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Deus ex digitus: Theater im digitalen Mantel

Klassische Aufführungsorte wie das Theater werden seit geraumer Zeit stilistisch ausgedehnt. Viele Theatermacher bauen in ihre Inszenierungen mediale Elemente ein und formen dabei eine Ästhetik, die den Raum des Denkbaren erprobt. Es finden sich kaum mehr Theaterstücke, die nicht aus dem weiten Datennetz fischen oder digitale Medien als Requisite hinzuziehen. Für manche scheint diese Form der Wendung nicht nur die geschmackliche, sondern auch die veritable Grenze zu sprengen. Man echauffiert sich über diesen Wagemut der Sinne wie erregte Kleriker und verkündet das Ende des Theaters. Eine kategorische Ablehnung ist immer noch die wirksamste Methode, Aufmerksamkeit zu erregen. Der Einsatz von iPads und Live-Streams sei eine Versittung, ein kultureller Niedergang. Die zunehmende Technisierung auf der Bühne, wie das Abspielen von Filmelementen, Projektionen oder anderweitige Video-Installationen, würden dem Stück allmählich seine Identität rauben. Ein Erkennungswert wäre nicht mehr vorhanden und das ursprüngliche Stück entfremdet, da eine illusionistische und werkgetreue Inszenierung fehlen würde. 

Einteilungen und Ordnungen

Interaktionen sind nicht willkommen in bestimmten Kreisen. Die bewusste Vermengung unterschiedlicher Disziplinen verursacht daher bei manchen Menschen einen starken Widerwillen. Widerwillen sollte man allerdings nicht mit politischem Widerstand verwechseln. Nicken und Toleranz suggerieren trifft es am ehesten. Nun ist man Experimentelles oder Spielereien von kleinen Theatern gewohnt, jedoch nicht an den renommierten Häusern, die sich zunehmend zum kultur-elitären Biotop entwickeln. So weit reicht das Verständnis nun doch nicht. Manchmal hat man das Gefühl, dass Kritiker lediglich persönliche Befindlichkeiten kommunizieren, sobald die gewohnte Einteilung oder Ordnung durcheinander gerät. Das Auge fürchtet nämlich nichts mehr als die Disharmonie. So erwartet man eine gemütliche Theateraufführung und ist dann empört über Bilder, die den eigenen Erwartungen nicht entsprechen und wie ein schwarzer Balken im Bilderkosmos erscheinen. Jenen geht es aber nicht nur um die vermeintliche, ästhetische Verunglimpfung eines Stücks, vielmehr lehnen sie ungewohnte, fremdwirkende Methoden kategorisch ab.

Störung führt zum Dissens

Manche haben festgelegte Regeln für gute Kunst, das heißt, die Zusammensetzung muss stimmig sein, einen Konsens ergeben. Selbst „moderne“ Interpretationen bewegen sich innerhalb dieser Vorgabe und folgen einer festgelegten, ästhetischen Logik. Statt eines gemütlichen Theaterabends, ist man plötzlich mit einer Masse von Technik und digitalen Erscheinungen konfrontiert, die mitunter zur Unerträglichkeit wachsen können und Verwirrung stiften, da sie abstrakt wirken und dem Anschein nach logische Lücken aufweisen. Man stört sich an den Bildern und hinterfragt die Sinnhaftigkeit solcher Inszenierungen. Die Störung ist jedoch entscheidend: statt Konsens herrscht nämlich Dissens. Der platzierte Bruch mit herkömmlichen Denk- und Sichtweisen entspricht keinem bekannten Identitätsmuster und folglich ist auch kein Wiedererkennungswert vorhanden. Das Fehlen von klassischen Verhaltens- und Identifikationsmustern löst beim Betrachter Unbehagen und Abwehr aus. Das Fremde oder Andere passt daher auch nicht ins Weltbild.

Während der Konsens oft Ignoranz und Verfehlung zugleich darstellt, da sie die Angleichung sucht, bewirkt der Dissens grade die Akzentuierung der Verfehlung als die notwendige Differenz. Statt Realitäten auszublenden, ist die Einbeziehung digitaler Medien, so unschön sie auf manche wirken mag, eine Notwendigkeit, um die Spannungen zu fühlen und die Interaktion zwischen den verschiedenen Realitäten zu fördern. Die kategorische Verbannung bestimmter Realitäten hingegen ist gleichzeitig die radikale Vereinnahmung des Raumes. Stattdessen sollte Sie jedem zugänglich sein und partizipieren statt auszugrenzen.

Spielplatz

Theater ist mehr als nur ein Ort für pädagogische Aufklärung oder die kritische Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Themen oder Misständen. Es ist vorallem auch Experimentierstätte und Spielplatz, demnach auch Fläche, wo Beteiligte oder Ereignisse auch den Streit einbringen, Diskrepanzen erproben. Die Aufhebung eines Regelkonstrukts und die Vermischung verschiedener Einteilungen ist ein positiver Nebeneffekt, dass im Spiel, im Experiment entsteht. „Theater ist ein Labor der Gegenwart. Das bedeutet, es kann und darf einem auch um die Ohren fliegen.“ Dieses Zitat stammt vom deutschen Theaterregisseur Kay Voges, der des Öfteren den analogen Theaterraum in eine virtuelle Bühne verwandelte, mit Virtual Reality-Brille, Hologrammen, Videoscreens und allem technischen Know-How. Aufgrund seiner Erfolge und der Aktualität gründete er die „Akademie für Digitalität und darstellende Kunst„, um die Idee des Spiel-Labors aufzugreifen und Platz für alternative Formen zu schaffen. Kunst und Technik können voneinander lernen.


Image by fotoatelier.hamburg via stock.adobe.com

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#LessonLearned: Embedding von Videos, Fotos und Podcasts

Wie geht Embedding im eigenen Blog (Image by geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Durch das Embedding von Multimedia-Inhalten, also das „Einbetten“ von beispielsweise Videos, Fotos oder Podcasts, können eigene Beiträge interessanter gestaltet werden. Doch gerade diese für BloggerInnen praktische Funktion ist oft gar nicht bekannt, dabei bieten u.a. mit YouTube, Twitter, Facebook, Instagram und SoundCloud viele große Plattformen die Möglichkeit an, den Content von Dritten rechtssicher zu nutzen und in eigenen Beiträgen zu embedden.

Bei den Netzpiloten nutzen wir die Methode des Embedding von Multimedia-Inhalten, um in unseren Artikeln bestimmte Themen oder Aussagen weiterführend zu behandeln. Anstatt beispielsweise eine angesprochene Rede von jemanden Zitierten wiederzugeben, betten wir das Video der Rede ein, oder geben unseren LeserInnen, durch einen ein Thema behandelnden Podcast, auf unserer Seite die Möglichkeit, über unseren Text hinaus mehr zu erfahren. Hält man sich an die Regeln und achtet darauf, was für Inhalte durch Embedding genutzt werden, stellt dies keinen Rechtsverstoß dar.

Nachfolgend schildere ich für eine Auswahl an sozialen Netzwerken die Möglichkeit des Embedding von Inhalten (grundsätzlich ähnelt sich das Verfahren bei fast allen Plattformen):

1. Videos von YouTube

Embedding von YouTube-Videos im eigenen Blog

Unter jedem YouTube-Video findet sich die Option „Teilen“. Klickt man darauf, gibt es als zweite Möglichkeit das „Einbetten“ von Videos. Hier zeigt YouTube einen HTML-Code an, den man kopieren und in der HTML-Ansicht seines Blog-Editors einfügen kann. Unter der Vorschau des Videos können Nutzer zwischen verschiedenen Größen wählen, in denen das Video angezeigt werden soll oder eine benutzerdefinierte Größe nach den Maßen des eigenen Blogs festlegen. Dadurch können zum Beispiel in einem Beitrag besprochene Videos auch direkt in dem Artikel eingebetten werden, so dass die LeserInnen selber sehen können, ohne die Seite zu verlassen, was gemeint ist. So haben wir am Ende von Patrick Kiurinas Artikel über Slack, den Mitgründer und CEO Stewart Butterfield „selber zu Wort kommen lassen“.

2. Tweets und Videos von Twitter

Embedding von Tweets und Videos von Twitter im eigenen Blog

Während meiner Reise als ElbeBlogger habe ich viele Videos mit der Twitter-App aufgenommen und nach der Aufnahme getwittert. Wenn ich dann über das Erlebte bloggte, habe ich die Videos direkt bzw. die Tweets mit den Videos in den Artikel eingebaut. Ein gutes Beispiel dafür ist mein Artikel über die Elblotsen, in dem es viele kleine Twitter-Videos gibt (am Ende sogar ein Video von YouTube), die den Text perfekt ergänzen. Dazu öffnet man einen Tweet im Browser, klickt auf das Drei-Punkte-Menü und wählt „Tweet einbetten“ aus. Ähnlich wie bei YouTube kann dann ein HTML-Code kopiert und in der HTML-Ansicht des Blog-Editors eingefügt werden. Handelt es sich um ein getwittertes Video, kann dieses auch an sich embedded werden, es empfiehlt sich aber immer den Tweet (auch ohne Foto oder Video) zu embedden, da dann auch der Text angezeigt wird.

3. Fotos und Video von Instagram

Embedding von Fotos und Videos von Instagram im eigenen Blog

Beim Enbedding ähnelt Instagram in der Herangehensweise Twitter. Ist ein Bild oder Video im Browser geöffnet, kann man durch einen Klick auf das Drei-Punkte-Menü am unteren rechten Rand die Funktion des Embedding nutzen. Durch einen weiteren Klick auf den „Embed“-Knopf erscheint der HTML-Code, der wieder kopiert und dann in der HTML-Ansicht des Blog-Editors eingefügt werden kann. Wer in dem HTML-Code die passende Zeile zur Breitenangabe findet, kann auch selber den Code an die Maße des eigenen Blogs anpassen. Fotos und Video werden auf die gleiche Art und Weise eingebettet. Ich habe dies einmal für ein Videoformat genutzt, in dem ich dem Autor Tim Cole interviewte, seine Antworten als Instagram-Videos aufzeichnete und die veröffentlichten Videos hintereinander weg einbettete und nur noch die Fragen in Textform zwischen die Videos setzte.

4. Podcasts und Musik von SoundCloud

Embedding von Musik und Podcasts von SoundCloud im eigenen Blog

Musik nutzen wir (zumindest bis jetzt) auf Netzpiloten.de nicht, allerdings gerne mal einen Podcast oder die Audio-Aufzeichnung eines Interviews. Im Februar haben wir beispielsweise den Vorsitzenden des Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“, Jens Koeppen, interviewt und die Aufzeichnung des Interviews auf SoundCloud veröffentlicht und dann die Datei dem Transkript des Interviews vorangestellt. Dazu muss die SoundCloud-Datei im Browser geöffnet und auf „Share“ gedrückt werden. Ähnlich wie bei YouTube wählt man jetzt die zweite Option, „Embed“, und bekommt den HTML-Code angezeigt, den man dann wieder kopieren und in der HTML-Ansicht des Blog-Editors einfügen kann. SoundCloud bietet einem noch die Wahl zwischen drei Größen des eingebetteten Players und noch kleine Individualisierungen, ähnlich wie auch YouTube.


Teaser & Image „Finger“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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6+ Fähigkeiten, die der Journalist von heute drauf haben sollte

Während die Medienhäuser ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen müssen, gilt es für Journalisten gleichzeitig ihr Können zu erweitern.

6+ Fähigkeiten, die der Journalist von heute drauf haben sollte

Print-Redaktion bauen nicht erst seit der Financial Times Deutschland und der Frankfurter Rundschau Stellen ab. Vieles verlagert sich ins Digitale. Die neuen Jobs in den Online-Medien sind daher hart umkämpft und setzen zudem eine Vielzahl von Fähigkeiten voraus, die man als festes Mitglied einer Print-Redaktion bisher nicht zwangsläufig mitbringen musste.

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