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5 Lesetipps für den 22. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Polen, Periscope, Netflix, wie ein Algorithmus politische Reden schreibt und die Messenger der Zukunft. Ergänzungen erwünscht.

  • POLEN Foreign Policy: Obama Is Poland’s Only Hope: Die neue polnische Regierung versucht mehr als zwei Dekaden demokratische Entwicklung in nur wenigen Wochen umzukehren. Und die Europäische Union wird wohl nur zu schauen können. Genau wie bei Ungarn. Nur wenn die europäischen Werte keinen Anreiz mehr für Polen darstellen, wohin wendet sich das Land dann? Denn Russland ist in diesem Fall keine Alternative für Polen. Bleiben noch die USA, und damit die Hoffnung der Europäischen Union, dass über die NATO-Beziehungen die polnische Regierung zurück in den Kreis der anderen Demokratien führen kann.

  • PERISCOPE Fast Company: Inside Periscope: Als uns im Sommer 2015 Dienste wie Meerkat und Periscope quasi überfielen, eine Technologie als neuesten Hype zu erklären, die es schon seit Jahren gab und wofür es auch schon Apps gab, nervten Dienste wie Persicope erst einmal gewaltig. Auf der ElbeBlogger-Reise nutzte ich den Dienst dann zwei Wochen lang jeden Abend und lernte ihn so langsam kennen und mögen. Inzwischen hat sich der aufgewirbelte Hype-Staub etwas gelegt und Periscope hat sich als Dienst erwiesen, der länger als einen Sommer gefragt ist. Harry McCracken hat sich für Fast Company intensiver mit dem Dienst auseinandergesetzt und gibt einen lesenswerten Einblick in das Unternehmen.

  • NETFLIX Meshed Society: Netflix is the next phase of globalization: Über die Vorteile des Streaming-Dienstes Netflix muss man wohl heutzutage nicht mehr viel sagen. Letzten Sommer habe ich es auf einer Europareise unglaublich geschätzt, vor allem Dank VPN, auch in anderen Ländern Content zu sehen, dessen Sprache ich verstehen kann. Martin Weigert analysiert auf seinem Blog, wie ein global zugängliches Netflix unsere Sehgewohnheiten verändern könnte. Welche Vorteile das hat, aber auch, denn das traditionelle Fernsehen wird technologisch definitiv nicht mithalten können, was es bedeuten könnte, wenn Netflix so mächtig wird, fragt er sich in seinem Blogpost.

  • ALGORITHMUS MIT Technology Review: How an AI Algorithm Learned to Write Political Speeches: In einer Folge der dänischen Politikserie Borgen muss der Spin Doctor Kasper Juul eine Rede für die Premierministerin schreiben und erklärt dabei einer Mitarbeiterin, wie eine politische Rede aufgebaut sein muss. Dahinter steckt System und dies hat Valentin Kassarnig von der Universität Massachusetts nun einem Algorithmus beigebracht, der politische Rede schreiben kann. Die sind im Detail noch nicht perfekt, und selbstverständlich nur auf Englisch, denn die Datenbank des Algorithmus ist mit über 4.000 Reden von 53 Debatten des US-Kongress gefüllt. Aber der erste Schritt ist getan, eine gute Rede zu schreiben können nun auch Maschinen. Irgendwann wird eine Maschine eine Rede halten und wir werden sie wählen.

  • MESSENGER Wired: Do We Really Want Messaging to Replace Our Apps?: Messenger-Apps werden unsere wichtigsten Apps. Medien schicken uns auf dem Messenger von Facebook die neuesten Nachrichten, Startups geben uns via WhatsApp Tipps für unser Outfit, ein mit Künstlicher Intelligenz verbesserter Slackbot erinnert uns an das nächste Meeting und was wir dazu wissen müssen. Dies sind nur einige Beispiele, wie Messenger unsere wichtigsten Assistenten im Alltag werden. Am Beispiel des von Berlin nach New York abgewanderten GoButler geht Cade Metz auf Wired.com der Frage nach, ob wir das überhaupt wollen.

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Die rhetorische Brillanz des Demagogen Trump

Donald Trump (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Mit welchen Mitteln stellt sich Donald Trump immer wieder als rhetorisches Genie mit jeder Menge Zündstoff dar? Eine Analyse.

Die Forderung Donald Trumps vom 7. Dezember, die Einwanderung von Muslimen zu verhindern, wurde weltweit verurteilt. Fast 500.000 Briten unterschrieben eine Petition, die ihre Regierung anwies, Trump keinen Zutritt zu ihrem Land zu gewähren. In den USA wurden Trumps Kommentare sowohl von den Demokraten, den Republikanern, den Medien als auch von religiösen Gruppen angeprangert.

Jedoch stimmten laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage 37 Prozent der designierten Wähler aus dem gesamten politischen Spektrum einem zeitlich begrenzten” Einreiseverbot für Muslime in die Vereinigten Staaten zu. Trump besitzt eine Arroganz und eine Sprunghaftigkeit, die die meisten Wähler aufschrecken lässt. Wie konnte er nun seinen Zugriff auf einen Teil der Basis der Republikanischen Partei erhalten, welcher – zumindest im Moment – unerschüttert scheint.

Wie konnte auch seine Unterstützung bestehen bleiben, obwohl er von einigen als Demagoge und Faschist bezeichnet wurde oder obwohl politische Beobachter Parallelen zwischen ihm und polarisierenden Figuren wie George Wallace, Joseph McCarthy, Father Coughlin – und selbst Hitler – zogen?

Als Wissenschaftler im Bereich der US-amerikanischen politischen Rhetorik halte ich Kurse ab und schreibe über Nutzen und Missbrauch rhetorischer Strategien in der öffentlichen Debatte. Die eingehende Prüfung von Trumps rhetorischen Fähigkeiten kann teilweise seinen profunden und beständigen Reiz erklären.

Die Rhetorik der Demagogie

Das griechische Worte Demagoge” (demos = Volk + ag?gos = Führer) meint wortwörtlich einen Führer des Volkes. Jedoch wird es heutzutage dafür benutzt, einen Anführer zu beschreiben, der populäre Vorurteile bedient, falsche Behauptungen und Versprechen macht und seine Argumentation nach dem Gefühl und nicht nach der Vernunft wählt.

Donald Trump bezieht sich hierbei auf die Ängste der Wähler, indem er eine Nation in der Krise zeichnet und sich gleichzeitig als Held der Nation feiert – der einzige Held, der sich unseren Gegner entgegenstellt, unsere Grenzen sichert und Amerika wieder zu etwas Großartigem macht”.

Sein Mangel an Details, wie er diese Ziele erreichen möchte, ist dabei weniger erheblich als seine selbstbewusste, überzeugende Rhetorik. Er mahnt sein Publikum an, ihm zu vertrauen, verspricht sehr schlau zu sein und lässt, bildlich gesprochen, seine prophetischen Muskeln spielen (wie in dem Fall als er behauptete, die 9/11 Anschläge vorausgesagt zu haben).

Trumps selbst beweihräuchernde Rhetorik lässt ihn als Inbegriff von Überheblichkeit scheinen, die laut Forschungsergebnissen oft die am wenigsten zugkräftigste Qualität eines möglichen Anführers ist. Jedoch ist Trump so beständig in seiner Überheblichkeit, so dass dies authentisch scheint: Seine Großartigkeit ist Amerikas Großartigkeit.

Deshalb können wir Trump mit Sicherheit einen Demagogen nennen. Aber die Furcht, wenn Demagogen wirkliche Macht bekommen, bleibt bestehen. Nämlich, dass sie das Gesetz oder die Verfassung außer Kraft setzen. Hitler ist dabei natürlich das Beispiel für einen Worst Case.

Erstaunlicherweise ist eines von Trumps eigenen Argumenten jenes, dass er sich nicht kontrollieren lassen wird. Im Wahlkampf machte er sich seine Rolle als Machogeschäftsmann zu Nutzen – welche er sich durch seinen Auftritt in den sozialen Medien und in den Jahren als Fernsehpersönlichkeit (bei der er meist die mächtigste Person im Studio war) schuf – um sich für die Präsidentschaft zu bewerben. Dies ist eine Rolle, die Einschränkungen zurückweist: Er lässt sich nicht durch die Partei, die Medien, andere Kandidaten, Politische Korrektheit, Fakten – eigentlich alles – einschränken. Auf eine Weise zeigt er sich als unkontrollierbarer Anführer.

Mit rhetorischen Mitteln Kritiker zerstören

Jedoch möchten die meisten Wähler keinen unkontrollierbaren Präsidenten. Warum bleiben trotzdem so viele felsenfest bei ihrer Unterstützung?

Zuerst bezieht Trump sich auf den Mythos des Amerikanischen Exzeptionalismus. Er beschreibt die Vereinigten Staaten als die beste Hoffnung für die Welt: Es gibt nur eine auserwählte Nation und als Präsident arbeiten alle seine Entscheidungen auf das Ziel hinaus, Amerika großartig zu machen. Dadurch, dass er sich selbst mit dem Amerikanischen Exzeptionalismus verknüpft, während er Gegner als schwach” oder Dummköpfe” beschreibt, kann Trump seine Kritiker als Leute, die nicht an die Großartigkeit” der Nation glauben oder nicht an dieser mitarbeiten, darstellen.

Trump benutzt zudem trügerische und spaltende rhetorische Techniken, die ihn vor Ausfragungen schützen und ihn nicht in die Enge treiben. Er benutzt Ad populum”-Argumente. Dies sind Argumente, die an die Klugheit des Publikums appellieren (Umfragen zeigen, Wir gewinnen überall).

Wenn Gegner seine Ideen oder Haltung hinterfragen, benutzt er Ad hominem” -Attacken oder Kritiken, die stets die Person und nicht ihre Argumentation treffen (er weist seine Kritiker als Dummköpfe”, schwach” oder langweilig” zurück).

Die wahrscheinlich berühmteste Instanz davon war, dass er sich über Carly Fiorinas Aussehen lustig machte, als die Zustimmung für sie in den Umfragen nach der ersten republikanischen Debatte stieg (Schaut auf dieses Gesicht!”, rief er, Wer würde dieses Gesicht wählen? Kannst du dir dieses Gesicht als Gesicht des nächsten Präsidenten vorstellen?”).

Schließlich sind seine Reden auch oft mit Ad baculum”-Argumenten gespickt, die Androhungen von Machtdemonstrationen sind (Wenn Leute mir hinterher spionieren, gehen sie den Bach runter.”). Da Demagogen oft ihre Argumentation auf falschen Behauptungen und der Berufung auf das Gefühl anstelle der Vernunft basieren, greifen sie oft auf diese (rhetorischen) Hilfsmittel zurück.

Beispielsweise erklärte George Wallace während des Präsidentschaftswahlkampfes im Jahre 1968, dass wenn sich irgendein Demonstrant jemals vor sein Auto liegen würde, wäre dies das letzte Auto vor dem er oder sie sich jemals hingelegt hätte (Ad baculum). Joseph McCarthy griff zudem auf eine Ad hominem Attacke zurück, als er den ehemaligen Außenminister Dean Acheson als pompösen Diplomat in gestreiften Hosen mit einen gefälschten britischen Akzent” bezeichnete.

Trump benutzt auch ein rhetorisches Mittel, das sich Paralipse nennt. Damit stellt er Behauptungen auf, für die er nicht verantwortlich gemacht werden kann. Bei der Paralipse stellt der Redner ein Thema oder Argument vor, indem er sagt, dass er nicht darüber sprechen möchte. In Wahrheit möchte er oder sie jedoch genau diese Sache betonen.

Zum Beispiel sagte er in New Hampshiream 1. Dezember:

Aber alle (anderen Kandidaten) sind schwach und nur schwach – Ich glaube, dass sie allgemein schwach sind, wenn sie die Wahrheit hören möchten. Aber ich möchte dies nicht sagen, weil ich es nicht möchte… Ich möchte nicht irgendwelche Kontroversen, gar keine Kontroversen haben, ist dies in Ordnung? Deshalb weigere ich mich zu sagen, dass sie generell schwach sind, okay?

Trumps letztendlicher Trugschluss

Gehen wir zu Trumps Rede über Muslime vom 7. Dezember 2015 zurück, um die dort benutzten rhetorischen Mittel zu analysieren:

Ohne auf die unterschiedlichen Umfrageergebnisse zu schauen, ist es für jeden klar, dass der Hass unbegreiflich ist. Woher dieser Hass kommt und warum gehasst wird, müssen wir herausfinden. Bis wir das Problem und die Bedrohung, die es besitzt, ermitteln und verstehen können, kann unser Land kein Opfer der abscheulichen Angriffe von Menschen werden, die nur an den Dschihad glauben und keinen Sinn für die Vernunft oder den Respekt vor menschlichen Leben haben. Wenn ich die Präsidentenwahl gewinne, werden wir Amerika wieder großartig machen.

In dieser Erklärung macht Trump bereits zwei Dinge unumstößlich (oder unbestreitbar): Amerikanischer Exzeptionalismus und der Hass der Muslime auf Amerika. Laut Trump werden diese Grundsätze von der Klugheit des Publikums (Ad populum) unterstützt; sie sind für jeden klar”.

Er beschreibt Muslime in wesentlichen Worten als ein Volk, dass nur an den Dschihad glaubt, voller Hass ist und keinen Respekt vor menschlichem Leben hat. Trump benutzt die Verdinglichung, – die Betrachtung von Objekten als Menschen und Menschen als Objekt – um seine Grundsätze miteinander zu verbinden und seine Aussage zu unterfüttern: Unser Land kann nicht das Opfer von abscheulichen Angriffen von Leuten, die nur an den Dschihad glauben, werden”.

Hierbei personifiziert er “unser Land”, indem er die Nation als Person darstellt. Währenddessen benutzt er im englischsprachigen Originalzitat that anstatt who, um zu zeigen, dass Muslime keine Menschen, sondern Objekte sind. Seine tiefere Logik hierbei ist, dass unsere Nation ein Opfer dieser Objekte” ist. Objekte müssen nicht mit der gleichen Sorgfalt wie Menschen behandelt werden. Deshalb sind wir berechtigt, Muslime den Eintritt in das Land zu verwehren.

Schließlich muss noch gesagt werden, dass Trumps Beweisführung unvollständig ist und sich an seinem eigenen Blickwinkel orientiert. Seine Erklärung zitierte eine Umfrage unter US-amerikanischen Muslimen, die zeigt, dass 25 Prozent der Befragten dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen Amerikaner hier in den Vereinigten Staaten gerechtfertigt ist” .

Die Daten der Umfrage kamen vom Zentrum für Sicherheitspolitik (CSP – Center for Security Policy), welches das Southern Poverty Law Center als anti-muslimische” Denkfabrik bezeichnet. Darüber hinaus sagt Trump nicht, dass in der gleichen Umfrage 61 Prozent der US-amerikanischen Muslime dem Punkt zustimmen, dass Gewalt gegen jene, die den Prophet Mohammed, den Koran oder den islamischen Glauben beleidigen” , nicht annehmbar ist. Noch erwähnt er, dass 64 Prozent nicht glauben, dass Gewalt gegen US-Amerikaner hier in den USA als Teil des globalen Dschihad gerechtfertigt ist” .

Unglücklicherweise lässt sich Trump, wie ein wahrer Demagoge nicht zu sehr von den Fakten aufhalten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Donald Trump” by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


 

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„Warum hast du nicht verkauft?“

_SJP0267 (adapted) (Image by TechCrunch [CC BY 2.0] via Flickr)

Der US-amerikanische Unternehmer und Mitgründer von Snapchat Evan Spiegel, gab am Freitag eine interessante sowie unterhaltsame Rede zum Besten. Evan Spiegel, der 2011 zusammen mit Robert Murphy die Instant-Messaging-App Snapchat gründete, hielt bei der Abschlussfeier des Jahrgangs 2015 der „University of Southern California’s Marshall School of Business“ eine lesenswerte Rede. Der 24-Jahre alte Unternehmer, der vor drei Jahren gegen Ende sein Studium abbrach, redete in seiner 10-minütigen Ansprache unter anderem darüber, warum er Snapchat nicht verkauft hat und gibt den Absolventen einige Ratschläge mit auf den Weg.

Es gibt eine Frage die mir immer wieder gestellt wird“, erzählt Spiegel. „Warum hast du dein Unternehmen nicht verkauft? Es bringt nicht mal Geld. Du könntest jetzt auf einem Boot sein. Jeder liebt Boote. Was ist bloß los mit Dir?„.

Weiter erzählt Spiegel: „Ich bin davon überzeugt, dass der schnellste Weg um herauszufinden ob man etwas macht, was einem wirklich wichtig ist, ist wenn man von jemanden einen Haufen Geld angeboten bekommt, damit du dich von dieser Sache trennst„.

Es geht um mehr als nur den Verkauf

Dabei kommt es nicht darauf an, ob man verkauft oder nicht. Der beste Teil laut Spiegel ist, dass man dabei etwas sehr wertvolles über sich selbst lernt. „Wenn du verkaufst, wirst du umgehend merken, dass es einfach nicht der richtige Traum war und wenn du nicht verkaufst, bist du wahrscheinlich an etwas bedeutsamen dran„, so Spiegel.

Letzteres war anscheinend bei den Snapchat-Gründern Spiegel und Murphy der Fall. In weniger als drei Jahren nach der Veröffentlichung der Messaging-App, kann Snapchat 100 Millionen monatliche Nutzer vorweisen und hat maßgeblich dazu beigetragen, wie jüngere Generationen miteinander interagieren.

Berichten zufolge wird Snapchat auf einen Wert von 15 Milliarden US-Dollar geschätzt und das, trotz aller Anzeichen die darauf hinweisen, dass das Unternehmen noch keinen signifikanten Gewinn abwirft.

Glaubt an euch und an die Person zu der ihr werdet, rät Spiegel gegen Ende seiner Rede. Ihr werdet viele Fehler machen. Ich selbst habe bereits eine Menge gemacht, einige in der Öffentlichkeit, es wird sich schrecklich anfühlen, aber es wird alles gut werden. Entschuldigt euch einfach so schnell ihr könnt und beten um Vergebung.

Die vollständige Rede:

2015 USC Marshall Undergraduate Commencement Address by evan3268


Image (adapted) „_SJP0267“ by TechCrunch (CC BY 2.0)


 

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Noy Alooshe: „Die Politiker wollen, dass ihre Rede zum Meme wird“

Noy Alooshe (Image by Atbannett [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)

Der israelische Youtuber Noy Alooshe veralbert mit Mashup-Videos Politiker im Wahlkampf. Mittlerweile ist er so erfolgreich, dass manche Kandidaten in ihren Reden Textbausteine verstecken, die sich für einen Alooshe-Remix anbieten – in der Hoffnung, im nächsten Video zu landen. Weil der Online-Wahlkampf vor den Wahlen zur Knesset am 17. März für alle Parteien immer wichtiger wird, sind Alooshes größte Konkurrenten: die Parteien selbst. Ihre Medienteams überschwemmen mit eigenen Videos das Netz, in der Hoffnung auf Likes und Wählergunst.

Netzkolumnistin: Wie gefürchtet bist du unter israelischen Politikern?

Noy Alooshe: Gar nicht! Die Politiker in Israel sprechen gerne über meine Videos.

Warum? Deine Remixe veralbern doch das, was sie sagen oder wie sie es sagen.

Vor ein paar Jahren wollte niemand was mit Youtube oder Facebook am Hut haben, alle wollten nur Radiointerviews geben. Jetzt wollen sie klar machen, dass sie online vorne mit dabei sind. Sie zeigen meine Videos von ihnen her, um zu beweisen, dass sie im Netz wer sind.

Also Wut runterschlucken zugunsten von Likes?

Auch wenn die Videos auf die Kosten der Politiker gehen: Wenn sie gut reagieren, können sie ja von der Aufmerksamkeit profitieren.

Und darum geht es?

Es ist Wahlkampfzeit in Israel. Manche Politiker gehen noch weiter. Sie texten ihre Reden jetzt so, dass sie der perfekte Steinschlag für meine Arbeit sind. Sie wollen, dass ihre Rede viral geht, zum Meme wird. Sie senden mir Botschaften und hoffen, dass ich sie erhöre.

Und diese Botschaften bildest du dir nicht nur ein?

Nein. Yair Lapid hat zum Beispiel einmal in einer Rede auffällig häufig das Wort „entrückt“ benutzt, als er über Netanyahu gesprochen hat. Wie entrückt er doch sei und so weiter. Am nächsten Morgen kriege ich einen Anruf von seiner Partei, die mich nach einem Remix fragt. Die vielen Wiederholungen würden sich doch gut anbieten, haben sie gesagt. Und das ist kein Einzelfall.

Deine Videos spielen mit Wortfetzen von Politikern, unterlegt durch Beats. Ist das überhaupt politisch?

Ich bin Musiker, ein Kreativer. Aber ich habe mich schon immer für Politik interessiert. Für mich ist meine Arbeit wie eine Folge „House of Cards“ schauen. Dank des Internets bin ich nicht mehr nur ein Zuschauer vor dem Fernseher, sondern ich kriege das ganze Filmmaterial im Netz und kann damit experimentieren. Über die Videos drücke ich meine Haltung zu Themen aus.

Bist du parteiisch? Oder kriegen alle Politiker ihr Fett weg?

Ausgewogenheit interessiert mich nicht. Viele denken, ich stehe politisch links. Aber ich benutze einfach öfter Material von den Parteien, die gerade an der Regierung sind und das sind gerade eben die rechten. Natürlich habe ich auch ein Video über Netanyahus Rede vor dem US-Kongress gemacht. Ich habe meine Lieblinge unter den Kandidaten, die ich besonders gerne einbaue.

Alle Parteien bringen ständig ihre eigenen Videos über ihre Kandidaten online. Sind sie Konkurrenz für dich?

Naja. Alle Parteien haben versucht, mich anzuwerben. Ich habe abgelehnt. Als diese ganzen Videos kamen, habe ich schon kurz gedacht: Ob sich noch jemand für meine interessiert? Die Antwort ist: ja. Ich sehe es so: Durch mich ist überhaupt erst das Bewusstsein da, wie wichtig virale Videos für den Wahlkampf sind. Bei den Wahlen vor zwei Jahren gab es dafür überhaupt kein Budget. Das ist jetzt anders.

Warum sind sie denn so wichtig?

Die Parteien wissen: Wenn ein Video viral geht und die sozialen Netzwerke begeistert, dann ist das Fernsehen nicht weit. Die lustigsten Spots kommen ins Fernsehen, wodurch sich ihre Reichweite dann noch mal multipliziert, kostenlos.

Wie verändern solche Videos den Wahlkampf?

Durch lustige, virale Videos interessieren sich mehr Menschen für die Wahlen. Meine Videos erreichen auch Menschen, die sich sonst nicht so sehr für Politik interessieren. Die teilen das Video vielleicht zuerst, weil sie den Beat cool finden oder den Schnitt lustig. Aber dann fragen sie sich, was eigentlich dahinter steckt. Und wer eigentlich der Typ oder die Frau sind, die die ganze Zeit in der Timeline auftauchen.

Welche Partei macht die besten Wahlkampfspots im Netz?

Ich bin von Benjamin Netanyahu und seiner Partei Likud echt überrascht. Wir alle dachten: Die Konservativen können nicht lustig sein. Und dann hauen sie dieses Video vom Bibi-Sitter raus. Das sah großartig aus und war echt lustig. Deswegen hat es auch so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Magst du Netanyahu jetzt mehr oder ist da nur professionelle Anerkennung?

Naja, es war das erste Mal, dass Netanyahu mir nicht wie ein Roboter vorkam.

Vielen Dank für das Interview.


Den Durchbruch schaffte Alooshe mit dem „Zenga-Zenga“-Video über Gaddafi, welches er im Februar 2011 veröffentlichte und das inzwischen mehr als als fünf Millionen Klicks auf YouTube hat:


Teaser & Image by Atbannett (CC BY-SA 3.0)


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Rede von Peter Thiel: Macht Innovation die Welt besser?

Peter Thiel zu Gast in Berlin

Peter Thiel gab heute in Berlin eine interessante Rede über glückliche Firmen, Überwachung und wie Innovation die Welt retten kann. // von Daniel Peter

Peter Thiel zu Gast in Berlin

Der bekannte deutsch-amerikanische Investor Peter Thiel sprach heute Mittag in Berlin über die Gründung von Unternehmen, ging der Frage nach, ob und wie Innovation die Welt retten kann und gab ein ungewöhnliche Bewertung der NSA-Affäre ab.

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CULTURE&VIDEO TIPPS vom 19. September

CULTURE&VIDEO heute schon ganz ohne Bundestagswahl! Dafür mit dem Andenken an große Intellektuelle und einer ungewöhnlichen Kochsendung.

MARCEL REICH-RANICKI IM BUNDESTAG: Rede zum Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

Marcel Reich-Ranicki verzichtete in seiner Rede am 27. Januar 2012 auf jedes künstliche Pathos. Bei solchen Anlässen denkt man eher an Sonntagsreden und moralische Appelle, er aber sprach nur von einem einzigen Tag. Reich-Ranicki schilderte, wie er den 22. Juli 1942, den Beginn der Deportationen der Juden aus dem Warschauer Ghetto, erlebte. Die Verknüpfung dieses streitbaren und streitenden Literaturkritikers mit dem Holocaust und dem Überleben, eindrücklich geschildert in seiner Autobiographie „Mein Leben“, ist es, was mir am meisten von ihm in Erinnerung bleiben wird.

DER KONFLIKT IN DER KÜCHE: Parts Unknown – Jerusalem

Der Bad Boy der amerikanischen Fernsehköche, Anthony Bourdain, ist selten in einem Kochstudio anzutreffen. Sein Konzept ist dabei nicht nur das Kochen an ungewöhnlichen Orten oder in brenzligen Situationen (bei Dreharbeiten im Libanon wurde er vom Bombenangriffen überrascht, die daraus entstandene Folge seiner Serie No Reservations brachte ihm einen Emmy ein), er verbindet seine Kochkunst auch immer mit Berichten über Land und Leute und scheut dabei Konflikte nicht. In Jerusalem macht er sich auf die Suche nach Gemeinsamkeiten der palästinensischen und der isralischen Esskultur und stellt beim Humus schon mal unangenehme Fragen. 

ZUR PERSON: Edward Said

Dreieinhalb Stunden Interview. Und jede Minute bringt einen der großen Intellektuellen des 20. Jahrhundert näher. Nie wird es langweilig, weil Edward Said nicht langweilig ist. Nach vielen Jahren Krankheit und offensichtlich mit dem nahen Tod vor Augen lässt sich der 1935 in Jerusalem geborene Literaturwissenschaftler auf ein ungewöhnliches Vorhaben ein: ein Interview ohne Ende und ohne Thema. Am 25. September vor zehn Jahren, ein Jahr nach der Aufzeichnung, ist Edward Said gestorben.

BURNING MAN 2013 TIME LAPSE

Der Sommer ist nun endgültig vorbei und damit die Draußen- und die Festivalzeit. Unter der Sonne tanzen, das ist nirgends so legendär wie beim Burning Man (auch wenn der Sommer in der kalifornischen Wüste nicht so eine große Rolle spielt). Das Festival hat einen ähnlichen Ruf wie hier zu Lande das Indie-Fest Fusion: absolute Freiheit, kein Kommerz und tagelanges Feiern außerhalb des Alltags. Wie das von einem 500 Meter hohe Berg aussieht, zeigt dieser faszinierend schöne Zeitraffer.

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