die Entwicklung von nachhaltigen Strategien urbaner Planung angehen können. Viele Studien zeigen, dass das Instandhalten und Erweitern von Grünstreifen in Städten und Gärten die Bewahrung von Wildtieren fördert und menschliche Gesundheit und Wohlbefinden stärkt. Grüne Dächer und Wände können Habitate für das Tierreich darstellen und den Einfluss der urbanen Hitze-Inseln reduzieren. Ebenso können sie Regenwasser absorbieren und die Gebäudedämmung verbessern.

Während es unmöglich scheint, dass beispielsweise Hyänen und Menschen in Harmonie miteinander leben, sich Falken inmitten von Wolkenkratzern aufschwingen und Affen sich durch den Dschungel der Großstädte schwingen, müssen wir uns auch die Spezies bedenken, die nicht mit dem Leben in der Stadt umgehen können. Während sich urbane Gebiete ausbreiten und weiterentwickeln, lohnt es, sich bewusst zu halten: Wenn wir Städte für das Tierreich bewohnbarer machen, profitieren auch wir Menschen davon.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Mammoths“ (adapted) by Paul Bica (CC BY 2.0)


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Schimpansen und ihre Freunde chillen besser: Neue Studie gegen Stress

Ob es um den Trost nach dem Tod eines geliebten Menschen geht oder um Mitgefühl, wenn unser Team wieder einmal verloren hat – unsere sozialen Beziehungen sind für den Versuch, ein glückliches, weniger stressfreies Leben zu führen, unbezahlbar. Die Rolle von sozialen Interaktionen und Bindungen zur besseren Stressreduzierung wurden bei vielen Spezien untersucht, von Ratten bis zum Elefanten.

Aber die Jury ist sich noch nicht sicher, wie Freunde uns dabei helfen, mit Stress auf einem psychologischen Level umzugehen. Neue Forschungen zu Beziehungen zwischen Schimpansen suggerieren, dass Freunde nicht nur einfach einen „sozialen Puffer“ erschaffen, indem sie uns in stressigen Zeiten helfen. Sie reduzieren möglicherweise auch das Stresslevel im Allgemeinen, indem sie in unserem Leben einfach nur anwesend sind, wodurch die Art und Weise reguliert wird, wie unser Körper mit Hormonen, die ein Anzeichen für Stress sind, umgeht.

Stress wurde ausführlich bei zahlreichen nicht-menschlichen Primaten erforscht, einschließlich bei Schimpansen, Makaken und Pavianen und wir wissen, dass er verheerend sein kann. Zum Beispiel können hohe Stresslevel bei Pavianen Magen- und Darmgeschwüre verursachen und sogar zu einem früheren Tod führen. Starke soziale Bindungen agieren anscheinend als ein Puffer gegen die schlimmsten Folgen von Stress. Es gibt einen umfassenden gesundheitlichen Nutzen hierdurch, zum Beispiel einen überraschenden Anstieg in der Überlebensrate von Säuglingen unter den weniger gestressten Pavian-Müttern.

Wenn es darum geht, was im Körper passiert, wissen wir, dass ein gutes soziales Umfeld mit einer Abnahme der Hormone, die ein Anzeichen für Stress sind, wie etwa Glucocorticoide, korreliert. Aber wir wissen nicht genau, wie das vonstatten geht.

Sozialer Puffer

Ein neulich veröffentlichter Artikel im Nature Communications Journal erforscht zwei mögliche Mechanismen hinter der Art und Weise, wie soziale Bindungen als ein Puffer in Sachen Stress bei Schimpansen agieren. Die Forscher betrachteten zwei gegensätzliche Theorien: ob „Bindungspartner“ (dies entspricht bei den Schimpansen einem Freund) die besonders stressigen Zeiten einfach weniger stressig machen oder ob die Effekte dieser Partnerschaft im Verlauf des Tages bemerkt werden.

Die Forscher beobachteten wild lebende Schimpansen auf einem schon seit langem bestehenden Gelände in Uganda über einen Zeitraum von zwei Jahren, wobei eine Reihe aggressiver und kooperierender sozialer Interaktionen beobachtet wurden.

Dazu gehörten die Zeiten, zu denen die Tiere geruht, gegenseitig Fellpflege betrieben oder zu denen sie Herdenmitglieder anderer Schimpansengruppen gesehen oder gehört haben. Die Forscher haben die Stresslevel der Schimpansen gemessen, indem sie umfangreiche Urin-Proben gesammelt haben, um diese auf das Vorkommen von Glucocorticoide zu testen.

Um eine potenzielle Stress-Situation zu erschaffen, wartete ein erfahrener Assistent der Fachrichtung, bis kleine Gruppen der Schimpansen in der Nähe der Grenzen des Territoriums waren und trommelte dann auf die großen Baumwurzeln. Dies ahmte das Trommelgeräusch nach, das die Schimpansen erzeugen, um innerhalb und zwischen den sozialen Gruppen zu kommunizieren. Man wollte sehen, wie diese Konfrontation mit dem Trommeln von den einzelnen Schimpansen wahrgenommen wird, abhängig von ihrer sozialen Unterstützung.

Der Hormonpegel im Urin der Schimpansen zeigte, dass sie – vielleicht wenig überraschend – dazu neigen, gestresster zu sein, wenn sie einem Tier einer anderen Gruppe begegnen (oder glauben, einem solchen zu begegnen). Aber die Forschung zeigte auch, dass die sozialen Beziehungen den Stress augenscheinlich immer reduzierten, aber eben nicht in den stressigsten Situationen. Dies suggeriert, dass es für Schimpansen wichtig ist, einen „Bindungspartner“ zu haben, mit dem sie regelmäßig in freundlicher und kooperativer Weise interagieren können und dem gegenüber sie sich nur selten aggressiv verhalten.

Es scheint, als ob die tägliche Präsenz von Bindungspartnern während, sowohl innerhalb als auch außerhalb stressiger Situationen, tatsächlich das System reguliert, das den Hormonhaushalt des Körpers steuert, wodurch das gesamte Stresslevel reduziert wird. Während die aktive Unterstützung eines Bindungspartners das Glucocorticoide-Niveau am meisten senkt, führt ihre bloße Anwesenheit auch zu weniger Stress.

Obwohl es in dieser Studie nicht bewiesen wurde, glauben die Autoren, dass Oxytocin (das oft auch als „Liebeshormon“ bezeichnet wird) möglicherweise auch für diese Regulierung verantwortlich ist. Allgemeiner gesagt hilft dieses Hormon-Gleichgewicht möglicherweise auch dabei, das Immunsystem, die Herzfunktion, die Fruchtbarkeit, die Stimmung und sogar die Wahrnehmung zu verbessern.

Es ist einfach, die Schimpansen in Gedanken durch Menschen zu ersetzen und statt der Bezeichnung „Bindungspartner“ die Bezeichnung „Freund“ zu verwenden. Wir alle stellen fest, dass schwere Zeiten mit einer freundschaftlichen Schulter zum Ausweinen einfacher zu bewältigen sind. Selbst in einem alltäglichen Kontext ist unser Leben dieses kleine bisschen schöner, wenn wir wissen, dass unsere Freunde da sind.

Aber diese Abhandlung zeigt auf, dass die Bildung und die Instandhaltung solcher enger sozialer Bindungen mit anderen einen bedeutenden, messbaren Nutzen für das körperliche und seelische Wohlergehen der Schimpansen hat und es wird auf einem physiologischen Level reguliert. Dies könnte uns nicht nur bei unserem weiteren Verständnis der Evolution des menschlichen Sozialverhaltens helfen, sondern auch die Art beeinflussen, wie wir mit körperlichen Krankheiten und seelischen Schmerzen innerhalb der menschlichen Gemeinschaften umgehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „chimps“ by Pixel-mixer (CC0 Public Domain)


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Das sehen Hunde, wenn sie fernsehen

hund(image by lightstargod[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Hundebesitzer bemerken oft, wie ihre Tiere fernsehen oder auf Computerbildschirme und Tablets schauen. Aber was geht in ihrem Hundekopf vor? Tatsächlich konnten Studien durch eine Rückverfolgung ihres Sehvermögens mithilfe ähnlicher Methoden, wie sie beim Menschen verwendet wurden, feststellen, dass Haushunde bestimmte Bilder und Videos bevorzugen.

Diese Studie deutet darauf hin, dass Hunde bevorzugt andere echte Hunde sehen – aber unsere Studien haben auch herausgefunden, dass es zunächst die Geräusche sind, die Hunde zum Fernseher oder zu anderen Geräten locken.

Die beliebtesten Geräusche umfassen dabei das Bellen von Hunden sowie deren Winseln, aber auch die Laute, die Menschen erzeugen, wenn sie Hunde loben und ihnen freundlich Befehle erteilen und das Quietschen von Spielzeug.

Dennoch schauen Hunde ganz anders fern als es Menschen tun. Statt still zu sitzen, nähern sich die Tiere oft dem Bildschirm, um genauer hinschauen zu können und laufen wiederholt zwischen ihrem Besitzer und dem Fernseher hin und her. Sie sind sehr zappelige, interaktive Zuschauer.

Hunde sehen auf dem Bildschirm auch andere Dinge als Menschen. Hunde sehen zweifarbig – sie haben zwei Arten von Farbrezeptor-Zellen und sehen Farben innerhalb zweier Farbspektren: blau und gelb. Die Farbverwendung in den Medien ist sehr wichtig für Hunde und erklärt, warum der Hunde-Fernsehsender DogTV diese Farben bei seinen Programmen bevorzugt verwendet. Hundeaugen sind außerdem viel sensibler gegenüber Bewegungen und Tierärzte vermuten, dass das verbesserte, flimmerfreie Fernsehen, das aus dem Wechsel von normalem zu hoch auflösendem Fernsehen resultiert, Hunden ermöglicht hat, die Medienprogramme im Fernsehen besser wahrzunehmen.

Mögen Hunde das TV-Programm

In Studien wurden auch mehrere Bildschirme verwendet, um zu sehen, ob Hunde aussuchen können, was sie anschauen. Frühe Forschungen haben ergeben, dass Hunde unfähig sind, sich zu entscheiden, wenn sie mit drei Bildschirmen konfrontiert werden und sich stattdessen nur einen Bildschirm anschauen, ganz egal, was auf diesem gezeigt wird. Dies muss noch mit zwei Bildschirmen getestet werden und möglicherweise auch noch einmal mit mehr als dreien.

Während die Wissenschaft gezeigt hat, dass Hunde sich auf Fernsehprogramme einlassen können und dass sie bestimmte Programme bevorzugen, muss sie noch komplexere Fragestellungen erforschen, wie beispielsweise die Frage, ob ihnen Fernsehen eigentlich tatsächlich gefällt. Wir Menschen schauen oft anstrengendes Bildmaterial oder Videos, die uns eine Vielzahl an Emotionen durchleben lassen, von Erschütterung zu Wut und Schrecken. Wir schauen auch nicht nur deshalb fern, um uns wohlzufühlen. Wir wissen jedoch nicht, ob ähnliche Faktoren Hunde dazu motivieren, fernzusehen.

Worauf sich ein Hund einlässt, variiert jedoch von Hund zu Hund und hängt von seiner Persönlichkeit, Erfahrung und von seinen Vorlieben ab. Es wird spekuliert, ob dies davon beeinflusst wird, was ihre Herrchen schauen, da Hunde dem Blick der Menschen und anderen Kommunikationssignalen, wie zum Beispiel Gesten und Kopfschütteln, folgen.

Anders als bei Menschen gibt es bei Hunden sehr kurze Interaktionen mit den Medien mit einer Zeitspanne von meist unter drei Sekunden, wobei die Tiere bevorzugt kurze Blicke auf den Fernseher werfen, anstatt sich auf diesen zu fokussieren, wie es die Menschen tun. Studien haben herausgefunden, dass selbst Medienprogramme, die speziell für Hunde konzipiert wurden, zum Großteil von diesen nicht geschaut werden. Das ideale Fernsehprogramm für Hunde sollte daher viele Bildausschnitte beinhalten und keine Szenarios mit langen Geschichten.

Aber während Hunde ihren eigenen Fernsehsender haben und eine Vorliebe dafür gezeigt haben, andere Hunde zwischen kurzen Interaktionsphasen im Rahmen spezieller Programme in bestimmten Farben zu sehen, bleiben noch viele Dinge unklar. Dennoch besitzt die Technologie das Potential, für Unterhaltung für den Haushund zu sorgen, wodurch das Wohlergehen der allein im Zwinger und zu Hause gelassenen Hunde gesteigert wird. Man sollte allerdings noch keine Hundeversion der Nachrichten erwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Hund“ by lightstargod (CC0 Public Domain)


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Mit Möwen zur Drohnenroute

seagull (image by dyangerous [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Möwen sind vielen Stadtbewohnern verhasst. Vom Stibitzen von Sandwiches bis zum Aufreißen von Müllsäcken – seit Jahren werden sie als deutlich schlimmer empfunden als die traditionell unbeliebten Tauben oder Ratten. Die in den Städten lebenden Möwen sind durchaus interessant, denn tatsächlich ist es so, dass die Populationen von Silber- und Heringsmöwen in ländlichen Gebieten zurückgehen, während sie in urbanen Gegenden deutlich steigen.

Es gibt viele verschiedene Gründe dafür, darunter der einfache Zugang zu Nistmöglichkeiten und Nahrung sowie eine erlernte Gewöhnung an den Menschen. Jedoch gehen wir in unserer kürzlich veröffentlichten Studie zusätzlich von der Möglichkeit aus, dass auch ein gewisser Flugkomfort die Innenstädte zu einem attraktiven Anziehungspunkt für diese Vögel macht.

Turbulente Lüfte

Als Landtier kann es für die Menschen schwierig sein, sich vorzustellen, wie es wohl sein mag, sich in einem Medium zu bewegen, das selbst auch bewegt ist. Wenn man alleine in einem Schwimmbecken schwimmt, fühlt es sich leichter an, durch das Wasser zu gleiten, da es von keinem anderen Schwimmer aufgewühlt wurde. Und dabei handelt es sich lediglich um eine Turbulenz im Kleinformat: Man stelle sich vor, wie es sich anfühlt, im Meer zu schwimmen, wo einen die Strömungen zurückziehen können, wenn man versucht, zurück an die Küste zu gelangen. Jetzt kann man ansatzweise verstehen, wie es sich anfühlt, ein Vogel zu sein.

Man stelle sich nun vor, man müsste jeden Tag durch das Meer schwimmen, um zur Arbeit zu kommen. Mal werden einem die Strömungen zugutekommen, mal werden sie gegen einen arbeiten. Dies und die Bewegtheit des Wassers wird einen großen Einfluss darauf haben, wie sehr man sich anstrengen muss. Muss man das jeden Tag machen, würde man ziemlich gut darin werden, den Seegang und die Strömungsrichtung vorauszusehen. Flugfähige Tiere haben mit alldem täglich zu tun: die Luft ist so gut wie nie unbewegt und wirkt sich nachhaltig auf das Flugverhalten aus.

In unserer Studie untersuchten wir, wie Möwen die durch Gebäude generierte aufsteigende Luft ausnutzen, um ohne Flügelschlagen fliegen zu können. An unserem Forschungsstandort Swansea, einem Küstenort, fanden wir heraus, dass die Möwen tatsächlich ihre Flugwege in bestimmten Windsituationen verändern, um von Aufwinden profitieren zu können, die rund um eine Reihe von an der Bucht gelegenen Hotels auftreten.

Diese energiesparenden Strategien sind bereits bei Vögeln bestätigt, die große jährliche Wanderungen unternehmen, jedoch sind sie bei Vögeln, die täglich umherziehen, deutlich weniger erforscht.

Möwen tracken

Um mehr über die Flugwege der Möwen herauszufinden, setzten wir laserbetriebene Ferngläser zur Entfernungsmessung ein, mit denen wir die Flugbahnen der Vögel, die auf der von den Hotelgebäuden aufsteigenden Luft schwebten, einzufangen versuchten. Wir ergänzten dies mit einem vereinfachten Computermodell davon, wie die Luft sich zwischen den an der Küste gelegenen Hotels bewegte, und den Flugcharakteristiken der Möwen selbst. Unsere Ergebnisse legten nahe, dass die Möwen möglicherweise eine Strategie anwenden, mit Hilfe derer sie angesichts seitlicher Windböen eine erhöhte Kontrolle über ihr Flugverhalten erlangen.

Dies zeigt, dass menschgemachte Strukturen – selbst solche, die nur aus ein paar mehrstöckigen Hotels bestehen – durch veränderte Luftströmungen die Flugwege von Vögeln verändern können.  Tatsächlich ist es wahrscheinlich, urbane Gegenden generell mit günstigen Flugbedingungen zu assoziieren, denn die Gebäude bieten bei einer Reihe von unterschiedlichen Wetterbedingungen reichlich Auftrieb.

Nichtsdestotrotz ist das Erlangen von günstigen Flugbedingungen durch die urbanen Luftströmungen nicht ganz ohne Risiko. Gegenden mit schwierig zu händelnden Untergründen, wie eben diese in urbanen Räumen, produzieren sehr komplexe Luftströmungen. Um dies zu berücksichtigen, bildeten wir die genauen Positionen der Möwen in Relation zu den Luftströmungen rund um die Hotels ab, um zu ermitteln, ob sich diese ändern, wenn die Windstärke zunimmt.

Vorausfliegen

Diese interessanten Flugstrategien helfen uns nicht nur dabei, das Leben der Möwen zu verstehen, sondern könnten sich ebenfalls als äußerst nützlich herausstellen, wenn es um das Planen der Flugwege von unbemannten Fluggeräten (kurz: UAV, engl.:  unmanned aerial vehicle) oder von Drohnen in urbanen Landschaften geht.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass Luftströmungen selbst rund um sehr kleine Vorrichtungen erhebliche Auswirkungen auf den Energiebedarf und die Flugkontrolle von Vögeln und Drohnen bedeuten können. Wir waren uns sehr wohl darüber bewusst, dass hier – und in der künftigen Forschung – Biologie- und Maschinenbau-Forscher viel voneinander profitieren können.

Kleinformatige UAVs mit fixierten Flügeln – wie beispielsweise die gängigen Flugzeugtypen – sind von Böen und Turbulenzen deutlich mehr betroffen als größere Fluggeräte, denn die Windgeschwindigkeit ist vergleichbar mit ihrer Luftgeschwindigkeit. Das Fliegen in niedrigen Höhen, in den hochkomplexen Strömungsfeldern von urbanen Umgebungen und in nächster Nähe zum Boden und Gebäuden, ist eine wichtige Herausforderung, für die die meisten autonomen Flugsteuerungssysteme schlicht noch nicht gemacht sind. Zu untersuchen, wie Vögel von geringer Größe und wenig Gewicht diese Herausforderungen meistern, kann dabei helfen, das Planen von UAV-Flugsteuerungssystemen und die Entwicklung von Flugkontrollsystemen für diese Umgebungen voranzutreiben.

Wenn Sie also das nächste Mal angesichts von durch die Innenstadt fliegenden Möwen übellaunig sind und schützend Ihr Eis beim Spaziergang an der Strandpromenade abschirmen, halten Sie einen Moment inne, um die komplexen Entscheidungen, die diese gefiederten Piloten Sekunde für Sekunde treffen, zu wertschätzen, denn sie reagieren auf die sich kontinuierlich verändernden Luftbedingungen in einer Art und Weise, von der Ingenieure, zumindest heutzutage, nur träumen können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „seagull“ by dyangerous (CC0 Public Domain)


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Wie Pokémon GO künftig unseren Blick für die Natur schärfen könnte

Pokemon Gym at the peak of Zion Observation Point (adapted) (Image by Tydence Davis [CC BY 2.0] via flickr)

Jeder, der sich in den letzten Monaten im Freien aufgehalten hat, wird den großen Erfolg von Pokémon GO mitbekommen haben, das die Spitze der Spiele-Charts erobert hat. Seit zwei Jahrzehnten haben Menschen eifrig Pokémon-Kreaturen über verschiedene Medienformate gesammelt, daher war es ein logischer Schritt, die Smartphone-Technologie zu verwenden, um das Franchise in eine „Mobile Augmented Reality“ (MAR)-Spieleapp umzuwandeln. Es wurde zu einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Phänomen, der Marktwert des Besitzers Nintendo stieg auf knapp 40 Milliarden US-Dollar. Das Spiel wurde aber nicht wirklich von Nintendo entwickelt, es wurde von dem Google-Spin-Off Niantic erstellt, das auch Ingress, den beliebten Augmented Reality-Vorgänger von Pokémon GO, entwickelt hatte. Ähnlich wie Pokémon GO ist Ingress ein in die Realität eingebettetes Sci-Fi-Spiel, in dem Spieler unter Verwendung von Smartphone-Kameras mit Objekten aus der realen Welt interagieren können, die von bestimmten, spielrelevanten, simulierten Eigenschaften überlagert werden. In einer Veröffentlichung des Journals Restoration Ecology haben wir besprochen, dass MAR-Spiele wie diese viel für das Umweltbewusstsein tun können – im Gegensatz zu den Argumenten von Anderen, die darin einen Grund zur Sorge sehen. Der Schlüssel liegt nicht darin, sich über die Beliebtheit von Spielen oder Augmented Reality an sich zu beklagen oder dagegen zu argumentieren, sondern darin, zu erkennen, was diese so erfolgreich macht. Sie begreifen die Gefühle der Menschen, sie machen Spaß, sie beleben den Konkurrenzkampf und treiben Menschen in die freie Natur – all die guten Gründe, wieso die Leute die Natur lieben.

Das Problem

Das Wachstum unserer modernen Gesellschaft, das durch technische Innovationen vorangetrieben wurde, wird durch die Ausbeutung der Natur gestützt. Heute ist ein großer Teil der Welt, der früher Wildnis war, durch Menschen umgestaltet. Die Population von Pflanzen und Tieren ist zurückgegangen, was zu lokalen Verlusten und globalem Aussterben geführt hat, als Folge der Zerstörung der Lebensräume, Ernte, invasiver Tier- und Pflanzenarten und Umweltverschmutzung. Doch obwohl die direkten Ursachen des Verlustes der Tier- und Pflanzenwelt klar genug sind, ist es weniger offensichtlich, warum es viele Menschen nicht zu interessieren scheint. Der Umweltaktivist und Schriftsteller George Monbiot hat die laufende Zerstörung der Umwelt durch die Gesellschaft der Tatsache zugeschrieben, dass nicht mehr genügend Leute die Natur und Wildnis schätzen. Diese „Öko-Gleichgültigkeit“ hat sich als Synonym unserer modernisierten, urbanisierten Welt eingestellt, in welcher neue Technologien gleichzeitig die Interessen der Gesellschaft dominieren und die Fähigkeiten erhöhen, der Umwelt zu schädigen. Aber was wäre, wenn Augmented Reality, von MAR-Apps auf Smartphone bis hin zu HoloLenses, auf positive und proaktive Weise nutzbar gemacht werden könnten, um die breite Öffentlichkeit mit der Natur zu verbinden und dadurch Ihre angeborene Naturliebe zu aktivieren? Was, wenn ein Handyspiel entwickelt werden könnte, das sich nicht nur auf die Merkmale des Stadtbildes konzentriert, sondern sich spielerisch auf Natur, Pflanzen- und Tierwelt und menschliche Interaktion in einem natürlichem Umfeld konzentriert? Ein solches Spiel würde seine Spieler dazu bringen, aktiv die Natur zu erleben. Sie würden sich mit ihr zusammentun, sie beschützen (das könnte man als Belohnungs-Feature im Spiel verstehen) und damit ihren Wert verinnerlichen. Einen größeren Teil der Gesellschaft mit der Natur zu verbinden, ist seit langem ein Traum von Umweltschützern, der leider schwer erreichbar ist. Vor mehr als einem Jahrzehnt fand eine Gruppe von führenden Naturschutzbiologen heraus, dass Kinder besser Pokémon-Figuren erkennen als bestimmte Gruppen von Tieren identifizieren konnten. Das Problem ist nicht die Entdeckung der „Spezies“ an sich – es liegt mehr daran, dass sie hauptsächlich den elektronischen Lebewesen ausgesetzt sind, statt mit echten Tieren zu tun zu haben. Worin Menschen ihre Aufmerksamkeit investieren, ist ein Problem von entscheidender Bedeutung. Ingress hat aktuell mehr als sieben Millionen aktive Spieler und wurde von 12 Millionen Menschen heruntergeladen, seit es 2012 veröffentlicht wurde. Der Umstand, dass man bei dem Spiel das Haus verlassen muss, ermutigt Spieler dazu, etwas zu finden, zu erkennen und sich mit einer Reihe von kulturellen Symbolen zu identifizieren, die sie ansonsten ignorieren würden.

Egress – Aussteigen!

Hier ist also die besondere Herausforderung: Man sollte eine neue Version von Ingress erstellen (nennen wir es doch einfach „Egress“), die lehrreich und überzeugend sein sollte und zudem auch beliebt. Sie könnte auch Augmented Reality verwenden, um bestimmte  Umweltveränderungen zu zeigen – seien es gute Veränderungen, wie bei Instandhaltungen der Umgebung, oder schlechte, wie bei Anzeichen von Beschädigung. Um ein Hit zu werden, muss sie ein Publikum erfassen und eine Gemeinschaft fordern. Und sie könnte auch Daten für wissenschaftliche Projekte generieren. Es gibt viele Möglichkeiten, wie eine solche App funktionieren könnte. Möglicherweise beinhaltet es die Verwendung von Handys zum Fotografieren, Lokalisieren und automatisiertem Zuordnen von „Tags“ zu Spezies innerhalb einer Landschaft, das Identifizieren von seltenen Pflanzen oder Insekten oder woran man erkennt, dass an einem bestimmten Ort Tiere leben (wie beispielsweise Erdlöcher, Überreste von Ausscheidungen oder anderem, und so weiter). Der entscheidende Punkt ist, dass, obwohl die Konzentration auf Ökologie und Natur liegt, es auch ein Spaßelement geben muss – vielleicht wie eine Art High-Tech-Version dieser alten Vogelbeobachtungs-Handbücher, aber eines, das mehr Anerkennung für das Auffinden seltener Arten bietet. Ein aktueller Leitartikel in der Zeitschrift Nature hebt einige der möglichen Anwendungen von Pokémon GO, Ingress und anderer hervor, die darauf hindeuten, dass MAR-Spiele auch verwendet werden könnten, um neue Spezies zu entdecken und zu beschreiben. Wer möchte nicht, dass ein neues Tier oder eine neue Pflanze nach ihm benannt wird? Solche wissenschaftliche Aktivitäten würden die Verbindungen zwischen Forschung, Erhaltung und der Gemeinschaft stärken. Was Ingress und Pokémon GO gezeigt haben, ist, dass es möglich ist, Millionen von technisch versierten Menschen aus ihren Wohnzimmern und Kellern zu bekommen und sich aktiv mit der übrigen Welt zu engagieren. Während es unmöglich zu garantieren ist, dass jedes Projekt viral wird, zeigen die jüngsten Erfahrungen mit der Augmented Reality auf den Telefonen, dass große Menschenmassen wirklich überzeugt werden können, das Haus zu verlassen und die Welt zu erkunden. Das ist sicherlich der erste und notwendigste Schritt, um Menschen wieder zu verbinden und sich um die Natur im digitalem Zeitalter zu kümmern. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Pokemon Gym at the peak of Zion Observation Point“ by Tydence Davis (CC BY 2.0)


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Touchscreens für Hunde, tragbare Geräte für Hühner: Willkommen in der Welt der Tier-Technologie

Caught Surfin Flickr (adapted) (Image by Derek Gavey [CC BY 2.0] via flickr)

Stellen Sie sich vor, Sie lassen Ihren Hund zuhause und er schaltet den Smart-TV ein, um sich ein Programm auszusuchen. Währenddessen besuchen Sie den Zoo, wo Sie interaktive Touchscreen-Spiele mit Affen spielen und die Delfine dabei beobachten, wie sie via Sonar ihr Mittagessen bestellen. Auf dem Feld hinter Ihnen streichelt ein Landwirt seine Hühner-Herde virtuell und lässt Drohnen Schafswolle einsammeln, während sich die Kühe von selber melken. Willkommen in der ungewöhnlichen Welt der Tier-Technologie. Tiere nutzen Technologien schon seit längerer Zeit, von Tracking-Geräten zur Arterhaltungs-Forschung bis hin zu Zoos, die Touchscreen-Computer für die Tiere einsetzen. Doch in der letzten Zeit hat der Forschungsbereich der Tier-Computer-Interaktion (engl.: ACI, animal-computer interaction) begonnen, sich intensiver damit zu beschäftigen, wie Tiere diese Technologien benutzen. Die Hoffnung besteht darin, ein besseres Verständnis der Beziehung von Tieren zu Technologie zu entwickeln. Dies kann dazu führen, dass wir ihr Wohlergehen beobachten und verbessern können. Die Explosion des Forschungsbetriebs im Bereich ACI führte zur Entwicklung einer Vielzahl von Haustier-Produkten, die es den Besitzern erlauben, ihre Tiere zu beobachten, wenn sie außer Haus sind und sogar mit ihnen spielen zu können. Zum Beispiel gibt das PetCube-Spielzeug den Besitzern die Möglichkeit, einen Laserpunkt zu steuern, den die Tiere jagen können, und gleichzeitig via Video-App auf dem Smartphone mit den Tieren zu sprechen. Andere Apps überwachen für die Besitzer die Gesundheit, Fitness und Gewohnheiten ihrer Haustiere. So hat eine Studie gezeigt, dass die App CompanionViz den Besitzern anhand der Daten ein tiefergehendes Verständnis der Gesundheit ihrer Haustiere ermöglichte und ihre Gemeinschaft gestärkt hat. Meine eigene Forschung beschäftigt sich mit der Entwicklung eines intelligenten Tracking-Geräts für Hunde, das sie auf einem Bildschirm mit Medien interagieren lässt, sodass wir untersuchen können, wie sie Fernsehen nutzen und was sie dabei gerne schauen (falls sie überhaupt etwas schauen). Vielleicht nicht wenig überraschend, fand ich heraus, dass Hunde gerne Videos anderer Hunde schauen. Das brachte mich dazu, die Augenbewegungen der Hunde auf einzelnen und mehreren Bildschirmen zugleich zu verfolgen, um herauszufinden, wie Medien speziell für Hunde am besten gestaltet sein sollten. Schlussendlich hoffe ich, ein interaktives System zu entwickeln, mit dem sich Hunde aussuchen können, was sie schauen möchten, und das sich je nach ihren Vorlieben weiterentwickelt. Es geht mir nicht darum, ein Spielzeug für engagierte Haustierbesitzer zu entwickeln. Vielmehr ist es so, dass Hunde im Verlauf des Tages oft alleine zu Hause oder in Zwingern isoliert sind. Interaktive Medientechnologie kann das Wohlergehen der Tiere verbessern, indem Reize und eine Möglichkeit zur Unterhaltung geboten werden. Diese Forschung ist noch sehr neu und die Analyse der Effekte ist dementsprechend erst im Anfangsstadium. Doch wir hoffen, dass sie das Wohlbefinden der Hunde deutlich verbessern wird, indem diese davor bewahrt werden, sich durch Langeweile ausgelöste, gefährliche Verhaltensmuster anzugewöhnen.

Diese Art der Technologie kann die Menschen ebenfalls dazu ermutigen, sich noch mehr mit den Tieren und mit Arterhaltung zu beschäftigen. Orang-Utans beispielsweise sind hochintelligent. In Gefangenschaft ist es wichtig, dass sie mentale Reize geboten bekommen, damit sie nicht gelangweilt und depressiv werden. AppsForApes ist ein Projekt, das den Tieren Zugriff auf Touchscreen-Technologie gewährt, und es ihnen erlaubt, auf kognitive Spiele, Kunst und Zeichnen, Musikinstrumente sowie Fotos und Videos zuzugreifen – ganz ähnlich wie Menschen es auch tun. Dies ist nicht nur förderlich für ihre Gesundheit, sondern hilft auch dabei, die Zoobesucher über die Bedürfnisse und die Intelligenz der Tiere aufzuklären und schafft Möglichkeiten, mit ihnen zu interagieren und ein Bewusstsein für Arterhaltung zu fördern. Die Technologie kann auch jenen Tieren helfen, die mehr als visuelle Reize benötigen. Ein Projekt, das von Adrian Cheok vom Imagineering Institute in Malaysia geleitet wird, versucht, für das körperliche Wohlbefinden von Tieren zu sorgen, die oft in gesundheitlich schlechtem Zustand sind: Die Rede ist von Hühnern. Hühner sind kognitiv und emotional hochsensibel und profitieren damit sehr von körperlichem Kontakt, der in der modernen Großanlagen-Haltung nicht möglich ist.

Virtuelle Streicheleinheiten

Um künstlich die physische Interaktion zwischen Hühnern und ihren Züchtern nachzustellen, haben die Forscher eine Hühner-Jacke entworfen, die es dem Halter ermöglicht, dem Huhn, das die Jacke gerade trägt, eine virtuelle Streicheleinheit zu geben. Wenn der Halter ein berührungsempfindliches Hühner-Modell streichelt, dann wird via Internet ein Signal an die Hühnerjacke übertragen, die das Gefühl, gestreichelt zu werden, an das Huhn überträgt. Alle diese Geräte mögen wie komplette Neuerfindungen klingen. Oft lachen die Leute, wenn sie von Tier-Technologie hören und geben zu bedenken, dass Tiere ja gar nicht tippen können. Nun, viele Leute können das auch nicht – und trotzdem hält es sie nicht davon ab, die entsprechenden Technologien zu benutzen. Warum also sollten Tiere davon abgehalten werden? Diesen Technologien sind ein ernsthaftes Bestreben, das Wohlergehen der Tiere zu verbessern, die in einer Welt leben, in der sie oft in kleinen, begrenzten Räumen mit wenigen Reizen gehalten werden, anstatt sich frei in ihrem natürlichen Lebensraum bewegen zu können. Die Entwicklung von Technologien für Tiere ist ein Prozess, in dem die Technologie an die Kommunikation und Verhaltensreaktionen der Tiere angepasst wird. Auf diese Weise können auch neue Wege für die wissenschaftliche Erforschung des Verhaltens, der Intelligenz und Kognition der Tiere geebnet werden. Durch die Entwicklung digitaler Spiele für Tiere können wir beispielsweise ihren Verstand testen und so mehr darüber lernen, wie Einflüsse aus der Umgebung sich auf ihre Art zu denken auswirken. Durch Tier-Technologie können wir Tiere verstehen lernen, mit ihnen spielen, kommunizieren und uns ihres Daseins erfreuen – und zwar auf eine nie dagewesene Art und Weise. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Caught Surfin Flickr” by Derek Gavey (CC BY 2.0)


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Videokolumne vom 16. März

In der Videokolumne geht es heute um ein literarisches Meisterwerk, bloggende Frauen aus aller Welt und tolle Antworten auf virale Hits. // von Hannes Richter

stansic

Ein Autor mit bosnischen Wurzeln schreibt über die deutsche Provinz, mit riesigem Erfolg. Auf der Leipziger Buchmesse plaudert er über die Entstehung seines neuen Buchs und die Verknüpfung mit seiner eigenen Geschichte. Eine unterhaltsame Antwort auf die wortreiche Kritik im Feuilleton. Bloggerinnen weltweit: arte stellte in der vergangenen Woche einige von Ihnen vor, ein Nachklapp zum Frauentag. Und Isabella Rossellinis Tierimitationen hätten das Zeug zum viralen Hit, aber die ganze Welt spricht von der Kusskampagne und ist Happy. Wir auch.

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