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Das Smartphone ist tot, es lebe das Smartphone

Smartphone Evolution (adapted) (Image by Phil Roeder [CC BY 2.0] via Flickr)

 Smartphone hat stark dazu beigetragen eine digitale Revolution in Gang zu setzen, deren Ausgang es, zumindest in dieser Form, nicht mehr erleben wird. Heutzutage hat der Großteil der Gesellschaft ein Smartphone und ist damit nahezu immer und überall Online. Der technische Fortschritt wird allerdings die mobilen Endgeräte, wie wir sie heute kennen bald überholen. Den sogenannten Wearable Devices gehört die Zukunft, vorausgesetzt die Gesellschaft wandelt sich und stellt sich den Herausforderungen, die aus der mobilen Revolution erwachsen.

Ein typisches Smartphone zu beschreiben ist nicht schwer – ein flaches, rechteckiges Gerät mit abgerundeten Ecken und einem Touchscreen. In Zukunft wird dies allerdings deutlich schwerer, denn die technische Entwicklung geht immer stärker zu Wearable Devices. Smartwatches und Datenbrillen wie Google Glass sind dabei lediglich die ersten Vertreter ihrer Art. Künftig werden sie das Hauptkommunikationswerkzeug sein, über das wir Informationen beziehen und uns mit der Welt austauschen. Die verbleibende Rechenzentrale, die ohnehin immer kleiner wird, tragen wir dann irgendwo am Körper oder in der Kleidung, vorausgesetzt natürlich, dass das Problem der Stromversorgung gelöst wird.

Aus dieser Entwicklung erwachsen aber natürlich auch Probleme. Wie werden wir damit umgehen, dass wir immer online sind und unsere Privatsphäre durch uns umgebende vernetzte Menschen sich radikal verändert? Zunächst einmal müssen die Deutschen sich von dem Posten der Bedenkenträger lösen und den neuen Technologien aufgeschlossener gegenübertreten, wie Heike Scholz von Mobile­Zeitgeist in einem Interview mit Digitalmediawomen erläutert. Es ist nötig, dass diese Entwicklungen in einem gesellschaftlichen Diskurs offen behandelt werden und dadurch geklärt wird, was diese Technologien für den einzelnen aber auch die Gesellschaft bedeuten.

Die Entwicklung wird natürlich nicht von heute auf morgen von Statten gehen, aber sie ist bereits in vollem Gange. Sich ihr gegenüber zu sperren und das Digitale generell als schlecht abzulehnen hat also keinen Sinn mehr, es geht vielmehr darum die Entwicklung in eine allgemeinverträgliche Form zu führen.


Image (adapted) „Smartphone Evolution“ by Phil Roeder (CC BY 2.0)


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Die digitale Zukunft der Musikbranche

Digital Design Slam_Music Award Show Identity (adapted) (Image by Vancouver Film School [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Musikbranche musste Digitalisierung auf den harten Weg lernen, die neue Generation nutzt von Anfang an die digitalen Möglichkeiten. Im Hochschulanzeiger der Frankfurter Allgemeine Zeitung stellt der freie Journalist Stephan Knieps fünf Menschen vor, die schon heute in den Jobs der Musikbranche von morgen tätig sind. Drei der fünf Berufe basieren auf der Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Vertriebswegen und einem analogen wie auch digitalem Phänomen der Popkultur. Die Musikbranche musste Digitalisierung auf den harten Weg lernen, doch die neue Generation scheint ihren Beruf von Anfang an mit den digitalen Möglichkeiten zu gestalten.

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Warum ignorieren Nutzer die Sicherheitswarnungen von Browsern?

Sicherheit (adapted) (Image by Pixelcreatures [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Browser-Hersteller versuchen die Nutzer zu schützen, doch unsere Gehirne sind so veranlagt, dass wir die meisten Warnmeldungen schlicht ignorieren. Wir verlassen uns zwar immer stärker auf unsere Computer, wenn diese uns jedoch auf Online-Sicherheitsbedrohungen hinweisen, verschließen wir die Augen. Google musste gerade die Warnhinweise des Chrome-Browsers überarbeiten, da die meisten Nutzer diese schlicht ignorieren. Besonders beunruhigend ist daran allerdings, dass unsere Gehirne veranlagt zu sein scheinen, dies zu tun. Aber reicht es, die Warnungen zu überarbeiten, oder sollte der Nutzer gar völlig aus dem Entscheidungsprozess ausgeklammert werden?

Wie einfach ist zu einfach?

Gerade hat man etwas bei einem neuentdeckten Online Shop gekauft und will schnell per PayPal bezahlen. Bei der Weiterleitung erscheint ein Warnhinweis, dass die Seite nicht sicher ist. Aber es ist doch PayPal, wieso sollte die Seite nicht echt sein? Wenn Chrome und alle anderen Browser eine Website besuchen, überprüfen sie deren Identitätsnachweis, das sogenannte SSL-Zertifikat. Diese Zertifikate werden von Certificate-Authorities ausgestellt, die einen Hintergrund-Check der entsprechenden Website durchführt, bevor das Zertifikat ausgestellt wird. Die Zertifikate dienen dem Browser dazu offizielle Seiten von gefälschten zu unterscheiden – also ob man auf der richtigen PayPal-Seite, oder auf einer gefälschten Seite von Betrügern gelandet ist. Stimmt etwas mit dem Zertifikat nicht, zeigt der Browser eine Warnung an. Leider befolgen weniger als ein Viertel aller Chrome-Nutzer die Warnhinweise, wie das Entwicklerteam von Google kürzlich herausgefunden hat.

Warum ist es so schwer für den Nutzer, sich an die simplen Sicherheits- und Privatsphäre-Meldungen zu halten? Vielleicht, weil diese gar nicht so simpel sind, wie sie für Fachleute erscheinen. Denn in den meisten Fällen beschreiben die Warnmeldungen, was das Problem ist, nicht aber, was die daraus möglicherweise entstehenden Konsequenzen sein können. Wahrscheinlich wissen die wenigsten Nutzer was es bedeutet, wenn der Browser einem mit teilt, dass das SSL-Zertifikat für die angesteuerte Website abgelaufen ist. Die wenigsten wissen sogar, was ein SSL-Zertifikat ist. Effektivere Warnmeldungen würden also darauf hinweisen, dass die Bankdaten des Nutzers gestohlen werden können, wenn er auf der gewünschten Seite weitersurft. Lujo Bauer vom Cylab Security Research Centre an der Carnegie Mellon University hat aus diesem Grund Richtlinien für die Erstellung von Warnhinweisen erstellt, die demnach das Risiko umfassend beschreiben und präzise sein sollen, und zudem ausführlich auf die Optionen eingehen sollen, wie man weiter fortfahren kann. Das Google-Team ist zu ähnlichen Ergebnissen gekommen und hat zunächst die technischen Begriffe gestrichen und den Text stark vereinfacht, auch wenn dies zu Lasten der Details geht. Außerdem hat das Team Illustrationen eingefügt und verschiedene Hintergrundfarben zur Verdeutlichung der verschiedenen Risikostufen eingesetzt.

Nutzern die Wahl lassen?

Das wohl wichtigste, vom Google-Team eingeführte Element ist das sogenannte „Opinionated Design“. Im Klartext wird der Nutzer nicht neutral über die Auswahlmöglichkeiten aufgeklärt, sondern sehr stark in die Richtung der sicheren Entscheidung gedrängt, indem z.B. der entsprechende Button größer gestaltet wird, oder die unsichere Alternative hinter mehreren Bildschirmen versteckt wird. Dies ist besonders wichtig, denn der Nutzer erstellt im Falle einer Warnmeldung umgehend eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Die Kosten für die Beachtung der Warnung sind hoch, da sie uns vom Ziel abhält – vielleicht eine Rechnung zu bezahlen, oder ein Status-Update zu posten. Der unmittelbare Nutzen ist gering und sehr abstrakt, weshalb der Nutzer den unmittelbaren Nutzen bevorzugt, wenn die Konsequenzen nicht unmittelbar abzusehen sind. Diese Meinungssteuerung hat zwar in Tests des Chrome-Teams eine deutliche Verbesserung gebracht, allerdings haben sich immer noch 40 Prozent gegen die Warnung entschieden und der Grund dafür scheint tief in uns verankert.

In Tests an der Utah Brigham Young University hat Anthony Vance herausgefunden, dass der Teil des menschlichen Gehirns, der visuelle Reize verarbeitet, schlicht aufhört Warnungen zu analysieren, nachdem sie mehr als einmal gesehen wurden – nachdem der Warnung das erste Mal Aufmerksamkeit gewidmet wird, verlässt sich das Gehirn danach auf die Erinnerung und reagiert entsprechend deutlich weniger. Aus diesem Grund empfiehlt Vance genau das Gegenteil der Design-Richtlinien von Bauer, die Warnmeldungen nämlich nicht extrem zu vereinfachen, sondern sie möglichst inkonsistent zu gestalten. Wechselnde Farben, zufällig hinzugefügte Bilder und Animationen sollen das Gehirn vor dem Gewöhnungseffekt schützen. Andere Fachleute empfehlen sogar den Nutzer komplett aus dem Entscheidungsprozess auszuklammern und ihn automatisierter Software zu überlassen. Allerdings ist dies nicht umsetzbar, da immer wieder Entscheidungen vom Nutzer getroffen werden müssen. Außerdem sollten die Browser-Hersteller hier vorsichtig sein, denn es besteht immer auch die Möglichkeit, dass ein Experte aus gutem Grund die Warnung ignorieren will. Erlaubt ein Browser ihm dies nicht, wechselt er ganz einfach zu der Konkurrenz. Doch das Problem geht weit über den Browser hinaus, und betrifft letztendlich nahezu jede Warnmeldung, die der Computer dem Nutzer präsentiert – Anti-Viren-Programme, und Update-Meldungen des Betriebssystems sind davon genauso betroffen. Außerdem kommen noch Mobile-Devices wie Smartphones und Tablets hinzu. Hier werden die Entscheidungen zunehmend komplexer (wer achtet noch darauf, welche Berechtigungen eine App bei der Installation fordert und versteht die Forderungen auch noch?) und zudem machen die kleineren Bildschirme die Auseinandersetzung mit einer Warnung zunehmend schwerer. Es wird also Zeit, dass wir unser Gehirn zur Aufmerksamkeit zwingen.


Image (adapted) „Sicherheit“ by Pixelcreatures (CC0 Public Domain)

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Streaming – Eine Frage des Preises und nicht der Inhalte?

Evening watching television (adapted) (Image by flash.pro [CC BY 2.0] via Flickr)

Nicht die Inhalte, sondern Preis ist für die Deutschen beim Streaming entscheidend. Eine wichtige Erkenntnis für Netflix & Co. Als bekannt wurde, dass Netflix in Deutschland launcht, zeigten sich Medien und Endverbraucher schwer aufgeregt. Man erhoffte sich mehr hochwertige Inhalte, die möglichst zügig immer und überall zur Verfügung stehen sollten. Der amerikanische Konkurrent werde es den deutschen Anbietern schwer machen, glaubten viele.

Vor drei Monaten kam dann die Ernüchterung: Selbstverständlich hat Netflix mit den gleichen Problemen und Lizenzkosten zu kämpfen. Aboalarm, eine Webseite und App, die Nutzern hilft Verträge zu kündigen, hat 600 Personen, die ihr Pay-TV Abo gekündigt haben, zu Streaming-Diensten und bezahltem Fernsehen befragt. Wie es aussieht ist nicht das Angebot, sondern besonders der Preis primär entscheidend.

Die mit Abstand meisten Kündigungen gingen an Sky (60 Prozent). Laut AboAlarm existiert jedoch eine Studie nach der 70 Prozent der Kündigungen an Sky geschrieben werden, um Neuvertragsvorteile zuverhandeln. Mit 35 Prozent liegt Maxdome auf Platz 2 der Kündigungsliste, Watchever belegt mit 4 Prozent Platz 3.

Obwohl Netflix bei über 60 Prozent der Befragten bekannt war und 58 Prozent vom Deutschland-Launch gehört hatten, überlegten nur 20 Prozent Netflix zu abonnieren. Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) möchten Netflix überhaupt nicht nutzen. Zwei Prozent nutzten bereits einen anderen Anbieter.

Eine Frage des Preises

Für viele Nutzer ist ein Abo-Abschluss eine Frage des Preises. 40 Prozent der Befragten glauben, dass deutsche Streaming-Anbieter noch über den Preis den Kampf entscheiden könnten. Das ist interessant, denn nur eine Minderheit argumentierte, dass an sich niemand mehr für TV-Inhalte bezahlen werde (20 Prozent), Anbieter wie Sky wichtige Trends bereits verschlafen habe (13 Prozent) oder das deutsche Angebot einfach zu schlecht sei (13 Prozent). Nur 8 Prozent hielten aber Netflix für einen vorübergehenden Hype und die restlichen 6 Prozent sind der Meinung, dass der Streaming-Anbieter gewinnt, der sich auf deutschsprachigen Content fokussiert.

Streaming wie wir es kennen, stößt also auf Akzeptanz unter den ehemaligen Pay-TV-Kunden, aber der Preis ist das Maß aller Dinge. Als Beweggrund um sich explizit für Netflix zu entscheiden, war die meist genannte Antwort der Preis (30 Prozent), erst an zweiter Stelle wurde das Filmangebot genannt (25 Prozent), an dritter Stelle das Serienangebot (21 Prozent).

Nimmt man die Zahlen so wie sie sind, stellt man fest, dass Streaming-Dienste ein sehr preissensibles Thema sind. So scheint es, dass die Zuschauer eher gewillt sind nach Preis als nach Inhalten zu entscheiden. Nun ist die befragte Gruppe jedoch nicht repräsentativ. Im Gegenteil. Sie hat gerade einen Service gekündigt, ist also (wahrscheinlich) nicht zufrieden mit der Auswahl, dem Preis oder Service. Sie schließt also nicht die ein, die sich für einen Service entschieden haben und dort bleiben, weil sie mit den Inhalten einverstanden sind und der Meinung sind, dass es das Geld wert sei.

Über den Erfolg von Netflix kann man noch nichts sagen

In den USA ist Netflix bereits in über 30 Prozent der Wohnzimmer eingezogen. Gleiches ist für Deutschland geplant. Ein sehr interessantes Interview zum Netflix-Start in Deutschland führte Daniel Fiene für rp-online. Netflix-Gründer Reed Hastings erklärte dabei, dass Deutschland nicht über Nacht erobert werden werde, sondern eine langfristige Strategie dafür notwendig sei. Den Netzpiloten gegenüber äußerte sich Netflixs Produktchef Neil Hunt über die zukünftige Entwicklung des Dienstes.

Darum sollte man auch keine voreiligen Schüsse ziehen. Netflix hat erst vor drei Monaten gelauncht und Weihnachten steht vor der Tür. Ein Jahresabo wird hier oder da sicherlich auch unter dem Baum liegen. Außerdem geht Netflix weiter ordentliche einkaufen. So wird in den USA ab Dezember z. B. The Wolf of Wall Street (2013) verfügbar sein. Wann das Kinohighlight in die deutschen Wohnzimmer kommt ist unklar. Und über welches Streamhaus bisher auch.

Der Kampf um Marktanteile belibt auf jeden Fall spannend. Denn nicht nur Filme und Serien wollen gestreamt werden, auch Live Events wie Fußball Spiele ziehen Millionen von Fans vor den Bildschirm und gelten als Abo-Argument. Diesen Markt möchte Netflix allerdings nicht betreten.


Image (adapted) „Evening watching television“ by flash.pro (CC BY 2.0)


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OKCupid macht Nutzer zu Versuchskaninchen

Online romance (adapted) (Image by Don Hankins [CC BY 2.0] via Flickr)

Nicht nur Facebook macht Experimente an den Nutzern, auch die Dating-Seite OKCupid gibt nun zu, die Nutzer als Versuchskaninchen einzusetzen. Facebook ist vergangenen Monat für ein Experiment an den Nutzern in die Kritik geraten, in dem die Stimmung einiger Nutzer gezielt manipuliert wurde. Nun hat auch die Dating-Seite OKCupid zugegeben, mehrere Experimente an den Nutzern durchgeführt zu haben. Dabei wurde Nutzern unter anderem eine höhere Übereinstimmung angezeigt, als der Algorithmus tatsächlich errechnet hatte. Doch in diesem Fall gibt es deutlich weniger Empörung, als im Falle Facebook – doch woran liegt das?

Letzten Monat war die Aufregung groß, als bekannt geworden ist, dass Facebook ein Experiment an den Nutzern durchgeführt hat. Kritisiert wurde vor allem, dass Nutzer ohne ihr Wissen manipuliert wurden, indem ihnen Posts angezeigt wurden, die ihre Stimmung beeinflussen. Nachdem sich nun der aufgewirbelte Staub wieder etwas gelegt hat, setzt die Dating-Webseite OKCupid nach und beschreibt in einem Blogpost drei Experimente, die an den Nutzern durchgeführt wurden.

Im ersten und harmlosesten Experiment hat OKCupid nach einer Ankündigung für sieben Stunden die Bilder aus den Nutzerprofilen entfernt, um zu sehen, welche Auswirkungen dies auf das Nutzerverhalten hat. Zwar ist sind die Nutzerzahlen generell massiv eingebrochen, gleichzeitig gab es aber deutlich mehr Antworten auf erste Kontaktaufnahmen. Die Konversationen sollen zudem deutlich tiefer verlaufen sein und die Nutzer haben deutlich schneller weitere Kontaktdaten wie Telefonnummern oder E-Mail-Adressen ausgetauscht. OKCupid schien also besser zu funktionieren – zumindest bis nach den sieben Stunden die Bilder wieder erschienen und 2.200 Nutzer die blind begonnenen Konversationen verstummen ließen. Liebe ist also nicht blind, die Nutzer dafür aber Oberflächlich.

Die Experimente verdunkeln sich

Im zweiten Experiment hat man sich entschlossen, das vorhandene Bewertungssystem auf zwei Kategorien für Erscheinung und Persönlichkeit zu erweitern. Solch ein Bewertungssystem gab es bereits in der Vergangenheit und die Seitenbetreiber haben herausgefunden, dass die Bewertungen weitestgehend übereinstimmen. Nun hat man allerdings einer Gruppe von Nutzern das Profil ohne Text angezeigt um zu sehen, ob bei den Bewertungen ausschließlich Punkte für die Attraktivität oder auch für die tatsächliche Persönlichkeit vergeben werden. Das Ergebnis ist wenig überraschend und deckt sich mit dem des ersten Experiments, die Nutzer sind sehr oberflächlich.

Das dritte Experiment sitzt dagegen etwas querer im Magen, da hier die Nutzer gezielt belogen wurden. OKCupid basiert auf einem Matching-System, in dem ein Algorithmus errechnet, zu wie viel Prozent zwei Nutzer zusammenpassen. Natürlich sucht man hauptsächlich Nutzer, die eine möglichst hohe Übereinstimmung aufweisen und so nach Ansicht der Webseite besonders gut zu einem passen. In diesem Fall hat OKCupid allerdings die Matching Scores bewusst falsch angezeigt – zum Beispiel eine Übereinstimmung von 90 Prozent, obwohl es tatsächlich nur 30 Prozent sind. Die Wahrscheinlichkeit einer Kontaktaufnahme stieg dadurch von 14,2 auf 16,9 Prozent und die Konversationen wurden zudem auch eher weitegeführt. Die Wahrscheinlichkeit lag damit zwar höher als wenn beide Nutzer die wahre Punktzahl gekannt hätten, allerdings wiederum auch niedriger, als wenn beide tatsächlich einen hohen Matching Score gehabt hätten.


Bridget Carey erklärt die Experimente im CNET-Podcast:


Denn sie wissen nicht, was sie tun

OKCupid ist als Online-Dating-Plattform unter anderem aufgrund des Matching-Algorithmus überaus beliebt. Doch im Rahmen der Experimente haben die Betreiber der Seite nun zugegeben, dass sie selber gar nicht so genau wissen, wie dieser eigentlich funktioniert. Und genau aus diesem Grund wurden diese Experimente überhaupt erst durchgeführt, um nämlich besser zu verstehen, ob und wie der Algorithmus eigentlich funktioniert.

Natürlich hinterlässt vor allem das dritte Experiment dabei einen bitteren Nachgeschmack, da die Nutzer gezielt belogen wurden. Allerdings wird sich kaum ein Nutzer, der herausfindet, dass sein Partner, mit dem er glücklich ist, eigentlich gar nicht so gut zu ihm passen soll – und für alle, die aus diesem Experiment ohne Partner hervorgegangen sind, hat sich eigentlich nichts gegenüber der normalen Nutzung von OKCupid geändert. Natürlich kann man sich nun fragen, warum man eine Dating-Seite nutzen soll, wenn diese einem eventuell völlig unpassende potenzielle Partner vorschlägt – da kann man auch in jede x-beliebige Bar gehen. Doch genau das soll mit den Experimenten ja verbessert werden. Wie Christian Rudder, einer der Seitenbetreiber selber zugibt, sind derartige Experimente nötig, um den Algorithmus besser zu verstehen und die Plattform generell zu verbessern, denn das Internet existiert noch nicht lange genug, als dass man bereits eine Formel oder Blaupause entwickelt hätte, wie Webseiten funktionieren. Als Nutzer sind wir also letztlich nicht nur auf OKCupid Versuchskaninchen, sondern auf allen anderen Seiten auch, da diese ebenfalls noch versuchen herauszufinden, was sie eigentlich machen.


Image (adapted) „Online romance“ by Don Hankins (CC BY 2.0)


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Die richtige Social Media-Frequenz: „Fail again. Fail better.“

busy schedule? (adapted) (Image by flik [CC BY 2.0] via Flickr)

Twitter, Facebook, Google+, LinkedIn – auf welchem Social Media-Kanal sollte man wann wie viel posten? Der Frage gehen unzählige Statistiken nach. Auf wie viele Tweets kommen wie viele Posts bei Facebook oder Google+ und was kann man eigentlich mit LinkedIn anfangen? Der Grat in den verschiedenen Social Media-Kanälen zwischen informativ und nervig ist ein sehr schmaler. Umso wichtiger ist es, sich über die richtige Social Media-Frequenz Gedanken zu machen. Doch – helfen dabei nur Statistiken?

Community besteht aus Individuen

Ihr kennt sie doch auch, diese Frage, die man sich als aktiver Twitterer, Facebooker und Googleplusler irgendwann zwangsläufig stellt: Wann ist genug? Gerade, wenn man Social Media-Manager-mäßig unterwegs ist und vielleicht sogar Profile von größeren Unternehmen betreut, wird die Frage elementar. Schließlich will man das Beste aus seiner Community herausholen, will hohe Interaktionsraten, viele Retweets und Shares sowie Kommentare und Resonanzen. Aber auf der anderen Seite steht immer das ungute Gefühl, man könnte es übertreiben und die Community nerven oder – jetzt wird es etwas albern, zugegeben – die Algorithmen gegen sich aufbringen.

Kevan Lee, zuständig für die Inhalte für die bekannte Social Media-App Buffer, hat in einem lesenswerten Blogbeitrag über die beste Frequenz von Postings auf Twitter, Facebook, Google+ und LinkedIn geschrieben. Auch er geht ganz konkret der Frage nach der Grenze zwischen informativ und nervig nach. Eine Grenze, die so einfach gar nicht zu ziehen ist. Schließlich besteht eine Community aus unzähligen Individuen, die alle eine andere „Schmerzgrenze“ haben. Manche wünschen sich viel Inhalt ihrer Lieblingsmarke, andere möchten mehr Inhalte ihrer Freunde und nur zwischendrin mal ein Posting ihrer Lieblingsmarke sehen und wieder andere liken, folgen oder abonnieren die Seite zwar, fühlen sich aber schon beim kleinsten Lebenszeichen genervt.


Social Media-Bearterin Kimberly Ann Jimenez erklärt, wie man Buffer nutzt:


Kein Schema F

Daher finde ich persönlich es mehr als schwierig, pauschalisierte Werte auszugeben. Ein Schema F, nachdem ab sofort alle vorgehen sollen, gibt es nicht – und wird es auch mit noch so vielen Statistiken nicht geben. Zumindest, jetzt wird es wieder etwas albern, bis uns die Computeralgorithmen als Individuum lückenlos entschlüsselt haben (ja, ja – nur eine Frage der Zeit, ich weiß). Entsprechend sollten die Zahlen, die Lee aus diversen Statistiken von SocialBakers bis Track Social extrahiert hat, mit Vorsicht genossen werden. Sie können ein guter Richtwert sein, aber im Zweifel entscheidet das Gefühl und Gespür des Social-Media-Managers gegenüber der Community und jeweiligen Plattform.

Das belegt auch, dass Buffer auch seinen eigenen Social-Media-Zeitplan veröffentlicht hat – und der weicht teilweise ebenfalls klar von den Werten ab, die Lee zusammenfasst. So veröffentlicht der Dienst auf seinen Kanälen per Twitter 14 Mal über den Tag verteilt (auch nachts, um die internationale Followerschaft auch mit Zeitverschiebung anzusprechen). Bei Facebook sind es zwei Postings pro Tag, bei LinkedIn einer und bei Google+ ebenfalls zwei.

Ein Posting bei Facebook pro Tag

Das deckt sich nur bedingt mit den Werten, die etwa SocialBakers für Facebook herausgefiltert hat. Drei Monate lang hat der Statistik-Dienst große Marken – von iTunes über Red Bull bis Coca Cola – im Auge behalten. iTunes postet überdurchschnittlich hoch mit 2,29 Posts pro Tag, Coca Cola unterdurchschnittlich wenig mit 0,44 Posts pro Tag. Am besten liegt Converse mit 0,93 Posts pro Tag im Schnitt von einem Posting.

Warum ein Posting pro Tag am besten ist, zeigt auch eine Statistik von Track Social. Die zeigen auf, dass die Interaktionen der Nutzer mit jedem Posting mehr steigen. Relativ betrachtet, bedeutet das, dass wenn die Rate bei einem Posting bei 100 Prozent liegt, sie beim vierten Posting nur noch bei 80 Prozent liegt und so weiter. Lee merkt aber auch ganz richtig an, dass die Zahlen von vor dem großen Algorithmus-Update von Facebook stammen. Grundsätzlich aber gilt nach wie vor: Zu viel Aktivität auf Facebook (etwa im Rhythmus von Twitter) schadet eher der Aufmerksamkeit, da sich die Postings irgendwann gegenseitig kanibalisieren und Facebook nicht zwei, drei oder fünf Postings von einer Marke im Newsfeed anzeigt.

Drei bis sieben Tweets pro Tag?

Bei Twitter spiegeln sich ganz klar andere Zahlen wieder als man bislang vermutet hatte. Ich persönlich würde auch durch die Halbwertszeit von 18 Minuten pro Tweet annehmen, dass es mehr oder minder egal ist, wie viel man bei Twitter postet – solange man sich 18 Minuten Zeit lässt. Dem sei, so ebenfalls Social Bakers, nicht so. Ab dem dritten Tweet sinke die Interaktionsrate pro Tweet. Eine andere Statistik von Track Social legt den Wert auf fünf bis sieben Tweets fest – auch weniger, als von mir angenommen. Aber auch hier gilt, wie ja auch Buffer mit seinen 14 Tweets zeigt: Gespür für die Community entwickeln und nicht von anderen irgendwelche Werte vorgeben lassen. Track Social ist übrigens auf die (Ironie an) überaus überraschende (Ironie aus) Erkenntnis gestoßen, dass man mehr Antworten bekommt, je mehr man twittert.

Bei Google+ und LinkedIn ist es wesentlich schwieriger, zuverlässige Statistiken zu generieren. LinkedIn selbst empfiehlt eine Posting-Dichte von 20 Postings pro Monat, also jeden Wochentag eins. Bei Google+ empfiehlt Buffer, sich an Facebook zu orientieren und auf maximal zwei Postings pro Tag zu setzen. Google+ sei von Format und Followerschaft Facebook am ähnlichsten – daher die Empfehlung. Auch hier kann sich aber natürlich auf Google+ eine wesentlich andere Community als auf Facebook eingefunden haben. Ist dem so, sollte man sich auch hier nicht an diese Empfehlung halten.


Podcaster Blane Warrene stellt seine persönliche Scheduling-Startegie vor:


Fail again. Fail better.

Ein weiterer, spannender Ansatz von Lee ist, dass man Twittert, wenn kein anderer Twittert. Er vergleicht das mit der Werbung: „When there’s nothing else on, you’re more likely to watch an infomercial.“ Entsprechend könnte gelten: „When there’s little else being tweeted, your tweets are more likely to stand out.“ Etwas, das er übrigens aus dem Bereich des E-Mail-Marketings zieht. Anstatt eine Werbe-E-Mail in den täglichen Fluss von E-Mails zu schicken, empfiehlt es sich, die einzige neue Mail im Postfach zu sein: 20 Uhr bis Mitternacht sei entsprechend eine gute Zeit.

Dem Fazit von Kevan Lee möchte auch ich mich anschließen: Testen, experimentieren, wiederholen, verbessern. Das ist der richtige Weg zur optimalen Social-Media-Frequenz. Man könnte es auch mit den Worten des irischen Schriftstellers Samuel Beckett sagen: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try Again. Fail again. Fail better.“


Image (adapted) „busy schedule?“ by flik (CC BY 2.0)


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Snapchat: Die Faszination des Nichts

Smartphones (adapted) (Image by clasesdeperiodismo [CC BY SA 2.0], via flickr)

Facebook, Twitter, Instagram und Google+ sind die Schwergewichte unter den sozialen Netzwerken, die sich seit Jahren über wachsende Nutzerzahlen freuen. Unter Teenagern hat Snapchat allerdings eine große Abwanderungswelle aus den bekannten Netzwerken ausgelöst und diese somit unter Zugzwang gesetzt. So lange man versucht, die App mit den anderen Netzwerken zu vergleichen, erschließt sich die Faszination für Snapchat tatsächlich nicht, ein Vergleich mit der Sitcom Seinfeld schafft da allerdings Abhilfe.

Ich muss gestehen, dass auch ich Snapchat zwar ausprobiert habe, sich mir die Begeisterung vieler Nutzer an den vergänglichen Nachrichten aber nicht erschließen wollte. Erst ein Vergleich mit meiner persönlichen Lieblings-Sitcom Seinfeld, von Cnet-Autorin Jennifer Van Grove, öffnete mir kürzlich die Augen.

Um es kurz zusammenzufassen: Es geht um Nichts! Mit diesen Worten beschrieb George Costanza in der Serie selbst ihren Inhalt und genau darum geht es auch bei Snapchat. Bei Facebook, Twitter und Google+ teilen wir Beiträge, die ewig konserviert werden – diese zum Personal Branding und sollen vor allem Aufmerksamkeit erregen. Nicht so bei Snapchat – hier ist der Fokus ein anderer, nämlich nichts. Mit den Kontakten werden nicht etwa bedeutsame oder geistreiche Beiträge mit heischendem Blick auf die Likes geteilt – sondern Momentaufnahmen aus unserem Alltag, die mit einem Verfallsdatum versehen sind (zumindest fast). Dieser Alltag besteht zum großen Teil aus kleinen belanglosen Momenten, die es nicht wert sind, über Facebook oder Twitter in die weite Welt geteilt zu werden – ein paar enge Freunde dürften sich aber sicher daran erfreuen, zumindest für einen kurzen Moment. Bei Snapchat können Inhalte komplett ohne den Filter der Öffentlichkeit geteilt werden.

Dass Snapchat sich vor allem bei jungen Nutzern so großer Beliebtheit erfreut, überrascht nicht. Sie bewegen sich ständig in der Öffentlichkeit, nicht zuletzt auch durch die Tatsache, dass inzwischen sogar die Eltern bei Facebook aktiv sind und so ein Auge auf die Kinder haben. Snapchat bietet somit ein Rückzugsgebiet, in dem es nicht mehr primär um den Inhalt, sondern vielmehr den Kontext geht und dieses Konzept dürfte auch älteren Nutzern gefallen.


Image (adapted) “Smartphones“ by clasesdeperiodismo (CC BY-SA 2.0)


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Mobile Messaging: Das irre Geschäft mit virtuellen Stickern

an evening playing 'smartphone' pub quiz with the exeter twitterati! (adapted) (Image by Phil Campbell [CC BY 2.0] via Flickr)

Auch der Suche nach neuen Einnahmequellen bedienen sich App-Anbieter eines asiatischen Trends: kostenpflichtige Comic-Bildchen zum Verschicken. Die Smartphone-Welt treibt wieder einmal bunte Blüten: In Messaging-Apps rund um den Globus poppen immer öfter kleine Stores für virtuelle Sticker auf. Die von japanischen Mangas inspirierten Bilder werden im kleine Beträge verscherbelt und sollen das Kommunikations-Repertoire von Millionen Smartphone-Nutzern erweitern. In Asien wirft das Phänomen bereits Millioneneinnahmen für die Anbieter ab – aber kann das auch im Westen ein Erfolg werden?

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Snapchat: Geplatzter Traum von löschbaren Daten

Eine Smartphone-App versieht die Fotos der Nutzer mit einem Ablaufdatum – zumindest theoretisch, denn manuelle Screenshots sind unkontrollierbar // von Jakob Steinschaden

snapchat

Einen “digitalen Radiergummi” hat der österreichische Politikwissenschaftler Viktor Mayer-Schönberger, der heute in Oxford lehrt, schon 2009 in seinem Buch “Delete” gefordert – also die Möglichkeit, Daten über Personen und Ereignisse löschen zu können und nicht ewig und für alle abrufbar auf die Server von Google, Facebook und Co. zu bannen. Zwei Studenten der Universität Stanford haben mit Snapchat eine Smartphone-App (gratis für iPhone und Android) gebaut, mit der man Fotos und Videos an andere Nutzer senden kann, die sich nach wenigen Sekunden wieder löschen – zumindest in der Theorie.

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Alles im Abo: Warum uns das Internet bemuttern will

Online Shopping with Touchscreen Ultrabook (adapted) (Image by Intel Free Press [CC BY 2.0] via Flickr)

Subscription als Geschäftsmodell lockt uns viel Geld aus der Tasche – aber wie lange geht dieser Trend im E-Commerce noch gut? Wer im Internet Geld ausgibt, der tut das oft im Monatsrhythmus. Musik, Filme, Nachrichten, Software und sogar Socken – per Abonnement bekommt man viele digitale und auch analoge Dinge frei Haus geliefert. Für Web-Firmen ist das Abo ein verlockendes Geschäftsmodell, weil es steten und damit planbaren Geldfluß bringt. Doch wie lange verkraften die Geldbörsen der Konsumenten den Subscription-Boom?

9,99 Euro pro Monat für Millionen gestreamter Songs bei Spotify. 7,99 Euro pro Monat für unbegrenzten Zugriff auf die Netflix-Bibliothek voller Filme und Serien. 12,99 Euro pro Monat für das Digital-Komplett-Paket der Zeitung Die Welt. 132 Euro für regelmäßige Sockenlieferungen bei Blacksocks.com. Und so weiter und so fort. Wer zu Hause auf der Couch bleiben will und sich von Online-Firmen umsorgen lassen will, der kann sich bis zum Biogemüse alles an die Haustür liefern lassen. Das ist nicht nur praktisch, sondern tut auch mental gut. Ein Abonnement birgt ein wohliges Gefühl: Da draußen ist jemand, der sorgt sich um meine Bedürfnisse und legt alles in die bestellte Kiste, was ich so zum Überleben brauche – quasi so wie damals, als Mama einem das Gewand für den nächsten Tag aufs Bett legte und man selber nicht das Hirn anstrengen musste. Die geschnürten Pakete versprechen Komplexitätsreduktion: Die Streaming-Dienste Netflix oder Spotify haben bei weitem nicht jeden Film und jeden Song im Sortiment, locken uns mit lernenden Empfehlungs-Algorithmen aber immer tiefer in ihre Kataloge, damit wir nicht merken, was eigentlich fehlt.

Dass Menschen auf die gemütliche Kiste stehen, ist gut für Internet-Unternehmer. Mit Freemium (frei nach Internet-Investor Fred Wilson) hat sich ein Geschäftsmodell etabliert, dem das Abonnement innewohnt. “Give your service away for free, possibly ad supported but maybe not, acquire a lot of customers very efficiently through word of mouth, referral networks, organic search marketing, etc, then offer premium priced value added services or an enhanced version of your service to your customer base”, rät Wilson. Ob Spotify, Dropbox, oder Evernote – ihre Anbieter können monatlich auf einen konstanten Cashflow bauen, den ihre Premium-Kunden in die Kassen spülen. Der Dienst muss gut funktionieren und immer wieder Neuerungen bieten, klar – aber Kunden immer aufs neue gewinnen, wie es Online-Shops wie Zalando tun müssen, müssen Freemium-Services nicht.

Neu ist die Idee klarerweise nicht. Zwischen 1881 und 1932 gab es in Pariser Luxushotels das so genannte “Theatrophon”. Dabei wurden Theater- und Opernaufführungen via Telefon übertragen, und die Hörer an der Strippe mussten 50 Centimes pro fünf Minuten Zuhören bezahlen – quasi Musik-Streaming mit anderen Mitteln. In den 1700ern, schreibt AllThingsD-Autor Dan Burkhart, hätte es bereits Abos gegeben, wo Menschen gegen monatliche Beträge an Veranstaltungen teilnehmen durften. Später konnte man Wasser, Öl, Milch oder Windeln per regelmäßigem Entgelt beziehen, und nicht zuletzt Zeitungen nährten sich aus dem Abogeschäft.

Heute bezieht der durchschnittliche Bürger nahezu alles per Abonnement. Wohnung (Miete), Auto (Leasing), Gas, Wasser, Strom, Garage, Öffi-Ticket, Versicherung, Kabel-TV, Internet, Zeitung, ja selbst der Job ist quasi ein umgedrehtes Abo, bei dem der Arbeitgeber unsere Lebenszeit per Abonnement bezahlt (Lohn). Ja, das Abo hält unsere Wirtschaft ordentlich am Laufen. Weswegen man sich die Frage stellen muss, wie lange das noch gut geht. Denn die vielen neuen Internet-Services kommen zu unseren bestehenden Abos oben drauf. Spotify, Netflix und Audible mögen teilweise Ersatz für CD, DVD und Buch sein – aber das Internet-Abo muss man ja trotzdem nebenher zahlen. Deswegen: Wie lange können wir uns das noch leisten? Und: Wann konsolidiert sich der Markt dahingehend, dass man neben einem Online-Zugang auch verschiedene Services wie Musik, Online-Speicher, Video und News mit im Paket hat? Aus Sicht von Google und den Telcos nur eine Frage der Zeit.


Image (adapted) „Online Shopping with Touchscreen Ultrabook“ by Intel Free Press (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 2. September

In den Lesetipps geht es heute um den Fluch/Segen von Konnektivität, Netzneutralität in den Wahlprogrammen, Facebook-Nutzer als Produkt, Google kauft für eine Android-Smartwatch ein und die NSA baut ein Bot-Netz auf. Ergänzungen erwünscht.

  • KONNEKTIVITÄT Bits-Blog: More Connected, Yet More Alone: Wir sind verbundener denn je und durch Smartphones auch rund um die Uhr von überall. Doch diese Konnektivität scheint manche vom eher im Da und Dort verweilen zu lassen als im Moment vor Ort. Kritik kommt daran auf, aber auch Gedanken über Medienkompetenz in unserer Gesellschaft, die vielleicht noch lernen muss, wie sich eine globale Vernetzung im Hier und Jetzt nutzen bzw. vergessen lässt, wenn man das will.
  • NETZNEUTRALITÄT Zeit Online: Netzneutralität in den Wahlprogrammen der Parteien: Auf Zeit Online analysiert Angela Gruber die Positionen zur Netzneutralität in den Wahlprogrammen der Parteien. Sie sind alles andere als deckungsgleich, denn auch wenn ein neutrales netz das wichtigste Ordnungsprinzip des Internets ist, gibt es keinen parteiübergreifenden Konsens, dass Netzneutralität eine gute Sache ist und der Staat sie garantieren muss.
  • FACEBOOK ReadWrite: Facebook zerstreut alle Zweifel daran, ob die Nutzer das Produkt sind – sie sind es: Ende letzter Woche hat Facebook in Mails an seine Nutzer über die neuen Datenschutz-Bestimmungen aufgeklärt. Informationen sollen jetzt noch leichter geteilt werden, aber auch der Werbesektor wird in dem sozialen Netzwerk ausgebaut. Selena Larson ist „beeindruckt“ davon, wie offen Facebook klar macht, dass die Nutzer das Produkt sind.
  • GOOGLE Time Techland: Google May Have a WIMM to Make a Smartwatch: Seit Jahren kommen die sogenannten Smartwatches in ihrer Entwicklung nicht weiter. Das könnte sich jetzt ändern, denn Google hat das 2011 gegründete Startup WIMM gekauft, dass sich zu einem Smartphone-Spezialisten entwickelt hat. Es ist der erste Hinweis darauf, dass die Android betreibende Firma auch an Smartwatches als Produkt denkt.
  • BOT-NETZ Spiegel Online: NSA will mehr als 85.000 Computer mit Spionage-Software infizieren: Die „Washington Post“ hat geheime Haushaltspläne der US-Geheimdienste ausgewertet und ist auf Beweise gestoßen, dass die NSA unter dem Codenamen „Genie“ ein weltweites Bot-Netz aufbauen. Mindestens 85.000 Computer sollen mit einer Spionage-Software infiziert werden, um eine Kontrolle über startegische Ziele zu gewinnen.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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„Weißt du noch?“ – Von Apps, die dir sagen wer du bist…

Selbstreflexion durch Apps und Tools – Was Timehop, Rewind.me und futureme.org über dich aussagen können.

Weißt du noch, was du letzten Sommer getan hast? Und vor allem, was du davon im Social Web geteilt hast? Klar, die Facebook-Timeline kann dir helfen dies herauszufinden. Ausführlicher geht es aber auch mit einigen Apps, die mit dir auf eine Zeitreise gehen und vielleicht sogar helfen, mehr über dein Nutzerverhalten und dich selbst zu erfahren.

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Facebook durchsucht die Chat-Protokolle – Kennen wir uns?

Facebook durchsucht die Chat-Protokolle - Kennen wir uns?
Facebook durchsucht die Chat-Protokolle. Ach, da werden die Leser müde. Facebook, schon wieder. Klar tun die das. Die durchsuchen alles, was man denen in den Rachen schmeißt. Besonders beliebt sind natürlich allerlei Produktnamen, Marken und Anbieter. Da geht es um Werbung. Wusste der/die geschätzte Netzpiloten-Leser/in, dass es aber auch darum geht, festzustellen, wie sicher Facebook sein kann, ob die beiden Chat-Partner sich auch tatsächlich aus dem realen Leben kennen?

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Infographic: Macht uns Social Media sozial ungeschickt?

Make Social Media us Socially Awkward?Laut einer Umfrage von Schools.com haben satte 24% der Befragten einen wichtigen Moment in deren Leben verpasst, nur weil sie so sehr damit beschäftigt waren, diesen im Social Web zu teilen, anstatt ihn auszukosten. Ein Umstand der aufhorchen lässt. Während einige die soziale Müdigkeit ausrufen, sagen andere wiederrum, dass wir nur noch für soziale Netzwerke leben. Ein paar Fakten, die Aufschluss geben könnten, hat diese Infografik zusammengefasst, die zudem versucht zu erfassen, wie stark unser digitales Leben, unser analoges Dasein ersetzen dürfte.

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