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  • POST Tagesspiegel: Post testet Begleit-Roboter für Briefträger: Immer mehr Menschen bestellen am liebsten bequem von Zuhause bei sämtlichen Online-Shops und lassen sich die Ware direkt vor die eigene Haustür liefern. Daher testet die nordhessische Kleinstadt Bad Hersfeld derzeit sechs Wochen lang den sogenannten Postbot. Hinter diesem versteckt sich ein vierrädriger Roboter mit einer Höhe von 1,50 Meter, der dem Postboten hinterherfährt und so 150 Kilo Briefe und Pakete transportiert. Eingebaute Sensoren sorgen dafür, dass der Postbot die Beine des Zustellers erkennt und ihm somit in Schrittgeschwindigkeit folgen kann. Die Angst dahinter, dass der Postbot Arbeitsplätze wegnehmen könnte, ist allerdings unbegründet. Der Roboter ist vielmehr ein Helfer, der die Arbeit der Zusteller und Postboten, die die Post zu Fuß austragen müssen, erleichtern soll.

  • WHATSAPP Welt: WhatsApp bekommt eigene Emojis und so sehen sie aus: Emojis sind aus unseren Chats gar nicht mehr wegzudenken. Das Unicode-Konsortium entscheidet darüber, welche Emojis verfügbar sind, doch kann sich das Design je nach Plattform, Betriebssystem und Hersteller leicht unterscheiden. Bisher hat man auf Whatsapp die Emojis von Apple vorgefunden – auch auf Android-Geräten. Allerdings gibt es derzeit eine Betaversion des Messengers, auf der es nun von Whatsapp entworfene Emoticons geben wird. Bisher sind die Unterschiede kaum erkennbar und erst beim zweiten Mal hinsehen, werden diese teilweise sichtbar. Leicht abgeänderte Frisuren oder Kleidungen von Personen oder andere Farben deuten auf eine Veränderung hin. Dazu können Nutzer sich allerdings auf ganz neue Emojis wie Fantasy-Figuren freuen. Unklar ist jedoch, wann das neue Design bei Whatsapp zu finden sein wird.

  • GOOGLE Chip: Angriff auf Amazon: Google bringt smarten Lautsprecher zum Schleuderpreis: Google setzt mit seinen smarten Lautsprechern jetzt auch auf einen guten Klang. Beim neuen vernetzten Lautsprecher Google Home Max wurden daher zwei Tieftöner, Hochtöner und empfindliche Mikrofone im Inneren verbaut, damit Sprachbefehle auch bei lauter Musik deutlich verstanden werden können. Zudem soll der neue Lautsprecher die beste Tonabstimmung ermitteln können. Hier kann das Gerät seine Position und Umgebung besser einschätzen und somit den Ton entsprechend anpassen. Schon ab Dezember soll der smarte Lautsprecher für etwa 400 US-Dollar – vorerst in den USA – auf den Markt kommen.

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Instagram: So gewinnst du Reichweite und bekommst mehr Likes

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Wohl kein soziales Netzwerk hat in den letzten Monaten ein solches Wachstum verzeichnen können wie der Foto-Dienst Instagram (Download im Google Play Store). Der Grund liegt auf der Hand: Die mobilen Schnappschüsse können unkompliziert mit schicken Filtern versehen und anschließend direkt mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Doch vor allem in der Anfangsphase bekommen die Bilder meist nur wenige Follower zu Gesicht und so lässt Popularität auf sich warten. Abhilfe können unsere Tipps und Tricks schaffen.

1. Nutze mehr und richtige #Hashtags

Hashtags wurden ursprünglich für den Kurznachrichtendienst Twitter entwickelt, um eine bessere Sortierung der Tweets zu erreichen. Nach und nach haben auch andere soziale Netzwerke diese Keyword-Funktion übernommen – so auch Instagram. Hashtags sind mittlerweile in aller Munde und werden hin und wieder missbraucht, um ganze Wortgruppen zu vertaggen. Das mag zwar cool aussehen, hat aber keine Auswirkungen auf die Reichweite deiner Posts. Schlauer ist es da schon, einzelne Wörter zu vertaggen, die den Inhalt näher klassifizieren.

Das können Orte (#Alpen, #Meer oder auch #Berlin) und deren Sehenswürdigkeiten (#Fernsehturm, #Reichstag oder #Olympiapark) sein. Aber auch Gegenstände (#Bike, #Sonne, #Kaffee) oder Situationen (#Relax, #MorningGlory, #Spring, #Abenteuer) sein. Beliebte Tags sind unter anderem auch #igersgermany für „Instagramers Germany“ oder auch #igersoftheday.

Welche Hashtags häufig genutzt werden, verrät dir Instagram selbst. Sobald du das Hashtag-Zeichen und ein paar Buchstaben eintippst, schlägt dir Instagram passende Stichwörter vor. Dabei solltest du Hashtags sowohl in deutscher als auch englischer Sprache nutzen.

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Hashtags helfen beim schnellen Finden von Inhalten. Screenshots by Jonas Haller

2. Poste auf Englisch

Da komme ich auch direkt zum zweiten Punkt: Poste in englischer Sprache. Die Weltsprache Nummer 1 erreicht deutlich mehr Menschen als die deutsche Sprache. Zudem verstehen mehr Menschen deine Botschaft. Doch Vorsicht: Zwar kannst du den Text noch nachträglich ändern, allerdings sollten Rechtschreibung und Grammatik auch auf Englisch stimmen. Falls du unsicher bist, poste lieber in deutscher Sprache und verwende die passenden englischen Hashtags.

3. Verlinke Orte, Personen und Unternehmen

Seitdem es Instagram gibt, können Orte hinterlegt sowie Dritte sowohl im Bild als auch im Text verlinkt werden. Nutze diese Funktion ausgiebig! Merke dir den Ortm an dem du das Foto aufgenommen hast und verlinke ihn bei „Ort hinzufügen“. Auch eine Erwähnung im Text in Form von Hashtags wie #Berlin, #igersberlin oder #berlinstagram bringen Reichweite und damit auch Likes.

Oft sind neben dir auch andere Menschen auf dem Foto zu sehen. Verlinke befreundete Instagram-Nutzer auf deinen Aufnahmen, um anderen die Möglichkeit zu geben auch andere Konten kennenzulernen. Wie bei den anderen sozialen Netzwerken zählt auch bei Instagram: Sharing is caring. Das gilt ebenso für Unternehmen und Produkte, die auf den Fotos abgebildet sind. Natürlich solltest du dabei das richtige Maß finden und nicht jedes Detail verlinken – das nagt an deiner Glaubwürdigkeit und du wirst schnell als Werbefigur verstanden.

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Die Bearbeitungsmöglichkeiten bei Instagram sind vielfältig. Screenshots by Jonas Haller

4. Qualität statt Quantität

Ihr kennt sie sicher alle: Instagram-Nutzer, die zu jeder erdenklichen Situation ein (teilweise schlechtes) Foto posten und sich damit profilieren wollen. Auch wenn immer mehr Nutzer das Netzwerk zur Ablage ihrer persönlichen Fotos nutzen, solltest du bewusst bestimmte Inhalte veröffentlichen. Wie so oft zählt: Qualität statt Quantität. Das beginnt schon beim Bildaufbau und der Perspektive. Nimm dir für ein Foto (oder eine Fotogalerie) lieber etwas mehr Zeit und passe es nach deinen künstlerischen Vorlieben an, als die Inhalte einfach in das Netzwerk „zu rotzen“. Die Möglichkeiten sind mittlerweile schier unbegrenzt und die Bildbearbeitungsfunktionen reichen schon fast an vollwertige mobile Bearbeitungssoftware wie Lightroom Mobile heran.

5. Nutze die Share-Funktion von Instagram

Falls du noch andere soziale Netzwerke nutzt, dann verwende die Share-Funktion. Mit ihrer Hilfe können die Aufnahmen unkompliziert und automatisiert bei Facebook, Twitter und Co. geteilt werden. Etwas schade beim Netzwerk mit dem Vögelchen: Bilder werden nicht direkt in der Timeline, sondern lediglich als Link angezeigt. Wer die Fotos direkt in seiner Twitter-Medienbibliothek finden will, kann auf den Dienst IFTTT zurückgreifen. Per passendem „Rezept“ – so werden die Mikroprogramme genannt – kannst du Inhalte direkt bei Twitter veröffentlichen oder auch in deiner Dropbox speichern. Eine Auswahl dazu gibt es in der passenden Android-App.

Dieser Artikel erschein zuerst auf Androidpiloten.


Images by Jonas Haller


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Warum Bewerbung 2.0 in Deutschland noch Zukunftsmusik ist

Bewerbung (adapted) (Image by loufre [CC0 Public Domain] via pixabay)

Instagram statt Lebenslauf, Xing statt Anschreiben, YouTube statt Vorstellungsgespräch. Ganz klar: Der Bewerbungsprozess findet vermehrt über das Internet statt, auch über Social-Media-Kanäle. Doch ist die Bewerbung 2.0 wirklich das NonPlusUltra bei der Stellensuche in Deutschland?

Rekrutierung über Soziale Netzwerke hat Seltenheitswert

Ganz so einfach lässt sich das nicht beantworten. Denn während das Internet für fast alle Unternehmen die klassische Printanzeige und die Bewerbung per Post abgelöst hat, hat Social-Media-Recruiting in Deutschland noch Seltenheitswert. Eine Befragung unter deutschen Bewerbern und Personalern in Unternehmen durch den Personaldienstleisters Adecco Group zeigt, dass 2014 mehr als 20 Prozent der Unternehmen Soziale Netzwerke nutzen, allerdings nicht vorwiegend für den Bewerbungsprozess. Nur rund 42 Prozent der Unternehmen nutzt demnach Social Media, um Bewerber zu finden und weniger als ein Drittel der befragten Bewerber wurde jemals über ein soziales Netzwerk rekrutiert.

Auch ein Blick auf die genutzten Kanäle zeigt, dass die Personaler noch sehr klassisch unterwegs sind. Wenn ein soziales Netzwerk im Recruiting in Deutschland genutzt wird, ist das vorwiegend Xing. Nur 20 Prozent der Personaler nutzen Facebook und Instagram-Profile werden gar nur von etwa 2 Prozent der HR-Verantwortlichen angeschaut. Von Videobewerbungen oder Recruitinganfragen per WhatsApp sind die meisten Unternehmen hierzulande noch weit entfernt. Als Hauptgrund nennen Unternehmen in der Adecco-Studie die Tatsache, dass sie generell herkömmliche Bewerbungsprozesse bevorzugen.

Anschreiben und Lebenslauf sind in Deutschland nach wie vor der Klassiker

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Image by Robindro Ullah

Insgesamt läuft der Bewerbungsprozess in Deutschland immer noch sehr traditionell ab“ , bestätigt HR-Experte und Recruitingfachmann Robindro Ullah im Gespräch mit den Netzpiloten. „Auch wenn natürlich die Mehrheit der Unternehmen im deutschsprachigen Raum Onlineplattformen für die eigene Stellenausschreibung nutzt und Bewerber Unterlagen per E-Mails versenden, sind der Lebenslauf und das Anschreiben immer noch Standard“ , erklärt Ullah.

Offensichtlich ist das Paket aus Lebenslauf und Anschreiben noch so wichtig, dass sich mittlerweile ganze Unternehmen diesem Thema widmen. Startups wie Dein-Lebenslauf.com oder richtiggutbewerben.de haben hier einen lukrativen Markt entdeckt und bieten Bewerbern Hilfe bei der Erstellung ihrer Bewerbungsunterlagen. Das Angebot reicht dabei von einer Durchsicht und Korrektur bis hin zur kompletten Erstellung der Bewerbungsunterlagen. Preislich liegt die Optimierung der eigenen Unterlagen bei richtiggutbewerben.de aktuell bei 67 Euro, ein Komplettpaket aus Deckblatt, Anschreiben und Lebenslauf als Word- und PDF-Datei im schicken Design kostet 149 Euro.

Auch ein Aufpeppen der Social-Medial-Profile bietet das Onlineunternehmen an. Allerdings seien das Komplettpaket aus Lebenslauf und das Anschreiben nach wie vor der Renner unter den Kunden, berichtet Marketing-Manager Christian Scherer von richtiggutbewerben.de gegenüber den Netzpiloten.

Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen kümmern sich dabei um die Kunden. „Wir haben ehemalige Personaler im Team, genau so wie Mitarbeiter aus der naturwissenschaftlichen oder kulturwissenschaftlichen Branche und natürlich auch Formulierungsexperten. Wir wollen schließlich für jeden einzelnen Kunden die bestmögliche Bewerbung zusammenstellen“ , erklärt Scherer. Standardvorlagen oder formelhafte Formulierungen seien daher ein absolutes Tabu, jeder Kunde erhalte ein individuelles Angebot.

Bewerbungs-Ghostwriter machen HR-Abteilungen das Leben leichter

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Image by richtiggutbewerben.de

Über mangelnde Nachfrage kann sich das Startup nicht beschweren. Die Kundschaft ist dabei sehr gemischt. Es sind ältere Kunden dabei, die Orientlierungshilfe im veränderten Jobmarkt brauchen, genauso wie Berufseinsteiger, die sich erste Tipps holen. „Wir haben auch beispielsweise Ingenieure als Kunden, die nicht gerne schreiben oder auch Ärzte, die bei einem 14-Stunden-Arbeitstag auch einfach keine Zeit haben, um Bewerbungen zu schreiben“ , erklärt Scherer.

Moralisch bedenklich findet er das Angebot der Bewerbungs-Ghostwriter im Netz nicht. „Im Wort Bewerbung steckt ja schon Werbung. Wir erfinden natürlich auch nichts, sondern helfen unseren Kunden einfach nur dabei, ihre Informationen zu strukturieren und im besten Licht darzustellen. Wir haben auch viel positives Feedback von Personalern bekommen. Schließlich macht eine übersichtliche Bewerbung auch ihre Arbeit leichter.“

Dem stimmt auch HR-Experte Ullah zu. Er glaubt ebenfalls, dass es durchaus legitim ist, sich online Hilfe für den Bewerbungsprozess zu holen. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn Bewerber sich im besten Licht darstellen wollen. „Sie werfen einem Bewerber im Vorstellungsgespräch schließlich auch nicht vor, dass er sein Hemd gebügelt oder seine Haare gekämmt hat.“

Algorithmen statt Anschreiben

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Christian Scherer. Image by richtiggutbewerben.de

Doch auch wenn Robindro Ullah die Dienstleistungen von Onlineportalen wie richtiggutbewerben.de schätzt, würde er sich wünschen, dass Unternehmen in Deutschland den Bewerbungsprozess insgesamt moderner und vor allem zeiteffizienter gestalten würden. Gerade das Anschreiben hält er für überholt. Damit würden Personaler viel Zeit verlieren, vor allem im internationalen Vergleich. „In Ländern wie Brasilien oder China zählt wirklich nur der Lebenslauf. So kann man sehr schnell feststellen, ob jemand fachlich passt oder nicht. Ob der Kandidat dann auch zur Unternehmenskultur passt, stellt man dann sowieso erst im Bewerbungsgespräch fest. Das Anschreiben könnte man sich also komplett sparen.

Ullah findet auch, dass Bots oder Algorithmen beim Auswählen von Lebensläufen eine große Hilfe sein könnten. So könnten Bewerber im automatisierten Prozess schneller, aber auch objektiver ausgesucht werden und die Personalabteilung würde viel Zeit sparen. Auch Quereinsteiger könnten zum Beispiel über eine Random-Funktion im Algorithmus eher eine Chance bekommen, meint Ullah.

Einen weiteren spannenden Zukunftstrend sieht er in Videobewerbungen: „Bewerber haben so die Möglichkeit, sich ganz individuell zu präsentieren und die HR-Abteilung kann schnell sehen, ob ein Kandidat interessant ist für das Unternehmen.Bewerbungsapps wie Selfiejobs aus Schweden nutzen genau dieses Medium, um Unternehmen mit Bewerbern schnell und unkompliziert zusammenzubringen. Bei Selfiejobs stellen sich Bewerber in kurzen Videos vor und können dann nach dem Tinder-Prinzip je nach Interesse der Unternehmen, entweder nach rechts oder nach links gewischt werden.

All das ist in Deutschland derzeit aber noch Zukunftsmusik – auch, weil eine rein visuelle Auswahl von Bewerbern rechtliche Bedenken auslöst. Fürs Erste wird es wohl noch dauern, bis sich die Bewerbung 2.0 wirklich durchsetzt. Davon ist auch Christian Scherer überzeugt: „Ich bin mir ganz sicher, dass es die klassische Bewerbung in Deutschland noch sehr lange geben wird.“


Image (adapted) „Bewerbung“ by loufre (CC0 Public Domain)


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China: Das Reich der Internetzensur

Zensur (adapted) (Image by stevepb [CC0 Public Domain] via pixabay)

Knapp jeder fünfte Internetnutzer auf der Welt sitzt hinter dem weltweit größten und ausgeklügelten System für Netzzensur. Im Internet-Freiheits-Ranking der Nichtregierungsorganisation Freedom House belegt China dank massiver Anstrengungen, bestimmte Inhalte aus der Wahrnehmung der eigenen Bürger zu streichen, weltweit den letzten Platz. Aufgrund Chinas ökonomischer Stärke und dem ausgeprägten politischen Willen, neueste Technik zur Verhinderung von Protesten zu nutzen, ist das chinesische System zum – wie es beschönigt heißt – „sozialen Management“ durchaus bemerkenswert.

Vor allem seit den Aufständen des Arabischen Frühlings, bei denen Social Media durchaus eine wichtige Rolle spielte, ist die chinesische Führung aufgrund der potenziellen Macht digitaler Kanäle besorgt. Hinzu kommt ein schwach ausgeprägtes Bewusstsein für Menschenrechte im Land, sodass die Zensurhürden für das Regime vor allem technischer Natur sind. Schon die Enthüllungen von Edward Snowden zeigten, dass selbst in liberalen Demokratien eine umfassende Überwachung möglich ist – und der öffentliche Aufschrei und die politischen Konsequenzen sich in Grenzen halten.

The Great Firewall of China

Selbst unternehmerische Riesen wie Google kommen nicht gegen die Macht des chinesischen Regimes an, das bereits wenige Monate nach dem Start des Internet im Land mit dem Blockieren von Websites begonnen hat. Schon 1997 prägte das Magazin Wired einen plakativen Begriff für die chinesischen Zensurmaßnahmen im Netz: „The Great Firewall of China“ – in Anlehnung an die bekannteste Sehenswürdigkeit des Landes. Das heutige System existiert in seiner Form jedoch erst seit Anfang der 2000er und setzt sich auch verschiedenen Komponenten zusammen. Die Blockade von unerwünschten Webseiten ist ein Standbein chinesischer Zensurbemühungen: von den 1.000 meistbesuchten Internetseiten der Welt werden laut der Nonprofit-Organisation Greatfire.org 176 in China blockiert. 15 der 18 global operierenden Nachrichtenseiten sind ebenfalls nicht zugänglich.

Dasselbe Bild ergibt sich bei sozialen Netzwerken. Von den 15 Diensten mit der weltweit größten Nutzerbasis werden sieben blockiert – davon profitiert natürlich vor allem die chinesische Internetindustrie. Fünf dieser acht nicht gesperrten Social Media-Anbieter stammen aus China. Prinzipiell hat man in China als Social Media-Anbieter nur zwei Möglichkeiten: sich aus dem aufgrund seiner Größe attraktiven Markt zurückziehen oder im Sinne des Regimes für das Verschwinden unerwünschter Inhalte sorgen.

Allerdings lässt sich die „Great Firewall“, die auch die Blockade bestimmter Ausdrücke wie „Tiananmen“ bzw. „June 4“ (Keyword Blocking) beinhaltet, durchaus mithilfe von VPN-Diensten oder schlicht der Nutzung anderer Ausdrücke für geächtete Begriffe umgehen. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele VPN-Nutzer wie in China. Zwar werden auch diese regelmäßig blockiert, jedoch lässt die chinesische Regierung auch Freiräume zu. Darüber hinaus gibt es für sämtliche amerikanische Social Media-Dienste chinesische Pendants, auf denen die Bürgerinnen und Bürger weitgehend unbeeinflusst von der Blacklist der Behörden kommunizieren können. Der Einfluss der „Great Firewall“ auf die öffentliche Meinungsäußerung ist laut Forschern entsprechend gering. Hierfür hat das chinesische Regime ein deutlich effektiveres System entwickelt.

Kritik zulassen, Proteste verhindern

Interessanterweise fand die Sperrung großer sozialer Netzwerke oft nach aufsehenerregenden Aufständen statt: YouTube im Nachgang der Proteste in Tibet, Facebook und Twitter nach den Unruhen in Xinjiang. Hinter diesem Vorgehen der chinesischen Regierung steckt ein größerer Zusammenhang: denn letztlich dürfte die größte Angst des kommunistischen Regimes darin liegen, dass sich Menschen im Internet organisieren und es dadurch zu Protesten kommt. Die entsprechende Handlungsmaxime: solche „kollektiven Handlungen“ („collective action“, wie es in der Forschung heißt) sollen um jeden Preis verhindert werden. Hierfür hat der Staat ein aufwändiges System der Nachzensur kreiert, das beinahe mit militärischer Präzision funktioniert. Der Großteil der Nachzensur erfolgt innerhalb von nur 24 Stunden, die das Potenzial zu „kollektiven Handlungen“ haben. Vor allem die Betreiber sozialer Netzwerke sind hier in der Pflicht: beim chinesischen Twitter-Pendant Weibo sind laut Berichten 150 Mitarbeiter in Zwölf-Stunden-Schichten für die Zensur verantwortlich.

In einer bahnbrechenden Studie gelang es Forschern der Harvard University vor einigen Jahren den weitverbreiteten Irrglauben zu widerlegen, dass das Zensieren regimekritischer Stimmen das oberste Ziel sei. Gary King, Jennifer Pan und Margarete Roberts fanden mithilfe einer umfangreichen Vorher-Nachher-Analyse chinesischer Social Media-Posts heraus, dass sich die Zensur positiver und negativer Kommentare zum Regime über alle untersuchten Themen hinweg die Waage hält. Bei heiklen Sachverhalten wird im Schnitt gerade mal jeder vierte Post zensiert, über alle Themen hinweg 13 Prozent. Solche Themen allerdings, die potenziell zum Zusammenschluss von Menschen führen könnten, kommen auf eine 60-prozentige Zensurquote – egal ob Pro oder Contra. Vor allem nach bestimmten Ereignissen wie der Verhaftung des Dissidenten Ai Weiwei schießen die Zensurmaßnahmen entsprechend der höheren öffentlichen Aufmerksamkeit in die Höhe. Die Schlussfolgerung: schlecht auszusehen scheint für das Regime nicht schlimm zu sein, solange man kollektives Handeln unterbinden kann.

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Image by King/ Pan/ Roberts (2013), How Censorship in China Allows Criticism but Silences Collective Expression: S. 337

Gezielte Ablenkung

Einen weiteren Beweis dafür, dass das chinesische Regime die Mechanismen des Internet verstanden hat, ist eine erst kürzlich erschienene Studie, ebenfalls durchgeführt vom Harvard-Dreigespann rund um Gary King. Ein weiteres Standbein der Verhinderung kollektiver Handlungen ist das Prinzip der systematischen Ablenkung. Lange wurde die sogenannte „50c-Party“ verdächtigt, gegen Bezahlung (50 Cent pro Post) positive Kommentare über das Regime zu verfassen – dafür gab es jedoch keine Beweise, weshalb vor allem Gerüchte die Berichterstattung dominierten.

Die Harvard-Forscher analysierten vor kurzem einen umfangreichen Leak aus dem Büro für Internetpropaganda, wobei sich zwei Umstände offenbarten. Erstens, die „50c-Party“ existiert und besteht hauptsächlich aus Regierungsmitarbeitern. Zweitens, das Verfassen der geschätzt 448 Millionen Posts jährlich hat nicht das Ziel, gegen skeptische Stimmen zu argumentieren, sondern für Ablenkung zu sorgen. Das einfache Ziel: die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf andere Themen lenken und bloß nicht die Narrative aus der Hand geben. Hier schließt sich auch wieder der Kreis zur Zensur: solche Kommentare häufen sich ebenfalls nach Ereignissen, die Potenzial für „collective action“ haben.

Zuletzt darf man die Wirkung der Selbstzensur nicht unterschätzen. Social Media-Dienste müssen von ihren Nutzern Realnamen und die persönliche ID verlangen, die dann mit den Datenbanken der Behörden abgeglichen werden. Das Verbreiten von Gerüchten wird beispielsweise drakonisch bestraft, Aktivisten werden für ihre Handlungen verhaftet, Webseiten werden von Hackern angegriffen. Solche Maßnahmen führen natürlich dazu, dass Menschen sich auf Social Media-Kanälen eher zurückhalten.


Image (adapted) „Zensur“ by stevepb (CC0 Public Domain)


 

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  • FACEBOOK heise: Facebook-Seite sammelt Kinderbilder: Eine Facebook-Seite mit dem mehrdeutigen Namen „SAsha TIschREin“ sammelt Bilder von Säuglingen und Kleinkindern. Die Bilder wurden ursprünglich von stolzen Eltern hochgeladen, die die Fotos von ihrem Nachwuchs in dem sozialen Netzwerk geteilt haben. Jedoch sind auf einigen der Bilder auch Kinder zu sehen, die fast nackt in der Badewanne oder am Strand sind. „Das Phänomen ist in unserem Fachdezernat Cybercrime bekannt“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes. „Eine Straftat lässt sich daraus nicht ableiten, da die Eltern in der Regel diese Bilder posten und entsprechend freigeben.“ Somit sei der Zugriff auf die jeweiligen Bilder erlaubt. Auf eine Anfrage via Facebook-Nachricht antwortet ein Administrator: „Viele FB Nutzer schmeißen ihre Informationen durchs www wie Konfetti. Genau das wollen wir aufzeigen. Besonders liegt uns der Schutz von Kinderbildern am Herzen. Das www ist voll von üblen Menschen, die diese Bilder für ihre Zwecke missbrauchen und dem wollen wir entgegen wirken.“

  • POST golem: DHL will Smart in Berlin zur Paketstation machen: In Berlin haben sich 100 Besitzer eines Smarts gemeldet, um bei einem Pilotversuch der DHL mitzumachen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Dabei wird der Kofferraum des Fahrzeugs zur mobilen Packstation umfunktioniert. Die Besitzer tragen dies bei der Bestellung ins C/O-Feld ein und generieren damit einen Code. Diesen muss der Zusteller über die App eingeben, wenn er sich dem Smart nähert. Dadurch öffnet sich der Kofferraum und der Zusteller kann das Paket dort hinterlegen.

  • WIRTSCHAFT futurezone.at: Deutsche Unternehmen drängen in chinesischen Online-Handel: Deutschlands Discount-Marktführer Aldi wagt den Schritt nach China – allerdings nicht mit eigenen Läden, sondern per Internet. Ab Frühjahr 2017 werden chinesische Kunden auf einem Online-Marktplatz des E-Commere-Riesen Alibaba, unter anderem Wein, Snacks und Frühstücksprodukte aus dem Aldi-Eigenmarkensortiment bestellen können. „Wir sind davon überzeugt, dass auch chinesische Kunden ein großes Interesse an der Qualität und den günstigen Preisen haben, die wir ihnen bieten können“, begründete der Aldi-Landesgeschäftsführer China, Christoph Schwaiger am Donnerstag den Schritt.

  • SNAPCHAT t3n: Snapchat-Aktie startet mit 41 Prozent Gewinn: Dank der hohen Nachfrage lag der Einstandskurs der am Donnerstag unter dem Kürzel SNAP erstmals an der New York Stock Exchange gehandelten Papiere der Snapchat-Mutter Snap mit 24 Dollar rund 41 Prozent über dem Ausgabepreis von 17 Dollar. Die Platzierung erreichte ein Volumen von 3,4 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro). Snap war zum Börsendebüt insgesamt rund 24 Milliarden Dollar wert. Schon vor dem Snap-Börsengang war die Preisspanne für die Ausgabe der Aktien wegen großer Nachfrage nach oben korrigiert worden – von 14 bis 16 Dollar auf 17 Dollar.

  • SMARTHOME Welt: Das kann die intelligente Heimbeleuchtung von Ikea: Unter dem Namen „IKEA Tradfri“ (schwedisch für „drahtlos“) vertreibt IKEA intelligente Smarthome-Produkte. Zum Sortiment gehört auch eine Leuchte, deren Farbtemperatur in drei Stufen angepasst werden kann – von kalt bis warm. Die Steuerung funktioniert dabei über eine Fernbedienung, die auch über eine Wandhalterung verfügt. Konkurrenzprodukte wie etwa die Philips Hue White Ambiance bieten zudem eine WLAN-Funktion an, sodass die Leuchte über das Smartphone gesteuert werden kann. Das ist bei der IKEA-Leuchte nicht vorgesehen, wodurch das Gerät allerdings konkurrenzlos einfach zu installieren ist.

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Ein Leben ohne Weihnachtspost

Weihnachten (adapted) (Image by Gellinger [CC0 Public Domain] via Pixabay)

„Wie lautet eigentlich deine Adresse in Dubai?“ Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt. Straßennamen gibt es erst seit kurzem und meist kennen Taxifahrer und Freunde sowieso nur die Bezeichnung des Towers und Viertels, in dem man wohnt. Namen an den Appartment-Türen gibt es nicht – in den langen Korridoren der hohen Gebäude orientiert man sich wieder in Zahlen. Panorama Tower, The Greens, 504 oder Cluster Y, JLT, 1348.

Wie soll da ein Postbote zu einem finden? Die Antwort ist: gar nicht. Muss er auch nicht, da man in der neumodernen Stadt noch nicht mal über Briefkästen verfügt. Rechnungen, Verträge, Mahnungen – alles erreicht einen per SMS oder Mail. Wer trotzdem Briefe empfangen muss, lässt sie an kostenpflichtige, angemietete Postfächer (PO. Boxen) senden, über die jedes Unternehmen verfügt.

Als ich dringend Dokumente aus Deutschland brauchte, wurden diese an die PO-Box meiner Arbeitsstelle per Express-Boten geschickt, der nicht nur meinen Namen, sondern auch meine Handynummer kannte – sollte er den Weg zu mir nicht finden. Für den schnellen Service musste ich tief in die Tasche greifen. Auf dem normalen Postweg wartet man gerne mal Wochen, wenn nicht Monate auf die Sendung. Und das in einer Stadt, die sich oft schneller entwickelt als man denken kann, in der es neueste Technologie und die schnellsten Auto gibt.

Als ich mich verwundert umhöre, erwidert eine Deutsche, die hier seit zehn Jahren wohnt: „Man darf nicht vergessen, dass wir hier in der Mitte der Wüste leben. Meine Weihnachtspost bekomme ich meistens im Februar, denn sogar Postkarten brauchen ewig. Aber wenn sie dann ankommt, freue ich mich extrem, da Post hier so ein seltenes Gut ist.“ Diese liegen dann morgens, wenn sie zur Arbeit kommt, auf ihrem Schreibtisch, nachdem ein Fahrer sie von der PO.-Box abgeholt und die Rezeptionistin an die Mitarbeiter verteilt hat.

Von allzu personalisierten Briefumschlägen und verrückten Postkartenmotiven sollte also abgesehen werden, sonst erntet man gerne eine Bemerkung vom Mitarbeiter oder Chef im nächsten Meeting. Und nicht nur das: „Man darf nicht vergessen, dass alles beim Zoll kontrolliert wird, was auch seine Zeit dauert. Manchmal bestelle ich bei Amazon Pakete und wenn sie ankommen, sieht man, dass sie geöffnet und wieder geschlossen wurden“, erzählt die Expat-Kollegin.

Briefgeheimnis? Fehlanzeige!

Wenn die Ware nicht den Richtlinien hier entspricht, wird sie entsorgt: „Mir ist auch schon mal passiert, dass ich eine deutsche Frauenzeitschrift bestellt habe, bei der dann die freizügigeren Bilder mit schwarzem Edding übermalt wurden – und zwar noch nicht mal nur auf dem Cover, sondern auch innerhalb des Magazins. Sie nehmen ihre Arbeit also sehr genau.“

Das Problem ist also bekannt. Gibt man bei der Facebook-Gruppe „Deutsche in Dubai“ den Suchbegriff „Brief“ ein, finden sich ungemein viele Anfragen, wo denn die besten Post-Offices zu finden seien oder ob jemand einen Brief mit nach Deutschland mitnehmen könnte. Denn nicht nur das Empfangen, sondern auch das Senden ist hier in Dubai mit mehr Aufwand verbunden. Briefkästen gibt es nur vereinzelt – wo sie stehen, gehört auch zum Insider-Wissen, dass man sich als Expat nach und nach in Dubai aneignet: „Hinten rechts, neben dem Aufzügen in der Marina Mall!“

Während die Vorschriften für verbotene Ware in Stein gemeißelt sind, zeigt sich eine Entwicklung für eine bessere Orientierung in den Emiraten. Natürlich digital – wie sollte es auch anders sein. Die Hauptstadt Abu Dhabi ist Vorreiter für das neue Onwani-System. Hierbei wird jedes Straßen- und Hausnummernschild mit einem QR-Code versehen, der Informationen über die Location, aber auch über die Namensgebung des Ortes bereithält. Um die elektronischen Barcodes zu scannen, benötigt man nur ein herkömmliches Smartphone und die passende App.

Vielleicht kann auch ich dann in Zukunft auf die Frage nach meiner Adresse ein wenig adäquater antworten. Ob damit die Weihnachtspost dann aber öfter in die Wüste gelangt, ist jedoch fraglich.


Image (adapted) „Weihnachten“ by Gellinger (CC0 Public Domain)

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Zeitgeist Technik: „Sie haben Post!“– Wer braucht denn heute noch E-Mails?

email (image by philippechazal[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Das Internet der frühen Neunziger und seine berühmteste Erfindung, die E-Mail, hat einen Sound. Ich meine nicht das ohrenbetäubende Modem-Piepen, sondern den Klang der kühlen Frauenstimme, wie sie standfest verkündet: „Sie haben Post!“. Als das Internet bei uns so richtig durchstartete – das war damals, als noch kostenlose Installations-CDs von AOL oder CompuServe verteilt wurden wie geschnitten Brot – hatte jeder, den ich kannte, so ein elektronisches Postfach und die Frauenstimme war das Synonym für die Zukunft der Kommunikation.

Die E-Mail stellte eine der revolutionärsten Ideen dar, die das 21. Jahrhundert kommunikationsgeschichtlich hervorgebracht hat: Jederzeit und überall Nachrichten empfangen und senden, weltweit, sekundenschnell und ohne Wartezeit.

Trotzdem gibt es seit einigen Jahren immer wieder Experten, die den endgültigen Untergang der E-Mail prophezeien. Aber wieso eigentlich? Was ist an der einst so guten Idee plötzlich schlecht?

Komplett ausgestorben: Die Mail als persönlicher Briefkontakt

In den Anfangszeiten der Kommunikation über das Internet hatte ich eine Art E-Mail-Freundschaft mit einem Gleichgesinnten. Wir lernten uns in einem rege besuchten Musikforum kennen und tauschten uns aus. Bald reichte das Forum nicht mehr aus und wir schrieben uns E-Mails – sehr, sehr lange E-Mails. Seine Mails waren tatsächlich so lang, dass meine damals noch begrenzte Internetzeit (damals noch reglementiert durch Minutentaktung und Aufzeichnen der Internetzeit ins Muttiheft) rasch zur Neige ging, wenn ich seine Gedanken online verfolgen wollte. Ich musste also bald zu einer eher bei meinen Großeltern bewährten Praxis greifen und die E-Mail ausdrucken, um sie in Ruhe lesen zu können.

Einige dieser Briefe, denn nichts anderes waren sie eigentlich, habe ich heute noch – was ich von den wenigsten anderen E-Mails behaupten könnte, die ich seitdem bekommen habe. Doch bei ihm war es anders. Das Antwort-Prozedere war mindestens ebenso langwierig, schliesslich sollte die Antwort keine mal eben schnell hingeworfene Nachricht, sondern etwas „Richtiges“ sein. Heute muss ich über den Gedanken eher schmunzeln, denn der Umgang mit der elektronischen Post hat sich heute völlig geändert.

Was aus dem Freund geworden ist, weiss ich leider nicht. Irgendwann wurde uns das Geschreibe wohl einfach zu mühsam und der Kontakt schlief ein. Und das sind E-Mails für mich heute eigentlich am Ehesten: mühsam. Die Bedeutung des blinkenden Briefumschlages wandelte sich mit der Zeit, von einer frohen Erwartung wurde es langsam Alltag, bis fast nur noch Spam das Postfach verstopfte.

Extra einloggen? Ist mir zu umständlich!

Dabei sind E-Mails eigentlich so viel praktischer als die sozialen Medien: man muss nicht einmal miteinander „befreundet“ sein, um sich Nachrichten schicken zu können, sondern kann sich ganz einfach und ohne große Ankündigung Texte und Anhänge schicken, verabreden, informieren – eben alles, was Kommunizieren im Netz heute so kann. Aber nutzt heute noch jemand ausschließlich E-Mails? Irgendwo in meiner Wohnung habe ich einen Zettel herumliegen, auf dem alle meine Mailadressen stehen. Die Passworte kann ich mir schon länger nicht mehr merken. Und wozu auch? Meine Freunde erreiche ich viel bequemer per App – und kann hier spontan alles schicken, was ich auch per Mail geschickt hätte. Und hier kann ich sicher sein: sie lesen es sofort.

Denn nach der E-Mail kamen andere Dienste, über die ich schneller – und ja, leider auch unkonzentrierter – kommuniziere: Ich schreibe mit Freunden in Gruppenchats bei WhatsApp, einen Großteil meines Arbeitsalltags bestreite ich mithilfe der Dienste Skype oder Slack, und immer sind mehrere Personen beteiligt.

Zwar schicken wir uns selten mehr als nur einen Satz, der eigentlich Anweisung ist – oder Emojis. Einen ganzen Abend nur für eine Person nehme ich mir eigentlich nur am Telefon oder wenn wir uns direkt gegenübersitzen. Alles andere ist und bleibt: oberflächlich.

Nur selten nehme ich mir heute die Zeit, in mein privates Mailpostfach zu schauen – dabei habe ich, seit ich das erste Mal im Internetcafé meiner Heimatstadt war, also seit ziemlich genau 17 Jahren, die selbe E-Mail-Adresse, die ich auch heute noch nutze. (Möge der Anbieter noch lange bestehen bleiben!) Man kann mich also durchaus erreichen, wenn man will. Aber dass ich die Nachrichten gespannt und mit voller Aufmerksamkeit lese, ist eher unwahrscheinlich. Denn: Wir haben uns das Aufmerksamsein durch die permanente Erreichbarkeit ziemlich gut abtrainiert.

E-Mail-Schwemme im Büro – gibt es keine andere Lösung?

Wenn ich meinen E-Mail-Account im Büro öffne, werde ich oft als erstes mit einer Ladung Spam, überflüssiger Kommentare zu bereits geklärten Problemen und jeder Menge Zeug überspült, das gar nicht für mich bestimmt war. Ich bin kurz genervt, scrolle mich durch die größtenteils unwichtigen Nachrichten und wundere mich, wie lange es in traditionellen Strukturen wohl noch dauert, ein System durchzusetzen, mit dem jeder Mitarbeiter nur mit dem ihn betreffenden Thema behelligt wird. Bis dahin lösche ich wohl weiterhin alte Mails.

Laut einer Untersuchung von McKinsey, die bereits aus dem Jahr 2012 stammt, müssen wir uns jeden Tag um durchschnittlich 122 Nachrichten kümmern. Klingt viel? Ist es auch. Ausserdem wirkt sich die mangelhafte Filterung der nicht für uns bestimmten Nachrichten sogar direkt auf unseren Arbeitsalltag aus: „Mehr als zwei Stunden kostet uns das Freischaufeln der Inbox, Tag für Tag neu“ heisst es in der Studie. Seitdem werden es kaum weniger Spam-Mails und fehlgeleitete Nachrichten geworden sein. Die Berechnungen reichen auch in die Zukunft: „Bis 2019 sollen es laut Marktforscher Radicati Group 126 Nachrichten täglich werden, und jede verlangt Aufmerksamkeit, die anderswo verloren geht.“, heisst es zusammenfassend.

Kein Wunder also, dass ich nach Feierabend eher selten Muße habe, mich dem eigenen Postfach zuzuwenden – nachdem das Tagwerk getan ist, schalte ich an manchen Tagen nur ungern noch einmal den Computer an. Und auch in den Firmen soll nach neuen Lösungen gesucht werden, die übersichtlicher und besser zu händeln sind. Denn die Nachrichtenwut hat sich, trotz schwindender Nutzung der klassischen Mailing-Dienste, eigentlich nur verlagert.

Messenger sind die neuen Mails

Für die Gruppen- und Firmenorganisation haben sich in einigen Firmen bereits Chat-artige Messenger wie Slack durchgesetzt. Die Systeme haben einen entscheidenden Vorteil: Alle können die Unterhaltung zeitgleich verfolgen, mitkommentieren und direkt reagieren – so kann nicht nur ein besseres Gruppengefühl geschaffen werden, sondern auch die Arbeitsabläufe werden deutlich effizienter gestaltet.

Das bedeutet zwar das Ende der endlose Kettenmails mit lyrischen Betreff-Betitelungen wie beispielsweise „Re: Fwd: Re: Fwd: LETZTE DURCHSAGE!! Der Letzte räumt die Spülmaschine aus!!“, aber auf die Meisten dieser Nachrichten können wir sicherlich auch verzichten.
Und überhaupt: alberne Witzchen lassen sich im Messenger genauso reißen – so begrüßt mich ein Kollege jeden Tag im Firmenchat in einer neuen, exotischen Sprache, die wir erst einmal erraten (oder ergooglen) müssen. Nicht zu vergessen: die kleinen Bilderrätsel, die man sich per Emoji stellen kann. Man kann schon seinen Spaß haben mit den neuen Diensten.

Bei Messengern mit VoIP-Funktionen wie Skype, Facetime oder WhatsApp kommt noch die bequeme Funktion des Gruppenanrufes hinzu, die man nutzen kann. Manchmal geht, bei aller Digitalität, Besprechen doch einfacher als Tippen. Und ich höre auch meine Kollegen, die oft über die ganze Welt verteilt sind, gern ab und zu persönlich.

DE-Mail und Verschlüsselungen: Eine gute Idee verläuft im Sande

Doch war da nicht vor ein paar Jahren noch was? Gab es nicht mal die Idee, die E-Mail wiederzubeleben? Allerdings! Ein (letztes?) Aufbäumen hat die E-Mail mit der Initiative der Bundesregierung bereits im Jahr 2008 erlebt: Die als besonders sicher beworbene De-Mail sollte dafür sorgen, dass Behördengänge verringert und Dokumente verschlüsselt (auf Wunsch sogar Ende-zu-Ende) versendet werden können. Doch bisher hat sich wenig getan.

Das Unternehmen scheiterte, weil die Deutsche Post mit ihrem ganz ähnlichen Konzept des E-Postbriefes eine entsprechende Gesetzesänderung des Post-Gesetzes verzögerte. Und tatsächlich: bis heute kenne ich niemanden, der je einen E-Postbrief verschickt hat.

Das DE-Mail-Projekt hat sich wohl wegen des langwierigen Zertifizierungsprozesses nicht weiterführend durchgesetzt, auch wenn seit einiger Zeit die zu 1&1 gehörenden Mailanbieter GMX und web.de den Service von verschlüsselten Emails nach erfolgter Akkreditierung anbieten. Keine allzu schlechte Voraussetzung also für eine Verbreitung einer eigentlich sicheren Idee – zumindest sollte man das meinen. Wenn es nicht so umständlich wäre.

Viele dieser Dienste sind zudem kostenpflichtig – soweit ich weiß, nutzt nur ein einziger Mensch in meinem Umfeld den verschlüsselten E-Mail-Dienst Posteo. Mit einem Euro im Monat ist der Dienst zwar ziemlich günstig – aber, werden viele im Stillen denken, wozu brauche ich etwas nur günstig, wenn ich es auch umsonst haben kann?

Verschlüsselung ist die neue Währung?

Bisher sind nur sehr wenige Leute in meinem Umfeld auf den Verschlüsselungszug aufgesprungen. Ein Grund ist sicherlich schlichtweg die Bequemlichkeit, ein anderer die Umstellung – so banal es klingt, der Mensch gewöhnt sich nicht gern an neue Systeme, vor allem dann nicht, wenn er von deren Nutzen nicht sonderlich überzeugt ist.

Ein grundsätzliches Problem bei den traditionellen Mailanbietern hat mein Kollege Sebastian Haselbeck schon vor einigen Monaten kommentiert: Sie sind miteinander nicht kompatibel und daran hat sich noch immer nichts geändert.

Der siebte Tag ist E-Mail-Tag

Stattdessen gibt der Marktführer WhatsApp die bisher garantierte Verschlüsselung auf und verscherbelt seine Daten an die Datenkrake Facebook. Für datenbewusste Nutzer, zu denen auch ich mich zumindest halbwegs zähle, bedeutet das also wieder einmal, auf die Suche nach einem neuen, sicheren, kompatiblen Messenger gehen zu müssen. Die E-Mail als alleiniger Kommunikator fällt dabei aber – wenig überraschend – erneut hinten über. Nachdem ich mich so schnell und intuitiv an WhatsApp und seine Kollegen gewöhnt habe, sieht die Kommunikation per E-Mail noch viel umständlicher und unübersichtlicher aus als ohnehin schon – und eine Gruppenfunktion gibt es hier eben nicht.

Aber behalten wir im Hinterkopf: Nur durch diesen Schritt der Kommunikation konnten sich die Messenger erst entwickeln, deren Vorteil wir jetzt nutzen. Unsere E-Mails können wir ja dann in Ruhe am Wochenende lesen. Übrigens ist auch der Sonntag statistisch gesehen der beste Tag für Newsletter– der Trend setzt sich, trotz aller Unkerei, weiter durch, da lesen die Leute nämlich viel entspannter. Und ich auch. Bis zum Sonntag dann!


Image ”Posteingang” by philippechazal (CC0 Public Domain)


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Goethe und die Reaktivierung des transnationalen Dialogs in Europa

Goethe (adapted) (Image by motograf [CC BY 2.0] via Flickr)

Wie froh wäre Johann Wolfgang von Goethe gewesen, das grenzenlose und echtzeitige Netz für den transnationalen Dialog einzusetzen. Der Dichterfürst nutzte den Postweg – allerdings mit einem privilegierten Status. Das Postmonopol war in privater Hand und galt als Grundpfeiler der vorindustriellen Modernisierung. Ihr “Erfinder” Franz von Taxis wurde auf eine Stufe mit Christoph Kolumbus gestellt. Der damalige Provider “Thurn und Taxis” gewährte Goethe ein Freibriefrecht. “Für Briefe von und an Goethe musste kein Porto bezahlt werden”, erwähnt der Literaturwissenschaftler Peter Goßens im Interview mit Sabria David, die in einem internationalen Projekt des Goethe-Instituts die Salonkultur des 18. und 19. Jahrhunderts wiederbelebt.

Der europäische Netzwerker

Goethe konnte so viele Briefe schreiben, wie er wollte. Mit dieser freien Kommunikationsform entwickelte er sich zum Netzwerker für den europäischen Diskurs. Es war die Triebfeder seines kosmopolitischen Humanismus, von dem sich die besorgten Bürger eine Scheibe abschneiden sollten. Heute würde Goethe dafür Facebook, Twitter, Periscope, Hangout on Air und einen Blog einsetzen. Damals setzte er vor allem seine eigene Zeitschrift “Ueber Kunst und Alterthum” ein, um mit den “Literatoren” Europas in Kontakt zu treten.

Neben seiner umfangreichen Korrespondenz, den Besuchern und Gesprächen, die zum Weimarer Alltag gehörten, war es vor allem das Projekt der Zeitschrift, die es dem alternden Goethe ermöglichte, ein virtuelles, aber durch seine gedruckte Form manifestes Kommunikationsnetz zu spannen und seine Wahrnehmung des weltliterarisch Bedeutsamen bekannt zu machen,

schreibt Goßens in seiner Habilitationsschrift “Weltliteratur”, erschienen im J.B. Metzler-Verlag.

Transnationales Kommunikationssystem im 19. Jahrhundert

Goethe schuf damit eine kleine, aber sehr einflussreiche europäische Öffentlichkeit. Er suchte und fand Verbündete für sein weltliterarisches Unterfangen zur Schaffung eines transnationalen Kommunikationssystems. Weltliteratur wird von Goethe nicht als Kanon definiert, sondern als Programmatik zur Überwindung nationaler Verblendung. Nicht die Lektüre literarischer Werke steht im Vordergrund, sondern die grundlegende Kenntnis der Kulturen anderer Länder. Der Dichterfürst verstand sich als Katalysator zur Herausbildung einer europäischen Leserschaft. Zu seiner Lieblingslektüre zählte dabei “Le Globe“, die sich nationalen Vorurteilen und kulturellen Hegemonie-Bestrebungen entgegenstellte. Sein Anliegen wurde von nationalistischen Bedenkenträgern als undeutsche Gesinnung ausgelegt. Mit seiner internationalen Netzwerkstärke konnte Goethe dieses Stammtisch-Gebrüll deutlich übertönen.

Neue Ideen für Europa

Ähnliches erhofft sich Günther Rüther von den Intellektuellen unserer Zeit.

Im 19. und 20. Jahrhundert waren es vor allem Kriege, die der europäischen Idee neue Kraft verliehen. Den Intellektuellen ging es dabei um die Überwindung nationalistischer Vorurteile, den Abbau von Hass oder Intoleranz und vor allem darum, verloren gegangene Freundschaften zwischen den Völkern erneut zu stiften,

schreibt Rüther in seinem neuen Buch “Die Unmächtigen – Schriftsteller und Intellektuelle seit 1945”, erschienen im Wallstein Verlag. Europa brauche jetzt die Stimme der Intellektuellen. Sie müssen die Sprache der Macht und der Expertokratie dechiffrieren, um der europäischen Idee wieder Auftrieb zu geben.

Popkultur statt rückwärtsgewandter Abendländerei

Das Notiz-Amt verweist auf eine Rede von Rüdiger Altmann: Von rückwärtsgewandten “Ersatzideologien” wie der “Abendländerei”, jener in den fünfziger Jahren vor allem in weiten Teilen des deutschen Katholizismus verbreitete “Abendland”-Idee, hielt der frühere Berater von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard gar nichts. Das formulierte er bereits in den 1990er Jahren:

Im Grunde ist es die Aufgabe Europas, den Kulturkonflikt dieser sich wandelnden Welt auszuleben und mit neuen Ideen zu überwinden… Welches sind die europäischen Ideen, die Europas Existenz heute ausmachen? Das kann nicht die Idee eines sich gegen die übrige Welt abgrenzenden Europas sein, das um seine Identität, auch um seine geschichtliche Identität, ringt. Die entscheidende Frage ist: Findet Europa den Mut, neue Ideen zu formulieren und auszuleben, die die ganze Welt angehen, also in diesem Sinne nicht spezifisch europäische sind? Auf diese Weise könnte Europa wieder jene Weltgeltung erlangen, die es früher gehabt hat.

Altmann betont dabei die Kraft der Popkultur. Die mediale Kultur habe einen großen Bedarf und Verbrauch an Ideen.

“Darin unterscheidet sie sich deutlich von der Kultur der Klassengesellschaft alten Stils. In gewissem Sinne ist sie unideologisch. Zugleich entfaltet sie in der Massengesellschaft ein Kommunikationsfeld von großer Kraft…” Genau das sollte von der europäischen Zivilgesellschaft ausgehen. Vielleicht ist die Popkultur ein veritables Mittel, den Nationalisten und Rassisten in den europäischen Staaten das Wasser abzugraben – in transnationalen Dialogformaten nach dem Vorbild des Dichterfürsten Goethe.


Image (adapted) “Goethe” by motograf (CC BY 2.0)


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“Hässlich, aber praktisch”: Londons erster Briefkasten

GOC Leagrave to Harpenden 037 Victorian pillar box at Wardown Park, Luton (adapted) (Image by Peter O'Connor aka anemoneprojectors [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Eine kleine Kulturgeschichte über den Briefkasten – von allen kritisiert und von Konservativen gefürchtet, hat er sich doch durchgesetzt.

Na, heute schon in den Briefkasten geguckt? Oder zumindest das Mailpostfach gecheckt? Ganz bestimmt! Der Gang zum Briefkasten ist uns mittlerweile so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir uns kaum vorstellen können, wie man früher ohne einen Postkasten auskam – sei er nun physisch oder digital. Wie kam das eigentlich? Eine kleine Kulturgeschichte der britischen Post.

Vom Erfinder zum Dichter: Anthony Trollope

Bis vor 160 Jahren musste man auf den Postboten warten. Der kam, wenn es gut ging, alle paar Tage vorbei und nahm mit, was man wem auch immer mitzuteilen hatte. Klingt unpraktisch? Das fanden die Leute damals auch. Aber es dauerte erstaunlich lange, bis man ein System entwickelt hatte, wie man Mitteilungen oder Waren an einem zentralen, jederzeit zugänglichen Platz ermöglichen kann.

Ein Herr namens Anthony Trollope, der sich später eher als Dichter denn als Erfinder einen Namen machen sollte, gilt hierbei als der Mitbegründer der britischen Post. Vor und neben seiner Dichterkarriere, die nicht sonderlich lukrativ gewesen zu sein scheint, arbeitete er als Briefträger. Wenn er gerade keine Post umher trug, legte er viel Wert auf Auslandsreisen, um Inspirationen für seine Dichtkunst zu finden.

Bei einer seiner Reisen nach Frankreich und Belgien bemerkte er, dass in den Städten immer öfter mysteriöse Kästen an den Straßenrändern aufgestellt wurden. Er erkundigte sich, was es damit auf sich hatte und erfuhr von dem neuen Postsystem. Das hatte einige Vorteile: Man konnte anonym und unabhängig von der Uhrzeit seine Briefe loswerden und sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass sie rechtzeitig ankamen. Also: Kein Warten auf den Postboten mehr, und keine merkwürdigen Blicke, wenn man schon wieder einen Liebesbrief an die Dame seines Herzens schrieb.

Die Idee eines staatlichen Postsystems fand Trollope so genial, dass er sie nach England mitbrachte und seinen Vorgesetzten vorstellte. Man vereinfachte außerdem das System, indem man die vom Absender zu bezahlende Briefmarke einführte. Briefe waren zwar schon vorher kostenpflichtig, aber damals musste der Empfänger zahlen, was auch immer ihm geliefert wurde. Das neue System war deutlich praktischer – und so wurde nebenbei das erste Prepaid-System der Welt eingeführt.

Schicksal großer Erfindungen: Hässlich, aber praktisch

Nach einem Testlauf auf den Kanalinseln und in Jersey war man überzeugt, dass sich die Kästen durchsetzen könnten. Schließlich wurde am 11. April 1855 der erste Briefkasten in London aufgestellt. Er war allerdings etwas anders gestaltet, als wir ihn heute kennen. Er war etwa mannshoch, rund 1,5 Meter breit, quadratisch und mit einem Spitzdach versehen, das von einer kleinen Kugel gekrönt wurde. Die charakteristische rote Farbe, wie wir sie heute bei den englischen Briefkästen kennen, war auch noch nicht vorgesehen, stattdessen erstrahlte er in einem eindrucksvollen dunklen Flaschengrün.

So zierte er die Straßenecke Fleet Street/Farringdon Street, eine der belebtesten Straßen Londons. Vielleicht sollte man aber eher sagen, er zog die Skepsis der Bürger auf sich, denn sie fanden ihn, gelinde gesagt, enorm hässlich. Hässlich, aber praktisch, denn das System setzte sich, trotz Beschwerden über eine “Verunstaltung der Straßen”, immer weiter durch.

Über das ganze Land hinweg kamen nun immer mehr Briefkästen hinzu. Diese waren allerdings alles andere als einheitlich, in Farbe, Form und Größe unterschieden sich die einzelnen Kästen enorm. Man könnte sagen, das Einzige, was sie alle gemeinsam hatten, war der Briefschlitz. Schließlich konnte man sich um die 1860er herum auf einen einigermaßen wiedererkennbaren Standard einigen: Einen freistehenden, säulenförmigen Kasten. Als Standardfarbe legte man schließlich ein helles, kräftiges Rot fest.

Dies geschah, um das System weiter zu vereinheitlichen, aber auch, weil die Leute sonst ständig dagegen rannten, denn das passierte tatsächlich recht häufig bei den zurückhaltend angepinselten Kästen, also musste etwas Auffälligeres her. Ja, die Post hatte es nicht leicht damals.

“He knew he was right”

Doch auch als dieses Problem gelöst war, waren die Leute nicht zufrieden. Es gab Kritik aus konservativen Kreisen, dass das neue Postsystem nichts anderes als ungehörig sei: Junge Frauen könnten nun ganz anonym und ohne äußere Kontrolle jede Menge schlüpfriger Post empfangen – wo sollte das nur hinführen?

Trollope selbst machte sich später über diese Bedenken in seinem Werk “He knew he was right” lustig, in dem er eine junge Dame über die neuen “Eisenstümpfe” auf den Straßen wettern ließ. Er schrieb: “Sie glaubte nicht, dass auch nur ein einziger Brief je sein Ziel erreichen würde.”

Diese Bedenken können wir heute – zumindest größtenteils – zerstreuen. Auch wenn gerade in der Vorweihnachtszeit ab und an ein Paket oder Brief in die ewigen Jagdgründe eingehen könnte.

Ansonsten gibt es heute mit den digitalen Postfächern jede Menge Möglichkeiten, sich anderweitig Nachrichten zu schicken – ob nun schlüpfrig oder nicht. Das sollte man sowieso viel öfters tun.

Da können wir nur sagen: Danke, Anthony!


Image (adapted) “GOC Leagrave to Harpenden 037: Victorian pillar box at Wardown Park, Luton” by Peter O’Connor aka anemoneprojectors (CC BY-SA 2.0)


 

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ShortRead: Facebook benachteiligt textbasierte Posts

Facebook Favourites Menu (adapted) (Image by Mixy Lorenzo [CC BY 2.0] via Flickr)

Fast schon im Wochenrhytmus aktualisiert Facebook seinen Newsfeed-Algorithmus. Die neusten Änderungen betreffen Statusmeldungen und Posts. Facebook hat heute bekannt gegeben, dass mit dem neuesten Update des Newsfeed-Algorithmus, textbasierte Statusmeldungen von Seiten seltener angezeigt werden und die von Freunden oder Seiten, die vor allem Medieninhalte und Links posten, etwas häufiger. Im Blogpost schreibt Facebooks Produktmanager Chris Turitzin, dass Tests gezeigt hätten, dass kurze Posts öfters geteilt werden. Seitenbetreiber sollten beim Versenden von Links davon absehen, die URL im Text stehen zu lassen und Links ordebtlich einbetten. Dies würde bei den Nutzern besser ankommen. Und wahrscheinlich auch bei Facebook, dass sich immer mehr zur „personalisierten Zeitung“ seiner Nutzer verwandeln möchte.


Image (adapted) „Facebook Favourites Menu“ by Mixy Lorenzo (CC BY 2.0)


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