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Die Netzpiloten sind Partner der Jugendmedientage 2017

Partnergrafik_Jugendpresse-Deutschland

In München finden vom 02. bis zum 05. November die Jugendmedientage 2017 statt. Das diesjährige Motto lautet „Behind the Scenes“. Die Teilnehmenden erwarten spannenden Diskussionen, Medientouren, Erzählcafés sowie praxisnahe Workshops und darüber hinaus intensives Netzwerken mit Medienprofis und Gleichgesinnten. Die Jugendmedientage werden seit 2002 von der Jugendpresse Deutschland, dem Bundesverband junger Medienmacher, in immer wechselnden Städten veranstaltet.

Hinter dem Motto verbirgt sich die Mission, hinter die Kulissen zu schauen und Vorhänge zu lüften. Einige Fragen, die wegweisend für den Kongress sein werden, sind: Sind wir noch Puppenspieler in der eigenen, medialen Welt oder zappeln wir bereits am Ende der Strippe herum? Wer zieht wie die Fäden? Was für Zukunftsvisionen gibt es? Und was für eine Rolle spielt Populismus im Medienbereich?

In Zeiten von alternativen Fakten

Laut Oskar Vitlif, Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland, sind Fake-News, alternative Fakten und stetig sinkendes Vertrauen in die Medien Entwicklungen, denen wir uns stellen müssen. Eine Möglichkeit, um das zu tun, ist Transparenz. Er freue sich daher sehr, „mit den Jugendmedientagen 2017 nach München zu kommen, um an einem der wichtigsten Medienstandorte Deutschlands gemeinsam mit den Teilnehmenden hinter die Kulissen der Medienlandschaft zu blicken.

Zu den Speakern, auf die ihr euch freuen könnt, gehören:

Die Location ist die Berufsoberschule Wirtschaft München (BOS).

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Wie Mainstream-Medien noch immer soziale Veränderungen bewirken

newspaper (adapted) (image by bykst [CC0] via pixabay)

Präsident Donald Trump hat seinen Kampf gegen die Nachrichten auf eine neue Ebene gebracht, als er ein bearbeitetes Video getwittert hat, in dem er jemandem gegenüber handgreiflich wird, dessen Gesicht mit dem Logo von CNN überblendet wurde. Der Sender wurde von „Cable News Network” in „FNN“ umbenannt – das „Fake News Network“.

Während es in den „postfaktischen“ Zeiten wie diesen und in einer Umgebung, die von einigen wenigen Medienkonglomeraten dominiert wird, viel an den Medien zu kritisieren gibt, brauchen wir die Presse doch, um unsere Anführer und Institutionen rechenschaftspflichtig halten zu können.

Wenn jedoch die Gelegenheit gegeben ist, sollten wir die Presse auch ab und zu loben. Die Serie “Unfounded“ der kanadischen Zeitung Globe and Mail ist ein Beispiel dafür. Die Macht der Presse sollte nicht unterschätzt werden – das gilt sowohl für den positiven als auch für den negativen Einfluss der Berichterstattung. Die “Unfounded”-Serie der Globe and Mail arbeitet in einer fortschrittlichen Art und Weise, um Themen ans Licht zu bringen, über die zu wenig berichtet wird. Die Serie konzentriert sich auf Fälle von sexuellen Übergriffen, die von der Polizei nicht verfolgt werden und demonstriert so die Macht der Presse, soziale Veränderung hervorzurufen.

Basierend auf polizeilichen Aufzeichnungen über 20 Monate hinweg hat die Serie unter der Leitung der Journalistin Robyn Doolittle herausgefunden, dass einer von fünf angezeigten Fällen bei der Polizei als unbegründet zu den Akten gelegt wird. Doolittle war in der Lage, die Daten zu sammeln, nachdem sie hunderte Anfragen zur Informationsfreiheit an Polizeidirektionen im ganzen Land verschickt hatte. Was sie zusammenstellte, ist mehr als nur eine schockierende Statistik solcher Fälle.

Daten und persönliche Geschichten = eine machtvolle Verbindung

Die Serie, die erst kürzlich den Data Journalism Award 2017 gewann, weil hier Datennutzung zur Aufdeckung von Systemversagen stattfand, stellt ein leuchtendes Beispiel für investigativen Journalismus dar. Doolittle bettete die statistische Analyse in eine Berichterstattung ein, die sie direkt von Frauen erhalten hat, die Opfer sexueller Übergriffe wurden und deren Aussagen von der Polizei schlichtweg abgetan wurden.

Allerdings sind die Berichterstattung der Serie und ihre Präsentation in den darauffolgenden Monaten nach der Untersuchung ebenfalls bemerkenswert. Anstatt die Story irgendwo auf den letzten Seiten der Zeitung zu vergraben, druckte man diese auf der Titelseite aus. Und das nicht nur einmal, sondern regelmäßig.

Ich habe jahrelang die kanadische Medienlandschaft verfolgt und glaube, dass dies im starken Gegensatz zur gewöhnlichen Berichterstattung anderer berichtenswerter Geschehnisse steht. Generell erscheinen diese ein- oder zweimal oder werden irgendwo in der restlichen Berichterstattung eingebettet. Sie verschwinden nicht nur aus den Zeitungen, sondern auch aus dem kollektiven Gedächtnis der Leser. Hier funktioniert Wiederholung, um die Story in der öffentlichen Wahrnehmung und in den Köpfen der Gesetzgebung am Leben zu halten.

Zusätzlich gab die Globe and Mail eine zwingende und persönliche Perspektive zur Berichterstattung vor. Das Blatt gab jeden Tag Neuigkeiten zu einem Fall einer Bürgerin heraus, deren Fall von der Polizei als haltlos eingestuft und zu den Akten gelegt wurde. Dieser Einschub sorgte für eine Vermenschlichung der Story. Dazu kommt, dass die tägliche Veröffentlichung derlei Berichte auch bewirkt hat, dass sie den Lesern im Gedächtnis bleiben.

Die Regelmäßigkeit der Veröffentlichungen und die strukturierte Perspektive, die sowohl durch die einzelnen Geschichten als auch durch das Bild im Ganzen gestärkt wurde, fingen die Komplexität und die Vielschichtigkeit des Themas besonders effektiv ein.

Die Gesetzgebung kümmert sich

Es war keine Überraschung, die grundlegenden Veränderungen nach der Veröffentlichung der Serie zu beobachten. Nicht nur haben verschiedene Polizeikräfte versprochen, die als haltlos eingestuften und zu den Akten gelegten Fälle neu aufzurollen, auch das Statistikamt Kanadas verpflichtete sich dazu, Daten aus den verschiedenen Teilen des Landes über dieses Thema zu sammeln. Politiker versprachen, ebenfalls mehr Geld für die Ermittlung von geschlechterbasierender Gewalt bereitzustellen und neue Strategien zum Umgang mit Fällen sexueller Übergriffe zu entwickeln. Erst vor Kurzem konnte die Polizei von Ottawa eine Person aufgrund der Informationen, die sich durch die Serie ergeben hatten, festsetzen.

Die Serie “Unfounded” von der Mail and Globe zeigt die wahre Macht des investigativen Journalismus. Die aktuelle Serie der Zeitung über den Missbrauch des Gesundheitssystems durch doppelte Zahlungen verspricht genauso aufklärend zu sein und hoffentlich genauso bahnbrechend. Falls die Zeitung auch Themen wie Rassismus, Islamophobie und andere Formen der Gewalt in diesem Stil behandeln würde, würde sie auch die wahre Rolle der Nachrichten erfüllen: Die Bevölkerung zu informieren und aufzuklären.

Jedoch kann man der Realität der heutigen Medienlandschaft nicht entkommen. Mit der zunehmenden Vorherrschaft der sozialen Medien als Mittel, mit denen Nachrichten konsumiert werden, bekommen Serien wie „Unfounded“ oft nicht die Ausstrahlungszeit, die sie verdienen. Stattdessen überwiegt die häppchenartige Berichterstattung – und eine ausführliche Berichterstattung bleibt nur als Zeitvertreib einiger Weniger.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „newspaper“ by bykst (CC0 Public Domain)


The Conversation

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WikiLeaks-Anklage würde Demokratie und Pressefreiheit verletzen

censorship-1315071_1920 (adapted) (Image by dimitrisvetsikas1969 [CC0 Public Domain] via pixabay)

Das US-Justizministerium erarbeitet gerade eine Strategie, um die Verantwortlichen der Whistleblowing-Plattform anzuklagen. Unter den diskutierten Anklagepunkten sind Verschwörung, Diebstahl von Regierungseigentum und Verstöße gegen ein äußerst umstrittenes Anti-Spionage-Gesetz. Das Vorgehen der Regierung in diesem Fall ist extrem problematisch, kriminalisiert es doch – wie die Vorgängerregierung unter Barack Obama bereits erkannte – im Prinzip die Arbeit investigativer Journalistinnen und Journalisten.

US-Justizministerium prüft Anklage gegen WikiLeaks

Die US-Staatsanwaltschaft und das Justizministerium diskutieren momentan eine Anklage gegen Mitglieder der Whistleblowing-Plattform WikiLeaks. Gegenstand der aktuellen Untersuchungen ist insbesondere der „Cablegate“-Leak, in dessen Rahmen seit dem Jahr 2010 mehrere Millionen diplomatischer Depeschen der US-Regierung und ihrer Partner veröffentlicht worden sind. Daneben ist aber auch der kürzlich erfolgte Leak von CIA-Hackertools Gegenstand der Untersuchungen. Auch hier wird geprüft, ob WikiLeaks strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann.

Die möglichen Anklagepunkte umfassen Verschwörung und den Diebstahl von Regierungseigentum. Daneben sind aber auch mögliche Verstöße gegen den „Espionage Act“ von 1917 im Gespräch. Dieses Anti-Spionage-Gesetz, eingeführt unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs, um die Schwächung der US-Streitkräfte zu verhindern, ist äußerst umstritten. Immer wieder bezeichneten Kritikerinnen und Kritiker es als potentiell verfassungswidrig. Dennoch ist es bis heute in Kraft.

Kriminalisierung investigativen Journalismus‘

Die Obama-Regierung ging teilweise mit einiger Härte gegen Whistleblower vor. Gleich mehrere von ihnen wurden in Barack Obamas achtjähriger Amtszeit unter dem bereits erwähnten Espionage Act angeklagt. Bekanntestes Beispiel ist die WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning, die zu einer 35-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde und in der Haft zahlreiche Härten erleiden musste, von Obama allerdings im letzten Moment begnadigt wurde und nun wohl in Kürze frei kommen wird.

Von einer Verfolgung der WikiLeaks-Aktivistinnen und -Aktivisten, die den Leaks eine Plattform gaben und diese der Öffentlichkeit zugänglich machten, sah die Obama-Regierung jedoch ausdrücklich ab. Ihre Begründung: WikiLeaks ist ein journalistisches Projekt. Seine Mitarbeiter zu verfolgen, käme einer Kriminalisierung von investigativem Journalismus gleich und wäre damit ein inakzeptabler Verstoß gegen die Meinungs- und Pressefreiheit.US

Schutz für alle Journalistinnen und Journalisten

Die aktuelle US-Regierung unter Donald Trump scheint keine solchen Bedenken zu haben. Diese Tatsache ist äußerst bedenklich. WikiLeaks ist ein journalistisches Projekt. Das Ziel der Plattform, Fehlverhalten von Staaten und Unternehmen aufzudecken und die Informationen darüber der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist ohne jeden Zweifel die Zielsetzung eines Presse-Organs.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Presselandschaft sehr verändert. Neben den klassischen Medien wie Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen gibt es mittlerweile auch News-Websites, Blogs, informative Social-Media-Angebote, Podcasts und einiges mehr. Neben klassischen fest angestellten oder freien Journalistinnen und Journalisten sorgen auch Bloggerinnen und Blogger sowie, wie eben im Falle von WikiLeaks, Aktivistinnen und Aktivisten dafür, die Bevölkerung zu informieren. Ihre Position ist oftmals heikel, denn für sie gelten nicht immer die selben Schutzklauseln wie für „normale“ Journalistinnen und Journalisten. Das muss sich dringend ändern.

Wer ein journalistisches Projekt betreibt oder daran mitwirkt und sich an gängige presseethische Grundsätze hält, muss auch als Pressevertreterin oder -vertreter behandelt werden und entsprechenden Schutz genießen. Im konkreten Fall bedeutet das, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von WikiLeaks ebenso wenig für ihre journalistische Tätigkeit angeklagt werden dürfen wie das Personal der New York Times oder der Washington Post.

Dabei ändert die Tatsache, dass sich das Team von WikiLeaks in erster Linie als Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten versteht, überhaupt nichts. In der heutigen Welt sind Journalismus und Aktivismus keineswegs Dinge, die sich gegenseitig ausschließen. Zudem sollte die zentrale Fragestellung lediglich sein, ob die Publikation relevante Informationen mit investigativen Methoden und unter Berücksichtigung ethischer Grundsätze aufdeckt – was WikiLeaks zweifellos tut.

Solidarität mit WikiLeaks

Noch ist das fragliche Memo nicht komplett bekannt und die Verantwortlichen haben sich noch nicht endgültig für oder gegen eine Anklage gegen WikiLeaks entschieden. Allerdings ist allein die bloße Erwägung dieses Schrittes ein beunruhigendes Signal, dass die Trump-Regierung die Pressefreiheit nicht so sehr respektiert, wie es wünschenswert wäre. Es ist Zeit, sich solidarisch hinter WikiLeaks zu stellen und klarzumachen, dass es sich bei der Plattform um eine journalistische Publikation handelt, die entsprechenden Schutz genießen muss und dass die internationale Gemeinschaft eine Kriminalisierung dieser journalistischen Plattform nicht dulden wird. Bei aller zeitweisen Kritik an den Methoden WikiLeaks‘ besteht kein Zweifel daran, dass es sich um eine journalistische Unternehmung handelt, keine kriminelle. Sorgen wir dafür, dass auch Donald Trump und seine Verbündeten dies einsehen müssen.


Image (adapted) „Censorship“ by dimitrisvetsikas1969 (CC0 Public Domain)


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Privatsphäre nicht nur für Donald Trump

Video (adapted) (Image by endus3r [CC0 Public Domain] via pixabay)

US-Präsident Donald Trump beschuldigt seine demokratischen Widersacher, ihn während des Wahlkampfs abgehört zu haben. Damit reiht er sich in die Reihe von Politikern ein, die rechtswidrige Überwachung nur dann als Problem anerkennen, wenn sie selbst betroffen sind. Dabei hilft gegen derartige Bespitzelung nur eines: eine Gesellschaft, in der es nicht an der Tagesordnung ist, Menschen ohne den Nachweis eines konkreten Verdachts zu überwachen.

Überwachung auf Watergate-Niveau?

Donald Trumps Twitter-Account ist berüchtigt für spektakuläre Angriffe, Ausfälle und Rants. Anfang März erhob Trump auf dem Kurznachrichtendienst einen Vorwurf gegen die Vorgängerregierung unter Barack Obama, der für Aufsehen (nicht nur) bei Datenschützern sorgte: Obama, so Trump, habe sein Team und ihn während des Wahlkampfs abgehört. Trump verglich die Geschehnisse sogar mit dem Watergate-Skandal in den 1970er Jahren, der durch massiven Machtmissbrauch des damaligen Präsidenten Richard Nixon und unter anderem das Abhören von Journalisten gekennzeichnet war.

Einen Beweis für seine Vorwürfe blieb Trump bislang schuldig. So ist schwer zu sagen, ob es sich um die Wahrheit oder eher um eine der für Trump typischen „postfaktischen“ Aussagen – also Halbwahrheiten, Übertreibungen oder schlichte Lügen – handelt. Kritiker haben zurecht angemerkt, dass angesichts der vermeintlichen Schwere der Vergehen – der Watergate-Skandal, mit dem Trump den Vorfall vergleicht, führte immerhin zum Rücktritt der damaligen US-Regierung – bislang sehr wenig Taten gefolgt sind, was die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe nicht gerade erhöht. Der bloße Vorwurf und die Diskussion darum allerdings sind in gewisser Hinsicht schon interessant.

Mit zweierlei Maß gemessen

Wie viele Politikerinnen und Politiker vor ihm scheint Trump der Ansicht zu sein, dass Überwachung nur dann ein Problem darstellt, wenn sie die Mächtigen selbst betrifft. Den Deutschen ist diese Argumentation wohl am besten vertraut von Angela Merkel, deren abgehörtes Mobiltelefon der einzige Teil des NSA-Skandals zu sein schien, der die Bundesregierung und auch Teile der deutschen Presse wirklich zu interessieren schien. Aber auch im Umfeld anderer Hacking- und Überwachungsvorfälle waren es stets die Angriffe gegen Politikerinnen und Politiker, insbesondere Regierungsangehörige, die als Skandal dargestellt wurden, während die Überwachung anderer Bürgerinnen und Bürger oftmals bagatellisiert wurde.

Nun ist das vermeintliche Opfer also Donald Trump. Nur geht es ihm, selbst wenn an seinen Vorwürfen etwas Wahres ist, nicht anders als einer Vielzahl anderer Menschen in den USA und andernorts, die anlasslos oder mit fadenscheinigen Begründungen zum Ziel der NSA wurden und deren Telekommunikation überwacht und bespitzelt wurde.

Grundrechte müssen uns alle schützen

Ob Donald Trump im Recht damit ist, der Obama-Regierung illegale Überwachung vorzuwerfen, muss sich noch herausstellen. Zweifellos ist er im Recht damit, zu fordern, dass sein Team und er nicht in dieser Weise überwacht werden. Um das zu gewährleisten, gibt es allerdings – wie auch NSA-Whistleblower Edward Snowden bemerkt – nur einen überzeugenden Weg: es muss eine Gesellschaft geschaffen werden, in der die Privatsphäre aller Menschen ebenso respektiert wird wie ihre sonstigen Grundrechte und in der die Geheimdienste nicht im Verborgenen, beinahe unkontrolliert und ohne Rechenschaft abzulegen, agieren können.

Wenn Donald Trump will, dass wir das hier ernst nehmen, muss er das Problem beheben, dass die Kommunikation von jedem Menschen in Amerika aktuell gesammelt wird, ohne Richterbeschluss, und in einen großen Eimer kommt und die Menschen nur durch sehr lasche interne Vorschriften geschützt sind, die einfach nicht ausreichen,“ erklärte Snowden zu diesem Thema, „Das Problem ist nicht ‚Oh, armer Donald Trump.‘ Sie sind der Präsident. Sie sollten Fragen stellen wie, ‚Warum war das überhaupt möglich?‘ und ‚Warum habe ich es nicht behoben?'“

Der Whistleblower trifft den Nagel auf den Kopf: Politiker, die ihre eigene Kommunikation schützen wollen, müssen das Problem grundsätzlich angehen. Ein teures Krypto-Handy – das wahrscheinlich die Mehrheit der Politikerinnen und Politiker angesichts ihrer bisherigen Kompetenz in diesen Dingen nicht oder falsch nutzen würde – ist keine Lösung. Die einzige Lösung, die uns langfristig weiter bringt, ist eine Gesellschaft, in der die Grundrechte weitaus effektiver als bisher geschützt werden. Wenn ausgerechnet Donald Trump diese Gesellschaft voran brächte, wäre dies zwar angesichts seines autoritären Verhaltens zutiefst ironisch, doch wäre es eine Ironie, aus der immerhin etwas Gutes erwächst. Wer weiß – in der Geschichte sind schon merkwürdigere Dinge geschehen.


Image (adapted) „Video“ by endus3r (CC0 Public Domain)


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NSAUA: Zwischen Aufklärung und Symbolpolitik

spying (adapted) (Image by mohamed_hamdy [CC0 Public Domain], via pixabay)

Der NSA-Untersuchungsausschuss hat seine Arbeit beendet. In den letzten drei Jahren sollte der Ausschuss aufdecken, wie und in welchem Umfang die westlichen Geheimdienste gegen deutsches Recht verstoßen haben und inwieweit die deutschen Behörden, insbesondere der BND, dabei mitwirkten. Im Ausschuss kamen einige interessante Erkenntnisse ans Licht. Dennoch hätte mehr getan werden können und müssen, wäre es um eine wirkliche Aufklärung gegangen. So bleibt der Ausschuss eher ein Feigenblatt.

Interessante Erkenntnisse in 66 Sitzungen

In insgesamt 66 Sitzungen beleuchtete der NSA-Untersuchungsausschuss (oder, wie er insbesondere auf Twitter gern abgekürzt wurde, „NSAUA“), die Verfehlungen der Geheimdienste. Dabei kamen einige interessante Fakten ans Licht.

Journalistisch wurde der Ausschuss sehr engagiert begleitet. Die Pressearbeit wird hoffentlich wegweisend. Insbesondere das Blog Netzpolitik – das hier eine zweistündige Zusammenfassung der Ausschuss-Arbeit in Form eines Podcasts anbietet – und die Journalistin Anne Roth sorgten unermüdlich dafür, die Bevölkerung über die Vorgänge im „NSAUA“ zu informieren – zumindest immer dann, wenn Geheimhaltungs-Vorschriften das nicht verhinderten, doch dazu später mehr.

Unter anderem wurde im Rahmen des NSA-Untersuchungsausschusses bekannt, dass der BND bereits seit 2009 den deutschen Internet-Knotenpunkt De-Cix in Frankfurt am Main in großem Rahmen überwacht. Diese Überwachung war seitdem immer wieder Thema und wird unter anderem auch im neuen BND-Gesetz thematisiert.

Auch die Fernmelde-Überwachung in Bad Aibling, bei der der BND unter anderem Wirtschaftsspionage gegen europäische Unternehmen auf Geheiß der USA betrieb, wurde im Ausschuss thematisiert. Nach massiver Kritik wurde diese Form der Geheimdienst-Kooperation zeitweise eingestellt.

Vom Scheitern und Gar-nicht-erst-Versuchen

An anderer Stelle allerdings waren dem NSA-Untersuchungsausschuss die Hände gebunden. Sei es aufgrund mehr oder weniger subtiler Drohungen der US-Bündnispartner (angeblich drohten die USA damit, die Geheimdienst-Kooperation einzustellen und ihrerseits keine Informationen mehr an Deutschland weiterzugeben, wenn der NSA-Untersuchungsausschuss durch zu gründliche Aufklärung „die nationale Sicherheit gefährdet“ hätte), aufgrund eines Mangels an Interesse am Offenlegen eigener Verfehlungen oder schlichtweg, weil die Bürokratie dagegen war – an vielen Stellen blieb die Aufklärung eher unvollständig und oberflächlich.

So gelang es dem BND teilweise mit leicht durchschaubaren Schutzbehauptungen, das Vorlegen von Beweisen zu umgehen. Auch das Bundesverfassungsgericht verhinderte dies nicht und entschied sich in einem enttäuschenden Urteil dagegen, den BND zur Herausgabe der sogenannten Selektorenlisten, anhand derer die Telekommunikation bei der Überwachung gefiltert wird, zu verpflichten.

Auch die umfassende Geheimhaltung erwies sich als Problem. Es ist kaum anzunehmen, dass in all den unter Ausschluss von Presse und Öffentlichkeit stattfindenden Sitzungen tatsächlich kompromisslos versucht wurde, Verfehlungen der deutschen Geheimdienste aufzuklären. Wieder einmal bewahrheitet sich der Grundsatz, dass die Möglichkeit, im Verborgenen und ohne öffentliche Kontrolle zu agieren, den Geheimdiensten nur allzu oft ermöglicht, einerseits ihre Kompetenzen zu überschreiten – oder stillschweigend auszudehnen – und andererseits eigenes Fehlverhalten zu vertuschen.

Zudem wurden selbst da, wo Fehlverhalten aufgedeckt wurde, nur allzu oft keine oder nur symbolische Konsequenzen gezogen. Die Überwachung am De-Cix ist mittlerweile durch das BND-Gesetz legalisiert. Eine Klage gegen diese Praxis läuft aktuell. Auch in Bad Aibling wurde die Überwachung einige Monate nach der Zwangspause stillschweigend und lediglich mit einigen offensichtlich nur pro forma eingeführten „Sicherheitsmaßnahmen“ wieder aufgenommen.

Edward Snowden: Bundesregierung zeigt Feigheit vor dem Freund

Am schwerwiegendsten ist wohl das Versäumnis des Ausschusses zu bewerten, Edward Snowden, den Whistleblower, der den NSA-Skandal ins Rollen brachte, zu befragen. Aus Angst vor den diplomatischen Implikationen war die deutsche Politik dazu nicht bereit und verzichtete so auf wertvolle Informationen.

Wir alle verdanken Edward Snowden sehr viel. Er hat Besseres verdient als die Feigheit der Bundesregierung – und auch wir, die Bevölkerung, hätten Besseres verdient gehabt als eine Regierung, die nur so tut, als wolle sie den Skandal aufklären, und ebenso nur so tut, als sei ihr am Schutz von Whistleblowern gelegen.

Zukunftsperspektiven dank mündiger Bürger

Der NSA-Untersuchungsausschuss bot einige spannende Einblicke in die Arbeit der deutschen Geheimdienste. Hochachtung gebührt den Journalistinnen und Journalisten, die diese komplexen Sachverhalte über Jahre hinweg unter Nutzung verschiedenster moderner Medien immer wieder beschrieben und erklärt haben.

Sein eigentliches Ziel, den NSA-Skandal lückenlos aufzuklären, hat der NSA-Untersuchungsausschuss jedoch nicht erreicht. Oder es wäre wohl eher zu sagen: das Ziel, das er im Sinne des Allgemeinwohls hätte haben sollen. Ziel der Bundesregierung war es wohl eher, die Bevölkerung zu beschwichtigen und so zu tun, als tue man etwas gegen die Exzesse der Geheimdienste. Ob das gelungen ist, sei dahingestellt. Ein Gutes nämlich haben die Geschehnisse der letzten Jahre: zunehmend mehr Menschen sind durch die Snowden-Enthüllungen auf die Themen Überwachung und Geheimdienste aufmerksam geworden und setzen sich kritisch damit auseinander. Das zumindest ist eine uneingeschränkt positive Entwicklung, die hoffentlich in den nächsten Jahren noch viel Gutes bewirken wird.


Image (adapted) Spying by mohamed_hamdy (CC0 Public Domain)


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Neue Tools für Opinary-User: Einbetten und weiterverbreiten

compass(image by Unsplash [CC BY 1.0] via Pixabay)

Cornelius Frey hat mehr als 10 Jahre im Ausland gelebt, als er Weihnachten 2012 nach Deutschland zurückkehrte. Während er für McKinsey & Co. in Nigeria arbeitete, blieb er auf dem neusten Stand über die Neuigkeiten aus Europa und war frustriert darüber, wie schwierig es war, öffentliche Meinungen über verschiedene Themen, die in den Schlagzeilen waren, zu messen und einzuschätzen.

Pia Frey, Cornelius’ Schwester, war Journalistin und Produktmanagerin in Deutschland und, wie viele im News-Business, unglücklich mit dem Stand herkömmlichen Kommentierens. „Ich war zutiefst verärgert über diese gestörte Beziehung zwischen den Herausgebern, den Redaktionen und den Nutzern. Die Herausgeber sagen nur immer zueinander: Lies nie die Kommentare“, erzählte mir Pia. Aus diesen Diskussionen erwuchs etwas, das später Opinary werden sollte, das von den beiden Frey-Geschwistern gegründete Start-up, das Herausgebern interaktive, einbettbare Tools zur Verfügung stellt, die die Meinungen der Nutzer messen. Max Meran ist der dritte Mitbegründer der Firma und Verantwortlicher für Partnerschaften. Cornelius ist der Vorstandsvorsitzende von Opinary und Pia ist Beraterin, die mit Herausgebern arbeitet.

Wie alles begann

Das Startup begann erstmals 2013 als Nebenprojekt mit dem Namen Pressekompass, was gleichzeitig der Name ihres ersten Produkts war. In den frühen Tagen von Opinary war Pia Studentin an der Axel Springer Akademie, einem Trainingsprogramm von Herausgebern. Sie nahm dann eine Rolle als Produktentwicklerin für Die WELT, ebenfalls bei Axel Springer, an. Die WELT war unter den ersten Anwendern von Pressekompass und den anderen Werkzeugen von Opinary.

Pia verbrachte den Sommer 2015 in der Bay Area, wo sie als Teil ihres Jobs bei Ozy, ebenfalls ein Unternehmen, in das Axel Springer investiert, arbeitete, um mehr über Strategien zu lernen, die Leser oder das Publikum mit einzubeziehen.  „Das war die erste Hilfe, die ich von ihnen bekam: Dass sie mich das haben machen lassen“, sagte sie. „Und dann haben sie es mich nicht nur machen lassen, sondern uns sogar massiv darin unterstützt, Kooperationen einzugehen und miteinander darüber nachzudenken: Wie können wir unsere Werkzeuge nutzen?“ Die Firma änderte vergangenen Januar ihren Namen in Opinary, weil sie weitere Werkzeuge über die ursprüngliche Kompassoberfläche hinaus einführte. Die Gründer wollten außerdem einen Namen, der für ein amerikanisches Publikum schmackhafter wäre, nachdem sie ihre Expansion in die USA planen.

Der interaktive Austausch von Gedanken

Von Beginn an ist es Opinarys Ziel, dass Nutzer ihre Meinungen zu bestimmten Themen ganz einfach und im Kontext zu dem, was andere darüber sagen, teilen können, während sie sich außerdem an laufenden Diskussionen über das Thema orientieren. Seine Überzeugungskraft für Herausgeber besteht darin, dass seine Werkzeuge es Nutzern ermöglichen, interaktiv Gedanken auszutauschen, ohne sich mit den Unannehmlichkeiten des Maßhaltens beim traditionellen Kommentieren herumschlagen zu müssen.

Das ursprüngliche Werkzeug, Pressekompass, veranschaulicht verschiedene Aspekte eines Themas – zum Beispiel ob eine rechtsorientierte Partei die jüngsten australischen Wahlen gewinnen könne – anhand eines Kompass und stellt dann die Positionen verschiedener Kommentatoren und Analysten basierend auf ihren Positionen grafisch dar. Leser können ihre eigenen Markierungen auf dem Kompass setzen um ihre eigen Position im Vergleich zu der anderer Nutzer zu zeigen. Das beliebteste Werkzeug von Opinary ist momentan das Speedometer, das ähnlich zum Pressekompass ist, es Nutzern aber nur erlaubt, Themen auf einer Achse zu bewerten. Nutzer können sich selbst auf dem Speedometer platzieren und zusehen, wie ihre Meinung den Durchschnitt verändert, der durch die Nadel repräsentiert wird.

Opinary hat einige verschiedene Schnittstellen eingeführt, darunter eine, die es Nutzern möglich macht, vorauszusagen, wie sich die Aktien entwickeln werden, eine, die sie sich selbst in einem politischen Spektrum platzieren lässt und einer, die die Leistung  von Fußballspielern bewertet. Außerdem werden laufend neue Werkzeuge entwickelt, so auch eines, dass Nutzer Filme oder Fernsehshows bewerten lässt. Zehn deutsche Nachrichtenzentralen nutzen Opinary derzeit und die Firma plant ihre Expansion in die USA. Cornelius hat diesen Frühling sechs Wochen in den USA verbracht und sich dort mit Investoren und Herausgebern getroffen. Er sagte, dass vier amerikanische Nachrichtenorganisationen die Werkzeuge in den nächsten Monaten nutzen werden, ihre Namen wollte er aber nicht verraten.

Über den Tellerrand von „Gefällt mir“-Angaben blicken

Typischerweise nutzen etwa 30 Prozent der Leser die Werkzeuge, die von Opinary auf einer Seite eingebettet sind, sagt Pia, bemerkt aber auch, dass dies von Seite zu Seite und von Thema zu Thema unterschiedlich ist. Sie arbeitet auch mit den Redaktionen an den besten Praxisumsetzungen, damit Herausgeber den Einsatz der Werkzeuge zu maximieren versuchen können. Ihre Seite umfasst insgesamt elf Mitarbeiter, darunter ein Redaktionsteam, das Grafiken entwirft, die Herausgeber auf ihren Seiten, basierend auf den Tagesneuigkeiten, einbetten können. Etwa zwei Drittel des Inhalts von Opinary wird von seinen eigenen Mitarbeitern entworfen, das andere Drittel wird von Herausgebern entworfen, die das CMS von Opinary nutzen.

Spiegel Online, die gesonderte digitale Präsenz der wöchentlichen Zeitschrift Der Spiegel in Deutschland, war der erste Abnehmer, der Opinary nutzte. Matthias Streitz, der Chefredakteur von Spiegel Online, sage, dass sich die Seite dazu entschieden hätte, Pressekompass zu nutzen, weil es fähig war, treffend zusammenzufassen, wie Kommentatoren und andere Abnehmer über Themen berichteten, während es außerdem eine einfache Beteiligung der Nutzer erlaubte.

„Es scheint banal, aber es ist eine Kombination von Elementen, die wir auf dem deutschen Markt zu dem Zeitpunkt so nicht hatten“, sagte Streitz. „Es machte intuitiv Sinn, als wir es sahen“. Spiegel nutzt die Schnittstellen von Opinary mit durchschnittlich 2,8 Artikeln pro Tag. Cornelius sagte, dass die frühe Partnerschaft mit Spiegel besonders hilfreich war, weil die Seite Rückmeldung über das Design zusammen mit Vorschlägen der Redaktion bot. Im März erhielt die Firma ihre erste Investition von außen: Eine Million Euro. Zuvor lief Opinary aus eigener Kraft; Cornelius sagte, dass die Gründer „nicht mehr als“ 50.000 Euro ihres eigenen Gelds investierten, weil die Firma begann, Einnahmen zu erzielen, als die Herausgeber anfingen für die Nutzung der Werkzeuge zu bezahlen.

Finanzierung mittels leserorientierter Werbung

Der nächste Schritt für Opinary ist die Monetarisierung. Als die Firma startete, mussten Herausgeber für die Nutzung der Werkzeuge zahlen, aber nun wird zu einem Umsatzanteil-Modell übergegangen, bei dem Herausgeber eine Kürzung an den Werbeanteilen jeder Werbung bekommen, die auf ihrer Seite gezeigt wird.

Nachdem ein Leser ein Werkzeug benutzt hat, erscheint eine Werbeanzeige, die zu dem Inhalt passt. Nutzt zum Beispiel ein Leser Opinary, um zu sagen, dass er einer Aktie optimistisch gegenüber steht, könnte eine Werbeanzeige für eine Online-Handelsplattform auftauchen, die dem Leser die Chance bietet, diese Aktie tatsächlich zu kaufen. Opinary bietet auch native Inhalte an, bei denen Marken ihre eigenen Ideen einbringen können.

Auf der anderen Seite versucht Opinary, Geld zu verdienen, indem es Marktrecherchen und Umfragen durchführt. Es arbeitet daran, Mechanismen zu entwickeln, die es Firmen oder Kampagnen erlauben, die anonymisierten Daten, die aus den Werkzeugen errechnet werden, zu verwerten, zusammen mit zusätzlichen Fragen über beispielsweise das Alter oder Geschlecht.

„Werden wir die Typen sein, die es schaffen, einen 50-minütigen Fragenkatalog mit 60 Fragen über ein superdetailliertes Thema abzufragen? Nein.“, sagte Cornelius. „Aber wir können Markenunternehmen ein breites, relevantes und interessantes Panel bieten, und das sehr schnell, weil wir jetzt schon jeden Tag mit Millionen Leuten reden.“

„Wenn sie erstmal die Werbung in das Werkzeug integriert haben, werden wir die Einnahmen teilen, aber im Moment funktioniert das noch nicht.“, sagte Streitz vom Spiegel Online. „Das ist vielleicht das große Fragezeichen, das über diesem Projekt hängt: Werden sie es schaffen, es zu monetarisieren? Ich finde die Idee prinzipiell gut, und ich mag die Leute, mit denen wir arbeiten, aber trotzdem habe ich es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht funktionieren sehen.“

Ganz oder gar nicht!

Das ist ganz offensichtlich eine der Schlüsselfragen. Nachdem die Nachfrage der Herausgeber zugenommen hat, haben die Gründer von Opinary festgestellt, dass es unhaltbar war, die Firma als Nebenprojekt oder Halbzeitbeschäftigung zu führen. Pia verließ die WELT und auch Cornelius gab seine Stelle auf und zog letzten Herbst zurück nach Deutschland. Meran, der für McKinsey in Südafrika arbeitete, kehrte ebenfalls nach Deutschland zurück. „Opinary ist in Hinsicht auf die Reichweite und das Potenzial für Herausgeber und das Interesse von Investoren und Marken sehr schnell gewachsen“, sagte Pia. „Es ist mein Baby. Ich könnte jemanden finden, der dieses Baby für mich großzieht oder ich könnte es selbst tun. Jemand anderen zu finden, war keine Option für mich.“

Jan-Eric Peters, der nun Upday führt, das gemeinsame Handyprodukt von Axel Springer und Samsung, führte damals die Axel Springer Akademie und war Pias Chef bei Die WELT. Er sagte, dass er sie das Start-up verfolgen ließ, während sie bei der Zeitung arbeitete, weil digitale Innovation wichtig für die Hinterlassenschaft von Abnehmern ist.

„Manche würden sagen, dass es schade ist, dass Pia die WELT verlassen hat, nachdem wir so viel Mühe in sie gesteckt haben“, sagte er mir in einer Email. „Meine Sicht darauf ist anders. Wir brauchen Menschen in unserer Industrie, die den (traditionellen) Medien helfen, im digitalen Zeitalter bessere Leistungen zu erbringen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „compass“ by Unsplash(CC BY 1.0)


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Ohne bessere Finanzierung der Zivilgesellschaft scheitert der digitale Wandel

SAVE THE DATE Wir müssen über Geld reden - Unconference für die (digitale) Zivilgesellschaft - by Sebastian Haselbeck

Wann haben Sie das letzte mal für eine digitalpolitische Initiative gespendet? Wissen Sie, welche Mittel die digitale Zivilgesellschaft in Deutschland hat, im Vergleich mit Tierschutzorganisationen, dem ADAC oder ihrem Sportverein? Weil die Digitalisierung so rapide und tiefgreifend in unsere Gesellschaft eingreift, darf diese nicht nur von politischen und wirtschaftlichen Interessen alleine getrieben sein, es braucht auch eine starke Zivilgesellschaft, damit Deutschland die digitale Transformation erfolgreich und fair gestalten kann. Eine starke Zivilgesellschaft sichert Teilhabe großer Teile der Bevölkerung und schützt die Grundrechte. Dafür braucht sie eine solide Finanzierung, doch daran mangelt es.

Die Zivilgesellschaft aggregiert gesellschaftlichen Willen und Expertise abseits parteipolitischer Zwänge und wirtschaftlicher Interessen. Diese meist ehrenamtliche Arbeit kostet Geld. Die Vorstellung, der Motor unserer lebhaften Zivilgesellschaft würde allein von der Motivation und dem Schweiß selbstloser Idealisten angefeuert, ist ein Trugschluss. Gleichwohl mischen sich heute so viele Menschen ein wie nie zuvor. Viele ehrenamtlich engagierte Menschen tun dies zusätzlich zu einer Erwerbstätigkeit und haben oft mehr als nur ein gemeinnütziges Amt inne. Den meisten Organisationen der digitalen Zivilgesellschaft mangelt es an Ressourcen, um ihrer gesellschaftlichen Rolle nachhaltig und konsequent nachzugehen. Dabei ist eine aktive Zivilgesellschaft neben einer unabhängigen Presse ein ganz wesentlicher Bestandteil von Demokratie und Pluralismus, vor allem in Zeiten des Wandels.

Ohne Ressourcen keine Ideen

Mangelnde Ressourcen für die politische Arbeit und für Herausforderungen bei der kritischen Durchleuchtung der Treiber und Profiteure des Wandels der Gesellschaft, fehlende professionelle Koordination, Ressourcenmangel bei der Sicherstellung der Nachhaltigkeit von zivilgesellschaftlichen Engagement, Talentschwund und brachliegende Projektideen oder verpuffende Wirkung großartiger Ideen sind nur ein paar der Folgen. Vor allem in neueren Themenbereichen wie der Digitalisierung tun sich Vereine, Stiftungen und Initiativen besonders schwer, nachhaltig Mittel zu akquirieren.

Dies hat fatale Folgen für unser Land, denn nur eine aktive Zivilgesellschaft kann der Politik als fähiger Partner zur Seite stehen, gesellschaftlich nicht wünschenswerte Tendenzen kontrastieren und Gegengewicht für kurzfristige kommerzielle Agenden sein. Die Zivilgesellschaft ist meist getrieben von Idealen und langfristigen Vorstellungen, während viele Politiker und Konzerne in der Regel kurzsichtig agieren und die gesamtgesellschaftlichen Interessen nicht in dem gebotenen Maß berücksichtigen.

Beispiel Frequenzauktion: Als Rundfunkfrequenzen durch die Abschaltung des analogen Fernsehens frei wurden, kamen bei der Auktion nur eine Handvoll großer Konzerne zum Zug, zivilgesellschaftliche Initiativen wie Freifunk nicht. Überlegungen, diese Bandbreiten zum Erschließen von vom Internet ausgeschlossener Regionen zu nutzen (wie es beispielsweise in der snv-Studie dargelegt wird), wurden ignoriert. Der digitale Wandel birgt reihenweise unglaublich wichtige Themen und Chancen, die für unsere Gesellschaft langfristig von immenser Bedeutung sind. Doch im Gegensatz zu etablierten Politikfeldern gibt es keine ausreichend einflussreiche Stimme aus der Zivilgesellschaft für die digitalen Themen, die so neu, abstrakt oder technisch sind, dass häufig noch keine klassisch institutionelle Kapazitäten dafür zur Verfügung stehen.

Die Interessensgruppen einbeziehen

Neben der Wissenschaft und Forschung legt die transparente und vielfältige Beeinflussung von Politik durch Interessengruppen die intellektuelle Basis für politisches Handeln. Zu letzterem gehört auch eine gesunde, starke Zivilgesellschaft ähnlich wie etwa in den Bereichen Naturschutz, Bildung oder Sport, um gesellschaftlichen Ideen und Wünschen politisches Gehör zu verschaffen oder verschaffen zu wollen – Deutschland hat beim digitalen Wandel viel aufzuholen. Das können wir nur zusammen mit den vielen in der Gesamtgesellschaft verstreuten Gestaltern schaffen. Politik und der Wirtschaft müssen diese Gestalter auch institutionell einbeziehen. Notwendig ist auch auf den traditionellen Feldern der Zivilgesellschaft mehr Bewusstsein für digitale Themen. Beides zusammen kann auch die Finanzierungsproblematik mindern.

Das Magazin Politik Digital hat 2014 exemplarisch eine Umfrage in der Vereinswelt Berlins gestartet und sich erkundigt, wie es um die Finanzierung der digitalen Szene bestellt ist. Das Ergebnis: schlecht. Zwei Jahre später sieht es kaum besser aus. Während sich in anderen Ländern auch im Bereich der Digitalen Transformation längst eine Professionalisierung der Zivilgesellschaft entwickelt, wie man sie in hierzulande noch am ehesten aus dem Sportbereich kennt, sieht es in Deutschland eher mau aus.

Kaum eine Chance für die digitale Szene

Es braucht aber dringend mehr Bewusstsein bei Geldgebern und Bürgern für die Notwendigkeit, den digitalen Wandel auch zivilgesellschaftlich viel stärker zu fördern, damit dieser Bereich langfristig arbeiten kann und die teils horrenden Belastungen einzelner Freiwilliger besser zu stützen vermag. Der digitale Wandel scheint den Deutschen aktuell einfach zu wenig Wert zu sein. Konrad Lischka hatte das mal pro Kopf umgerechnet, die Situation heute ist wohl noch nicht besser.

Auch wenn sich in Deutschland kurzfristig wohl kaum einzelne Großspender für abstrakte digitalpolitische Themen und Initiativen finden werden, ist es dennoch notwendig, die Suche nach Mäzenen nicht aufzugeben. Genauso wie sich diverse industriegetragene Stiftungen etabliert haben, um die heutige Bundesrepublik gesellschaftlich mit zu gestalten, brauchen wir auch in den “neueren” Wirtschaftsbereichen mehr, größeres und vielschichtigeres Engagement in den finanziellen Größenordnungen von Mohn, Quandt, Krupp oder Albrecht. Darüber hinaus müssen sich auch öffentliche Fördermittelstrukturen stärker wandeln und den neuen Gegebenheiten anpassen.

Die Digitalisierung verlangt schnellere Finanzierungsvehikel, mehr Flexibilitäten, interdisziplinäre Ansätze und ein höheres Maß an Riskofreudigkeit, egal ob Investitionen, Grants oder Kofinanzierung durch die öffentliche Hand. Zu viele Gelder sind heute an unflexible und starre Fördervorgaben der analogen Welt geknüpft, die weitgehend in den Logiken der 80er Jahre verhaftet sind. Ganz konkret müssen in diesem Zusammenhang auch gesetzliche Bestimmungen her, um den Umgang mit öffentlich geförderten Unterfangen zukunftssicher, fair und transparent zu gestalten. Dazu gehören mehr flexible Ressourcen, aber auch Regelungen, die öffentlich gefördertes Wissen und wissenschaftliche Erkenntnisse für alle zugänglich machen.

Profi-Kampagnen statt verschleierter Lobbyarbeit

Die Unabhängigkeit von gemeinnütziger Arbeit darf auch in den digitalen Politikbereichen nicht unter einseitig vorhandenen Mittelstrukturen leiden. Wie bei allen anderen Themen erleben wir auch bei der Digitalisierung starke Interessenskonflikte, institutionelle ausgetragene Eigeninteressen oder verpackte Lobbyarbeit. Ein wichtiges Gegengewicht dafür ist eine professionellere Kampagnenarbeit, größere Sponsoring-Bereitschaft bei Unternehmen jenseits der großen IT-Multis und vor allem Spendenbereitschaft bei Einzelpersonen. All dies hängt stark miteinander zusammen, denn ohne entsprechende Aufklärungsarbeit bleibt die Komplexität digitaler Themen weiterhin ein großes Hindernis für breite Zugänglichkeit. Diese Aufklärungsarbeit kostet Ressourcen.

Auf einem Barcamp Mitte August, initiert von den beiden Autoren dieses Artikels, Christian Heise (u.a. Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. und Förderverein freie Netzwerke e.V.) und Sebastian Haselbeck, soll erstmals dezidiert darüber gesprochen werden, wie sich die digitale Zivilgesellschaft bei der Finanzierung nachhaltiger aufstellen kann und welche Folgen, Auswirkungen und Einfluss von Tätigkeiten im Spannungsfeld zwischen Ehrenamt und Beruf entstehen. Das Unconference-Konzept wird derzeit noch in einem Etherpad finalisiert. Darin heisst es aktuell:

„Auch wenn mit der (digitalen) Zivilgesellschaft meist der Raum zwischen Staat, Wirtschaft und Gesamtgesellschaft gemeint ist, ist dieser Bereich aus vielen Gründen nicht wirtschaftsfrei. Professionelles zivilgesellschaftliches Engagement braucht eine stabile Finanzierung, um politische und legislative Prozesse langfristig begleiten zu können. Verglichen mit Bereichen wie etwa dem Umwelt- und Naturschutz ist die Spendenbereitschaft und -kapazität der Zivilgesellschaft beim Thema digitale Bürgerrechte deutlich geringer. Jeder neue Akteur in diesem Feld verschärft den ohnehin bestehenden Wettbewerb um finanzielle Ressourcen noch weiter. Auf der Suche nach neuen Geldquellen rücken auch Wirtschaftsunternehmen in das Blickfeld digitaler Bürgerrechtsgruppen. Auf dieser Unconference soll sich alles um die Fragen nach den möglichen Grenzen, Auswirkungen und Folgen wirtschaftlicher Durchdringung der (digitalen) Zivilgesellschaft drehen. Fragen wollen wir auch nach den Folgen und Auswirkungen beruflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit zivilgesellschaftlicher Akteure sowie nach ethischen Aspekten der ehrenamtlichen Arbeit im digitalen Zeitalter.“

Interessierte können sich zur Teilnahme bereits per Facebook Event, im Pad oder per E-Mail anmelden. Vorschläge für einen Tagungsort sind natürlich noch willkommen. Auf der Veranstaltung sollen idealerweise Diskussionen darüber stattfinden, welche ethischen Grundsätze beim Sponsoring wichtig sind, wie Ehrenamt, Beruf und Privatleben vereinbar sind, wie groß die potentielle Konkurrenz um die wenigen Finanzmittel ist, wie erfolgversprechend thematische Fokussierung von Organisationen sein könnte und vor allem, wie bessere Außenkommunikation beim Fundraising helfen kann. Besondere Aufmerksamkeit könnte auch der Frage zukommen, welche hybriden Modelle aus GmbHs, Investoren, Stiftungen und Vereinen möglicherweise zukunftsweisend sein könnten.

SAVE THE DATE: Wir müssen über Geld reden – Unconference für die (digitale) Zivilgesellschaft

Dieser Text steht unter einer Creative Commons BY (Sebastian Haselbeck und Christian Heise) 4.0 DE Lizenz.


Image by Sebastian Haselbeck


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • PRESSE Heise: Die weltweite Gefährdung der Pressefreiheit: Am 3. Mai jährt sich der Internationale Tag der Pressefreiheit zum 23. Mal. Er macht seit 1994 auf die Bedeutung der freien Presse für das Bestehen von Demokratie aufmerksam. Jedes Jahr berichtet im Vorfeld die Organisation Reporter ohne Grenzen von den aktuellen Arbeitsbedingungen der Journalisten auf der ganzen Welt. In diesem Jahr fällt die Bilanz eher ernüchternd aus. Auch in Deutschland fühlen sich Journalisten zunehmend in ihrer Arbeit bedroht.
  • DATENSCHUTZ WIRED: So leicht können Fremde euer Telefon abhören: Bei all den Skandalen um das Ausspionieren von Daten ist es wenig verwunderlich, dass auch unsere Telefonate vor niemandem wirklich sicher sind. Erneut in den Fokus gerückt ist die Problematik durch den Berliner Sicherheitsforscher Karsten Nohl, der in einer US-Sendung einen Hackerangriff auf das Telefon eines US-Kongressabgeordneten demonstrierte. So bewies er, dass es nur die Telefonnummer benötigt, um auf persönliche Gespräche, Textnachrichten und den Standort einer Person zuzugreifen – auch über Landesgrenzen hinaus.
  • GOOGLE Digiday: Publishers find Google’s AMP speeds up pages, but ads are still slow: Neben den Instant Articles bei Facebook bietet seit einer Weile auch Google eine mobile Alternative für Herausgeber an. Die AMP-Artikel von Google News haben eine kurze Ladezeit und werden von großen Zeitungen wie der Washington Post oder der New York Times ebenso genutzt, wie die Instant Articles der Konkurenz. Allerdings sind die AMPs wohl noch nicht ganz so ausgereift wie letztere, denn die Ladezeiten der Werbeanzeigen hat sich, im Gegensatz zu denen der Artikel, wenig verringert.
  • WISSENSCHAFT Cnet: At one with the cosmos: Researchers delve into the Overview Effect: Wenn Astronauten die Erde das erste Mal vom Weltraum aus betrachten, werden sie alle von einem Gefühl überwältigt, das als Overview Effect bezeichnet wird. Er beschreibt, wie sich für einen Moment die Perspektive auf das Leben und das Zugehörigkeitsgefühl zum blauen Planeten ändert. Wissenschaftler wollen diesen Effekt in Zukunft für alle Menschen erlebbar machen, um das Bewusstsein für die eigene Verantwortung unserer Umwelt zu wecken. Hilfreich könnte dafür Virtual Reality sein, die eine virtuelle Reise ins Weltall für jeden möglich machen könnte.
  • TTIP Handelsblatt: Die Angst der Bürger wächst: Die Skepsis gegenüber dem Handelsabkommen TTIP scheint immer größer zu werden, sowohl in Deutschland, als auch in den USA. Laut einer Studie ist die Zahl der Befürworter seit 2014 gesunken. Grund dafür ist laut Aussagen der Befragten vor allem die geringe Transparenz. Über die Ausmaße des Abkommens würden die Bürger zu wenig informiert. Interessant ist, dass die Zustimmung der Amerikaner zum Freihandel generell in den letzten Jahren gestiegen ist.

Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Medien werden zunehmend als korrupt wahrgenommen

Apollo 11 Video Restoration Press Conference_Newseum (adapted) (Image by NASA Goddard Space Flight Center [CC BY 2.0] via Flickr)

Laut einer aktuellen Umfrage von Transparency International wird die Presse in Deutschland zunehmend als bestechlich wahrgenommen. Noch korrupter werden hierzulande lediglich Unternehmen und die Politik empfunden.

In einer Demokratie wie der Bundesrepublik Deutschland gilt die Presse als vierte Staatsgewalt. Ihre Aufgabe bestand stets darin, die drei Gewalten der Gesetzgebung, Vollziehung und Rechtsprechung im öffentlichen Interesse effektiv zu kontrollieren. Heutzutage funktioniert diese Kontrollfunktion aus verschiedenen Gründen immer schlechter. So manches Nachrichtenmagazin hat in den letzten 30 Jahren viel von seinem Biss verloren. Kein Wunder, wenn auch der Leser etwas davon bemerkt und die Presse bei den korruptesten Organisationen Deutschlands recht weit vorne anstellt.

 

Für das Korruptionsbarometer von Transparency International wurden weltweit 114.000 Personen in 107 verschiedenen Staaten befragt. Hierzulande landete die Presse auf dem dritten Platz der korruptesten Organisationen. Lediglich privatwirtschaftliche Unternehmen und die Politiker erschienen den Befragten noch korrupter als private wie öffentlich-rechtliche Medienhäuser. Vor allem in den letzten drei Jahren ist in Deutschland das Ansehen der Journalisten stark gesunken.

Wer nach den Ursachen sucht, muss sich in dieser Branche nur kurz umsehen. Viele Unternehmen sind bei ihrem Übergang von einem Printmedium zum Internet noch immer auf der Suche nach einem passenden und somit lukrativem Geschäftsmodell. Zahlreiche Verlage mussten hohe Verluste bei der Zahl der Abonnenten ihrer Publikationen hinnehmen. In diesem Zusammenhang muss auch die Abhängigkeit von den Auftraggebern von Werbeanzeigen ganz neu beleuchtet werden. Kein Wunder, wenn bei derart klammen Verhältnissen der eine oder andere Artikel wegfällt, weil man sich mit einer kritischen Berichterstattung keinen Großkunden vergraulen will.

Doch auch die Journalisten selbst werden immer schlechter bezahlt. Der Trend geht vom Festangestellten zum Freiberufler oder im Extremfall hin zum permanenten Praktikanten. Einerseits sorgte dies in den letzten Jahren zu einer wahren Abwanderungswelle in Richtung der wesentlich besser bezahlten Werbebranche. Andererseits sind finanziell schlecht abgesicherte Mitarbeiter stets am ehesten gefährdet, sich kaufen zu lassen. Natürlich leidet unter der finanziellen Notlage auch die Qualität der Recherche. Niemand kann auf Dauer ernsthaft von einem Journalisten wochenlange Nachforschungen erwarten, wenn dies von seinem Auftraggeber nicht entsprechend entlohnt wird. Eine kritische Berichterstattung hilft natürlich auch bei der Korruptionsbekämpfung und Aufdeckung von privatwirtschaftlichen oder politischen Skandalen. Leider fehlt immer häufiger das Geld für aufwendige Erkundigungen, die derartige Skandale ans Tageslicht bringen würden.

Daneben kritisieren viele Befragte, dass die öffentlich rechtlichen Sendeanstalten zu intransparent seien. Transparency Deutschland stellt deswegen die Forderung auf, die Rundfunkanstalten sollen künftig jedes Jahr einen detaillierten Bericht über die Verwendung ihrer Einnahmen aus der Haushaltspauschale erstellen und der Öffentlichkeit frei zur Verfügung stellen. Ohne jeden Zwang wird das aber kein Sender tun.

Der Bundesvorsitzende des DJV, Michael Konken, forderte die Medienunternehmen auf, sie sollen die wirtschaftliche Basis ihrer journalistisch tätigen Mitarbeiter stärken. Insbesondere Freiberufler müssten in die Lage versetzt werden, auch in Zukunft von ihren Aufträgen leben zu können. Da die Glaubwürdigkeit von Online-Portalen, Zeitungen, Zeitschriften und dem Rundfunk so sehr gelitten hätte, sei es nun höchste Zeit gegenzusteuern. Doch Konkens Warnungen gehen darüber hinaus. Sollten die Konsumenten den Eindruck gewinnen, man hebe die Trennung zwischen sachlichen Inhalten und Werbebotschaften komplett auf, würde es fatal.

Im Web ist diese Vorgehensweise bei manchen Anbietern leider schon Gang und Gäbe. Sogenannte Advertorials, teils als Artikel getarnte Berichte, die man gerne ungekürzt von PR-Agenturen übernimmt, werden immer häufiger von Online-Portalen benutzt, um zusätzliche Inhalte und Einnahmen zu generieren. Wie die Öffentlichkeit die zunehmend verschwommenen Grenzen beurteilen wird, dürfte schon jetzt klar sein. Dafür muss man eigentlich nicht das nächste Korruptionsbarometer von Transparency International abwarten. Die Unabhängigkeit und Qualität der Medien müsse langfristig gewährt werden, wird allerorts gefordert. Wie dies anzustellen sei, darüber schweigt man sich leider aus.

Wer sich mit dem Thema tiefergehend auseinandersetzen möchte, den englischsprachigen Bericht kann man sich von hier herunterladen.


Image (adapted) „Apollo 11 Video Restoration Press Conference/Newseum“ by NASA Goddard Space Flight Center (CC BY 2.0)


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Zukunft Zeitung, mehr Flexibilität gefordert?

Dank dem Internet ist Informationsübermittlung wesentlich einfacher, aktueller und vielfältiger geworden. Davon sollten doch alle, vor allem auch die regionalen Zeitungen profitieren. Doch warum verliert die Tages- und Regionalzeitung immer mehr an Gewicht? Warum geht die Anzahl der Leser stetig zurück?

Vergangene Woche fragte der Blogger Richard Gutjahr 6 sogenannte Medienprofis, wie die Zukunft der Zeitung aussehen wird. Allen war klar, dass die Printmedien sich verändern müssen. Warum, hat ein 18-jähriger Schüler in einem Kommentar unter dem Blogpost am besten zusammengefasst. Für Netzpiloten.de hat Benedict Schultheiß seine Ansichten noch einmal niedergeschrieben.

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