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Tech-Check: 2001: Odyssee im Weltraum

Wer sich mit der Geschichte der Science Fiction beschäftigt, kommt um den Film 2001: Odyssee im Weltraum nicht herum. Wenn auch von der Regie für heutige Standards übermäßig träge, beeindruckt der Blick fürs Detail in der Darstellung auch heute noch. Doch wie präzise war die Darstellung der damaligen Raumfahrt-Technologie? Welche Zukunftsvisionen hatten Regisseur Stanley Kubrick und Drehbuch Co-Autor Arthur C. Clarke und wie halten sie der heutigen Realität stand? Unser Tech-Check nimmt den Klassiker aus dem Jahr 1968 unter die Lupe.

Die Stille des Weltraums

Was die Geräuschkulisse angeht, ist der mittlerweile schon 50 Jahre alte Film vielen modernen Produktionen voraus. Einer der größten Kritikpunkte von Science Fiction-Produktionen ist das Ignorieren der Stille im Weltall. Der soundverwöhnte Kinogänger kennt es fast schon nicht anders, als dass bassiges Brummen die Bewegung gigantischer Raumschiffe untermalt. Doch im All gibt es keinen Schall oder zumindest nicht für uns wahrnehmbar. Odyssee im Weltraum ist einer der wenigen Filme, die dieser Stille gerecht werden und es sogar als Stilmittel verwenden.

Dazu muss man sagen, dass der Film langsam, wenn nicht gar regelrecht träge ist. Mechanische Funktionen werden in aller Genauigkeit gezeigt, lange und statische Einstellungen sorgen für ein Gefühl von Einsamkeit in den Weiten des Weltalls. Überhaupt sind im 143 Minuten langen Epos nur etwa 40 Minuten mit Dialog gefüllt. Am Anfang und dann nochmal in einer Intermission wird der Zuschauer sogar mit einem Schwarzen Bildschirm und Orchesteruntermalung „allein gelassen“.

Um die Schwerelosigkeit möglichst realistisch darzustellen, ließ Kubrick übrigens für 750.000 US-Dollar eine zwölf Meter hohe Zentrifuge bauen.

HAL 9000: Sinnbild für Künstliche Intelligenz

Einer der wichtigsten Figuren auf der Discovery One ist die künstliche Intelligenz HAL 9000. Aufgrund einer möglichen Fehlanalyse, beratschlagt die Besatzung, HAL 9000 abzuschalten. HAL 9000 liest diesen Plan von den Lippen der Astronauten David Bowman und Frank Poole ab. Um sich selbst zu retten und seinen Auftrag zu beenden, beschließt die KI, die Besatzung des Raumschiffes zu töten. HALs Fähigkeit zu fühlen wird spätestens deutlich, als er am Ende doch noch abgeschaltet werden kann. Während des Abschaltungsvorgangs gesteht HAL, dass er Angst hat. HAL entwickelt sich nach und nach zurück in den Zustand seiner „Kindheit“. Zum Schluss singt er noch das Lied „Daisy Bell“, dass ihm sein Schöpfer beigebracht hat. Dabei handelt es sich um eine Hommage an den IBM 704 Computer, der 1962 als erster Computer ein Lied sang – Daisy Bell.

Der Supercomputer HAL 9000 war eine der ersten Darstellungen künstlicher Intelligenz. Obwohl unsere heutige KI sich deutlich von der im Film unterscheidet, steht HAL 9000 noch immer sinnbildlich für all unsere Visionen und Ängste zu künstlicher Intelligenz. HAL 9000 ist klug, berechnend und kontrolliert sämtliche Systeme des Raumschiffs Discovery One. Und er entwickelt ein eigenes Selbstbewusstsein.

Die Erfindung des Tablets

Zu Zeiten des Filmes sahen Computer noch ganz anders aus, als wir sie kennen. Sie hatten die Ausmaße von Schränken und erste grafische Benutzeroberflächen gab es erst ein paar Jahre nach 2001: Odyssee im Weltraum. Mit diesem Kenntnisstand ist es umso beeindruckender, dass die Vision tragbarer Computer im Film extrem nah an unseren heutigen Tablets ist. Zwar zollen einige Konsolen-Ausgaben der damaligen Zeit Tribut, doch das grobe Design und die Art der Nutzung während des Essens ist so zutreffend, wie es nach 50 Jahren nur sein kann. Denn nach dem damaligen Stand der Technik waren tragbare Computer eine geradezu wahnwitzige Idee.

Fehlende Konsequenz zeigt die Idee in Form der Videotelefonie. Statt einer Integration in die Tablets oder mobile Kommunikatoren sitzt Dr. Heywood R. Floyd in einer Telefonzelle und tippt die Nummer sogar noch händisch ein. Dafür trifft die generelle Nutzung flacher Bildschirme den Nagel wieder überraschend auf den Kopf.

Raumfahrt noch nicht so weit

2001: Odyssee im Weltraum spielt 18 Jahre vor unserer Zeit. Und auch wenn unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten durch die Technologie einen noch nie dagewesenen Wandel erlebt, ist unsere Raumfahrt nicht annähernd so weit, bemannte Missionen zum Jupiter zu schicken, der nochmal weiter entfernt ist, als der Mars.

Heutzutage ist die Faszination Weltraum nicht mehr ganz so groß und die Gesellschaft kritischer, wohin die Milliarden geschossen werden. Mit der zunehmenden Konkurrenz durch private Unternehmen wie SpaceX oder Blue Origin, erlebt die Raumfahrt derzeit jedoch eine kleine Renaissance.

Ein wahrer Klassiker

Zugegeben, 2001: Odyssee im Weltraum ist nicht für jeden geeignet. Als ich den Film vor wenigen Jahren erstmals sah, musste ich mich regelrecht durchquälen. Obwohl ich kein Freund der aktuellen Hollywood-Standards bin, war mir die Entschleunigung dann doch deutlich zu viel. Trotzdem hinterließ der Film nachbleibenden Eindruck. Dieser alte Film, noch vor der Mondlandung uraufgeführt, macht wissenschaftlich so vieles besser, als die millionenschweren Produktionen unserer Zeit.

Der Film zelebriert seine Genauigkeit, indem wir minutenlang zusehen, wie sich Personen langsam durch die Schwerelosigkeit bewegen oder Mechaniken der Raumschiffe funktionieren. Man spürt in jeder Szene, wie akribisch Kubrick auf jedes kleine Detail achtete. Auch HAL 9000 ist noch immer ein Sinnbild für Hoffnungen und Ängste bezüglich künstlicher Intelligenz – auch abseits der philosophischen Frage über Selbstbewusstsein und Leben.

Man muss den Film als solchen nicht zwingend mögen, um ihn für seine Genauigkeit und den visionären Blick in die damalige Zukunft zu würdigen. Auch die Qualität seiner Produktion ist so herausragend, dass 2001: Odyssee im Weltraum jüngst sogar als erster Film in 8K ausgestrahlt wurde.

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Image by PublicDomainPictures via pixabay

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MagicScroll: Das erste aufrollbare Tablet

Sieht so die Zukunft des Tablets aus? Forscher aus Kanada haben in einem Pilotprojekt mit Namen „MagicScroll“ das erste vollfunktionsfähige Tablet erfunden, welches man aufrollen kann. Im Moment ist der Entwurf noch etwas klobig und unhandlich, doch er ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Das Smartphone einfach aufrollen und in Stift-Größe in die Hosentasche schieben; klingt nach Zukunftsmusik? Dank des Fortschrittes an der Queen’s University in Kanada könnte das schon bald Realität werden! In einem ersten Versuchsprojekt aus dem Human Media Lab haben die Forscher nun ein Tablet entwickelt, welches man einfach aufrollen kann. Es kann auch im aufgerollten Modus normal verwendet werden. Somit beweist es, dass gebogene Bildschirme nicht nur existieren, sondern dass sie auch real einsetzbar sind.

Die Forscher orientieren sich beim Design an einer Papyrus-Rolle aus der Antike, um ein möglichst natürliches Erlebnis zu haben, wie sie auf ihrer Website betonen. An der Seite des Geräts befinden sich jeweils Rollen, mit denen man auf Internetseiten oder durch Chats scrollen kann. Doch auch die Erfinder des Gerätes geben zu, dass die Technik noch nicht zu 100 Prozent ausgereift ist. So fehlt zum Beispiel noch die Stabilität des geöffneten Bildschirmes, wie man sie von Smartphones gewöhnt ist. Das Modell ist zu groß und zu unhandlich, als dass es etablierten Tablets oder Smartphones in seiner derzeitigen Form Konkurrenz machen könnte.

Hier seht ihr wie das MagicScroll funktioniert:

Das MagicScroll-Tablet als Innovation

Dabei könnte diese Art von gebogenem Bildschirm nicht nur für mobile Endgeräte verwendet werden. Die in dem MagicScroll-Tablet verwendete Technik könnte zum Beispiel auch auf wiederverwendbaren Kaffeetassen Einsatz finden . Man stelle sich vor, man könnte von der Kaffeetasse aus bereits vor Betreten des Lieblingscafés sein Getränk bestellen und gleich auf der Kaffeetasse bezahlen. Den Forschern geht es vor allem darum, die Idee voranzutreiben, jegliche Oberfläche als Bildschirm benutzen zu können. Dazu integrierten sie bei ihrem derzeitigen Forschungsprojekt MagicScroll auch eine spezielle Kamera, welche Gestensteuerung erkennen soll.

Technische Daten und Zukunftsaussichten

Bisher gibt es das MagicScroll nur als Prototypen, mit dem jedoch bereits erste Tests zum Nutzerverhalten durchgeführt werden. Der Bildschirm selbst hat eine Größe von 7,5 ‘‘ und immerhin bereits einen 2k-Bildschirm . Die Forscher wollen weiter an den biegsamen Bildschirmen basteln und hoffen, ihn bald noch handlicher und in variablen Größen zu entwickeln. Dann könnte die Technik in absehbarer Zukunft auch im Alltag Verwendung finden. Unzählige Sci-Fi-Titel warteten schon mit der Idee auf, in der gesamten Umgebung interaktive Bildschirme zu haben, welche mit Gesten gesteuert werden können. Mit diesem Prototypen kommen wir dem ein bedeutendes Stück näher. Allerdings betonten die Forscher, dass dieses Produkt auch von den Nutzern angenommen werden müsste, damit es sich in der breiten Masse durchsetzt.


Image by human media lab

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE Chip: Apple veröffentlicht iOS 11: Darum sollten Sie das Update sofort installieren: Apple hat die finale Version von iOS 11 nun zum Donwload für iPhone, iPad und iPod touch freigegeben. Das Betriebssystem ist zwar keine Revolution, jedoch bringt es spannende Neuerungen mit, die eine Installation lohnenswert machen: Neu ist unter anderem das Kontrollzentrum, das optisch modernisiert wurde sowie die App „Dateien“ die Zugriff auf alle Dokumente erlaubt, die auf dem iPhone oder der iCloud liegen – jedoch auch auf anderen Cloudspeichern wie Google Drive und One Drive. Auch die Kamera strahlt mit neuen Effekten und Filtern. So können Live-Fotos mit drei unterschiedlichen Effekten animiert werden: der Endlosschleife, mit Hüpfen und einem Verwisch-Effekt.

  • FALSCHMELDUNGEN Motherboard: Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook?: Falschmeldungen haben zurecht einen schlechten Ruf: Doch vor welchen Nachrichtsenseiten sollte man sich auf Facebook schützen, wenn man sie umgehen möchte? Dafür hat Motherboard fast 2000 Facebook-Posts nachrecherchiert. Ein Ergebnis: Es sind nicht die absurden Posts, sondern die „nicht ganz korrekten, hoch emotionalen und reißerischen News sind, die falsche Vorurteile fördern und den Leser weniger informiert als vorher zurücklassen.“ Zudem versteckt jedes Medium auf seine eigene Art und Weise Halbwahrheiten in Artikeln und man sollte auch den wirtschaftlichen Anreiz immer im Kopf behalten – denn knallige News bringen Viralität und Reichweite auf Facebook. Ein sehr lesenswerter Artikel!

  • AMAZON Welt: Alexa assistiert künftig auch auf dem Tablet: Auf einen Schlag gibt es Alexa auf Millionen weiteren Geräten: Die Sprachassistentin wird man in Zukunft auf allen Tablets des Internetkonzerns nutzen können, die seit Ende des Jahres 2014 verkauft wurden. Alexa hat bislang 2300 Skills erworben – das sind neue Funktionen, wie z.B. das Bestellen eines Taxis bei MyTaxi über Zuruf. Somit holt Amazon gegen Apples Siri und dem Google Assistant im Kampf um die digitalen Assitenzen auf: Bislang war Alexa nur auf wenigen Smartphones verfügbar, jetzt sorgt Amazon nicht nur für die Verfügbarkeit auf den Tablets, sondern drückt auch den Preis für Geräte mit Alexa-Funktionen weiter nach unten.

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IP-Schutz erklärt: So wetterfest ist dein Smartphone

Samsung_Galaxy_Xcover_3-IP-Schutz-68

Neben immer leistungsfähiger Hardware sollen Smartphones, Tablets und Smartwatches auch immer öfter Robustheit bieten. Dazu gehört der Schutz gegen das Eindringen von Staub und Wasser. Da interne Angaben oftmals schwammig und subjektiv ausfallen, ziehen Hersteller international geltende Normen wie den IP-Schutz zu Rate. Doch was bedeuten kryptische Nummerierungen wie IP68? Welches Smartphone eignet sich für den Strand und den ein oder anderen Tauchgang? Ich habe mich durch den Zahlen-Dschungel begeben und liefere Antworten.

IP-Schutz: Wofür steht das eigentlich?

Jeder von uns ist schon mit den sogenannten IP-Zertifizierungen in Kontakt gekommen – werben doch viele Hersteller offensiv mit diesem Gehäusefeature. IP steht dabei für Ingress Protection, also für den Schutz gegen das Eindringen von Dreck oder Flüssigkeiten. Gefolgt werden die beiden Buchstaben von zwei Ziffern.

Die erste Zahl definiert den Schutz gegen das Eindringen von Fremdkörpern. Für Mobiltelefone sind die Klassifizierungen zwischen 1 und 4 ziemlich selbstverständlich. Sie befassen sich mit dem Schutz gegen feste Fremdkörper bis zu einem Durchmesser von einem Millimeter. Interessant sind die Definitionen der Ziffern 5 und 6. Erstere Zertifizierung erhalten Endgeräte, deren Gehäuse staubgeschützt ist.

Die Norm spricht davon, dass das Eindringen von Staub nicht vollständig verhindert ist. Staub darf nur in einer solchen Menge eindringen, dass „das zufrieden stellende Arbeiten des Gerätes oder die Sicherheit nicht beeinträchtigt wird“. Das heißt, punktuelle Ausfälle wie etwa des Lautsprechers sind möglich. Für den Strandeinsatz sind die Geräte also nur mit passender Hülle geeignet.

Table by Jonas Haller

Wer das Smartphone in staubigen Gefilden einsetzt, sollte deshalb auf eine IP6-Zertifizierung achten. Sie beinhaltet den kompletten Schutz gegen das Eindringen von Staub. In der Norm ist dabei von „staubdicht“ die Rede. Das heißt, die Komponenten arbeiten auch bei entsprechender Staubeinwirkung weiter. Genau das richtige für Outdoor-Fans.

Königsdisziplin „Schutz gegen Wasser“

Die zweite Zahl in der Klassifizierung steht für die Wasserdichtigkeit des Smartphone-Gehäuses. Die Zertifizierung ist dabei ungleich differenzierter und komplizierter. Neben dem Einfallwinkel wird die Art des Wasserstrahls angepasst. Unterschieden wird unter anderem in Tropfwasser, Sprühwasser, Spritzwasser und Strahlwasser. Die Resistenz gegen diese Einflüsse wird mit den Zahlen 1 bis 6 definiert. Kurze Regenschauer können Telefone mit einer Bewertung von 4 bis 6 durchaus ab.

Die Königsklassifizierung, womit die diversen Hersteller sehr gern werben, sind die Ziffern 7 und 8. Ersterer IP-Schutz beinhaltet das Untertauchen des Smartphones bis zu 30 Minuten bei einer Wassertiefe von einem Meter. „Wasser darf nicht in einer Menge eintreten, die schädliche Wirkungen verursacht“, so die Norm. Für den Einsatz im ungechlorten Swimming-Pool sind Telefone mit dieser Einordnung also durchaus geeignet. Geräte mit IPx8 halten dauerhaftem Untertauchen stand. Das dürften die meisten Nutzer allerdings kaum benötigen. Vorsicht: Die Regelung gilt für Süßwasser, also herkömmliches Trinkwasser. Salzwasser kann zu Schäden in der Elektronik führen. Auch ein Bad im aufgeschäumten Geschirrspülwasser ist von dem Schutz nicht abgedeckt.

Table by Jonas Haller

Diese Geräte bieten den besten Schutz

Neben bekannten Outdoor-Smartphones wie denen von CAT besitzen auch einige aktuelle „Alltags-Geräte“ die sehr weitgehende IP68-Zertifizierung. Zu ihnen zählen unter anderem das LG G6, Samsung Galaxy S8Sony XZ und das Samsung XCover 4. Eine halbe Stunde Untertauchen (IP67) halten etwa das HTC U11, Samsung Galaxy XCover 3 (Foto), Sony Xperia Go oder das Apple iPhone 7 aus.

Besitzt ein Mobiltelefon keinen IP-Schutz, muss es allerdings nicht zwingend bei den Tests durchgefallen sein. Vor allem in der Mittelklasse sparen die Hersteller das Geld der teuren Zertifizierungen. Es lohnt deshalb der Kontakt zum Hersteller und dessen subjektiven Angaben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


Teaser Image by Samsung, adapted by Jonas Haller


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Kostenlose Tablets für Schüler: In Nürnberg keine Utopie

Portrait (Image by Martin Kotulla)

Moderne Technik ist in vielen Schulen noch ein großes Fremdwort. Idealzustand und Realität liegen heute noch meilenweit auseinander. Nicht so an der Friedrich-Staedtler-Grundschule in Nürnberg. Dort hat das mittelständische Software-Unternehmen „SoftMaker“ zu Beginn des Schuljahres in einem Pilotprojekt zwei Klassen mit insgesamt 60 Android-Tablets, der nötigen Infrastruktur, Lernsoftware sowie dem hauseigenen Office-Programm kostenlos ausgestattet. Und mithilfe der Netsupport-Software haben die Lehrerinnen und Lehrer stets im Blick, was die Schüler gerade so auf ihren Tablets treiben. Die Arbeit mit den Tablets dient vor allem der Vertiefung bereits bekannter Lerninhalte. Laut „SoftMaker“ bemerkten die beiden verantwortlichen Lehrerinnen eine Leistungssteigerung bei den Schülern. Das wissenschaftlich begleitete Projekt wurde von Eltern, Lehrern, Schulleitung und auch Schülern begeistert aufgenommen. Also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten? Wir haben mit SoftMaker-Gründer und -Geschäftsführer Martin Kotulla darüber gesprochen, warum seine Firma digitale Bildung unterstützt, wie das Projekt funktioniert und ob digitale Kompetenzen in Deutschland ausreichend gefördert werden.

Robert Meyer (RM): Herr Kotulla, warum unterstützt SoftMaker Schulen mit kostenlosen Programmen und die Friedrich-Staedtler-Grundschule mit Tablets?

Martin Kotulla (MK): Für SoftMaker war und ist die Unterstützung des Bildungsbereichs schon lange ein wichtiges Anliegen: Wir waren bereits im Jahr 1997 eine der ersten Software-Firmen, die Bildungseinrichtungen ihre Programme zu einem deutlich niedrigeren Preis oder sogar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Daran hat sich seither nichts geändert. In das Tablet-Projekt sind wir so ein bisschen hineingeschlittert. Eigentlich wollten wir Schulen nur unser Office-Paket bereitstellen. Wir bieten seit einigen Monaten unsere Office-Software unter Windows für Schulen und Lehrkräfte kostenlos an. Der nächste Schritt war die Ausweitung auf Tablets. Wir haben dann aber gesehen, dass kaum eine Schule die passende Hardware dafür hat. Daraufhin haben wir ein Sponsoring-Projekt zusammengestellt, um der Schule etwas Gutes zu tun.

RM: Das Projekt ist laut SoftMaker bisher einmalig in Deutschland. Was ist das Besondere daran? Was hebt es von anderen digitalen Bildungsprojekten ab?

MK: Viele reden – wir haben ein Projekt auch durchgezogen. Natürlich hatten wir uns vorab informiert, welche anderen vergleichbaren Projekte es bereits gibt. Da hörten wir: „Ihr seid ja gar nicht die Ersten. Die oder die Schule hat das auch schon gemacht!“ Dann fragten wir bei den Schulen an und hörten wiederholt, dass die Projekte, die dort angeblich existieren sollen, oft noch im Planungsstadium sind. Eine Besonderheit des Projekts ist, dass es sich gezielt an die bislang vernachlässigten Grundschulen richtet, in späteren Jahrgängen hat sich der Computereinsatz längst bewährt. Dieses Projekt bietet Kindern frühzeitig die Chance, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern ihre schulische Leistung zu verbessern und gleichzeitig Spaß mit Tablets zu haben. In diesem Alter wird die Mediennutzung geprägt. Wer in diesem Alter lernt, dass ein Tablet kein reines Konsumgerät ist, kann sein ganzes Leben lang davon profitieren.

Student 2 (Image by Devon Christopher Adams (CC BY 2.0) via Flickr)
Wer früh beginnt, kann die Chancen der Digitalisierung noch besser nutzen. Image (adapted) „20111105-student2-2“ by Devon Christopher Adams (CC BY 2.0)

RM: Was erwarten Sie sich von der Bildungsförderung, die sie betreiben? Ist das im Endeffekt der Wille, sein eigenes Produkt bekannter zu machen?

MK: In erster Linie geht es uns darum, unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Firma ernsthaft nachzukommen. Wir wollen dazu beitragen, optimale Voraussetzungen für das Lernen der Schüler zu schaffen. Zugleich wollen wir Schulen ermutigen und sie dabei unterstützen, allgemeine Computerkenntnisse zu vermitteln – nicht nur speziell die Produkte einer einzigen Firma zu schulen. Insofern profitieren die Bildungseinrichtungen wie wir als Softwarefirma gleichermaßen – eine klassische Win-win-Situation.

RM: Das Projekt wird wissenschaftlich von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg begleitet. Auf welche Fragen will man Antworten finden?

MK: Das Projekt soll aus pädagogischer Sicht folgende Fragen beantworten: Wie reagieren die Schüler darauf? Kommen alle Schüler damit zurecht? Gibt es Schüler, die außen vor sind? Werden in Zukunft verstärkt immer mehr Computer und Tablets in Klassen eingesetzt? Gibt es Schüler, die dann hintenüberfallen? Versuchen die Schüler, Sachen zu nutzen, die nicht freigegeben sind?

RM: In welchen Bereichen lassen sich die Tablets wirklich als Stütze für den Unterricht einsetzen?

MK: Nehmen wir zum Beispiel den Heimat- und Sachunterricht. Die Schüler können auf den Schulhof gehen und sich eine Pflanze nehmen, fotografieren und dann versuchen, über das Internet zu bestimmen, was für eine Pflanze das ist. Klärungsbedarf besteht zudem aus wissenschaftlicher Sicht, welche Voraussetzungen seitens der Lehrkräfte gegeben sein müssen: Inwieweit müssen die Lehrer trainiert werden? Wie müssen sie vorgebildet sein? Welche Voraussetzungen müssen die Lehrkräfte erfüllen? Wie sorgt man dafür, dass so ein Projekt, das ja doch eine Stange Geld kostet, eben nicht dazu führt, dass die Tablets nach drei Wochen irgendwo in der Ecke liegen, sondern wirklich gut in den Unterricht eingebaut werden, sodass Schüler und Lehrkräfte etwas davon haben?

RM: Wurden die Lehrkräfte in das Projekt eingeführt oder ging das von selbst?

MK: Wir haben wiederholt mit ihnen gesprochen. Das Projekt und die Ideen dahinter wurden vorgestellt und es hat eine intensive Diskussion stattgefunden. Die Software-Auswahl haben die beiden sehr engagierten Lehrerinnen vorgenommen. Wir haben nicht vorgegeben, welche Software genommen werden soll. Wir von „SoftMaker“ haben den administrativen Teil übernommen. Wir sind die Computerfirma, damit kennen wir uns natürlich besser aus. Wir haben die „Netsupport“-Software installiert, mit der die Fernsteuerung und Administration möglich ist, aber auch die Antivirus-Software und die Firewall. Das war natürlich auch eine Forderung der Schule, die vermeiden wollte, dass die Schüler wild auf Facebook posten. Also es war letztlich ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Befruchten. Die Lehrerinnen haben auch sehr viel private Zeit eingesetzt, um die Geräte kennenzulernen, die Software auszusuchen und sie in das Unterrichtskonzept einzubauen. Beide Lehrerinnen haben sich großes Lob verdient. Die machen das sehr, sehr gut.

RM: Oft sind Lehrer digital nicht versiert genug, um digitale Kompetenzen zu vermitteln. Hätte das Projekt mit jeder Lehrkraft stattfinden können?

MK: Jeder Lehrer kann heutzutage zumindest mit einem Computer umgehen. Es hätte natürlich auch mit anderen Lehrern funktioniert. So ein Projekt ist auch an anderen Orten machbar, mit anderen Lehrern. Es muss einfach der Wille und die Freude dazu da sein, etwas Neues auszuprobieren.

RM: Was passiert nach dem Schuljahr mit dem Projekt?

MK: Das Projekt wird auf jeden Fall fortgesetzt. Es kommen neue Schüler, Klassen und Lehrer. Die Bereitschaft dazu ist da. Es ist schon als Dauerprojekt gedacht.

RM: Sind denn jetzt schon weitere Projekte für die Zukunft geplant?

MK: Wir wollen erst mal das Projekt an der Friedrich-Staedtler-Grundschule weiterführen. Wir sind auch gespannt zu sehen, wie lange die Geräte insgesamt durchhalten werden, ob man die Geräte jetzt wirklich über einen Zeitraum von fünf Jahren einsetzen kann oder sie bereits vorher kaputt sind. Wenn sich andere Schulen und Sponsoren finden, beispielsweise Tablet- oder Computer-Hersteller, dann sind wir auch gerne bereit, die Software bereitzustellen. Für uns als mittelständiges Unternehmen ist das Tablet-Projekt in Nürnberg schon ein Ausnahme-Projekt. Die Bereitstellung der Software für Schulen und für Lehrer geschieht dagegen weiterhin weltweit. Im Einzelfall unterstützen wir auch künftig gezielt einzelne Bildungsprojekte auf allen Kontinenten.

RM: Ist es nicht eigentlich auch Aufgabe des Staates, die Schulen digital auszurüsten? Warum müssen Sie das machen?

MK: Der Staat gibt viel Geld für viele Dinge aus. Und für die Bildung bleibt immer zu wenig übrig. Ich habe mal einen Aufruf von einer Schule in Nürnberg gesehen, die um Geld gebettelt hat, damit sie endlich ihre Fenster reparieren kann.

RM: Wie reagieren Sie auf kritische Stimmen, die vor einem zu großen Einfluss von Unternehmen auf öffentliche Bildungseinrichtungen sprechen?

MK: Niemand will in Deutschland Verhältnisse wie in den USA, wo im Klassenzimmer massiv Werbung stattfindet. Wo dann am besten noch Rechenaufgaben gestellt werden wie: „Wie viel Coca-Cola passt in welchen Behälter rein?“ Das ist nicht Sinn der Sache. Wir machen ja auch keine Werbung im Klassenzimmer. Wir stellen Tablets bereit. Da wird nicht groß auf „SoftMaker“ hingewiesen, sondern die Schüler lernen damit. Es geht nicht um Werbung im Klassenzimmer, sondern nur darum, diese spezielle Schule hier zu unterstützen und alle Schulen langfristig zu erinnern: Ihr sollt allgemein an Computer heranführen und nicht speziell eine Firma bevorzugen.

RM: Glauben Sie, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschland gut genug auf die digitale Welt vorbereitet werden?

MK: Bis jetzt noch nicht. Da muss man natürlich aufpassen. Man will die Kinder ja grundsätzlich nicht sechs Stunden am Tag nur vor dem Computer sitzen lassen. Aber es geht darum, dass der Computer ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens, des Privatlebens und des Berufslebens ist. Er sollte in vernünftigen Umfang auch in der Schule zum Einsatz kommen. Dank der hervorragenden Kooperation mit den zwei Lehrkräften, der Schulleitung und der Stadt Nürnberg ist genau das jetzt im Rahmen des Pilotprojekts möglich.


Image Portrait by Martin Kotulla 


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5 Lesetipps für den 14. April

In unseren Lesetipps geht es heute um Personalisierung beim Restaurantbesuch, Lehren aus dem Medienwandel, das Design von E-Books, Tablets in Flugzeugen und die Inaktivität von The Intercept. Ergänzungen erwünscht.

  • PERSONALISIERUNG Ars Technica: When the restaurant you Googled Googles you back: Über eine Suchmaschine lässt sich schnell ein gutes Restaurant in der Nähe finden, dass gute Kritiken hatten und wo man essen gehen möchte. Aber was passiert, wenn das Restaurant zurück googelt und weiß, mit wem sie zu welchen Anlass hier her gekommen sind? Casey Johnston stellt auf Ars Technica ein Restaurant vor, dass ein persönliches Kundenerlebnis garantieren möchte, in dem es offen zugängliche Informationen über seine Gäste ermittelt.
  • MEDIENWANDEL The Guardian: We’re still waiting for the third model of news publishing: Im Guardian setzt sich Emily Bell mit der Vielzahl an digitalen Projekten im Journalismus auseinander und was von ihnen gelernt werden kann. An Ideen mangelt es den vor allem in den USA angesiedelten Medien nicht, doch einzeln ist noch niemanden der Durchbruch gelungen und in der Gesamtheit deutet alles daraufhin, dass Geld verdienen im Maßstab wie ein Verlag keine realistische Option mehr für die Zukunft ist, wenn es das denn jemals war.
  • E-BOOKS Hyperland: Unsere E-Books müssen schöner werden: Im Hyperland-Blog des ZDF schreibt Giesbert Damaschke über seine Liebe zu E-Books und den mangelnden Innovationswillen der Verlage, das Design der E-Books nicht den technischen Möglichkeiten anzupassen, sondern sie wie traditionelle gedruckte Bücher zu behandeln. Eine lesenswerte Bestandsaufnahme der mangelhaften Gestaltung von E-Books.
  • LUFTFAHRT Skift: Mobile Is at the Heart of Aviation’s Tech Evolution: Auf der Aircraft Interiors Expo in Hamburg konnte die Zukunft des Service in der zivilen Luftfahrt begutachtet werden und die wird technischer und mobiler. Vor allem mobile Geräte wie Tablets sind Kern der neuen Ideen, wie Fluggäste in Zukunft ihre Zeit auf Flügen verbringen. Dabei können Filme auf den Tablets gesehen werden, Musik gehört oder steuerfrei eingekauft werden. Samatha Shankman stellt auf Skift.com die neuesten Trends vor.
  • THE INTERCEPT PandoDaily: Pierre Omidyar’s quarter billion dollar journalism project seems to have stopped publishing: Mit einem 250 Millionen US-Dollar Budget von eBay-Gründer Pierre Omidyar und namhaften Journalisten ist The Intercept an den Start gegangen und hat weltweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Doch in den letzten Wochen ist es ruhig um das Projekt geworden, was vermehrt zu Kritik führt. Paul Carr fragt sich auf PandoDialy, was los ist und was The Intercept fehlt.

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Die Post-PC-Ära und die Zukunft der Ökosysteme

Schon fast passend zum Beitrag über iPads im Bildungsmarkt und an Schulen, habe ich gestern bei Basic Thinking einen interessanten Bericht inklusive einer Grafik zur so genannten Post-PC-Ära gesehen. Dieser Begriff wurde in den letzten Wochen und Monaten gerne mal inflationär benutzt und oftmals wissen die Leute gar nicht, was damit eigentlich gemeint ist. Allgemein bedeutet dieser Begriff, dass es weg vom klassischen PC und hin zu mobilen Begleitern wie Smartphones und Tablets geht. Die Arbeit verlagert sich ganz einfach. Diesem Markt wird in den nächsten Jahren noch ein großes Wachstum vorhergesagt, das veranschaulicht auch die Grafik von Statista. Der Absatz von Smartphones und Tablets wird demnach weiterhin rasant steigen, doch der in der Grafik zusammengefasste Bereich aus Desktop-PC und Laptop wird auch nicht unbedingt stagnieren. Zumindest bei den Laptops rechnet man weiterhin mit einem kleinen Wachstum.

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