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Zwei Jahre Serial – Was hat der Podcast-Hit für das Medium gebracht?

Serial Podcast (adapted) (Image by Casey Fiesler [CC BY 2.0] via Flickr)

Vor zwei Jahren, am 3. Oktober 2014, hat die erste Staffel von Serial begonnen. Der journalistische True-Crime-Podcast über einen Teenager-Mord in Chicago entwickelte sich dann zu einem der erfolgreichsten Podcasts weltweit und verschaffte dazu dem gesamten Medium gehörig Aufmerksamkeit. Kaum jemand hat die Branche seitdem genauer beobachtet als Nicholas Quah. Auch für ihn hat mit Serial ein neues Kapitel begonnen: Der 27-Jährige Quah hat nach dem Serial-Start seinen E-Mail-Newsletter Hot Pod begonnen, verließ seinen Job beim US-Podcast-Netzwerk Panoply und machte sich mit dem Newsletter selbstständig. Mittlerweile gelten Quahs Beobachtungen und Recherchen, aber insbesondere seine Analysen als Standardwerk der Podcast-Branche. Politico porträtierte ihn jüngst als „podcasting’s up-and-coming publisher of record“. Ein Gespräch mit Nicholas Quah über die Rolle von Serial für die US-Podcast-Branche und wie es für das Medium zwei Jahre später weitergehen könnte.

Die erste Staffel von Serial scheint der Durchbruch für journalistische Podcasts gewesen zu sein. Zwei Jahre sind seitdem vergangen. Welche Rolle hat Serial für das Medium Podcast gespielt?

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Nicholas Quah (Image by Nicholas Quah)

Nicholas Quah: Serial ist ein wichtiger Moment der Branche gewesen, es gab einen regelrechten Boom danach. Wobei wir bisher noch klären müssen, ob es ein Boom der Aufmerksamkeit oder ein Boom der Hörerzahlen war. Aber fest steht: Danach waren Podcasts fester Bestandteil der größeren Diskussion über Medien und Journalismus. Denn Serial hat nicht nur neues Interesse für Podcasts angestiftet, beziehungsweise die Aufmerksamkeit dafür neu fokussiert, sondern hat auch für mehr Optimismus und Investitionen für das Medium gesorgt. Es gab daraufhin eine Explosion von neuen Podcast-Unternehmen, daneben haben zahlreiche bereits bestehende Medienorganisationen angefangen, ebenfalls Podcasts zu produzieren. Deren Ansehen und Publikum fließen natürlich auch in das Medium. Ich habe das Gefühl, dass Podcasts gerade in die alltägliche US-Mediennutzung integriert werden.

Derzeit scheint Podcasting in den USA einen nahezu magnetischen Effekt auf Journalisten auszuüben: Erfahrene Magazin-Autoren, erfahrene Radio-Reporter und Neueinsteiger zieht es gleichermaßen an. Zeitgleich sucht das relativ junge Medium noch nach Geschäftsmodellen. Was ist dennoch so anziehend am Podcast?

Ein Teil der Antwort liegt in den Eigenschaften von Podcasts. Um sie zu beschreiben, sprechen viele von einem sehr vertraulichen, intimen Medium. Es erlaubt ein längeres Storytelling, eine stärker involvierte Form des Erzählens und Berichtens, dazu bietet es eine engere Verbindung zwischen Journalisten und ihrem Publikum. Das ist eine Erfahrung, die besonders angesichts der heutigen Architektur und Infrastruktur der Medien selten geworden ist. Mehr und mehr Publikationen werden digital, die Märkte werden dadurch gesättigt und alles fühlt sich weniger eigenständig an. Jede Geschichte ist eine weitere Sensation, eine weitere Schlagzeile. Der andere Teil der Antwort ist: Die Beliebtheit von Podcasts – und in dieser Erweiterung auch die Beliebtheit von Radio – ist eine Folge des Hungers nach einem tiefergehenden Journalismus – einem Journalismus, der Verbindungen herstellt, der Sinn stiftet. Das ist etwas, das heutzutage meiner Meinung nach häufig fehlt.

Vor einem Jahr hast du in einem Interview behauptet, dass wir uns nicht in einer Podcast-Blase befinden, sondern in einer Blase der Aufmerksamkeit für Podcasts. Ist diese Blase mittlerweile geplatzt oder wächst sie weiter?

Was ich mit „Aufmerksamkeits-Blase“ meinte, war dieser gewisse Optimismus, der nach Serial um das Medium Podcast kursierte. Es gab diese Wahrnehmung von diesem „Das ist die nächste große Sache“-efühl, die den Journalismus und/oder die Medien retten wird. Dazu habe ich allerdings ein ambivalentes Gefühl: Ich habe zwar immer geglaubt, dass Podcasting die nächste Phase für Radio sein wird – der Wechsel vom Rundfunk zum Internet. Das halte ich für eine natürliche Entwicklung, die lange erwartet wurde und die wir bei anderen Medien schon gesehen haben, beispielsweise beim Fernsehen, das mit Netflix digitalisiert wurde. Aber ich glaube, der Hype um Podcasting ist etwas zurückgegangen und trifft auf die echten Versuche, eine größere, nachhaltigere und robustere Podcast-Branche zu schaffen. Die Blase wächst nicht mehr, sondern trifft auf den Versuch, einen neuen Normalzustand für die Branche nach Serial zu schaffen.

Wenn es um die Zukunft des Mediums geht, beschreibst du in deinem Newsletter dabei immer wieder den Konflikt von zwei Gruppen, von zwei Philosophien: „Podcasts als Blogs“ gegen „Podcasts als Zukunft des Radios“. Ist es möglich, dass in den nächsten Monaten oder Jahren die eine Seite die andere vollständig schluckt?

Ich halte es für vollkommen möglich, dass das in den nächsten zwei oder drei Jahren passiert. Die ganze Beschwerde, dass bei Podcasts Entdeckung und Verteilung nicht funktionieren, ist meiner Meinung nach durch den demokratischen Zugang zur Verteilung von Podcasts zwingend bedingt. Ein Beispiel: Wenn in einer 10.000-Einwohner-Stadt wirklich jeder eine Zeitung herausgeben und an die anderen 99,99 Prozent verteilen kann, dann entsteht ein Gefühl der Übersättigung. Und jeder Versuch, die Entdeckung von Inhalten effizienter zu gestalten, ist dann notwendigerweise ein Schritt, der Ungleichheit schaffen wird. Dazu kommt, dass im Podcasting Unternehmen und Organisationen aufkommen, die sich nicht nur selbst finanzieren wollen, sondern auch Profite generieren und deswegen Kontrolle gewinnen wollen. Das steht natürlich dem Gedanken von Podcasts als Teil des offenen Netzes entgegen. Deswegen sehe ich die Open-Web-Befürworter und open-web-nahen Unternehmen wie PRX oder Radio Public in der Pflicht, Räume zu schaffen, in denen Podcasts als Blogs florieren können. Die müssen zusätzlich oder im Gegensatz zu den Räumen entstehen, in denen Unternehmen aus der „Podcasts als Zukunft des Radios“-Ecke ihre Geschäftsmodelle etablieren und sichern können. Ich glaube, wir können beide Philosophien zeitgleich haben. Aber das braucht die Arbeit und Beteiligung von beiden Seiten.

Ist es möglich, nach Serial einen solchen internationalen Podcast-Erfolg zu wiederholen und wieder einen viralen Hit in so vielen Ländern zu schaffen?

Ich glaube, ja. Es wird das nächste ‚Serial‘ des Podcastings geben. Genauso, wie es den nächsten Roman-Erfolg und das nächste Hit-Musical geben wird. Lange Zeit dachten wir, Musicals sind nicht mehr wirklich relevant für die weitere Mainstream-Kultur – und dann kam ‚Hamilton‘. Wenn man sich Serial genauer anschaut, ist es an sich gar nicht so neuartig – aber die Umsetzung war extrem neuartig und bedeutend. Es war Feature-Journalismus, wie wir ihn aus Print-Magazinen wie ‚The New Yorker‘ oder ‚The Atlantic’ bereits kennen. Mit dem Unterschied, dass er seriell erzählt war und sich wie eine Prestige-Fernsehserie angefühlt hat. Es war also eine Kombination aus erstens: Serial als sehr gute Mischung aus Journalismus und Unterhaltung und zweitens: Dem überraschend neuen Gefühl, das die Hörer dabei hatten. Jedes Medium kann so einen Erfolg feiern. Die Frage ist nur, wie man so einen Erfolg entwickeln kann. Ich glaube, das lässt sich nicht konstruieren. Stattdessen muss man möglichst viel Neues schaffen und genügend Leute mit kreativen, neuen Ideen müssen Zugang zum Medium haben.

Aber trifft das beim Podcasting derzeit zu? Ist das Medium Podcast zugänglich und vielfältig genug? Oder versuchen nicht viele, ‚Serial‘ zu kopieren oder wie ‚This American Life‘ zu klingen?

Letztendlich klingen viele Podcasts derzeit gleich, das stimmt. Unabhängig davon, ob das eine Frage der mangelnden Diversität in der Demografie, in der Ausbildung oder in der Ästhetik ist – Podcasting ist immer noch sehr zugänglich. Auch wenn es sich sehr gesättigt anfühlt; es ist nur gesättigt mit dem immergleichen Kram. Wenn du anders klingst und sehr Gutes lieferst, kannst du immer noch den Durchbruch schaffen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Leute von Welcome to the Night Vale, die ohne vorherige Audio-Ausbildung so viel Resonanz erzeugt haben, dass sie mittlerweile sogar ein eigenes Label gründen konnten. Oder die Leute von The Black Tapes. Die haben beide gezeigt, dass man aus der Eintönigkeit von Podcasts hervorstechen kann und sie bekommen deswegen so viele Fans und so viel Aufmerksamkeit aus ihrer Gemeinschaft. Beides sind Beispiele, die von Menschen geschaffen wurden, die etwas selbst auf die Beine stellen wollten und die nicht von großen Podcast-Labels fabriziert wurden.

Als Beobachter der Branche hast du natürlich auch von Serial profitiert und profitierst auch weiter vom Wachstum in der Podcast-Landschaft. Wie gut funktioniert deine Arbeit für dich?

Natürlich hat mein Newsletter vom Aufkommen von Podcasts profitiert. Mein Impuls, den Newsletter zu schreiben, ist immer der gleiche geblieben: Da spielt sich etwas ab, aber nicht genügend Leute versuchen, diese Entwicklung zu verstehen. Also wie kann ich dabei helfen, den größeren Zusammenhang nachvollziehbar zu machen? Denn ich glaube, den Kontext zu verstehen hilft – egal, ob du selber in der Branche arbeitest, darüber nachdenkst oder nur ein Fan von Podcasts bist. Also klar, je mehr Leute an Podcasts in irgendeiner Form interessiert sind, umso mehr kommt mir das zu Gute. Es ist nicht viel Geld, aber ich kann davon leben und ich habe bereits eine gewisse Tragfähigkeit erreicht. Außerdem betreibe ich den Newsletter als Unternehmen, weil ich schon immer daran interessiert war, wie Medienunternehmen funktionieren und wie man seinen Lebensunterhalt im Internet verdient. Dadurch beschäftige ich mich mit den selben Fragen, mit denen viele Podcast-Unternehmen ebenfalls zu tun haben. Es ist also eine Art partizipativer Journalismus, auch wenn ich mich selbst nicht als Journalisten verstehe.

Hast du schon einmal daran gedacht, mit deinem Newsletter aufzuhören?

Ich denke ständig darüber nach. (lacht) Mich interessieren so viele Dinge gleichzeitig, aber zufällig bin ich in diese Podcast-Welt geraten und als ich einmal angefangen hatte, wollte ich diese Welt noch weiter erkunden. Derzeit bin ich immer noch sehr glücklich mit dieser Arbeit, weil jede Woche noch etwas Besonderes passiert, sodass ich den Newsletter ohne Probleme weiterschreiben kann. Vielleicht interessiert mich mal ein anderes Thema oder vielleicht gebe ich den Newsletter eines Tages an jemand anderen ab. Aber das sehe ich nicht in der näheren Zukunft passieren. Ein Großteil meiner Arbeit beinhaltet viel Kritik und Skepsis, aber ich bin nicht zynisch. Mehr denn je bin ich optimistisch, dass die Podcast-Industrie eine Zukunft hat und dass Podcasts dauerhaft ein einflussreiches Medium sein werden.


Image (adapted) „Serial Podcast“ by Casey Fiesler (CC BY 2.0)


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Die Washington Post testet Pop-Up-Newsletter für größere Artikel

Typesetting and leading @ The Washington Post D.C. (adapted) (Image by Lindsay Eyink [CC by 2.0] via flickr)

Eine der effektivsten Arten, Menschen dazu zu bringen, Geschichten anzuklicken und zu lesen ist auch eine der einfachsten: Man muss den Inhalt für sie personalisieren, indem man sich darauf bezieht, was sie bereits gelesen haben. Um einige ihrer größten Artikel zu bewerben, experimentierte die Washington Post mit „Pop-Up“-Newslettern. Die Newsletter werden basierend auf den Interessen und dem Verhalten des Lesers personalisiert und an die bereits bestehenden Email-Abonnenten der Washington Post (die diesem Vorgang nicht extra zugestimmt haben müssen) versendet. Um ihre aktuelle Story über einen Lehrer einer Marineakademie, der wegen sexueller Nötigung angezeigt wurde, zu bewerben, schickte die Post beispielsweise eine E-Mail an die Nutzer, die in der letzten Zeit ähnliche Geschichten gelesen hatten. Seit Januar nutzte die Post den Pop-Up-Newsletter, um bisher acht Artikel zu bewerben. Die Personalisierung gibt den Newslettern der Washington Post eine neue Relevanz, sagt Jennifer Amur, Redakteurin der Newsletter und Alertmeldungen der Post. „Wir versuchen sicherzustellen, dass die Leser, die an unseren überzeugendsten Stücken wirklich interessiert sind, diese auch zu sehen bekommen“, sagt sie. Bis jetzt wird das E-Mail-Personalisierungsexperiment der Washington Post mithilfe von Fremdwerkzeugen genutzt, doch es ist geplant, diese Funktion in Clavis, dem eigenen Content-Personalization-Tool, zu integrieren. Inspiriert durch Amazons eigene Personalisierungsmaschine arbeitet Clavis, indem es Schlüsselwörter und Sätze aus den Artikeln, die die Nutzer lesen, analysiert. Diese Schlüsselworte werden dann genutzt, um Nutzern andere Inhalte zuzuordnen, die ihnen gefallen könnten. Das Tool, das die „Post Empfehlungen“-Widgets auf der Seite der Post betreibt, wurde ebenfalls zur Zielführung von Native Ads genutzt. Die E-Mails an sich sind einfach. Eine E-Mail, die beispielsweise „Die Überzeugungen eines Marines“ bewirbt, stellt lediglich eine Einführung, die ersten drei Absätze der Story, einen Link, um zur Vollversion zu gelangen, und Links, um die Story auf Facebook und Twitter zu teilen, dar. Die Idee ist, die Leser dort hin zu bekommen, dass sie die Story lesen, teilen oder – bestenfalls – beides tun, sagt Amur. Es handelt sich um eine effektive Formel. Die Klick-Raten der personalisierten Newsletter betragen das Dreifache des Durchschnitts und die Öffnungsrate insgesamt beträgt das Doppelte des Durchschnitts für die Newsletter der Post. (Amur gab keine konkreten Zahlen preis.) Diese Ergebnisse zeigen, warum Personalisierung ein so mächtiges Tool sein kann, wenn es richtig verwendet wird. Wenn Herausgeber in der Lage sind, die Inhalte, die an den Leser angepasst wurden, besser zur Verfügung zu stellen, dann, so die logische Schlussfolgerung, erhöhe sie außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass diese Leser sich durchklicken und, einmal angefangen, auch weiterlesen. Das Problem ist, dass, während die Herausgeber zwar ein großes Potenzial in der Personalisierung sehen, nur wenige von ihnen die Personalisierung zum Kern ihrer Distributionsstrategien gemacht haben. Doch Personalisierung ist nicht die einzige Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Leser sich durch die Newsletter klicken. Während die Washington Post den Weg der Personalisierung gewählt hat, haben Herausgeber wie die der New York Times die Relevanz ihrer Newsletter durch das Erstellen von vertikalen Newslettern, die auf Nischeninteressen und sogar auf individuelle Kolumnisten wie Nicholas Kristof fokussiert sind, gesteigert. Im Februar brachte die Times The Edit heraus, einen Newsletter gerichtet an College-Studenten. Die Washington Post folgte dieser Fährte ebenfalls, indem sie neuerdings Newsletter wie den auf Tiere spezialisierten Animalia und In Theory, der sich auf Gastkommentare konzentriert, herausbringen. Obwohl ein großer Teil des Verlagswesens den Großteil ihrer Aufmerksamkeit auf Facebook projiziert hat, darf die Macht der Newsletter nicht ignoriert werden, sagt Amur. „So viel von dem, was wir mit den Newslettern, E-Mail-Brennpunktmeldungen und App-Sondermeldungen tun, zielt darauf ab, die Menschen dort zu erreichen, wo sie sich befinden. Die Menschen tragen ihre Mailfächer mit sich.“ Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Typesetting and leading @ The Washington Post D.C. #lategram“ by Lindsay Eyink (CC BY 2.0)


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Zurückgeklickt: Deutschlands erster Blogger

Netzine_Logo_Walter_Laufenberg_via_Netzine.de

Walter Laufenberg ist Schriftsteller und betreibt nebenbei seit 20 Jahren netzine.de, das erste Blog Deutschlands. Ein Interview. // von Hendrik Geisler

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschlands erster Blogger geboren. Walter Laufenberg kommt 1935 in Opladen zur Welt und ist Zeit seines Lebens ein Freigeist, der unter anderem als Fernsehreporter, Werbedirektor und freier Autor arbeitet. Am 3. Januar 1996 stellte er die erste Ausgabe seines Laufenberg Netzines auf netzine.de online. Das erste deutsche Blog war geboren. Ein Gespräch mit dem deutschen Urblogger über die Rolle des Internets, die Arbeit als digitaler Nomade und E-Mail-Newsletter. Weiterlesen »

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GlobalPost hofft durch E-Mail-Newsletter auf mehr Freiheit

Globe (adapted) (Image by Luke Price [CC BY 2.0] via Flickr)

Als Philip Balboni letztes Jahr seine internationale Nachrichten-Website GlobalPost an WGBHs Public Radio International verkaufte, könnte er auch die Welt des Journalismus verlassen haben. Immerhin ist er nun seit 49 Jahren in diesem Geschäft tätig. Dazu meinte aber Balboni “Mir wurde unerwartet klar, dass ich nicht dazu bereit war, meinen Beruf zu verlassen.” Stattdessen begann er über E-Mail-Newsletter nachzudenken. “Ich wurde von der Möglichkeit begeistert mit etwas zu arbeiten, das nachhaltig und tragend ist, das nicht von all den Dingen abhängt, die außerhalb der Kontrolle des Journalismus liegen, wie die Werbe-Technologie und Social Media”, sagte Balboni. “Bei GlobalPost sah ich all den Verlust der Kontrolle über so viele Dinge, die wichtig für deinen Erfolg sind.”

Balboni ist der Ansicht, dass “die Veröffentlichung, Monetisierung und das Wachstum des Publikums von anderen kontrolliert wird”, nämlich von Plattformen wie Facebook und Google, die die größte Macht besitzen. Als er den Verkauf von GlobalPost am 30 September 2015 an WGBH für eine ungenannte Summe durchführte und die Muttergesellschaft abwickelte, behielt er sich die Rechte des GlobalPost E-Mail-Newsletters Chatter und entschloss sich, ihn als unabhängigen E-Mail-Newsletter, nun Daily Chatter genannt, wieder einzuführen.

Die erste Ausgabe des Daily Chatter kam am Montag raus. Der Slogan lautet “Die Welt in zwei Minuten”, was “in etwa die Zeit ist, die ein einigermaßen schneller Leser am Morgen braucht, um durch den Chatter zu gehen und mit einem tieferen Verständnis über die Welt wieder rauszukommen”, so Balboni. Der Newsletter wird jeden Morgen um 06.30 Uhr an seine Abonnenten geschickt. Sie können hier die erste Ausgabe lesen.

Balbonis Partner im Unternehmen ist Alex Jones, der von 2000 bis 2015 der Direktor des Harvard Shorenstein Zentrums für Medien, Politik und öffentliche Ordnung war. Er hat auch den Pulitzer Preis für seine Berichterstattung in den New York Times erhalten (und ist ein ehemaliger Nieman Kamerad). Es gibt zwei Mitarbeiter: Jabeen Bhatti, Chefredakteurin und leitende Schriftstellerin, ist eine US-amerikanische Auslandskorrespondentin in Berlin, und Jasen Oversdorf, Asien-Editor, ein US-amerikanischer Auslandskorrespondent mit Sitz Neu-Delhi.

“Die Anzeige, die ich für die Journalisten-Jobs ausschrieb sagte deutlich, dass sie in einer Zeitzone leben müssen, die es ihnen erlaubt, Chatter zwischen 6.00 und 7.00 Uhr östlicher Zeit liefern zu können. Mit Sitz in Europa und Asien, sind Bhatti und Overdorf in der Lage, innerhalb des Nachrichtenzyklus zu leben und aus Sicht der Zeit der Ostküste sogar diesem voraus zu sein.”

Das jetzige Ziel des Teams ist es, die Stimme und Richtung des Daily Chatter zu verfeinern. Irgendwann, in nicht allzu entfernter Zukunft, möchte Jones einen Wochenend-Podcast aufnehmen.

Daily Chatter wird nach drei gratis Probemonaten bescheidene zwölf US-Dollar im Jahr kosten und jeden Wochentag ausgesendet, sowie auch auf der Daily Chatter Website veröffentlicht. Es beinhaltet keine Werbung. Am vergangenen Donnerstag gab es 900 neue Abonnenten (nochmals, diese zahlen für die ersten 90 Tage nichts). Balboni selbst stellt die Mittel um Daily Chatter zu unterstützen, ebenso trägt auch Jones dazu bei.

“Wir nehmen möglicherweise noch ein paar Investoren dazu, aber wirklich brauchen tun wir sie nicht,” sagte Balboni. “Unsere Gewinnschwelle ist nicht heroisch. Daily Chatter wird sehr effizient laufen, ich tue viele Dinge selbst, und wir werden in der Lage sein, ein hochqualitatives Produkt zu einem Gesamtpreis anzubieten, welches uns die Chance gibt erfolgreich zu sein.”

Etwas ungewöhnlich für einen E-Mail-Newsletter ist es, dass sich die Artikel nicht stark auf Links stützen, auch wenn ein paar darin verstreut sind. “Es ist fast – es ist nicht eine Kolumne, es ist eine Art von neuem Tier,” meint Balboni. “Ich weiß nicht, ob es eine Kategorie hat ohne in eine andere zu fallen, aber es ist alles außer ein E-Mail-Newsletter.” Balboni verbrachte Monate damit, die Kategorie zu studieren, indem er tägliche Angebote von Webseiten wie Quartz und Vox gelesen hat und “allgemein gesprochen sind dies Markenerweiterungen, die darauf fokussiert sind, die Förderung ihrer eigenen Inhalte auf verschiedenen Wegen zu optimieren.”

Ein besserer Vergleich zu Daily Chatter mag möglicherweise The Skimm sein, der auf 18- bis 34-jährige Frauen ausgerichtet und auf 1,5 Millionen Abonnenten heran gewachsen ist. “Die Gründer hatten eine sehr klare Mission über was sie erreichen wollten” und eine definierte Zielgruppe, meinte Balboni. Dasselbe erhofft er sich auch über Daily Chatter, obwohl dessen demografische Gruppe etwas anders ist:

“Das sehr gut ausgebildete Segment der Bevölkerung, in allen Altersgruppen und Einkommensniveaus… Ich denke, dass ein wesentlicher Anteil der jungen Menschen und ich glaube, viele dieser Leute, sowohl junge als auch andere, eine geringe Nachrichtenmarke-Loyalität auf nationaler und weltweiter Ebene haben. Dies gibt uns die Möglichkeit, ihnen zu dienen.”

Die Montagsausgabe des Daily Chatter beinhaltet fünf Storys. Die Titelgeschichte ist über Gewalt in politischen Kampagnen – ein immer wichtigeres Thema in den USA dank Donald Trump, aber auch ein Problem in Europa. Die Story behandelt Trumps gewalttätige Kundgebungen als Stück eines breiteren weltweiten Trends der “Politik der Angst.” Andere Storys berichten über Kundgebungen in Brasilien, Attacken in Westafrika und der Türkei und einen japanischen Bauer, der sich um verlassene Tiere nach der Kernschmelze in 2011 kümmert. Das Ziel des Newsletters ist es “progressiv, aber nicht ideologisch,” zu sein und die meisten Inhalte fokussieren sich auf Bereiche außerhalb der USA.

“Wenn eine US-amerikanische Story deutlich von globalem Interesse ist, dann sollte es Teil davon sein, über was wir schreiben,” sagt Balboni. “Aber es wird so viel über US-Nachrichten berichtet und so relativ wenig über Weltgeschichten getan und das ist meine Leidenschaft. Die US-Präsidentschaftswahl ist eindeutig von Interesse auf der ganzen Welt, aber wir müssen darüber nicht jeden Tag berichten.”

Erkenntnisse dank GlobalPost

Balboni hat öffentlich nicht viel über den Verkauf von GlobalPost, das im Jahr 2008 als “der erste reine Online-Nachrichtendienst der Welt” ins Leben gerufen wurde, gesagt. Balboni und Co-Gründer Charles Sennot erstellten die Seite teilweise als Antwort auf den Trend der amerikanischen Zeitungen, deren Auslandsbüros herunterzufahren. Die Website startete mit 65 Auslandskorrespondenten in 48 Ländern, die auf einem sogenannten “Freiberuf-Gehaltsmodell” von 1.000 US-Dollar pro Monat, sowie einer Beteiligung an dem Unternehmen, arbeiteten. Der Plan war es, Einnahmen über Werbungen, Syndikationen in Zeitschriften und einem bezahlten Premiumprodukt, genannt Passport, zu erlangen.

Passport sollte anfänglich 199 US-Dollar pro Jahr kosten, aber es hatte nicht viel Anklang bei den Abnehmern gefunden. Der Preis für ein Abonnement viel im Laufe der Jahre auf 49,95 US-Dollar pro Jahr und dann auf 29,95 US-Dollar pro Jahr oder 1,99 US-Dollar pro Monat. “Dies ist eine fünf- bis 15-jährige Bemühung um das Verbraucherverhalten verändert zu bekommen,” erklärte zu dieser Zeit Balboni Ken Doctor. Balboni hatte gehofft, dass die Mitgliedschaft bis 50 Prozent der Einnahmen von GlobalPost ausmachen würden, aber dies kam nicht mal Ansatzweise an die Erwartung heran. Bis 2014 hatte GlobalPost acht Vollzeit-Mitarbeiter und sieben Vertrags-Mitarbeiter. Die Seite kämpfte, war aber nie außer Betrieb.

“Jeder CEO muss die ganze Zeit denken und jeder weiß, dass der Journalismus ein hartes Geschäft ist,” hat Balboni mir gesagt. Er überdachte die Optionen für GlobalPost: “Wir könnten unabhängig bleiben, oder wir könnten an jemand anderen verkauft werden oder wir könnten mit einer anderen Partei eine Art Projekt eingehen.” Er verbrachte 18 Monate damit, verschiedene Verkaufsstellen zu suchen, aber “es blieb dabei, einen Ort zu finden, an dem unsere Werte respektiert würden und die Mission von Menschen fortgeführt würde, die wir respektierten. Es war klar, dass WGBH dieser Ort sein würde,” sagte Balboni. Obwohl er nicht den Preis, den WGBH für GlobalPost bezahlt hat, offenlegte, “war es nie wegen dem Geld.”

Aber die Erfahrung veränderte die Art, wie er über die Finanzierung des Journalismus gedacht hat. “Als wir GlobalPost ins Leben gerufen haben, waren CPMs ziemlich hoch, aber in 2011, 2012, sind sie stark gefallen und blieben nach wie vor sehr unerträglich,” sagt er. Mit DailyChatter

“gehen wir zu dem Modell zurück, das in der Vergangenheit funktioniert hat, nämlich wo man für Journalismus gezahlt hat. Es schafft eine stärkere Zwei-Wege-Beziehung, denkt an die Leser als Kunden… Es ist sehr befreiend, nicht auf Werbung fokussiert sein zu müssen, sondern sich nur auf das Produkt konzentrieren zu können und damit den Kunden glücklich machen.”

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Globe” by Luke Price (CC BY 2.0)


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Mailchimp probiert hinter einer Paywall eine neue Werbestrategie aus

mailchimp-vinyl-toy (adapted) (Image by Tomos [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Mailchimp möchte sein Produkt platzieren – dies geschieht jedoch hinter einer Paywall. Es stellt sich die Frage: Wem nützt das? Ein Forbes-Artikel, der neulich veröffentlicht wurde, beschreibt ein kommendes Hörstück auf dem Abonnement-Service für Premium-Inhalte von Midroll namens Howl, das Produktplatzierungen von Mailchimp, dem Zugpferd für Podcast-Werbegelder, einschließen wird. Gemäß diesem Artikel wird der E-Mail-Newsletter-Service, der auch Hot Pod und das Nieman Lab beliefert, wohl “heimische Inhalte beitragen, die innerhalb der Storyline existieren”.

Der Podcast selbst klingt spannend: Das Drama mit dem Titel “Fruit” ist ein aus der Ich-Perspektive erzähltes Drama über X, einen professionellen, afroamerikanischen Fußballspieler, der homosexuell ist.

Das Projekt wurde durch Issa Rae, bekannt aus der YouTube-Serie The Misadventures of Awkward Black Girl, ins Leben gerufen. Rae entwickelt derzeit die neue HBO-Show “Insecure”, für die das Netzwerk, laut Deadline eine Serienbestellung aufgenommen hat.

Sei’s drum, was ich an der ganzen Produktplatzierung besonders interessant finde – vor allem auf der Seite von Mailchimp – ist folgendes:

  • Fruit wird hinter der Paywall von Howl veröffentlicht, was die Entscheidung von Mailchimp, dort zu werben, zu einer ganz besonderen macht. Das Unternehmen kauft im Grunde Werbespots für mehr Sichtbarkeit in einer strukturell eingeschränkten Gruppe, was eindeutig gegen die typische Verbreitungsstrategie spricht. Es ist unklar, wie viele Menschen Howl tatsächlich abonniert haben. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass es weitaus weniger sind als die durchschnittliche Hörerschaft von, sagen wir, einem stärkeren Radiotopia-Podcast. Auf unsere Nachfrage hin lehnte Scripps ab, die Abonnentenzahl zu veröffentlichen.

  • Wenn Werbetreibende Spots auf frei zugänglichem Podcast-Content kaufen, erhalten sie Zugang zu zwei Arten von Mehrwert. Der eine kann von der Zahl der durchschnittlichen Hörerzahl abgeleitet werden – einer Zahl, die weiter gefasst, konzeptionsloser und mit der jetzigen Podcast-Technologie ein wenig ungreifbar ist. Der andere ist der potenziell erzielbare Wert im Falle eines unerwartet starken Wachstums des Podcasts (siehe Serial). Obwohl das letztere Szenario nur relativ selten vorkommt, kann das Potenzial sehr berauschend erscheinen.

  • Eben dieses Potenzial existiert jedoch bei Inhalten hinter Paywalls nicht. Podcasts sind für das Standardpublikum schwer zu greifen und diese Hürde wird durch die Existenz von Paywalls noch vergrößert. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist die kleine Hörerschaft von Howl vermutlich zielgerichteter und definierter, wenn man davon ausgeht, dass Midroll mehr granulare Daten von Howl-Usern hat – was wahrscheinlich der Fall ist. Daher kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass Mailchimp einen Mehrwert in dem Zielkonflikt zwischen dieser zielgerichteten, kontrollierten Hörerschaft und einer potenziell chaotisch größeren Menge sieht.

  • Zusätzlich wird die Neuigkeit, dass Mailchimp sein Produkt auf zahlungspflichtigen Inhalten platziert, wohl auch Idioten wie mich dazu bringen, darüber zu reden und so den Namen Mailchimp weiter zu verbreiten. (Für ein weiteres Beispiel von “Neuheit als Strategie” lesen Sie die Berichte rund um die GE Podcast Theater-Kampagne vom letzten Jahr. Haftungsausschluss: Dieser Podcast, The Message, wurde von meinem Arbeitgeber, Panoply produziert.)

  • Auf der anderen Seite ist ein natürlich integrierter Produktplazierungs-Spot vielleicht nur eine Spaßaktion von Mailchimp.

Die Premiere von Fruit soll im Premium-Abonnement-Service von Howl im nächsten Monat stattfinden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „mailchimp-vinyl-toy“ by Tomos (CC BY-SA 2.0)


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Zum Start von Lenny: Lena Dunham interviewt Hillary Clinton

Lena Dunhams feministischer Newsletter Lenny ist da. Zum Start wartet die US-amerikanische Fernsehmacherin (“Girls”) und Autorin mit einem Interview mit der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Rodham Clinton auf. Das ist ziemlich handzahm geraten, aber liefert zumindest die gewünschte Star-Power. Und es verdeutlicht, dass Dunham mit Lenny den Anspruch hat, nicht nur um die Befindlichkeiten der eigenen Generation zu kreisen, wie sie schreibt.

Millenials werden oft eines unglaublichen Solipsismus‘ bezichtigt, der sich in dem Wunsch ausdrücke, seinen eigenen Bauchnabel zu instagrammen, statt sich mit der Welt um sie herum zu beschäftigen. Aber das ist einfach nicht wahr – und ihr seid der Beweis”, so Lena Dunham und Mitgründerin Jenni Konner in einem Vorwort zum Newsletter.

Lenny war von Dunham lange angekündigt worden. Schon im Juni dieses Jahres sprach sie vom Konzept eines Newsletters, “bei dem es nicht zu viele Information geben kann”. Als Themen des Newsletters benannte sie damals Feminismus, Style, Gesundheit, Politik und Freundschaft. Ein recht breites Themenspektrum, das die Lenny-Chefredakteurin Jessica Grose da kuratieren muss.

Was den Newsletter inhaltich zusammenhält, ist eine Haltung. Lena Dunhams Mantra, das sich auch in ihrer Fernsehserie “Girls” zeigt: Man kann als Frau glamourös sein und Schuhe lieben und sich gleichzeitig für Politik und Feminismus interessieren. Deshalb geht es nach dem Clinton Interview weiter mit einer kurzen Einordnung des Denim-Trends, einer queeren Hochzeit und der Frage: Ist meine Periode komisch?

Die Beantwortung der Frage soll der Auftakt zu einer Serie über Gesundheitsfragen sein, die Frauen interessieren. In der Serie “Out of Print” werden vergessene Autorinnen und ihr Werk vorgestellt. Insgesamt ist Lenny eine gute Mischung aus Themen, die viele junge Frauen weltweit ansprechen dürften – ja, aus der feministischen Sicht von Lena Dunham und ihres Dunstkreises.

Und Dunhams‘ Feminismus ist keineswegs unumstritten, immer wieder wird kritisiert, ihre Sicht sei die einer überprivilegierten, weißen Frau, die Probleme von weniger begünstigten Frauen und Minderheiten ausblende. Platz für Kritik bietet auch Dunhams “Stargast”: Dass sie zum Start ausgerechnet Hillary Clinton interviewt, zeigt, dass Dunham nicht vor politischen Statements zurückschreckt.

Hillary Clinton (Image: Meryl Rowin)
Hillary Clinton (Image: Meryl Rowin)

Dass daraufhin Chris Köver in der deutschen Wired schon vorsorglich geschlußfolgert wird, dass Clinton in einem “episch langen, kostenlosen Wahlkampfwerbespot” wohl genau die Seite zeigen kann “die ihr Wahlkampfteam uns präsentieren will”, ist ein zu pauschaler Vorwurf, der auf alle künftigen Interviews jedes Politikers weltweit zutrifft – bei Dunhams sehr gefälligen Fragen an Clinton aber durchaus eine Berechtigung hat.

Dass Clinton die Profiteurin des Arrangements sei, ist nicht zwangsläufig so. Natürlich verfolgt Clinton mit dem Interview ein Eigeninteresse: Sie will die junge, weibliche Zielgruppe erreichen, die Lena Dunham so begeistern kann. Dafür bekommt Dunham für die erste Folge von Lenny ein politisches Schwergewicht, das auch noch perfekt in die Dunham-Welt passt, wie sie selbst im Vorwort schreibt: Clinton sei ein Vorbild, das coole Anzüge trage und sich nicht dafür entschuldige, in einer Männerdomäne selbstbewusst aufzutreten – aus ihrer Verehrung für Hillary Rodham Clinton macht Dunham immerhin kein Geheimnis.

Dass Dunham das Format eines wöchentlichen Newsletters gewählt hat und nicht, sagen wir, ein Blog startet, hat vielleicht auch mit der Konkurrenz zu tun. Seiten wie Jezebel, The Hairpin und Vice-Ableger Broadly sind bereits existierende Beispiele eines modernen Feminismus im Netz. Lenny soll zudem nicht die schnellen News liefern, sondern hat einen magazinigeren Ansatz, der sich an eine spitze Zielgruppe richtet. Die könnte sich durchaus freuen, die Neuigkeiten ihrer Identifikationsfigur Dunham direkt ins Postfach geliefert zu bekommen. Leser-Blatt-Bindung hieß sowas früher mal.


Teaser & Image by Gino DePinto


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Die New York Times setzt verstärkt auf Newsletter

The New York Times (adapted) (Image by Alec Perkins [CC BY 2.0] via Flickr)

In einem Bericht von Lucia Moses auf digiday.com wird deutlich, wie viele Gedanken sich die New Yorker Tageszeitung machen muss, damit die Newsletter-Abonnenten weiterhin interessiert bleiben und eventuell sogar zu einem zahlenden Abonnenten werden. Da die vergangenen Newsletter eher wie Erweiterungen der einzelnen News-Bereiche waren, decken die neuen Newsletter noch eine größere Bandbreite an Themen ab und sind vor allem persönlicher gestaltet.

Neben diesen Themen bezogenen Newslettern fokussiert sich die New York Times mit einem Newsletter sogar nur auf eine einzelne Person, den Kolumnisten Nicholas Kristof. Für Dork Alahydoian, den Executive Director der New York Times, war es Zeit, dass Newsletter mehr als nur die Nachrichten abdecken. Also haben sie sich Gedanken gemacht, wie man auch diejenigen ansprechen könnte, die sich für andere Themen interessieren.

Am Ende standen zwei verschiedene Denkansätze zur Diskussion. Der erste Gedanke war, über die schon bestehenden Themen hinauszugehen, sprich auch in Bereiche wie beispielsweise LifeStyle. Der andere Ansatz war, eher einen schmaleren Pfad einzuschlagen. „Es ist nicht mehr so, dass ein Format allen gefällt“, so Alahydoian.

Die Mühe zahlt sich aus

Die New York Times veröffentlicht nicht die Anzahl der Newsletter-Abonnenten, teilte aber eine andere Zahlen mit, die einem einen Eindruck vom Erfolg macht: die Anzahl an Abonnenten ist in den letzen sechs Monaten um 14 Prozent gestiegen. Laut Lucia Moses bedeutet das im Bezug auf den Newsletter, dass aus zehntausenden von Abonnenten einige Millionen geworden sind. Es wird geschätzt, dass wöchentlich 50 Prozent der Newsletter auch wirklich geöffnet werden. Von einigen der neueren Newsletter werden wohl sogar bis zu 70 Prozent geöffnet. Zum Vergleich: die durchschnittliche Newsletter-Öffnungsrate von Medienunternehmen liegt bei 38,5 Prozent.

Zwar verdient die New York Times auch durch Werbung in den Newslettern, aber noch wichtiger sei es, dass sich die Menge an Lesern vergrößert, da sie sehr abhängig von zahlenden Abonnenten ist. Die Newsletter sind der Schlüssel dazu: es ist doppelt so wahrscheinlich, dass ein Leser der New York Times ein zahlender Abonnent wird, wenn er oder sie sich vorher für einen Newsletter eingetragen hat.

Hochwertige Qualität ist das A und O

Da es jedoch immer mehr Newsletter von den unterschiedlichsten Unternehmen gibt, ist es besonders wichtig, seinen Lesern etwas hochwertiges bereitzustellen. Dafür hat die New York Times extra ein zwölfköpfiges Team, das sich genau darum kümmert. Um die Nutzer auf die Newsletter aufmerksam zu machen, wurde mit Social-Media-Posts das Interesse der Leser geweckt. Für den Kristof-Newsletter zum Beispiel haben sich inzwischen 50.000 Nutzer eingetragen, nachdem er sechs Monate lang auf den Social-Media-Kanälen und der Website promotet wurde.

Ein anderer Aspekt, den die New York Times in den Newsletter mit hineinbringt ist, dass sie weg von dem RSS Feed ähnlichen Design, hin zu einem selbst geschriebenen Newsletter gegangen ist, wodurch diese persönlicher wirken. Außerdem ist die New York Times drauf und dran, neue Designs und Layouts auszutesten, die alles noch ansprechender machen sollen.


Image (adapted) “The New York Times” by Alec Perkins (CC BY 2.0)


 

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Newsletter: Zwischen Archiv und seriellem Storytelling

HTC Wildfire Mail Icon (adapted) (Image by DigitPedia Website [CC BY 2.0] via Flickr)

Sind Newsletter eine Geheimwaffe gegen die Informationsflut? Zwei journalistische Influencer und ihre Direct-Mailings im Vergleich. Vor dem Hintergrund des Siegeszugs sozialer Medien und Messenger-Dienste wird seit einiger Zeit der Tod der E-Mail diskutiert. Zumindest bemühen sich die Nutzer eifrig darum, ihre Inbox mit diversen Strategien und Tools schneller zu leeren, als der digitale Postbote neue Briefe bringt. Ungeachtet dessen bleibt das Format des Newsletters beliebt. Nun ist auch der Journalist Dirk von Gehlen mit einer regelmäßigen Aussendung am Start. Und zum Vergleich wird hier ein Blick auf das ganz anders gestrickte Angebot seines amerikanischen Kollegen Alexis Madrigal geworfen.

Zum Jahreswechsel diagnostizierte die britische Wired „The return of the newsletter“ und auch im Jahresrückblick auf 2014 von Tobias Schwarz spielte das Thema eine Rolle. Nun erschienen erstmals die „digitalen Notizen“ des Leiters „Social Media/Innovation“ bei der Süddeutschen Zeitung. „Digitale Notizen“, so lautet auch der Titel des privaten Blogs von Dirk von Gehlen, in dem er seit 2007 „interessante Merkwürdigkeiten aus der Medienwelt“ behandelt. Ende 2014 hatte der Autor des durch eine Crowdfunding-Kampagne finanzierten Buchs „Eine neue Version ist verfügbar“ folgende Vorgabe formuliert: „Monatlich gibt es einen Einblick in die aktuelle Debatte um Digitalisierung und Medienwandel„. Erkenntnisziel sei der distanzierte Blick abseits des Tagesgeschäfts: „Was bleibt von all den Neuigkeiten und Veränderungen? Welche Schlüsse kann man daraus ziehen? Welche Muster kann man erkennen?

Inhalt auf Einladung

Allerdings lässt sich der kostenlose Newsletter nur auf Einladung lesen. Diese gab es für die Interessenten am abgeschlossenen Buch-Crowdfunding ebenso wie in begrenzter Anzahl für Leser des Blogs. Für weitere Verbreitung sorgt das Schneeballprinzip mit dem registrierte Empfänger Einladungen erhalten und weitergeben können. Der Verteiler umfasste bei der ersten Lieferung so über 700 Empfänger. Diese erwartet in den Januar-Notizen nach einer Einleitung eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen journalistischen (Geschäfts-)Modellen digitaler Medien entlang einiger aktueller Aussagen von Beteiligten aus der Branche (u.a. Andy Carvin, dessen Kritik auch bei den Netzpiloten schon Thema war). Von Gehlens Fazit: „Datengetriebene Medien haben keine Probleme damit, auch Werbekunden Zugang zu ihren Daten zu geben – und diese so nicht für die reine Reichweite, sondern für das Wissen über die Nutzerinteraktion zahlen zu lassen.“ Der letzte Teil des Newsletters erfüllt dann eine klassische Informationsfunktion, denn es werden überwiegend eigene Artikel verlinkt. Insofern liegt der Inhalt des Brief(ing)s irgendwo zwischen Blogpost und Archiv digitaler Lebensaspekte des Autors.

Täglich fünf faszinierende Sachen

Alexis Madrigal dürfte einem größeren Publikum durch seine Tätigkeit beim US-Magazin „The Atlantic“ bekannt sein, wo er vor allem (digitale) Technologie-Themen bearbeitete. Seit Ende 2014 fungiert er für den TV-Kanal „Fusion“ als Verbindung zum Silicon Valley. Madrigal versendet seinen Newsletter schon länger und begründete sein Interesse an diesem Format mit einer Kritik des in den sozialen Medien dominierenden Modus der Produktion und Rezeption von Inhalten: „The Stream is fun and fast, but don’t you miss the sense of an ending?“ Demgegenüber akzentuierte er: „My newsletter is finite (always less than 600 words) and it comes once a day. It has edges. You can finish it.“ Obgleich hier ebenso wie bei von Gehlen das Motiv des Innehaltens anklingt, wird es ganz anders umgesetzt: Werktäglich liefert Madrigal „five intriguing things“ (5IT ist deshalb der Titel seines Newsletters). Dabei handelt es sich in der Regel um Zitate aus (nicht immer aktuellen) Texten, die online verfügbar sind. Im Gegensatz zur Praxis von Presseschauen werden die Quellen erst ganz am Ende genannt und auch die Autoren nicht immer erwähnt. Inhaltlich erwartet die Abonnenten dann eine Wunderkammer der modernen Welt, die von Geek Dads, Makers, Robotern, Drohnen usw. usf. bevölkert ist.

Serielles Storytelling

Technisch wird die Aussendung mittels des Anbieters Tiny Letter realisiert. Dabei handelt es sich um die simple sowie komplett kostenfreie Variante des Dienstes von Marktführer MailChimp (dieser hat Tiny Letter bereits vor einiger Zeit aufgekauft). Interessant ist, dass sich Tiny Letter als „Email for people with something to say“ positioniert und unter anderem mit Madrigal auf der Startseite bewirbt. Hier rücken Newsletter in die Nähe eines eigenständigen Content-Kanals, der auf serielles Storytelling abzielt. Ähnlich liest sich auch die Ankündigung einer „Mini-Serie“ bei der Plattform „Medium.com“: Die Leser sollen den Newsletter abonnieren, um vor anderen Interessenten die nächste Episode zu Gesicht zu bekommen. In der Kombination von exklusivem Inhalt und Marketing fungieren Newsletter so als relevante journalistische Kommunikationsangebote für die digitale Gesellschaft.


Image (adapted) „HTC Wildfire Mail Icon“ by DigitPedia Website (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 25. September

In unseren Lesetipps geht es heute um Journalismus durch Crowdfunding, die Berliner Foto-Plattform PicsaStock, Kritik an Bonaverde, Facebook und die Medien sowie den Newsletter „My little Paris“. Ergänzungen erwünscht.

  • DURCHGEDREHT MIT… Startnext.de: Durchgedreht mit…: Auf Startnext kann die Interviewreihe „Durchgedreht mit…“ unserer Autorin Gina Schad unterstützt werden. Die Videointerviews mit dem Schwerpunkt Kultur und Internet befragen Künstler und Kreative zu ihren aktuellen Projekten. Im Mittelpunkt steht dabei folgende Frage: Wie hat die Digitalisierung die Arbeitswelt des jeweiligen Interviewpartners verändert? Wir Netzpiloten haben die ersten Videos unterstützt, ich habe gestern dann als erster Startnext-Nutzer eine Spende getätigt und Ihr solltet das jetzt auch machen. Hier kann sich die Crowd für journalistische Vielfalt mit Niveau einsetzen und etwas über die Realität der Digitalisierung lernen, abseits des alles verurteilenden F.A.Z.-Feuilletons und schönfärberischen Parteitagsreden.

  • PICSASTOCK Venture Village: Testing PicsaStock, a platform that lets you sell your Instagram & co. pictures: Auf Venture Village stellt unsere Autorin Felicitas Hackmann die Berliner Fotoplattform PicsaStock vor, bei der Nutzer ihre mobilen Fotografien hochladen und lizenzieren können. Im Zeitalter der Mobile Photography haben Smartphone-Fotografen, die wir inzwischen nun einmal alle sind, die Möglichkeit mit ihren Fotografien auch etwas Geld zu verdienen. Und die Uploads der Mitglieder von PicsaStock zeigen, wie hoch die Qualität der Bilder inzwischen ist. Hier können übrigens auch Originale von mir gefunden werden. ;-)

  • BONAVERDE t3n: Schlittert Bonaverde ins Crowdfunding-Desaster?: Ende Juli schlossen wir unseren Artikel über das Berliner Startup Bonaverde, das die erste Röst-Mahl-Brüh-Kaffeemaschine der Welt entwickelt, mit den Worten „Wir sind gespannt, was uns noch erwartet.“ Auf t3n zeigt uns Daniel Hüfner, wie die Crowdfunding-Erfolgsgeschichte weitergeht: da die Produktion der Kaffeemaschine offenbar mehr Probleme als erwartet macht, wurde nun das Design-Konzept vollständig verändert. Zum Ärger der Unterstützer. Besonders interessant ist die Reaktion von Kickstartern, die den Spagat zwischen Projekturhebern und Unterstützern versuchen.

  • FACEBOOK Digiday: How Facebook is courting publishers: Auf Carta.info habe ich gestern darüber geschrieben, wie sehr Medien von Facebook abhängig sind, heute liefert John McDemott auf Digiday.com einen weiteren Beleg dafür. Facebook gibt den Ton in den meisten Redaktionen an und wenn man ein internationales Medium ist, bekommt man sogar Schulungen von Facebook, wie Content aufbereitet sein sollte. Das lässt sich Facebook natürlich vergüten, die Medien bekommen dafür mehr Daten über ihre Leser, was ankommt und was nicht. Sich nur aber auf Facebook und Instagram zu verlassen, ist ein gefährlicher Kurs.

  • NEWSLETTER t3n: So macht man aus einem Newsletter ein Unternehmen mit 14 Millionen Euro Umsatz: Auf t3n hat Birthe Ziegler in einem Gastbeitrag der Online Marketing Rockstars über den französischen Newsletter „My little Paris“ berichtet. Was für Fany Péchiodat als private Mail an 50 Freunde begann, ist inzwischen ein richtiges Unternehmen mit mehr als 1,5 Millionen Newsletter-Abonnenten und einem Jahresumsatz von 14 Millionen Euro. Ein Erfolgsgeschichte, die zeigt, was man außerhalb Deutschlands schon lange weiß: mit Werbung in Newslettern lässt sich noch Geld verdienen.

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5 Lesetipps für den 25. August

In unseren Lesetipps geht es heute um den Börsengang von Rocket Internet, das Leistungsschutzrecht, Künstliche Intelligenz, Newsletter und die Online-Strategie des Playboy. Ergänzungen erwünscht.

  • ROCKET INTERNET Manager Magazin: Rockets Drehbuch für den Börsengang: Der Börsengang eines großen Technologie-Unternehmens ist manchmal mehr Show als Business und das aus gutem Grund: ein Drehbuch schreibt die Geschichte vorab. Vor dem Hintergrund des mutmaßlich anstehenden Börsengangs von Rocket Internet, erklärt Andrea Rungg auf Manager-Magazin.de, wie so ein Börsengang abläuft und bei wem die Samwer-Brüder diesmal kopiert haben.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT iRights: Weshalb das Kartellamt die Google-Beschwerde der VG Media ablehnt: Eigentlich ist es nach der Aufhebung diverser Gesetze durch das Bundesverfassungsgericht ein weiteres Signal für die Inkompetenz der Bundesregierung, doch zumindest wahren einige Institutionen die Ordnung im Lande: das Bundeskartellamt hat die Beschwerde der VG Media gegen Google abgewiesen und damit ein Versäumnis der Politik ausgebessert. Das Kartellamt sieht Google nicht in der Pflicht Lizenzen aufgrund des Leistungsschutzrecht von den Verlegern zu erwerben und das Kartell der Großverlage scheint demnächst selbst in den Fokus des Kartellamts zu rücken. Mit einer vernünftigen Politik unter Angela Merkel, egal mit welchem Koalitionspartner, wäre das alles nicht nötig gewesen.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Vox: Will artificial intelligence destroy humanity? Here are 5 reasons not to worry.: Endlich kann ich wieder ruhig schlafen und das nur aufgrund dieser fünf Punkte von Timothy B. Lee, die erklären, warum wir uns nicht davor fürchten müssen, ob Künstliche Intelligenz die Menschheit zerstören wird oder nicht. Denn wie in Hollywoods besten Filmen kommt es dann doch nicht. Punkt 4, für Macht braucht man Beziehungen und nicht Intelligenz, finde ich noch am verständlichsten, aber Punkt 5 kann richtig gut diskutiert werden: Je mehr Intelligenz in der Welt existiert, desto weniger wertvoll wird sie. Gelten die Gesetze des Kapitalismus hier wirklich?

  • NEWSLETTER do-s.de: Die Renaissance der E-Mail: In seinem technisch höchst interessant selbst aufgesetzten Blog schreibt der Journalist Dominik Schmidt über die Renaissance der E-Mail und ihren Bedeutungsgewinn, trotz sozialer Netzwerke. Ein schon lang diskutiertes Geheimnis, dass so manches Thema im hinterem Raumende einer Journalismus-Veranstaltung ist und den auch wir bestätigen können, denn neben unseren Leserzahlen wächst nichts so schnell wie die Abonnenten unserer Newsletter. Für Medien, in den USA ist man hier natürlich auch schon weiter, aber für Blogger, stecken hier enorme Potenziale drin.

  • PLAYBOY Digiday: Playboy goes (mostly) smut-free for a digital rebrand: An sich ist die Digitalisierung für die Erotik-Branche bisher mehr Segen als Fluch, doch gerade ein Magazin wie der „Playboy“, ein Medium, dass vor allem aus Content in Form von Artikeln und Bilder setzt, steht vor den gleichen Herausforderungen wie alle anderen Medien auch. Deshalb lohnt sich ein Blick in die Online-Strategie des Verlages, denn die Voraussetzungen ähneln denen anderer Medien: mehr als 60 Prozent der Leser kommen aus den sozialen Netzwerken, klassische Playboy-Leser sind nicht an Medien wie BuzzFeed oder GQ interessiert und lesen den Playboy sowieso ja schon seit Jahren nur wegen der Artikel.

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Bequem und stylisch: der Sitzsack fürs Smartphone

Damit es eure Smartphones auch am Arbeitsplatz bequem haben, verlosen wir 25 Handysitzsäcke, die uns SitzsackProfi zur Verfügung gestellt hat!

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Dank SitzsackProfi können wir euch 25 Sitzsäcke für das eigene Smartphone anbieten. Dadurch kann das eigene Smartphone bequem abgelegt werden, ohne dass man Kratzer oder Flecken befürchten muss und schick sieht es auch noch aus. Verlosen tun wir die praktischen Sitzsäcke unter den ersten 25 Neu-Abonnenten von einem unserer Newsletter – entweder den Klicktipp-Newsletter oder den News-Newsletter. Einfach anmelden und eine Mail an redaktion@netzpiloten.de mit dem Betreff „Sitzsack“ und eurer Adresse schicken. Somit registriert ihr euch für das Gewinnspiel. Zusätzlich bietet uns SitzsackProfi an, dass wir den Neu-Abonnenten, die sich innerhalb der nächsten 14 Tage für einen unserer Newsletter anmelden, einen Gutschein-Code schenken, mit dem man noch mal 10 Prozent Rabatt bei Bestellungen auf Sitzsack-Profi.de bis zum 31.Dezember bekommt.

Also schreibt uns bis zum 26. August eine Mail an redaktion@netzpiloten.de und teilt uns mit, welchen Newsletter ihr abonnieren wollt, um einen Gutschein-Code von über 10 Prozent für SitzsackProfi zu bekommen und mit etwas Glück einen Sitzsack für euer Smartphone.

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Oldies but Goldies: Warum Newsletter noch lange nicht tot sind

Letters to Aussie MPs - No Clean Feed Please (adapted) (Image by Donna Benjamin [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Newsletter führen im Online-Marketing ein Leben im Schatten sozialer Netzwerke. Und doch stapeln sie sich in den Posteingängen. Aus guten Gründen. Ja, auch ich habe es schon oft getan: Ohne die E-Mail zu öffnen habe ich wahrscheinlich schon hunderte, vielleicht tausende Newsletter mit einem Mausklick und ohne mit der Wimper zu zucken ins digitale Nirwana geschickt. Newsletter umweht der Hauch des Verruchten, nicht selten landen sie im Spam-Ordner neben dubiosen Angeboten nigerianischer Prinzen. Und doch ist er überall: Kaum ein Magazin, kaum ein Unternehmen bietet nicht die Möglichkeit, die eigene E-Mai-Adresse zu hinterlegen, um dann regelmäßige Updates zu bekommen.

In Zeiten von Facebook, Twitter oder Whats App wirken Newsletter arg altmodisch: Einfache E-Mails mit klarer Sender-Empfänger-Struktur ohne Kommentarfunktion, keine Share-Buttons, die Abonnenten wissen nichts voneinander. Und doch erhalten sich Newsletter auch im Jahr 25 nach Tim Berner-Lees Erfindung des WorldWideWebs ihren Platz im Online-Marketing und der Nutzerbindung.

Tatsächliches Interesse, weil Abonnent zweimal aktiv werden muss

Wer freiwillig seine Adresse angibt und dann in einem zweiten Schritt auch noch das Abonnement bestätigt, hat tatsächliches Interesse an den Inhalten: Schließlich muss eine Person zweimal aktiv werden – weitaus mehr Aufwand als ein “Gefällt mir” bei Facebook oder ein “Folgen” bei Twitter. Und das macht die Abonnenten wertvoll: “Eine solide Basis von E-Mail-Abonnenten aufzubauen, ist wertvoller als eine Followerschaft auf Twitter”, schreibt Sean Blanda in seinem Text “Pretty Much Everything I Know About The News Business” auf Medium.

Eine Umfrage unter 1292 Personen aus dem Jahr 2012 zeigt, dass Newsletter über alle Altersgruppen hinweg eine weite Verbreitung haben: Statistiken finden Sie bei Statista.

Der Klassiker der Newsletter ist Werbung. Gerade E-Commerce-Unternehmen wissen um den Vorteil von Newsletter-Abonnenten, denen man die neue Produkte immer wieder unter die Nase halten kann. Online-Shops für Kleidung lassen sich mehr Einträge im Adressbuch etwas kosten: Bei Zalando gibt es einen Fünf-Euro-Gutschein, beim Frontline-Shop sogar zehn Euro, genauso wie bei Tchibo. Das Ziel ist klar: Käufer akquirieren, Stammkunden bekommen.

Publikum unabhängig von Facebook, Twitter und Co.

Auch für Medien aller Couleur bietet es sich an, sich mit Newslettern ein Publikum unabhängig von sozialen Netzwerken aufzubauen. Die meisten Medien bieten Teaser im Newsletter an, die Monetarisierung läuft dann indirekt über vermehrte Zugriffszahlen auf die Webseite oder direkt durch Anzeigen in den E-Mails. Das Wirtschaftsmagazin Quartz optimiert zum Beispiel den Newsletter für seine Leser auf der ganzen Welt, so dass er je nach Zeitzone immer morgens im Postfach liegt.

Ungewöhnlich ist der Blog Brain Pickings. Die Betreiberin Maria Popova bietet jede Woche die besten Posts im Volltext an. Die Abonnenten sollen gar nicht unbedingt dazu überredet werden, auf die Seite zu klicken. Es reicht, wenn sie sich mit den Inhalten beschäftigen. BrainPickings Geschäftsmodell basiert nicht auf Werbung, sondern baut auf freiwillige Geldspenden, die prominent angepriesen werden – auch im wöchentlichen Rundschreiben.

The Next Draft: Der Superstar unter den Newslettern

Mein Name ist Dave Pell und ich habe ein Problem. Von Kindesbeinen an bin ich von Nachrichten besessen„, schreibt Pell, der als der Superstar unter den Ein-Mann-Newslettern gilt. Fast 30.000 Abonnenten soll „Next Draft“ haben. Aus über 50 Seiten kuratiert Pell Tag für Tag die zehn besten Geschichten. WordPress-Gründer Matt Mullenweg persönlich hat Pell angeboten, ihm einen Blog zu sponsorn. Pell’s Weg hatte eine ungewöhnliche Richtung: Erst existierte der Newsletter, dann eine iOS-App und erst im neuesten Schritt, bekam Next Draft einen Blog: „Durch die Blog-Version konnte ich das Teilen der Beiträge erheblich verbessern„, sagte Pell dem WordPress-Blog Post Status.

Ein Vertreter der Einzelkämpfer-Newsletter aus dem deutschsprachigen Raum ist der Schweizer Journalist David Bauer, der sein „Weekly Filet“ an etwa tausend Abonnenten verschickt. „Das Weekly Filet ist eigentlich eine Disziplinierungsmassnahme für mich. Es sorgt dafür, dass ich mir jede Woche einen halben Tag Zeit nehme für all die spannenden Inhalte, die ich im Netz finde, für die ich im Alltag aber zu wenig Zeit finde„, sagt Bauer. Monetarisieren will er seinen Blog nicht, allerdings hatte er 2012 eine Partnerschaft mit dem Schweizer Magazin: „Empfehlungen zur Syndizierung“ nennt er das. Gelegentlich spenden ihm Leser Geld: „Was mich besonders freut: Wenn jemand spendet, dann meistens gleich einen nennenswerten Betrag„.

Newsletter, die sich an ein Fachpublikum richten, sind die einzigen, die sich direkt monetarisieren lassen. Spitze Zielgruppen sind bereit, tatsächlich Geld für Informationen zu bezahlen. Ein Beispiel ist das Magazin Business Insider, dessen Research-Abteilung namens Business Intelligence einen Newsletter für 995 US-Dollar im Jahr anbietet. Dafür soll es jeden morgen „In-Depth Research On What Matters In Digital“ geben. Zwei Wochen kann man die Mail kostenlos zur Probe beziehen.

Und wann ist ein Newsletter erfolgreich?

Doch wie immer stellt sich die Frage: Wann ist ein E-Mail-Newsletter erfolgreich? Die Zahl der Abonnenten allein kann es nicht sein. Man denke nur an die Vielzahl von Newsletter, die jeder von uns schon gelöscht hat. Es gibt zwei Standard-Methoden, um den Erfolg über die quantitative Leserschaft hinaus zu messen: Wann wandert der Newsletter nicht ungeöffnet in den digitalen Papierkorb, sondern wird tatsächlich geöffnet? Und: Wie oft klicken Empfänger die Links in der E-Mail? Diese Indikatoren ähneln vom Prinzip her dem der Zugriffszahlen bei Webseiten und haben daher mit den gleichen Nachteilen zu kämpfen. Das Wichtigste und gleichzeitig das Schwierigste: Ein Newsletter darf nicht nerven. Und wenn doch, dann ist die Mail schnell gelöscht.


Die Netzpiloten haben gleich zwei verschiedene redaktionelle Newsletter – einen mit News und einen mit Klicktipps.


Image (adapted) „Letters to Aussie MPs – No Clean Feed Please“ by Donna Benjamin (CC BY-SA 2.0)


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